Rowohlt Verlag

Bekenntnisse eines Nachtsportlers (Wigald Boning)

Auf seine unverwechselbare Art erzählt Wigald Boning von seinen skurrilen Trainingserlebnissen und ungewöhnlichen Trainingsmethoden, berichtet von heroischen Kämpfen mit dem inneren Schweinehund, versieht das Ganze mit Tipps für Sportler und Möchtegern-Sportler und bietet vor allem eins: Amüsement.

Nachdem mir vor einiger Zeit Wigald Bonings “Im Zelt” so gut gefallen hatte, wollte ich unbedingt noch mindestens ein weiteres seiner Bücher lesen. Die Wahl fiel aufgrund des vielversprechenden Titels auf den “Nachtsportler”.
In diesem Buch erzählt Wigald Boning von seinen sportlichen Unternehmungen, die natürlich -wie könnte es bei ihm auch anders sein- schon mal ein Stück neben der Spur sind bzw wirken. Da radelt er, völlig ungeübt darin, mit dickem Gepäck einmal durch Deutschland, läuft einen Marathon mit Krawatte, tritt eine Profiwanderung in den Alpen an und fährt 24 Stunden mit einem Tretboot auf dem See herum.
Wenn man für die eine oder andere Sportart eine gewisse Begeisterung aufbringt, dann sind das schon interessante und spannende Themen. Zum Glück lässt Wigald Boning geraume Zeit keineswegs die große Sportskanone heraushängen. Anfangs ist er unsportlich und untrainiert, aber zumindest wild entschlossen. Man erfährt daher auch von Rückschlägen, Muskelkater, Krankheiten infolge des ungewohnten / ungewöhnlichen Trainings und Zweifeln. Das lässt ihn sympathisch und wunderbar normal wirken. Denn mal ehrlich, wer von uns könnte all diese Unternehmungen vollbringen, ohne an Grenzen zu kommen? Eben!
Somit habe ich über all das wirklich gerne gelesen. Über einiges habe ich gestaunt und mich gewundert, aber genau deshalb hat es mir gefallen. Weil es nicht so normal ist. Für vieles habe ich Wigald Boning ehrlich bewundert, denn ich an seiner Stelle würde all das niemals auf die Reihe bekommen und seine Disziplin ließe bei so etwas wohl auch schnell zu wünschen übrig. Zum Glück verfolge ich ja keine Pläne dieser Art. Mir reichen mein Fitnessstudio, im Sommer die eine oder andere Wanderung und meine Inliner. Aber ich mag es eben total, wenn jemand etwas Neues und das dann gerne auch etwas ungewöhnlich ausprobiert.
Nichtsdetotrotz war es mir in Summe etwas zu viel Lauferei und Fahrradfahrerei. In den meisten Kapiteln geht es darum. Das fand ich etwas schade. Da hätte ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht. Ich bin mir sicher, dass Wigald Boning noch zahlreiche andere Sportarten ausprobiert hat. Neben dem Laufen und dem Radfahren.
Der größte Knackpunkt war für mich allerdings die Tatsache, dass längst nicht alle sportlichen Aktivitäten in der Nacht unternommen werden. Es kommt vor, natürlich: wenn man eine Aktion 24 Stunden durchziehen möchte, dann geht es nicht anders. Und das Training findet auch oft nachts statt, keine Frage. Aber Marathons und Wanderungen oder Radtouren über die Berge finden eben doch mehrheitlich bei Tag statt. Das wirkt so alles nicht so sonderbar, wie es der Titel einem zunächst verspricht.

Auf Bonings Erzählstil, seine Sprache und seine Formulierungen muss man sich einlassen können. Da muss man sich erst einmal einfinden, doch das ging bei mir recht schnell. Ich mag seinen Humor sowieso sehr gerne und so humorig lasse ich mir gerne etwas erzählen. Da kann man nämlich oft mal schmunzeln und so macht mir Lesen am meisten Spass. So fliegen auch Kapitel mit um die 20 Seiten oder mehr quasi dahin. Einzig an den diversen Erwähnungen seines Status habe ich mich hier und da gestört. Ich gehe davon aus (und hoffe es), dass man es bei ihm nicht allzu ernst nehmen kann, wenn er beispielsweise von sich behauptet, ein Fernsehstar zu sein. Trotzdem liest es sich auf den ersten Blick schon etwas arrogant.

Das Cover verspricht so einiges, obwohl es nicht allzu spektakulär ist. Aber man fragt sich schon, welchen verrückten Sportarten Boning in der Nacht wohl so nachgeht. Nächte haben ja nun mal irgendwie etwas Geheimnisvolles an sich, dem man mit einer Taschenlampe auf den Grund zu gehen versuchen kann. Und wieso ist Boning überhaupt zumindest oben herum nackt? Das lässt auf viel Verrücktes hoffen.

Fazit: Nach “Im Zelt” hat mich der “Nachtsportler” leider eher enttäuscht. Natürlich sind Bonings sportliche Ideen und Aktivitäten interessant und schön schräg. Und es hat mir sehr gefallen, dass er so ehrlich von den oft schmerzhaften Anfängen seiner Karriere als (Nacht)sportler erzählt.. Aber mir fehlte ein wenig Abwechslung zum Laufen / Wandern und Radfahren. Meistens geht es um diese Sportarten, was irgendwann an Reiz verliert. Dazu kommt noch, dass längst nicht alle Unternehmungen des Nachts stattfinden, was ich angesichts des Titels schade fand. Glücklicherweise mag ich Bonings Humor und seine Art zu erzählen, das hat mir das Weiterlesen trotzdem leicht gemacht. Und das war in diesem Falle wirklich gut, sonst hätte ich das Buch nach dem dritten Laufabenteuer womöglich abgebrochen.


Titel: Bekenntnisse eines Nachtsportlers
Autor: Wigald Boning
Seiten: 304
Verlag: rororo by Rowohlt
ISBN: 978-3499621925
Preis: € 9,99 (TB)

Im Zelt: Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen (Wigald Boning)

Zelten – da denkt man an Sommerurlaub, romantische Abende am See, an Lagerfeuer, Luftmatratzen und Grillwürstchen. Vielleicht noch an Mücken. Was aber, wenn das Zelt zum Schlafplatz im Alltag wird? Und zwar über Herbst und Winter hinweg, bei Wind und Wetter, über 200 Nächte am Stück? Wigald Boning probiert es aus. Er sagt Matratze und Federbett ade und schläft draußen: auf Campingplätzen und in Flussbetten, auf Häuserdächern und Balkonen, am Strand und auf Parkbänken. Was er dabei erlebt und welcher Traum dabei in Erfüllung geht, erzählt er in diesem Buch.

Mit meinem ständigen Drang, zu reisen, raus zu wollen, leben und etwas erleben zu wollen, lag es ohnehin schon nahe, dieses Buch zu lesen. Außerdem mag ich Wigald Boning wirklich gerne. Er gehört für mich zu den Comedians, die diese Bezeichnung mit Fug und Recht tragen, weil er immer mit sehr viel Köpfchen witzig ist. Da spreche ich den meisten anderen sogenannten “Comedians” rundweg ab.
Ich freute mich also auf ein interessantes und informatives Buch mit vielen Gelegenheiten, auch mal zu schmunzeln oder zu lachen.
Wigald Boning hat also eines Tages vor nicht allzu langer Zeit beschlossen, von nun an im Zelt zu schlafen. Nur zu schlafen! Es sind keine Campingpläne im eigentlichen Sinn, kein allgemeiner Ausstieg aus dem Alltag. Er geht dabei weiterhin seiner Arbeit nach und mal nicht vom Gaskocher zu essen, sondern im Lokal, ist beispielsweise auch erlaubt. Wer eine Campingstory erwartet, ist hier also falsch. Mich hat das nicht gestört, ich fand es im Gegenteil sogar konsequent. Es geht nur um das Schlafen im Zelt. Dabei trifft man zwar auf viele Punkte, die man auch für das reguläre Camping übernehmen kann, aber es geht nicht zentral darum. Und wenn ich so an meine Campingerfahrungen zurückdenke, ist vor allem das Schlafen schon eine heikle und meist unbequeme Angelegenheit. Damit packt Wigald Boning also einen brisanten Teil des Campens an. Ein bisschen schräg ist die Idee natürlich auch, doch für solche Unternehmungen ist er ja nun wirklich bekannt.
Das Buch geht auf alle Punkte rund um das Schlafen im Zelt ein. Von der erforderlichen Ausrüstung, über geeignete Kleidung, das Zusammenleben mit Flora und Fauna bis hin zu der Tatsache, dass mann dabei mitunter offline ist. Und natürlich gibt es Kapitel, in denen von ganz besonderen Zeltplätzen berichtet wird.
Ich fand all das durchweg wirklich interessant, zumal mal eine Menge über Dinge erfährt, die diese Unternehmung ausmachen und über die man sich anfangs vielleicht gar keine Gedanken gemacht hat. Und auch die Kapitel über Ausrüstung, geeignete Kleidung und Körperpflege beispielsweise habe ich mit Interesse gelesen. Vielleicht landet man ja selber auch mal wieder in einem Zelt, da kann man sich hier ein paar Dinge quasi mitnehmen. Auf die eigenen Bedürfnisse angepasst, selbstverständlich. Dass speziell bei der Ausrüstung Markennamen fallen, damit muss man leben. Mich hat es gar nicht gestört. Es wirkt nie wie eine Werbeveranstaltung, und wenn ich mir vorstelle, ein Leser plant vielleicht auch mal eine Campingtour, kennt sich aber mit alldem nicht aus, dann hat er hier einige Anhaltspunkte. Abgesehen davon: wem wäre denn damit gedient, es stände da zB “M…..t” oder “Elefant”, statt “Mammut”? Na also!
Unterhaltsam und auch etwas verrückt fand ich die Schilderungen von den ausgefallenen Zeltplätzen, auf denen Wigald Boning genächtigt hat. Das ist -wenn man es sich bildlich vorstellt-  schon oft etwas verrückt, aber im postiven Sinne. Dennoch gibt es auch Erlebnisse, die wenig erfreulich waren. Auch diese kommen ausführlich zur Sprache, was hier und da sogar ein bisschen spannend ist.
Und ja, es gab für mich tatsächlich massig Gelegenheiten zum Schmunzeln und Lachen. Wigald Bonings Erzählweise ist einfach so clever-gewitzt und amüsant, dass ich nicht umhin kam, häufig vor mich hin zu kichern.
Einen kleinen Wermutstropfen gab es aber doch für mich. Es gibt nämlich einige, sehr wenige Passagen, in denen Wigald Boning auf mich arg arrogant wirkte. Das hat mich stuzig gemacht und auch ein bisschen gestört, weil ich finde, dass er das absolut nicht nöitg hat. Er ist natürlich bekannt, meinetwegen auch ein Promi, aber ich habe ihn immer als am Boden geblieben empfunden. Daher habe ich mich an diesen Stellen schon gewundert.

Auf Wigald Bonings Schreibstil muss man sich einlassen können. Er erzählt intelligent und gewandt. Da trifft man durchaus häufig Formulierungen an, die einem im normalen Sprachgebraucht eher nicht begegnen. Eben typisch Boning. Wer ihn aus dem Fernsehen kennt, er wird verstehen, was ich meine. Genau deshalb hat mir die Lektüre aber auch so viel Spass gemacht. Die Kapitel lasen sich weg wie nichts. Dafür haben sie genau die richtige Länge. Ich hatte beim Lesen auch immer Wigald Bonings markante Stimme im Ohr, und auch wenn er im TV zu sehen ist, hat er mich alleine damit immer schon am Schlafittchen.

Das Covermotiv zeigt ihn mit seinem Zelt an seinem allerersten Zeltplatz. Wie üblich ziemlich ausgefallen gekleidet und einfach sympathisch. Mit dem Motiv wird sofort deutlich, um was es in diesem Buch geht. Und es macht neugierig darauf, wo er sein Zelt wohl noch alles ausgestellt und was er dabei erlebt und festgestellt hat.

Fazit:  Mir hat “Im Zelt” vom Anfang bis zum Ende hin gefallen. Interessant, informativ, unterhaltsam und einige Male durchaus spannend. Zudem höchst amüsant erzählt. So hat es mir sehr viel Spass gemacht, über Wigald Bonings Abenteuer im Alltag zu lesen. Wer seinen Humor mag, ein Faible für Schräges hat und den Themen “Zelt” und “draußen schlafen” nicht abgeneigt ist, kann hier unbesorgt zugreifen.


Titel: Im Zelt: Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen
Autor: Wigald Boning
Seiten: 272
Verlag: rororo by Rowohlt
ISBN: 978-3499631948
Preis: € 10,99 (TB)

Fremd (Ursula Poznanski, Arno Strobel)

Fremd (Arno Strobel, Ursula Poznanski)Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?
Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich?
Eine Frau. Ein Mann. Je mehr sie die Situation zu verstehen versuchen, desto verwirrender wird sie. Bald müssen sie erkennen, dass sie in Gefahr sind. In tödlicher Gefahr. Und es gibt nur eine Rettung: Sie müssen einander vertrauen.

Ursula Poznanski und Arno Strobel schreiben zusammen einen Thriller? Als ich davon zum ersten Mal hörte, wanderte das Buch sofort auf meinen Wunschzettel. Auch wenn mich die Bücher von beiden icht durchweg von sich überzeugen konnten, gehören sie doch zu den Autoren, von denen ich mir kein Buch entgehen lasse. Weil es eben doch einige Bücher von ihnen gibt, die absolut meinen Geschmack getroffen haben.
Kaum zog “Fremd” ein, wurde es auch schon gelesen. Ich hatte wirklich große Erwartungen und konnte es einfach nicht auf den SUB legen.
Leider muss ich sagen, dass die Ernüchterung nicht lange auf sich warten ließ. Der Klappentext klang so gut und dann das! Natürlich ist die Situation unheimlich, die Erik und Joanna am Anfang erleben. Erik kommt nach Hause und seine Lebengefährtin Joanna (er)kennt ihn nicht und versucht umgehend, sich vor ihm zu schützen und in Sicherheit zu bringen. Was geht plötzlich vor sich in Eriks einst so glücklichen und geregelten Leben? Erst war ich noch neugierig, doch das verlor sich ebenso schnell wie die anfängliche Spannung.
Ich habe lange überlegt, wieso das so war. Es war gar nicht so einfach, dieser Sache auf den Grund zu geben. Inzwischen bin ich mir sicher, woran es lag. Mir fehlte lange Zeit jeglicher Zugang zu Erik und Joanna. Man bekommt zwar einige Fakten und Informationen über sie an die Hand, aber was für ein Mensch sind sind, welchen Charakter sie haben, das bleibt lange im Dunklen. Das führte bei mir dazu, dass ich mich in keinen von beiden richtig hineinfühlen / hineinversetzen konnte. Wahrscheinlich ist das bewusst so gehalten. Damit man als Leser genauso ahnungslos dasteht wie Joanna und Erik und mit ihnen rätseln kann, aber ich brauche diesen Zugang zu Figuren um mitfiebern zu können. Um eine liebgewonnene / sympathische Figur bange ich viel leichter,mit ihr fiebere ich viel schneller mit als mit einer, über die ich ausser ein paar Fakten nichts weiß.
Und auch das Drumherum konnte die mangelnde Spannung bei den beiden Hauptfiguren nicht ausgleichen. Ja, irgendetwas geht da in Eriks Firma vor. Aber es wurde mir einfach zu sehr nebenbei darauf eingegangen, als dass ich so richtig dran hätte glauben können. Entsprechend hat mich auch dieser Teil nicht gepackt.
Etwa auf der Hälfte der Geschichte wendete sich das Blatt dann zum Glück. Die zweite Hälfte habe ich an einem Abend in einem Rutsch gelesen. Das lag einerseits daran, dass endlich wirklich etwas richtig Dramatisches geschieht, aber vor allen auch daran, dass Joanna und Erik von nun an -so gut es geht- gemeinsam nachforschen, was plötzlich in ihrem Leben vor sich geht. Trotz gewisser Bedenken hier und da, kommen sie zunehmend besser miteinander aus. Dadurch bekam ich endlich eine solch klare Vorstellung von ihrem Wesen, dass ich mit ihnen hoffen und bangen konnte. Endlich kam richtig Schwung und Tempo ins Geschehen und so hatte Langeweile keine Chance mhr bei mir. Ich wollte nun wirklich wissen, was da vor sich geht.So gehört sich das für mich für einen Thriller.
Das wiegt es auch auf, dass mir die Auflösung doch etwas weit hergeholt vorkam. Jedenfalls in der Hinsicht, wieso Joanna plötzlich nichts mehr von Erik weiß. Mag sein, dass so etwas möglich ist, das weiß ich nicht, aber mir kommt es eben ziemlich an den Haaren herbeigezogen vor. Da lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

Für die erste Hälfte des Buchs habe ich geschlagene fünf Abende gebraucht, an denen ich mich immer zwingen musste, wenigstens fünf Kapitel weiter zu lesen. Dabei ist die Geschichte an sich unterhaltsam geschrieben und entsprechend gut zu lesen. Mir war sie einfach inhaltlich zu unspannend. In der zweiten Hälfte spornte der unterhaltsame und leichte Schreibstil dann mein Lesemtempo ordentlich an. Dazu das rasante Geschehen und die abwechselnden Sichtweisen auf das Geschehen, da flogen die Seiten plötzlich nur so dahin.

Das Covermotiv sprach mich sofort an. Es ist schön düster wie ich es für einen Thriller mag. Die Frau blickt misstrauisch drein, was gut zu der Figur der Joanna passt. Auf dem rückwärtigen Deckel ist ein Männergesicht zu sehen, das wohl Erik darstellen soll. Auch er schaut skeptisch und -wie ich finde- auch ein bisschen traurig. Das passt gut zu Erik.

Fazit:  Die erste Hälfte von “Fremd” hat es mir wirklich schwer gemacht. Da man ausser ein paar Informationen nichts über Erik und Joanna erfährt, habe ich keinen Zugang zu ihnen gefunden. Ich habe ihnen quasi aus der Distanz zugesehen, mehr war es nicht. Ich brauche einfach diesen Zugang zu Figuren um mit ihnen fühlen zu können. Das fehlte mir hier, weswegen ich “Fremd” lange absolut unspannend fand. Zum Glück wendete sich das Blatt etwas auf der Hälfte. Von da an ging es so spannend und rasant zu, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. So hat “Fremd” gerade noch die Kurve bekommen.


Titel: Fremd
Autor: Ursula Poznanski, Arno Strobel
Seiten: 400
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805250849
Preis: € 16,99 (Broschiert)

Blutsommer (Rainer Löffler)

blutsommerEine Dunstglocke liegt über der Stadt. Die Hitze ist unerträglich. Und dann der Geruch, dieser furchtbare Geruch! Der Picknickausflug von Familie Lerch nimmt ein grausiges Ende, als sie im Wald auf einen dunklen Haufen stößt, von Fliegen und Maden bedeckt: Der «Metzger» hat wieder zugeschlagen. Martin Abel, bester Fallanalytiker des Stuttgarter LKA, wird zur Unterstützung der Polizei nach Köln beordert. Keiner kann sich so gut in die Gedankenwelt von Serienmördern hineinversetzen wie er: eine Gabe, die einsam macht. Abel glaubt, an Schrecklichem schon alles gesehen zu haben. Doch das hier – das ist eine neue Dimension.

Es ist wahrlich eine Schande, welche Perlen oft monatelang (bei diesem Buch war es sogar über ein Jahr!) auf dem SUB vor sich hin stauben. Nach “Blutsommer” habe ich mir vorgenommen, es nicht mehr so weit kommen zu lassen.
Die Geschichte hält sich mit langen Vorreden nicht auf. Sie beginnt mit einem Familienausflug an einem wunderschönen Sommertag, der mit einem grausigen Fund ein abruptes Ende findet. Genau wie die Familie hat man bereits hier Gelegenheit für ein leichtes Ekeln.
Es ist nicht der erste Zwischenfall, der auf das Konto des sogenannten “Metzgers” geht, doch in Köln tappt man leider noch ziemlich im Dunklen. Deshalb werden zwei Fallanalytiker aus Stuttgart zu Rate gezogen. Darunter der Martin Abel, der Beste seines Fachs. Allerdings ist er als Mensch mindestens gewöhnungsbedürftig. Ich war geraume Zeit unsicher, ob ich ihn nun mag, oder doch eher nicht. Ich habe mich schließlich dafür entschieden. Irgendwie gefiel mir seine Andersartigkeit, sein bissiger Humor und natürlich seine Cleverness. Ich habe nichts gegen Ermittler, die ein wenig aus der Reihe tanzen. Seine aufgeräumte und jüngere Kollegin Hannah bildet einen schönen und reizvollen Kontrast.
Am Krimi selber hat mir besonders gefallen, dass er schön kleinschrittig gehalten ist was die Ermittlungen anbetrifft. Man ist stets dabei, wenn Abel Nachforschungen anstellt, wenn die SOKO Erkenntnisse zusammenträgt oder auch wenn es zu Auseinadersetzungen zwischen Abel und seinen Kölner Kollegen kommt. So bekommt man ein gutes und detailliertes Bild vom Fall “Metzger”, das nie unübersichtlich wird. So kann man leicht selber Überlegungen anstellen und kombinieren. Da in dieser Geschichte immer etwas passiert, wird es trotz dieser Kleinschrittigkeit auch niemals langweilig.
Ab einer ganz bestimmten Stelle war ich mir dann sicher, wer der Killer ist. Das fand ich schon sehr offensichtlich. Vielleicht auch, weil einem ein Element dieser Szene vertraut ist, wenn man bereits den einen oder anderen einschlägigen Horrorfilm gesehen hat. Geschüttelt hat es mich trotzdem. Und vor allem -trotzdem ich mir wirklich ganz sicher war- ist es Rainer Löffler am Ende doch noch gelungen mich zu leimen bzw in meiner Überzeugung zu verunsichern. Aber ich lag trotzdem richtig 😉
Als gelungen habe ich es auch empfunden, wie Rainer Löffler seinen Killer angelegt hat. Er ist grausam, menschenverachtend und unsagbar brutal. Oft bekommt man Einblick in sein Handeln und seine Gedanken, und beides kann man nur als krank bezeichnen. Da wird einem schon mulmig, wenn man sich vorstellt, dass es bestimmt auch in der Wirklichkeit solch gestörte Menschen gibt. Und trotzdem habe ich es nie so empfunden, als koste Rainer Löffler es aus, als genieße er es, einen solchen Wahnsinnigen loszulassen. Er treibt es zwar bis genau an die Grenze des Abscheulichen, aber niemals auch nur ein Stück weit darüber hinaus. Dabei liegt sowas wie Splatter hier gar nicht weit entfernt. Für mich hat das die Story glaubhaft gemacht.

Das Buch ließ sich prima und zügig lesen. Es ist immer etwas los, Langeweile kam bei mir niemals auf und viele Dialoge haben zusätzlich für Auflockerung gesorgt. Außerdem enden viele Kapitel mit ganz fiesen Cliffhangern, sodass ich das Buch nur ganz schwer aus der Hand legen konnte. Deshalb war es dann wohl auch nach nur zwei Abenden ausgelesen.

Hauptsächlich war es wohl das Cover, weshalb das Buch so lange auf dem SUB lag. Das Motiv mit der feurig glühenden Sonne und der schattigen Landschaft gefällt mir ganz gut, aber ich mag den weißen Rand oben nicht. Irgendwie sah das Cover für mich dadurch unfertig aus. So wie die Leseexemplare, die man manchmal bekommt und die noch kein richtiges Cover haben. Außerdem ist Weiß für mich nicht gerade die Farbe für einen Thriller.

Fazit:  Mir hat “Blutsommer” sehr gut gefallen! Ein durchgängig spannender Thriller mit einem Ermittler, der ganz klar nicht “von der Stange” kommt. Und mit einem wunderbar kranken Killer, der einem eine Gänsehaut über den Rücken jagt. Einfach rundum top! Ich freue mich schon jetzt auf “Blutdämmerung”, das bestimmt nicht über ein Jahr auf dem SUB versauern wird.


Titel:  Blutsommer
Autor:  Rainer Löffler
Seiten:  491
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3499257278
Preis:  € 9,99 (TB)

amazonbutton

Möwenfraß (Klara Holm)

moewenfrassVor dem Tod sind alle gleich. So hat sich Luka Kroczek seinen ersten Arbeitstag als Leiter der Kripo Bergen nicht vorgestellt: Er kommt viel zu spät, seine kleine Tochter Tilda muss mangels Kindergartenplatz mit ins Büro, die neue Kollegin Conny Böhme empfängt ihn alles andere als herzlich. Und dann muss Luka, der sich nur seiner Lebensgefährtin zuliebe von Düsseldorf nach Rügen beworben hat, auch gleich zu seinem ersten Einsatz. In einem alten Fischerhaus wurde eine Leiche gefunden. Wer hat die Frau derart übel zugerichtet? Hat das Verbrechen mit ihrem Mann zu tun, einem allseits unbeliebten Immobilienspekulanten und Wendegewinner? Luka macht sich an die Ermittlungen. Und erkennt schnell: Auf Rügen wird nichts so schnell vergeben und vergessen.

Bei diesem Krimi machte mich der Titel neugierig. Außerdem war ich in Krimis schon oft an der Nordsee zu Gast, aber kaum mal an der Ostsee. Das sollte sich nun ändern.
Auf den Mord muss man nicht lange warten, der geschieht gleich im ersten Kapitel, sodass man den Ermittlern schon mal ein Stück weit voraus ist. So erfährt man immerhin, dass das Opfer seinen Mörder kannte.
Kriminalkommissar Luka Kroczek ist seiner Lebensgefährtin zuliebe mit nach Rügen gezogen. Sein Dienstantritt bei der Kripo dort verläuft alles andere als glücklich. Manche neiden ihm den Posten, andere halten ihn schlichtweg für einen arroganten “Wessi”. Prompt lässt man ihn auflaufen. Mir hat sehr gut gefallen, wie Luka damit umgeht. Zwar spielt er gelegentlich mit dem Gedanken, wieder nach Düsseldorf zurückzukehren, aber wirklich vor hat er es nicht. Das entspricht nicht seinem Wesen, das ich ausgesprochen sympathisch fand. Ich finde es nur berechtigt, wenn ein Chef -wenn es nötig ist- genau das auch mal klar und deutlich herauskehrt und seine Ideen durchsetzt. Dafür ist Luka nun mal Vorgesetzter. Und schnell wird deutlich, dass er dennoch kein Unmensch ist und durchaus ein Auge auf das Privatleben seiner Mitarbeiter hat. Wenn die Ermittlungen flüssig laufen, man gut zusammenarbeitet und sich an seine Anweisungen hält, dann ist er absolut fair.
Genauso gerne mochte ich Lukas Kollegin Conny mit ihrer überaus direkten Art, dem cleveren Köpfchen, ihrer Abneigung allem “Weiberkram” gegenüber und den beiden Töchtern, die sie ganz schön fordern. Für mich war sie das ideale Gegenstück zu dem aufgeräumten und vernünftigen Luka. Ich habe oft über ihre Sprüche und die Dialoge zwischen den beiden schmunzeln müssen. Außerdem ist sie gewissermaßen Lukas Sprachrohr zu den Einheimischen, die dem Düsseldorfer meist etwas verhalten begegnen. So ganz ist der Ost-West-Gedanke offenbar doch noch nicht aus den Köpfen verschwunden, das merkt man hier und da ganz deutlich. Ich denke, dass das auch tatsächlich noch so ist. Zum Glück wird genau darauf nicht allzu intensiv eingegangen. Bei einem Crashkurs in Sachen DDR-Geschichte hätte ich “Möwenfraß” im Nu zugeklappt und auf Nimmerwiedersehen beiseite gelegt.
Die Ermittlungen um den Mord an Peggy Lenz fand ich sehr spannend. Vor allem, weil es zwar eine ganze Reihe Verdächtiger gibt, es aber nicht so viele sind, dass man den Überblick verliert. Das geht bei mir leider sehr schnell, wenn Charaktere nichts wirklich Markantes an sich haben. Hier hatten alle Verdächtigen markante Eigenschaften oder Wesenszüge. So konnte ich mir jeden gut merken und leicht miträtseln, wer als Mörder infrage kommen könnte. Dummerweise hat jeder mindestens ein gutes Motiv, da muss man also genauer hinschauen und das hat mir richtig Spass gemacht. Ein weitere Grund dafür, dass niemals Langeweile aufkommt ist, dass in wirklich jedem Kapitel etwas passiert, was einen bei Laune hält. Die meisten Kapitel enden mit einem hundsgemeinen Cliffhanger, der einen zum Weiterlesen verleitet. Und natürlich erhält man mit jedem Vorfall ein neues Puzzleteilchen im Mordfall.
Ich war bereits mal auf Rügen, doch das ist schon sehr lange her. Daran erinnere ich mich gar nicht mehr so richtig. Nach “Möwenfraß” möchte ich gerne mal wieder dorthin und ein paar bestimmte Ecken besuchen. Zwar ist Rügen nicht mein Traumziel überhaupt, aber ich finde es immer schön, wenn mir ein Buch Lust auf eine Gegend macht.

Besagte Cliffhanger an den Kapitelenden haben auch mich dazu gebracht, das Buch an nur zwei Abenden auszulesen. Ich wollte immer wissen, wie es weitergeht und weiterkniffeln. Die Kapitel sind weder zu kurz, noch zu lang. So kommt man mit jedem ein gutes Stück voran in der Geschichte.

Das Cover zeigt die Seebrücke Sellin, eines der Wahrzeichen vom Rügen. Mir gefällt speziell der Stil, dieses Negativbild, oder wie man das fachmännisch nennt. Das leuchtet, vor allem mit dem Gelb als Kontrast, und ist ein Hingucker, der auf das Buch aufmerksam macht.

Fazit:  “Möwenfraß” hat mir sehr gut gefallen! Ein sehr spannender Krimi, bei dem man ganz toll mitknobeln kann. Luka Kroczek ist ein ausgesprochen sympathischer Ermittler. Und das Original Conny an seiner Seite sorgt für Würze und manchen Lacher. Die beiden sind ein klasse Team. Ich würde gerne mal wieder einen Krimi mit ihnen lesen.


Titel:  Möwenfraß – Ein Ostsee-Krimi
Autor:  Klara Holm
Seiten:  314
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3499266942
Preis:  € 9,99 (TB)

amazonbutton

© 2019 Frontier Theme