Rowohlt Polaris

Der Tod macht Schule – Bröhmann ermittelt wieder (Dietrich Faber)

broehmann02Neukölln im Vogelsberg.
Kommissar Henning Bröhmann führt mit der Direktorin der Gesamtschule Schotten gerade ein ernstes Gespräch über seine versetzungsgefährdete Tochter, da durchschlägt ein Stein das Fenster des Büros. Nach dem ersten Schrecken wiegelt die Pädagogin ab: Dumme-Jungen-Streich, alles im Griff – Einmischung nicht erwünscht. Kurz darauf ist sie tot. Jemand hat sie brutal erstochen. Henning ist entschlossen, diesen Fall zu lösen.

Ich weiß noch genau, dass ich bei Band 1 von Bröhmann nicht sonderlich angetan war. Mir gefiel seine Haltung nicht, den damaligen Fall mit möglichst wenig Aufwand möglichst schnell abzschließen zu können. Außerdem war er mir zu versumpft in dem familiären Elend, an dem er zum großen Teil selber Schuld war. Ich mag es nicht, wenn ein Kommissar in einem Buch so hängenlässt.
Umso mehr hat es mich gefreut, in “Der Tod macht Schule” einen komplett anderen Bröhmann zu erleben. Einen, der sich mit Feuereifer in den neuen Fall stürzt und sich sehr um seine Familie bemüht. Ich weiß nicht genau, woher dieser Sinneswandel kommt. Vielleicht daher, dass seine Tochter Melina mit dem neuen Fall im Zusammenhang steht, vielleicht weil er eingesehen hat, dass man für seine Familie auch mal kämpfen muss, vielleicht auch von gewissen beflügelnden neuen Bekanntschaften. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem. Jedenfalls war ich sehr froh darüber.
Der neue Fall beginnt mit einem Anschlag auf die Direktorin von Melinas Schule. Jemand wirft einen Stein durch das Direktorenzimmerfenster und verfehlt die Direktorin nur knapp. Das wird zunächst noch als Schuljungenstreich abgetan, doch die Angriffe auf die Direktorin häufen sich und erreichen bald eine Dimension, die man nicht mehr als dummer-Jungen-Streich abtun kann.
Damit beginnen Bröhmanns Ermittlungen am Melinas Schule um im Umfeld der Direktorin. Ich fand sie sehr spannend! Der Kreis beteiligter und damit teilweise verdächtiger Personen ist recht überschaubar. So hat man schnell einen Überblick und kann gemeinsam mit Bröhmann rätseln, was es mit den Anschlägen auf sich hat und wer eventuell in der Sache mit drinsteckt. Das macht mir immer sehr viel Spass. Da die Handlung schön geradlinig verläuft, ist es für den Leser machbar, dem Rätsel nach und nach auf die Schliche zu kommen. Dabei hat es der Fall durchaus in sich! Einerseits konnte ich mir das Geschehen in der hessischen Idylle gar nicht wirklich vorstellen, andererseits: warum nicht? So abwegig ist es auch wieder nicht. Mir hat es gefallen, dass Dietrich Faber zwar ein erschreckendes Szenario zeichnet, es aber nicht so abgehoben ist, dass es einem für einen kleinen hessischen Ort aber keineswegs unmöglich scheint.
Neben dem neuen Fall spielt auch Bröhmanns Privatleben wieder eine große Rolle. Die Probleme mit seiner Frau, die pubertierende Tochter oder auch Zeltlager mit dem jüngsten Sproß der Familie. Es ist Dietrich Faber gut gelungen, all das ebenso wichtig erscheinen zu lassen, ohne dass es aber den Krimi zurückdrängt. Bröhmanns Familienleben ist zudem für den größten Teil der Komik verantwortlich. Dieser Teil der Geschichte strotzt vor Situationskomik und lustigen Dialogen. Ich habe Tränen gelacht. Oft tat mir Bröhmann dabei sehr leid. Andererseits hätte ich es nicht missen möchten, denn dann gäbe es weit weniger zum Lache.
Der Krimi entdet quasi zweigleisig. Ein Teil des Falles wird relativ frühzeitig aufgelöst, sodass ich mich schon gefragt hatte, was die verbliebenen 76 Seiten noch bringen sollten. In ihnen löst sich allmählich der zweite Teil des Falles auf und endet schließlich sehr dramatisch. Ich konnte es dem Täter nicht mal verdenken, was er getan hat.

Ich hatte das Buch innerhalb von vier Stunden durch. Ich konnte es vor Spannung und Witzigkeit einfach nicht aus der Hand legen. Bröhmann hat einen guten Blick für die Eigenarten und Schwächen der Menschen um ihn herum und nimmt sie so gerne aufs Korn. Die Kapitel sind angenehm kurz und Melinas Mails an ihre Freundin sorgen für zusätzliche Auflockerung. An ihnen habe ich wohl am längsten gelesen. Es ist ganz schön anstrengend, sich durch eine Mail im Stil der heutigen Jugend zu lesen, aber hallo!

Das Cover mochte ich sofort. Auch wenn ich jetzt nicht wüsste, wann mir in der Geschichte auch nur ein Schwein begegnet ist. Kein tierisches jedenfalls. Trotzdem ist es niedlich. Und das Fadenkreuz verrät deutlich, dass man hier einen Krimi in Händen hält. Mit der Tafel wird man der Schule im Titel gerecht.

Fazit:  Mir hat Bröhmanns zweiter Fall super gut gefallen! Er ist gleichermaßen spannnend, wie auch witzig, ohne dass er dabei jemals in Klamauk abrutscht. Ich konnte vor lauter kriminellem Vergnügen gar nicht mehr aufhören zu schmökern, und habe das Buch in einem Rutsch gelesen. Außerdem hat mir der muntere, clevere und engagierte Bröhmann hier wesentlich besser gefallen als der träge Kommissar, der er in Band 1 noch war. Nun freue ich mich auf Band 3.


Titel:  Der Tod macht Schule – Bröhmann ermittelt wieder
Autor:  Dietrich Faber
Seiten:  304
Verlag: Rowohlt (Polaris)
ISBN: 978-3862520251
Preis:  € 13,95 (TB)

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Rezension – Schattenblüte (02) – Die Wächter

Silvester in Berlin. Noch einmal sind Luisa und Thursen zurückgekehrt in den Wald. Dorthin, wo ihre Liebe begann, als Thursen noch ein Werwolf war. Luisa möchte den Tod ihres Bruders hinter sich lassen, endlich wieder glücklich sein. Doch die Vergangenheit holt sie ein: Während überall ausgelassen gefeiert wird, stoßen sie auf eine übel zugerichtete Leiche. Thursen weiß sofort: Dafür ist einer der Wölfe aus seinem alten Rudel verantwortlich. Während er immer öfter im Wald verschwindet, bleibt Luisa allein zurück. Dann lernt sie Elias kennen. Ist ihre Liebe zu Thursen stark genug? Luisa ahnt nicht, dass Thursen und Elias ein schreckliches Geheimnis verbindet

Nachdem mir Band 1 nicht gefallen hatte, hatte ich große Hoffnungen in diese Fortsetzung gesetzt. Allerdings hatte ich nicht dran geglaubt, dass sie erfüllt werden würden. Umso überraschender, dass genau dies doch zutraf. “Die Wächter” hat mir bedeutend besser gefallen als der Vorgänger.
Dafür gibt es einige ganz wesentliche Gründe. Zunächst mal hat dieser Teil den berühmten “roten Faden”, der mir bei Band 1 gefehlt hat. Er ist gleich in vielerlei Hinsicht spannend. Da ist zB die Frage, wie sich Luisas und Thursens Liebe entwickelt, der hier unter keinem allzu guten Stern steht. Thursen hat wenig Zeit für Luisa und diese lernt auch noch denn netten Elias kennen. Nachdem sich Thursen und Luisa anfangs geschworen haben, von nun an alle gemeinsam durchzustehen, habe ich gut mit Luisa mitgelitten, wenn Thursen sie mal wieder versetzte oder ihr gegenüber nicht offen und ehrlich war. Da konnte ich sogar mal Luisas gelegentliche Ausraster nachvollziehen.
Überhaupt Elias! Plötzlich ist da ein zweiter Junge, mit dem Luisa eine Freundschaft verbindet und der obendrein ausgesprochen attraktiv ist. Da kommt natürlich die Frage auf, ob sich hier nicht mehr entwickeln könnte. Vor allem weil Thursen Luisa ganz gut alleine und im Stich lässt. Dieses Element erhält natürlich noch dadurch zusätzlich an Brisanz, dass Elias der Erzfeind der Werwölfe ist. Das weiß Luisa jedoch nicht. Der Leser dagegen schon.
Dann hätten wir da den Handlungsstrang um Luisas werwölfischen Werdegang, denn der hat mit ihrer ersten Verwandlung in Band 1 unweigerlich begonnen. Durch eine erzwungene zweite Verwandlung spürt sie nun immer häufiger den Wolf in sich und obwohl man ahnt, was geschehen wird, will man es nicht so recht glauben bzw hofft, dass es doch nicht passiert. Vor allem, weil Thursen ja nun ganz Mensch ist.
Selbstverständlich birgt auch die Handlung um die Morde im Wald einiges an Spannung. Was ist in Thursens altem Rudel geschehen? Was bezwecken die Wölfe mit diesem Verhalten? Und in wieweit betrifft dies auch noch den menschgewordenen Thursen?
All diesen Fragen wird in diesem Band kontinuierlich nachgegangen, was mir sehr gut gefallen hat. Das ist spannend und abwechslungsreich und ergibt eine sehr dichte Handlung insgesamt, der ich neugierig gefolgt bin.
Auch mit Luisa konnte ich in diesem Teil mehr anfangen, weil sie mir erwachsener erschien. Keine kindisch-jähzornigen Ausbrüche mehr, kein ewiges Weg- und Hinrennen von und zu Thursen, nicht auf jeder zweiten Seite der gleiche Katzenjammer um den verstorbenen Bruder. Natürlich trauert sie noch, aber es wirkt wie gesagt erwachsener und ist auch nicht mehr so oberflächlich. Im Gegenteil, man bekommt sogar ganze Szenen mit Fabi beschrieben, so dass er greifbarer ist und man Luisas Trauer besser nachvollziehen kann. Zudem eröffnet sich für Luisa und ihn hier eine ganz neue und interessante Möglichkeit, bei der ich gespannt bin, ob sie im nächsten Band weitergesponnen wird.
Das einzige, was mich noch etwas gestört hat, das sind die Passagen im Wald bzw die Schilderungen davon. Ich weiß, wie ein Wald aussieht. Ich brauche keine absatzlangen Beschreibungen von Schatten, Blätterrascheln und Zweigeknacksen usw. Das kann man kürzer halten. Da bin ich immer in Versuchung, diese Szenen großzügig zu überspringen. Dafür ist die Handlung hier auch einfach zu spannend um sich mit solcherlei Naturerscheinungen länger zu befassen 😉

Ich habe zwei Abende für das Buch gebraucht. Es liest sich so leicht wie Band 1 und ist obendrein durch den Wechsel zwischen Luisa und Elias als Erzähler abwechslungsreich geschrieben. Luisas Kapitel sind oft realtiv lang, so dass man schon mit einem Kapitel einen -im Verhältnis- ordentlichen Teil des Buches geschafft hat.

Das Covermotiv fällt bei Band 2 deutlich heller aus als beim Vorgänger. Schade, mir hat das von Band 1 besser gefallen. Auch wenn die schwarze Blüte wieder zu sehen ist und das Mädchen angemessen  nachdenklich und geheimnisvoll dreinschaut.

Fazit: Wow! Eine 360-Grad-Wendung im Vergleich zu Band 1. Eine wesentliche erwachsener wirkende Luisa, mit der ich endlich mitfühlen konnte, und Spannung gleich auf mehreren Ebenen. So gehört sich das! 😉 Das macht Lust auf Band 3!

Danke an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Schattenblüte (02) – Die Wächter
Autor: Nora Melling
Seiten: 320
Verlag: Rowohlt Polaris
ISBN: 978-3862520107
Preis: 14,95 (Broschiert)

Schattenblüte (01) – Die Verborgenen (Nora Melling)

Eine Liebe, stärker als der Tod
Seit dem Tod ihres Bruders ist für Luisa nichts mehr, wie es war. Sie beschließt zu sterben. Aber kurz vor dem letzten Schritt hält jemand sie auf: Thursen nennt sich der Junge mit den ­geheimnisvollen Schattenaugen. Mit einer Gruppe ­Jugendlicher lebt er im Wald, und er spürt Luisas Schmerz. Die «Verborgenen» können ihre Gestalt ändern: Sie sind ­Werwölfe. Mit jeder Verwandlung wird Thursen mehr zum Tier – und die Erinnerungen an sein vorheriges Leben verblassen. Bald wird er ganz Wolf sein. Dann hat Luisa auch ihn verloren. Für ihre große Liebe ­würde sie alles tun. Doch reicht das, um Thursen zu retten?

Werwölfe. Mein Instinkt hatte mich gewarnt. Aber ich bin ja ein optimistischer Mensch (jedenfalls meistens ;)) und hoffe so jedes Mal aufs Neue, mal wieder eine andersartige Geschichte in diesem Genre anzutreffen.
Die Werwölfe waren auch gar nicht mein Problem an dieser Geschichte. Ganz im Gegenteil: Werwölfe mitten in Berlin, der Gedanke hat mir gefallen. Das würde meine Lieblingsstadt glatt noch attraktiver machen 😉
Mein erstes Problem war Luisa selber. Ja, sie hat ihren kleinen Bruder verloren, den sie sehr geliebt hat. Ihre Eltern ziehen mit ihr weg, so dass sie nicht mal einen Ort zum trauern hat, und sie spielen verbissen heile Welt. Dabei übersehen sie ganz, wie sehr Luisa leidet. Das ist alles sehr traurig, ganz ohne Zweifel.
Allerdings hatte ich Luisa ihre Trauer schon nach einem Drittel des Buches abgenommen und Mitgefühl mit ihr gehabt. Dass diese Trauer alle paar Seiten neu aufgekocht und thematisiert wird, das ging mir irgendwann auf die Nerven. Dabei habe ich Luisa sonst durchaus auch als stark und selbstbewusst empfunden. Der Eindruck, dass sie leidet und trauert verliert sich beim Lesen doch nicht, nur weil er nicht immer wieder aufgefrischt wird!
Solche Widersprüchlichkeit in Luisas Wesen zeigt sich aber auch an anderer Stelle. Nämlich wenn sie Thursen zum x-ten Mal androht, jetzt für immer zu gehen…und dann nach maximal fünf Seiten wieder zu ihm rennt. Was der übrigens gar nicht verdient, denn ER macht ganz sicher die wenigsten Fehler von den beiden.
Der wesentliche Knackpunkt für mich war jedoch die Story an sich. Mir fehlte bei ihr der berühmte rote Faden. Um was genau geht es in der Geschichte? Mal dreht sich alles um Luisas Trauer, mal um die Liebe zwischen ihr und Thursen, die so hoffnungslos ist. Dann besteht plötzlich die Gefahr für Luisa, sich den Wölfen anzuschließen. Dann wieder forscht sie nach Thursens Vergangenheit und seinem richtigen Namen, der ihn eventuell von seiner Existenz als Werwolf erlöst. Dann stößt ein neues Mädchen zum Wolfsrudel und alles dreht sich um sie. Dann wird ein Wolf getötet und das Rudel sinnt auf Rache. Dann, dann, dann. Zig angefangene Handlungsstränge, die aber nie zusammenlaufen um ein Ganzes zu ergeben und von denen auch nur einer wenigstens vorläufig abgeschlossen wird.
Natürlich werde ich auch Band 2 lesen, und hoffe sehr, dass dann alle diese Enden verknüpft werden. Sie sind ja nicht uninteressant, wirken in Band 1 aber einfach unausgegoren. Ich erwarte bei einem Mehrteiler kein abschließendes am Ende von Teil 1, aber mit so vielen “Anfängen” habe ich mich verloren, verwirrt und auch leicht verärgert zurückgelassen gefühlt.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass es mir auch ein wenig an Romantik und Liebe gefehlt hat. Dass sich die beiden ohne ein Wort, nur durch einen Blick und eine Berührung unsterblich verlieben, okay. Das ist wohl so, wenn man plötzlich einem Werwolf, Vampir etc gegenübersteht. Von mir aus! Aber so verliebt sie sind…gefühlt habe ich davon später nur selten etwas. Es muss nicht zwischen den Seiten heraustriefen, aber eine gewisse Romantik gehört zu einer Liebesgeschichte.

Luisa erzählt selber von ihrer Liebe zu Thursen und den Abenteuern, die sie mit und wegen der Werwölfe erlebt. Das sorgt dafür, dass der Ton jugendlich ist. Zudem gelingt es so besonders gut, dem Leser Luisas Gefühlswelt zugänglich zu machen. Zu Beginn der Kapitel sind jeweils eine Blüte und schwarze Vögel abgedruckt, was mir gefallen hat. Solche Kleinigkeiten werten ein Buch (und manchmal auch eine Geschichte) für mich immer etwas auf. Fest gebunden ist das Buch nicht. Das Cover ist zwar stabil, aber noch flexibel.

Das Covermotiv gefällt mir sehr gut, weil es so düster gehalten ist. Die grau-schwarze Blüte, das blasse Gesicht mit dem eindringlichen Blick unter kohlschwarzen Wimpern, das hat was! Soweit ich mich erinnere, ist Luisa allerdings blond…
Die Tropfen und der Titelschriftzug sind leicht erhaben eingeprägt. Auch das mag ich bei Covers immer sehr.

Fazit:  Ich hoffe, im zweiten Teil werden die hier begonnenen Handlungsstränge weitergeführt, vertieft und schlüssig beendet. Mir hat in diesem ersten Teil einfach ein roter Faden gefehlt. Zudem konnte ich mich mit Luisa nicht richtig anfreunden. Mir sind ihre Handlungen und ihr Wesen zu widersprüchlich. Und bitte, liebe Luisa, das mit deinem Bruder tut mir sehr leid. Das wird auch bei Band 2 noch so sein. Es muss also nicht wieder ständig widerholt werden.

Danke an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Schattenblüte (01) – Die Verborgenen
Autor: Nora Melling
Seiten: 352
Verlag: Rowohlt Polaris
ISBN: 978-3499254468
Preis: 14,95 (HC)

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