Regionalkrimi

Insel-Krimi (02) – Borkum sehen und sterben

Titel: Insel-Krimi (02) – Borkum sehen und sterben / Verlag: Contendo Media / Spielzeit: ca. 60 min  / Sprecher: Daniela Bette-Koch, Markus Pfeiffer, Rita Engelmann, Torsten Sense ua

Inhalt: Auf der ostfriesischen Insel Borkum findet ein Kleinkunstfestival statt, zu dem Kommissar Brekewoldt auch die befreundete Kinderärztin Nele Röwekamp einlädt. Aus dem entspannten Wochenende wird jedoch nichts. Bereits am nächsten Morgen wird im Watt eine Leiche entdeckt. Nele und der Kommissar ermitteln gemeinsam und müssen feststellen, dass für die Tat gleich eine ganze Reihe Verdächtiger infrage kommt.


Da ist auch schon die zweite Folge der Regionalkrimiserie und auch dieses Mal hat man es mit Kinderärztin Nele Röwekamp und Kommissar Arne Brekewoldt zu tun. Das hat mich persönlich sehr gefreut, denn ich fand beide auf Anhieb sehr sympathisch und konnte sie mir nach ihrem ersten Fall auch weiterhin gut als Ermittlerteam vorstellen. Außerdem trägt es maßgeblich zum Seriencharakter dieser Reihe bei.
Dieser neue Fall hat -wie es sich für einen Krimi dieses Genres gehört- durchaus seine amüsanten Momente. Ich habe einige Mal herzlich lachen müssen, was ich bei Hörspielen und (Hör)büchern immer gerne mag, weil es die Handlung ein Stück weit auflockert.
Dennoch ist der Fall um die schon sehr speziellen Morde auf Borkum auch spannend und man hat gleich mehrere Kandidaten, die man verdächtigen kann. Immer wieder kommen neue Erkenntnisse über Personen und Ereignisse ans Tageslicht und rücken den Blickwinkel in eine neue Richtung. Das macht Spass und hält einen aufmerksam. Das Ende überrascht dann nochmal richtig.
Für nordisches Flair ist ebenfalls wieder gesorgt. Dafür sorgen vor allem die Geräusche, die man eben nur am Meer zu hören bekommt. Das macht zudem Laune, selber mal wieder ans Meer zu fahren. Vielleicht mit einem Blick speziell in Richtung Borkum.

Daniela Bette-Koch und Markus Pfeiffer bilden bereits nach zwei Folgen ein eingespieltes Team- Ihre Figuren sind schon etwas gegensätzlich, was man hier und da auch heraushört, ergänzen sich aber auf jeden Fall prima. Als Comedian Kai Hempel ist Hennes Bender zu hören, der -wie könnte es auch anders sein?- diesen Part mit Bravour meistert. Gelernt ist eben gelernt. Katharina von Keller bringt mit ihrer hellen und jungen Stimme immer wieder Schwung in ihre Szenen. Ich habe ihr gerne zugehört und würde mir wünschen, dass auch sie der Reihe erhalten bleibt.

Viel Musik bekommt man hier nicht zu hören, dafür aber eine überaus üppige Geräuschkulisse, die einem wirklich jede einzelne Szene sofort vor Augen zaubert. Ganz gleich, ob es sich dabei um den Tatort im Watt handelt, eine Schlägerei oder auch die Gegebenheiten hinter den Kulissen des Kleinkunstfestivals. Wie schon erwähnt, geht auch das nordische Flair auf das Konto der Geräusche.

Das Cover zeigt eine idyllische Strandszene…wären da nicht der blutige Handabdruck im Strandkorb und die Füße eines Eingegrabenen, die aus dem Sand herausragen. So wird schnell klar, dass der Fall sicher seine amüsanten Seiten hat, aber eben auch ein waschechter Krimi ist.

Fazit:  Mir haben hier vor allem die schrägen Morde gefallen, die dem Fall auch etwas Heiteres geben. Natürlich ist er aber auch krimimäßig spannend, wie es sich gehört und man konstant mitermitteln und grübeln, was da vor sich geht und wer dahinterstecken könnte. Mir hat Folge 2 daher noch einen Tacken besser gefallen als der Vorgänger.

Insel-Krimi (01) – Die Toten von Juist

Titel: Insel-Krimi (01) – Die Toten von Juist / Verlag: Contendo Media / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Daniela Bette-Koch, Markus Pfeiffer, Theresa Schulte, Celina Walter ua

Inhalt: Mit nordischem Charme und Witz begeben sich der Borkumer Hauptkommissar Arne Brekewoldt und die Juister Kinderärztin Nele Röwekamp auf die Spur des Verbrechens. Am Ufer der Nordseeinsel Juist wird eine Flaschenpost angespült. Die Kinderärztin Nele Röwekamp und ihre Nichte staunen nicht schlecht, als sie darin das Auge eines Menschen finden. Ein Kommissar von der Nachbarinsel Borkum soll den Fall untersuchen und geht schließlich gemeinsam mit Nele auf Spurensuche. Wie es scheint, treibt im niedersächsischen Wattenmeer ein Serienmörder sein Unwesen. Und er hat bereits sein nächstes Opfer im Visier!


Regionalkrimis sind ja seit geraumer Zeit ausgesprochen beliebt. Auch bei mir! Daher begrüße ich eine solche Hörspielreihe wirklich sehr, zumal man bei Contendo Media auch in der Reihe „Morgan & Bailey“ vortrefflich den Charme einer gewissen Kleinstadtsituation und damit eines Schauplatzes vermittelt. Da habe ich natürlich Ähnliches von den Insel-Krimis erwartet und wurde zumindest mit dieser ersten Folge nicht enttäuscht. Man fühlt sich schnell auf die Insel versetzt und kann sich Dank der meist sehr sympathischen Figuren und ihrer Eigenarten auch leicht ein Bild der Menschen dort machen, die natürlich schon (im Positiven) ein besonderer Schlag sind.
Der Krimi um die grauenvollen Flaschenpostfunde kommt knackig und spannend daher. Vom Anfang bis zum Ende dreht sich alles um die Aufklärung, große Nebenhandlungen sucht man vergeblich. Mir hat das gefallen, ich mag keine Ablenkungen, wenn ich eine Geschichte höre oder lese. Es geht stets zügig voran und man ist immer mitten drin in den Ermittlungen und kann auch ein bisschen mitknobeln. Das macht Spass! Die Auflösung weiß zu überraschen und zu schockieren. Und das Finale bringt nochmal eine ordentlichen Schuss Dramatik mit. Ich habe ehrlich geschaudert bei der Vorstellung dieses Spange, die der Täter benutzt.
Ein Funken Humor ist der Geschichte ebenfalls beigemsicht. Mal in den Dialogen, mal im Verhalten der Figuren, mal ist es reine Situationskomik. Humor gehört zu Regionalkrimis und solange er nicht platt daher kommt, liebe ich ihn in diesem Genre. Somit hat mir das auch hier gefallen.

Daniela Bette-Koch  als Kinderärztin Nele Röwekamp habe ich gerne gelauscht. Sie hat eine angenehme Stimme und mir ihre Figur im Nu sympathisch gemacht. Sie und Markus Pfeiffer alias Arne Brekewoldt ergänzen sich prima. Er lässt den Kommissar zwar ab und zu etwas brummig klingen, aber das passt gut zu dem etwas eigenbrödlerischen Menschen. Dass Brekewoldt auch anders kann, hört man an so vielen anderen Stellen ebenfalls heraus. Celina Walter bringt als kleine Jette Dransfeld frischen Wind in viele Szenen und es macht Spass ihr zuzuhören.

Besondes erwähnenswert ist die Geräuschkulisse des Hörspiels, die maßgeblich dazu beiträgt, dass man sich nach Juist versetzt fühlt. Wind, Möwen, Meeresrauschen, es ist alles da, was es dazu braucht. Top! Die Musik ist auch bei dieser Reihe wieder sehr angenehm und stimmungsvoll, wobei sie -ebenfalls wie bei mehreren Reihen von Contendo- mehr aus dem Hintergrund heraus wirkt.

Fazit:  Ein rundum gelungener, spannender und unterhaltsamer Reihenauftakt mit ganz viel nordischem Flair und Charme. So darf die Serie weitergehen. Ahoi!

Heiliger Zorn – Mordsgschicht’n aus Oberbayern (div. Autoren / div. Sprecher)

Titel: Heiliger Zorn – Mordsgschicht’n aus Oberbayern  / Verlag: Audiomedia / Spielzeit: ca. 255 min / Buch: Jörg Maurer, Nicola Förg ua. / gelesen von: Michael Schwarzmaier, Philipp Moog ua

heiligerzornInhalt: Trügerische Idylle in Oberbayern: Ungewöhnliche und überraschende Morde erschüttern das Voralpenland. In bitterbösen, spannenden, beklemmenden, literarischen, aber auch witzigen und skurrilen Kurzgeschichten beleuchten die Autoren Deutschlands beliebteste Urlaubsregion aus einem mörderischen Blickwinkel.


Bekanntlich bin ich ein großer Fan von Regionalkrimis. Da führte an dieser Sammlung natürlich kein Weg vorbei. Zumal darin auch Krimis  von einigen meiner Lieblingsautoren zu finden sind.

„Heiliger Zorn“ (Oliver Pötzsch / Hans Jürgen Stockerl)

Dieser Krimi spielt leider anno Schnee (1692), weshalb er bei mir schon nach wenigen Sekunden einen Minuspunkt kassiert hat. Ich mag Geschichten aus dem Heute einfach lieber. Davon abgesehen ist es aber ein ganz spannender Krimi, bei dem man gut miträtseln kann. Und mit einem Maler ist mal ein erfreulich außergewöhnlicher Ermittler am Werk.

„Tegernseer Wasserleichen für Anfänger“ (Tatjana Kruse / Solveig Duda)

Da ist auch schon der erste Krimi von einem meiner Lieblingsautoren. Die Geschichte ist zwar außer vom Schauplatz her wenig bayerisch, dafür aber auf ihre ganz eigene Art spannend und voll bösen Humors. Speziell das Ende hat es in dieser Hinsicht ordentlich in sich.

„Die Leitlinie“ (Jörg Maurer / gelesen vom Autor)

Der nächste Lieblingsautor! Und obendrein noch mit einem meiner Lieblingsgkrimis in dieser Sammlung! Erzählt wird dieser Krimi aus einer wirklich ungewöhnlichen Perspektive. Das ist einserseits herrlich schräg, andererseits geht es oft direkt philosophisch zu. Eine rundum tolle Idee!

„Keep Smiling“ (Jochen Senf / Michael Schwarzmaier)

Bei diesem Krimi weiß man zwar sofort, wohin der Hase läuft, aber es ist dennoch spannend zu verfolgen, wie es dazu kommt. Und die bisherigen Taten des Mörders sind für ein Schaudern gut. Michael Schwarzmaier liest mit einem unüberhörbaren, breiten Grinsen, was toll zur Story passt. Auch, weil es durchaus irre klingt.

„Tegernseer Breitmaul“ (Jörg Maurer / gelesen vom Autor)

In diesem Krimi geht es um einen Mord, der mit einem wirklich außergewöhnlichen Instrument verübt wurde. Man ahnt zwar bald, welches es sein könnte, aber es wirkt so abwegig, dass man nicht recht dran glauben will. Eine witzige Idee, gespickt mit Seitenhieben an Tierfreunde.

„Traumhochzeit“ (Sabine Thomas / gelesen von der Autorin)

Die Idee dieses Krimis ist zwar ganz schön schräg und hier und da musste ich auch mal schmunzeln, aber so richtig überzeugen konnte er mich nicht. Das Motiv der Täterin erschien mir einfach zu dünn für das, was sie deshalb anrichtet.

„Der Kopist“ (Nicola Förg / Philipp Moog)

In diesem Krimi treffen Fans von Nicola Förg zwei der Hauptcharaktere aus ihren Alpenkrimis wieder. Das hat mir gut gefallen. Der Fall an sich dagegen war nicht so mein Ding. Mit Agatha Christie habe ich es nicht. Deshalb habe ich mich mit der Kombination aus Christie und Gerhard Weinzierl schwer getan.

„Der Fall Ludwig“ (Oliver Pötzsch / Hans Jürgen Stockerl)

Oliver Pötzschs Krimi spielt im Jahre 1911. Damit ist er der zweite Krimi in dieser Sammlung, der nicht unebdingt meinen Geschmack trifft. Jedenfalls nicht von der Zeit her, in der er spielt. Das macht viel aus bei mir. Wer damit besser klarkommt, der findet hier einen recht spannenden Krimi mit klassisch detektivischem Verlauf an.

„Gmundener Alibi“ (Henrike Heiland / Marisa Burger & Marina Köhler)

Mein zweites Highlight in dieser Sammlung. Ein ganz böser Krimi, in denen zwei Damen versuchen, den Mord zu vertuschen, den eines von ihnen begangen hat. Beziehungsweise, ihn jemand anderem in die Schuhe zu schieben. Das ist auf fiese Art sehr böse, aber dank des polnischen (oder russischen?) Akzents einer der Sprecherinnen auch unglaublich witzig.

„Toter Mann“ (Philipp Mog / gelesen vom Autor)

Ein weiterer Krimi, erzählt aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Nämlich von dem, der dem Krimi seinen Titel gab. Die Idee hat mir gefallen. Außerdem liegt eine unglaubliche Ruhe über den Geschehen. Da fragt man sich leicht, ob man in der Situation des Mannes tatsächlich eine solche Ruhe empfindet.

„Die stille Nacht“ (Andreas Föhr / gelesen von Michael Schwarzmaier)

Hier treffen Fans von Andreas Föhr das Original seiner „großen“ Krimis an: Kreuthner. Das bürgt für eine äußerst unterhaltsame Geschichte. Er hat allerdings erst spät seinen Auftritt. Zuvor entwickelt sich ein feiner Krimi mit gewitzten Wendungen und einer Prise bösen Humors. Sehr schön!

„Mörderwinkel“ (Jörg Steinleitner / gelesen vom Autor)

Wer die Krimis um Anne Loop mag, der wird sich freuen, sie hier wiederzutreffen. Ich werde nach diesem Krimi-Snack sicher mal einen ihrer „großen“ Fälle lesen. „Mörderwinkel“ ist spannend, humorvoll und man kann gut mitknobeln. Das hat mir gefallen! Und Jörg Steinleitner liest toll! Der bayerische Dialekt sorgt für Flair.

„Kreuthner Geschnetzeltes“ (Harry Luck / gelesen von Alexander Duda)

Ein weitere Krimi, bei dem mir die Idee gefallen hat. Ein ordentlicher Seitenhieb auf „Bauer sucht Frau“ mit ganz, ganz bösem Verlauf. Da sieht man gewisse Kandidaten sofort vor sich. Die Story ist zwar vorhersehbar, aber Spass macht sie auf jeden Fall.

Bei den Sprechern kannte ich bisher nur Michael Schwarzmaier und Jörg Maurer. Insgesamt haben mir die Sprecher aber durch die Bank ganz gut gefallen. Einigen hätte ein deutlicherer bayerischer Akzent allerdings nicht geschadet. Das hätte noch mehr Flair riengebracht.

Ein Covermotiv ganz nach meinem Geschmack. Mit Filzhut, Lebkuchenherz und dem Blick in die Berge herrlich urig. Ein blutiges Messer weist aber doch ganz deutlich darauf hin, dass die Idylle trügt. Und der Hund ist sowieso goldig.

Fazit: Insgesamt eine schöne Bayernkrimi-Sammlung, mal mehr, mal weniger bayerisch. Dafür aber fast ausnahmslos voller schräger und witziger Ideen. Wer Regionalkrimis mag, sollte bei dieser Sammlung ein Ohr riskieren.

 

 

Sauerkrautkoma (Rita Falk)

sauerkrautkomaWeil sich der Eberhofer in Niederkaltenkirchen bei der Verbrechensbekämpfung so verdient gemacht hat, wird er in die bayerische Metropole des Verbrechens versetzt. Gut nur, dass die Oma ihn mit Care-Paketen versorgt. Doch kaum hat der Franz den Sessel im Präsidium angewärmt, da geht’s auch schon los mit der großstädtischen Kriminalität. Als nämlich der Papa zum ersten Mal im Admiral daherkommt, wird ihm sogleich der Wagen geklaut. Der taucht zwar bald wieder auf, doch damit fängt der Stress erst richtig an: Im Kofferraum befindet sich die Leiche einer jungen serbischen Frau. Offenbar erwürgt. Die Spuren führen den Franz in eine ihm völlig fremde Welt: nach Grünwald.

So sehr ich auf „Sauerkrautkoma“ hingefiebert habe, ich hatte auch meine Bedenken. Denn der Franz gehört für mich nirgendwo anders hin als nach Niederkaltenkirchen. Wo die Oma ist, sein Vater, die Susi, seine Kneipenkumpels und Hund Ludwig. Die Versetzung nach München hatte für mich den unangenehmen Beigeschmack davon, dass Niederkaltenkrichen die Kriminellen ausgegangen sind.
Immerhin ist Franz auch nicht begeistert von seiner Versetzung, was für die ersten Schmunzler sorgte. So richtig lachen musste ich dann über seine WG-Versuche, und das hat mich direkt etwas getröstet. Denn wenn Eberhofer auch in München so witzig sein kann, dann könnte ich mich vielleicht doch damit anfreunden.
Aber ich war doch ganz schön froh als sich herausstellte, dass Niederkaltenkirchen seine familiären Finger bis nach München ausstreckte. Umso schöner, dass damit gleich ein Leichendfund verbunden ist. Ausgerechnet im Kofferraum vom alten Admiral vom Papa liegt die Leiche einer jungen Frau. Damit ist eine deutliche Verbindung nach Niederkaltenkirchen gegeben. Und da sich Eberhofer in München eh nicht so recht wohlfühlt, ist er auch immer mal wieder im Dorf anzutreffen. Das fand ich schön ausgewogen und damit war ich mit München endgültig versöhnt.
Die Nachforschungen um die Leiche führen Eberhofer  in eine recht vornehme Gegend nahe München, der jegliche Gemütlichkeit fehlt. Entsprechend exotisch nimmt sich der Franz dort auch aus. Wo doch Niederkaltenkirchen solch ein uriges Dorf ist. Der Unterschied ist krass, und das spürt man. Er hat auch den größten Reiz an seinen Ermittlungen ausgemacht. Denn weil sie sich auf einige wenige verdächtige Personen beschränken, kann man ziemlich bald 2 und 2 zusammenrechnen und hat prompt erst denjenigen, der für eine Besonderheit an der Leiche verantwortlich ist, und wenig später dann auch den Täter. Beides ist am Schluss also keine allzu große Überraschung.
Neben dem Fall kämpft der Franz aber noch an einer ganz anderen, privaten Front. Ich fand es spannender, dem zu folgen als den Ermittlungen. Wobei ich es mir eigentlich nicht vorstellen konnte, andererseits aber doch so sehr darauf gehofft hatte. Näheres dazu möchte ich hier gar nicht verraten. Nur dass ich am Ende tierisch sauer auf Eberhofer war! Dabei mag ich ihn ja total, aber sich einen solchen Aussetzer zu leisten…liebe Oma Eberhofer, dafür darfst du ihm gerne von mir eine Ohrfeige geben!
Trotzdem hat mir das Buch wieder unheimlichen Spass gemacht und ich habe sehr dabei gelacht. Ich mag einfach diesen bissigen Humor, Eberhofers recht radikale Art, wenn ihm etwas nicht in den Kram passt, und die Situationskomik vieler Szenen. Eberhofer, seine Familie und Freunde…das ist einfach ein Haufen liebenswerter Chaoten. Und all das trifft genau meinen Sinn für Humor.

Wie bei jedem Eberhofer-Krimi war ich auch mit „Sauerkrautkoma“ an einem Abend durch. Eberhofers locker- flapsige Erzählweise liest sich einfach super leicht und höchstvergnüglich. Und wenn ich Spass bei Lesen habe, dann fliegen die Seiten nur so dahin. Außerdem haben die Kapitel eine appetitliche Länge. Mit jedem kommt man ein gutes Stück voran.

Optisch reiht sich das Buch problemlos in die Reihe im Regal ein. Essen spielt ja immer eine wichtige Rolle in den Krimis. Und auf den letzten Seiten findet man immer ein paar Rezepte aus dem Fundus der Oma. Da pssen Sauerkraut, Würstl und die Maß gut. Das Fenster habe ich erst auf den zweiten Blick entdeckt. Eine schöne Idee mit dem Blick auf München.

Fazit:  Ich bin froh, dass es Eberhofer nicht total nach München verschlägt, sondern Niederkaltenkirchen weiterhin der zentrale Ort der Krimis bleibt. Der Fall hier schickt den Franz in eine feine Gegend, wo er geradezu exotisch wirkt, so burschikos wie er ist. Das ist reizvoll. Dafür fand ich den Fall sonst nicht allzu spannend. Weil es nur eine Handvoll Verdächtige gibt, ist es nicht schwer, auf den Täter und weitere Beteiligte zu kommen. Da habe ich Eberhofers private Turbulenzen als spannender empfunden. Und mich am Ende total über ihn geärgert. Und das will was heißen, so sehr wie ich ihn eigentlich mag!

Danke an den dtv für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel:  Sauerkrautkoma – Ein Provinzkrimi
Autor: Rita Falk
Seiten:  272
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423249874
Preis:  € 14,90 (broschiert)

Rosskus (Jürgen Seibold)

rosskurEin mysteriöser Selbstmord, ein lukrativer Deckhengst und Tumult am Burggener Roßtag – Kommissar Hansen ermittelt im Allgäu. Die Kripo Kempten ist in hellem Aufruhr. Nach spektakulär gescheiterten Mordermittlungen soll ein neuer Hauptkommissar übernehmen – ein Niedersachse. Ein Skandal im traditionsbewussten Allgäu und denkbar schlechte Voraussetzungen für Eike Hansen. Sein erster Fall: Ein Mann soll von der Lechbrücke gestürzt sein. Doch als die Beamten am vermeintlichen Tatort eintreffen, fehlt von der Leiche jede Spur.

Einmal mehr bin ich durch ein schönes Cover auf eine weitere Reihe Regiokrimis aufmerksam geworden.
„Rosskur“ nimmt viel Zeit ehe der Kriminalfall beginnt und so richtig interessant und spannend wird. Bis dahin hat man zunächst Gelegenheit, sich gemeinsam mit dem niedersächsischen Kommissar Eike Hansen in dem kleinen Ort im Allgäu und der Polizeiinspektion einzufinden. Auch wenn ich mir ab und zu gewünscht habe, der Fall könne endlich so richtig losgehen, so habe ich diesen Vorlauf doch auch genossen. Es ist schön, sich den Ort und die Gegen beschreiben zu lassen. Auch wenn ich bei en vielen Ortsnamen immer nur inständig gehofft habe, dass sie und die Richtungen daziwschen später bitte nicht von Belang sein würden. Denn dann wäre ich verloren gewesen.
Es hat außerdem Spass gemacht, Eike Hansen kennenzulernen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er es als Nordlicht im Allgäu nicht leicht haben würde und war gespannt, was dort auf ihn wartet und wie er es handhabt. Dabei habe ich einen ruhigen Kommissar kennengelernt, der in seinem Job ein echter Könner ist. Und einen Vorgesetzten, der sich nicht herausfordern lässt, sondern seinen neuen Kollegen mit Ruhe, Ehrlichkeit und Fairness begegnet. Das fand ich sympathisch. Nicht wäre für mich schlimmer gewesen als wenn er dort als der tolle Hecht aus der Großstadt aufgetreten wäre, der den Dorfdeppen mal zeigen will, wie es bei der Kripo so zu laufen hat. Ein paar kleine Szenen laden auch immer mal zum Schmunzeln ein, wie ich es an Regiokrimis gerne mag. Vor allem Hansens Scharmützel mit dem Kater seiner Vermieterin haben es mir dabei angetan.
Der eigentliche Fall startet recht unaufgeregt mit dem Mann, der von der Brücke gestürzt sein soll und von dem dann jede Spur fehlt. Klar war ich neugierig, was da wirklich geschehen ist, aber so richtig kribbelig spannend war es zunächst noch nicht. Zum Glück mag ich es aber auch, wenn ich den Ermittlungen der Polizei folgen kann, und das geht hier wirklich gut. Die Geschichte nimmt sich die Zeit, die Nachforschungen von Hansen und seinen Kollegen zu beschreiben. Ihre Erkundigungen, Theorien und Befragungen. Das zieht sich ab und zu, aber das sollte man sich gefallen lassen. Denn wenn der Moment kommt, an dem man das Gefühl hat, plötzlich erste Zusammenhänge zu erkennen und Vermutungen anzustellen, dann sind diese Ermittlungen wichtig und hilfreich. Damit funktioniert es prima, selber mitzuknobeln, wer in dem Fall mit drin steckt und warum. Aber wie gesagt: vorher bei der Sache bleiben! Auch weil man es mit wirklich vielen Personen zu tun bekommt. Da sollte man den Überblick behalten!
So hat es mir schließlich Spass gemacht zu verfolgen, wie die ganzen Erkenntnisse und Ermittlungen zusammenlaufen und eine schlüssige Auflösung ergeben. Im Verhältnis zu der Zeit, die sich die Geschichte bis dahin für jedes Detail nimmt, kam mir das Ende dann aber etwas zu abrupt. Da wäre es auf ein paar Seiten mehr auch nicht mehr angekommen.

„Rosskur“ liest sich prima! Jedes Kapitel beschreibt einen Tag. Ich finde diese Kapiteleinteilung immer prima. Sie vermittelt mir das Gefühl, mit jedem Kapitel ein gutes Stück vorangekommen zu sein. Manche Kapitel sind dabei schon mal recht lang, doch durch die interessanten Ermittlungen und viele Dialoge fühlt sich das gar nicht so an.

Das Cover gefällt mir sehr! Es gibt ja mehrere Regiokrimis mit Türen auf dem Cover, durch deren Fenster man das eigentliche Motiv sieht. Das finde ich immer wieder schön. Hier mit der Landschaft und dem Pferdekopf, der so gut zum Titel passt. Und auf dem Buchrücken geht das Motiv weiter, sodass man neben dem Titel und dem Namen des Autoren einen Strohbesen sehen kann. Witzig!

Fazit: Ein schöner Regiokrimi für Krimifans, die es nicht unbedingt blutig brauchen, sondern Spass an Ermittlungen und eigenen Knobeleien haben. Genau darauf basiert die Spannung von „Rosskur“. Ein sehr sympathischer Kommissar, liebenswerte Allgäuer mit gewissen Ecken und Kanten und eine kleine Prise Humor haben mir den Aufenthalt in Kempten ausgesprochen angenehm gemacht. Ich werde sicher auch Hansens zweiten Fall lesen!

© 2019 Frontier Theme