Sauerländer Verlag

Caroline – Totel feerückt (Sabine Rahn / Barbara Zoschke)

feeruecktCaroline kann es einfach nicht glauben: Ihre Eltern schicken sie weg, aufs Land, zu zwei völlig durchgedrehten Tanten nach Heudorf! Ohne ihre beste Freundin und ohne Philipp, der sie beinahe geküsst hätte. Und zu allem Überfluss taucht auch noch dieser nervige Schmetterlingself auf, der behauptet, Caroline sei jetzt eine Fee und habe magische Fähigkeiten. Plötzlich wird Caroline von geheimnisvollen Dunkelmännern und fiesen Schicksalsspinnerinnen verfolgt, die nichts Gutes im Sinn haben – und sie muss sich entscheiden, auf wessen Seite sie steht.

Was hatte ich schon in Buchform? Ein Junge, der eines Tages erfährt, dass er Zauberer ist. Ein Junge, der eines Tages erfährt, dass er Druide ist.
Mit Caroline sind nun die Mädels dran. Eines Abend ereignet sich an ihrer Haustür zwischen den Eltern und seltsamen Gestalten ein kleiner Zwischenfall, und schon am nächsten Tag findet sich Caroline im Zug nach Heudorf zu ihren Taten wieder. Was ihr als 13jährige Großstadtpflanze natürlich überhaupt nicht schmeckt! Das konnte ich sehr gut nachvollziehen! Die Tanten kennt sie gar nicht und irgendwie sind sie auch seltsam. Und bildet sie sich den nervigen Schmetterlingselfen nur ein, den sie immer wieder sieht? Und der behauptet, sie sei eine Fee!
Was man als Leser natürlich von vorneherin weiß, das ist für Caroline eine ziemliche Überraschung, der sie mit allem begegnet, was der gesunde Menschenverstand herigbt. Verdrängung, Leugnung und schlichtem Unglauben. Verständlich. Es sorgt aber außerdem immer mal wieder für spaßige Szenen. Denn Carolines Feendasein beginnt mit einigen kleinere Problemchen, die gerne mal peinlich sind. Dann tat sie mir zwar leid, aber grinsen musste ich natürlich doch.
Carolines Tanten haben mir ebenfalls gefallen. Sie sind beide ganz schön schräg drauf. Auch darüber kann man leicht mal schmunzeln. Lediglich über Rias kreative Flüche konnte ich mich nicht amüsieren. Die fand ich meist ziemlich peinlich. Das werden die jungen Leserinnen aber sicher anders sehen.
Vor allem in das Haus der Tanten habe ich mich sofort verliebt. Darin würde ich auch gerne wohnen! So eine schöne Vorstellung und dann noch der wilde, bunte Garten dazu. Da hat man sofort das Bild eines sehr grünen und bunten Grundstücks vor Augen. Dafür habe ich dann wieder über das Unternehmen der beiden Tanten lachen müssen, das sie von zuhause aus führen. Ein coole Idee, aus der man -vielleicht in weiteren Bänden- mehr machen könnte!
Kaum hat sich Caroline halbwegs mit dem Gedanken angefreundet, dass sie eine angehende Fee ist, da treten auch schon Widersacher auf den Plan. Klar, die Geschichte braucht schließlich einen Schuss Dramatik. Und Carolines erste Gehversuche als Fee sind zwar amüsant, aber nicht besonders spannend.
Gegen Ende hin geht es dafür dann aber doch ganz schön rund. Da mir das Geschehen zuvor zu sehr dahingeplätschert war, habe ich mich darüber sehr gefreut. Es wird gefährlich für Caroline, ihre Tanten und sogar ihre Eltern. Hier haben die Bösewichte ihren Auftritt, beispielsweise die Dunkelmänner und die Schicksalsspinnerinnen. Interessante Figuren übrigens, über die ich gerne etwas mehr erfahren hätte. Vielleicht, wenn es eine Fortsetzung geben sollte? Für einen schönen Schuss Spannung sorgen sie aber auch hier bereits, auch wenn man nur wenige Informationen über sie erhält.
Ein kleines bisschen geht es in dieser Geschichte auch um die erste Verliebtheit. Das gehört bei einem Buch um eine Dreizehnjährige dazu, wie ich finde. Deshalb fand ich Carolines Schwärmerei für Phillip ganz süß, aber Hugo wäre (trotz seines Namens…wie kann man nur?) meine erste Wahl! 😉
Insgesamt fand ich die Geschichte hier und da etwas zu kitschig. Mit dem Schmetterlingselfen, den Blumen, Carolines spontanes Gesinge…sicher alles typisch Fee, aber zu rosarot für mich. Kleine Feen-Fans werden davon dagegen begeistert sein, und an die richtet das Buch sich schließlich in erster Linie.

Mit 191 Seiten ist das Buch genau richtig für junge Leserinnen ab 10 Jahren. Nicht zu kurz, nicht zu lang.  Es ist fröhlich und lebendig geschrieben und ab und zu darf auch mal gelacht werden. Die Kapitel sind recht lang, wie ich finde. Für ein Kinderbuch jedenfalls. Das bedeutet andererseits aber auch, dass man mit jedem Kapitel ein gutes Stück vorankommt. Und das ist widerum ganz fein so.

Das türkisfarbene Cover hat mir sofort gefallen. Eine schöne Farbe, die gut zu einer Feengeschichte passt. Caroline sind sympathisch und modern aus. Ein ganz normales 13jähriges Mädchen eben, das die Überraschung ihre Lebens erlebt. Mit den Blumen, dem Schmetterlingselfen und den Schnörkerln wird das Cover dem Thema Feen noch mehr gerecht.

Fazit:  Eine schöne und witzige Geschichte, die zum Ende hin auch noch spannend wird. Genau das Richtige für Mädels, die gerade ins Fantasygenre einsteigen. Wie esklingt, könnte daraus sogar eine Reihe werden. Mir ging es ab und zu etwas zu kitschig zu, aber ich bin ja auch keine 13 Jahre mehr alt.

Vielen Dank an den Sauerländer Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Caroline – Total feerückt
Autor: Jutta Wilke
Seiten: 191
Verlag: Sauerländer Verlag
ISBN: 978-3411811755
Preis: € 12,99 (Broschiert)

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Selection (Kiera Cass)

selection0135 perfekte Mädchen – und eine von ihnen wird erwählt. Sie wird Prinz Maxon, den Thronfolger des Staates Illeá, heiraten. Für die hübsche America Singer ist das die Chance, aus einer niedrigen Kaste in die oberste Schicht der Gesellschaft aufzusteigen und damit ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch zu welchem Preis? Will sie vor den Augen des ganzen Landes mit den anderen Mädchen um die Gunst eines Prinzen konkurrieren, den sie gar nicht begehrt? Und will sie auf Aspen verzichten, ihre heimliche große Liebe?

Ich habe mich lange um dieses Buch gedrückt. Es klang für mich nach dem x-ten finsteren Blick in die Zukunft und obendrein -was auch mit dem Cover zusammenhängt- ganz schön kitschig.
Nachdem ich es nun gelesen habe, freue ich mich bereits auf den zweiten Band. Seltsam? Nein, das hat gute Gründe.
Zunächst einmal übertreibt Kiera Cass es nicht mit den Rahmenbedingungen der Geschichte. America und ihre Familie sind zwar nicht reich, aber sie gehören auch nicht zur untersten Kaste. Viel haben sie nicht, aber sie leben auch nicht im Elend. Und trotzdem sie die Schattenseiten dieses Kastensystems kennen und täglich sehen, jammert niemand von ihnen herum oder sinnt auch Rache an der Regierung.
Die Regierung selber regelt natürlich das Leben in Illeá, aber auf mich wirkte die Königsfamilie schon zu Beginn des Buches keineswegs herrisch. Streng in manchen Belangen, aber es kam nie so rüber als würde sie ihr Volk unterdrücken. Und America und ihre Familie beispielsweise versäumen keine Sendung über die Königsfamilie. Ich hatte also den Eindruck, dass den Herrschern eine gewisse Symapthie entgegengebracht wird. Das war so für mich mal etwas völlig Neues in diesem Genre, das mir sehr gut gefallen hat.
America mochte ich ebenfalls. Sie machte einen ganz normalen Eindruck auf mich. Ein normaler Teenager, der zwar ein recht einfaches Leben führt, damit aber nicht allzu unzufrieden ist, sich an Kleinigkeiten freuen kann, ihre Familie liebt und sehr verliebt in ihren Freund Aspen ist. Mit Aspen kam ich dafür weniger gut klar. Durch Americas Beschreibungen bekommt man zwar das Bild eines gutaussehenden, tollen Typen vermittelt, aber sein Wesen war beim besten Willen nicht mein Fall. America meint es gut, bereitet eine Überraschung vor und er stößt sie vor den Kopf. Einerseits will er, dass sie an der Wahl teilnimmt, dann wieder nicht. Und zuletzt lässt er sie sitzen. Hallo?!
Diese Wahl bei der eine Partnerin für den Prinzen gesucht wird, ist zwar eine etwas seltsame Idee, aber sie passt gut in die heutige Zeit. Sie erinnert glatt an solch geniale TV-Sendungen wie zB den “Bachelor”. Mit der Wahl selber, vielen Schönheiten, die sich auf verschiedene Art bewähren müssen, Luxus und natürlich Zickenkrieg.
Nicht gerade mein Fall, aber da kam es mir zugute, dass ich America mochte und sie sich ihren bodenständigen Charakter bewahrt. Sie berichtet mit einem feinen Auge und einem schönen Funken Humor von den Vorgängen im Palast. So hat es Spass gemacht, dabei zu sein.
Prinz Maxon gefiel mir auch. Er sieht gut aus, ist nett, hat Humor, ist am Leben seines Volkes interessiert und erträgt America mit Fassung. Zugegeben, er ist ein bisschen zu “heilig”, zu gut und zu lieb. Aber solche muss es schließlich auch mal geben. Mir haben vor allem seine Diskussionen mit America viel Vergnügen bereitet. Und ganz ehrlich: bei der Wahl zwischen Maxon und Aspen könnte mir Aspen dicke gestohlen bleiben. Zum Glück hielt sich auch Americas Trauer recht schnell in Grenzen.
Doch natürlich wird Aspen später wieder zum Thema. Genauso wie ein Angriff auf den Palast, der dem Prinzen und seiner Familie die Unzufriedenheit vor Augen führt, die in den unteren Kasten herrscht. Bis zu diesem Angriff fließt die Handlung angenehm ruhig und heiter dahin. Der Angriff nimmt nur einen recht kleinen Teil der Geschichte ein. Für mich genau richtig, weil ich mich nicht gerne seitenweise durch solches Geschehen lese. Und auch danach versinkt die Story nicht in Traurigkeit und Betroffenheit. Ganz im Gegenteil! Daher freue ich mich darauf, mehr von America und Maxon zu lesen.

America erzählt schön locker und jugendlich von ihrer großen Chance. Und sie hat einen schönen Sinn für Humor, den man stets heraushört und über den ich einige Male schmunzeln konnte. Viele Dialoge und eine angenehme Kapitellänge lockerten zusätzlich auf. So las sich “Selection” für mich sehr angenehm und flüssig.

Das Cover finde ich immer noch ziemlich kitschig mit den Kleidern und den Mädchen unter dem glitzernden Regen (?). Dafür bin ich wohl zu wenig Mädchen 😉 Ich hab’s nicht mit Kleidern und Glitzer und solchen Sachen. Aber die Farbe finde ich toll! Ein wunderschönes Blau-Grün, das das Cover zum Hingucker macht.

Fazit:   Mir hat “Selection” wirklich unerwartet gut gefallen! Diese Wahl zur Prinzessin von Illeá erinnert stark an den “Bachelor”, hat mich aber gerade deshalb prima unterhalten. Endlich eine Geschichte, die zwar in einer nicht allzu glänzenden Zukunft spielt, aber dennoch in erster Linie das Leben auf der Sonnenseite dieser Welt beleuchtet und auch mal Gelegenheit zum Schmunzeln gibt. Endlich mal kein Krieg, keine Rache, kein Elend. Es hat Spass gemacht, mit America in’s Königshaus einzuziehen und die anderen Mädchen und die Königsfamilie kennenzulernen. Vor allem einem sehr liebenswürdigen Prinzen. Ich bin neugierig, wie es mit den beiden weitergeht. Und wehe, Aspen stellt sich quer!

Vielen Dank an den Sauerländer Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Selection
Autor: Kiera Cass
Seiten: 368
Verlag: Sauerländer Verlag
ISBN: 978-3737361880
Preis: € 16,99 (Broschiert)

Vollendet (02) – Der Aufstand

vollendet02Du hast geglaubt, es ist vorbei?
Die Siegesfreude ist von kurzer Dauer:
Connor muss sich als neuer Anführer der Flüchtlinge beweisen.
Risa fürchtet, ihm keine große Hilfe zu sein.
Lev versucht, ein neues Leben zu beginnen.
Einer von ihnen wird verraten werden. Einer von ihnen wird fliehen. Einer von ihnen wird auf Cam treffen, einen Jungen, den es nicht geben darf.

Nach der Pause nach Band 1 war ich etwas in Sorge, ob ich mich sofort in Band 2 einfinden würde.
Das wird einem aber erstens durch ein Glossar zu Beginn des Buches erleichtert, das die wichtigsten Begriffe kurz erläutert.
Zweitens sind auch in diesem zweiten Teil die Kapitel mit den Namen der Figur betitelt, die darin die Hauptrolle spielt. So gab es für mich bald ein “Wiedersehen” mit bekannten Charakteren und ich erinnerte mich, welche Rolle sie bisher gespielt hatten. So fiel der Wiedereinstieg schön leicht.
Dabei war es interessant zu sehen, welche Entwicklung sie im Verlauf der Fotsetzung nehmen. Allen voran Lev, er für mich in Band 1 eine eher unauffällige Rolle spielte. In diesem zweiten Teil wird ihm dafür umso mehr Aufmerksamkeit zuteil. Es ist erstaunlich und beendruckend zu sehen, was aus ihm geworden ist. Aus diesem Jungen, der anfangs so überzeugt von der Richtigkeit seiner eigenen Opferung gewesen war.
Auch mit Connor und Risa geht eine Wandlung vor sich, die ich so nicht erwartet hätte. Dabei konnte mich vor allem Risa überraschen. Sie wurde mir aufgrund ihres Verhaltens bei einer bestimmten Begegnung allerdings kurz ganz schön unsympathisch. So überzeugt man von der eigenen Haltung auch sein mag, es hätte sicher nicht geschadet, sich die Person, die sie dabei kennenlernt, erstmal näher anzuschauen.
Es kommen aber auch einige neue Charaktere hinzu, die mich neugierig machten, in welche Richtung die das Geschehen noch beeinflussen würden. Leider sind das überwiegend Figuren, die nicht wirklich Sympathieträger sind. Deshalb sind mir einige ihrer Kapitel etwas schwer gefallen. Die Frage, die ich mir dabei die ganze Zeit gestellt habe, lautete: würde einer von ihnen den titelgebenden Aufstand letztlich auslösen?
Auf den muss man nämlich ganz schön lange warten. Zum Glück wird einem bis dahin Dank vieler anderer spannender Entwicklungen und Ideen nicht langweilig. Das brisanteste Element in diesem zweiten Band ist sicherlich Cam, der “perfekte Mensch”. Zugegeben, die Vorstellung ist sonderbar bis skurril. Trotzdem habe ich mich über die Hetze gegen ihn unheimlich aufgeregt. Er ist nun einmal da, hat ein Wesen und Gefühle, also sollte man sich mit ihm schon arrangieren. So unabsehbar war es -finde ich- außerdem nicht, dass der Wissenschaft in der Welt von “Vollendet” so etwas mal gelingen würde. In die Richtung marschiert sie dort doch schon längst! Und ehrlich gesagt, kann ich Cams Existenz alleine deshalb nicht verteufeln, weil ich in den wissenschaftlichen Errungenschaften der “Vollendet”-Menschheit durchaus Vorteile sehe.
Den Aufstand erlebt man erst ziemlich zum Ende der Geschichte. Er ist actionreich und oft ganz schön erschreckend. Wenn man sich vorstellt, dass darin hauptsächlich Jugendliche verstrickt sind, dann ist das schon grausam.
Am Ende hält man dann viele neue, aber auch noch ein paar ältere “Schnüre” der Handlung in Händen. Das macht neugierig auf den dritten Teil, den ich mir nicht entgehen lassen werde.

Obwohl das Buch mit seinen stattlichen 544 Seiten ganz schön dick ist, hatte ich es an drei Abenden ausgelesen. Es liest sich trotz des ernsten Themas und den diversen Verwicklungen wunderbar leicht. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und gelegentliche lockern Werbeanzeigen zum Thema “Wandlung” zusätzlich auf.

Das Cover ist erneut silbrig glänzend, geht aber eher ins Rötliche. So reiht es sich neben Band 1 passend ein. Das Rot verdeutlicht für mich außerdem, dass die Situation der Figuren aus der Geschichte sich zuspitzt.

Fazit: Ein spannender und interessanter Band 2, in dem bekannte Charakter überraschende Wandlungen erleben. Markante neue Figuren sorgen für zusätzlich frischen Wind und es bleibt spannend, inwieweit sie noch Einfluss auf das weitere Geschehen nehmen werden. Auch wenn ich mit gewissen Botschaften nicht einer Meinung bin, so finde ich diese Zukunftsvision doch faszinierend. Ich bin neugierig, wie es in Band 3 weitergeht.


Titel: Vollendet (02) – Der Aufstand
Autor: Neal Shusterman
Seiten: 544
Verlag: Sauerländer Verlag
ISBN: 978-3737367189
Preis: € 16,99 (HC)

Schwarz wie Schnee (Jutta Wilke)

Ein Unfall, der alles verändert. Ein Name, den du nicht kennst. Eine Frau, die sagt, sie wäre deine Mutter. Ein Leben, das dir fremd ist. Es war doch ein Unfall oder?

Nachdem mir “Wie ein Flügelschlag” von Jutta Wilke bereits gut gefallen hat, war ich auf “Schwarz wie Schnee” sehr gespannt. Vor allem, weil alles was ich im Vorfeld darüber gehört hatte, so absolut nach meinem Geschmack klang. Und genau das hat sich auch bestätigt.
Ich habe selten einen solch spannenden Jugendthriller gelesen!
Diese Spannugn rührt hauptsächlich daher, dass man in dem Moment in die Geschichte einsteigt, in dem Kira im Krankenhaus die Augen aufschlägt. Somit ist man ebenso unwissend wie sie durch ihren Gedächtnisverlust. Genau wie sie muss man alles so hinnehmen und glauben, wie es ihr erzählt wird.
Genau wie Kira gerät man fortan hier und da ins Zweifeln, aber da es auch für den Leser nicht mehr Anhaltspunkte gibt als für Kira, muss man die ganze Zeit mit diesen Zweifeln leben. So ist man Kira auch bei ihren Nachforschungen nie einen Schritt voraus, so sehr man auch knobelt.
Gleichzeitig ist man Kira damit immer sehr nahe und kann sich gut in sie hineinversetzen. Jutta Wilke ist es wirklich sehr gut gelungen, Kiras Gefühlswelt zu beschreiben. Ganz gleich ob Traurigkeit, Wut, Verzweiflung oder auch gelegentlich mal Freude und Hoffnung, ich habe immer mit ihr fühlen können. Dabei werden die Gefühle zwar sehr eindringlich, aber nie überdramatisiert beschrieben. Es ist stets nur logisch, dass Krira so empfindet.
So bleibt es auch glaubhaft, dass man über einen Teenager liest. Ein Erwachsener in ihrer Situation würde vielleicht doch anders und / oder mit kühlerem Kopf und mehr Vernunft reagieren. Kira ist aber nun mal noch nicht erwachsen und darf sich somit so manche sprunghafte Laune leisten. Wenn man sich ihre Situation genau vorstellt, kann man ihr das nicht übel nehmen.
Für ihren Mut habe ich sie manches Mal bewundert. Sie bringt sich mehr als einmal in Gefahr beim Versuch, in ihr Leben zurückzufinden, und später auch bei ihren Nachforschungen als ihr erste Zweifel an ihrem Leben kommen.
Es gab recht spät, aber schon noch ein gutes Stück vor dem Ende, allerdings eine Szene, bei der mir erstmals ein Verdacht kam, was hinter den seltsamen Vorkommnissen um Kira herum stecken könnte. Wieso sie es nicht schafft, sich in ihrem Leben zurechtzufinden.
Dieser Verdacht hat sich dann am Ende auch bestätigt. Normalerweise würde ich jetzt sagen, dass der Verlauf ab diesem Moment vorhersehbar war. Allerdings nur für den Leser. Er hat hier die Chance, eine erste konkrete Idee zu entwickeln. Kira selber kann in diesem Moment ganz unmählich einen Schluss in diese Richtung ziehen. So bleibt es doch bis zum Schluss spannend in der Hinsicht, wie Kira hinter das Geheimnis um die vielen sonderbaren Ereignisse kommt.
Außerdem sollte man sich bei einem Thriller ja auch nicht auf der ersten Vermutung ausruhen. Das geht allzu leicht mal schief 😉

Kiras Geschichte ist sehr rasant und genauso liest sie sich auch. Ehe man es sich versieht, hat man wieder ein Kapitel geschafft und das Ende rückt immer näher. Die angenehme Länged er Kapitel trägt ebenfalls dazu bei. Ich habe es regelrecht bedauert, dass es auf der linken Seite vom Buch immer weniger Seiten wurden.

Das Cover gefällt mir sehr. Es ist schön finster, was einem Thriller immer steht. Es gibt allerdings auch etwas, das mich an dem Motiv etwas stört. Dazu möchte ich aber weiter nichts sagen, sonst könnte ich spoilern. Und das möchte ich möglichst vermeiden.

Fazit: Ein wirklich super spannender Jugendthriller. Da man immer auf dem gleichen Stand ist wie Kira, will man genau wie sie wissen, was um sie herum und mit ihr vor sich geht. Ein sehr genauer und realistischer Blick in ihre Gefühlswelt und Gedanken lässt einen von Anfang bis Ende mitfiebern. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen bis ich wusste, was bei Kira Sache ist.

Vielen Dank an den Sauerländer Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Schwarz wie Schnee
Autor: Jutta Wilke
Seiten: 256
Verlag: Sauerländer Verlag
ISBN: 978-3411811410
Preis: € 14,99 (Broschiert)

Vollendet (Neal Shusterman)

Der 16-jährige Connor hat ständig Ärger. Risa lebt in einem überfüllten Waisenhaus. Lev ist das wohlbehütete Kind strenggläubiger Eltern. So unterschiedlich die drei auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind auf der Flucht. Vor einem Staat, in dem Eltern ihre Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren umwandeln lassen können. Die Umwandlung ist schmerzfrei. Jeder Teil des Körpers lebt als Organspende in einem anderen Organismus weiter. Aber wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem … lebst du dann, oder bist du tot?

Diesem Buch bin ich verhalten begegnet. Im Zusammenhang damit hatte ich zuvor mal den Begriff “Organspende” gehört. Ich befürchtete also entweder eine Geschichte contra Organspende, oder aber eine wissenschaftliche und damit öde Abhandlung.
Dieses Thema ist allerdings nur insofern Dreh- und Angelpunkt, dass Neal Shusterman aufzeigt, welche Folgen es haben könnte, wenn sich die Menschen heute vermehrt gegen die Organspende stellen würden. Dass dann nämlich die Medizin in einer (gar nicht so) fernen Zukunft soweit sein könnte, dass Menschen zwangsweise zerlegt werden könnten. Beispielsweise straf- oder sonstwie auffällige Jugendliche, oder solche, die in einem Waisenhaus oder Ähnlichem dem Staat finanziell zu sehr zur Last fallen. Vielleicht aber auch Jugendliche, deren religiös fanatische Eltern sie aus ihrem verschrobenen Glauben heraus freiwillig opfern.
Ob das nun realistisch ist, das kann ich nicht sagen. Ich glaube an den medizinischem Fortschritt und ebenso an die Kaltschnäuzigkeit eines Staates. Von daher müsste ich sagen, dass es durchaus vorstellbar ist. Aber der Vorgang an sich, wie er hier einmal beschrieben wird, ist mir doch widerum zu unvorstellbar. Ich bin aber kein Mediziner, deshalb: keine Ahnung, ob es realistisch ist. Aber es ist zumindest bedenklich, dass man es überhaupt in Erwägung zieht, oder? Eine interessante Idee von Neal Shusterman also, die ich -zugegeben- irgendwo auch cool finde. Ich habe die Schilderung der Umwandlung völlig fasziniert gelesen.
Ein wie oben beschriebenes Trio jedenfalls ist in dieser Geschichte also auf der Flucht vor ihrer zwangsweisen Umwandlung. Und hatte mich im Nu gepackt! Denn diese Flucht ist gleich in verschiedener Hinsicht spannend.
Natürlich, weil man sich imm fragt, ob sie ihrem Schicksal entkommen können, ob sie überhaupt eine Chance haben. Denn auch in Momenten, in denen sie sicher zu sein scheinen, liegt immer ein starker Zweifel an dieser Sicherheit und eine gewisse Bedrohung  in der Luft. So kann man sich einfach nie gewiss sein.
Ich fand es aber ebenso spannend zu verfolgen, wie die drei Jugendlichen sich entwickeln. Vor allem der gut behütete Levi, dem sein Leben lang von seinen religiös fanatischen Eltern eingetrichtert wurde, es sei eine große Ehre als Zehntopfer (jeweils das 10. Kind einer Familie) die Wandlung mit sich vollziehen zu lassen. Erstaunlich, welche Veränderung er durchlebt. Aber auch Connors und Risas Entwicklung ist interessant zu verfolgen, nur aus anderen Gründen. Nachvollziehbar sind sie aber alle!
Ein großes Lob bzw einen speziellen Dank dafür, dass “Vollendet” nicht in einer zurück ins Mittelalter gefallenen Gesellschaft und Welt spielt. Die Welt hier wirkt dagegen genauso wie wir unsere gerade erleben.  Was andererseits natürlich durchblicken lässt, dass der Weg hin zu dem Vorgang der Wandlung womöglich gar nicht mehr so lang ist. Das ist so wirklich clever gemacht!

“Vollendet” liest sich sehr leicht und zügig. Dafür sorgen neben der spannenden Handlung eine einfache Sprache, kurze Sätze und tatsächlich ab und zu sogar Dialoge und Schilderungen mit einer gewissen Komik. Das unterstreicht das ohnehin hohe Tempo der Handlung noch mal zusätzlich. Und zumindest mein Lesetempo hat dadurch ebenfalls gut zugelegt.

Der schlichte Stil des Covers gefällt mir gut. So ist das Buch im Ladenregal sofort ein echter Hingucker. Über die Geschichte sagt es allerdings überhaupt nichts aus. Mit gutem Willen kann ich in dem eisig grauen Hintergrumd höchstens noch eine gewisse Bedrohlichkeit erkennen, mehr aber nicht. Aber Aufmerksamkeit erregt es in jedem Fall!

Fazit: Eine sehr spannende und interessante Geschichte, die mich in Atem gehalten hat. Doch “Vollendet” ist  nicht nur unterhaltsam, sondern regt auch zum Nachdenken an. Sollte es Organspende-Gegnern in die Hände geraten vielleicht sogar zum Umdenken. So abwegig ist das geschilderte Szenario nämlich nicht, auch wenn es einem beim Lesen vielleicht noch so scheint. Ein sehr empfehlenswertes Buch auf jeden Fall!

Vielen Dank an den Sauerländer Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Vollendet
Autor: Neal Shusterman
Seiten: 432
Verlag: Sauerländer Verlag
ISBN: 978-3411809929
Preis: € 16,99 (HC)

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