Rache

Mord in Serie (21) – Im Visier der Rache

Titel: Mord in Serie (21) – Im Visier der Rache / Verlag: Contendo Media / Spielzeit: ca. 68 min / Sprecher: Katrin Heß, Kerstin Draeger, Thomas Balou Martin, Traudel Sperber ua

mis21Inhalt: Texas, USA. Die deutsche Auswanderin Susanne Bender betreibt hier mit ihrem Mann eine gut laufende Abtreibungsklinik, die sie zur Zielscheibe religiöser Fanatiker macht. Auf dem Wochenmarkt erhält sie einen Anruf. Am anderen Ende ist ein unbekannter Mann, der sie durch das Visier eines Scharfschützengewehrs beobachtet. Ein falsches Wort von ihr und er drückt ab! Schnell wird Susanne klar, dass hier nicht nur ihr eigenes Leben auf dem Spiel steht!


Diese Folge stellt einen direkt zu Beginn vor eine Frage. Wieso wird Susanne Bender und ihre Klinik derart angefeindet? Somit packt einen die Geschichte gleich zu Anfang. Kaum ist diese Frage beantwortet, geht es gleich weiter rund. Alleine schon das Geschehen während des Telefonats zwischen Susanne Bender und dem Scharfschützen ist ausgesprochen spannend und bietet einen erfreulich  erbarmungslosen Täter. Gleichzeitig darf man sich fragen, wer es ist und wieso er so etwas tut.
Auch auf diese Fragen bekommt man nach und nach Antworten, gleichzeitig tun sich aber neue Blickwinkel auf gewisse Geschehnisse in der Vergangenheit auf. Zur Ruhe kommt man bei dieser Folge garantiert nicht. Kaum hat sich ein Teil aufgeklärt, überrascht die nachfolgende Szene mit der nächsten Wendung.
Für Tempo sorgt dabei der Ablauf in Echtzeit. Ich hatte zunächst gewisse Bedenken dabei, denn eigentlich werden mir zB längere Telefonszenen uÄ schnell langweilig. Hier war das nicht eine Sekunde lang der Fall, und das Telefonat zwischen Susanne Bender und dem Täter dauert tatsächlich geraume Zeit. Wirklich beeindruckend in Szene gesetzt.
Und ja, wie “Im Visier der Rache” beweist, kann man Hörspiele wirklich so gestalten, dass selbst ich einen Erzähler nicht vermisse und trotzdem bei der Handlung durchsteige.

Thomas Balou Martin hat mir hier besonders gut gefallen. Mit seiner markanten, tiefen Stimme lässt er Luke Austin ausgesprochen bedrohlich klingen. Dieser Stimme hört man vom ersten Satz an gebannt zu.  Susanne Bender wird von Kerstin Draeger gesprochen, die die verschiedenen Gefühlslagen dieser Figur glaubhaft an den Hörer bringt. Als Emilia Bender ist Katrin Heß zu hören. Ihre klare Mädchenstimme passt gut zu dem Teenager. Später versteht genau diese Stimme es aber auch, verzweifelt und panisch rüberzukommen.

Musikalisch ist in dieser Folge wenig zu holen, was mich aber überhaupt nicht gestört hat. Ich konzentriere mich meist so sehr auf die Handlung und die Dialoge, dass ich Musik überhöre. Die Folge lebt von ihrer Geräuschkulisse, von der sie auch ihre Lebendigkeit erhält. Egal zu welcher Szene, die Geräusche machen einem sofort klar, wo die Figuren sich gerade aufhalten und was um sie herum geschieht. Als stehe man direkt neben ihnen. Top!
Ach übrigens: ich mag Countrymusik! Mir gefällt der Bonussong…

Der eindringliche Blick des Mannes und die düstere Gestaltung der Covers machen einem auf Anhiebklar, dass man von diesem Hörspiel viel Spannung und wenig Gutes zu erwarten hat. Auch eine Frau mit einem Handy am Ohr ist zu sehen, womit zwei wesentliche Elemente vertreten sind, ohne viel zu verraten.

Fazit:  Eine von Anfang bis zum Ende atemlos spannende und rasante Geschichte, die einem im Minutentakt neue Rätsel aufgibt und mit neuen Tatsachen überrascht. Meine absolute Empfehlung!

Wildhexe (03) – Chimäras Rache (Lene Kaaberbøl / Ulrike C. Tscharre)

Titel: Wildhexe (03) – Chimäras Rache / Verlag: Igel Records / Spielzeit: ca. 207 min / Buch: Lene Kaaberbøl / gelesen von: Ulrike C. Tscharre

wildhexe03Inhalt: Die Wildhexe Clara hat seltsame Träume, in denen ihr Flügel und Krallen wachsen oder sie wie eine gierige Natter über den Boden kriecht. Als sie aufwacht, liegt sie nicht im Bett, sondern ist auf Beutejagd. Eine tote Seele, die mit aller Macht zurück ins Leben drängt, hat von ihr Besitz ergriffen. In Claras Visionen ist es ein Mädchen namens Kimmie. Und natürlich steckt keine andere dahinter als die böseste aller Hexen: Chimära. Zusammen mit Kahla, der begabten Wildhexenschülerin, wagt Clara ein gefährliches Abenteuer. Allerdings ohne ihren Wildfreund Kater, denn das Wesen, das die Tiere bedroht, hat ihn bereits angefallen.


Die Saga um die junge Wildhexe Clara geht in die dritte Runde. Und auch wenn mir die vorigen Teile ebenfalls gefallen haben, so ist “Chimäras Rache” für mich bisher meine Lieblingsgeschichte. Das liegt vor allem daran, dass es hier so richtig rund geht. Im Sinne von: es ist spannend, man sorgt sich um Clara, bangt mit ihr, fragt sich, ob sie diesen Kampf überhaupt gewinnen kann. Und vor allem ist es auch ganz schön gruselig mit dieser toten Seele, die sich Clara bemächtigt hat. Claras Albträume sind nicht ohne, es kommen tote Tiere vor, abgerissene Gliedmaßen und wenn man sich mal bildlich etwas unter “Hunger nach neuem Leben” vorstellt, dann ist das schon für einiges Grausen gut.
Ich habe manche Besprechung gelesen, in denen man sich darüber aufgeregt hat. Aber man muss halt einfach sehen, dass es trotz des großen Natur- und Tierthemas eine Reihe für Elf- bis Dreizehnjährige ist. Das hat in Händen von Grundschulkindern nichts zu suchen, schon lange nicht, ohne elterlichen “Beistand”.
Sicher, es ist eine Ecke deftiger als die Vorgängerteile, doch für mich ist das einfach eine vertständliche Entwicklung der Handlung. Chimära ist nun mal die böseste aller Hexen und wurde schon manches Mal von Clara und ihren Freund vorgeführt. Es ist doch logisch, dass eine solch böse Hexe zu immer größeren Gemeinheiten greift. Entsprechend habe ich es auch nicht so empfunden, dass dieser dritte Teil nicht zu den beiden Folgen zuvor passt.

Gelesen wird auch dieser Teil wieder von Ulrike C. Tscharre. Sie hat mich hier einmal mehr sehr beeindruckt mit ihrer Stimmenvielfalt, mit der sie den Figuren Leben einhaucht und dem Hörer die entsprechenden Bilder vermittelt. Bei einigen Figuren wird ihrer Stimme noch durch gewisse Effekte intensiviert.

Musik ist auch dieses Mal wieder zu hören. Die Reihe bringt so ihren ganz eigenen Klang mit und der Atmosphäre ist dies ebenfalls sehr zuträglich. Ich finde außerdem immer, dass ein Musikstück hier und da das Hören auflockert. Das kann bei 3 CDs nicht schaden.

Auf diesem Cover schauen sich Clara und ein Dachs in die Augen. Jede Folge hat ihr eigenes Tier. Damit ist für mich ein schöner und offensichtlicher Zusammenhang zum Titel “Wildhexe” vorhanden. Im Leben der Wildhexen spielen Tiere schließlich eine wichtige Rolle.

Fazit:  “Chimäras Rache” ist für mich bisher das Highlight der Reihe. In vielerlei Hinsicht super spannend und -das ist einfach so- oft auch ganz schön gruselig. Spätestens wenn man bei dieser Episode angekommen ist, sollte man die Altersempfehlung im Auge behalten.

Im Herzen die Rache (Elisabeth Miles)

7377-01_ImHerzendieRache.inddEs ist Winter in Ascension, einer Kleinstadt in Maine. Die Seen sind zu Eis erstarrt, der makellose Schnee fällt in dicken Flocken vom Himmel. Aber der friedliche Schein trügt – denn in Ascension haben Fehler tödliche Folgen. Drei geheimnisvolle Mädchen sind in die Stadt gekommen, um darüber zu urteilen, wer für seine Taten büßen muss. Und die Wahl ist auf Em und Chase gefallen. Emily ist glücklich. Zach, in den sie seit Monaten verliebt ist, zeigt endlich Zuneigung zu ihr. Doch Em weiß: Wenn sie etwas mit ihm anfängt, gibt es kein Zurück mehr. Denn Zach ist bereits mit Gabby zusammen – Ems bester Freundin. Chase hat nicht nur Probleme zu Hause, auch seine Freunde lassen ihn links liegen. Aber es ist etwas anderes, was ihm den Schlaf raubt. Chase hat etwas unfassbar Grausames getan. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es ans Licht kommen wird.

Ich war mir vom ersten Moment an nicht sicher, ob dieses Buch mein Fall sein würde. Der Klappentext klang zwar ganz interessant, aber das Covermotiv wirkte auf mich ziemlich altmodisch und konnte mich so nicht recht begeistern. Aber man soll ein Buch ja bekanntlich nicht nach dem Cover beurteilen.
Bei “Im Herzen die Rache” hätte ich genau das aber besser tun sollen.
Zunächst hat mich die Geschichte total verwirrt mit den unzähligen Charkteren, die sie ins Rennen schickt. Ich habe kein großes Talent dafür, mir zig Figuren zu merken und hoffte dementsprechend bald, dass ich nicht alle davon später würde auf dem Schirm haben müssen. Ich wäre verloren gewesen, ganz klar! Glücklicherweise war es dann im weiteren Verlauf nicht nötig, jede einzelne Person aus dem FF zu kennen. Daher habe ich mich gefragt, wieso mir dann anfangs Jan und Jupp von der High School vorgestellt worden war. Die wenigen Charaktere, die schließlich die Hauptrollen der Geschichten spielen, hatte ich mir schnell zu Eigen gemacht. Auf sie alle wird so genau eingegangen, dass man im Nu ein deutliches Bild von ihnen vor sich hat und ihr Wesen kennt. Das ist einerseits ganz toll, andererseits passiert während diese Zeit herzlich wenig in der Geschichte. Sie erinnert viel mehr als eine gewöhnliche Teenie-High-School-Schmonzette mit allem was dazu gehört: Liebe, Mobbing, Gerüchten, Partys usw. Was all das mit der Rache aus dem Titel zu tun haben sollte, war mir lange Zeit überhaupt nicht klar.
Umso überraschter war ich als es dann plötzlich so richtig zur Sache ging! Ich hätte mir da allerdings einen deutlicheren Übergang gewünscht. So kam das plötzlich wie aus heiterem Himmel. Endlich wurde deutlich, inwiefern Rache eine Rolle spielt, und einige wirklich spannende und grausige Szenen bzw Vorfälle gab es ebenfalls. Das sorgt außerdem für Tempo, weshalb ich ab diesem Punkt gebannter gelesen habe als zuvor. Eine schöne Entschädigung für den langatmigen und unspektakulären Start. Ein paar gruselige Szenen sorgten für zusätzliche Würze ganz nach meinem Geschmack. Und ich habe mich lange gefragt, wie Emily, Chase und JD aus dieser Lage herauskommen würden.
Dieser an sich ganz gute Eindruck wurde mir dann mit der Auflösung leider wieder zunichte gemacht. Ich kann mit mythologischen Figuren und Hintergründen nichts anfangen, das ist einfach so. Hier kam aber noch dazu, dass man davon bis zu diesem Moment überhaupt nichts ahnt. Nichts deutet darauf hin! So ist das dann eine Überraschung, die zumindest mir nicht gefallen hat. Wer so etwas mag, der dürfte sich damit aber gut bedient fühlen.
Das Ende selber ist sehr traurig, und obwohl “Im Herzen die Rache” eigentlich nicht mein Fall war, werde ich Band 2 vielleicht irgendwann doch noch lesen. Alleine nur um zu erfahren, wie es mit JD und Hannah weitergeht. Ich mochte JD so gerne. Er war meine Lieblingsfigur in der Geschichte, und so kann und darf es mit ihm bzw den beiden nicht enden.

Eines muss ich “Im Herzen die Rache” zugute halten: obwohl das Buch mit seinen 384 Seiten ganz schön stattlich ist, lässt es sich im Nu lesen. Dafür sorgen ein jugendlich leichter Erzählstil, wechselnde Schauplätze und viele Dialoge. Lediglich die Chatsprache zu Beginn hat mich tierisch genervt. Es kann sein, dass sich die Teenies heute so unterhalten, aber in einem Buch möchte ich Sachen wie “u” (=und), “o” (=oder) oder gar sowas wie “BiDuDa?” statt “Bist Du da?” nicht lesen.

Wie schon gesagt ist das Cover nicht unbedingt nach meinem Geschmack. Auch wenn dieses Mädchen durchaus seltsam wirkt mit dem eindringlichen Blick und den feinen Handschuhen und der filigranen Teetasse. Wer solch altmodisch anmutende Motive mag, dem wird dieses hier gefallen. Mich leiß es zu sehr fürchten, eine Geschichte anno Schnee dahinter anzutreffen.

Fazit:  Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören sollen. “Im Herzen die Rache” war nicht mein Fall. Erst geschieht ewig lang nichts und man hat das Gefühl, eine gewöhnliche Hight School-Soap zu lesen, dann geht es plötzlich heftig rund (was mir Mut für den Rest der Story bereitet hat) und dann präsentiert die Geschichte ein mythologisch angehauchtes Ende, das man zuvor nicht mal erahnen konnte. Da Mythologie nicht mein Ding ist, war es damit ganz aus mit dem Buch und mir. Irgendwann lese ich aber vielleicht doch noch Band 2, denn an JD hänge ich schon sehr. Mein Lichtblick unter den Charakteren.


Titel: Im Herzen die Rache
Autor: Elisabeth Miles
Seiten: 384
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3785573778
Preis: € 17,95 (HC)

bestellamazon

Gruselkabinett (87) – Alraune

Titel: Gruselkabinett (87) – Alraune / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 89 min / Sprecher: Hans Bayer, Sabine Bohlmann, Johannes Raspe, Gabriele Pietermann, Regina Lemnitz ua

gk87Inhalt: Im Rheinland 1905: Eine kleine Gruppe skrupelloser Menschen nimmt eine künstliche Befruchtung an einer Prostituierten vor und pflanzt ihr dabei den Samen eines gehängten Lustmörders ein. Die auf diese Weise erschaffene, im Erwachsenenalte höchst faszinierende
Alraune ten Brinken ist ein Geschöpf mit sehr besonderen Fähigkeiten.


Mit dem Begriff “Alraune” verbinde ich etwas anderes als eine schöne Frau, wie sie auf dem Cover zu sehen ist. Daher war ich einerseits zwar neugierig auf die Geschichte, andererseits aber auch skeptisch. Irgendwie ahnte ich bereits, dass da etwas schiefgehen würde.
Etwa die erste Hälfte der Geschichte ging für mich soweit ganz in Ordnung. Die Idee der Wissenschaftler ist schon ganz schön krank, ein Stück weit auch ziemlich eklig, aber mit so etwas kann ich leben. Die weitere Entwicklung der Handlung verlief angenehm geradlinig und allmählich kristallisierte sich heraus, dass Alraune keineswegs eine ganz normale schöne, junge Frau ist, sondern gewisse “Talente” besitzt. Ich war gespannt, wie sich das weiterentwickeln würde.
Leider entwickelte es sich reichlich konfus. Von geradlinigem Verlauf keine Spur mehr, alle naselang andere Figuren mit ihren jeweiligen Begehrlichkeiten, Intrigen und Boshaftigkeiten. Ich habe die Folge bestimmt siehen- oder achtmal gehört, aber etwa ab der Mitte war ich regelmäßig raus. Zurück blieb lediglich der Eindruck eines Rachefeldzugs Alraunes gegen ihre Schöpfer. Die haben übrigens allesamt in irgendeiner Form mit sexuellen Begierden zu tun. Zwischen Männern, Frauen, Kindern, alles was diese Thema halt so hergibt. Grundsätzlich von mir aus, aber vom “Gruselkabinett” erwarte ich (wohl nicht ganz unberechtigt) gruselige Geschichten. Und “Alraune” ist schlichtweg nicht gruselig. Allenfalls abstoßend.

Ich habe durchgezählt, weil mich der Anblick der Sprecherliste nach der von “Die Kreatur” umgehauen hat. Fast 20 Sprecher sind bei “Alraune” am Werk! Ich hätte wissen müssen, dass ich da nicht klarkommen würde. Sei’s drum, jetzt ist es zu spät. Alraune selber wird von Sabine Bohlmann gesprochen. Sie leiht ihr eine meist sehr angenehme, liebreizende Stimme, die bei Bedarf allerdings schnell ins genaue Gegenteil umschlägt und energisch und herrisch wird. Hans Bayer übernimmt die Rolle des Jakob ten Brinken. Seine tiefe Stimme habe ich als ganz angenehm empfunden, sodass es für mich unglaublich war, welche Abgründe diese Figur mit der angenehmen Stimme in sich verbirgt. Johannes Raspe ist als Frank Braun zu hören, der natürlich in der Geschichte mitspielt, aber auch als Erzähler fungiert. In seiner Stimme liegt als Erzähler stets eine gewisse Schwermut. Als Frank Braun klingt er recht jung und wesentlich lebendiger.

Auch der Musik gelingt es nicht, dieser Geschichte Gänsehautflair einzuhauchen. Die eingesetzten Stücke sind zwar durchweg leise, zurückhaltend und oft schwermütig, aber schaurig ganz sicher nicht. So verleihen sie der Story lediglich eine gedrückte Stimmung. Das passt zwar zum Geschehen, hat mir aber kein Schaudern verursacht. Immerhin aber wird man bei “Alraune” nicht durchweg musikalisch beschallt!

Das Cover alleine zeigt eigentlich schon deutlich, wie weit es mit dem Grusel in dieser Folge her ist. Da nützt der Gehängte im Hintergrund auch nicht. Farblich und von den Lichtspielereien ist das Motiv ganz schön und sicher fragt man sich, was diese schöne Frau mit einer hässlichen Pflanzenwurzel zu tun hat, aber schaurig sieht es nicht aus.

Fazit:  Die erste Hälfte von “Alraune” fand ich wegen der ausgesprochen kranken Idee der Wissenschaftler gar nicht mal übel. Da hätte etwas Gruseliges draus werden können. Stattdessen wurde daraus ein wirren Ränkespiel um diverse sexuelle Begierden und Vorlieben, das alles andere als gruselig war.

Das Rachespiel (Arno Strobel)

rachespielFrank Geissler glaubt an einen Scherz, als er die Website aufruft: Ein Mann, nackt, am Boden festgekettet, in Todesangst. Daneben ein Käfig voller Ratten, unruhig, ausgehungert.
Frank kann den Mann retten, heißt es. Aber nur wenn er Teil des »Spiels« wird und seine erste Aufgabe erfüllt. Angewidert schließt er die Website, doch kurz darauf ist der Mann tot. Und Frank beginnt zu zweifeln. Hätte er dem Unbekannten helfen können? Hätte er nicht sofort die Polizei informieren müssen? Aber es ist zu spät. Und nicht nur für den Toten. Auch Frank ist schon mittendrin. Mittendrin in einem Spiel, in dem er einer der Vier ist, einer der vier Kandidaten, für die es um alles geht. Um ihr eigenes Leben. Aber auch um das Leben aller, die ihnen etwas bedeuten.

Mit “Das Rachespiel” begab ich mich auf eine neue Runde in der Berg- und Talfahrt, die Arno Strobels Thriller für mich bislang waren. Mit “Der Sarg” war diese Fahrt ja wieder aufwärts gegangen. Mit “Das Rachespiel” verläuft die Fahrt nun genau zwischen Berg und Tal.
Ich fange mal mit dem an, was mir an “Das Rachespiel” gefallen hat. Das ist ganz einfach: ich mag Geschichten um Killer, die kranke Spiele mit ihren Opfern spielen. Das ist zwar spätestens seit “Saw” nichts Neues mehr, aber wenn es gut gemacht ist, kann ich mich für dieses Schema immer wieder begeistern. Entsprechend angetan war ich von “Das Rachespiel”, wo ebenfalls ein ziemlich kranker Killer seine Spielchen mit den vier Hauptcharakteren treibt. Dass es bei diesen Spielchen ganz gut zur Sache geht, ist noch ein feiner Pluspunkt obendrein.
Genauso gut hat mir der Schauplatz gefallen, an dem die vier durch ihre persönliche Hölle gehen. Solch einen verlassenen Bunker stelle ich mir schon schaurig vor, und dieser hier wird so anschaulich, düster und beängstigend beschrieben, dass es einem beim Lesen das Gruseln lehrt.
Zuletzt sei noch gesagt, dass ich übersichtliche Stories mag. Eine Handvoll Charaktere reicht mir meist voll und ganz. Da habe ich schnell den Überblick und kann mich ganz auf das Geschehen konzentrieren, statt mir erst Massen von Namen merken zu müssen. Schauplatzwechsel muss ich ebenfalls nicht haben. Beide Vorlieben hat mir “Das Rachespiel” bestens erfüllt. Das hat es mir gleichzeitig leicht gemacht, selbst zu knobeln, wer womöglich hinter dem Grauen steckt, das die Freunde in dem Bunker erleben. Außer ihnen kommt lediglich eine weitere Person dafür infrage. Da kann man leicht Für und Wider der einzelnen Figuren gegen einander abwiegen, und das macht Spass. Hier vor allem, weil man regelmäßig Einblick in die Jugend der vier Freunde erhält. Aus den Ereignissen damals und dem Verhalten der Kinder kann man gut Vermutungen für die Handlung im Jetzt ableiten.
Soweit bin ich mit “Das Rachespiel” also wirklich zufrieden. Inhaltlich habe ich daran nichts weiter auszusetzen.
Doch so gut ich damit leben kann, einer alten Idee im soundsovielten Aufguss zu bgegnen, es bleibt dabei: diese Idee ist nicht neu und mittlerweile im Thriller- und Horrorgenre mindestens an jeder dritten Ecke anzutreffen. Da bin ich von Arno Strobels Thrillern innovativere Ideen gewöhnt, und das hat mich doch gewundert. Und schade finde ich es -so gesehen- auch. Da wird mancher Strobel-Fan enttäuscht aus der Wäsche gucken, da bin ich sicher.
Natürlich habe ich mich auch gefragt, wieso ich plötzlich einen Strobel-Thriller mit einer Idee von der Stange lese. Ich würde vermuten, dass die Pause seit “Der Sarg” einfach zu lang geworden wäre, wenn nun erst das Jugendbuch im März erschienen wäre. “Der Sarg” erschien im Januar 2013. Bis zum “Rachespiel” hat es also schon ein komplettes Jahr gedauert. Wäre nun erst das Jugendbuch gekommen, wäre diese Pause noch länger geworden. Und ob das akzeptabel gewesen wäre? Für die Leser ebenso wie für den Fischer Verlag? Denn das Jugendbuch erscheint obendrein in einem anderen Verlag, obwohl Fischer ebenfalls eine Jugendbuchabteilung hat.
Wie gesagt: das ist meine ganz persönliche Vermutung und sie ist womöglich völlig falsch. Aber für mich klingt sie ganz sinnig.

Es wäre kein Problem gewesen, das Buch in einem Rutsch zu lesen. Es ist leicht und locker geschrieben, das liest sich weg wie nichts. Langweilig wird es auch nicht wirklich und der Wechsel zwischen der Handlung im Jetzt und dem Geschehen damals in der Kindheit der vier Freunde bringt noch Abwechslung rein. Knackig kurze Kapitel helfen dem Tempo ordentlich auf die Sprünge.

Vom Cover her reiht sich “Das Rachespiel” nahtlos in die Serie der Strobel-Thriller ein. Einmal mehr wird das Cover vom auffälligen und erhaben geprägten Titelschriftzug beherrscht. Der gebeugt sitzende Mann fällt da erst auf den zweiten Blick auf, macht dann aber doch neugierig.

Fazit:  Ich mag kranke Killer, die ebenso kranke Spielchen mit ihren Opfern treiben. Ich mag solch gruselige Schauplätze und eine überschaubere Anzahl Figuren, bei denen man gut mitknobeln kann. Trotzdem, die Idee der Geschichte ist alles andere als neu. Die liegt auf dem Grabbeltisch mit Thriller-Ideen seit “Saw” und Co. ganz oben. Und da bin ich von Arno Strobel einfach einfallsreichere Thriller gewöhnt. Deshalb wirkt “Das Rachespiel” auf mich wie mit der heißen Nadel gestrickt. Als hätte dringend ein Erwachsenenthriller hergemusst, damit die Zeit seit “Der Sarg” nicht zu lang wird. Und das hat mich erstaunt und auch etwas enttäuscht.


Titel: Das Rachespiel
Autor: Arno Strobel
Seiten: 352
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596196944
Preis: 9,99 (TB)

amazonbutton

© 2019 Frontier Theme