Piper Verlag

super: Mein Leben (Friedrich Liechtenstein)

superMit seinem Tanz durch den Supermarkt hat Friedrich Liechtenstein im Internet über 20 Millionen Klicks erreicht. »Supergeil« wurde zum Schlagwort der Stunde. Bis hin zur internationalen Presse wie der New York Times und dem Guardian beschäftigt sich die Welt mit Friedrich Liechtenstein. Der vielschichtige Künstler ist Schauspieler, Musiker, professioneller Flaneur und Utopist. Aber wer ist er wirklich? Zum ersten Mal erzählt »Deutschlands berühmtester Eremit« (Die Zeit) sein Leben: von der Zeit, als er sich ohne festes Engagement durchs Leben schlug und von Billigquark auf der Schrippe lebte, über den sagenhaften Erfolg, der mit »Supergeil« über ihn kam, bis hin zu seiner Selbstfindung als Künstler und Mensch. »Die Armut, in der ich lebte, hat mich angstfrei gemacht. Und aus diesem Gefühl entsteht meine Kunst.«

Zugegeben, als ich das Cover sah, wusste ich mit dem bärtigen Herren nichts anzufangen. Der Name sagte mir auch nichts. Erst der Hinweis im Klappentext brachte die Erleuchtung, denn den EDEKA-Spot mit Friedrich Liechtenstein kenne ich natürlich schon. Und damit ich mal ein eine Biographie lese, braucht es schon eine irgendwie ungewöhnlichen Figur. Eigentlich interessiere ich mich für Biographien nämlich herzlich wenig.
Aber Friedrich Liechtenstein fiel in mein Schema, also habe ich mir das Buch geschnappt.
Ich muss allerdings sagen, dass die Begeisterung ausblieb. Natürlich hat Friedrich Liechtenstein ein recht ungewöhnliches Leben geführt. Und es ist auch nicht wirklich uninteressant, davon zu lesen. Aber vom Hocker hat es mich nicht gerissen. Das hatte anfangs damit zu tun, dass mein Interesse an der ehemaligen DDR nicht allzu groß ist, aber auch später als Liechtenstein auch in den Westen konnte, passierte nichts, was mich so richtig fesselte. Ich habe es zwar lange bewundert, wie er mit seiner “Kunst” durch das Leben kam (heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen), aber fortlaufend über Puppentheater und irgendwelche seltsamen Bühnenstücke zu lesen, die kein Mensch kennt, ist der Spannung nicht eben förderlich. Außerdem hatte ich den Part um den EDEKA-Spot als ausführlicher eingeschätzt. Und dass man früh darauf zu sprechen kommen würde. Denn immerhin ist das ja wohl das, was die meisten Leser von diesem Mann kennen. Doch das wird erst gegen Ende zu Thema. Einerseits ist das logisch, denn so lange ist es noch nicht her. Andererseits zieht sich die Erzählung bis dahin immens. Und nichts zuvor ist auch nur annähernd so witzig und schräg.
Erschwerend kam noch hinzu, dass mir Liechtenstein mit seiner Haltung zu seiner Kunst und dem Leben bzw dessen Finanzierung beim besten Willen nicht sympathisch werden wollte. Genau genommen kann man das zusammenfassen mit “Ich möchte nichts anderes machen als meine Kunst und davon gut leben können. Idealerweise muss ich dafür nichts tun. Am besten habe ich immer genug Leute um mich herum, die mir alle eventuellen Schwierigkeiten abnehmen und unliebsame Aufgaben übernehmen. Und warum? Weil ich mich schon bei meiner Geburt nicht anstrengen musste, sondern per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblickte. Ich bin also quasi von klein auf darauf gepolt, dass andere die anstrengenden Dinge für mich übernehmen.”
Aber sonst geht’s noch, oder wie? Das ist eine Haltung, mit der ich absolut gar nichts anfangen kann. Und ich habe mir alle naselang an den Kopf gefasst, was Liechtenstein dafür hingenommen hat, um genau mit dieser Haltung sein Leben zu meistern. Vielleicht gibt es Menschen, die ihn dafür bewundern. Die es beeindruckend finden, dass er lieber auf einer Feuertreppe lebt als mit etwas anderem als seiner Kunst Geld zu verdienen um sich wenigstens ein Zimmer leisten zu können. Aber ich gehöre eindeutig nicht zu diesen Menschen. Ich finde das einfach nur verrückt, aber nicht im positiven Sinne. Und es hat für mich auch ein Maß an Arroganz an sich, das meine Toleranz bei Weitem übersteigt.
Als letztes sei noch gesagt, dass das Buch auch kein Stück lustig ist. Nach dem witzigen EDEKA-Spot hatte ich damit schon gerechnet. Aber nichts. Ich habe nicht einmal geschmunzelt geschweige denn, dass ich gelacht hätte. Ein Funken Humor macht mir bei vielen Büchern das Lesen leichter. Das hätte diesem Buch gut zu Gesicht gestanden, weil es sich recht anstrengend liest.

Dass es sich so anstrengend liest, lag für mich vor allem daran, dass es kaum mal Dialoge gibt. Ich meine, selbst ein Herr Liechtenstein muss doch mal Gespräche geführt haben!? Das macht den Text alleine optisch schon sehr wuchtig. Hinzu kommt eine teils lockere, teils aber auch umständliche Erzählweise. Die liegt vor allem an den wunderlichen Blickwinklen, die Liechtenstein auf viele Dinge des Lebens hat. Er schildert sie, wie er sie sieht. Und das sind Bilder, mit denen nicht jeder etwas anfangen kann. Das hat es mir recht schwer gemacht. Das haben auch die Bilder nicht auflockern können, die sich ab und zu im Buch finden.

Auf dem Cover sieht man natürlich Friedrich Liechtenstein. Dekadent in Szene gesetzt im Anzug und mit golden verspiegelter Sonnenbrille. Und in Denkerpose, damit der Betrachter ein wenig Tiefgang vom Buch erwartet. So jedenfalls ging es mir bei diesem Anblick. Hatte ich schon erwähnt, dass ich selbstverliebte Menschen nicht mag? Ich hätte es besser wissen müssen.

Fazit:  Leider war das Buch für mich eine Enttäuschung. Fortan werde ich wohl noch vorsichtiger sein bei Biographien als bisher schon. Ich habe Liechtensteins Leben als wenig interessant und überhaupt nicht aufregend empfunden. Und nichts darin ist auch nur ansatzweise so amüsant wie der EDEKA-Spot. Zudem ihn hat mir seine Haltung und Einstellung zu gewissen Dingen des Lebens schlichtweg unsympathisch gemacht.


Titel: super: Mein Leben
Autor: Friedrich Liechtenstein
Seiten: 277
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492056663
Preis: € 19,99 (HC)

Dark Heroine – Dinner mit einem Vampir (Abigail Gibbs)

darkheroineDiese Nacht verändert Violets Leben für immer: Mitten auf dem Trafalgar Square in London geschieht ein furchtbarer Mord, und die 18-Jährige ist die einzige Augenzeugin. Erfolglos versucht sie, vor den Tätern zu fliehen – und wird in ein abgelegenes Herrenhaus verschleppt, das von nun an ihr Gefängnis ist. Doch Violets Kidnapper sind keine Menschen, sondern Vampire, faszinierend und todbringend zugleich. Der charismatische Blutsauger Kaspar hat besondere Pläne mit Violet, denn sie ist Teil einer gefährlichen Prophezeihung. Wird sie sich Kaspar hingeben, um zur sagenumwobenen dunklen Heldin zu werden – oder hat er Violets Mut unterschätzt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen?

Dieses Buch habe ich gelesen, weil ich vorher so viele Vorschusslorbeeren darüber gehört hatte. Vor allem in die Richtung, dass die Geschichte endlich mal eine andere Art Vampirgeschichte sei. Das gab mir Hoffnung, denn die ganzen romantisch-weichgespülten Blutsauger bin ich ziemlich leid.
Entsprechend groß waren natürlich meine Erwartungen.
Die Geschichte beginnt auch ganz verheißungsvoll. Kaum hat man ein paar Seiten gelesen, steckt man gemeinsam mit Violet in einer seltsamen und gefährlichen Situation, aus der man zunächst überhaupt nicht schlau wird. Das sorgt für Spannung gleich von Anfang an. Und die Brutalität des Überfalls gab mir weiterhin Hoffnung, hier auf Vampire zu treffen, wie sie ursprünglich mal gedacht waren.
Wenig später lernt man dann Vampir Kaspar kennen, in dessen Haus Violet von nun an gefangen ist. Mir hat es gefallen, dass er sich nicht binnen kurzer Zeit in Liebesschwüren zu Violet ergeht. Ganz im Gegenteil macht er einen ausgesprochen ruppigen Eindruck. Violet hat mir ebenfalls gefallen, weil sie so schön selbstbewusst und energisch wirkt. Ich mag es nicht (mehr), wenn Mädels angesichts eines attraktiven Vampirs sofort dahinschmelzen. Das gab es einfach schon zu oft. Von daher hatte “Dark Heroine” für mich durchaus etwas erfrischend Neuartiges an sich. Zurück zu den Wurzeln der Vampirgeschichten quasi.
Lange Zeit fand ich die Geschichte wirklich spannend. Vor allem habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wieso Violets Vater so wenig unternimmt um seine Tochter zu befreien. Zudem gab es einige brenzlige Siatuationen für Violet und irgendetwas scheint in Kaspars Familie vor sich zu gehen, das mit Violet zusammenzuhängen scheint. Ein wenig kann man da natürlich spekulieren, denn der Titel des Buchs gibt ja schon einen Hinweis, aber was es genau damit auf sich hat, das stellt sich erst nach und nach heraus. Über den gesamten Geschehen liegt eine düstere und bedrohliche Atmosphäre. Wenn ich an die Geschichte zurückdenke, kommt mir die Farbe Schwarz in den Sinn. Ehrlich gesagt, war es mir doch etwas zu viel der Düsternis. Den Humor, der angeblich in der Geschichte steckt, habe ich leider nicht entdecken können. Das finde ich sehr schade.
Das ist aber nicht der einzige Grund, wieso mich “Dark Heroine” nicht komplett überzeugen konnte. Der zweite wesentliche Grund ist, dass es mir zum Ende hin schlichtweg zu komplex wurde. Alleine schon, alle Figuren auf die Reihe zu kriegen! Ich weiß schon jetzt, dass ich -sollte ich Band 2 lesen- Probleme haben werde, mich an alle zu erinnern und sie richtig einsortieren zu können. Dann sind da noch die Zusammenhänge und Verstrickungen. Dafür, dass davon lange nichts zu erahnen ist, geht es in der Hinsicht zum Ende hin in die Vollen. Ich hoffe, ich konnte mir das Nötigste merken. Und zuletzt noch wurde es mir schon wieder zu viel mit Vampiren und Dhampiren und und und. Da war für mich das anfänglich Neuartige ein ganzes Stück weit dahin.

Ich habe lange für das Buch gebraucht. Das ist ein recht deutliches Zeichen, dass es mich nicht so ganz fesseln konnte. Dabei liest es sich gut. Violet hat eine angenehm jugendliche und anschauliche Art zu erzählen. Viele Kapitel sind auch aus Kaspers Perspektive geschrieben. Sie klingen düsterer und leicht bedrohlich. Das sorgt für Abwechslung. Ich hätte mir noch einige Dialoge mehr gewünscht. So hat das Buch einen sehr wuchtigen Eindruck bei mir hinterlassen.

Auch das Cover präsentiert sich düster. Ich finde ja, dass Schwarz und Blutrot immer gut zu einem Vampirbuch passen. Ansonsten gibt das Motiv nichts über die Geschichte dahinter preis.

Fazit:  Die Geschichte begann vielversprechend mit einer spannenden Situation und sympathischen Charakteren. Leider blieb es für mich nur bis zu dem Moment spannend als die Story wie aus dem Nichts einen Sack voll Figuren, Zusammenhänge und Verstrickungen hervorzauberte. Im Verhältnis dazu geht es zuvor wirklich sehr ruhig zu. Entsprechend erschlagen habe ich mich gefühlt. Ich bezweifle, dass ich all diese Details zum Erscheinen von Band 2 noch auf die Reihe kriege. Daher denke ich, werde ich den zweiten Band wohl nicht mehr lesen. Zudem habe ich den angekündigten Humor vermisst, sodass die Geschichte bei mir insgesamt einen finster-tristen Eindruck hinterlassen hat.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogramms!


Titel: Dark Heroine – Dinner mit einem Vampir
Autor: Abigail Gibbs
Seiten: 608
Verlag: Ink Egmont
ISBN: 978-3492702973
Preis: € 16,99

Weißer Schrecken (Thomas Finn)

weisserschreckDie kalte Jahreszeit in Perchtal, einem einsamen Dorf im Berchtesgadener Land, scheint besinnlich wie immer. Bis eine Gruppe Jugendlicher einen grauenhaften Leichenfund macht: Ein junges Mädchen treibt unter dem Eis eines Sees, und es ähnelt den Zwillingen Miriam und Elke auf verblüffende Weise. Doch die beiden wissen nichts von einer Verwandten. Bei ihren Nachforschungen stoßen die Freunde auf ein blutiges Geheimnis, das der Pfarrer des Dorfes hütet. Und sie schrecken dabei eine uralte Macht auf, die ihre Rückkehr in unsere Welt vorbereitet.

Dieses Buch war eine Zufallsentdeckung bei der mich vor allem das Cover sofort begeisterte. Aber auch die Inhaltsangabe klang vielversprechend.
Endgültig eingenommen hatte mich das Buch in dem Moment als ich feststellte, dass sich die Geschichte gar nicht um erwachsene Charaktere dreht. Jedenfalls nicht direkt. Anfangs lernt man die ehemalig besten Freunde zwar kurz als Erwachsene kennen, doch schnell wird deutlich, dass sie etwas zu beenden haben, das seinen Anfang nahm als sie noch Jugendliche waren. Und so entführt einen die Geschichte zurück in die 90er und beschreibt, was den Freunden damals widerfahren ist.
Anfangs hatte ich noch etwas Sorge, dass ich bei der Clique nie durchsteigen würde. Wer wer ist und wer mit wem besonders gut befreundet ist und wer mit wem eben nicht. Doch nachdem die Perspektive in die Vergangenheit umschwenkte, hatte ich genügend Gelegenheit, mir die Freunde zu eigen zu machen. Sie alle haben es nicht gerade leicht im Leben, weshalb sie mir oft leid taten. Doch sie schlagen sich tapfer durchs Leben und halten eisern zusammen. Das hat mir imponiert. So habe ich mich gut mit ihnen angefreundet. Mit einigen allerdings mehr als mit anderen. Aber ich denke, das soll so sein.
Mit dem Fund einer jugendlichen Leiche kehrt Unruhe in das Dorf ein, in dem die Freunde leben. Zuvor wirkte die Szenerie wirklich sehr dörflich und ruhig auf mich, doch mit dieser Entdeckung geht es plötzlich rund. Dabei wird immer wieder schön deutlich, wieviel “Filz” in dem Dorf existiert und man fängt unweigerlich an, Vermutungen anzustellen, wer in dieser Sache mit drinstecken könnte. Das macht Spass.
Wohin die Nachforschungen der Kinder führen, das hätte ich dabei aber niemals vorhergesehen. Denn in der Angelegenheit scheint auch das Übersinnliche seine Finger mit im Spiel zu haben. Es spielt in “Weisser Schrecken” eine wichtige Rolle. Genauer gesagt, der Aberglaube, der vor allem in ländlichen Gebieten in Süddeutschland umgeht. Ich bin regulär kein Fan von Mythologie, Sagen und Legenden, doch hier hat es mir wirklich sehr gut gefallen und ich habe mich bei gewissen Szenen ehrlich gegruselt. Mir gefällt vor allem, dass Thomas Finn lange ausschließlich auf Elemente des Aberglaubens in Deutschland zurückgreift. Ja, der deutsche Volksglauben hat seine spannenden und gruseligen Geschichten im Gepäck. Ich hätte es auch nicht gedacht.
So fand ich es ausgesprochen spannend, die Handlung zu verfolgen. Vor allem, weil es einem das Miträtseln nicht gerade erleichtert. Und irgendwie ist man ja auch vernünftig genug um zu wissen, dass es sowas wie Geister nicht gibt. Da ist man hier also stetig im Zweifel, ob man nun daran glauben soll, oder eben nicht. Es fällt einfach schwer, daran zu glauben.
Als es auf das Ende der Geschichte zugeht, wechselt der Blickwinkel wieder auf die mittlerweile erwachsenen Freunde, die ja noch den Ereignissen von damals ein (vorläufiges) Ende setzen wollen. Damit ließ die Geschichte für mein Empfinden ziemlich nach. Das lag vor allem daran, dass sie die Hintergründe ihrer damaligen Erlebnisse so weit vertiefen, dass es nicht nur verwirrt, sondern zum Teil wirklich sehr weit hergeholt wirkt. Und dabei kommt man vom deutschen Aberglauben ab und wendet sich auch der Mythologie und dem Glauben anderer Länder zu. Und nein, die interessiert mich schlicht nicht mehr, nachdem ich sie in der Schule durchkauen musste. Deshalb fand ich es ja so toll, dass man sich bis dahin bei “Weisser Tod” alleine durch Elemente aus dem deutschen Volksglauben gruseln konnte.

“Weisser Schrecken” liest sich prima. Es ist toll geschrieben: ernsthaft, wenn es die Handlung erfordert, aber auch jugendlich locker, wenn man mit den Freunden unterwegs ist und sie nicht von irgendwelchen Schrecken verfolgt werden. Das liest sich flüssig weg. Die Kapitel haben eine schöne Länge, sodass man mit jedem ein gutes Stück vorankommt, und sie locken mit Titeln, die sofort neugierig auf das weitere Geschehen machen.

Das Cover finde ich einfach toll! Wie durchdringend und direkt einen dieses Auge anschaut. Und der winterlich eisige Look mit den verschiedenen Blautönen sorgt schnell für ein Frösteln. Das passt zur Handlung.

Fazit:  Da die Erzählperspektive schnell in die Jugendzeit der Freunde wechselt, war “Weisser Schrecken” für mich schon fast ein Jugendbuch. “Fast”, weil es streckenweise wirklich sehr gruselig ist. Das könnte für jugendliche Leser eine Spur zuviel sein. Dieser Grusel entsteht aus Erzählungen aus dem deutschen Volksglauben.  Das ist mein größter Pluspunkt an dieser Geschichte. Am Ende ließen Spannung und Grusel leider stark nach, zumal Verbindungen zu fremdländischem Aberglauben hergestellt werden, die weit hergheholt und wenig überzeugend wirken.


Titel: Weisser Schrecken
Autor: Thomas Finn
Seiten: 496
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492267595
Preis: € 9,95 (TB)

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Rosskus (Jürgen Seibold)

rosskurEin mysteriöser Selbstmord, ein lukrativer Deckhengst und Tumult am Burggener Roßtag – Kommissar Hansen ermittelt im Allgäu. Die Kripo Kempten ist in hellem Aufruhr. Nach spektakulär gescheiterten Mordermittlungen soll ein neuer Hauptkommissar übernehmen – ein Niedersachse. Ein Skandal im traditionsbewussten Allgäu und denkbar schlechte Voraussetzungen für Eike Hansen. Sein erster Fall: Ein Mann soll von der Lechbrücke gestürzt sein. Doch als die Beamten am vermeintlichen Tatort eintreffen, fehlt von der Leiche jede Spur.

Einmal mehr bin ich durch ein schönes Cover auf eine weitere Reihe Regiokrimis aufmerksam geworden.
“Rosskur” nimmt viel Zeit ehe der Kriminalfall beginnt und so richtig interessant und spannend wird. Bis dahin hat man zunächst Gelegenheit, sich gemeinsam mit dem niedersächsischen Kommissar Eike Hansen in dem kleinen Ort im Allgäu und der Polizeiinspektion einzufinden. Auch wenn ich mir ab und zu gewünscht habe, der Fall könne endlich so richtig losgehen, so habe ich diesen Vorlauf doch auch genossen. Es ist schön, sich den Ort und die Gegen beschreiben zu lassen. Auch wenn ich bei en vielen Ortsnamen immer nur inständig gehofft habe, dass sie und die Richtungen daziwschen später bitte nicht von Belang sein würden. Denn dann wäre ich verloren gewesen.
Es hat außerdem Spass gemacht, Eike Hansen kennenzulernen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er es als Nordlicht im Allgäu nicht leicht haben würde und war gespannt, was dort auf ihn wartet und wie er es handhabt. Dabei habe ich einen ruhigen Kommissar kennengelernt, der in seinem Job ein echter Könner ist. Und einen Vorgesetzten, der sich nicht herausfordern lässt, sondern seinen neuen Kollegen mit Ruhe, Ehrlichkeit und Fairness begegnet. Das fand ich sympathisch. Nicht wäre für mich schlimmer gewesen als wenn er dort als der tolle Hecht aus der Großstadt aufgetreten wäre, der den Dorfdeppen mal zeigen will, wie es bei der Kripo so zu laufen hat. Ein paar kleine Szenen laden auch immer mal zum Schmunzeln ein, wie ich es an Regiokrimis gerne mag. Vor allem Hansens Scharmützel mit dem Kater seiner Vermieterin haben es mir dabei angetan.
Der eigentliche Fall startet recht unaufgeregt mit dem Mann, der von der Brücke gestürzt sein soll und von dem dann jede Spur fehlt. Klar war ich neugierig, was da wirklich geschehen ist, aber so richtig kribbelig spannend war es zunächst noch nicht. Zum Glück mag ich es aber auch, wenn ich den Ermittlungen der Polizei folgen kann, und das geht hier wirklich gut. Die Geschichte nimmt sich die Zeit, die Nachforschungen von Hansen und seinen Kollegen zu beschreiben. Ihre Erkundigungen, Theorien und Befragungen. Das zieht sich ab und zu, aber das sollte man sich gefallen lassen. Denn wenn der Moment kommt, an dem man das Gefühl hat, plötzlich erste Zusammenhänge zu erkennen und Vermutungen anzustellen, dann sind diese Ermittlungen wichtig und hilfreich. Damit funktioniert es prima, selber mitzuknobeln, wer in dem Fall mit drin steckt und warum. Aber wie gesagt: vorher bei der Sache bleiben! Auch weil man es mit wirklich vielen Personen zu tun bekommt. Da sollte man den Überblick behalten!
So hat es mir schließlich Spass gemacht zu verfolgen, wie die ganzen Erkenntnisse und Ermittlungen zusammenlaufen und eine schlüssige Auflösung ergeben. Im Verhältnis zu der Zeit, die sich die Geschichte bis dahin für jedes Detail nimmt, kam mir das Ende dann aber etwas zu abrupt. Da wäre es auf ein paar Seiten mehr auch nicht mehr angekommen.

“Rosskur” liest sich prima! Jedes Kapitel beschreibt einen Tag. Ich finde diese Kapiteleinteilung immer prima. Sie vermittelt mir das Gefühl, mit jedem Kapitel ein gutes Stück vorangekommen zu sein. Manche Kapitel sind dabei schon mal recht lang, doch durch die interessanten Ermittlungen und viele Dialoge fühlt sich das gar nicht so an.

Das Cover gefällt mir sehr! Es gibt ja mehrere Regiokrimis mit Türen auf dem Cover, durch deren Fenster man das eigentliche Motiv sieht. Das finde ich immer wieder schön. Hier mit der Landschaft und dem Pferdekopf, der so gut zum Titel passt. Und auf dem Buchrücken geht das Motiv weiter, sodass man neben dem Titel und dem Namen des Autoren einen Strohbesen sehen kann. Witzig!

Fazit: Ein schöner Regiokrimi für Krimifans, die es nicht unbedingt blutig brauchen, sondern Spass an Ermittlungen und eigenen Knobeleien haben. Genau darauf basiert die Spannung von “Rosskur”. Ein sehr sympathischer Kommissar, liebenswerte Allgäuer mit gewissen Ecken und Kanten und eine kleine Prise Humor haben mir den Aufenthalt in Kempten ausgesprochen angenehm gemacht. Ich werde sicher auch Hansens zweiten Fall lesen!

Der Metzger sieht Rot (Thomas Raab)

metzgerrotWas tut man nicht alles aus Liebe? Willibald Adrian Metzger zum Beispiel, der feinsinnige Restaurator, überwindet seine Abneigung gegen Massenveranstaltungen und begleitet seine heiß verehrte Danjela zu einem Heimspiel ihrer Lieblingsmannschaft – mit tragischem Ende. Denn auch der Tod löst diesmal seine Eintrittskarte und zeigt auf dem Spielfeld die finale Rote Karte. Als tags darauf überdies Danjela ihrer Neugierde zum Opfer fällt, ist es vorbei mit der Gelassenheit Metzgers. Mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit und findet dabei etwas erschreckend anderes.

Auf diese Reihe wurde ich durch einen späteren Band aufmerksam. Da ich aber in Reihenfolge lese, ging es mit diesem zweiten Band der Serie los. Der erste war in der Buchhandlung leider gerade nicht vorrätig, und ich wollte nicht warten. So kann ich zumindest sagen, dass ein Quereinstieg in die Reihe wohl mit jedem Band möglich ist.
Ganz einfach wurde mir der Start aber leider nicht gemacht. Und zwar ausgerechnet wegen Willibald Adrian Metzger persönlich, der so gar nicht mein Geschmack einer Hauptperson war. Erstens optisch (der Beschreibung nach halt) und zweitens -viel wichtiger- vom Wesen und seinen Denkweisen her. Gesunde Skepsis gewissen Dingen gegenüber ist völlig okay für mich, doch hier grenzte das für mich schon an sture Verbohrtheit. Beispielsweise den Themen Handy, Fußball oder einem wehrlosen Hund gegenüber, der sich sein Schicksal sicher nicht selbst ausgesucht hat und betreut werden muss.
So dauerte es bis ich mit dem Metzger warm wurde. Gelungen ist das letztlich hauptsächlich, weil man deutlich spürt, wie sehr er seine Danjela liebt, und weil er bald ein ganz schön helles Köpfchen beweist.  Das ist auch notwendig, denn der Fall, der mit einem Fußballer beginnt, der  auf dem Spielfeld einfach tot umfällt, wird bald sehr persönlich für den Metzger. Ausgerechnet Danjela  wird von fremdenfeindlichen Ultras ins Koma geprügelt!
Ich mag Krimis mit Ermittlern, die nicht von der Polizei oder der Kripo sind meist ganz gerne. Das hat mir auch hier prima gefallen, weil es doch eine ganz eigene Art der Nachforschungen mit sich bringt. Zudem hat mich die Geschichte damit überrascht, welche Hintergründe sich nach und nach auftun und welche Ausmaße der Fall so annimmt.
Allerdings fiel es mir ab und zu ganz schön schwer, genau zu begreifen, was gerade geschieht. Oder welche Erkenntnisse der Metzger gewonnen hat. Das hatte aber im Wesentlichen sprachliche Gründe. Der Inhalt ist wohldurchdacht, daran gibt es nichts auszusetzen. Ich musste mich halt damit abfinden, gelegentlich eine Passage zweimal zu lesen.
Erfreulicherweise gibt es ab und zu auch Anlass für ein Schmunzeln. Ich mag einfach Krimis, die einen Schuss Humor mitbringen. Hier ist es sogar ein sehr schöner, feinsinniger Humor, der auf diese Art wunderbar treffsicher und bissig ist.

Ganz ehrlich, ich fand “Der Metzger sieht Rot” unglaublich schwer zu lesen. Ein Schachtelsatz jagt den nächsten. Der Rekord lag bei einem Satz bei ganzen 12 Zeilen. Das mag charakteristisch für diese Reihe sein. Das mag für das Talent von Thomas Raab in Wort und Schrift sprechen. Trotzdem frage ich mich, ob es notwendig ist. Und auch wenn ich mich nach geraumer Zeit daran gewöhnt hatte, ist dies der ausschlaggebende Grund, wieso ich wohl keinen weiteren Metzger-Krimi lesen werde.

Das Cover war es, was mich auf den späteren Band aufmerksam machte. Und auch bei “Der Metzger sieht Rot” sprach mich das Cover sofort an. Sehr niedlich mit dem Plüschhasen. Auch wenn ich darin keinen Bezug zur Geschichte sehe. Aber es ist ein Blickfang, daran gibt es nichts zu rütteln. Ich finde außerdem, dass so gleich deutlich wird, dass man mit diesem Buch auch einige heitere Minuten erleben wird.

Fazit:  Ein spannender Fall und ein Ermittler der etwas anderen und besonderen Art, an die ich mich erst gewöhnen musste. Genauso musste ich mich erst mit dem speziellen Schreibstil von Thomas Raab anfreunden, was mir wohl nur für dieses eine Buch gelungen ist. Mir hat diese Mühe den Krimigenuss leider ziemlich verdorben. Es kann nicht sein, dass man alle naselang Sätze mehrfach lesen muss um sie inhaltlich zu verstehen. Schade, ich hatte ehrlich gehofft, eine neue Krimiserie für mich zu entdecken. Aber es kann halt nicht immer klappen.


Titel: Der Metzger sieht Rot
Autor: Thomas Raab
Seiten: 320
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492254632
Preis: € 9,99 (TB)

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