Schauergeschichte

Gruselkabinett (74) – Die Macht der Dunkelheit

Titel: Gruselkabinett (74) – Die Macht der Dunkelheit / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 65 min / Sprecher: Brigitte Kollecker-Frank, Wolfgang Rüter, Julia Stoepel, Rolf Berg, Beatrice Richter ua

gk74Inhalt: Brenzett, ein Örtchen in der Grafschaft Kent im Jahr 1924: In einer etwas abseits gelegenen Kirche im Marschland befinden sich die prunkvollen Grabstellen zweier grausamer und bösartiger Ritter. Die Einheimischen fürchten die mit lebensgroßen Marmorstatuen versehenen Sarkophage und meiden das kleine Gotteshaus. Dies weckt die Neugier eines frisch aus London in die Gegend gezogenen Paars. Sie ahnen nicht, dass sie mit dem Feuer spielen.


Es war mal wieder Zeit für eine Runde “Gruselkabinett”, zumal mich bei den beiden zuletzt erschienenen Folgen immerhin eine wirklich begeistert hat. Bei den beiden nun erschienenen Folgen sieht es genauso aus: eine toll, eine eher schwach. “Die Macht der Dunkelheit” ist dabei für mich die schwächere Folge. Zum einen lässt sich sich sehr gemächlich an. Mir hat es zwar gefallen, wie die Gegend und das Haus beschrieben werden, in die  Laura und Jack ziehen, doch alleine die Beschreibung der Kapelle mit den steinernen Rittern drin, hat mir keine Gänsehaut beschert. Bis dahin hatte ich aber noch nicht aufgegeben. Und ich hatte wieder Hoffnung als Laura ihre selbstgeschriebene Gruselgeschichte vorliest. So kommt quasi eine Geschichte in der Geschichte. Lauras Geschichte fand ich dann schon eine Spur schauerlicher. Damit war ich erstens ein wenig versöhnt mit der Folge, und zweitens erweckte diese Geschichte in der Geschichte den Eindruck, dass die beiden Handlungen in Zusammenhang stehen. Auf diese Verquickung war ich gespannt. Leider habe ich umsonst darauf gewartet, denn es besteht schlicht gar kein Zusammenhang. Aber ohne diese einegbundene Geschichte wäre die Handlung der eigentlichen Erzählung wohl etwas knapp ausgefallen. Vielleicht war ja auch bewusst geplant, den Hörer auf eine falsche Fährte zu locken? Wer weiß das bei einer solch klassischen Geschichte schon. Ich jedenfalls war ernüchtert als ich feststellte, dass beide Erzählungen nicht mit einander zu tun haben. Ein Lob bekommt das Ende, denn das hatte ich so auf gar keinen Fall erwartet. Da dachte ich wirklich, der CD-Player hätte sich von alleine abgeschaltet, weil ich nicht glauben konnte, dass das das Ende sein soll. Das hat mir so gefallen!

Brigitte Kollecker-Frank habe ich die muntere und unternehmungslustige Laura sofort abgenommen. Und Wolfgang Rüter hat mir Lauras Mann Jack im Nu sympathisch gemacht. Vor allem, weil man bei jedem Satz heraushört, wie sehr er seine Frau liebt. Allerdings waren Jack und Laura in meiner Vorstellung etwas jünger als ihre Sprecher sie klingen lassen. Beatrice Richter gibt eine liebenswerte Mrs. Dorman, die aus Angst das Haus von Laura und Jack verlässt. Solche Figuren mag ich an solch “alten” Geschichte immer gern. Und so muss eine Haushälterin für mich klingen.

Die Untermalung hat mir hier prima gefallen. Zwar wie gewohnt recht dezent, aber äußerst wirkungsvoll. Ich denke, es ist in erster Linie diesen schauerlichen Stücken zu verdanken, dass wenigstens in einigen Szenen bei mir sowas wie Gruselstimmung aufkam. Speziell die Szene im Wachsfigurenkabinett hat mir in dieser Hinsicht gefallen. Die Geräusche sind wie üblich vom Feinsten, so dass man sich vom Geschehen leicht ein Bild machen kann.

Zumindest das Covermotiv trägt der “Dunkelheit” aus dem Titel Rechnung. Ansonsten wüsste ich nämlich nicht, inwiefern sie in der Geschichte eine besondere Rolle spielt. Schön finster ist das Motiv also schon mal. Und solche Steinsärge sind für eine Gruselgeschichte auch schöne Elemente.

Fazit:  Es gab einzelne Momente mit Schauereffekt und das Ende ist prima, aber im Verhältnis zum Rest war mir das zu wenig. Die Geschichte in der Geschichte ergab für mich keinen Sinn. Und da sie einen Großteil der Folge einnimmt, überwiegt das für mich leider die wenigen positiven Elemente. Außerdem kommt nur sehr langsam Spannung und etwas Schwung auf.

Anna und die flüsternden Stimmen (Sabine Städing)

Zusammen mit ihrer Familie muss die 15-jährige Anna ausgerechnet in einem Kaff namens Qual Urlaub machen. Wenn der Name mal nicht Programm ist – Doch dann lernt sie den süßen Tjark kennen und da ist Herzklopfen angesagt! Aber auch sonst sind die Ferien alles andere als langweilig: Anna wird nachts von flüsternden Stimmen geweckt und im Gewitter begegnet ihr ein unheimlicher alter Mann, der urplötzlich wieder verschwindet. Kann es sein, dass es in Qual spukt? Tjark erzählt Anna, dass sich merkwürdige Geschichten rund um das Gelände neben dem Ferienhaus ranken, auf dem früher eine Lungenheilanstalt untergebracht war. Ein Arzt namens Hasselreuther hat dort Kinder behandelt, die an Tuberkulose erkrankt waren, und wird seitdem im Ort geradezu verehrt. Doch dann entdeckt Anna, dass es eben jener Dr. Hasselreuther war, der ihr im Gewitter begegnet ist! Anna stellt Nachforschungen an und findet Erstaunliches über den Arzt heraus. Doch je näher sie der Wahrheit kommt, desto stärker gerät sie in den Sog eines uralten Fluchs.

Nachdem ich “Magnolia Steel” von Sabine Städing so toll fand, war ich sehr gespannt auf diesen neuen Roman von ihr.
Während “Magnolia Steel” mehr eine Fantasygeschichte war, verbirgt sich zwischen den Deckeln von “Anna und die flüsternden Stimmen” eine romantisch angehauchte Schauergeschichte.
Auch dieses Buch hat es mir wieder sehr leicht gemacht, mich einzufinden. Anna mit ihrer frechen Klappe hatte mir sofort gefallen, und auch ihre Familie mitsamt dem nervigen kleinen Bruder war mir soforty sympathisch. Und ich konnte Anna mit ihren Vorbehalten gegenüber den Ferien in Qual nur zu gut verstehen. An ihrer Stelle wäre ich auch sauer gewesen.
Doch kaum hat Anna sich deshalb beim Leser ausgeschimpft, nimmt die eigentliche Geschichte Anlauf. Zunächst in Gestalt des gutaussehenden Tjark, der Anna ihren Urlaub gleich etwas entspannter sehen lässt. Nach und nach entspinnt sich zwischen ihnen eine wirklich schöne Liebesgeschichte, die aus verschiedenen Gründen niemals im Kitsch versinkt.
Zunächst einmal sind da natürlich die unheimlichen Ereignisse, die Anna schon in der ersten Nacht widerfahren und die bald ungeahnt weitreichende Folgen nach sich ziehen. Dazu muss man schon sagen, dass “Anna und die flüsternden Stimmen” durchaus seine schaurigen bis wirklich gruseligen Szenen hat. Speziell Friedhofsgeist Goedeke Hein hat mir die eine oder andere Gänsehaut beschert. Aber auch andere Elemente steuern ihren schaurigen Teil zur Geschichte bei. Welchen besserne Ort könnte man sich für eine Gruselgeschichte vorstellen als ein altes, verfallenes Klinikgebäude? Wo wäre eine Seance noch stimmungsvoller als nachts in einem Moor? Es gelingt Sabine Städing wirklich ausgezeichnet, die jeweile Atmosphäre heraufzubeschwören, so dass man sofort von diesen Szenen gefangen genommen wird.
Mir hat aber auch allgemein die Atmosphäre von “Anna und die flüsternden Stimmen” prima gefallen. Auch wenn es “nur” die Ostsee ist, an der Anna ihren Urlaub verbringt, die anschaulichen Schilderungen beschwören sofort eine Szenerie mit rauher See herauf. Vielleicht gelingt es dem Buch ja so, junge Leser für einen vermeintlich langweiligen Ostsee-Urlaub zu begeistern 😉
Spannend genug dafür ist es auf jeden Fall und ich habe mich bei manchen Szenen ehrlich gefragt, ob ich in dem Moment so tapfer gewesen wäre wie die beiden, oder ob ich Qual nicht schleunigst verlassen hätte. Zunächst beschränkt sich die Spannung auf die Handlung im Hier und Jetzt, auf Annas und Tjarks Nachforschungen. Doch bald schon führen diese Nachforschungen sie in die Vergangenheit, in die Zeit, als die Klinik noch als solche genutzt wurde. Und so wird es auch in der Vergangenheit spannend, denn natürlich möchte man wissen, was sich damals dort zugetragen hat. Obwohl ich sonst kein Fan von Geschichten bin, die so weit zurück in der Vergangenheit spielen, so hat mir diese Mischung hier prima gefallen.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass “Anna und die flüsternden Stimmen” auch immer mal wieder sehr witzig ist. Anna hat -wie gesagt- eine ziemlich große Klappe, und auch über die Streitereien zwischen ihr und ihren Bruder Joschi habe ich manches Mal herzlich gelacht.

Da Anna selbst die Geschichte erzählt, liest sich das Buch jugendlich locker und zügig weg. Mir hat dieses Teenager-Ton gefallen, der typisch für diese Altergsgruppe ist, und damit wohl auch für die Mehrheit der Leser. Sie werden sich in vielen Aussagen und manchen Sprüchen sicher wiederfinden und so Spass beim Lesen haben und sich in Anna hineinversetzen können. Eine durchweg gleichmäßige und angenehme Kapitellänge lädt zum “häppchenweisen” Lesen ein.

Das Cover mit diesem Blau, den Lichtspielereien und den feinen Ornamenten im Hintergrund gefällt mir ebenfalls. Es hat etwas sehr Märchenhaftes und verspricht eine spannende und phantasievolle Geschichte.

Fazit:  Mir hat “Anna und die flüsternden Stimmen” sehr gefallen. Eine spannende, schaurig-romantische Geschichte mit einer dichten und wunderschönen Atmosphäre, die mich von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen hat. Meine Empfehlung für junge Leserinnen, die solche Geschichten mögen!

Vielen Dank an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Anna und die flüsternden Stimmen
Autor: Sabine Städing
Seiten: 253
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3414821140
Preis: € 12,99 (HC)

Bellford House

Titel: Bellford House / Verlag: Eigenproduktion Christian Chambers / Spielzeit: ca. 55 min / Sprecher: Klaus Peter Lefmann, Judith Rieping, Christopher Chambers, Jutta Lefmann, Stefanie Schwarz u.a.

InhaltIn den alten Gemäuern von Bellford House soll Shelly mit ihrer Mutter den Sommer verbringen. Doch dort lernt sie das Fürchten. Auf Photos, die sie gemacht hat, sind Dinge zu sehen, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Das Mädchen ist schon lange tot, das Fenster an dem sie steht seit Jahren zugemauert.Shelly findet in Nathan ihren einzigen Verbündeten, während sich die Details auf den Polaroids langsam zu einem Puzzle zusammenfügen… einem Puzzle tödlicher Gefahr.


Zum 1. Teil von “Bellford House”: *klick*

Dass man auf youtube auch Hörspiele findet, ist nichts Neues. Allerdings meist Mitschnitte normaler Hörspiele von CD oder MC. Aber man findet dort auch “Bellford House”, ein ganz eigenständiges Amateuer-Hörspiel, das man sich dort anhören kann. Und ich kann “Bellford House” nur wärmstens empfehlen. Eine sehr schöne, spannende Grusel-Geschichte im klassischen Stil. Unheimliche Vorkommnisse in einem düsteren Herrenhaus, ein junges Mädchen, das diesen Ereignissen gemeinsam mit ihrem Freund nachgeht, eine tragische Geschichte, die sich vor vielen Jahren ereignete…ja, sicher sind solche Storys schon hundertfach dagewesen, aber ihr Flair haben sie -wenn sie gut gemacht sind- nie verloren. “Bellford House” ist gut gemacht und weiß deshalb zu gefallen. Es macht Spass, mit Shelly und Nathan Nachforschungen anzustellen und sich bei den unheimlichen Szenen wohlig zu gruseln.

Bei einem solchen Amateur-Hörspiel darf man natürlich keine professionellen Sprecher erwarten. Aber halt, nicht gleich weggelaufen! Denn auch was die Sprecher anbetrifft, hat mich “Bellford House” überaus positiv überrascht. Denn sie alle machen ihren Job bemerkenswert gut, dafür dass sie keine Könner sind. Nur ganz selten verrutscht mal die Betonung oder ein Satz klingt mal etwas gestelzt, aber diese Momente muss man wirklich suchen. Ansonsten macht diese Sprechertruppe ihre Sache besser als manch andere Sprecher, deren Hörspiele es bereits auf CD geschafft haben.

Die Musik hält sich in “Bellford House” überwiegend im Hintergrund. Es sind leise, etwas düstere Stücke zu hören, die die Atmosphäre der jeweiligen Szenen betonen. Eine schöne, dezente Untermalung, die der Geschichte sehr gut steht. Die Geräusche klingen sorgfältig ausgewählt und sind gut eingesetzt. Auch hier man man gute Arbeit geleistet.

Die Grafik oben ist natürlich kein Cover im eigentlichen Sinne, sondern die Grafik, die in die Videos auf youtube eingefügt wurde. Trotz: ist es nicht schön? Dieses unheimliche düstere Haus vor dem mondhellen Himmel, die neblige Landschaft und das schiefe Gitter?

Fazit:  Unbedingt anhören! Wer solche Schauergeschichten mag, der darf sich “Bellford House” nicht entgehen lassen. Ein schönes, unheimliches Hörspiel mit klassischer Story, unüberhörbar sorgfältig und mit Liebe zur Sache produziert.

 

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