Oliver Kalkofe

Die große Sherlock-Holmes-Edition (Arthur Conan Doyle / Oliver Kalkofe)

Titel: Die große Sherlock-Holmes-Edition / Verlag: derHörverlag / Spielzeit: ca 22 Std, 2 mp3 CDs / nach: Arthur Conan Doyle / gelesen von: Oliver Kalkofe

Inhalt: Vom “Skandal in Böhmen” bis zum “Letzten Problem”, dem spektakulären Sturz des Meisterdetektivs in den Schweizer Reichenbachfällen: Hier sind alle Sherlock-Holmes-Stories aus Conan Doyles Abenteuern und den Memoiren in einer Edition versammelt. Ungekürzt, in hochgelobten Übersetzungen und vor allem in der kriminalistisch-meisterlichen Interpretation von Oliver Kalkofe


Fragt mich bitte nicht, wie lange es gdauert hat, aber ich habe es geschafft. Ich habe die 22 Stunden Holmes gehört. Obwohl ich ja mit dem Meisterdetektiven nur in engen Grenzen etwas anfangen kann und dachte, die meisten Geschichten schon als Hörspiel gehört zu haben. Dem ist allerdings nicht so. Die meisten der insgesamt 23 Geschichten waren völliges Neuland für mich.
Insgesamt muss ich sagen, dass sie mir durchweg gefallen haben. Mal mehr, mal weniger, aber das ist bei den Hörspielen bei mir genauso. In Happen -also Fall für Fall- habe ich die Box gerne durchgehört. Jede Geschichte ist etwa eineinhalb Stunden lag, das ist einzeln genau die richtige Länge um Spannung aufzubauen und den Ermittlungen und Auflösungen genügend Zeit zu geben. Für mich war es auch die passende Spieldauer um aufmerksam bei der Sache bleiben zu können.
Die Fälle sind schön abwechslungsreich und verstehen es, mit cleveren Irrungen und Wirrungen und einem Holmes, der sich nie in die Irre führen lässt, zu punkten. Zwar habe ich dabei einmal mehr feststellen müssen, dass mir die Fähigkeit der Deduktion zu fehlen scheint, aber mit Holmes muss man ja auch erstmal mithalten können. Für mich waren die Auflösungen der Fälle zwar immer schlüssig, selber darauf gekommen wäre ich aber wohl nie.

Ich bin kein Fan von Oliver Kalkofe, kenne ich nur als Komiker und hatte schon die schlimmste Befürchtungen. Glücklicherweise haben sie sich nicht bestätigt. Er findet sowohl für Holmes, als auch für Watson (der die Fälle schildert) und die übrigen Figuren den  passenden Ton und gut voneinander unterscheidbare Stimmen. Auf dezente Weise ohne “Ausrutscher” ins vermeintlich Lustige. So habe ich ihm gerne zugehört und war tatsächlich auch etwas überrascht. Ein so ernsthaft (im Sinne von nicht comedymäßig) gelesenes Hörbuch hatte ich wirklich nicht von ihm erwartet.

Die Box sieht sehr edel aus und ist dunkel gehalten, was zu Detektivgeschichten und Krimis immer gut passt. Im Booklet, das schon eher ein Book ist, findet man dann noch einen ausführlichen Essay von Doyle über Holmes, sowie ein Interview mit Oliver Kalkofe und Anmerkungen zur Übersetzung. Alleine mit diesem Booklet kann man sich schon eine ganze Weile unterhaltsam und interessant die Zeit vertreiben.

Fazit:  Ich schätze, für echte Holmes-Fans ist diese Box ein kleiner, wahr gewordener Traum. Interessante und spannende Fälle mit dem Meisterdetektiven und Watson, genial gelesen von Oliver Kalkofe und mit umfangreichem Bonusmaterial. Und die Box sieht im Regal auch noch richtig edel aus. Was kann man mehr wollen?

Winston – Agent auf leisen Pfoten (Frauke Scheunemann / Oliver Kalkofe)

Titel: Winston – Agent auf leisen Pfoten / Verlag: DAV / Spielzeit:  ca. 244 min / Buch: Frauke Scheunemann / gelesen von: Oliver Kalkofe

winston02Inhalt: Eigentlich möchte Kater Winston sich nach seinem letzten aufregenden Einsaz als Agent nur noch gemütlich auf sein schönes Sofa legen. Aber daraus wird nichts. Denn Kiras Klassenkameradin Emilia steckt in Schwierigkeiten. Sie ist verschwunden und die Polizei tappt im Dunkeln. Wer muss also wieder ran? Genau: Super-Winston!


Auf leise Pfoten kommt es angeschlichen, Winstons neues Abenteuer. Auf sehr leisen Pfoten, denn zumindest auf der ersten CD ist davon noch nichts zu hören. Ein gewisser Anlauf muss natürlich sein. Schon alleine um eventuelle Neu-Hörer dieser Reihe auf Stand zu bringen was die Figuren und ihr erstes Abenteuer anbetrifft. Und selbstverständlich müssen Grundsteine für den neuen Fall gelegt werden. Trotzdem war es mir ein etwas zu langer Vorlauf.
Dabei hat mir Winstons neuer Fall richtig gut gefallen! Der hätte gerne noch etwas länger sein dürfen. Wobei ich der ganzen Sache mit der Entführung ja nicht so recht über den Weg getraut habe. Man kann hier wirklich bis fast zu Schluss tüfteln, ob Emilia tatsächlich entführt wurde, oder ob es nur ein schlechter Streich von ihr ist. Das machte für mich schon mal einen Teil der Spannung aus. Die übrige Spannung steuert Winstons Detektivspiel bei. Hier übrigens zum ersten Mal pfotenfest unterstützt von seinen neuen Freunden, den Hofkatzen. Und Kira mit ihren Freunden Tom und Pauli mischen ebenfalls kräftig mit. Dabei beweist Winston einmal mehr, dass er ein echt kluges Köpfchen und auch ganz schön mutig ist. Cleverness ist auch gefragt, wenn es darum geht, dass er Kira etwas verständlich machen möchte. Mir hat es gut gefallen, dass es in solchen Momenten dabei bleibt, dass Winston ein Kater ist. Will heißen, er vollbringt keine Heldentaten, zu denen ein echter Kater nicht tatsächlich in der Lage ist. Er schnurrt, er kratzt, er maunzt oder er schubst Gegenstände herum um sein Anliegen zu verdeutlichen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und Kira hat oft ihre Schwierigkeiten, das zu übersetzen.
Für Spass ist ebenfalls wieder gesorgt. Kiras Oma bringt Schwung in den Haushalt von Winstons Herrchen. Und Winston selber betritt die Bretter, die die Welt bedeuten. Da gibt es manche Situation, über die ich schmunzeln musste. Wirklich schön.

Auch dieser zweite Fall wird von Oliver Kalkofe gelesen. An meinem Eindruck von ihm hat sich dabei nichts geändert. Er hat einen passenden, ab und zu leicht hochnäsigen Ton für Winston auf Lager, leiht ihm aber meistens einfach eine sympathische und etwas freche Stimme. Und Miauen kann er unüberhörbar auch! Die übrigen Charaktere lassen sich nach einer gewissen Eingewöhnung ebenfalls an ihren Stimmen oder ihrem Ton unterscheiden. So richtig markant klingt aber nur Kiras Oma mit ihrem russischen Akzent. Auch bei dieser Geschichte habe ich mir vorgenommen, noch das Buch zu lesen. Oliver Kalkofe trifft trotz aller Lebendigkeit nicht den Ton, über den ich so richtig lachen kann. Ich schätze, beim Selberlesen wäre das anders.

Kam das Cover vom ersten Teil in Pink daher und die CDs ganz in giftigem Grün, so ist es hier umgekehrt. Ein grünes Cover, pinkfarbene CDs. Auf solch grellen Farben wirkt ein schwarzer Kater natürlich umso besser. So ist das Motiv ein schöner Blickfang im Regal. Erst recht für Katzenfreunde.

Fazit:  Der neue Fall für Winston kommt erst spät in die Gänge. Eine ganze CD vergeht ehe es damit losgeht. Das war mir ein zu langer Anlauf. Dafür wurde ich dann aber mit einem wirklich spannenden Fall entschädigt, bei dem ich wirklich mitgeknobelt habe, was und wer hinter der Entführung steckt. Erfreulicherweise bleibt Winston dabei stets ein Kater und verhält sich auch so. Lediglich im Köpfchen ist er eine ganze Spur heller als seine Artgenossen (die das nun vermutlich vehement abstreiten würden, wenn sie könnten ;))

Winston – Ein Kater in geheimer Mission (Frauke Scheunemann / Oliver Kalkofe)

Titel: Winston – Ein Kater in geheimer Mission / Verlag: DAV / Spielzeit: ca. 246 min auf 2 CDs / Buch: Frauke Scheunemann / gelesen von: Oliver Kalkofe

winstonInhalt: Winston Churchill ist ein Perserkater. Genauer gesagt war er ein Perserkater, denn momentan steckt er im Körper des zwölfjährigen Mädchens Kira fest. Winston ist ein genialer Beobachter der Menschenwelt mit dem messerscharfen Verstand eines Detektivs. In Kira findet er die perfekte Partnerin: Sie stellt die richtigen Fragen, er recherchiert unerkannt. Zusammen sind sie ein unschlagbares Ermittlerteam und kommen jedem Täter auf die Spur.


Tierbegeistert wie ich bin, mag ich natürlich auch Katzen sehr gerne. Da führte an Winstons Geschichte kein Weg vorbei.
Bis es an die Mission aus dem Titel geht, dauert es allerdings eine ganze Weile. Zunächst lernt man Winston kennen und sein Blick auf sich und seine kleine Welt hat mich häufig schmunzeln lassen. Als Kater ist er ausgesprochen selbstbewusst, ganz schön von sich und seinem Aussehen überzeugt, und der König über die Wohnung, in der er mit seinem Dosenöffner lebt. An dem hängt er übrigens sehr und so ist er wenig angetan davon, dass die “Familie” plötzlich Zuwachs durch Kira und ihre Mutter bekommt. Allerdings kann Kira wirklich verteufelt gut kraulen und bei ihr darf Winston sogar mit im Bett schlafen. So arrangiert er sich schließlich doch mit den neuen Lebensumständen. Ich fand es ausgesprochen süß, wie Winston und Kira allmählich Freundschaft schließen. Man spürt schnell, dass sie ein unschlagbares Team sind.
Als die beiden durch einen seltsamen Blitz plötzlich die Körper tauschen, wird es erst so richtig turbulent im Leben der beiden. Die Idee mit dem Körpertausch ist nicht neu, hier aber so gut gelungen, dass ich mich keine Minute gelangweilt habe. Das liegt vor allem daran, dass Winstons katzentypischer Blick auf die Welt auch in Kiras Körper erhalten bleibt. Es ist nicht so, dass er in der neuen Gestalt plötzlich menschliche Wesenszüge annimmt. Aber er lernt natürlich einiges dazu und vieles davon widerspricht ganz schön seiner Sichtweise als Kater. Das ist witzig und interessant, weil man so als Hörer vor Augen geführt bekommt, wie Tiere uns und unser Verhalten wohl sehen. Darüber kann man gut mal grinsen.
Und als dieses ungleiche Team sich daran macht, das Rätsel um den Ex-Freund von Kiras Mutter aufzuklären, da wird es obendrein noch ganz schön spannend. Eine richtig schöne und spannende Detektivgeschichte mit einem sehr ungleichen, aber liebenswerten Ermittler-Duo. Gleichzeitig ist es schön zu verfolgen, wie nicht nur ihre Freundschaft intensiver wird, sondern wie Kira auch endlich Freundschaften unter ihren Mitschülern schließt. Dafür standen die Sterne zu Beginn nämlich alles andere als gut. Dabei können junge Hörer zudem noch lernen, dass es nicht immer die In-Clique sein muss und Zusammenhalt viel wichtiger ist als beispielsweise coole Klamotten.

Oliver Kalkofe gelingt es gut, den passenden Ton für Winston anzuschlagen. Er lässt ihn durchaus in wenig eingebildet, aber trotzdem sehr liebenswert klingen. Für Kira hat er einen jugendlichen Ton auf Lager und der Akzent von Kiras Mutter und ihrem Ex fällt ihn unüberhörbar leicht. Eventuell werde ich die Geschichte nochmal lesen. Ich denke, dabei würde ich an einigen Stellen anders betonen, was meinem Sinn für Humor womöglich noch mehr entspricht. Denn auch wenn ich beim Hören oft geschmunzelt oder gegrinst habe, so witzig wie erwartet, kam es bei mir nicht an.

So knallpink ist das Hörbuch ein echter Hingucker, und die knallgrünen CDs bilden dazu einen geradezu giftigen Kontrast. Mir gefällt das. Winston finde ich ein wenig eckig geraten, aber trotzdem  sehr goldig

Fazit:  Auch wenn die Idee mit dem Rollentausch nicht gerade neu ist, mit Winston hat sie mir prima gefallen. Eine schöne Geschichte, erzählt aus der Perspektive eines typischen Katers, in dem sicher jeder Katzenhalter irgendwo seinen eigenen Stubentiger wiederfinden wird. Neben der spannenden Mission spielt hier auch das Thema Freundschaft eine wichtige Rolle. Mir sind Winston und Kira schnell an’s Herz gewachsen und ich hoffe, nicht zu letzten Mal von ihnen gehört zu haben.

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