Oetinger Verlag

Denn morgen sind wir tot (Andreas Götz)

Denn morgen sind wird tot (Andreas Götz)Seit sie mit Adrian zusammen ist, ist das Leben der 16-jährigen Siri ein einziger Rausch. Am meisten fasziniert sie, dass Adrian sich nicht um Grenzen und Verbote schert. Lebe jetzt, ist sein Motto, denn morgen sind wir tot. Alles könnte perfekt sein, wäre da nicht Siris Ex-Freund Niklas, der Adrian sogar für gefährlich hält. Siri schlägt alle Warnungen in den Wind und ist bereit, für ihr Glück Eltern und Freunde zu hintergehen. Doch Niklas lässt nicht locker. Als er zur ernsten Bedrohung wird, schmieden Siri und Adrian einen Plan, der das Dunkelste in ihnen zum Vorschein bringt.

Dies ist ein irgendwie ein schwieriges Buch.
Warum?
Weil ich es in einer langen Nacht in einem Rutsch und in irrsinnigem Tempo durchgelesen habe. Ich fand es unglaublich spannend, war von Anfang an total neugierig darauf, wie es mit Siri und Adrian weitergehen würde, welche katastrophalen Folgen das alles noch haben würde. Denn schließlich erfährt man bereits im Klappentext, dass dieser Rausch der beiden böse Folgen hat. Und irgendwo war es auch dieses Drastische, das mich so sehr bei der Stange gehalten hat. Denn durch Adrian gerät Siri in Situationen, die so extrem sind, dass ich oft den Kopf geschüttelt habe. Das muss wohl sowas wie Sensationsgier gewesen sein bei mir. Allerdings -und das ist die Kehrseite und einer der Gründe, wieso die Geschichte schwierig für mich war- hätte ich oft auch durchdrehen und Siri schütteln können. All das wegen einem Typen? Gutes Aussehen, Talent im Bett in allen Ehren, aber trotzdem! Und das mit gerade mal sechzehn Jahren! Das ist der nächste Punkt. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass sechzehnjährige Mädels heute so drauf sind. Irgendwie möchte ich mir das auch gar nicht vorstellen. Womöglich, weil das so weit weg von meinem sechzehnjähren Ich damals ist und weil ich heute um einiges älter bin. Das kann gut sein.
In Zusammehang damit steht, dass ich gestaunt habe, dass eine Sechzehnjährige so quasi über Leichen geht. Ist das in diesem Alter tatsächlich möglich? Reicht dafür ein  bisschen schlechter Einfluss aus? Eine erschreckende Vorstelllung.
Was mich ebenfalls bei Laune gehalten hat, ist Siris Ex Niklas. Aber auch da gab es eine Sonnen- und eine Schattenseite an ihm für mich. Die Sonnenseite war der Niklas, der sich so um Siri bemüht, ihr immer wieder ind Gewissen redet. Die Schattenseite an ihm war, dass es Siri mit ihrer Meinung zu ihm, tatsächlich gelungen ist, dass ich Niklas entsetzlich nervtötend fand. So nervtötend, dass ich gewisse Folgen seiner Mühen an irgendeiner Ecke ein bisschen nachvollziehen konnte.
Denn natürlich habe ich Siri durchaus dieses Glück wie mit Adrian gegönnt. Nur eben mit einem Kerl, der nicht solch üblen Einfluss auf sie hat. Auch das ist schwierig zu erklären. Wenn Siri von ihm schwärmte, dann habe ich mich so für sie gefreut. Habe ich dann gelesen, was er mit ihr macht, wozu er sie bringt, habe ich ihn aus tiefstem Herzen gehasst.
Womit ich ebenfalls Schwierigkeiten hatte, was die direkte Ansprache dem Leser gegenüber. Siri erzählt aus zeitlicher Distanz von ihrem “Abenteuer” mit Adrian und spricht den Hörer relativ regelmäßig ganz direkt an. Das wirkte für mich immer wie aus der Erzählung herausgerissen. Abgesehen davon, dass ich mit dieser Art “Dialog” mit dem Leser ohnehin so meine Probleme habe. Ich brauche Nähe zur Hauptfigur, um mit ihr fühlen zu können, klar. Aber dafür brauche ich solch eine Erzählweise nicht, das gelingt auch anders. Ich bin allgemein einfach kein Fan davon, wenn sich eine Figur so direkt an mich wendet. So kumpelig. Das mag ich bei mir unbekannten oder erst kurz bekannten Menschen in der Realität auch nicht. Warum sollte das bei einem Buch anders sein?
Ach, und zuletzt: wie kann man Siri heißen? Selbst wenn es Spitzname ist. Will wirklich jemand so heißen wie die Handytrulla vom Apfel? Daran konnte ich mich bis zum Schluss nicht gewöhnen.

Siri erählt selber ihre Geschichte. Schön flüssig und jugendlich locker weg, schonungslos und direkt. Das liest sich weg wie nichts und dieses Atemlose in ihrer Erzählung hat auch mein Lesetempo ordentlich auf Touren gebracht. Viele Absätze sorgen dafür, dass man immer mal wieder eben eine kurze Pausen machen kann, aber immer auch das Gefühl hat, dass man einen Absatz mehr doch noch schnell schaffen wird, ehe man wegen frühem Aufstehen das Licht löschen muss. Mir ist das gar nicht gelungen.

Das Cover ist ein Hingucker mit den kontrastreichen Farben und außerdem auffallend schlicht gehalten. Ich mag sowas ja. Ich finde, so ein Look passt ideal zu einem Thriller und vermittelt auf den ersten Blick den Eindruck einer spannenden und düsteren Story zwischen den Deckeln.

Fazit: Wie schon geschrieben ein schwieriges Buch. Atemlos spannend, rasant und schockierend, aber eben auch ärgerlich, für mich schwer vorstellbar und stellenweise auch absolut nervig. Wenn es so gewollt war, dass die Story ein solches Gefühlschaos beim Leser hinterlässt, war das ein Erfolg auf ganzer Linie.


Titel: Denn morgen sind wir tot
Autor: Andreas Götz
Seiten: 368
Verlag: Oetinger Verlag
ISBN: 978-378913617
Preis: € 14,99 (Broschiert)

Darkmouth – Der Legendenjäger (Shane Hegarty)

Darkmouth - Der Legendenjäger (Shane Hegarty)Es gibt 1000 Gründe, nach Darkmouth zu kommen. Und eine Million, es lieber zu lassen. Das Leben des zwölfjährigen Finn ist alles andere als langweilig. Denn er ist der Sohn des letzten amtierenden äLegendenjägersô von Darkmouth. Dabei will er mit den Monstern eigentlich gar nichts zu tun haben! Doch als der finstere Riese Gantrua plant, geheime Portale zur äVerseuchten Seiteô zu öffnen und die gruseligsten und gefährlichsten Legenden auf Darkmouth loszulassen, hat Finn keine Wahl. Gemeinsam mit seinem Vater und der vorwitzigen Emmie stellt er sich dem großen Kampf.

Diese Geschichte habe ich erst als Hörbuch gehört und danach dann noch gelesen. Als Hörbuch hatte sie mir sehr gut gefallen, nun wollte ich gern wissen, wie sie alleine als Buch auf mich gewirkt hätte.
Da die Story die gleiche ist, kann das Buch unmöglich schlechter wegkommen…sollte man denken.
Das stimmt insofern, dass ich die Idee eines solchen, kleinen, von Legenden heimgesuchten Ortes auch gelesen wirklich klasse fand! Warum? Weil es nicht die üblichen Verdächtigen wie Hexen, Vampire uÄ sind. Und auch, weil man hier so auf gewisse Weise noch etwas lernen kann. Ich kannte nicht jede der Legenden und es hat Spass gemacht, weitere zu entdecken. Ich schätze, dass sich Kinder bzw junge Leser ebenfalls dafür begeistern können.
Außerdem mochte ich Finn auf Anhieb wirklich gerne. Leid tat er mir auch. Was muss das für ein Gefühl sein, in eine Familie von Legendenjäger hineingeboren zu werden und so offensichtlich talentfrei zu sein, von seinem Vater ständig angetrieben und von den Schulkollegen gehänselt und geärgert zu werden? Ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen und mit ihm fühlen. Und ich habe so gehofft -und hoffe es immer noch- dass seine große Stunde noch kommt. Denn eigentlich ist er ein sehr gescheites und gewitztes Kerlchen. Das nur leider ganz andere Träume im Leben hat als Legenden zu jagen.
Ich habe mich gefreut als Emmie in sein Leben trat. Auch wenn ich diesem Mädchen nicht so recht über den Weg getraut habe, so gefiel sie mir schon mit ihrer großen Klappe, ihrem Mut und ihren liebenswerten Unverschämtheiten. Endlich eine Freundin für Finn, der sich bislang alleine durchschlagen musste.
Man spürt beim Lesen recht schnell, dass in Darkmouth etwas ganz besonders nicht stimmt. Abgesehen von den unregelmäßigen Legendenangriffen. Und irgendwie hat es klar etwas mit Finn zu tun. Nur was? So habe ich gemeinsam mit ihm gerätselt und geknobelt. Da man immer mal wieder neue kleinere und größere Hinweise bekommt, bleibt es spannend. Und man hat das Gefühl, irgendwann sicher hinter das Geheimnis zu kommen. Ich mag es immer, wenn eine Geschichte mit dieses Gefühl vermittelt und denke, dass das nicht nur mir so geht. Sicher gefällt es jedem, wenn er merkt, dass er bei einem Rätsel auf der richtigen Fährte ist.
Bei einer Figur war ich mir bereits sehr früh sicher, dass sie falsch spielt. Dieser Verdacht hat sich nachher dann auch bestätigt. Auch solche Momente sind einfach schön.
Zwar ist die Geschichte spannend und oftmals auch rasant und actionreich, aber nie so richtig gruselig. Das passt so für ein Buch für 10- bis  12-jährige Leser ganz prima. Für mich hätte es gerne ein Spur schauriger sein dürfen, aber ich bin ja auch schon etwas älter. Ich denke, “Darkmouth” ist ein gelungener Einstieg ins eher düstere Fantasygenre.
Dabei darf allerdings auch gerne mal gelacht werden, was sehr auflockert. Ich habe über manche Formulierung lachen müssen. Shane Hegarty hat einen wunderbar pfiffigen Sinn für Humor.
Einen kleinen Knackpunkt habe ich in der Buchversion aber doch auch gefunden. Nämlich die Kapitel in der Welt hinter den Portalen, in der Welt der Legenden. Beim Hörbuch habe ich sie mir locker weg erzählen lassen, alles war gut. Gelesen habe ich mich so richtig hindurch gequält. Ich habe für Geschichten nichts übrig, die in kompletten Fantasywelten spielen. Auch dann nicht, wenn es nur kurze Kapitel sind. Mir ist es zu anstrengend, mir eine Welt erst komplett anlesen zu müssen. Das langweilt mich im Nullkommanix. Fantasy ja, aber nur, wenn das Geschehen in unserer Welt den Hauptanteil ausmacht. Und in diesen Kapiteln von “Darkmouth” ist das eben nicht der Fall. Mein ganz persönlicher Minuspunkt an der Geschichte.

Das Buch liest sich dank kurzer Kapitel, großer Schrift und zahlreichen Illustrationen weg wie nichts. Jedenfalls war das bei mir so. Ich denke, die jungen Leser werden sich etwas länger die Freude an der Geschichte erhalten können. Wie schon erwähnt, erzählt Shane Hegarty mit viel Humor. Auch das erleichtert mir das Lesen jedes Mal und spornt mein Lesetempo an.

Auf das Buch bin ich -wie so oft- durch das Cover aufmerksam geworden. Ich finde diesen Kontrast aus Schwarz und Giftgrün einfach nur absolut genial! Dieses Grün ist die ideale Farbe für eine dezent unheimliche Geschichte und lenkt sofort die Aufmerksamkeit auf das Buch.

Fazit: Dieser erste Band hat mir wirklich gut gefallen. Finn mochte ich auf Anhieb, Emmie ebenfalls und es hat Spass gemacht, sie durch diese spannende und rasante Story zu begleiten. Man kann gut miträtseln und hier und da stellte sich sogar ein Verdacht als berechtigt heraus. Das macht Spass! Und ich habe so manches mal schmunzeln und sogar lachen müssen. Der Humor hier ist genial! Lediglich die Kapitel in der Welt hinter den Portalen waren nicht mein Fall. Ich finde es langweilig und anstrengende, mir solche Welten anlesen zu müssen. Aber das ist mein ganz persönliches Problem. Das will ich keinesfalls verallgemeinern.


Titel: Darkmouth – Der Legendenjäger
Autor: Shane Hegarty
Seiten: 368
Verlag: Oetinger Verlag
ISBN: 978-3789137259
Preis: € 16,99 (HC)

Digby #01 (Stephanie Tromly)

digby01Beschossen. Inhaftiert. Gekidnappt. Ein ganz normaler Tag mit Digby: Bei Digby muss man auf alles gefasst sein. Das war Zoe in dem Moment klar, als sie seine Bekanntschaft machte. Nicht klar war ihr allerdings, dass sie mit ihm auch gleich von einer gefährlichen Situation in die nächste geraten würde. Denn Digby setzt alles daran, den Fall seiner kleinen Schwester, die vor acht Jahren entführt wurde, aufzuklären.Wie er es aber anstellt, dass Zoe mit ihm bei einem Gynäkologen einbricht,kurzzeitig auf der Polizeiwache landet und an einen Drogenhändlerring gerät? Keine Ahnung. Nur eines weiss sie genau: Ein Plan B wäre jetzt gerade sicher nicht verkehrt.

Über dieses Buch bin ich eher zufällig gestolpert, habe aber genau da bereits von großen Erwartungen und Begeisterungsstürmen gelesen. Da es vom Klappentext her ganz interessant klang und mir das Cover ausnehmend gut gefiel, habe ich beschlossen, Digby und Zoe kennenzulernen.
Wie fand ich die Geschichte nun? Das ist schwer zu sagen. Ich würde sagen: schon gut, aber ganz ist der Funke (noch) nicht übergesprungen. Da es sich unverkennbar um einen ersten Band handelt, ist es noch fraglich, ob ich mit der Reihe weitermachen werde.
Warum der Funke nicht ganz übergesprungen ist, ist genauso schwer festzumachen. Ich mochte Digby und Zoe wirklich gerne und habe über ihre schlagferigen Dialoge manches Mal schmunzeln müssen. Aber ich hätte doch gerne noch mehr über die beiden gewusst. Sie stolpern holterdipolter bei einem Schulprojekt übereinander, hängen fortan (mal mehr, mal weniger begeistert zusammen) und geraten letztlich in einen gefährlichen Fall. Aber warum sie so leben, wie sie leben, was sie tatsächlich fühlen, das kam mir zu kurz. Und das brauche ich um mich in Figuren ganz hinzuversetzen und mit ihnen zu hoffen, die bangen, zu lieben, was auch immer. Zwischen Digby und Zoe und mir blieb so immer eine gewisse Distanz.
Dann war da noch die Sache mit der Spannung. An sich klingt es ja wirklich vielversprechend, wenn man liest, welches Rätsel vor allem Digby lösen möchte und was sie dabei erleben. Streckenweise ist es auch spannend und actionreich. Dann aber kommen wieder Szenen, die genau das Gegenteil sind. Die sich nicht mal mit viel Phantasie mit dem eigentlichen Fall in Einklang und Zusammenhang bringen lassen. Ich habe manches Mal dagesessen und mich gefragt, was das Geschehen gerade eigentlich noch mit der Entführung von Digbys kleiner Schwester zu tun haben soll. Die Handlung zieht teilweise so weite Kreise, dass man dieses eigentlich zentrale Thema aus den Augen zu verlieren droht. Und das verwirrt eher, als dass es spannend unterhält.
Außerdem wirkt es irgendwie überladen. So als habe man versucht, möglichst alles in diese Geschichte zu stecken, was -vermeintlich- einen guten Krimi / Thriller ausmacht. Quasi alles, was den begeisterten US-Crime-Seriengucker allabendlich begeistert. Nur eben mit ein paar Teenagern im Mittelpunkt. Und nein, so leid es mir tut, einiges davon habe ich der Story nicht abgenommen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass hier ein paar Sechzehnjährige zugange sind.
Damit hängt auch mein dritter Kritikpunkt zusammen. Ich habe eingangs geschrieben, dass ich mich bei Digbys und Zoes Dialogen oftmals wirklich amüsiert habe. So cool, so clever und so schlagfertig. Zu Beginn scheint Digby Zoe darin noch überlegen zu sein, doch Zoe mausert sich schnell. Doch so viel Spass ich dabei hatte, objektiv betrachtet, wage ich zu bezweifeln, dass  Sechzehnjährige allgemein so drauf sind. Wären sie etwa vier Jahre älter, vielleicht. Aber mit sechzehn?
Ich habe das Buch trotzdem relativ schnell durchgelesen. Es hat keine zwei Tage gedauert, denn trotz allem ist es ganz klar gute Unterhaltung. Wenn man sich nicht über zu viele Dinge Gedanken macht, sondern einfach den Witz, das Tempo und die haarsträubenden Ereignisse genießt, dann kann man mit Digby & Co. manch vergnügliche Stunde verbringen.

Und damit sind wir auch schon beim Thema Lesetempo. Das wird durch die turbulente Handlung und die zahlreichen Dialoge immens vorangetrieben. Und so fliegen die Seiten nur so dahin. Die Kapitel haben eine ordentliche Länge, mit der man gut in der Geschichte vorankommt und sind gleichzeitig kurz genug, um sich immer wieder zu sagen, dass ein Kapitel mehr noch geht. Und nochmal und nochmal und nochmal…

Das Cover gefällt mir richtig gut! Ich finde Digby und Zoe wirklich sehr attraktiv und cool. Den Schwarzweiß-Stil mag ich ebenfalls, irgendwie hat er für mich etwas Krimitypisches an sich. Genauso wie der Hintergrund und die Darstellung der beiden. So wie vor dieser Wand, vor der sonst die wahren Verbrecher stehen und ihre Knacki-Nummer in die Kamera halten. Und es ist erstaunlich: man kann ein Buchcover mit solchen Fotos gestalten, ohne dass die Idee so ausgelutscht wirkt wie bei den zahlreichen paranormalen Teenie-Romanzen.

Fazit:  Nicht Fleisch, nicht Fisch. Irgendwie fehlte mir bei “Digby #01” der letzte Schliff, ein bisschen mehr Tiefgang, ein paar mehr Infos über die Hauptfiguren, ein bisschen mehr Fundament, das die Geschichte griffiger gemacht hätte, und dafür ein bisschen weniger RTL2-Crime. So aber blieb die Spannung doch ziemlich (schnell) auf der Strecke. Das Buch ist wie Popcornkino: lesen, sich berieseln lassen, Spass haben und nicht viel dabei denken, dann wird man vergnüglich unterhalten. Mal sehen, ob ich Digby und Zoe eine zweite Chance geben werde.


Titel: Digby #01
Autor: Stephanie Tromly
Seiten: 317
Verlag: Oetinger Verlag
ISBN: 978-3789148095
Preis: € 14,99 (HC)

Monday Club (01) – Das erste Opfer

mondayclubKann ein Mensch zwei Mal sterben? Ein perfides Spiel um Wahn und Wahrheit! Die sechzehnjährige Faye Mason leidet seit früher Kindheit unter idiopathischer Insomnie, einer seltenen Schlafkrankheit. Die schlaflosen Nächte hinterlassen Spuren: Oft kann sie Wirklichkeit und Fantasie nicht unterscheiden. Da geschieht etwas Entsetzliches: Fayes beste Freundin Amy kommt bei einem Autounfall ums Leben. Doch wenig später begegnet sie der totgeglaubten Amy auf der Straße. Halluziniert sie? Oder ist Amy noch am Leben? Faye sollte besser nicht zu viele Fragen stellen, auch nicht zum Monday Club, in dem alle wichtigen Leute der Stadt Mitglied sind.

Ob ich es jemals lernen werde, auf mein Bauchgefühl zu vertrauen? Bei diesem Buch sagte es mir klar und deutlich, ich solle lieber die Finger davon lassen. Nachdem ich schon mit Krystyna Kuhns Reihe “Das Tal” nichts anfangen konnte, wäre das eigentlich nur logsich gewesen. Andererseits räume ich Autoren  gerne eine zweite Chance ein. Rein vom Klappentext her klang “Monday Club – Das erste Opfer” gar nicht übel. Und so habe ich es eben doch gelesen.
Mein Hauptproblem mit der Geschichte war, dass sie keine der Erwartungen erfüllt hat, die der Klappentext bei mir geweckt hat. Auf Fayes seltene Krankheit wird für meinen Geschmack viel zu wenig eingegangen. Mir war nur ganz selten bewusst, dass Faye diese Krankheit überhaupt hat. Daher konnte ich auch nicht glauben, dass sie es sich eingebildet hat, die tote Amy gesehen zu haben. Nie, wirklich nie, hatte ich den Eindruck, Faye könnte vielleicht nicht ganz bei Verstand sein. Nie hatte ich Zweifel, ob sie das, was sie sieht und erlebt, wirklich sieht und erlebt, oder es sich aufgrund von Schlafmangel einbildet. Und damit lässt die Story einen Punkt leichtfertig sausen, der -intensiver ausgearbeitet- definitiv für Spannung und auch einen Schuss Grusel hätte sorgen können.
Das Thema “Grusel” führt mich gleich zum nächsten Punkt, den die Geschichte sich hat durch die Lappen gehen lassen. Eine Tote zu sehen, das muss doch gruselig rüberkommen! Das muss doch eindringlich geschildert werden um Wirkung zu erzielen! Aber was ist? Eine Szene, die im Verhältnis zum Rest der Geschichte kaum der Rede wert scheint! Und dabei ist sie doch der Aufhänger überhaupt zur Reihe, wenn ich das bisher richtig deute! Eine Schande, dass es so untergeht.
Aufgrund dieser beiden Schnitzer wollte bei mir weder Spannung, noch Grusel aufkommen. Nicht einmal für eine Portion Neugier hat es gereicht. Es dauerte gar nicht lange, dann interessierte es mich eigentlich gar nicht mehr, was in Fayes Städtchen und in ihrem Leben so vor sicht geht.
Erschwerend kam noch dazu, dass man hier wirklich reichlich Figuren vor die Nase gesetzt bekommt. Bei keiner hatte ich ausreichend Zeit und Gelegenheit, sie mir zu eigen zu machen um später immer genau zu wissen, um wen es gerade geht, wie derjenige mit den anderen Personen in Verbindung steht usw. Und wenn ich immer wieder grübeln (und sogar zurückblättern) muss, um zu wissen, was es mit einer Person auf sich hat, dann leidet auch mein Lesespass. Das ist einfach nur anstrengend und schürt die Angst, sich -wenn man nicht endlich alle Figuren auf die Reihe kriegt- irgendwann in der Story gar nicht mehr zurechtzufinden. Bei der Aussicht auf eine Trilogie ist das nicht unbedingt eine tolle Vorstellung. Und ja, ich denke, die Reihe wird noch sehr komplex werden!
Zuletzt sei noch gesagt, dass mir die Geschichte oft zu langatmig vorkam. Alles an der Stadt wird ausführlich beschrieben. Man merkt genau, dass Krystyna Kuhn versucht, dem Leser eine genaue Vorstellung davon zu vermitteln. Das ist an sich schön und gut, aber ich persönlich habe es mit solcher Ausführlichkeit hinsichtlich solcher “Nebensächlichkeiten” gar nicht. Schon mal lange nicht, wenn es so ausschweifend zugeht, dass man den Kern der Geschichte dabei aus den Augen verliert. Was ist wohl wichtiger: die Fragen, ob Amy wirklich tot ist, Faye fantasiert und was es mit dem Monday Club auf sich hat, oder aber wie die Blätter in der Nacht im Wind rauschen? Na also!

Für mich las sich das Buch ausgesprochen anstrengend. Ich musste mich häufig zusammenreißen um nicht einzelne Absätze und manchmal sogar ganze Seiten zu überspringen. Ich habe darauf gewartet, dass die Geschichte interessant wird. Da hat mich oben erwähnte Ausführlichkeit in Sachen eher nebensächlicher Kleinigkeiten tierisch genervt. Die Kapitel sind obendrein recht lang. Wenn ich dann hindurch gekämpft habe und am Ende eines Kapitel feststellen muss, dass es mich in der Geschichte kaum oder gar nicht weitergebracht hat, dann ärgert mich das.

Aus dem Covermotiv werde ich bis heute nicht schlau. Ein Mädchengesicht ist ja nun mal alles, aber sicher nichts Neues. Und so gut mir die Farben auch gefallen, aber was bitte haben sie und die Blätter mit der Handlung zu tun? Außer dass darin häufig mal Blätter rauschen. Sicher sollte das Covermotiv nicht direkt alles über eine Geschichte verraten, aber einen gewissen Bezug dazu sollte es für mich doch haben.

Fazit: Mich hat der erste Band des “Monday Club” leider enttäuscht. Und auch wenn es gegen Ende etwas interessanter wurde, so werde ich die Reihe wohl nicht weiter verfolgen. Dafür wurde mir aus den an sich guten Ideen, die für Spannung und Grusel bürgen, einfach zu wenig gemacht. Ich fand die Geschichte weder spannend, geschweige denn gruselig. Außerdem wurden mir die zahlreichen Figuren nicht ausreichend nahegebracht um immer zu wissen, mit wem ich es gerade zu tun habe. Ich bin sicher, dass ich irgendwann total verwirrt dasitzen würde. Denn komplex scheint die Trilogie zu werden, da bin ich sicher.


Titel: Monday Club (01) – Das erste Opfer
Autor: Krystyna Kuhn
Seiten: 384
Verlag: Oetinger Verlag
ISBN: 978-3789140617
Preis: € 16,99 (HC)

Hörst du den Tod? (Andreas Götz)

hoerstdutodWie klingt ein letzter Atemzug? Ein Wettlauf gegen die Zeit. Linus stürzt vom Himmel in die tiefste Hölle: Eben noch hat er das Glück mit seiner großen Liebe Lucy genossen, da wird seine Mutter entführt! Doch als statt einer Lösegeldforderung mysteriöse Audiodateien eintreffen, wird Linus schnell klar, dass der Entführer ihn herausfordert. Denn Linus besitzt das perfekte Gehör. So wird er immer tiefer in ein perfides Spiel gezwungen, in dem es am Ende nicht nur um das Leben seiner Mutter geht, sondern auch um das von Lucy.

Dies ist ein Buch, bei dem ich es bereue, dass es so lange auf dem SUB lag. Dabei klingt doch schon der Klappentext so spannend!
Wobei das perfekte Gehör nicht so mein Thema ist. Ich weiß, dass es das gibt und ich finde es schon interessant und beeindruckend, aber das reicht mir auch. Daher war ich ganz froh, dass darauf hier nicht allzu intensiv eingegangen wird. Linus hat das perfekte Gehör, immer mal wieder erfährt man als Leser, was er in bestimmten Situationen hören kann (und das ist wie gesagt auch ganz cool) und letztlich führt es auch zur Auflösung des Rätsels, aber groß wissenschaftlich wird nicht darauf eingegangen. Das kam mir entgegen.
Stattdessen liegt das Hauptaugenmerk der Geschichte auf dem Fall an sich.: auf der Entführung von Linus Mutter.
Was die Geschichte dabei besonders spannend macht ist, dass es absolut keinerlei Anhaltspunkt gibt, weshalb sie entführt wurde. Genau wie Linus und sein Vater steht man als Leser ohne jede Idee da. Daran ändern auch die Passagen aus Sicht des Täters nichts. Entsprechend habe ich immer weiter und weiter gelesen in der Hoffnung, endlich einen Schubs in die richtige Richtung zu bekommen.
Das einzige, was ich aber recht früh hatte, war eine sichere Ahnung, wer der Täter sein könnte. Es gibt einen Satz, bei dem ich es einfach wusste. Das hat der Spannung aber nichts anhaben können, denn die Hintergründe blieben ja weiterhin im Dunklen. Und selbstverständlich unternehmen Linus, sein Vater und die Polizei alles Mögliche um den Täter zu erwischen. Dabei gerät vor allem Linus in manche gefährliche Situation. Obendrein sind er und gewisse Leute von der Polizei sich nicht besonders grün. Dass sie nun quasi zusammenarbeiten müssen, sorgt für zusätzlichen Zündstoff in dieser Situation. Auch, weil man sich manchmal nicht sicher sein kann, ob nicht vielleicht sogar die Polizei falsch spielt.
Für noch mehr Spannung sorgt die Frage, inwieweit Lucys Familie in die Sache verwickelt ist. Lucy kommt aus ganz anderen Verhältnissen als Linus, der sehr wohlhabende Eltern hat. Ihre Brüder sind zumindest Kleinkriminelle, ihr Vater undurchschaubar. Und es häufen sich die Hinweise, dass sie etwas damit zu tun haben. Ich muss ehrlich sagen, ich habe es vor allem Lucys Brüdern sofort zugetraut und habe mich mächtig geärgert, dass die Polizei sie sich nicht härter vorknöpft. Dass einer von ihnen erst 13 Jahre alt ist hin oder her. Ein Verdacht wie eine Entführung steht im Raum, also knöpft euch den Bengel gefälligst ordentlich vor! Und ich konnte auch beim besten Willen nicht nachvollziehen, dass Lucy ihre Familie noch deckt. Sie weiß doch, dass alle durchaus schon was auf dem Kerbholz haben. Und wie sie mit ihr umgehen, ist ebenfalls unter aller Sau. Und für so jemanden lügt sie? Ich konnte es nicht fassen. Über diese beiden Punkte habe ich mich wirklich geärgert.
Ja, ich habe sogar darauf hin gegiert, dass man zumindest die Bengels richtig dran kriegt. Auch deshalb konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen.
Und dann bedroht dieser Verdacht Lucys Familie -und manches Mal auch ihr selber- gegenüber noch die große Liebe zwischen Linus und ihr. Ich fand die beiden unglaublich süß zusammen, ohne jeden Kitsch, einfach nur schön. Und jeder von ihnen ist so traurig und verzweifelt, weil genau das nun auf dem Spiel steht, dass man einfach nur ständig hofft, die Sache zwischen ihnen möge so bald wie möglich wieder ins Reine kommen.

Das Buch startet mit dem Kapitel “Noch 21 Tage” und zählt dann weiter herunter. Das ist ein Stil, der für mich schon von Haus aus immenses Tempo in sich birgt. Das hat etwas Unausweichliches, etwas, das einem sagt, das Ende und die Auflösung ist nur noch so und so weit entfernt. Also lies einfach schnell weiter um dorthin zu gelangen. Entsprechend schnell liest es sich dann auch. Ich habe mir immer einen Fixpunkt für einen Abend gesetzt. Also: heute bis Tag 15, am nächsten Abend bis Tag 10…und wenn es mal zu spannend war, dann auch den einen oder anderen Tag weiter.

Der Look des Buchs hatte es mir sofort angetan. Irgendwie erinnert er mich an eine Todesanzeige in der Zeitung, was zu einem Thriller gut passt. Die Tonspuren deuten darauf hin,  was in der Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Und es besteht so ein klarer Zusammenhang zwischen Titel und Details des Motivs.

Fazit:  Obwohl ich mir zeitig sicher war, wer der Täter ist, blieb “Hörst du den Tod?” führ mich spannend bis zum Ende. Denn die Hintergründe und der Anlass für die Tat hatte ich damit ja noch nicht herausgefunden. Außerdem wollte ich unbedingt wissen, was Lucys Familie damit zu tun hat. Und dass man zumindest ihre verbrecherischen Brüder drankriegt. Und zuletzt habe ich ständig gehofft, dass zwischen Linus und Lucy bald alles wieder ins Reine kommen würde. Somit gab es genug, was mich bis zum Schluss bei Laune hielt. Ganz sicher werde ich noch Andreas Götz’ weitere Jugendthriller lesen.


Titel: Hörst du den Tod?
Autor: Andreas Götz
Seiten: 336
Verlag: Oetinger Verlag
ISBN: 978-3789136160
Preis: € 16,99 (TB)

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