Provinzkrimi

Weisswurstconnection (Rita Falk)

Ein Luxus-Spa-Hotel öffnet seine Pforten, und die Hälfte der Dorfbevölkerung tobt. Als kurz darauf auch noch eine Leiche ausgerechnet in einer Marmorbadewanne dort liegt, muss der Eberhofer freilich wieder ran. Ganz egal, wie geschmeidig es mit der Susi grad läuft. Leider ist der Birkenberger Rudi momentan ein wenig verpeilt – was den Franz vor eine schwere Entscheidung stellt. Bleibt zu hoffen, dass zumindest er den Überblick behält. Oder verrennt er sich dieses Mal tatsächlich ein bisschen?

Endlich habe ich den (nicht mehr ganz) neuen Eberhofer gelesen. Sonst habe ich ihn sofort gelesen, sobald er eintraf. Aber 2016 war einfach kein so gutes Lesejahr bei mir.
Nun aber habe ich ihn endlich gelesen und er hat mir insgesamt so 50:50 gut gefallen.
Ein Mord im neu eröffneten Wellnesshotel von Niederkaltenkirchen hält Eberhofer dieses Mal auf Trab. Während der Mord Rätsel aufgibt, gibt es gleichzeitig auch noch massig Verdächtige. Denn so richtig begeistert war man im Dorf ja eher nicht vom neuen Hotel. Dass selbst Franz’ beste Freunde plötzlich auf der Verdächtigenliste stehen, sorgt für zusätzliche Brisanz.
So kann man als Leser gut mitknobeln und Verdächtigungen anstellen. Ich muss zugeben, ich habe es selbst der ein oder anderen an sich so lieb gewonnenen Figur mal zugetraut. Irgendwo sie sind ja -so kauzig und liebenswert- eben doch ein arger Sauhaufen in meinen Augen.
Somit war für mich durchgängi für Spannung gesorgt. Irgendwann beißt sich Eberhofer aber dann doch an einem Verdächtigen fest und ich muss sagen, dass ich zuvor bereits einmal in diese Richtung gedacht hatte, die Idee aber von wegen “das kann doch gar nicht sein” bald wieder verworfen hatte. Ich hatte sogar die richtige Idee, was die Ursache für die Tat sein könnte, aber es wollte mir halt einfach nicht wirklich in den Kopf.
Somit kam die Auflösung dann doch noch sehr überraschend. Ich muss aber gestehen, dass sie mir -im Verhältnis zum vorangegangenem Geschehen mit Ermittlungen und Verdächtigungen etc- eine Spur zu einfach gestrickt daherkam.Und irgendwie habe ich sie auch nicht als eine echte Krimiauflösung empfunden. Ich dachte die ganze Zeit quasi ‘was, das soll alles gewesen sein, dafür das ganze Brimborium zuvor?’ und irgendwie verstehe ich unter einem Mord doch etwas anderes. Vor allem unter einem Mord in einem Krimi. Das ist schwer zu erklären, aber ich hoffe, man versteht es trotzdem.
Ich fand übrigens auch, dass es dieses Mal nicht so viel aus Eberhofers Privat- und Familienleben zu lesen gibt. Natürlich mischen die Oma, die Susi, das Paulchen und Bruder Leopold mit, aber eben nicht so häufig und so ausführlich wie zB in den ersten Bänden der Reihe. Das ist einserseits gut, denn so bleibt der Fokus auf den Fall gerichtet und die Geschichte fühlt sich nach einem waschechten Krimi an. Andererseits gehört Eberhofers Familie für mich einfach in die Geschichten und sorgt bei mir für die meisten Lacher. Dieses Mal habe ich eher selten gelacht, was ich schade fand. Zudem kündigen sich im Zusammenhang mit der Familie gewisse Veränderungen für Eberhofer an, die mir nicht zusagen. Ich kann ihn mir so einfach nicht vorstellen und möchte ihn so auch gar nicht erleben.
Ob aus diesen Plänen tatsächlich etwas wird, bleibt hier aber erstmal noch recht fraglich. Daher hoffe ich noch, dass es nicht alles so eintreten wird. Und angesichts des Endes der Geschichte darf man sowieso noch großzügig daran zweifeln. Denn das Ende…nun, sagen wir mal, es dürfte Eberhofer-Fans mit einem entsetzen “Alles nur das bitte nicht!” zurücklassen. Mir hat es tatsächlich ein bisschen Angst gemacht. Ich bin gespannt auf den nächsten Band…falls es einen geben sollte. [Jetzt wäre der Moment für Fans, entsetzt zu gucken 😉

Wie gehabt liest sich auch dieser Krimi wieder weg wie nichts. Ich liebe Eberhofers Art zu erzählen, diesen Dialekt, die Formulierungen, einfach alles. Das ist so herrlich locker und so etwas liest sich für mich eben einfach wunderbar flüssig und fix. Ich möchte die Krimis manchmal ehrlich länger genießen, aber Eberhofers “Schnauze” reißt mich irgendwie jedes Mal mit. Und ich mag das halt auch so.

Mein erster Gedanke beim Anblick des Covers war: schwimmt da ein Gebiss im Bier? Der Lippenstiftabdruck ist wirklich nicht so gut getroffen, finde ich. Davon abgesehen ist es insgesamt aber ein zur Geschichte passendes Cover mit dem Polizeischlüsselanhänger, dem Kronleuchter, den man sich leicht in einem bayerischen Hotel vorstellen kann und natürlich den Weisswürsten aus dem Titel.

Fazit:  Der Krimi an sich hat mir sehr gut gefallen. Er ist spannend, lädt zum Mitknobeln ein und steht hier nicht hinter Eberhofers Privatleben zurück. Allerdings fühlte sich die Auflösung für mich einfach nicht krimiwürdig an und wirkte mir zu einfach gestrickt. Außerdem kam mir Eberhofers Familie etwas zu kurz, wodurch mir auch eine Ecke an Witz und Komik fehlte. Und die Entwicklung von Eberhofers Privatleben sagt mir (bislang) so gar nicht zu. So möchte ich es einfach nicht haben bzw ihn nicht darin erleben. Mal schauen, was daraus wird. Vor allem nach diesem Ende…


Titel: Weisswurstconnection
Autor: Rita Falk
Seiten: 304
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423261272
Preis:  € 15,90 (broschiert)

Griessnockerlaffäre (Rita Falk)

»Die Beerdigung von der Oma ist an einem Donnerstag. Es ist nieselig und grau und wir stehen bis zu den Knöcheln im Friedhofs-Batz. Trotzdem ist beinah die ganze Gemeinde gekommen. Sie war halt auch äußerst beliebt, die Oma, das muss man schon sagen …«

Keine Angst. Es ist nicht die Eberhofer Oma! Aber in Niederkaltenkirchen ist auch so einiges los. Im Polizeihof Landshut wird ein toter Polizist gefunden. Der Letzte, der mit dem Barschl zu tun hatte, war der Franz. Nun war der Tote ausgerechnet sein direkter Vorgesetzter – und absoluter Erzfeind. Blöderweise handelt es sich bei der Mordwaffe auch noch um Franz’ Hirschfänger. Sieht also nicht gut aus für den Eberhofer!

Kaum war Band 4 dieser Reihe erschienen, steckte auch schon meine Nase zwischen den Seiten. Als Eberhofer-Fan einfach Pflicht!
Die “Griessnockerlaffäre” hat es aber ganz speziell in sich! Denn niemand anderes als Kommissar Franz Eberhofer, der Sherrif von Niederkaltenkirchen persönlich, steht im Mittelpunkt dieses Falles. Er soll seinen verhassten Vorgesetzten aus Landshut ermordet haben, und leider fehlt ihm wegen übermäßigem Alkoholgenuss am Tatabend jegliche Erinnerung.
Dennoch ist er überzeugt, es nicht gewesen zu sein und macht sich daran, dies auch zu beweisen.
Vielleicht liegt es genau daran, dass Eberhofer selber im Verdacht steht, dass dieser vierte Band bei mir viel eher den Eindruck eines Krimis hinterlassen hat als seine Vorgänger. Ich finde, hier ist man viel häufiger bei Ermittlungen dabei, die man auch tatsächlich als solche bezeichnen kann. Das macht die Geschichte spannend, denn natürlich war auch ich überzeugt, Eberhofer müsse unschuldig sein und wollte unbedingt wissen, ob und wie er das beweisen würde. Und wenn er es nicht war, wer war es dann? Wie findet Eberhofer das heraus? Ja, ich habe mir bei diesem Band häufiger solche Fragen gestellt als bei den Vorgängern. Da hat mich dann und wann mehr der nächste chaotische Einkauf mit der Oma oder der nächste desaströse Musikabend vom Papa interessiert 😉
Ich muss ja fairerweise zugeben, dass die Ermittlungen in Band 1 bis 3 oft nicht so deutlich im Vordergrund standen. Das habe ich zwar nie als Kritikpunkt empfunden, aber ich weiß, es gibt Leser, die das anders sehen. Die werden bei Band 4 nun sicher staunen, denn Eberhofer kann auch richtig ernsthaft ermitteln. Wenn auch manche Methoden und die eine oder andere Eskapade dabei sicher alles andere als nach Dienstvorschrift ist.
Doch das gehört halt einfach zu dieser Figur und zumindest mir ist sie gerade deshalb so sehr ans Herz gewachsen. Und natürlich bringt genau sowas auch die nötige Komik in die Geschichte. Zum Lachen gibt es auch in der “Griessnockerlaffäre” wieder einiges. Franz bleibt eben Franz und seine Kollegen und Spezis aus dem Dorf sind nun mal schräge Unikate.
Und auch die liebe Familie treibt ihn wieder manches Mal schier in den Wahnsinn, was ebenfalls für Lacher gut ist.
Man muss aber ganz ausdrücklich sagen, dass familiär dieses Mal auch ernstere Töne angeschlagen werden. Natürlich verpackt in Franz schnodderige Erzählweise, aber es klingt schon deutlich durch. Nur bleiben Eberhofers eben auch dabei typisch Eberhofer! Mir hat dabei sehr gefallen, dass so deutlich wird, wie sehr diese Familie eigentlich aneinander hängt. Trotz aller Querelen, die immer wieder auftauchen. Aber man spürt halt auch den Zusammenhalt und die Zuneigung, die im Hause Eberhofer herrscht.

An Franz’ charakteristischer Erzählweise hat sich nichts geändert! Entsprechend locker und flott liest sich die “Griessnockerlaffäre”. Wer relativ neu dabei ist, stolpert womöglich noch über vereinzelte Dialektworte, aber für den geübten Eberhofer-Leser dürften die kein Problem mehr darstellen. Für mich macht auch gerade diese Erzählweise das Besondere an diesen Krimis aus. Keine andere würde den Geschichten so gut stehen!

Das Cover reiht sich wunderbar in die Reihe ein. Auf den ersten Blick wirkt es wieder schön urig bayerisch mit dem Oktoberfestherzen und der Milchkanne, doch die überaus scharfe Heckenschere lässt spätestens auf den zweiten Blick durchblicken, dass man tatsächlich einen Krimi in Händen hält.

Fazit:  Ein absolut würdiger vierter Band, der dieses Mal viel eher den Krimi erkennen lässt. Dennoch ist natürlich auch wieder für typischen Spass á la Eberhofer gesorgt. Für Fans der Reihe eine klare Empfehlung! Ich freue mich schon jetzt auf Franz’ nächsten Fall! Astrein!

Danke an den dtv für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel:  Griessnockerlaffäre – Ein Provinzkrimi
Autor: Rita Falk
Seiten:  240
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423249423
Preis:  € 14,90 (broschiert)

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