Sabine Ludwig

Am Ende der Treppe hinter der Tür (Sabine Ludwig)

endedertreppeWie erpresst man einen Mörder, den man nicht gesehen hat? Die 16-jährige Martha ist zufällig Ohrenzeugin des Mordes an ihrer Nachbarin geworden. Nun beschließt sie, dieses Wissen für sich zu nutzen. Denn sie braucht Geld. Damit sie endlich mit ihrer Mutter in eine eigene Wohnung ziehen kann. Und damit sie sich nicht mehr mit diesem Glatzkopf und seiner nervigen kleinen Tochter Poppy rumärgern muss. Gemeinsam mit ihrer Freundin Jill entwickelt Martha einen raffinierten Plan … doch dann begeht sie einen entscheidenden Fehler.

Wie so oft lockte mich auch bei diesem Buch wieder das Cover, das mir von Anfang an sehr gut gefiel. Doch auch der Klappentext klang ganz vielversprechend.
Auf den Krimi um die Erpressung und ihre Folgen muss man allerdings eine ganze Zeitlang warten. Erst im achten Kapitel geht es damit wirklich los.
Bis dahin nimmt die Geschichte sich alle Zeit Martha vorzustellen und zu beschreiben, womit die Sechzehnjährige gerade alles zu kämpfen hat. Dem einen oder anderen Leser könnte das zu ausführlich sein, mich hat es überhaupt nicht gestört. Das liegt wohl vor allem daran, dass ich mich in vielen Punkten in Martha wiedergefunden habe. Als ich in ihrem Alter war. Beispielsweise was ihre wechselhafte Freundin Jill angeht, die sich gerne als beste Freundin verkauft, dann aber plötzlich quasi aus dem Rücken heraus einen Todesschuss abgibt. Oder auch was Marthas Verliebtheit in einen Lehrer anbetrifft. Außerdem konnte ich nur zu gut verstehen, dass Martha keinen Bock auf eine kleine Schwester hat, sie beim Essen rumsaut, in Marthas Bett sabbert und an ihr hängt wie eine Klette. Hätte ich auch nicht. Sie tat mir also wirklich leid. Und so viele Gemeinsamkeiten mit einer Figur schafft natürlich Nähe.
Dann nahm endlich der Krimi Anlauf. Mit einem verdächtigen Gespräch, das Martha belauscht hat, und aus dem sie nun Profit schlagen will um die neue kleine Schwester und deren Vater loszuwerden. Dafür schmieden Jill und Martha einen finsteren und geradezu wahnwitzigen Plan, der einfach böse Folgen haben muss. Das ist einem zumindest als Leser sofort klar, während Martha darüber zunächst noch nicht nachdenkt. Und Jill schon gar nicht.
Doch schon bald wendet sich ihr Plan klar gegen Martha und sie gerät in immer größere Schwierigkeiten. Und damit auch in Panik, denn es scheint aussichtlos, das heraufbeschworene Unheil noch abzuwenden. Ich fand es spannend zu verfolgen, wie Martha mit der Situation umgeht, die sich nach und nach immer mehr zuspitzt. Und ich habe gegrübelt, wer hinter den seltsamen Vorkommnissen stecken könnte. Für mich gab es mindestens zwei Verdächtige und es dauerte eine ganze Weile bis ich mir sicher war, wer es ist.
Von da an konnte ich quasi zuschauen, wie Martha geradwegs ins offene Messer läuft. Dabei hatte ich einerseits Angst um sie, andererseits habe ich mich aber auch schnell gefragt, wie blind sie eigentlich ist, dass sie das nicht selber erkennt! Es blieb also spannend, denn durch ihre Blindheit bringt Martha sich selber und auch ihre kleine Schwester in wirklich sehr große Gefahr. Und auch wenn ich den Täter seit Anfang an nicht sonderlich mochte bzw ihm nicht wirklich getraut hatte, so hat mich die Erkenntnis, was er plant, doch erschreckt. Ich hätte vieles vermutet, aber das dann doch nicht. Außerdem tat mir Martha wieder einmal unheimlich leid. Einmal mehr platzt mit der Erkenntnis, wer ihr da so übel mitgespielt hat, einer ihrer großen Träume.
Mit ihrem Mut am Ende hat sie mir dann aber auch imponiert. Und ich habe mich sehr gefreut, dass sie mit einer neuen Freundschaft endlich rosigeren Zeiten entgegensieht. Lediglich das Ende um ihre kleine Schwester fiel mir etwas zu rosarot aus.

Sabine Ludwigs Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Sie schreibt zwar recht jugendlich locker, schafft es dabei aber doch, einen Marthas Gefühlswelt deutlich zu machen und nahe zu bringen. Sowohl zu Beginn als man von Marthas Problemen erfährt, als auch später als sich Marthas Situation immer mehr zuspitzt. Das sorgt dafür, dass man sich gut in Martha einfühlen kann, es sorgt aber auch für die nötige Spannung. Die Gegenwartsform bringt das nötige Tempo rein und eine angenehme Kapitellänge sorgt dafür, dass man immer weiter schmökern möchte.

Wie schon gesagt, hat mir das Cover sofort gefallen. Und mich mit dieser düsteren Treppe neugierig darauf gemacht, was sich wohl hinter der Tür an ihrem Ende verbergen könnte. Motiv und Titel passen hier wirklich sehr gut zusammen.

Fazit: Es dauert bis die Geschichte zum Krimi kommt, aber langweilig ist es mir bis dahin nicht geworden. Das mag Lesern, die sich nicht so gut mit Martha identifizieren können wie ich anders gehen. Der Krimi beginnt mit einem haarsträubenden Plan, der eigentlich nur schiefgehen kann und es auch prompt tut. Ich fand die Entwicklung wirklich spannend und hatte Angst um Martha als sie später direkt in ihr Unheil rennt. Für mich somit eine rundum gelungene Geschichte.


Titel: Am Ende der Treppe hinter der Tür
Autor: Sabine Ludwig
Seiten: 384
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3499216756
Preis: € 9,99 (Broschiert)

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Painting Marlene (Sabine Ludwig / Tanja Geke / Jona Mues)

Titel: Painting Marlene / Verlag: Oetinger Audio / Spielzeit: ca. 303 min / 4 CDs / Buch: Sabine Ludwig / gelesen von: Tanja Geke & Jona Mues

Inhalt: Ist nichts, wie es scheint? Extrem spannender Psychothriller von Sabine Ludwig Die 18-jährige Marlene ist mit der Schule fertig, bei ihrer Mutter ausgezogen und wohnt jetzt allein in der Wohnung ihres kürzlich verstorbenen Vaters. Ihre Freizeit verbringt sie hauptsächlich auf Partys und mit ihren Freunden Rike und Georgie. In der Wohnung ist ein Erinnerungsstück an ihren Vater, einen Maler, verblieben: ein Porträt von Marlene. Eines Tages kommt ihr das Bild verändert vor. Gleichzeitig fühlt sie sich verfolgt. Von wem? Georgie, Jasper, Hausmeister Wedau? Wem kann sie noch trauen?


Ich fange hier mal mit eine Abschlussbewertung an: mir hat “Painting Marlene” sehr gut gefallen.
Warum? Wahrscheinlich weil ich auch ein recht ausgeprägtes Faible für Jugendgeschichten ohne Mystery habe. So habe ich sehr gerne dabei zugehört, wie Marlene versucht, auf eigenen Beinen zu stehen. Mit eigener Wohnung, selbstbestimmtem Leben, allen Freiheiten, die sich ein junges Mädchen davon erhofft, aber eben auch mit allen Schwierigkeiten, die in dieser Situation auf einen zukommen. Damit geht die Geschichte sehr authentisch und sympathisch um. Und an sich hätte die Geschichte gut bis zum Ende so weiter verlaufen können und wäre alleine schon deshalb interessant und spannend gewesen, weil man wissen möchte, wie Marlene ihre Situation schließlich in den Griff bekommt. Nun möchte die Story aber vermutlich eben auch mystisch und leicht unheimlich sein. Ich habe sie so nicht empfunden. Selbstverständlich gehen seltsame Dinge in der Wohnung bzw auf dem Bild von Marlene vor, aber gruselig wie bei “Das Bildnis des Dorian Grave”, an das sich “Painting Marlene” zweifellos ein wenig anlehnt, geht es nicht zu. Diese Vorkommnisse stellen aber ein weiteres spannendes Element dar, denn man fragt sich automatisch, was da vor sich geht und wer dahinter steckt. Und speziell für diese letzte Frage steht eine ganze Reihe Verdächtiger parat. Das Ende ist schließlich eine sehr große Überraschung. Bei aller Grübelei, wer derjenige Welche ist, darauf wäre ich wohl nie mit Überzeugung gekommen.

Tanja Geke liest den Löwenanteil der Geschichte. Mir hat ihre frische, junge aber doch markante Stimme dafür gefallen. Sie liest locker, wie es einer Geschichte um ein junges Mädchen gut steht, und schafft es auch, das Wesen und die Launen der Charaktere einzufangen und an den Hörer zu bringen.
Jona Mues meldet sich zwar deutlich seltener zu Wort, aber dann hinterlässt er vom ersten Satz an Eindruck. Mit dunkler, eher leise Stimme liest er die Passagen des aussenstehenden Täters. Dabei ist er immer für eine Gänsehaut gut.

Das Cover ist ein Blickfang. Und das obwohl das Motiv nicht ausgefallen ist und außer Schwarz kaum andere Farben beteiligt sind. Genau diese Düsternis hatte mich aber auf das Hörbuch aufmerksam gemacht. Sie vermittelt Spannung. Das Booklet beinhaltet die Tracklist und Fakten zur Autorin und den beiden Sprechern.

Fazit: Gruselig -wie ich es mir wegen der Ähnlichkeit zu “Dorian Grave” vorgestellt / erhofft hatte- ist “Painting Marlene nicht. Aber spannend, sogar sehr spannend, was die seltsamen Veränderungen am Bild, und auch die Entwicklungen in  Marlenes Leben angehen. Mit Letzterem setzt sich die Geschichte sehr realistisch auseinander und macht sich so greifbar. Toll!

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