Sebastian Fitzek

AchtNacht ( Sebastian Fitzek)

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten – und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
Und Ihr Name wurde gezogen!

Wer mich ein bisschen kennt, der weiß, dass ich totaler Fitzek-Fan bin. Er gehört zu den wenigen Autoren, von denen ich fast (dieses Kinderbuch kommt mir nicht ins Haus!) alles lese und dessen Bücher ich monate vorab bestelle und meist auch in einem Rutsch lese.
Bei “AchtNacht” hat es mich außerdem gefreut, dass es bei Knaur erschienen ist. Ich habe nie verstanden, was das Lübbe-Intermezzo sollte, und die dort erschienen Bücher passten auch nicht ganz in mein Beuteschema.
Entsprechernd habe ich auf “AchtNacht” hingefiebert wie wild. Zumal es vom Klappentext her genau mein Fall zu sein schien. Das war es dann zum Glück auch. Da kann man mich nun für verrückt oder meinetwegen auch krank halten, ich liebe die Idee dieser Todeslotterie. Und es hat mir riesigen Spass gemacht, zu verfolgen, was sich daraus alles entwickelt. Ja, ich stehe auf solch kranke Ideen! Hat schließlich nicht jeder schnell jemanden im Kopf, von dem er meint, dass sich die Welt auch ohne diese Person gut weiterdrehen würde? Darüber kann man dann beim Lesen nochmal gründlich nachdenken. Denn ich halte es nicht nur für möglich, dass einer verrückten Person sowas einfallen könnte, sondern auch für äußerst wahrscheinlich, dass ein solches Spiel solche Folgen haben würde. Ich traue es der Spezies Mensch zweifellos zu. Und was sich hier ereignet ist durchaus erschreckend. Gerade, weil es so glaubhaft wirkt.Da kommt man dann eben doch nochmal ins Grübeln.
Spannend ist die Geschichte ebenfalls, meistens jedenfalls. Ich war schon neugierig, ob Ben es schaffen würde, seinem Schicksal zu entkommen. Ob er aufdecken würde, wer eigentlich warum auf die Idee dieser Lotterie gekommen ist. Ob er seine Tochter retten würde. Welche Rolle Arezu eigentlich spielt. Und wie all die anderen größeren und kleineren Begebenheiten letztlich zusammenhängen würden. Der Weg zu all diesen Antworten ist rasant, meistens jedenfalls.
Nun fragt sich vielleicht der eine oder andere, wie es zu dieser Einschränkung “meistens” in den Punkten Spannung und Tempo kommt.  Das ist ganz einfach zu erklären. Für mich hatte die Story einfach auch einige Längen, zu ausführliche Szenen und vor allem auch Sequenzen, bei denen ich beim besten Willen nicht verstanden habe, wieso sie sein mussten. So eine wahnsinnige Bedeutung haben sie später nämlich wirklich nicht. Überhaupt hatte ich im Ganzen das Gefühl, dass die Story sich etwas zog. Ich bin mir sicher, das wäre hier und da auch kürzer gegangen, ohne dass einem etwas gefehlt hätte. Da bleiben Spannung und Tempo halt schnell mal auf der Strecke.
Das Ende bzw die Auflösung von “AchtNacht” fiel mir dann obendrein auch noch zu wenig clever und gewandt aus. Das kenne ich von anderen Fitzek-Thrillern anders und auch besser. Sie kommt zwar überraschend, ist auch erschreckend und lässt einen nochmal ins Grübeln über gewisse eigene Verhaltensweisen kommen, aber irgendwie hat mir dieser besondere Dreh, das gewisse Etwas gefehlt.
Was meinen allgemeinen Eindruck vom “AchtNacht” verstärkt hat. Nämlich, dass es wie mit der heißen Nadel gestrickt wird.

Vom Schreibstil her unterscheidet es sich nicht von seinen “Kollegen”. Sebastian Fitzeks Art zu schreiben, fesselt mich immer innerhalb von Sekunden und auch hier hat das -bis auf besagte Längen- wieder einwandfrei funktioniert. Die meisten Seiten flogen nur so dahin und die Kapitel sind meist so knackig kurz, dass man einfach jedes Mal denkt: ach, eines noch! Und dann ist man plötzlich schon am Ende angekommen.

Das Cover gefällt mir ebenfalls. Es ist ein Hingucker mit dem Schwarz und dem kräftigen Rot. Man fragt sich sofort, was es mit der Acht auf sich hat, die ja auch im Titel vorkommt. Auch die Innenseiten der Broschur sind düster und schwarz-rot gestaltet und machen erst recht neugierig auf die Story.

Fazit:  Diese Todeslotterie war absolut nach meinem Geschmack, sowas (mancher mah vielleicht sagen “Krankes”) liebe ich. Zu weiten Teilen fand ich “AchtNacht” auch spannend und atemlos rasant, aber es hatte auch seine Längen. Und das kenne ich von Fitzek-Thrillern bislang gar nicht. Für mich gab es einiges, was man getrost hätte weglassen können. Ncht weil ich es zu grausig fand, sondern weil es der Geschichte im Weiteren kaum bis gar nicht gedient hat. Und insgesamt wirkte die Geschichte auf mich aus wie mit der heißen Nadel gestrickt, zu wenig ausgefeilt.  Als hätte jemand gesagt, man brauch Füllstoff zum nächsten Buch und in Sebastian Fitzeks Schublade habe eben noch “AchtNacht” gelegen.


Titel:  AchtNacht
Autor: Sebastian Fitzek
Seiten:  416
Verlag: Droemer Verlag
ISBN: 978-3426521083
Preis:  € 12,99 (Broschiert)

Die Blutschule (Max Rhode / David Nathan)

Titel: Die Blutschule / Verlag: Lübbe Audio / Spielzeit: ca. 266 min / Buch: Max Rhode / gelesen von: David Nathan

blutschuleInhalt: Die Teenager Simon und Mark können sich keinen größeren Horror vorstellen, als aus der Metropole Berlin in die Einöde Brandenburgs zu ziehen. Das Einzige, worauf sie sich freuen, sind sechs Wochen Sommerferien, doch auch hier macht ihnen ihr Vater einen Strich durch die Rechnung. Er nimmt sie mit auf einen Ausflug zu einer ganz besonderen Schule. Gelegen mitten im Wald auf einer einsamen Insel. Mit einem grausamen Lehrplan, nach dem sonst nur in der Hölle unterrichtet wird.


An mir ist es erstmal lange Zeit vorbeigegangen, dass sich hinter Max Rhode Sebastian Fitzek verbirgt. Als ich es dann endlich erfuhr, gab es natürlich kein Halten mehr. Das Hörbuch musste her, ebenso das Buch. Für das Hörbuch wurde die Geschichte gekürzt. Ich habe das Buch vor dem Hörbuch gelesen und kann daher sagen, dass mir beim Hörbuch nichts an Informationen oder Szenen gefehlt hat. Es ist trotz Kürzungen alles da, was man braucht um die Handlung zu verstehen. Und auch alles um sich in die Lage der Hauptfiguren hineinzuversetzen.
Allerdings ist auch so sparsam gekürzt worden, dass mir der Auftakt auch beim Hörbuch zu lange gedauert hat. Natürlich lebt der spätere Schrecken der Geschichte zum Gutteil davon, dass man zunächst eine ganz normale und recht harmonische Familie antrifft, in der später das Grauen Einzug hält. Aber für mich hätte man diesen “Einführung” ein ganzes Ende kürzer halten dürfen. Ich hätte mir trotzdem ein Bild von der Familie machen und mich später gruseln können.
Die Wandlung in der Familie ist Folge eines Ereignisses, dass einen übersinnlichen Einschlag hat. Die Idee ist nicht so neu, aber anschaulich genug beschrieben, dass man schaudern kann.
Das Geschehen anschließend zieht seinen Schrecken in erster Linie aus der Herzlosigkeit des Vaters und der Brutalität seiner “Lehrmethoden”. Damit muss man klarkommen um “Die Blutschule” mögen zu können. Für mich ist es wie jedes Buch einfach eine Geschichte, daher komme ich damit gut zurecht. Ich mag sowas sogar ganz gerne.

David Nathan ist einmal mehr eine erstklassige Wahl als Erzähler einer Geschichte von Sebastian Fitzek bzw Max Rhode. Mit seiner markanten Stimme zieht er einen sofort in den Bann der Story. Und er versteht es hervorragend, die jeweiligen Stimmungen während des Geschehens an den Hörer zu bringen. So klingt er oft unheilvoll und düster, was der Geschichte sehr gut steht.

Wie bei Lübbe so oft stecken die 4 CDs in einem Digipack. Ich bin da immer noch kein Fan von. Wenn ich die CDs über die Pappe in die Tasche schiebe, sträubt sich mir alles. Das Covermotiv passt gut zur Geschichte. Ein Schultisch, ein alter Stuhl, so könnte es in dem Klassenzimmer von Simon und Mark tatsächlich aussehen.

Fazit:  Sebastian Fitzek versteht sich unverkennbar auch auf Geschichten mit leicht übersinnlichem Einschlag. Ab der Hälfte ist “Die Blutschule” wirklich schaurig und sehr spannend. Der Vorlauf davor ist mir zu lang ausgefallen. Uninteressant ist es zwar nicht, aber kürzer hätte es gern sein dürfen.

Das Joshua-Profil (Sebastian Fitzek)

Das Joshua-Profil (Sebastian Fitzek)Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen. Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß … im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist.

Kaum wird ein neuer Thriller von Fitzek angekündigt, wird er auch schon vorbestellt. Auf den Wunschzettel wandert eines seiner Bücher bei mir gar nicht erst, genauso wenig wie auf den SUB.
Entsprechend habe ich “Das Joshua-Profil” auch sofort gelesen, kaum dass es eingetroffen war.
Wie üblich hatte mich die Geschichte sofort am Haken. Ich fand Max Rhode auf Anhieb sympathisch und auch Jola gefiel mir prima. Dabei habe ich es meistens nicht so mit Kinderfiguren in Büchern für Erwachsene.
Schon der Auftakt zur Geschichte gibt Rätsel auf und weiß mit gewissen Schilderungen auch ein wenig zu gruseln. Doch so richtig interesMir habensant und spannend wurde es für mich erst mit der Eröffnung, der sich Max zwei Monate später gegenübersieht und auseinandersetzen muss.
Ich konnte seine Verzweiflung gut nachvollziehen, seine Reaktion dagegen eher weniger. Trotzdem sehe ich ein, dass sie so ausfallen musste, damit die Gechichte so weitergehen konnte wie sie es dann auch tut. Ab diesem Punkt legt sie noch mal ordentlich an Tempo und Spannung zu. Ich habe die ganze Zeit gerätselt, was da vor sich geht. Jeder neuen schrecklichen Wnedung stand ich genauso entsetzt und hilflos gegenüber wie Max. So kam es, dass ich das Buch fast in einem Rutsch gelesen habe.
Ein wenig Angst hatte ich aber auch. Ich bin jemand, der nicht so gut damit klarkommt, wenn zu viele Charaktere mitspielen, die Handlung an verschiedenen Orten spielt und es viele Ereignisse gibt, die wichtig sein könnten. Da komme ich leicht durcheinander und / oder vergesse etwas. Auf “Das Joshua-Profil” trifft gleich alles zu, daher war ich beunruhigt. Ich hätte es allerdings besser wissen müssen. Sebastian Fitzek gelingt es selbst bei einer solch komplexen Geschichte, dem Leser ein übersichtliches und klares Bild vom Geschehen zu vermitteln. Es war gar kein Problem, den Überblick zu behalten.
Die beiden wichtigsten Perspektiven waren für mich die von Max und die von Jola.
Die von Max, weil es hier niemals langweilig wird und immer etwas los ist, es immer wieder neue Wendungen gibt. Immer wieder prasseln neue, verwirrende Ereignisse auf ihn ein. Bei manchen habe ich mich wirklich gefragt, ob mit Max etwas nicht stimmt. Bildet er sich manches vielleicht zu ein? Wie sollte man es sonst erklären können? Und dann die Frage nach Joshua. Was es mit dem Joshau-Profil auf sich haben könnte. Was habe ich gegrübelt! Und ja, des Rätsels Lösung hat mir gefallen. Ihr liegt ein ernstes und aktuelles Thema zugrunde und regt zum Nachdenken über gewisse Vorgänge in unseren Leben an.
Jolas Perspektive ist aus ganz realen Gründen spannend. Was das Mädchen da erlebt, das ist schlichtweg der Hammer. Nicht nur für eine Zwölfjährige. Ich habe so mit ihr gebangt und gehofft und sie die ganze Zeit für ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen bewundert. Und natürlich habe ich versucht, ihre Erlebnisse in Zusammenhang zu bringen mit Max’ Erlebnissen.
Ich war mir bis zum Ende nicht sicher, ob ich mit meinen Vermutungen richtig lag und so blieb die Spannung bis zum Schluss erhalten. Und obwohl ich anfangs so meine Zweifel hatte, ob es Sebastian Fitzek gelingen würde, alle Charaktere, alle Ereignisse und alle Wendungen glaubhaft zusammenlaufen zu lassen, hat es mich nicht sonderlich überrascht, dass es ihm eben doch gelingt. Ich sollte meinen Lieblingsautoren vielleicht noch mehr vertrauen als ohnehin schon 😉
Ein kleines ABER folgt nun ab doch. Mir haben “Das Joshua-Profil” und “Noah” wirklich sehr gut gefallen, doch würde ich als nächstes gerne wieder einen Psychothriller von Sebastian Fitzek lesen. Ich brauche es bei Thrillern nicht so dringend, dass sie eine Botschaft haben und / oder ihnen ein aktuelles Thema zugrunde liegt. Das bereitet mir weit weniger Vergnügen als ein psychologisches Verwirrspiel, das einen in die Abgründe des menschlichen Verstands führt.

Ich kann es nicht genau erklären, woran es liegt, dass sich Sebastian Fitzeks Bücher für mich so leicht lesen lassen. Er schreibt gleichzeitig locker und doch auch ernsthaft, das reißt mich jedes Mal aufs Neue einfach so mit. Und ich liebe es, weil es beweist, dass auch ein solche Schreibstil für Spannung und Dramatik sorgen kann. Obendrein enden die Kapitel meist mit einem so fiesen Cliffhanger, dass man einfach weiterlesen muss. Die wechselnden Schauplätze tragen ein Übriges dazu bei, dass es nie langweilig wird und stets Tempo in der Handlung steckt.

Das Covermotiv gibt Rätsel auf. Was hat es mit den Händen und den Fäden genau auf sich? Um welche Fäden in wessen Händen mag es in der Geschichte gehen. So weckt ein Buch im Regal die Neugier des Betrachters. Außerdem mag ich einfach das Dunkle. Schwarz ist für mich einfach die Farbe für einen Thriller.

Fazit:  Einmal mehr ein vom Anfang bis zum Ende spannender und rasanter Thriller von Sebastian Fitzek, bei dem man gut mitknobeln kann und der einen manches Mal an der Nase herumführt. Das macht Spass und führte bei mir dazu, dass ich das Buch beinahe an einem Abend ausgelesen hätte. Aber ich habe mich zusammengerissen, sodass ich es wenigstens zwei Abende lang genießen konnte. Das Thema, das der Story zugrunde liegt ist ernst und sehr aktuell. Das sorgt dafür, dass man spätestens nach dem Zuklappen des Buchs über gewisse Dinge und eigenes Verhalten in bestimmten Situationen nachdenkt.


Titel: Das Joshua-Profil
Autor: Sebastian Fitzek
Seiten: 432
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3785725450
Preis: 19,99 (HC)

[Veranstaltung] Lesung mit Sebastian Fitzek aus “Das Joshua-Profil”

Hui, das habe ich ja mal wieder lange vor mir hergeschoben. Aber jetzt kommen endlich die Artikel zu den drei Lesungen im November.

Den Anfang macht die Lesung mit Sebastian Fitzek aus “Das Joshua-Profil” in der Markuskirche in Hannover.

Obwohl sich verschiedene Vorverkaufsbuchhandlungen redlich Mühe gegeben hatten, mir eine Karte vorzuenthalten, fand sich glücklicherweise doch noch ein Weg. Danke an dieser Stelle an Joachim, der die Karte für mich in Hannover abgeholt mit mir zugeschickt hat!

Ich habe mir am 04.11. einen schönen Nachmittag in Hannovers Innenstadt gemacht und bin dann frühzeitig zur Markuskirche aufgebrochen. Und trotz ordentlich Ellenbogenarbeit anderer Lesungsbesucher klappte es sogar mit einem Platz in der ersten Reihe.

Der Abend war eine typische Fitzek-Lesung und ich kann nur jedem eine seiner Lesungen empfehlen. Wer mit “Lesung” automatisch gähnende Langeweile verbindet, der wird sein blaues Wunder erleben. Im positiven Sinne natürlich!

Selbstverständlich hat Sebastian Fitzek an diesem Abend aus dem “Joshua-Profil” gelesen, aber hauptsächlich hat er erzählt. Von seiner Arbeit, wie er auf die Ideen für seine Bücher kommt, gespickt mit lustigen Anekdoten, sodass es immer wieder auch etwas zum Lachen gab.

 

 

Nach der Lesung hat Sebastian Fitzek natürlich noch Bücher signiert.
Merke: wer bei der Lesung in der ersten Reihe sitzt, steht -wenn der Signiertisch hinter ihm steht- beim Signieren an einer der letzten Positionen in der Schlange…
Nach eineinhalb Stunde Anstehen bekam auch ich dann meine drei mitgebrachten Bücher / Hörbücher signiert.sf10Gegen halb zwölf nachts ging es dann wieder zurück nach Hause.
Wieder einmal ein super unterhaltsamer Abend mit Sebastian Fitzek.
Bei der nächsten Lesung bin ich ganz sicher wieder mit dabei (wenn die Vorverkaufsstellen nicht wieder mucken 😉 )

Passagier 23 (Sebastian Fitzek)

Passagier 23 (Sebastian Fitzek)Martin Schwartz, Polizeipsychologe, hat vor fünf Jahren Frau und Sohn verloren. Es geschah während eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff „Sultan of the Seas“ – niemand konnte ihm sagen, was genau geschah. Martin ist seither ein psychisches Wrack und betäubt sich mit Himmelfahrtskommandos als verdeckter Ermittler.
Mitten in einem Einsatz bekommt er den Anruf einer seltsamen alten Dame, die sich als Thrillerautorin bezeichnet: Er müsse unbedingt an Bord der „Sultan“ kommen, es gebe Beweise dafür, was seiner Familie zugestoßen ist. Nie wieder wollte Martin den Fuß auf ein Schiff setzen – und doch folgt er dem Hinweis und erfährt, dass ein vor Wochen auf der „Sultan“ verschwundenes Mädchen wieder aufgetaucht ist. Mit dem Teddy seines Sohnes im Arm.

Ein neuer Psychothriller von Sebastian Fitzek. Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich dafür tagelang in der Wohnung einschließe, dem Telefon, Handy, Fernseher und Rechner den Stecker ziehe und das Buch nicht eher aus den Händen lege bis es ausgelesen ist. So (oder jedenfalls so ähnlich ;)) war es auch bei “Passagier 23”. Dafür hätte es nicht einmal die wirklich gute und coole Werbung vorab gebraucht. Dadurch wusste ich aber zumindest schon mal, um was es in “Passagier 23” geht, und das hatte mir auf Anhieb gefallen.
Ein Psychothriller, der auf einem Kreuzfahrtschiff spielt, das traf schon alleine deshalb meinen Geschmack, weil damit ein begrenzter Raum und eine begrenzte Anzahl Charaktere einhergehen. Es stimmt, dass ich meist keine Lust habe, mir erst zig Orte und zig Personen zu merken, aber hauptsächlich finde ich einfach, dass auf engem Raum erheblich besser und schneller Spannung aufkommt. Es dauert zwar etwas, ehe es auf das Schiff geht, doch dann traf genau das auch ein. Die Personen hat man schnell zusammen und durch den eingeschränkten Raum habe ich halt auch genau dort nach Erklärungen gesucht. Das hat Spass gemacht und es fiel mir leicht, zu knobeln. Vor allem auch, weil ich ab und zu wirklich dachte, ich bin auf dem richtigen Weg. Das hatte ich bei Sebastian Fitzeks bisherigen Psychothrillern sonst eher selten. Und wer klopft sich nicht gerne mal selber auf die Schulter? Eben!
Natürlich lag ich ncht richtig, was aber bei einem Psychothriller gerne so sein darf. Irgendwo erwarte ich das sogar so. Ich wäre zu Tode enttäuscht, wenn ich bei einem Psychothriller von Sebastian Fitzek auf der Hälfte oder nach drei Vierteln des Buchs schon den Durchblick hätte.
Obwohl ich an einer Stelle einmal dachte “es wird doch nicht etwa?” Ich habe es zu diesem Zeitpunkt nicht geglaubt, es stimmte dann nachher aber doch. Ich hatte jedoch kein “Warum” parat, deshalb hat es der Spannung keinen Abbruch getan.
Abgesehen davon hat mir auch die allgemeine Idee der Geschichte gefallen. Ich wusste bis dahin überhaupt nicht, dass es so viele Menschen gibt, die auf Kreuzfahrtschiffen verschwunden sind. Das ist schon ein schauriger Gedanke. Für mich auf jeden Fall, weil dabei immer auch das Meer eine Rolle spielt, und ich bin halt ein kleiner Wasserangsthase. Ich mag Kreuzfahrten und würde jederzeit einen unternehmen, aber ganz geheuer ist mir so viel Wasser um mich herum und unter mir ganz klar nicht. Deshalb hatte das Szenario in “Passagier 23” durchaus auch einen guten Gruselfaktor.
Ich will nicht spoilern, deshalb sage ich nur, dass sich Sebastian Fitzek wohl auch für dieses Buch die übliche Kritik gefallen lassen muss. Ich stimme damit nicht überein, habe sie aber schon auf verschiedenen Lesungen mit ihm in der Fragerunde gehört und auch in zahlreichen Rezensionen gelesen. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass sie auch an “Passagier 23” wieder geübt werden wird. Wie gesagt, bin ich anderer Meinung, weil die Thematik nicht blutrünstig / unnötig brutal ausgeschlachtet wird, sondern sachlich behandelt. Dass sie von Natur aus erschreckend und widerwärtig ist, das ist nun mal Tatsache. Und ich finde es gut, wenn eine Geschichte darauf aufmerksam macht. Für mich war absolut unvorstellbar, was hier im Endspurt auf die Lösung ans Licht kommt. Dass es sowas gibt, ist Wahnsinn und grauenvoll, fertig. Und ich denke, ich habe sonst eine ganze Menge Phantasie, doch dieses Mal hat es auch die überstiegen. Und ja, mit so etwas kann man mich begeistern.
Warum also ist “Passagier 23” nicht mein Buch des Monats geworden? Ich war selber überrascht, dass ich nicht spontan wusste, das ist es!
Kurz gesagt: “Passagier 23” ist ein toller Thriller, meinem Empfinden nach aber eben kein Psychothriller, wie es auf dem Cover steht. Von einem Psychothriller von Sebastian Fitzek erwarte ich einfach ein Ende bzw eine Auflösung, die sich nicht so geradlinig und sofort nachvollziehbar ergibt. Bei jedem seiner bisherigen Psychothriller habe ich am Ende etwas um die Ecke denken müssen und manchmal auch nach dem Lesen noch überlegt, wie alle genau zusammenhängt. Das war hier nicht der Fall. Das Ende war eine Überraschung, aber ohne diesen…ich nenne es mal “Psycho-Dreh”, den ich an Fitzeks Psychothrillern so gerne mag.

Ich bin mir sicher, sollte Sebastian Fitzek jemals einen 1000-Seiten-Wälzer schreiben, werde ich auch den in kürzester Zeit gelesen haben. Es ist immer wieder beeindruckend, wies es ihm bei einem recht lockeren und unterhaltsamen Schreibstil gelingt, im Nullkommanix eine solche Spannung aufkommen zu lassen. So sind seine Bücher schlichtweg richtig schöne Schmöker. Die Cliffhanger an jedem Kapitelende treiben einen einfach immer weiter und weiter durch das Buch und ehe man es sich versieht, ist man auf der letzten Seite angekommen. So ging es mir mit fast jedem Buch von ihm (es gibt eine Ausnahme) und so ging es mir auch wieder mit “Passagier 23”.

Der Buchumschlag schimmert silbrig wie die Schiffswand, die dargestellt wird. Und durch das Bullauge schaut man auf die unruhige, schwarze See. Aus oben genannten Gründen wirkt gerade das bei mir so richtig gut.  Ich finde aber auch, dass das Buch so neugierig macht. Und auch wenn man den Umschlag entfernt, hat man immer noch ein schönes Buch in Händen, denn der Einband ist passend gestaltet.

Das Rätsel um das Lesezeichen habe ich bis heute -und ich habe das Buch seit vier Wochen ausgelesen- nicht gelöst. Ich bin für jede Hilfe und jeden Tipp sehr, sehr dankbar. Gerne per Mail an leserattz@reziratte.de

Fazit:  Als Thriller hat mir “Passagier 23” super gut gefallen. Schaurige und geheimnisvolle Vorkommnisse, von denen ich bis zu diesem Buch gar nichts wusste, bilden den Aufhänger. Ein eingeschränkter Schauplatz und eine übersichtliche Anzahl Charaktere sorgen im Nu für Spannung und eigene Überlegungen, was auf dem Schiff vor sich gehen könnte, und vorhersehbar ist die Story an keiner Stelle. Ein Psychothriller war es für mich aber nicht. Dafür fehlte mir am Ende der “Hä?-Effekt”, dieses “Moment, darüber muss ich nochmal nachdenken”, das ich an Sebastian Fitzeks Psychothrillern so gerne mag. Beim nächsten Buch wieder, ja?


Titel:  Passagier 23
Autor: Sebastian Fitzek
Seiten:  432
Verlag: Droemer Verlag
ISBN: 978-3426199190
Preis:  € 19,99 (HC)

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