New York

Professor van Dusen (13) – van Dusen spielt Theater

Titel: Professor van Dusen (13) – van Dusen spielt Theater / Verlag: Allscore / Spielzeit: ca. 49 min / Sprecher: Nicolai Tegeler, Udo Schenk, Christian Rode, Lutz Harder ua

Inhalt: Im New Yorker Stadtteil Harlem sterben Menschen, und niemand weiß, woran. Rechtsmediziner Calvert obduziert die Leichen, ohne auch nur den geringsten Hinweis auf die Todesursache zu finden. Hat vielleicht das Wasser aus dem Washington-Brunnen mit den eigentümlichen Todesfällen zu tun? Zumindest scheinen alle Verstorbenen in ihren letzten Stunden aus dem Brunnen getrunken zu haben. Als Reverend Harding an der rätselhaften Erkrankung stirbt, nachdem er mit Professor van Dusen und Hutchinson Hatch gesprochen hat, wähnen sich die beiden auf der richtigen Spur.


Beim Hören dieser Folge habe ich mich schnell gefragt, wann das Theater aus dem Titel beginnt, denn davon ist bis zur Überführung des Täters nichts zu erahnen. Da muss man sich also etwas gedulden.
Bis dahin wird man aber mit einem ganz abwechslungsreichen Fall bei Laune gehalten. Dabei ist es erstaunlicherweise recht fix klar, wohin der Hase eigentlich läuft. Genauso ist man sich auch über den Täter ziemlich bald im Klaren, Unterhaltsam ist der Weg zu all diesen Erkenntnissen auf jeden Fall, denn einmal mehr brilliert der Professor mit seiner Cleverness. Manche Gedankengänge und die Dialoge, in denen er sie darlegt, lassen einen dabei auch mal schmunzeln.
Zuletzt will natürlich der Täter auch noch überführt werden und dabei wird die Geschichte dann auch ihrem Titel gerecht. Gleichzeitig wird es dabei noch einmal spannend, denn die Darbietung des Professors ist so glaubhaft, dass man tatsächlich um ihn bangt.

Udo Schenk quasi in die Rolle eines Patholgen zu stecken, hat bei seiner Stimme seinen ganz eigenen Reiz. Er klingt wunderbar böse und zwielichtig, was einen genialen Kontrast zu van Dusens munterer Redeweise bildet. In einer kleineren Rolle ist der unlängst verstorbene Christian Rode zu hören und gibt mit ruhiger Stimme und überheblichen Ton einen Reverend, dem man ebenfalls nicht so recht trauen möchte.

Aufwendige und stimmungsvolle Musikstücke begleiten das Geschehen ebenso wie eine Vielzahl an verschiedenen Geräuschen. So ist alles wie immer sehr anschaulich und voll der typischen Atmosphäre der Reihe.

Das Cover gewährt dieses Mal einen Einblick in die Pathologie, was per se schon für eine spannende Handlung und Neugierde sorgt. Das passt gut zur Geschichte. Lachen musste ich über den armen Hatch rechts in der Ecke, der sich an diesem Ort nicht ganz so wohl fühlt.

Fazit: Anfangs sieht es aus als sei der Fall etwas zu einfach gestrickt. Das ändert sich aber schlagartig als es an die Enttarnung des Täters geht. Bis dahin wird man aber mit einer unterhaltsamen Erzählung bei Laune gehalten, bei der man dieses Mal sogar ein bisschen Mitknobeln kann.

Rockes Welt #03 – Wenn einer eine Reise tut…

Hallo ihr Lieben!

Wir sind zurück aus dem Urlaub! Es war echt cool! Ich muss euch unbedingt davon erzählen!
Aber das Wichtigste zuerst: ich habe mich durchgesetzt und durfte im Handgepäck mitreisen!

Das sah fast genauso aus wie auf diesem Foto beim Probesitzen als es noch hieß, ich solle in den Koffer.

rocketascheAber das mit dem Außenfach hat dann leider nicht geklappt, ich musste ins Hauptfach. Deshalb habe ich vom Flughafen leider nichts gesehen. Dabei war da richtig was los, soweit ich es erlauscht habe. Erst eine Bombenwarnung und später mussten wir sogar einen ganz anderen Flieger nehmen als geplant, weil unserer irgendwie Verspätung hatte. Mal ganz ehrlich: wie kann etwas, das so schnell fliegt noch zu spät dran sein? Aber es geht wohl doch.

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Ich durfte erst im Flugzeug aus der Tasche raus und bin natürlich sofort zum Fenster gestürmt. Aber erstmal waren wir ja noch am Boden. Angeblich konnte man da einen Airbus sehen. Ein fliegender Bus? Also ich habe schon Busse gesehen und die sahen erstens anders aus und geflogen sind sie auch nicht.

rocke3Dann ging es aber endlich los! Ich bin ja noch nie geflogen und ich muss schon zugeben, dass mir etwas flau zumute war. Zum Glück können wir Ratten uns nicht übergeben. Das hat sicher auch die Leserattz und ihr Männchen gefreut, hehe!
Oben angekommen wurde es dann aber schnell besser. Ich finde ja, dass dieses Foto ganz besonders schön ist.

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Weil die Leserattz Angst hatte, dass ich mich langweile und Unsinn anstelle (ich doch nicht!), hat sie mir ein Hörspiel aus dem Bordprogramm herausgesucht. „Faust Junior – Die Wissensdetektei – Die Rückkehr des Rattenfängers“ hieß das. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob sie mir damit irgendwas sagen wollte. Was meint ihr? Aber lustig war es schon! Übrigens soll mal jemand passende Kopfhörer für Rattenohren designen. Das sieht doch total affig aus so!

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Als das Hörspiel durch war, habe ich mir mal angeschaut, wie wir geflogen sind. Ganz schön viel Wasser. Und ich glaube, wir haben sogar Eis gesehen als wir nahe an Grönland vorbeigeflogen sind. Ich kann zwar ganz toll schwimmen, aber in Eiswasser…nee, da mag ich Eis in einer Waffel lieber. Am liebsten Vanille und Schokolade. Und Nuss. Wenn noch jemand das Käseeis erfinden würde, wäre ich die glücklichste Ratte der Welt!

Jetzt habe ich noch ein paar Fotos für euch von mir in New York. Viele sind es nicht. Irgendwie hatte die Leserattz oft Angst, mich aus dem Rucksack zu lassen. Auf dem „Empeier Stäit Bilding“ hätte ich ja wegfliegen können. Dabei hätte ich mich richtig gut festgehalten, ganz sicher. Und ich lasse mich auch nicht so einfach klauen! Meine Zähne sind messerscharf. Da hätten mich die New Yorker aber kennengelernt! Andererseits ist es aber auch ganz lieb, dass sie sich so um mich gesorgt hat, oder? Und dabei war ich immer, egal wohin die beiden gegangen sind! Gucken konnte ich also immer! Und es gab so viel zu sehen!

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Das bin ich am „Teims Skwär“. Da haben sie Pause gemacht und ich durfte raus aus dem Rucksack. Ich sage euch, da war vielleicht was los! Und überall Lichter und Geblinke. Gut, dass meine Augen nicht so gut sind. Da war ich endlich mal froh darüber, sonst wäre ich vielleicht blind geworden. Und dann hätte ich nicht mehr lesen können. Und dann…nee, darüber möchte ich lieber nicht nachdenken. Gefallen hat es mir trotzdem. Wir Ratten leben ja meist in großen Gruppen zusammen. Deshalb macht mir solch ein Trubel nichts aus.

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Ich habe ja schon gesagt, dass sie dauernd Angst hatte, ich könnte wegfliegen oder entführt werden. Deshalb durfte ich auf der „Brucklin Britsch“ nur mit der Leserattz zusammen auf das Foto. Hui, bin ich klein gegen die Häuser dahinten!

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Auf diesem Foto sehe ich zum Glück wieder größer aus. Das war auf einer Fähre zu einer Insel, die „Stäiten Eiländ“ heißt.

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Von unterwegs hatte man einen echt coolen Ausblick auf die Stadt!

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Als echter Charmeur, der ich nun mal bin, hatte ich natürlich auch bald einen kleinen Urlaubsflirt an der Pfote. Die Leserattz hat sich halb totgelacht. Was kann ich denn dafür, dass die Mädels so auf mich fliegen? Leider spricht sie nur Englisch und das kann ich gar nicht gut. Sollte ich vielleicht mal lernen…?

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Auf diesem Foto bin ich echt winzig. Hoffentlich könnt ihr mich überhaupt sehen. Das da hinter mir ist ein echtes Raumschiff! Ich habe gelesen, dass auch schon mal Ratten im Weltall waren. Aber die waren Versuchstiere und mussten schlimme Versuche über sich ergehen lassen. Oft sind sie auch gestorben. Dann bleibe ich doch lieber winzig, aber immerhin lebendig auf der Erde.

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Einen Tag hatten wir wirklich schlechtes Wetter. Da sind wir zu einem Einkaufszentrum gefahren. Mit einem Bus! Und war hat dieser Bus gemacht? Er ist gefahren! Busse fliegen nicht! Sag‘ ich doch! Was sie mir da auf dem Flughafen wieder weismachen wollten…

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Die Leserattz hatte während des Urlaubs Geburtstag. Den haben wir mit einem „Kocktäil“ in einem Restaurant gefeiert, das sich ganz langsam dreht. Das war cool! Nicht nur das Drehrestaurant, sondern auch der „Kocktäil“. Ich habe ein paar Mal nippen dürfen. Süß und dann das leckere Obst, schmatz! Danach war mir dann leider etwas komisch. Ich stand plötzlich so wackelig auf den Pfoten! Keine Ahnung, was das war. Und als ich dann das ganze Obst weggeputzt habe, da hat sie ganz schön gemeckert und gesagt, das Alkohol nichts für Ratten ist. Wieso ist er dann so lecker?

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Ja, ich gebe zu, ich sitze ganz schön schief da und die Füße sind irgendwie auch nicht so wie sie gehören. Aber da drehte sich schon nicht mehr nur das Restaurant, sondern auch alles andere. Ich glaube, Alkoholobst rühre ich so bald nicht mehr an. Irgendwie ist das aber unfair! Ihr Männchen und sie haben jeder ein ganzes Glas getrunken und trotzdem nicht schief dagesessen.

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Das bin ich im „Senträl Park“ auf so einem Berg aus Stein. Das war schön da! Da konnte man toll faul sein und in der Sonne rumliegen oder picknicken. Und ich habe ein paar Tiere kennengelernt. Ein ziemlich hektisches Eichhörnchen und schwimmende Schildkröten und ein paar Enten.

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Als echte Leseratten haben wir uns natürlich auch ein paar Buchläden angeschaut. Einer hieß „Strand Bucks“, dabei war da weit und breit nirgends ein Strand. Das schwöre ich! Nur Bücher. Total viele Bücher! Und das ist mindestens genauso toll wie ein Strand, nicht wahr? Das da oben ist nur ein Regal. Damit war der ganze Laden vollgestopft. Und die Regale reichten echt bis zur Decke!

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Wahnsinn! Da wäre ich ja sofort eingezogen. Und ich glaube, die Leserattz auch!

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Dieser Laden hieß „Bucks of Wonder“. Da gibt es nur Bücher für Kinder und Jugendliche. Als Leseratte ist man in New York echt im Paradies, das sage ich euch!

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Das waren meine Fotos vom Urlaub. Ich hoffe, sie haben euch gefallen!

Nur eins hat mir an New York nicht gefallen. Stellt euch vor: die legen in den U-Bahnschächten Rattengift aus! Nicht zu fassen! Ich muss da mal an Ratnesty International schreiben, glaube ich.

Ich nehme mit jetzt das Englischwörterbuch vor. Ihr hättet mal hören sollen, was die Leserattz zu meinem Englisch gesagt hat! Woher soll ich das denn bitte können, wenn sie es mir nicht beibringt? Dabei wette ich, dass ihr mich trotzdem verstanden habt, oder? Trotzdem, es kann ja nicht schaden, ein bisschen Englisch zu können.

Lerneifrige Grüße

Euer Rocke

Rezension – Das Mädchen, das die Finsternis sieht (Jill Taynor)

maedchenfinsterDie 8-jährige Charlene zeichnet Bilder. Nichts Außergewöhnliches für ein Mädchen in ihrem Alter. Nur dass ihre Zeichnungen Abbilder grauenhafter Morde an Kindern sind, die in New York begangen werden.

ER hat es wieder getan. Wieder und wieder. ER liebt es, sie schreien zu hören. ER ist dem New York Police Department immer einen Schritt voraus, und niemand wird ihn je aufhalten können.

Bei diesem eBook war es ganz klar das Cover, das mich sofort angesprochen hat. Ich finde die Kleine ziemlich schaurig und es hat mich sofort interessiert, was es heißt, dass sie die Finsternis sieht.
Es heißt, dass die kleine Charlene immer in sich gekehrter wird und Bilder malt, die einem eine Gänsehaut bereiten. Jedenfalls ihrer Mutter und wenig später auch den Polizisten, die mit einem Fall um seinen Kindermörder auf der Stelle treten.
An der Story gibt es an sich wenig auszusetzen. Ein Kindermörder ist immer ein ziemlicher Garant für eine spannende und schaurige Geschichte. Dass Charlene Abbilder der Morde malt, ist ebenfalls nicht ohne. Und gemeinsam mit der Polizei habe ich lange Zeit genkobelt, wer der Mörder sein könnte. An so etwas habe ich immer meinen Spass und es hat hier eine Weile gedauert, bis ich mir sicher war, wer der Täter ist. Als Belohnung lag ich dann auch richtig. Es gibt nämlich nicht nur einen Verdächtigen. Außerdem wollte in unbedingt wissen, was Charlenes Mutter aus ihrem miesen Leben macht. Ich habe wirklich den Kopf darüber geschüttelt, wie lange und geduldig ihren Ehemann erträgt. Zum Glück erledigen sich einige Probleme in Thrillern ganz von alleine…
Ein paar Kapitel und Abschnitte sind aus Sicht des Mörders erzählt. So etwas bringt immer einen gewissen Pfiff in Geschichten, zumal man damit erstens den Ermittlern oft ein Stück voraus ist, zweitens aber auch, weil sie einem beim Mitknobeln helfen.
Der einzige inhaltliche Knackpunkt war für mich, wie New York beschrieben wird. Wie der hinterletzte Slum, der nur von Mord und anderen Verbrechen regiert wird. Der schiere Sumpf des Verbrechens quasi. Ich arbeite nicht bei der Polizei in New York, daher kann ich nicht sagen, ob das stimmt, aber hier wird in dieser Hinsicht dermaßen dick aufgetragen, dass man es schlichtweg nicht glauben kann.

So gut das bis hierher alles klingt, es gibt aber einen Haken an der Geschichte, der sie mir ziemlich verleidet hat, und das ist der Schreibstil. Das beginnt schon damit, dass der Killer natürlich erstmal keinen Namen hat. Es heißt immer „er lief“, „er musste zugeben“ usw. Dabei wird das ER stets groß geschrieben. Ja, der Killer ist eine zentrale Figur, aber das weiß man auch ohne Großschreibung. Außerdem lese ich ein groß geschriebenes „ER“ mit einer anderen Betonung als ein normal klein geschriebenes „er“. Und diese besondere Betonung passt selten zum Ton des restlichen Satzes. So lasen diese Sätze sich für mich sehr holprig. Übrigens wird es auch ER geschrieben, wenn zB die Polzisten über den Killer sprechen, was ich total unpassend fand.
Dazu kommen noch eine Menge sehr unbeholfen klingender Formulierungen. Mein „Liebling“ dabei ist „Sie nahm das Telefon in die Hand.“ An einer anderen Stelle griff sie zum Telefonhörer, was für mich deutlich besser klang. „Sie machte eine Geste“ fand ich auch sehr hölzern. Überhaupt „machen“ die Charaktere hier Vieles. Genauso recherchiert Polizisten Karen ständig. Nämlich immer, wenn sie sich an ihren Schreibtisch setzt. Und wenn sie nicht recherchiert, dann geht sie irgendwelche Fälle und Erkenntnisse durch. Und für mich hängen Indizien auch nicht einfach an einer Stellwand. Da hängen höchstens Zettel mit Bildern oder Notzigen zu Indizien.
Nein, sprachlich konnte mich die Geschichte gar nicht überzeugen und das hat sie mir letztlich auch verleidet

Das Cover gefällt mir, wie ich oben bereits geschrieben habe. Die zusammengekauerte Mädchengestalt mit den finsteren Augenhöhlen hat etwas wirklich Schauriges an sich. Ich wollte ihr nicht gegenüberstehen.

Fazit:  Der Fall für Detective Shields und ihre Kollegen geht völlig in Ordnung. Ein Kindermörder ist meist ein Garant für spannende und schaurige Thriller. Und ich habe auch eine ganze Weile geknobelt bis ich den Täter entlarvt hatte. Ich wäre also rundum zufrieden, wenn nicht dieser unbeholfene und schlichte Schreibstil wäre. Manche Formulierung tat mir richtig weh. Da sich das so durch die gesamte Story zieht, hat es mir die Geschichte leider komplett verleidet.


Titel: Das Mädchen, das die Finsternis sieht
Autor: Jill Taynor
Seiten: 73 (gedruckt, geschätzt)
Format: Kindle Edition
ASIN: B00K08TJZE
Preis: € 0,89 (eBook)

Rockes Welt #01 – Geld stinkt doch!

Hallo Freunde!

Als treue Fans der leserattz habt ihr heute sicher ihr Posting mit mir auf Facebook gesehen, oder?
Nicht?
Kein Problem!

 

rocke1grossJa, das bin ich. Und zwar mir IHRER Sonnenbrille und  MEINEM ersten eigenen Geld! Und das Geld scheint ihr ein echter Dorn im Auge zu sein. Ich gebe zu, das muss wehtun.
Hintergrund des Ganzen ist ja, dass es in etwa 14 Tagen in den Urlaub nach New York geht. Da bin ich natürlich mit dabei. Und zwar nicht, weil ich mich aufgedrängt hätte, nein, sondern weil sie mich -seit ich bei ihr wohne- fast überall mit hinschleppt. Zugegeben, ich habe so schon viel gesehen in meinem kurzen Rattenleben. Und vielleicht bin ich deshalb auch etwas verwöhnt, aber MEINE Schuld ist das sicher nicht!

Wie bin ich an das Geld gekommen? Ich habe es geschenkt bekommen! Damit wäre erstmal ziemlich klar, dass es tatsächlich MEINS ist.

rockebriefFür alle, die es nicht lesen können: „Liebe Sandra, lieber Oliver, wir wünschen euch eine erlebnisreiche USA-New York-Reise. Anbei Verpflegungsgeld für Rocke!“ (Oliver ist ihr Männchen)

Die Namen der Spender hat sie unkenntlich gemacht von wegen der Privatsphäre. Ihr wisst schon: das was ich bei ihr noch nie hatte. Aber ich mag ja Fotos von mir.

Es stimmt, SIE hat den Umschlag letztens auf einer Geburtstagsfeier bekommen, aber hey: ich war ja auch gar nicht dabei! Wie hätte ich ihn entgegennehmen können?

Wie gut zu lesen, steht da, dass das Geld in dem Umschlag für meine Verpflegung vorgesehen ist. Also erstmal finde ich, sie könnte sich doch freuen, dass sie nicht für mich aufkommen muss! Ich würde den beiden sogar ein Eis davon ausgeben! Und zweitens, wovor hat sie Angst? Mit $ 20 komme ich in New York vermutlich nicht mal im Rotlichtviertel für Ratten zu einer vergnüglichen Nacht! Ich weiß, was die leichten Rättinnen schon in Deutschland so kosten 😉

Erstmal hat sie mir deshalb das Geld auch gar nicht gegeben, sondern tagelang in der Handtasche mit sich rumgeschleppt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Als Ratte kann ich nicht gut sehen, vielleicht bin ich deshalb nicht sofort draufgekommen, aber meine Nase ist unschlagbar!
Und jetzt räume ich mit einem großen Vorurteil auf! Achtung, es geht los:

Geld stinkt doch!

Und das ist gut so, sonst wäre ich der Sache vermutlich gar nicht auf die Schliche gekommen!

Wohlhabende Grüße,

Euer Rocke

Rezension – Ich und andere uncoole Dinge in New York (Julia K. Stein)

uncooledingeEndlich: Für einen Sommer entkommt Judith der Kleinstadt im Ruhrgebiet, wo sie die ersten sechzehn Jahre ihres Lebens vergeudet hat. Eigentlich soll sie ihre Mutter begleiten, doch die ist mit ihrem neuen Geliebten und ihrer Karriere beschäftigt. Judith wird in Rachels WG einquartiert und zu einem Praktikum verdonnert. Dann trifft sie Peter, er ist selbstsicher, sieht großartig aus und kennt jeden Club in New York. Immerhin scheint der Plan aufzugehen und Peter wird ihr Freund. Doch während Judith sich mit Rachels herzlicher jüdischer Familie anfreundet, wird Peters Verhalten immer merkwürdiger. Wo ist er, wenn er angeblich studiert, warum bekommt er so viele Nachrichten und kennt  jeden Türsteher? Und dann ist da noch Adam, Rachels Bruder, dessen Nähe sie mehr verwirrt, als sie sich erklären kann.

Als dieses Buch günstig als eBook erhältlich war, habe ich zugeschlagen. Ich mag New York und der Titel verhieß eine fröhliche, sommerliche Geschichte rund um die erste Liebe einer Sechzehnjährigen, die sich offenbar für nicht allzu cool hält. Das fand ich auf Anhieb sympathisch, weil ich es nicht mag, wenn jemand so sehr von sich überzeugt ist, dass er sich selber als cool bezeichnet. Waren das bereits zu hohe Ansprüche, oder wieso ist die Sache mit diesem Buch und mir so kolossal gescheitert? Schauen wir mal genauer hin.
Erstens kam ich mit Judith einfach nicht klar, geschweigen denn, dass ich mich mit ihr hätte anfreunden können. Auf den ersten Seiten ging es noch, da erschien sie mir noch wie ein ganz normaler Teenie, was völlig in Ordnung  war. Doch kaum in New York und in der WG angekommen, wandelte sich das Bild. Plötzlich erzählt Judith wie die aufgeklärteste Erwachsene mit dem totalen Durchblick von ihrem neuen Leben. Sie durchschaut alles und jeden, allen voran ihre Mutter, und findet zielgenau jede Schwäche ihrer Mitmenschen, die sie dann auch umgehend anspricht. Dabei wäre es viel dringender notwendig, dass sie sich mal an die eigene Nase fasst! Zugeben, dass sie von ihrem Praktikantenjob null Ahnung hat? Nö, lieber durchmogeln! Und wieso kapiert Fräulein Superschlau nicht, was dem Leser nach wenigen Begegnungen mit Peter klar ist? Schon seltsam, wo sie sonst überall den Durchblick hat!
Dieses Job ist gleich der zweite Grund, worüber ich mich geärgert habe. Da kommt ein deutsches Mädel an und bekommt sofort eine Praktikumsstelle, weil die Mutter behauptet hat, es könne so gut programmieren. Das alleine finde ich schon hanebüchen. Dass Judith aber direkt richtige Aufgaben in Sachen Programmierung zugeteilt bekommt, ist für mich noch abwegiger. So bedürftig und blauäugig können doch nicht mal die Amis sein!
Und letztlich frage ich mich noch, wieso Rachels Familie jüdischen Glaubens sein muss? Ich habe weiß Gott nichts gegen Juden, ehrlich nicht! Aber so unglaubwürdig und dünn wie die Story sonst ist, hat Julia K. Stein da vielleicht gedacht, mit einer Schippe Moral und Offenheit noch was rausreißen zu können? Das wirkt als habe sie selbst bemerkt, dass die Story den jungen Lesern nichts an die Hand gibt, was ihnen im Leben nochmal nützlich sein könnte. Und als habe sie dann händeringend nach etwas gesucht und das Erstbeste eingebaut.
Ach so, es geht so viel um Liebe, aber dieses gewisse Kribbeln kam bei mir nicht eine Sekunden lang auf. Das fiel dann aber auch nicht mehr ins Gewicht.

Immerhin ist die Geschichte locker weg geschrieben. Somit fiel das Lesen an sich sehr leicht. Ich denke, wenn mich das obendrein noch angestrengt hätte, hätte ich schnell kapituliert.

Das Covermotiv wirkt schön sommerlich. Wahrscheinlich habe ich uA auch deshalb erwähnte falsche Erwartungen an die Geschichte gehabt.

Fazit:  16 Jahre alt, von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber im Glauben, den vollen Durchblick zu haben. Solche Charaktere sind nichts mein Fall. Da rege ich mich zu schnell auf. Ansonsten eine recht unglaubwürdige Geschichte, hinter deren größtes Mysterium (Peter) man als Leser im Nu steigt. Damit ist dann auch jegliche Spannung futsch. Und New York – Flair kommt ebenso wenig auf wie dieses Kribbeln, das eigentlich zu jeder Lovestory gehört.


Titel: Ich und andere uncoole Dinge in New York
Autor: Julia K. Stein
Seiten: 274 Seiten
Format: Kindle Edition
Preis: € 3,99

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