Politik

Weit weg im Outback – Unser Leben in Australien (Urs Wälterlin)

weitwegoutbackUrs Wälterlin hat den Traum vieler Großstädter wahr gemacht: Er lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen mitten im australischen Busch. Umgeben von Eukalyptusbäumen kämpft der Hobby-Alphornspieler im beschaulichen Greentown mit seiner Familie gegen Überflutungen und Waldbrände an, sie scheren Schafe und suchen nach immer neuen Mitteln, um die Kängurus davon abzuhalten, den Salat im Garten zu fressen. Das Aussie-Provinzkaff ihrer Wahl ist wie ein Mikrokosmos von Australien: übersichtlich, liebenswert, freundlich – und gelegentlich furchtbar nervig.

Dieses Buch war eine Zufallsentdeckung, bei der mich nicht nur das Cover ansprach, sondern auch der Titel. Beides versprach ein amüsantes Buch über eine Auswandererfamilie. Da Australien zu meinen Traumzielen gehört und ich jeden verstehen kann, der den Schritt dorthin wagt, kam ich an diesem Buch nicht vorbei.
Im Nachhinein jetzt muss ich leider sagen, dass Cover, Titel und selbst der Klappentext ziemliche falsche Erwartungen schüren. Dem Klappentext entsprechend hatte ich mich über interessante und amüsante Episoden aus dem Leben der Auswandererfamilie gefreut. Eben ein heiterer Blick hinüber auf den fünften Kontinent.
Das stimmt allerdings nur bedingt so. Natürlich geht es um Familie Wälterlin. Darum, wie es dazu kam, dass sie ausgewandert sind. Darum, wie sie sich nach und nach ihr eigenes kleines Reich in dem Nest im Outback geschaffen haben, und wie sie dort leben. Da Urs Wälterlin als Journalist viel in Australien umher reist, bekommt man dabei auch einen Blick auf andere Gegenden dieses Kontinets gewährt, was für Abwechslung sorgt. Das fand ich ganz interessant und oft auch ziemlich spannend. Genauso wie die kleinen Abenteuer, die die Familie beim Bau ihrer Häuser erlebt. Oder wenn sie sich im Alltag mit den Australiern auseinandersetzen müssen, die sich von der Mentalität her doch sehr von der schweizer Familie unterscheiden. Das hätte für meinen Geschmack gerne das ganze Buch hindurch so weitergehen können, denn genau so etwas hatte ich erwartet.
Was ich klar nicht erwartet hatte, sind Moralpredigten darüber wie es in der Politik in Australien zugeht oder wie man auf diesem Kontinent mit der Landschaft und dem Klima umgeht. Und ich war auch nicht darauf vorbereitet, mich durch Wälterlins Kampf mit der Lokalpolitik lesen zu müssen. Das darf jetzt bitte niemand falsch verstehen. Ich finde nicht, dass all das uninteressant ist. Ganz im Gegenteil: sicher geht in Australien politisch einiges schief, selbstverständlich sollte man dort mit Land und Klima pfleglicher umgehen, keine Frage!
Aber mich erinnerte all das mehr an ein informatives Sachbuch, und das hatte ich mir nach dem Klappentext so nicht vorgestellt. Ich hätte gerne mehr über die Familie gelesen. Zum Beispiel mehr über die Bauarbeiten an den Häusern, mehr darüber, wie es den Kindern in der Schule ergeht, oder über den stetigem Kampf mit der Tierwelt wie salatfressenden Kängurus oder gefährlichen Schlangen. Urs Wälterlin spricht alle diese Themen zwar an, schlägt aber immer direkt einen Bogen hin zu allgemeinen Problemen, die Australien betreffen und damit zusammenhängen. Und das hat für mich auch nicht viel mit “Unser Leben in Australien” zu tun, denn um die Familie geht es dabei häufig nur im Ansatz.
Dabei bleibt auch etwas auf der Strecke, worauf ich mich bei diesem Buch besonders gefreut hatte. Der Humor nämlich! Der Klappentext klingt nach einem Buch, bei dem man gerne mal schmunzeln oder lachen kann und das Covermotiv sieht ebenfalls ganz lustig aus. Ich weiß es nicht genau, aber wenn es hochkommt, dann habe ich während des gesamten Buchs höchstens fünfmal gelächelt oder gegrinst. Ziemlich dürftig für meinen Geschmack.

Für mich ließ sich das buch ganz unterschiedlich lesen. Die Kapitel zuhause bei der Familie, ihrem Haus, den Nachbarn usw flogen nur so dahin. Dagegen fielen mir Urs Wälterlins Ausführungen über Politik, Umwelt usw oft ganz schön schwer. Die entsprechenden Kapitel zogen sich so ganz ordentlich. Dabei sind sie keineswegs länger.

Das Cover gefällt mir immer noch sehr gut. Es sieht lustig aus und das Känguru mit seinem Kleinen sind ausgesprochen niedlich geraten. Das macht so wirklich Lust auf dieses Buch.

Fazit:  Ich bin wohl mit falschen Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Schuld daran sind der Klappentext und das Cover, die beide eine heitere Lektüre über eine Auswandererfamilie versprechen. Da erwarte ich halt keinen kritischen Blick auf Land, Leute und Politik, sondern mehr Episoden aus dem Familienleben, bei denen man auch mal lachen kann. Sicher sind das wichtige Themen, aber darauf ist man nach einem ersten Blick auf das Buch halt nicht vorbereitet.


Titel:  Weit weg im Outback – Unser Leben in Australien
Autor: Urs Wälterlin
Seiten:  368
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3548285351
Preis:  € 9,99

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Noah (Sebastian Fitzek)

noahEr weiß nicht, wie er heißt. Er hat keine Ahnung, wo er herkommt. Er kann sich nicht erinnern, wie er nach Berlin kam, und seit wann er hier auf der Straße lebt. Die Obdachlosen, mit denen er umherzieht, nennen ihn Noah, weil dieser Name tätowiert auf der Innenseite seiner Handfläche steht. Noahs Suche nach seiner Herkunft wird zu einer Tour de force. Für ihn und die gesamte Menschheit. Denn er ist das wesentliche Element in einer Verschwörung, die das Leben aller Menschen auf dem Planeten gefährdet und schon zehntausende Opfer gefunden hat.

Bereits lange bevor “Noah” erschien ging bereits das Gerücht um, dass dieses Buch mal ein anderer Fitzek-Thriller sei als man es von ihm bisher gewöhnt war. Ein wenig besorgt war ich deshalb schon, aber eben auch neugierig. Und ich glaubte auch nicht wirklich, dass mir ein Roman von Sebastian Fitzek nicht gefallen könnte.
Damit hatte ich völlig recht. Aber ja, es stimmt, einen Psychothriller hält man mit “Noah” nicht in den Händen.
Noah wurde von dem Obdachlosen Oscar auf den Straßen von Berlin gefunden und kam durch eine “Noah”-Tätowierung zu seinem Namen. Seinen richtigen Namen kennt er nicht, genauso wie er auch sonst rein gar nichts mehr über sich weiß. Ziemlich bald erfährt er allerdings, dass es offenkundig sehr begehrt wird, und das von nicht gerade zimperlichen und mitunter sehr schießfreudigen Menschen und Gruppierungen. Kurz gesagt, aus irgendwelchen Gründen ist man hinter ihm her. Es gilt herauszufinden, weshalb.
Die Geschichte spielt nicht nur bei Noah und Oscar in Berlin, sondern noch an verschiedenen anderen Orten auf der Welt. Beispielsweise in New York und in einem Slum von Manila. Wie üblich hat mich das sofort verunsichert. Es fällt mir immer sehr schwer, bei vielen Charakteren und verschiedenen Schauplätzen den Überblick zu behalten. Da hat es mich ehrlich gefreut, dass ich damit hier gar keine Probleme hatte. Das lag vor allem daran, dass an jeder Figur etwas Besonderes, Markantes war und dass ich zu jeder schnell eine Verbindung aufbauen konnte. So konnte ich gut den Überblick behalten.
Die Geschichte stellt ein heikles, aber wichtiges Thema in den Mittelpunkt. Die Menschheit ist auf dem besten Wege, ihren Planeten zugrunde zu richten. Und sich selber so natürlich gleich mit. Doch was kann man unternehmen um dem zumindest ein wenig Einhalt zu gebieten. Es gibt jemandem, dem ist eine äußerst drastische Idee dazu gekommen und die sorgt -verständlicherweise- für Aufruhr. Von der Politik bis hin zu den Ärmsten der Armen, die noch nicht mal wissen, was los ist. Und auch Noah und seine Freunde kommen der Sache nur langsam auf die Spur, da sie immer wieder in lebensgefährliche Situationen geraten.
Ich fand die Geschichte sehr spannend. Herauszufinden, wer Noah wirklich ist, wer hinter den Plänen steckt, die Welt auf solch drastische Art retten zu wollen, wem es gelingen würde, sein Ziel durchzusetzen, wie es der kleinen Familie in Manila ergeht und natürlich, wie all das zusammenhängt. Oder ob alles nicht vielleicht doch nur eine aufwändig angelegte Täuschung der Menschheit ist.
Gleichzeitig macht die Geschichte darauf aufmerksam, welches Schindluder jeder einzelne Mensch mit der Erde treibt. Das ist so und das lässt sich auch nicht schön reden, aber man darf es nicht falsch auffassen. Zunächst mal wird dabei keineswegs mit dem moralischen Zeigefinger gewunken. Das habe ich nicht ein einziges Mal so empfunden. Für mich war es einfach nur ein Aufmerksammachen und eine Einladung dazu, sich auch mal ein paar Gedanken über den eigenen Umgang mit der (Um)welt zu machen. Aber kein “Du darfst jetzt keine Plastiktüten mehr verwenden!“, um mal ein Beispiel herauszupicken. Hätte ich solche Moralpredigten vorgefunden, hätte ich das Buch ganz sicher gleich bei der ersten abgebrochen. Ohne Wenn und Aber. Aber diese Stupser in die Richtung sich Gedanken zu machen, gut verpackt in eine spannende, rasante und actionreiche Story, die gehen für mich völlig in Ordnung und wirken bei mir auch besser als der moralische Zeigefinger.

“Noah” ist vom Thema her ganz sicher mal ein anderer Thriller vom Sebastian Fitzek. Allerdings so überhaupt nicht vom Schreibstil her. Es liest sich weg wie nichts. Trotz des ernsten Themas ist es locker und mit einem Funken Humor geschrieben. Die Kapitel sind appetitlich kurz, sodass ich doch immer weitergelesen haben, auch wenn eigentlich nach fünf Kapiteln hätte Schluss sein sollen. Die stetig wechselnden Schauplätze und damit verbundenen verschiedenen Charaktere bringen zudem noch viel Abwechslung rein, was dem(Lese)tempo nochmal auf die Sprünge hilft.

Das Cover ist mit dem weißen Handabdruck auf schwarzem Hintergrund ein Hingucker im Regal. Im Dunklen zeigt sich ein nettes Gimmick: der Handabdruck leuchtet nämlich! Eine schöne Idee!

Fazit:  “Noah” behandelt klar ein anderes Thema als Sebastian Fitzeks Psychothriller. So gesehen ist es schon anders als seine vorigen Bücher. Ansonsten habe ich keinen nennenswerten Unterschied gefunden. Die Geschichte steht den Psychothrillern in Sachen Spannung in nichts nach, bringt nur obendrein noch einen gehörigen Schuss Action mit. Dabei steht ein ernstes und wichtiges Thema im Mittelpunkt, das jedoch nie mit erhobenem Zeigefinger behandelt wird, aber dennoch zum Nachdenken anregt. Geschrieben ist es, wie man es von Sebastian Fitzek kennt. So dass man es am liebsten in einem Rutsch lesen würde. Mir hat es sehr gut gefallen!


Titel: Noah
Autor: Sebastian Fitzek
Seiten: 560
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3785724828
Preis: 19,99 (HC)

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Boy Nobody – Ich bin dein Freund. Ich bin dein Mörder. (Allen Zadoff)

boynobodyMit 12 Jahren wurde er rekrutiert, um tödliche Missionen zu „erledigen“. Mit 16 ist BOY NOBODY einer der Besten. Weil er keine Fehler macht. Weil er eiskalt ist. Weil er seine Zielobjekte schnell und effektiv aus dem Weg räumt. Seine aktuelle Mission ändert jedoch alles: Denn die Zielperson ist ganz und gar nicht, was sie scheint. Und sie kommt ihm gefährlich nahe. Zu nahe. Aber BOY NOBODY wird auch diesen Auftrag erfolgreich zu Ende bringen. Weil er einer der Besten ist. Weil er keine Fehler macht. Weil er eiskalt ist. Oder etwa nicht?

Bei diesem Buch lockte mich das Cover, aber auch die Geschichte klang dem Klappentext nach nicht verkehrt. Immerhin mal wieder ein Jugendbuch, das nicht in irgendeiner fernen Zukunft und im Elend spielt.
Die Geschichte hält sich mit langen Vorreden nicht auf. Man ist direkt bei einem von Bens Job dabei. Dabei lässt die Story einen zunächst im Dunklen tappen. Es sieht alles nach einer ganz normalen Szene unter Kumpels aus. Doch lange lässt der Schrecken nicht auf sich warten und dann wird deutlich, worin Bens Job besteht. Dieser unmittelbare Einstieg hat mir gut gefallen. Anschließend erfährt man dann von Ben, wie seine Vorgeschichte aussieht, wie er zu seinem Job kam, was mit seinem früheren Leben passierte. Da ich kein Fan ausschweifender Erklärungen bin, hat es mich gefreut, dass Ben stets präzise auf den Punkt genau erzählt, nicht mehr als nötig um den Leser in’s Bild zu setzen.
Ansonsten hatte aber ich ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zu Ben. Einerseits fand ich ihn und seinen Job schon ganz cool. So eiskalte Auftragskiller haben für mich halt stets einen gewissen Reiz. Andererseits habe ich oft einen ganz normalen, durchschnittlichen Sechzehnjährigen vor mir gesehen und mich gefragt, ob es möglich ist, aus so jemandem einen Killer wie Ben zu machen. Ich habe da so meine Zweifel, ehrlich gesagt. Trotzdem habe ich es hingenommen. Auch weil man sich darüber bei so einer Geschichte keine Gedanken machen darf. Jugendliche Leser werden das eh nicht tun und an sie richtet sich das Buch schließlich in erster Linie. Die werden Ben cool finden, und das war er auch für mich.
Allerdings konnte ich mich trotzdem nicht richtig mit ihm anfreunden. Ich habe ihn zwar gerne bei seinen Aufträgen begleitet, aber mitfiebern konnte ich zB nicht. Wie auch, wenn jemand so kalt und gefühllos ist, wie Ben? Stets berechnend und nie ängstlich? Wie soll ich mit einer Figur mitfiebern, wenn mir reglmäßig gesagt wird, dass sie allem und jedem gewachsen ist? Um mich mit einer Figur anzufreunden, muss ich mich an irgendeiner Stelle in sie hineinfühlen können, und das ging hier sehr, sehr lange gar nicht.
Ich hatte gehofft, Bens Begegnung mit seinem neuen Zielobjekt Sam würde daran etwas ändern. Dass in diesem Moment wenigstens ein paar Gefühle reinkommen würden, doch selbst das war nicht der Fall. Ben kommen zwar Zweifel an gewissen Faktoren seines Lebens, aber Gefühle? Kaum der Rede wert! Und Sam steht ihm in Sachen Coolness und Abgebrühtheit kaum etwas nach. So blieb es dabei, dass ich spürbar von außen auf das Geschehen geblickt habe, es mich aber nicht gefangenen nehmen konnte.
Erst zum Ende hin kam dann auch bei mir Spannung auf. Zwar nicht, weil ich plötzlich so dicke mit Ben und Sam gewesen wäre, aber das Ende hält immerhin eine rasante Verfolgungsjagd  und ein paar unerwartete Wendungen bereit, die die Handlung zuvor in ganz anderem Licht dastehen lassen. Das hat Spass gemacht. Außerdem ist das Ende sehr konsequent.
Leider lässt es viel Raum für eine Fortsetzung. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, ist dieser Band der Auftakt zu einer Reihe. Das wusste ich zuvor nicht und hatte mich auf einen Jugendroman gefreut, der endlich mal wieder für sich steht. Daher hat mich das offene Ende hier enttäuscht.

336 Seiten hat das Buch, aber es kam mir überhaupt nicht so vor. Ben erzählt in kurzen, klaren Sätzen ohne unnötiges Gequatsche drumherum. Das passt, weil es so militärisch klingt, und es bringt Tempo in den Lesefluss. Richtige Kapitel gibt es nicht. Alle drei, vier Seiten beginnt ein neuer Abschnitt  mit einem fettgedruckten ersten Satz. Weil diese Abschnitte so schön kurz sind, habe ich oft gedacht ‘ach komm, einen mehr noch, ist ja nicht viel’ und plötzlich waren wieder 100 Seiten dahin. Sowas mag ich.

Beim Cover finde ich vor allem die schattige Darstellung der Stadt im Hintergrund toll. Und mit dem Fadenkreuz und dem leuchtend roten Fadenkreuz ist es auch noch ein echter Hingucker. Schön auch, dass sogar die Buchdeckel ein wenige gestaltet sind. So hat man nicht einfach nur ein nacktes Buch in Händen, wenn man -wie ich- beim Lesen den Umschlag entfernt.

Fazit:   Die Idee von “Boy Nobody” hat mir richtig gut gefallen, und Ben fand ich wirklich cool! Allerdings konnte ich mich durch seine kühle, abgeklärte und gefühllose Art nicht in ihn hineinversetzen und somit nicht mit ihm fiebern. Dafür brauche ich einen gefühlsmäßigen “Kontakt” zu einer Figur. Entsprechend hat es mir zwar Spass gemacht, ihm bei seiner Arbeit zuzusehen, aber spannend fand ich es nicht. Das änderte sich erst ganz zum Schluss. Erst da kamen Tempo und Spannung auf, was letztlich von einem erfreulich kompromisslosen Ende gekrönt wurde.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms!


Titel: Boy Nobody – Ich bin dein Freund. Ich bin dein Mörder.
Autor: Allen Zadoff
Seiten: 336
Verlag: Bloomoon Verlag
ISBN: 978-3845800059
Preis: € 16,99

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Ostfriesenkiller – Der erste Fall für Ann Kathrin Klaasen (Klaus-Peter Wolf)

ostfriesenkillerEine Serie von Morden erschüttert eine kleine Stadt in Ostfriesland. Nach und nach werden mehrere Mitglieder des Vereins ›Regenbogen‹ auf grausame Weise umgebracht. Wer hasst so sehr, dass er sie alle auslöschen will? Für Ann Kathrin Klaasen wird dieser Fall zu einer echten Bewährungsprobe.

Dieses Buch habe ich mir bei einer Lesung gekauft, an der auch Klaus-Peter Wolf beteiligt war. Das bot sich an. Außerdem war ich ja doch schon eine Weile neugierig auf diese Reihe. Schließlich bin ich bei Regiokrimis immer gerne mal in neuen Landstrichen unterwegs. Buchmäßig war ich noch nie in Ostfriesland.
Ich muss aber gestehen, dass ich skeptisch war. Vor allem wegen Ann Kathrin Klaasen. Ich bin kein Fan weiblicher Polizisten / Ermittler. Und es begann auch gar nicht gut mit uns, denn man lernt sie als erstes als von ihrem Ehemann gehörnte Frau kennen. Ich sah schon kapitelweise typisch weiblichen Katzenjammer wegen Mann und Familie auf mich zukommen.
Da war ich natürlich umso erfreuter als ich merkte, dass ich damit nicht rechnen musste. Da hat mir Ann Kathrin Klaasen wirklich sehr imponiert. Natürlich ist sie traurig und enttäuscht von ihrem Mann und verzweifelt, weil ihr Sohn mit ihm auszieht. Das ist berechtigt und nachvollziehbar. Aber sie ist und bleibt unverkennbar auch Kommissarin. Sie ist gut in ihrem Job, macht ihn gerne und und stellt ihn nicht hinter Mann oder Sohn zurück. Das habe ich bewundert und ihr hoch angerechnet. Und dankbar war ich dafür auch. Solche weiblichen Ermittler gefallen sogar mir!
Und so habe ich sie gerne bei ihren Nachforschungen um die Mordserie begleitet. Der Fall beginnt nicht allzu komplex, sodass man sich gut in die Situaton einfinden und sich mit den Charakteren bekannt machen kann. Ich war mir bis dahin auch sicher, dass es nicht allzu schwierig sein würde, den Fall zu lösen.
Nach und nach wird er aber doch komplexer, womit man aber gut zurecht kommt, da man eine ordentliche Einführung in die Geschichte bekommen hatte. Lediglich bei den Mitarbeitern vom Verein “Regenbogen” musste ich ab und zu mal überlegen, wer nochmal wer ist. die wichtigsten Personen hatte ich aber parat. Es hat mir Spass gemacht zu überlegen, wer wohl in der Sache mit drinstecken könnte. Ich mag es, wenn ich bei einem Krimi mitkombinieren kann. Das hat hier prima geklappt. Und ich mag es, wenn ein Krimi die eine oder andere unheimliche Szene auf Lager hat. Auch das hat “Ostfriesenkiller”. Zum Beispiel als Ann Kathrin Klaasen eines Abends in ihr Haus kommt und sich scheinbar grundlos beobachtet bzw bedroht fühlt. Eine Gänsehaut gehört einfach zu einem Krimi dazu.
“Ostfriesenkiller” ist aber nicht nur ein spannender Krimi, er gewährt einem auch einen Blick auf die Arbeit von solchen sozialen Vereinen wie dem “Regenbogen”. Vor allem, mit welchen Problemen solche Vereine oft zu kämpfen haben. Seien es die Verwandten der betreuten Personen oder auch die Politik, diese Arbeit ist alles andere als einfach. Da kann man oft nur den Kopf schütteln, wie manche Menschen oder Institutionen mit den Mitarbeitern und den Leuten in deren Obhut umspringen.
Genauso habe ich den Kopf darüber geschüttelt, wie manche Menschen mit geistig leicht behinderten Leuten umgehen. Sie ausnutzen und demütigen. Und auf der anderen Seite diese Leute, die in ihrer großen Naivität davon ausgehen, das sei so auch noch völlig richtig.
Was den Mörder angeht, konnte mich die Geschichte dann nicht mehr überraschen. Darüber war ich mir ab einem bestimmten Punkt ganz sicher. Aber es ist halt auch ein schönes Gefühl, wenn man sich am Ende selber ein wenig auf die Schulter klopfen kann, weil man den richtigen Riecher gehabt hat 😉

Es hat mich etwas erstaunt, dass einem “Ostfriesenkiller” tatsächlich ein ruhiges Lesetempo aufzwingt. Ohne dass das jetzt negativ gemeint wäre. Es gibt immer wieder beschreibende Passagen, die sich halt nicht so flott lesen lassen. Dann kommen aber wieder Dialogszenen und sie lesen sich im Nu. Das ist schön ausgewogen und sorgt nebenbei dafür, dass man sich mehr auf die Geschichte einlässt als wenn sie sich wie nix runterlesen lassen würde. ab und zu gibt es auch mal Anlass zum Schmunzeln, denn ein Funken Humor bzw dem Landstrich entsprechender Charme gehört in diesem Genre einfach dazu.

Das Cover gefällt mir sehr. Ich mag halt Blau, vor allem wenn es so schön düster ist wie hier. Das steht einem Krimi. Der Leuchtturm ist eine schöne und witzige Idee um nochmal darauf hinzuweisen, wo die Geschichte spielt. Dass ich dabei immer an “Otto, der Außerfriesische” denken muss, da kann ja niemand etwas dafür.

Fazit:  “Ostfriesenkiller” ist ein Krimi, der nicht nur mit einem spannenden Fall begeistert und Eindruck macht, sondern auch mit seinen Einblicken in die Arbeit(sbedingungen) von sozial engagierten Vereinen. Zudem hat mich Ann Kathrin Klaasen damit beeindruckt, dass die wegen ihrer gescheiterten Ehe nicht im Elend versackt, sondern trotzdem weiterhin eine gute, starke und selbstbewusste Kommissarin ist. So komme ich auch mit Frauen in diesen Job prima klar. Das war sicher nicht mein letzter Fall mit ihr!


Titel: Ostfriesenkiller – Der erste Fall für Ann Kathrin Klaasen
Autor: Klaus-Peter Wolf
Seiten: 311
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596166671
Preis: 8,95 (TB)

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