Rowohlt

Die Pfanne brät nicht! – Eine Kassiererin rechnet ab (Alice Diestel)

diepfanneDer Discounter – ein Irrenhaus Der eine verbittet sich das Anfassen seines Toastbrots, ein anderer wählt vor dem Kühlregal den Käse mit Hilfe eines Pendels aus. Der Nächste möchte Waren umtauschen, die sich schon seit Jahren nicht mehr im Sortiment befinden. Und zu all diesen Kunden muss die Kassiererin immer schön freundlich sein, obwohl sie sie in den Wahnsinn treiben. Zeit für Alice Diestel, sich Luft zu machen: eine ebenso böse wie witzige Abrechnung mit dem merkwürdigen Verhalten von Otto Normalverbraucher beim Einkauf.

Da ich selber seit über 15 Jahren als Kassiererin arbeite, kam ich an diesem Buch natürlich nicht vorbei. Dem Lebensmittel-Einzelhandel bin ich zwar seit einiger Zeit entkommen, aber erstens erinnere ich mich noch sehr gut an die Zeit und die Kunden und zweitens bleibt Kunde einfach Kunde, ganz egal wo.
Neues hat mir Alice Diestel in diesem Buch somit zwar nicht erzählt, aber darum geht es hier auch nicht. Jedenfalls nicht für mich. Ich lehne mich mit einem solchen Buch einfach gerne zurück und genieße das Wissen, dass es anderen Kolleginnen in diesem Job kein Stück besser geht als mir. Das ist beruhigend. Und schön, weil man lesend von all diesen Situationen zum Glück gerade nicht wirklich betroffen ist. Da kann man tatsächlich über viele Dinge lachen, bei denen einem live eher der Blutdruck in astronomische Höhen schießen würde.
Natürlich kennt man all diese Zwischenfälle mit den Kunden nur zu gut. Da fällt es super leicht, sich in Alice hineinzuversetzen und mit ihr zu fühlen. Wie oft habe ich beim Lesen wissend genickt, ungläubig den Kopf geschüttelt (manche Dinge erlebt man dutzendfach und mag sie trotzdem noch immer nicht glauben), oder mich ehrlich genauso aufgeregt wie ich es in Alice Situation getan hätte.
Ich bin unsicher, ob dieses Buch auch von Leuten gelesen wird, die nicht in diesem Beruf arbeiten, aber ich hoffe es. Und ich hoffe weiterhin, dass sie sich damit einfach mal den Spiegel vorhalten lassen. Dass sie dadurch vielleicht erkennen, dass Kassiererinnen nicht in diesem Job arbeiten, weil sie für anderen Berufe zu dämlich sind. Dass sie diverse abgedroschene Sprüche, die man so von seinen Kunden hört, ums Verrecken nicht mehr witzig finden. Oder auch, dass wir uns keineswegs mit ein paar Groschen in der Kasse durch den Tag kämpfen und deshalb vor lauter Dankbarkeit über eine handvoll Kleingeld schier in Tränen ausbrechen müssen. Um nur drei Beispiele zu nennen aus dieser Masse, die das Buch dem durchschnittlichen Kunden mit auf den Weg gibt.
Weiterhin hoffe ich, dass diese Leser das Buch nicht als Angriff werten. So ist es sicher nicht gemeint, sondern eben als ein deutlicher Fingerzeig darauf, was sich tagtäglich in unzähligen Supermärkten auf beiden Seiten des Kassentresens abspielt. Und vielleicht ist der eine oder andere so ehrlich zu sich selber, sich einzugestehen, dass er sich ein paar Dinge ebenfalls schon geleistet hat. Dann könnte er sich ja demnächst bessern…
Meine letzte Hoffnung gilt Alice Diestel weiterer Karriere als Autorin. Es gibt nämlich bereits ein anderes Buch, in dem eine Kassiererin ihren Job und ihre Kunden aufs Korn nimmt. Wenig später erschien von dieser Autorin ein zweites Buch, in dem sie den Kunden quasi an die Hand nimmt und ihm zeigt, wie toll so ein Supermarkt doch ist, was dort wie gerne für ihn getan wird und wie er zu einem stressfreien Einkauf kommt, bei dem ihm das Personal natürlich nur zu gerne zur Seite
steht. Ich habe das Entschuldigung an die Kunden für das vorige Buch empfunden und war bitter enttäuscht.
Bitte, Alice Diestel, lass’ es einfach so stehen, dass die Kunden sich oft wie eine offene Hose benehmen. Es stimmt! Punkt! Da sollten eher die sich entschuldigen.

Es war eine lange Lesenacht, aber ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu lesen. Das Buch ist sehr witzig geschrieben und ich habe so viel aus meinem Berufsleben darin wiedergefunden, dass es einfach nur Spass gemacht hat mich durch die Seiten zu schmökern. Die witzigen Titel der Kapitel laden zusätzlich dazu ein.

Das Cover finde ich gelungen. Es sieht witzig aus und zeigt eine ziemlich normale Szene aus dem Alltag einer Kassiererin.

Fazit:  Wer in diesem Job arbeitet, der wird seine helle Freude an dieser witzigen Abrechnung haben. Ist das schön zu sehen, dass es keinem von uns besser geht als den anderen. Das tröstet und beruhigt gleichermaßen. Von allen anderen Lesern erhoffe ich mir, dass sie das Buch nicht als Angriff werten, sondern eben als den vorgehaltenen Spiegel, das es ist. Und dass sie sicher das eine oder andere daraus für den nächsten Einkauf mitnehmen.


Titel: Die Pfanne brät nicht – Ein Kassiererin rechnet ab
Autor: Alice Diestel
Seiten: 208
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3499620454
Preis: € 8,99 (TB)

amazonbutton

Wassermanns Zorn (Andreas Winkelmann)

“Manuela Sperling ist neu bei der Polizei. Gleich an ihrem ersten Tag muss sie sich mit dem grausigen Mord an einer Prostituierten befassen, deren Leiche ein­gekeilt zwischen Baumwurzeln im seichten Teil des Flusses liegt – ertränkt. Auf dem Bauch der Toten finden die Spurensicherer eine grausige Botschaft, gerichtet an Manuelas Chef, Kriminalhauptkommissar Stiffler. Manuela muss erkennen, dass ihr Eifer nicht von allen im Präsidium gern gesehen wird. Da ertrinkt erneut eine Frau, direkt vor ihren Augen. Eine unsichtbare Macht zieht sie auf den See hinaus und unter die Wasseroberfläche. Und Stiffler dreht durch.”

Dies ist mein inzwischen dritter Thriller von Andreas Winkelmann. Es scheint charakteristisch für seine Romane zu sein, dass man sich anfangs überfordert fühlt mit der Anzahl der Charaktere, den verschiedenen Schauplätzen und Problematiken. Jedenfalls ging es mir jedes Mal so. Aber inzwischen weiß ich deshalb auch, dass sich dieses Chaos lichtet sobald sich der eingentliche Fall herauskristallisiert.
So war es auch hier und ab diesem Punkt hatte mich der Fall gepackt. Es ist spannend zu verfolgen, wie er sich entwickelt und man kann gar nicht anders als mitzuknobeln, wer warum hinter den Taten steckt. Speziell, was Kommissar Stiffler selber damit zu tun hat, hat mich die ganze Zeit brennend interessiert. Aber es war ebenso spannend, die sympathische und burschikose Polizistin Manuela bei ihren Ermittlungen zu begleiten. Taxifahrer Frank, der dabei oft an ihrer Seite ist, hat mir ebenfalls gefallen. Zu einem Großteil deshalb, weil er an einer Krankheit leidet, die mich verrückterweise schon immer interessiert und fasziniert hat.
Mir hat die Story insbesondere wegen der Morde im Wasser eine Gänsehaut bereitet. Ich bin nicht gerade eine Wasserratte 😉 und habe großen Respekt vor diesem Element. Wenn ich dann so eindringlich geschilderte Szenen lese wie hier, wenn man beim Täter dabei ist, dann schaudert es mich schon ganz ordentlich. Und ich mag es, wenn ein Thriller genau das schafft.
Soweit bin ich mit “Wassermanns Zorn” also ausgesprochen zufrieden.
Es gibt allerdings jemanden, der mir die tolle Story ganz gut verleidet hat. Und das ist ausgerechnet Stiffler höchstpersönlich! Manuelas Lehrmeister und der leitende Hauptkommissar im “Wassermann”-Fall.
Mir ist schon klar, dass die Figur sicher bewusst  so angelegt wurde, aber einen solchen Unsympathen ertrage ich einfach nur schwer durch eine ganze Geschichte hindurch.
Und Schwierigkeiten im Job und in der Ehe, die deshalb in die Brüche ging, und Vorkommnisse dieser Art sind für mich auch keine Entschuldigung oder etwas, weswegen ich Nachsicht üben würde. Deswegen muss man noch lange nicht überheblich, unfair, versoffen, eigenbrötlerisch und korrupt werden.

Für “Wassermanns Zorn” habe ich mich -für meine Verhältnisse- Zeit genommen. Alleine schon um die Schilderungen des Wassermanns richtig auf mich wirken zu lassen. Es lohnt sich! Aber auch, um mich immer mal wieder von Stiffler zu erholen. Da habe ich dann häufiger mal Pause gemacht. Passagen mit ihm zogen sich für mich ganz schln in die Länge. Dagegen lasen sich die mit Manuela und Frank angenehm leicht und unterhaltsam.

Das Cover unterschiedet sich deutlich von denen der Winkelmann-Thriller, die ich bisher gelesen habe. Da gab es ziemlich weiße Cover zu sehen. Mir gefällt aber die Szenerie hier sehr gut. Ein schöner Blick über einen verlassenen und unergründlichen See und darüber das Gewitter. Das wirkt bedrohlich und passt zum Titel. Und ja, ich mag auch die grünlich-blauen Farben. Farbig mag ich immer lieber.

Fazit: Auch mein dritter Winkelmann hat mir im Großen und Ganzen gefallen. Ein spannender Thriller, der einen das Schaudern lehrt. Besonders, wenn man wie ich kein allzu großer Wasser-Fan ist. Kommissar Stiffler hat mir den Genuss allerdings doch etwas verdorben. Bei einer Person mit einem solchen Verhalten und Charakter sträubt sich mir einfach das Fell 😉

Danke an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Wassermanns Zorn
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten: 416
Verlag: Rowohlt Wunderlich
ISBN: 978-3805250375
Preis: 14,95 (Broschiert)

 

Leipziger Buchmesse 2012 – Nachlese

Vom 15.03. bis zum 18.03. fand in Leipzig dieses Jahr die Buchmesse statt.

Ich war am Freitag und Samstag dort.
Ehe ich nun meine neuen und signierten Bücher und die Autogramme zeige, möchte ich mich erst mal bei den Verlagen für die vielen netten Gespräche bedanken. Darunter beispielsweise Rowohlt, Thienemann, Carlsen, dtv, Loewe, Arena, Kosmos, Oetinger und noch viele mehr.  Bitte nicht übel nehmen, alle weiß ich nicht mehr. Ich bin rückblickend immer noch etwas erschlagen 😉 Es war einfach klasse!

Nun zu den Neuen im Regal, die ich von der Messe mitgebracht habe:

“Everlasting – Der Mann, der aus der Zeit fiel” (Holly Jane Rahlens)

Man schreibt das Jahr 2264. Gefühle sind unerwünscht, die Liebe ist ausgestorben. Die Geburtenrate ist gefährlich gesunken. Der junge Historiker und Sprachwissenschaftler Finn Nordstrom, Spezialist für die inzwischen tote Sprache Deutsch, erhält den Auftrag, die 250 Jahre alten Tagebücher eines jungen Mädchens aus dem Berlin des 21. Jahrhunderts zu übersetzen. Öde, findet er. Und albern. Doch dann ist er zunehmend fasziniert von dem Mädchen, das quasi vor seinen Augen erwachsen wird. Schließlich soll Finn in einem Virtual-Reality-Spiel in der Zeit zurückreisen, um das Mädchen zu treffen. Ohne es zu wissen, wird er damit zum Versuchskaninchen der Spieleentwickler. Warum schicken sie ausgerechnet ihn, den Fachmann für tote Sprachen, in die Zeit kurz vor Ausbruch der Großen Epidemie? Und was ist das für ein sonderbares Gefühl, das ihn überkommt, wenn er der jungen Frau begegnet? Bald muss Finn sich entscheiden – für die Liebe oder für die Zukunft …

“Finding Sky- Die Macht der Seelen” (Joss Stirling)

Zed Benedict umgibt ein Geheimnis. Mit seiner Arroganz, seiner Unnahbarkeit, seinem Zorn schüchtert er alle ein: Lehrer, Mitschüler. Auch Sky, die sich, allerdings heimlich, stark zu dem unverschämt gut aussehenden Jungen hingezogen fühlt. Doch dann hört sie plötzlich seine Stimme in ihrem Kopf … und er versteht ihre gedachte Antwort! Als Zed daraufhin behauptet, Sky sei sein Seelenspiegel, sein ideales Gegenstück und ein Savant wie er, ein Mensch mit einer übernatürlichen Gabe, glaubt Sky ihm kein Wort. Und will ihm nicht glauben – denn tief in ihr drinnen rührt sich eine Fähigkeit, vor der sie eine Höllenangst hat …

“Ich bin der Herr deiner Angst” (Stephan M. Rother)

«In unserem Job bekommt man eine Menge Tote zu sehen. Das Bild aber, das sich uns hinter der Tür im ‹Fleurs du Mal› bot, wird mich bis an das Ende meines Lebens begleiten. Viele unserer Leichen sehen so aus, als würden sie schlafen. Das war hier nicht der Fall.» Ein in jeder Hinsicht verstörender Mord führt die Ermittler Jörg Albrecht und Hannah Friedrichs ins Hamburger Rotlichtviertel: Das Opfer war ein Kollege, und es wird nicht das letzte sein. Die Taten nehmen an Grausamkeit zu. Und alle haben sie mit den dunkelsten Geheimnissen der Opfer zu tun, ihrer größten Angst. Irgendwann keimt in Albrecht eine Erinnerung: Der Traumfänger-Fall. Seit dreißig Jahren schlummert er in den Akten. Seit dreißig Jahren sitzt der Täter in der Psychiatrie. Wie es scheint, hat der Alptraum gerade erst begonnen…

“Nur 6 Tage” (Philip Webb)

Solange Cass denken kann, muss sie sich schon durch die Überreste der zerstörten Stadt wühlen. Genau wie alle anderen Räumer. Denn ihre Aufgabe ist, das Artefakt zu suchen, an das niemand so richtig glaubt. Bis auf Cass’ kleinen Bruder Wilbur, aber der spinnt sowieso ein bisschen. Wie aus dem Nichts tauchen plötzlich Peyto und Erin auf. Sie sind Schläfer und kommen aus einer anderen Zeit. Und sie glauben, dass nur Wilbur ihnen helfen kann. Denn auch sie sind auf der Suche nach dem Artefakt. Nur gemeinsam haben die vier eine Chance, es zu finden. Doch sie müssen sich beeilen. Ihnen bleiben genau sechs Tage, sonst wird die Welt untergehen …

Am Donnerstagabend -direkt nach meiner Ankunft in Leipzig- waren wir zum Österreicher Krimi Leseabend im Landgericht, wo uA Ursula Poznanski aus “Fünf” las. Ganz klar, da gehörte diese Veranstaltung zum Pflichtprogramm.
Nach der Lesung konnte man sich sein Buch signieren lassen, was ich natürlich auch gemacht habe 😉

Der Freitagabend stand ganz im Zeichen der Fantasy. Im Leipziger Stadtbad (übrigens eine super tolle Location!) fanden dazu gleich mehrere Lesungen statt. Darunter auch mit Holly Jane Rahlens, die aus “Everlasting – Der Mann, der aus der Zeit fiel” las. Übrigens eine der unterhaltsamsten Lesungen an diesem Messewochenende! Dort hatte man ebenfalls die Gelegenheit, sich sein Buch signieren zu lassen:

Am Samstagabend wurde es dann wieder “kriminell”. Es fand ein Leseabend mit verschiedenen Lesungen aus dem Bereich Krimi statt, ebenfalls im Leipziger Stadtbad. Mit dabei -und der Hauptgrund dafür, dass wir dort waren- war die Lesung mit Rita Falk, die Auszüge aus Kommissar Eberhofers neuestem Fall “Schweinskopf al dente” las. Auch hier stand ich anschließend natürlich Schlange um mir das Buch signieren zu lassen.

Auch eine Reihe Autogramme durften mit nach Hause. Von Bettina Belitz, die aus “Dornenkuss” gelesen hat, von Jennifer Benkau, die aus “Dark Canopy” las und von Michael Holtschulte, der im Comic-Bereich der Messe seinen Stand hatte.

Und so sieht die Tod-Karte auf der Rückseite aus.
Ich bin eben Tod-Fan 🙂

Noch mal ganz lieben Dank!
🙂

Rezension – Fünf (Ursula Poznanski)

THANKS FOR THE HUNT Du bist fündig geworden. Rätselaufgaben, deren Lösung Koordinaten sind. In Plastikbehälter verpackte Leichenteile. Zeugen, die nach der Befragung sterben. Es ist eine blutige Version des Geocaching, eine grausige Jagd, auf die sich die Salzburger Ermittlerin Beatrice Kaspary einlassen muss. Der Fall scheint unlösbar. Und plötzlich wird sie selbst zur Beute ...

Die beiden Jugendromane “Erebos” und “Saeculum” von Ursula Poznanski habe ich als Hörbuch gehört. Sie haben mir ganz gut gefallen, aber so richtig begeistern konnten sie mich leider nicht. Vielleicht weil (Online)rollenspiele nicht gerade mein Fall sind. Trotzdem war ich nach den beiden Hörbüchern weiterhin neugierig auf Bücher von Ursula Poznanski und so stand es außer Frage, dass ich mir auch “Fünf” näher ansehen würde. Alleine schon, dass es ein Thriller für Erwachsene ist, ließ mich hoffen. Hinzu kam aber noch, dass hier das Geocaching quasi die Grundlage für die Geschichte bildet. Der Täter nutzt diese “Schnitzeljagd” um sein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei zu treiben. Geocaching ist -im Gegensatz zu Rollenspielen- etwas, das mich schon länger interessiert, an das ich mich aber bislang nicht herangewagt hatte.
Ich hatte vor dem Lesen allerdings nicht erwartet, dass ich das Buch nur mit äußerster Selbstüberwindung wieder aus der Hand würde legen können. Genau so war es aber!
Die Geschichte geht von der ersten Seite an in die Vollen und daran ändert sich auch die ganzen 384 Seiten lang nichts. Der Täter hält die Polizei mächtig auf Trab und es geht kaum eine Seite dahin, auf der nicht irgendetwas Spannendes oder Interessantes geschieht.  Dabei ist die Geschichte einerseits durch das Geocaching-Prinzip außergewöhnlich (gut;)). Wer mit diesem Thema bisher nichts am Hut hatte, wird hier mittels des Falles damit bekannt gemacht. Natürlich auf verbrecherische und sehr blutige Art und Weise. Das gehört sich für einen Thriller auch so. Hat man einmal die Grundlage begriffen, macht es umso mehr Spass, der Polizei bei ihrem Ermittlungen zur Seite zu stehen. So ganz nebenbei habe ich auch Ursula Poznanski dafür bewundert, mit welcher Cleverness sie ihre Rätsel und das Gerüst des Falles erdacht hat.
Andererseits -und deshalb kann man dieses “der Polizei zur Seite stehen” durchaus wörtlich nehmen- zeichnet sich die Geschichte dadurch aus, dass man relativ wenige beschreibende Passagen antrifft. Der Großteil der Geschichte kommt in Dialogen daher. Dadurch bekommt man als Leser bestens Einblick in die Gedanken und Überlegungen der Polizisten. In den Gesprächen werden Für und Wider von Verdächtigungen abgewogen, das weitere Vorgehen durchdacht und geplant, Erkenntnisse zusammengetragen und verschiedene Wege hin zur Lösung angegangen, wieder verworfen oder weiterverfolgt und und und. Das ist so sehr dynamisch und es fällt leicht, diesen Überlegungen zu folgen und sie für sich und für seine eigenen “Ermittlungen” zu nutzen.
Zuletzt noch ein paar Worte zu den beiden Hauptcharakteren. Da ist zunächst Kommissarin Beatrice Kasypary. Soeben frisch getrennt und mächtig im Stress mit zwei Kindern und dem Job, speziell mit diesem Fall. Ich muss gestehen, mit Beatrice bin ich anfangs nicht recht warmgeworden. Sie war mir einfach zu abweisend zu den meisten anderen Personen, zu sehr Eigenbrötler statt Team-Mensch, wie es eigentlich für ihren Job von Vorteil wäre. Allerdings imponierte sie mir dann erstens durch ihre Cleverness und zweitens damit, wie sie mit ihrer privaten Situation umgeht und nicht dem Job zuliebe bei den Kindern zurücksteckt, oder den Kindern zuliebe bei ihrem Job. Eben eine starke Persönlichkeit mit Ecken und Kanten, und keine Super-Ermittlerin, die solche Fälle im Vorbeigehen aufklärt. Das macht sympathisch.
Ihr Kollege Florin war mir dagegen von Anfang an sympathisch. Denn er ist nicht nur ein sehr guter Kommissar, sondern auch jemand vom Typ “lieber Kumpel”. So jemanden mag man einfach.

Es ist jeden Abend spät geworden, aber ich hatte “Fünf” nach zwei Abenden ausgelesen. Natürlich, weil ich es unglaublich spannend fand. Aber auch weil es -wie schon erwähnt- vorwiegend in Dialogen geschrieben ist. Das liest sich leichter und flüssiger als schildernde Passagen. Man fühlt sich dadurch mehr “dabei” und das macht zusätzlich neugierig darauf, wie die Geschichte weitergehen wird.

Ich mag die Mischung aus dunklen und kräftigen Farben beim Covermotiv. Das wirkt einem Thriller angemessen düster. Ausserdem gibt das Motiv kaum etwas über die Geschichte her und das stimmt neugierig. Ganz speziell gefällt mir die Krähe 😉

Fazit:  Ich habe diese Besprechung gerade noch einmal Kontrolle gelesen und finde, sie wird meiner Begeisterung für dieses Buch nicht annähernd gerecht. Ein super spannender Thriller, der durch das Geocaching als Grundlage für den Fall sehr neuartig und erfrischend anders wirkt. Der einen durch diese “Schnitzeljagd” kontinuierlich neugierig hält und mit ihr und den Überlegungen der Polizei die ideale Möglichkeit bietet, als Leser mitzuermitteln. Und der sich durch die Dialoglastigkeit sehr flüssig lesen lässt, ohne dass einem aber dabei etwas entgeht. Auch wenn diese Rezi im Februar online geht, das Buch habe ich im Januar gelesen und es ist mein Lieblingsbuch Januar! Top!

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms!


Titel: Fünf
Autor: Ursula Poznanski
Seiten: 384
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805250313

© 2019 Frontier Theme