Sekte

Engelmord (Bettina Brömme)

engelmordMelina ist auf der Suche nach ihrem Bruder Heiko, seit drei Jahren ist er verschwunden. Auf dem Hof einer religiösen Sekte findet sie ihn wieder, aber er scheint sie nicht mehr zu erkennen. Dann geschieht ein schrecklicher Mord an einer jungen Frau, der Heiko angelastet wird. Denn die Tote war Heikos geheime Freundin – eine verbotene Liebe innerhalb der Sekte. Melina glaubt an die Unschuld ihres Bruders. Doch jemand aus der Gemeinschaft will mit allen Mitteln verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Ich habe noch einige Rezensionen nachzuholen zu Büchern, die ich bereits 2016 gelesen habe. Also fangen wir direkt mit einem davon an. Im Urlaub letztes Jahr haben mich vor allem die Arena Thriller begleitet, von denen ich noch manchen Band ungelesen stehen habe.
“Engelmord” -das kann ich gleich vorab schon sagen- gehört für mich zu den stärkeren Geschichten aus der Reihe, auch wenn ich auch hier mit gewissen Dingen ein paar Schwierigkeiten hatte. Dazu später.
Alleine dass die Story sich hauptsächlich in der Gemeinschaft einer Sekte abspielt, hat mir auf Anhieb gut gefallen. Das ist einfach mal etwas anderes und einem ganz schön fremd. Und das sorgt dann irgendwie auch dafür, dass die Umstände zB eines Mords anders wirken (können).
Zunächst hat man erstmal genug Gelegenheit, sich mit Melina in der Gemeinschaft ein- und zurechtzufinden. Und schon das Leben und die Lebensweise und Lebensumstände der Gemeinschaft wirken  eher befremdlich. Natürlich, vieles klingt einladend und irgendwie konnte ich ein kleines Stück weit nachvollziehen, was die Menschen dort daran begeistert, doch in erster Linie fand ich es einfach nur schrecklich. Ich habe Melina ehrlich dafür bewundert, wie sie die Sache meistert und damit umgeht. Denn schnell stellt sich heraus, dass diese vemeintlich so ehrenhafte Gemeinschaft allgegenwärtig ist, dass man ihr nicht entkommen kann und dass sie zur Verwirklichung ihres Lebenstraums über Leichen gehen. Zunächst im übetragenen Sinne, später dann auch im buchstäblichen Sinne.
Natürlich eckt Melina häufig an in der Gruppe, was Strafen nach sich zieht. Das sorgt ebenso für Spannung wie auch die Suche nach ihrem Bruder selber und dem Schrecken als sie ihn dann findet. Und natürlich die Frage, ob der Mord tatsächlich auf sein Konto geht.
Die Lage für Meline in der Sekte spitzt sich schnell zu und man hat häufig Gelegenheit, Angst um sie zu haben und an den Fingernägeln zu knabbern, wenn sie eine neuerliche Aktion startet um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, das die Gemeinschaft umgibt. Außerdem habe ich die ganze Zeit gehofft, dass die Mitglieder sie nicht doch auf ihre Seite ziehen.
Das Finale präsentiert sich erstmal höchst dramatisch mit einem Feuer und wartet anschließend mit so mancher Überraschung auf. Einige davon haben mich ehrlich schockiert, weil ich das im Vorfeld nicht habe kommen sehen. Einige waren weniger überraschend, haben mich aber trotzdem wirklich ärgerlich gemacht. So eine heuchlerische Bande aber auch!
Bis hierher klingt das alles ja wirklich prima. Aber eingangs habe ich ja bereits gechrieben, dass ich auch gewisse Probleme mit der Geschichte hatte. Ich konnte nämlich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie sich jemand freiwillig in die Fänge einer Sekte begeben kann. Allgemein nicht, was vermutlich daran liegt, dass mir dieser Grad an Verzweiflung völlig fremd ist (zum Glück!), den es dafür braucht.
Im Falle von Melina aber auch deshalb nicht, weil ihr doch schon nach kurzer Zeit dort klar sein muss, wie man sie dort behandelt, wie man Menschen allgemein dort behandelt. Und dass ihr Bruder sich längst so weit von ihr entfernt hat wie es nur geht! Alleine um ihr eigenes Wohl, hätte ich ihr manches Mal gerne zugerufen, sie solle Bruder Bruder sein lassen und sich dort vom Acker machen. Schließlich ist sie mutig und clever und steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Wie kann so jemand widerum gleichzeitig so dumm sein? Nein, das habe ich nicht verstanden. Und so habe ich mir innerlich alle naselang an die Stirn getippt und mich irgendwie auch geärgert.

Lesen ließ sich “Engelmord” jedenfalls wie nichts. Melina erzählt sehr lebendig, locker und mit einem Funken bösen, teilweise ein wenig bitteren Humor. Die Kapitel sind teilweise etwas länger, was aber gleichzeitig bedeutet, dass man mit jedem Kapitel auch ein gutes Stück in der Geschichte vorankommt.

Für mich passen weiße Cover ja nicht so wirklich zu einem Thriller. Aber dieses Motiv an sich mag ich schon mit dem Flügelanhänger und dem Hintergrund, der einen gefiederten Engelsflügel zeigt. Trotzdem, etwas düsterer hätte es für mich gern sein dürfen.

Fazit:  Ich konnte die ganze Zeit nicht nachvollziehen, wie man sich freiwillig in eine Sekte begibt. Und wie man all das auf sich nimmt für jemanden, der an einem gar kein Interesse mehr zeigt. Da habe ich mich schon manches Mal geärgert. Allerdings fand ich die Geschichte auch sehr spannend und teilweise wirklich schockierend. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, sich solch ein Leben anzutun und sich davon obendrein noch eine Verbesserung seiner Situation zu versprechen? Schlimm, wenn man sich vorstellt, dass es so etwas tatsächlich gibt. Somit kann ich “Engelmord” trotz meines durchgängig leichten Ärgers wirklich empfehlen.


Titel: Engelmord
Autor: Bettina Brömme
Seiten: 280
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401069180
Preis: € 9,99 (Broschiert)

Gespenster-Krimi (09) – Tempel der Dämonen

Titel: Gespenster-Krimi (09) – Tempel der Dämonen / Verlag: Contendo Media, Audinarchie / Spielzeit: ca. 70  min / Sprecher: Jaron Löwenberg, Till Hagen, Bodo Wolf, Uschi Hugo ua

gespkr09Inhalt: Eigentlich sind die Amerikaner Harry Bannister, Helm Trigger und Sue Clayton für eine langweilige Reportage nach Indien gereist. Vor Ort werden sie jedoch schnell mit übernatürlichen Ereignissen konfrontiert, die sie mehr als einmal an ihrem Verstand zweifeln lassen. All das steht scheinbar mit dem geheimnisvollen Sektenführer Bhaktivad Carradesch in Verbindung, der die Mächte der Finsternis heraufbeschwört. Um seine finsteren Pläne zu vereiteln, müssen sich Harry und seine Freunde schrecklichen Ungeheuern stellen.


Dem Klappentext nach hatte ich es schon vermutet und beim Hören hat es sich bestätigt: diese Folge war für mich eine recht schwierige Episode.
Einerseits wird man mit dem ersten Kapitel gleich direkt in das Geschehen und das eigentliche Thema der Story eingeführt und man fühlt sich auch direkt hineinversetzt in den indischen Schauplatz. Und es dauert auch gar nicht lange, bis sich de rnächste dramatische Vorfall ereignet. Und der nächste. Und der nächste. Und der nächste. Zeit zum Durchatmen lässt einem diese Story wahrlich nicht. Es ist immer etwas los, es geht immer spannend zu, man kann immer um mindestens eine Figur bangen und sich bei mancher Szene durchaus gruseln. Ich sage da nur: Spinnen!
Außerdem fährt die Geschichte gleich mindestens ein halbes Dutzend klassischer, trashiger Gruselromanelemente auf. Kenner und Liebhaber dieses Genres kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten.
Der Schauplatz ist tadellos in Szene gesetzt und wirkt wunderbar exotisch. Die indischen Bräuche und Rituale fügen sich da prima ein und wirken auf den Hörer angemessen exotisch.
Andererseits hatte ich durch die Masse an Ereignissen und Gestalten dann und wann das Gefühl, dass die Story den roten Faden aus den Augen verliert. So richtig geradlinig und sinnig kam sie mir dann nicht vor. Somit habe ich sie noch mehrmals gehört. Ich höre alle Hörbücher und Hörspiele mehrmals, die ich hier bespreche. Aber fast nie aus dem Grund, dass ich beim ersten Mal nicht wenigstens im Wesentlichen mitgekommen bin. Genau das war hier der Fall, und das mag ich einfach nicht. Ich möchte nach dem ersten Hören keinen wirren Eindruck von einem Hörspiel haben, und das hatte ich hier.
Erschwerend kam dabei hinzu, dass ich bei den ganzen indischen Namen keinen Überblick hatte, auch nicht nach dem soundsovielten Hören. Deutsche Namen, klar, englische, okay, alles andere bleibt bei mir einfach nicht hängen. Und zuletzt und ganz persönlich: mit Indien habe ich es genauso wenig wie mit solchen Tempel- und Dämonengeschichten.

Dass es einen Erzähler gibt, nämlich Hartmut Neugebauer, der obendrein noch die richtige Stimme für ein Gruselhörspiel hat, habe ich in diesem Falle sehr begrüßt. Sonst wäre ich wohl überhaupt nicht mitgekommen. Jaron Löwenberg und Michael-Che Koch ergeben ein prima Duo und ergänzen sich perfekt. Nina Goldberg blieb für mich dagegen etwas blass so im direkten Vergleich. Erwähnenswert ist noch, dass gewisse indische Figuren einen ausgeprägten indischen Akzent haben.  Zum trahsigen Stil der Geschichte passt es zwar irgendwie, aber trotzdem. Das muss man mögen bzw aushalten können.

Ein ganze großes Kompliment geht an die Geräuschkulisse, die einem sofort den exotischen Schauplatz vor Augen zaubert und Indien-Flair aufkommen lässt. Das ist echt vom Allerfeinsten! Ganz egal, ob es dabei Orte wie Tempel oder kleine Dörfer sind, oder auch die große Stadt. Die Musik präsentiert sich im indischen Stil, was natürich ebenfalls super passt und die Exotik noch deutlicher unterstreicht und an den Hörer vermittelt.

Das Cover dürfte für Spinnen-Phobiker genauso übel sein, wie es für Freunde des Spinnen-Horrors eine Augenweide sein dürfte.

Fazit: Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Die Geschichte ist atemlos rasant, spannend und gruselig und ein Ohrenschmaus für Freunde des trahsigen Horrors, gar keine Frage. Aber für mich ist sie leider auch ziemlich überladen und dadurch unübersichtlich. Außerdem liegen mir diese Art Gruselgeschichten schlichtweg nicht. Ich bin mit Indien-Tempel-Dämonen-Stories nicht zu kriegen.

 

Moorseelen (Heike Eva Schmidt)

moorseelenFeline haut von zu Hause ab, weil sie den Dauerzoff mit ihrem Vater nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter nicht mehr aushält. Als sie sich in den charismatischen Zeno verliebt, folgt sie ihm in die Oase eine Kommune junger Leute im Spreewald. Feline ist fasziniert von dem Zusammenhalt und der Fröhlichkeit dieser Gemeinschaft. Weil sie sich nichts sehnlicher wünscht, als genauso glücklich und frei wie die Bewohner der Oase zu sein, lässt sie sich auf die Kommune ein und auf Zeno. Erst als Feline eine schreckliche Entdeckung macht, muss sie erkennen, wie gefährlich Widerstand gegen die Gemeinschaft ist und dass Liebe tödlich sein kann.

Mit langen Vorreden hält sich diese Geschichte wahrlich nicht auf. Bereits der Prolog lässt deutlich durchblicken, dass auf den folgenden Seiten etwas wirklich Grauenvolles auf den Leser wartet. Das macht natürlich neugierig. Da habe ich schnell weitergeblättert.
Zunächst war ich allerdings nicht so richtig angetan. Vor allem nicht von Feline. Ja, ihre Mutter ist vor nicht allzu langer Zeit gestorben und Feline trauert noch immer. Ja, ihr Vater hat sich ziemlich schnell eine ziemlich junge neue Frau gesucht. Und ja, er versucht gelegentlich wirklich, Feline in ihre Schranken zu weisen, wenn sie mal wieder austickt. Aber das finde ich nicht mehr als völlig richtig. Feline ist immerhin mal gerade 16 Jahre alt! Welcher Vater ließe sich eine solch freche und aufmüpfige Tochter schon gefallen? Und auch an Felines Uneinsichtigkeit habe ich mich mächtig gestört. Sie fühlt sich doch so erwachsen und denkt, sie hätte überall den Durchblick. Aber ihren Vater mal zu fragen, wie es ihm in dieser Situation geht, darauf kommt sie nicht. Gegen solche Überheblichkeit habe ich schlichtweg was. Und vor allem habe ich etwas dagegen, wenn der jugendlichen Leserschaft so jemand noch als Hauptfigur an die Hand gegeben wird. Nicht gerade ein gutes Vorbild, das ist mal klar.
Etwas weniger dick aufgetragen hätte die Situation immer noch dafür gereicht, den Grund dafür zu liefern, dass Feline sich zu dem charismatischen Zeno in dessen Kommune zu flüchten.  Da bin ich sicher. Was sie an ihm so toll findet, konnte ich zwar nicht ganz nachvollziehen, aber bitte. Als Leser ahnt man ziemlich schnell, dass Feline damit einen Fehler begeht. Immerhin kennt man ja auch schon den Prolog. Doch auch ohne dieses Wissen blickt man schnell, auf was sich Feline dort einlässt. Ich habe -bildlich gesprochen- ehrlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen über so viel Blindheit. Und ich war froh, dass Feline sich anfangs noch ihre freche Klappe und einen Blick für Risse in der Idylle bewahrt. Leider gibt sie beides bald bei Zeno ab.
So wenig ich Felines Entscheidung nachvollziehen konnte, so faszinierend fand ich es aber auch, über das Leben in der Kommune zu lesen. Dieses Miteinander, dieses Weitsichtige, dieses Weltverbeserische, es hat durchaus seinen Reiz. Vielleicht weil es so anders ist als in dem Leben, das die meisten Menschen führen? Das kann gut sein. Vielleicht, weil man selber auch solche Momente hat, in denen man nicht mehr so weitermachen will wie bisher? Auch möglich. Irgendwie beängstigend, dass man sie selbst in dem Wissen, dass diese Kommune nichts Gutes bedeutet und hauptsächlich aus Blenderei besteht, noch irgendwo als attraktiv empfindet. Wundert es da, dass solche Gemeinschaften speziell Teenager so leicht ködern können? Nicht wirklich. Alleine das habe ich schon als sehr spannend empfunden.
So richtig dramatisch wird es aber erst mit einer gruseligen Entdeckung, die Feline macht, die ihr aber in der Kommune natürlich niemand glaubt. Es war gleichzeitig verrückt und erschreckend zu lesen, wie Feline sich von ihren neuen Freunden einlullen lässt. Wie ab und zu noch ihr ehemaliger gesunder Menschenverstand durchblitzt, dann aber wieder von den Reden des Leute aus der Kommune zum Schweigen gebracht wird. Ich habe Feline zar geglaubt, aber was da unter den jungen Leuten genau vor sich geht, das habe ich auch nicht sofort durchblickt. Es hat Spass gemacht, gemeinsam mit Feline Licht in dieses Dunkel zu bringen. Und was dabei alles and Tageslicht kam, das hat mich teilweise echt umgehauen.
Ein rasantes und dramatisches Ende setzt dem schließlich die Krone auf. Nicht eine Sekunde lang kann man sich dabei sicher sein, dass die Bösen ihre Strafe erhalten, oder dass Feline der Kommune entkommt und wieder zu ihrem alten Ich zurückfindet. Klasse

“Moorseelen” liest sich ganz wunderbar. Feline hat eine jugendlich-lockere Art zu erzählen, einen schönen Humor und einen feinen Blick für andere Leuten in ihrer Nähe. Da fliegen die Seiten nur so dahin und Langeweile hat beim besten Willen keine Chance. Die Kapitel sind nicht gerade kurz, aber für ein Jugendbuch auch nicht zu lang. Jedes bringt einen in der Geschichte ein gutes Stück voran. Das ermuntert schnell dazu, immer noch eines mehr zu lesen.

In das Cover bin ich ziemlich verliebt. Dieser blutrote Schriftzug wirkt toll gegen das Schwarz des Hintergrunds. Da hätte ich nicht einmal die Blume gebraucht, ich hätte auch Schwarz und Rot alleine toll gefunden.

Fazit:  Trotzdem ich mit Feline anfangs meine Probleme hatte, fand ich “Moorseelen” später richtig spannend und erschreckend. Ein tolles Buch für junge Thriller-Fans! Und obendrein eine deutliche Warnung davor, sich selber auf solche Gruppierungen einzulassen. Deutlicher kann man es eigentlich gar nicht vermitteln ohne den moralischen Zeigefinger zu schwingen. Und das kann niemand wollen.


Titel: Moorseelen
Autor: Heike Eva Schmidt
Seiten:  347
Verlag: Ueberreuter Verlag
ISBN: 978-3800057245
Preis: 12,95 (Broschiert)

Rufmord in Kleinöd (Katharina Gerwens & Herbert Schröger)

Als in Kleinöd ein Mann erschossen wird, richtet sich der Verdacht der Bevölkerung schnell auf Leopold Schmiedinger, der erst seit Kurzem im Dorf lebt. Nicht nur, dass der Cousin des einheimischen Polizeiobermeisters erst vor wenigen Monaten aus dem Gefängnis entlassen wurde, nein, er scheint nach dem Mord mit einem Mal über auffällig viel Geld zu verfügen. Während Bürgermeister Waldmoser das Misstrauen gegen den Verdächtigen kräftig schürt, geht Hauptkommissarin Franziska Hausmann ihre eigenen Wege, denn sie zweifelt an Schmiedingers Schuld.

Nachdem mich “Die Gurkenflieger” nicht so recht überzeugen konnte, habe ich Kleinöd mit diesem Buch eine zweite Chance eingeräumt, die das Buch ganz gut genutzt hat.
Jedenfalls hat mir die Geschichte deutlich besser gefallen. Das liegt vor allem daran, dass ich den Aufhänger leicht nachvollziehen kann. Dass sich ein solch kleines Dorf, wo jeder jeden kennt, sofort auf einen neu zugezogenen Bewohner einschießt, wenn etwas Ungewöhnliche wie dieser Mord geschieht, das kann ich mir gut vorstellen. Speziell in Kleinöd, wo zwar der pure Muff in Sachen Zusammenleben herrscht, wo aber auch jeder ein bissiges Auge auf den anderen hat und viele einander nicht die Butter auf dem Brot gönnen.
Dagegen fand ich die Hintergründe des Mordes teilweise etwas weit hergeholt. Hauptsächlich deshalb, weil sie vor der Kulisse des höchst bodenständigen Dorfes ganz schön exotisch wirken. So etwas erwartet man doch eher in einer Stadt. Trotzdem habe ich die Ermittlungen gespannt verfolgt. Im Vergleich zu den “Gurkenfliegern” bekommt man hier nämlich wenigstens einen griffigen Fall geboten mit echten Kriminellen wie man sie von einem Krimi erwartet. Das fehlte mir bei den “Gurkenfliegern” am meisten.
Seit diesem Buch kann ich mich nun auch mit einigen der Charaktere anfreunden. Auch damit hatte ich bei meinem ersten Besuch in Kleinöd so meine Probleme. Zwar habe ich noch nicht zu allen einen Draht gefunden, aber einige sind es doch. Beispielsweise Polizist Adolf Schmiedinger, Nachwuchsreporter Enzo Blumentritt und Wirtin Teres Schachner. Diese drei sind mir besonders sympathisch geworden. Und auch Kommissarin Hausmann ist mir ein Stück näher gekommen. Das liegt einerseits sicher daran, dass ich sie alle nun schon kenne und nicht mehr erst kennenlernen muss. Andererseits kommt hier hinzu, dass im Dorf die Frühlingsgefühle ganz schön brodeln. Und die Liebe verändert nun mal die Menschen und lässt sie anders wirken. Wenn das zur Folge hat, dass ich mich in Kleinöd endlich etwas eingewöhnen kann, dann darf es dort ruhig noch etwas länger Frühling sein 😉

Für mein Empfinden liest sich der “Rufmord” leichter als die “Gurkenflieger”. Schon das Schriftbild kommt mir angenehmer vor. Keine so engen Zeilen und eine etwas größere Schrift, so dass es nicht so massig wirkt. Es macht bei mir bereits viel aus, wenn mich nicht schon die Optik des Geschriebenen abschreckt. Etwas schwer tu ich mich allerdings noch mit den im Dialekt geschriebenen Dialogen. Klar, das lässt die Charaktere authentisch wirken, aber es liest sich für Nicht-Bayern oft ziemlich holprig.

Keine Ahnung, was die Kühe mit der Geschichte zu tun haben, aber einem Regionalkrimi steht dieses Cover auch so einfach gut. Und Kühe wird es in oder um Kleinöd sicher geben. Mit dem finster dräuenden Himmel wird außerdem deutlich, dass Unheil naht.

Fazit:  Auch wenn mir dieses Buch besser gefallen hat als die “Gurkenflieger”, werde ich vorläufig nicht mehr nach Kleinöd reisen. Trotz eines ordentlichen Falles und eine allmählichen Annäherung an einzelne Charaktere. Warum? Weil es mir in Kleinöd schlicht zu viel vordergründige Vetternwirtschaft und hintergründige Boshaftigkeit gibt, zu viel “Muff” eben. Das ist mir bei dieser Serie eine ganze Spur zu heftig.


Titel: Rufmord in Kleinöd
Autor: Katharina Gerwens & Herbert Schröger
Seiten: 320
Verlag: Piper Verlag
ISBN: 978-3492257442
Preis: 9,95 (TB)

Die drei !!! (19) – Teuflisches Handy

Titel: Die drei !!! (19) – Teuflisches Handy / Verlag: Europa / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Mia Diekow, Sonja Stein, Merete Brettschneider, Oliver Böttcher, Nils Rieke, Leonhard Mahlich ua

Inhalt: Große Aufregung an Maries Schule. Jimmy, der bekannte Fernsehmoderator des Jugendsenders Afternoon, macht mobil gegen die angebliche Bedrohung durch die Strahlung handelsüblicher Handys. Er fordert deshalb alle Schüler auf, ihre alten Handys abzugeben und bietet ihnen stattdessen für wenig Geld neue Handys an, die strahlungssicher sein sollen. Wer so ein Gerät kauft, wird gleichzeitig Mitglied in dem von Jimmy geführten Club Spirit und erhält fortan Einladungen zu allen wichtigen Partys und Events in der Stadt. Ist hier wirklich ein guter Mensch am Werk, der nur das Wohl der Jugend im Sinn hat? Oder verfolgt Jimmy vielleicht in Wirklichkeit ganz andere Ziele? Dies ist wieder ein Fall, in dem der Spürsinn und die Erfahrung der drei !!! gefragt sind. Bis sie ihn jedoch endgültig gelöst haben, geraten die Detektivinnen mehr als einmal in große Gefahr…


Junge, Junge! Handys müssen echtes Teufelszeug sein, wenn sie gleich zwei Fälle -bisher- für diese Serie stellen! Wobei ich damit ja noch leben könnte! Auch mit einer Geschichte um eine gefährliche Sekte könnte ich prima leben. Mit dieser Kombination aus beidem weit weniger. Selten so einen hanebüchenen Kram gehört! Wer Humor hat, ist im Vorteil, denn derjenige kann darüber wenigstens noch lachen. Strahlungsfreie Handys für € 10, verteilt von einem Verein namens “Spirit Club”, der für gute Schwingungen und Vibrations sorgt (ist das nicht das gleiche)? Da muss man keine Detektivin mit 18 Fällen Erfahrung sein, um stutzig zu werden. Doch die Sache ist noch steigerungsfähig. Mit Zeremonien, die an schwarze Messen erinnern, und in denen den nunmehr strahlungsfrei telefonierenden Teenies suggeriert wird, für das große Ziel des Clubs Geld zu beschaffen. Und ein Sekten-Guru, der mit diesem Witz von einem Programm quasi den Weltfrieden erreichen will. Also nee, nee und nochmal nee!

Den Sprechern, die diese sonderbare Geschichte zu Gehör bringen, kann man dagegen keinerlei Vorwürfe machen. Bisher gab es für mein Empfinden in fast jeder Folge einen, der aus dem Rahmen fiel, doch hier trifft das nicht zu. Die drei Hauptsprecherinnen sind guter Dinge, und auch die weiteren Sprecher liefern einen guten Job ab. Oliver Böttcher gelingt es, den “Sekten-Führer” eigentlich ganz sympathisch klingen zu lassen, weshalb man ihm seine Sprüche anfangs noch arglos abnimmt. Erst später offenbart sich der Irrsinn dieses Gurus.

Neben dem Titellied und den vertrauten Stücken bekommt man in dieser Folge noch ein paar andere Musiken zu hören, denn die Geschichte spielt zum Teil in einer Discothek. Da hat man sich offenbar dem Jahre 2009 angepasst, in dem die Buchvorlage erschienn, denn aktuell klingt diese Beschallung nicht. Mich hat außerdem mal wieder überrascht, welch vielfältige Geräuschkulisse das Hauptquartier der Mädels bietet.

Mit Maries Versessenheit auf Handys nimmt die Geschichte ihren Lauf. Deshalb finde ich es gut, dass sie auf dem Cover im Vordergrund steht. Besonders bedrohlich wirkt das Motiv aber nicht. Kim und Franzi im Hintergrund scheinen im Gegenteil mächtig Spaß zu haben.

Fazit: Türsteher Ray würde sagen: “Wie fandest du es, Enzo?” Und Türsteher-Kollege Enzo würde sagen: “Weiß nicht. Sag du!” (Die beiden sind auch der Knüller!) Aber ich weiß: bitte einfach nicht ernst nehmen, diese Episode, dann geht es!

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