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Gänsehaut – Die Nacht im Turm der Schrecken (R.L. Stine)

turmschreckenEinmal Prinz und Prinzessin sein – für Sue und Eddie geht dieser Wunsch in Erfüllung. Als sie bei einer Führung durch den “Turm der Schrecken” hinter ihrer Gruppe zurückbleiben, taucht plötzlich eine geheimnisvolle Gestalt auf und versetzt sie durch Zauberei ins Mittelalter. Was wird nun mit ihnen geschehen?

Dieser Rezension muss ich etwas vorausschicken, das ich mir quasi als Schild auf die Seite hängen könnte. Nämlich, dass ich hier nur meine ganz eigene, persönliche Meinung zu Büchern niederschreibe. Niemals eine allgemeingültige Meinung. Wie auch als einzelner Mensch

Okay, dann kann es ja nun endlich losgehen mit der Besprechung. Wie schon so oft geschrieben, mag ich diese “Gänsehaut”-Bücher sehr gerne für zwischendurch. Bei diesem hier hatte ich bereits beim Klappentext meine Bedenken, aber das Buch war auf dem Trödel so günstig…
Ich hätte auf mein Gefühl hören sollen. Wer Geschichten mag, die im Mittelalter spielen, auf holprigen Straßen, in finsteren Türmen, wo die Menschen noch mit Sovereign bezahlen, mit einfach Karren fahren und wo es Prinzen, Pinzessinnen und Magier gibt, der kann hier bedenkenlos zugreifen.
Denn unversehend finden sich die Geschwister Sue und Eddie sich während einer Führung im sogenannten “Turm der Schrecken” im finsteren Mittelalter wieder. Ihnen auf den Fersen der Scharfrichter der damaligen Zeit. Ich muss gestehen, dass ich diese Verfolgungsjagd durchaus ganz spannend fand. Es hat auch einige Zeit wirklich Laune gemacht zu grübeln, was da überhaupt mit Sue und Eddie passiert ist, und wieso eigentlich.
Leider konnte aber auch das nicht rausreißen, dass ich für solche Mittelaltergeschichten rein gar nichts übrig habe. Ich gehe sehr gerne auf Mittelaltermärkte. Es gibt auch einige Filme, die im Mittelalter spielen und die mir gefallen. Aber ich langweile mich regelmäßig zu Tode, wenn ich ein mittelalterliches Szenario beschrieben bekomme. Genau deshalb hat mir “Die Nacht im Turm der Schrecken” keinen rechten Spass gemacht.
Zugute halte ich der Geschichte, dass sie immerhin -jedenfalls für mich- etwas Neues zu bieten hat. Ich habe nun schon einige “Gänsehaut”-Bücher gelesen, aber Geschichten mit solchen Zeitreisen und einer Handlung, die weitgehend vor mehreren hundert Jahren spielt, sind mir dabei noch nicht untergekommen.
Das Ende dagegen geht mir sogar für diese Reihe zu weit. Da sind Sue und Eddie jahrelang bei ihren Eltern aufgewachsen, müssen nun aber erkennen, dass das völlig falsch war und wechseln mir nichts, dir nichts zu einem bis vor ein paar Tagen Unbekannten, den sie als Elternteil annehmen? Ich weiß ja, dass diese Reihe sich an sehr junge Leser richtet. Da muss man oft mal Fünfe gerade sein lassen, was für mich auch kein Problem ist. Aber dieses leichtferige Auswechseln der Eltern, das dürfte wohl auch den jungen Lesern ein wenig seltsam vorkommen.

Mit 125 Seiten, relativ großer Schrift und breiten Leerräumen zwischen den Kapiteln ist das Büchlein im Nu gelesen. Auch wenn sich Sue und Eddie mitunter in etwas seltsamen Sätzen unterhalten (ich schiebe das auf die Übersetzung), so ist der Stil doch schön locker und jugendlich gehalten. Das muss bei einem Buch für Kinder von etwa 8 bis 10 Jahren auch so sein.

Es war auch das Cover, was mich beim Kauf verleitet hat, denn das gefällt mir ganz gut. Der Henker sieht schön schaurig und gefährlich aus. Ich denke, schon deshalb hatte ich auf einen Schuss Grusel gehofft, der meine Mittelalter-in-Bücher-Phobie besänftigten würde. Leider hat das nicht geklappt.

Fazit:  Wer sich nicht zu Tode langweilt, wenn eine Geschichte im Mittelalter spielt, der wird an “Die Nacht im Turm der Schrecken” sicher seine Freude haben. Ich habe es allerdings gar nicht mit Leiterkarren, Türmen, holprigen Straßen, Prinzen und Prinzessinnen und all dem mittelalterliche Krams. Deshalb hat mir die Geschichte nicht gefallen. Da hat es nichts gerettet, dass sie durchaus spannend ist. Hinzu kommt noch ein völlig absurdes Ende, das selbst für “Gänsehaut” zu weit geht.


Titel: Gänsehaut (12) – Die Nacht im Turm der Schrecken
Autor: R.L. Stine
Seiten: 125
Verlag: cbj / Random House
ISBN: 978-3570200230
Preis: gebraucht ab € 0,01

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Meister der Angst – Der Elefantenmensch

Titel: Meister der Angst – Der Elefantenmensch / Verlag: Random House / Spielzeit: ca. 74 min / Sprecher: Michael Lott, Anne Moll, Peter Hawig, Santiago Ziesmer, Till Hagen ua

mdaelefantenmenschInhalt: Das viktorianische London: Der an einer seltenen, Körper- und Gesicht schwer entstellenden Krankheit leidende John Merrick wird dem Publikum auf Jahrmärkten präsentiert. Als er Zuflucht in einem Hospital findet, ist sein Leidensweg noch nicht vorbei.


Den Begriff “Elefantenmensch” hatte ich schon einmal gehört und auch eine Vorstellung unter dieser Beschreibung. Von einer Geschichte um einen Elefantenmenschen wusste ich aber nichts. Wer mag, darf das nun gerne als Bildungslücke sehen. Ich sehe es nicht so. Vor allem hat es mich davor bewahrt, mit irgendeiner Erwartungshaltung an das Hörspiel zu gehen. Mir hat es ausnehmend gut gefallen.
Vor allem, weil man es hier nicht mit echten Grusel oder Horror, oder einem grausigen Kriminalfall zu tun bekommt. Stattdessen beschreibt es den Leidensweg des entstellten John Merrick, der sein Dasein lange Zeit unter schlimmsten Bedingungen in einer Freak Show fristete bis der Arzt Treves auf ihn aufmerksam wird und zur Untersuchung in seine Klinik holt.
Zugegeben, die Beschreibung Merricks kann einem eine Gänsehaut bescheren, und zunächst fand ich die Vorstellung auch ziemlich abstoßend. Doch als sich herausstellt, dass Merrick trotz allem ein ganz normaler, fühlender, denkender und keineswegs dummer Mensch ist, tat er mir einfach nur noch leid und es hat mich traurig gemacht, mit welcher Ablehnung ihm die Menschen begegnen. Gespannt bin ich seiner Odyssee gefolgt, die ihn von der Freak Show, über die Klinik und das nächtliche London führt, nur um schließlich wieder am grausamsten Ort zu enden. Ich habe so sehr gehofft, nach der Klinik könnte es aufwärts für ihn gehen. Welch ein Irrtum! Und was habe ich Noaks von der Freak Show gehasst. Den hätte meinetwegen gerne jemand erledigen können! Und ich habe Dolorosa bewundert, wie vehement sie ihm Paroli bietet. Diese Geschichte löst ein wahres Gefühlschaos aus. Das hat mir am besten daran gefallen. Und dass sie nicht Mitleid heischend daher kommt. Das Mitleid stellt sich auch so ein.
Pfiffig finde ich die Überkreuzung mit der Folge “Der Doppelmord in der Rue Morgue”. Eine tolle Idee und klasse gemacht.

Mein Kompliment an Peter Hawig, der sich lange Zeit als Merrick durch die Geschichte grunzt und ihm später eine etwas undeutliche, hörbar angestrengte Stimme und Redeweise verleiht. So führt er einem die Entwicklung des Elefantenmenschen gut vor Augen. Michael Lott habe ich in Dr. Treves kaum wiedererkannt. Dass Mark Brandis so anders klingen kann…erstaunlich und gut! So hat man kein vorgefertigtes Bild im Kopf, sondern kann sich den Arzt absolut unabhängig vorstellen. Anne Moll hat mir ebenfalls sehr gut gefallen mit ihrer rauhem, markanten Stimme, die auf herrliche Weise ganz schön verlottert klingt. Aber oft auch hoffnungsvoll, weswegen ich gut mit Dolorosa mitfühlen konnte.

Die Untermalung passt sich der Stimmung der Geschichte an, die alles andere als fröhlich ist. So sind häufig leise, getragene Stücke zu hören, die die Gefühlwelt des Hörers zusätzlich anfeuern. Das passt so prima.

Das Cover macht mir der seltsam gekleideten Gestalt schnell neugierig auf die Geschichte. Zudem ist es schön düster gehalten, was widerum dem Titel “Meister der Angst” Rechnung trägt. Etwas gruselig sieht das Motiv eben doch aus.

Fazit: “Der Elefantenmensch” macht betroffen, wütend und traurig, aber auch glücklich und hoffnungsvoll. Das muss eine Geschichte erstmal schaffen. Deshalb bin ich gar nicht böse, dass mir kein Grusel oder Kriminalfall geboten wurde. Ich habe so mit Merrick mitgefiebert und mit ihm gelitten! Bisher mein Favorit der Reihe!

CSI Märchen (02) – Neue Morde in der Märchenwelt

Titel: CSI Märchen (02) – Neue Morde in der Märchenwelt / Verlag: Random House / Spielzeit: ca. 65 min / Sprecher: Christoph Maria Herbst, Tanja Geke, Oliver Rohrbeck,

csimaerchen02Inhalt: Das Märchenland ist im Umbruch und wird zum Märchenläääänd. Ein Freizeitpark mit Bio-Siegel, laktosefreiem Lebkuchenhaus und Tofukindern für Hexen. Die einstmals blutrünstigen Märchen werden auf FSK 0 getrimmt und das Märchenläääänd Merchandising-Stäääänd soll mehr Taler in die leeren Kassen bringen. Unter der Führung von Hans im Glück ist das Märchenläääänd auf dem Weg in eine blühende Zukunft – bis der siebte Zwerg auf bestialische Weise in zwei gleiche Hälften portioniert wird.


Im Märchenland geht es ganz schön kriminell zu! Dies ist schon der zweite Fall für die Ermittler. Ausgerechnet den siebten Zwerg hat es dahingerafft. Wortwörtlich zweigeteilt geht er in die ewigen Jagdgründe ein. Doch was steckt eigentlich hinter diesem perfiden Mord?
Der zweite Teil bleibt dem treu, was der Erstling eingeführt hat. Will heißen, dass es mich einmal mehr beeindruckt hat, wie man nur mit Märchengestalten einen Krimi besetzen kann. Wer würde das denken, wenn er einfach mal so ein Märchen lesen würde? Das spricht schon für einiges an Phantasie und Ideenreichtum, wie ich finde. Und es sorgt für manche amüsante Begegnung, die mich hat schmunzeln lassen.
Grinsen musste ich auch über die beiden Ermittler, die -wie es aussieht- einfach nur Menschen und keine Märchenfiguren sind. Und als Mensch hat man es halt nicht so leicht, wenn man plötzlich den übrigen sechs Zwergen oder einer bösen Königin gegenübersteht, die jeder berliner Hausmeisterin das Wasser reichen könnte. Auch da sind witzige Szenen vorprogrammiert. Genauso wie bissige Dialoge zwischen den beiden Ermittlern, die ihre Fälle doch sehr verschieden angehen. Er ziemlich von oben herab, sie mit Cleverness und Einfühlungsvermögen. Ihr Fall ist schräg bis abstrus, aber vor lauter Vergnügen nicht gerade spannend. So kraus kann man als normal phantasiebegabter Mensch nämlich gar nicht denken um auf die Auflösung zu kommen, die einem abschließend präsentiert wird. Aber Spass hat’s gemacht! Ist ja auch was wert. Vor allem, weil es dieser zweiten Episode zum Glück an den platten Gags mangelt, mit denen die erste Folge noch daher kam.

Neben Tanja Geke und Christoph Marie Herbst, die ein tolles und witziges Gespann abgeben, sind noch eine ganze Reihe weiterer Sprecher zu hören. Dabei gibt es einige Doppelbesetzungen, was aber nicht weiter auffällt. Mir jedenfalls nicht. Mir ist vor allem Roland Griem im Ohr geblieben, der -zu meiner Überraschung- uA die berlinernde Böse Königin spricht. Genial, zweifellos, aber ich hatte doch eine SprecherIN dahinter vermutet. Genauso gelungen ist sein Auftritt als schwuler Zauberspiegel. Oliver Rohrbeck gibt einen äußerst bornierten Hans im Glück.

Musikalisch hält sich diese Folge ganz schön zurück, wie ich finde. Nur selten sind mal ein paar Klänge zu hören, und die dann auch nur leise im Hintergrund. Lediglich zum Ende geht’s mal lauter zu. Die turbulenten Musiken passen dabei gut zur schrägen Story. Viel Vogelgezwitscher entführt einen direkt in die waldige Gegend, in der die um einen reduzierten Zwerge leben.

Auf dem Cover stehen die Ermittler im Mittelpunkt. Der Hintergrund legt die völlig richtige Vermutung nahe, dass der Fall im Wald der Märchenlandes seinen Anfag nimmt. Und mit dem Umriss des Wolfes samt Blutspritzern wird gleichzeitig deutlich, dass es in der Geschichte mörderisch zugeht. Rotkäppchens Picknickkorb lässt einen grinsen.

Fazit:  Mir hat die zweite Folge besser gefallen als die erste Episode. Einfach, weil besagte platte Gags fehlen. Ich habe doch einige Male wirklich lachen müssen, und das ist bei mir bei Comedy a) selten und b) ein echter Pluspunkt! Außerdem habe ich wieder bewundert, mit welcher Kreativität hier ein Krimi in die Märchenwelt versetzt wird.

 

Gänsehaut (06) – Der Geist von nebenan (R.L. Stine)

“Langweilig und öde werden diese Sommerferien, denkt sich Hannah, denn all ihre Freundinnen sind ins Ferienlager gefahren. Doch dann zieht nebenan ein Junge ein und es kommt zu unheimlichen Ereignissen. Hat ihr neuer Nachbar vielleicht irgend etwas damit zu tun?”

Dieses kleine Büchlein war ein Zufallsfund auf einem Bücherflohmarkt. Ich mochte die “Gänsehaut”-Geschichten früher sehr gerne und wollte ausprobieren, ob das heute auch noch so ist.
Ja, ist es! 😉
Man muss aber schon klar sagen, dass man mit dieser Geschichte eine Story für Leser ab etwa 10 Jahren vor sich hat. In diesem Alter ist auch Hauptperson Hannah, wodurch sich die jungen Leser sicher leicht und gut mit ihr identifizieren können.
Im Haus nebenan tut sich Seltsames, wie Hannah in den sonst so langweiligen Ferien feststellen muss. Plötzlich ist dort ein Junge eingezogen, der sich ausgesprochen seltsam benimmt und ungewöhnliche Talente besitzt. Hannah beschließt, dieser Sache nachzugehen.
Es ist spannend, sie dabei zu begleiten. Dann und wann habe ich ein wenig darüber gestaunt, dass es in dieser Kindergeschichte auch mal ganz deftig zugeht. Dass ein Erwachsener ein paar Kids mit dem Gewehr bedroht, das ist in Geschichten für diese Altersgruppe ja nicht ganz ohne. Ich denke aber, genau das macht den Reiz aus. Denn den angehenden Teenies muss man heute sicher schon etwas bieten um sie auf ein Buch aufmerksam zu machen. Dafür sind solche Details und der dezente Gruselfaktor ideal geeignet. Und beides kommt hier ausgesprochen wohldosiert daher, da müssen sich die Eltern keine Sorgen machen, dass ihren Kindern schlaflose Nächte bevorstehen.
Die große Wendung der Geschichte habe ich so nicht kommen sehen. Ich habe mich lange gefragt, was da in Hannahs Nachbarschaft vor sich geht, und war ebenso ahnungslos wie sie selber. Erst an einem bestimmten Punkt kam mir ein Verdacht, der sich später als richtig herausstellte. Ein schöner Kniff, der mich ehrlich überrascht hat und zu einem ganz unerwarteten Ende führte. Ich frage mich, ob alle  bzw viele der “Gänsehaut”-Geschichten eine solche Wendung nehmen. Vielleicht bin ich ja einfach nicht im Traning was “Gänsehaut” angeht? Da werde ich wohl noch die eine oder andere Geschichte lesen müssen 😉
Sehr gerne!

Sprachlich ist die Geschichte sehr nahe an der Sprache der jungen Leser. So fällt das Lesen leicht. Ich hatte die 122 Seiten im Nu gelesen. Kinder werden dafür wohl länger brauchen und dazu lädt die Geschichte auch ein. Die Kapitel sind gleichmäßig lang, so dass man es sich gut einteilen kann. Gewundert habe ich mich über die unstete Übersetzung. Einerseits traut man den Kids offenbar zu, mit Straßennamen wie “Elm Street” und Dollars klarzukommen, andererseits wird eine “Ahornstraße” treuherzig ins Deutsche übersetzt.

Die geisterhaft durchscheinenden Schuhe auf der Fußmatte passen gut zum Titel und der Geschichte. Das wirkt kindgerecht unheimlich. Ich bin ja außerdem immer ganz begeistert von dem “Gänsehaut”-Logo mit dem schleimtriefenden Rahmen und den Farben, die sich so herrlich beißen.

Fazit:  “Der Geist von nebenan” hat mich mit einer gewitzten Wendung überrascht und auch sonst ganz spannend unterhalten. Für Grusel-Einsteiger ein feines kleines Büchlein, das sich dank des Taschenformats überall mit hinnehmen lässt.


Titel: Gänsehaut (06) – Der Geist von nebenan
Autor: R.L. Stine
Seiten: 123
Verlag: cbj / Random House
ISBN: 978-3-570-24027-4
Preis: € 3,00 (TB)

Schattengrund (Elisabeth Herrmann)

“Als die 17-jährige Nicola das Haus ihrer verstorbenen Tante erbt, ahnt sie nicht, wie bedeutsam dieser Name für sie wird. Es ist ein einsames Haus in einem abgelegenen Dorf, in dem sie als Kind oft zu Gast war. Ein Haus, in dem die Vergangenheit schlummert. Und ein Haus, das Nicos Eltern auf keinen Fall annehmen wollen. Als die Eltern das Erbe stellvertretend für ihre Tochter ausschlagen, reißt Nico heimlich aus, um Schattengrund wiederzufinden. Und kaum hat sie die Schwelle übertreten, da scheint eine lange verdrängte Wahrheit nach ihr zu greifen. Wie konnte sie das alles bloß vergessen? Die knarrenden Treppen, den staubigen Dachboden – und das Mädchen, mit dem sie hier immer gespielt hat? Fili, ihre allerbeste Freundin. Ihre Seelenschwester. Ihre tote Freundin. Ein grauenhaftes Verbrechen hat die Mädchen damals auseinander gerissen. Aber Nico kann ihren eigenen Erinnerungen nicht trauen. Und der Täter von damals ist noch immer im Dorf.”

“Schattengrund” ist erst mein zweites Buch von Elisabeth Herrmann. Bisher kannte ich nur “Lilienblut”, das mir super gut gefallen hat. Als ich jetzt hörte, dass auch “Schattengrund” wieder ein Thriller für Jugendliche ist, war ich natürlich sehr gespannt darauf. Ein solches Leseerlebnis wie mit “Lilienblut” hätte mir gut mal wieder gefallen. Leider reicht “Schattengrund” da aber nicht ganz heran.
Wobei ich es keineswegs schlecht fand! Ganz im Gegenteil!
Elisabeth Herrmann ist es mit “Schattengrund” einmal mehr gelungen, mir einen Landstrich Deutschlands so eindrucksvoll und schön zu beschreiben, dass ich dort jetzt unbedingt mal hin möchte. Dabei war mir der Harz bisher ziemlich egal 😉 Dadurch, dass anfangs vom Grauen noch nicht viel zu spüren ist, hat Siebenlehen reichlich Gelegenheit, sich dem Leser auf das Malerischste zu zeigen. Die Geschichte spielt im Winter und mir hat dieses Bild und die Stimmung vom winterlich-weihnachtlichen Knusperhäuschen-Dorf sehr gut gefallen!
Umso erschreckender ist dann, welche Entdeckungen Nico dort macht. An Nico habe ich mich erst ein paar Kapitel lang gewöhnen müssen. Mir war sie anfangs zu verschlossen, was ich völlig unbegründet fand. Denn sie ist schließlich clever, kein Teenie-Dummchen und hat durchaus auch eine lockere Zunge. Doch als sie ein paar Kilometer vor Siebenlehen im Schnee strandet und kämpfen muss, ab da hat sie mir prima gefallen und ich konnte mich gut in sie hineinversetzen. Es ist irgendwie als käme da neues, mutigeres Leben in sie, und ich habe es bewundert wie sie mit all den Schwierigkeiten in Siebenlehen und speziell auf Schattengrund, dem geerbten Haus ihrer Tante, zurechtkommt.
Das Rätsel um die Ereignisse aus Nicos Kindheit haben es in sich und ich wäre lange Zeit niemals darauf gekommen, dass das Verbrechen in diese Richtung gehen würde. Das bringt natürlich Spannung in die Geschichte, denn es fügen sich höchstens mal kleine Bruchstücke zusammen, die aber keine eindeutigen Schlüsse zulassen. Zudem hat man quasi ein ganzes Dorf, das man vedrächtigen kann, an dieser ominösen Sache beteiligt gewesen zu sein.
Trotzdem hatte ich etwa in der Mitte das Gefühl, dass sich die Handlung ein wenig zieht. Vor allem während der ständigen Missverständnisse zwischen Nico und Leon. Natürlich ist klar, dass Leon sich gegen Nicos Verdächtigungen wehrt, denn die rütteln heftig am Bild das er von seiner Familie hat. Aber ein- oder zweimal weniger oder kürzer  hätte es für mich sein dürfen. Denn schließlich habe ich beim Lesen darauf hingefiebert zu erfahren, was in Siebenlehen Sache ist. Und das wird durch die Zankereien nicht klarer.
Das Finale hat mir dann nochmal richtig gut gefallen, denn zu diesem Zeitpunkt war ich mir mit meinem Verdächtigen ausgesprochen sicher und ich war ziemlich entgeistert, dass an dieser Erkenntnis nochmal so heftig gerüttelt wird. Ab da konnte ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen.
Ein kleines bisschen Romantik mischt in “Schattengrund” ebenfalls mit. Das darf für mich bei einem Jugendbuch auch gerne so sein, und Leon gefiel mir vom ersten “Auftritt” an wirklich gut. Der arme Kerl hat es mit Nico gar nicht so leicht. Die beiden geben ein tolles Paar ab, und kitschig wird es mit ihnen nicht. Eine solche Lovestory geht völlig in Ordnung.

Mit Nico steht eine Siebzehnjährige im Mittelpunkt der Geschichte und der Schreibstil passt sich da gut an. Er ist recht jugendlich locker, speziell in den Dialogen mit Nico und in ihren Gedanken, aber in den Schilderungen der Gegend und des Geschehens wird auch ein ernsthafterer und eindringlicher Ton angschlagen. So liest sich “Schattengrund” mal recht leicht, mal muss man sich Zeit und Ruhe dafür nehmen, wodurch es erst seine ganze Wirkung entfaltet.

Das Cover gefällt mir gut. Es ist schön düster, wogegen die leuchtend rote Schaukel einen tollen Kontrast bildet. Das Häuschen im Hintergrund kommt meiner Vorstellung von Schattengrund nahe. Etwas mehr Schnee hätte es für mich aber gern sein dürfen. Einfach weil ich die winterliche Szenerie so toll fand.

Fazit: Da sich “Schattengrund” für mein Empfinden in der Mitte ein wenig zieht, reicht es an “Lilienblut” nicht ganz heran. Empfehlen kann ich es trotzdem! Man hat auf jeden Fall einen sehr spannenden Jugendthriller in der Hand, der vor einer so täuschend verwunschenen Kulisse spielt, und der mit einer sehr sympathischen Hauptperson und vielen Gelgeneheiten zum Mitknobeln überzeugt. Ich bin mir sicher, dass an “Schattengrund” auch erwachsene Thriller-Fans ihre Freude haben werden.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogramms!


Titel: Schattengrund
Autor: Elisabeth Herrmann
Seiten: 416
Verlag: cbt / Random House
ISBN: 978-3570161265
Preis: € 14,99 (Broschiert)

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