Selbstmord

Hörgespinste (06) – Suici.de

Titel: Hörgespinste (06) – Suici.de / Verlag: Pandora’s Play / Spielzeit: ca. 75 min / Sprecher: Marco Göllner, Dagmar Bittner, Katharina von Daake, Jan Langer, Katja Behnke ua

Inhalt: Leonard und Beate Heidel sind entsetzt. Als sie in der Nacht von einem Theaterbesuch nach Hause kommen, finden sie ihre Tochter Fiona ohnmächtig vor ihrem Computer, auf dem Schreibtisch eine leere Flasche Alkohol und aufgebrauchte Packungen Aspirintabletten. Ein Selbstmordversuch. Wie konnte das passieren? Fiona hatte doch nie depressiv gewirkt, war immer ausgeglichen, fröhlich und hatte viele Freunde. Leonard Heidel kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur. Auf der Internetseite www.suici.de verabreden sich Jugendliche, Selbstmord zu begehen. Doch der Tod ist kein Ende: auch nach ihrem Ableben posten die Dahingeschiedenen noch Beiträge, schwärmen begeistert von der anderen Seite. Steckt der geheimnisvolle Anderland dahinter? Leonard beginnt Nachforschungen anzustellen. Kann er seine Tochter noch retten?


Endlich wieder eine neue Folge in dieser Reihe! Der Inhalt klang ganz nach meinem Geschmack und tatsächlich hat mir die Story wirklich gut gefallen. Der Selbstmordversuch von Fiona gibt ihren Eltern Rätsel auf und gemeinsam mit der Polizei und Freunden versuchen sie, Antworten auf ihre Fragen zu finden. Speziell Fionas Vater unternimmt aber auch mal alleine gewisse gefährliche Extratouren. Das sorgt genauso für Spannung wie die Sorge und die Angst um Fiona. Ich habe genau wie ihre Eltern so sehr gehofft, dass sie es trotz dramatischer Vorfälle schaffen wird. Und ich konnte ihren Eltern ihre Sorge gut nachfühlen. Ihre Sprecher bringen ihre ins Chaos gestürzten Gefühlswelten gut an den Hörer. Das reißt einen schnell mit.
Es hat Spass gemacht und es war spannend zu verfolgen, welche Entdeckungen Fionas Vater, sein Freund Mario und die Polizistin Saskia im Laufe der Geschichte machen. Dabei geht es lange Zeit wenig bis gar nicht übersinnlich zu. Als eine Theorie in diese Richtung auftaucht, kommt sie einem daher total unrealistisch vor. So unrealistisch, dass ich ehrlich darauf gewartet habe, dass mir die Story letztlich eine Figur präsentiert, welche hier falsch spielt und die Strippen hinter suici.de zieht. Daher war ich am Ende bei der Auflösung irgendwie auch etwas enttäuscht, denn dabei besinnt man sich wieder ganz auf den übersinnlichen Einschlag, der die Serie auszeichnet. Für mich war es bis dahin einfach zu übzeugend ein Thriller um so eine Auflösung gut zu finden. Ihren Reiz hat sie aber schon. Nur hätte ich es der Episode nicht übel genommen, wenn sie auch thrillermäßig geendet und man nur zuvor hier und da mit übersinnlich angehauchten Ideen dem Grundtenor der Reihe Rechnung getragen hätte.

Marco Göllner und Dagmar Bittner, die als Fionas Eltern zu hören sind, nimmt man ihre Sorgen und Ängste schnell ab. Der Vater stürzt sich oft in (teilweise blinden) Aktionismus und Marco Göllner verleiht ihm dafür eine raue Stimme und eine hier und da fast aggressiven Ton, bringt an anderen Stellen aber auch die Verzweiflung dieser Figur rüber. Dagmar Bittner schlägt wesentlich ruhigere Töne an, was einem beim Zuhören sofort traurig stimmt. Man fühlt sofort mit der Mutter mit. Dass sie aber auch lauter kann, beweist sie im Finale der Story.

Musikalisch hält sich die Folge zurück, versteht es aber mit ruhigen, eher leisen Stücken für Atmosphäre und Stimmung zu den einzelnen Szenen zu sorgen. Die Geräuschkulisse ist ebenfalls in Ordnung, da gibt es nichts.

Das Covermotiv rückt das Thema der Geschichte mit der Webseite und ihrem Titel und den Selbstmordutensilien klar in den Mittelpunkt. Man versteht sofort, womit man es bei der Story zu tun hat. Das ist toll. Leider sieht die Gestalt vor dem Rechner für mich aus wie eine Holzmarionette und nicht mal im Ansatz echt.

Fazit:  Eine coole und interessante Geschichte, die lange Zeit wie ein Thriller daherkommt. Spannend, düster, eben alle, was man von diesem Genre erwarten darf. Für mich hätte es ruhig dabei bleiben können, doch am Ende besinnt die Story sich auf das Übersinnliche, das diese Reihe eigentlich auszeichnet. Das hat durchaus seinen Reiz, aber etwas enttäuscht war ich doch.

 

Ich hätte es wissen müssen (Tom Leveen / Leonie Landa)

Titel: Ich hätte es wissen müssen / Verlag: GoyaLibre / Spielzeit: ca. 269 min, 3 CDs / Buch: Tom Leveen / gelesen von: Leonie Landa

Inhalt: Seit drei Monaten ist die 16-jährige Victoria von der Außenwelt abgeschnitten: Ihre Eltern haben den Laptop und das iPhone konfisziert, der Kontakt zu ihren Freunden ist untersagt und ihr Bruder ignoriert sie konsequent. Victoria ist verzweifelt. Sie trägt doch keine Schuld daran, dass ihr ehemaliger Freund Kevin Selbstmord begangen hat! Die ganze Welt sieht das aber anders. Noch eine Nacht bis sie sich wegen ihrer
Mobbing-Attacken auf facebook vor Gericht verantworten muss. Und es kommt noch schlimmer: Ein unbekannter Anrufer droht Victoria damit, sich umzubringen, wenn er keine Hilfe von ihr bekommt.


Eine Geschichte über Cybermobbing und seine Folgen. Das klang interessant, auch wenn ich bei Storys zu solchen Themen immer skeptisch bin, weil ich nichts mehr hasse, als wenn mich Geschichten belehren wollen oder die ganze Zeit mit dem moralischen Zeigefinger winken.
Anfangs erfährt man noch nicht sofort, was vorgefallen ist, wieso in der Familie solch eine gereizte Stimmung herrscht und wieso Reporter das Haus belagern. Damit hat mich die Geschichte schon mal auf Anhieb gepackt. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, was vorgefallen ist. Und es ist ehrlich erschreckend.
So richtig hatte mich “Ich hätte es wissen müssen” aber erst am Haken als Victoria den Anruf von Andy bekommt, der sie um einen Grund bittet, weshalb er keinen Selbstmord begehen soll. Ich fand das Gespräch -auch wenn es sich hier und da etwas zieht- einfach super spannend. Wer ist Andy? Heißt er wirklich so? Meint er es ernst? Wie wird sich Victoria entscheiden? Und wie kam es eigentlich zu den Vorfällen in ihrer eigenen Vergangenheit?
Geichzeitig habe ich diesen Teil als sehr eindringlich empfunden. Er regt schnell dazu an, sich Gedanken über das eigene Verhalten im Internet zu machen. Sich klar darüber zu werden, welch weitreichende Folgen vermeintlich flapsige Sprüche oder auch so ein scheinbar harmloses ‘Gefällt mir’ haben können. Was man mit Fotos eigentlich gestattet und anrichten kann. Und wie einfach all das im Internet fatalerweise ist.
Die Geschichte regt allerdings wirklich in erster Linie zum Nachdenken an. Der von mir so gefürchtete moralische Zeigefinger kommt hier kaum bis gar nicht zum Einsatz. Alles an Botschaften ist sorgfältig in die Geschichte verpackt und erreicht auch so problemlos den Hörer.

Leonie Landa habe ich hier zum ersten Mal gehört und sie hat mir für diese Geschichte wirklich gut gefallen. Ihre klare, helle und junge Stimme passt prima zu der sechzehnjährigen Victoria und bringt deren Gefühlslagen gut rüber. Die Chatverläufe, die immer mal wieder eingefügt sind, liest sie mit eher neutraler Stimme. Für die übrigen Figuren hält sie ebenfalls den passenden Ton bereit.

Das Covermotiv zeigt sich in gedeckten Farben, was stimmig ist. Fröhliche Farbtöne wären hier fehl am Platze gewesen. Das Mädchen wirkt traurig und in Gedanken versunken, so wie man Victoria auch meistens antrifft. Ich bin an sich kein Fan von Frauen- und Mädchengesichtern auf einem Cover, aber dieser Story steht das gut.

Fazit:  Eine spannende und dramatische Geschichte um ein sehr aktuelles Thema, die den Hörer zum Nachdenken über eigenes Onlineverhalten anregt und mit Victoria und Andy mitfiebern lässt.

All die verdammt perfekten Tage (Jennifer Niven)

Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden.

Das mit diesem Buch und mir war eine Zufallsbegegnung. Ich hatte zuvor noch nie etwas davon gehört und soweit ich weiß, auch noch nie etwas aus dem Limes Verlag gelesen. Aber irgendwie sprach mich das Klappentext an und das Cover ist in meiner Lieblingsfarbe gehalten. Zwei Gründe also, es mit einem Buch einfach mal zu versuchen. Die erste positive Überraschung ließ nicht lange auf sich warten, denn ich hatte mit einem Roman für Erwachsene gerechnet, mit erwachsenen Hauptfiguren. Doch tatsächlich dreht sich die Geschichte um zwei Jugendliche, und für Jugendbücher habe ich einfach ein größeres Faible als für Erwachsenenbücher.
Ich muss allerdings leider sagen, dass dies die einzige positive Überraschung an “All die verdammt perfekten Tage” war. Kurz und knapp gesagt: mich konnte die Geschichte nicht von sich überzeugen.
Das begann bereits bei den beiden Hauptfiguren. Finch mochte ich schnell wirklich gerne. Seine Verrücktheit, seine ausgefallenen Ideen und seine oft wirklich schlauen Gedanken, das alles hat ihn mir fix sympathisch gemacht. Allerdings habe ich “seine” Kapitelüberschriften mit diesem “Wach” überhaupt nicht verstanden. Also habe ich es einfach außer Acht gelassen, dann ging es. Dagegen blieb mir Violet irgendwie ziemlich fern. Bei allem Verständnis für ihre Situation, ihre zurückhaltende Art, ihr “ich bin gar nicht da”-Gehabe und ihre oft so patzigen Reaktionen auf Finchs Bemühungen gefielen mir gar nicht. Gerade dieses Patzigsein hat mich außerdem auch geärgert.
Dass die beiden so schnell zu einander finden, erschien mir trotz des Vorfalls auf dem Glockturm auch nicht so ganz nachvollziehbar. Schon kurz nach diesem Vorfall arbeiten beide an einem Projekt und verstehen sich -wenn Violet nicht gerade zickt- mehr als gut. Aha, bei manchen Menschen geht sowas ja echt schnell. Ich hätte mir dabei einen Schuss mehr Romantik gewünscht, etwas mehr Gefühl, doch das fehlt hier fast gänzlich.
Das ist allerdings auch sonst der Fall, wenn es um Emotionen geht. Will heißen, nach dem Vorfall auf dem Glockturm verlor sich das Thema “Selbstmord” für mich nahezu ganz. Ich hätte nicht gedacht, dass die Geschichte nochmal ernsthaft darauf zurückkommen würde. Die Gefahr, dass sich so etwas ereignen würde, war für mich nach dem Glockenturm nie spürbar. Das hätte für mich -berücksichtigt man das Ende- zuvor wirklich deutlicher hervorgehoben werden können. Dann hätte ich die Geschichte sicher aus als spannender empfunden. So jedoch konnte für mich vom Spannung kaum eine Rede sein. Die Story war für mich über den größten Teil hinweg einfach eine nette Erzählung über zwei Jugendliche, die sich nach schlimmen Erlebnissen ins Leben zurückkämpfen und sich dabei näherkommen.
Ich hätte nie, wirklich nie mit solch einem Ende gerechnet. Dass es außerdem einen arg dünnen Aufhänger hat, sei dabei nur am Rande erwähnt Ich war also vor allem verblüfft, aber kein Stück schockiert oder traurig, wie es vermutlich hätte sein sollen.
Und wenn ich jetzt schreiben würde, dass mich dieses Buch berührt und / oder für das Thema “Selbstmord” sensibilisiert hätte, würde ich lügen. Aber ich denke halt, genau das wäre die Aufgabe der Geschichte gewesen. Und die hat sie bei mir zumindest nicht gemeistert.

Die Geschichte wird abwechselnd von Finch und Violet erzählt. Das sorgt schon mal für Abwechslung beim Lesen. Der Schriebstil ist dadurch auch ganz jugendlich locker. Sogar, wenn einer der beiden sich mal tiefgründigere Gedanken machen. Das liest sich so sehr leicht und ehe man es sich versieht, ist man ein gutes Stück im Buch vorangekommen. Gestört haben mich die Zeilen in Schreibschrift, denn die waren für mich schwer lesbar. Und normalerweise habe ich mit sowas gar keine Probleme. Hier leider schon.

Blau ist meine Lieblingsfarbe, daher sprach mich das Cover auf Anhieb an. Aber mir gefällt auch das eigentliche Motiv. Der Gedanke, auf den Mond klettern zu können. Jemandem den Mond vom Himmel holen, das hat einfach etwas und passt zu einer Lovestory. Und das ist “All die perfekten Tage” irgendwo ja schließlich auch. Richtig toll finde ich die Gestaltung der Deckeninnenseite, doch die soll mal jeder selbst entdecken.

Fazit:  Leider hat mir die Geschichte nicht so gut gefallen wie gedacht. Allgemein gesagt, liegt das daran, dass mir Gefühle einfach nicht eindringlich genug rübergebracht wurden. Weder Finchs Angst, noch Violets zunehmender Mut, die Romanze der beiden oder auch die Gefahr eines Selbstmords. Da hätte alles intensiver ausfallen müssen um mich zu packen.Umso perplexer war ich angesichts des Endes. Das hätte ich niemals kommen sehen. Und das hätte ich wohl müssen nach der Vorgeschichte. Doch die gab diese Ahnung einfach überhaupt nicht her. Und damit hat die Story in meinen Augen schlicht ihr Ziel verfehlt.


Titel: All die verdammt perfekten Tage
Autor: Jennifer Niven
Seiten: 400
Verlag: Limes Verlag
ISBN: 978-3809026570
Preis: € 14,99

Welche Farbe hat die Angst? (Barbara Rose)

welchefarbeKatta malt für ihr Leben gern. Als sie einen Kurs bei dem bekannten Maler Josef Wild gewinnt, ist der fasziniert, denn ihr Stil ähnelt auf unglaubliche Weise den Bildern einer ehemaligen Schülerin: Auch Miriam hat vor vielen Jahren bei ihm gelernt, sich aber kurz vor Ende des Kurses das Leben genommen. Durch Zufall findet Katta Miriams Maltagebuch und erkennt schnell: Ein Mädchen, das so viele Pläne hatte, kann unmöglich freiwillig in den Tod gegangen sein. Katta ahnt, dass damals etwas Schlimmes passiert sein muss, doch wie soll sie das beweisen? Während sie immer tiefer in die Vergangenheit eintaucht, häufen sich unheimliche Vorgänge. Katta bekommt anonyme Briefe und ihre Sachen werden durchwühlt. Die Suche nach dem Täter von damals, der immer noch mitten unter ihnen ist, wird zu einem Wettlauf mit der Zeit. Wie gut, dass Katta tatkräftige Unterstützung vom charismatischen Alex bekommt.

Dieses Buch hat lange Zeit auf dem SUB gelegen. Ich hatte es jetzt eigentlich nur ausgesucht, weil ich die im Regal querliegenden Bücher abarbeiten möchte 😉 Und dabei fand ich damals (und finde ich auch heute noch), dass der Klappentext nach einer wirklich spannenden Geschichte klingt! Trotzdem habe ich irgendwie nie den Dreh dazu gefunden.
Das hat sich nun als ausgesprochen schade herausgestellt, denn mir hat “Welche Farbe hat die Angst?” wirklich sehr gut gefallen! Dabei gestaltete sich der Start noch recht holprig. Ich selber kann nicht mal ein akzeptables Strichmännchen zeichnen, geschweige denn irgendetwas malen. Ich habe zum Malen daher keinen nennenswerten Bezug. Somit konnte ich Kattas Begeisterung dafür nicht so wirklich nachvollziehen. Und ich war mir sicher, wenn die Kunst, die Malerei und die Farben weiterhin solch  zentrale Rollen spielen würden wie zu Beginn, dann würde ich an dem Buch scheitern.
Glücklicherweise rückt das Thema Kunst in den Hintergrund als Katta bei ihrem Malkurs ankommt. Nicht falsch verstehen! Natürlich wird dort gemalt, natürlich wird erwähnt, welche Bedeutung die Malerei für Katta hat, natürlich trifft man die Charaktere häufig im Atelier des Malers an, der den Kurs gibt. Aber im Mittelpunkt steht doch ganz klar das Rätsel um Miriams Tod.
Hat Miriam wirklich Selbstmord begangen? So vieles spricht dagegen. Doch wenn nicht, wer sollte das allseits beliebte, fröhliche Mädchen getötet haben? Als Katta Miriams Maltagebuch entdeckt, kommen ihr Zweifel an der Theorie um den Selbstmord. Gemeinsam mit ihrem Freund Alex geht sie der Sache auf den Grund.
Ich habe oft Probleme mit Krimis / Thrillern, in denen viele Charaktere mitmischen. Es fällt mir dann häufig schwer, den Überblick zu haben und jede Figur sofort einordnen zu können, wenn die Sprache auf sie kommt. Und hier spielen durchaus einige Personen eine Rolle. Doch es ist Barbara Rose gelungen, mir jede einzelne so nahezubringen, dass ich sie und ihre Rolle im Geschehen immer präsent hatte. So lässt sich wunderbar miträtseln, kombinieren und verdächtigen. Und das sorgt natürlich für Spannung. Ich habe lange gerätselt und auch wenn mich die Auflösung nicht ganz überraschen konnte (ich hatte zwischendurch schon mal in die Richtung gedacht, es aber für ziemlich unwahrscheinlich gehalten), aber es war für mich doch der unwahrscheinlichste Weg. Somit war trotzdem noch ein Funken Überraschung da.
Beeindruckt hat mich Kattas Entwicklung über die Geschichte hinweg. Von dem schüchternen Mädchen hin zur mutigen Katta, die sich durch nichts dauerhaft unterkriegen lässt. So etwas finde ich immer toll und es ist absolut glaubwürdig umgesetzt. Katta mausert sich immer mehr, hat zwar ab und zu noch einen Durchhänger, aber lange hält das nie an. Das finde ich so deutlich authentischer als wenn sie -kaum dass sie dem Rätsel um Miriam auf den Grund geht- plötzlich zur strahlenden Heldin geworden wäre. Es ist eine Entwicklung und zwar eine wirklich schöne.
Dazu trägt sicher auch Kattas Beziehung zu Alex bei. Auch an einer solche Beziehung kann man wachsen. Und so süß die beiden zusammen sind, sie haben auch ihre Streitereien. So hat Kitsch keine Chance.

“Welche Farbe hat die Anst?” liest sich dank vieler Dialoge wunderbar leicht, ohne dass dabei die Spannung auf der Strecke bleibt. Die Kapitel haben diese Länge, die einen ein gutes Stück voranbringt, aber trotzdem nicht zu lang ist. Zudem machen die Überschriften neugierig, die immer aus einer Farbe und einem Untertitel bestehen.

Ich habe es einfach nicht mit Büchern, die hauptsächlich weiß gestaltet sind. Weiß ist für mich eine ausgesprochen nichtssagende Farbe. Deshalb haut mich das Cover des Buchs nicht gerade um. Der Farbklecks in der Mittel trägt zwar dem Titel Rechnung, sagt aber sonst nichts aus. Und für einen Jugendkrimi / Jugendthriller ist mir das zu hell. Krimis und Thriller müssen sich für mich eher düster präsentieren.

Fazit:  Der Anfang mit der Geschichte war nicht leicht, weil mir dieser Bezug zur Kunst fehlt und ich somit Kattas Leidenschaft dafür nicht recht nachvollziehen konnte. Als sich die Handlung dann aber in erster Linie dem Rätsel um Miriams Tod zuwendet, waren diese Startschwierigkeiten im Nu vergessen. Eine wirklich sehr spannende Geschichte, bei der man wunderbar mitknobeln kann! So mag ich solche Bücher! Dass Kattas außerdem eine wirklich tolle Entwicklung über die Geschichte nimmt, war noch das Sahnehäubchen obendrauf.


Titel: Welche Farbe hat die Angst?
Autor: Barbara Rose
Seiten: 271
Verlag: Bastei Lübbe / Boje
ISBN: 978-3414824097
Preis: 12,99 (HC)

Dem Tod auf der Spur / Der Totenleser

tsokosdoppelbandEin Mann, der sich verfolgt fühlt und dann erstochen aus dem Wasser gefischt wird. Ein grausiger Fund in einem Möbelstück. Eine Wasserleiche, gekleidet im Stil des 19. Jahrhunderts. Nahezu täglich hat Michael Tsokos, Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner, es mit Toten zu tun, die auf außergewöhnliche Weise ums Leben gekommen sind. Und immer wieder muss er sich die Frage stellen: War es Suizid, war es ein Unfall – oder war es Mord?

Nach einer Lesung mit Sebastian Fitzek und Michael Tsokos stand für mich fest, dass ich über Kurz oder Lang auch eines von Tsokos’ Büchern lesen würde. Als mir dieser Doppelband kürzlich begegnete, habe ich die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen. Ich war neugierig und für zwei Bücher ist der Preis unschlagbar.
Eigentlich hatte ich geplant, das Buch nebenbei zu lesen. Ein Kapitel wann immer mal ein kurzer Zeitraum zu überbrücken wäre.
Es spricht sicher für sich, dass daraus nichts wurde. Nichts werden konnte! Ich konnte das Buch schon nach dem ersten Kapitel kaum mehr aus der Hand legen.
Die einzelnen Fälle von denen Michael Tsokos berichtet, sind spannender als so mancher Krimi oder Thriller, die ich bisher gelesen habe. Viele sind so außergewöhnlich, dass man unbedingt wissen möchte, was dahinter steckt. Ein Unfall? Oder Mord? Oder gar Selbstmord? Genau dies ist die Frage, die es bei jedem Fall zu beantworten gilt.
Ich habe oft mitgeknobelt (bzw es versucht) und mir dann erklären lassen, was tatsächlich vorgefallen war. Und warum es auch gar nicht anders sein kann.
Dabei fand ich es ausgesprochen interessant, Einblick in die Arbeit von Gerichtsmedizinern zu bekommen. Das ist schon ein spezieller, aber eben auch seltsam faszinierender Job. Wobei manche Schilderungen in diesem Buch sicher nichts für Leser sind, die einen etwas sensiblen Magen haben 😉 Ich denke aber, das dürfte jedem Interessenten im Vorfeld klar sein. Solch ein Buch schlägt man halt auch mit der Hoffnung auf ein Schaudern hier da auf. Und vielleicht auch leicht sensationslüstern. So ging es mir auf jeden Fall.
Gefühlt gibt es für mich einen gewissen Unterscheid zweischen den beiden Bänden.
“Dem Tod auf der Spur” schildert tatsächlich nur die Fälle, berichtet von der Arbeit und den Methoden der Gerichtsmedzin, und beantwortet die Frage nach Mord, Selbstmord oder Unfall. Das ist kurz, knackig und hält so mit Leichtigkeit die Spannung und Neugier bei Laune.
“Der Totenleser” beleuchtet auch mal die Hintergründe, das Drumherum und die einzelnen Dramen um die Fälle genauer. Das fällt natürlich eine Spur ausführlicher, aber nicht weniger interessanter aus. Oft gibt es einem außerdem zu denken, denn ganz gleich ob Selbstmord, Mord oder ein Unfall…viele dieser Taten haben schließlich einen bestimmten Anlass, der auch mal dramatischer sein kann.
Mir hat “Dem Tod auf der Spur” trotzdem etwas besser gefallen. Daran ist wohl besagte Sensationsgier Schuld 😉

So spannend und interessant das Buch ist, es beansprucht seine Zeit. Vor allem die Erläuterungen zu den Untersuchungen und Untersuchungsmethoden lassen sich nicht so leicht runterlesen. Es sei denn, man ist vom Fach. Aber wer nicht vom Fach ist und den Anspruch hat, zu verstehen was da erklärt wird, der braucht halt länger dafür. Ich habe sie mir gerne genommen. So entfalten die Schilderungen auch erst ihre gesamte Faszination, die mich im Nu erfasst hatte.

Ein Buch ganz ohne Mädchengesicht auf dem Cover! Wow! 😉
Zugegeben, vom Inhalt gibt das Cover nichts weiter preis. Zu sehen ist halt genau die Person, die in diesem Buch von seiner Arbeit berichtet. Eigentlich schon unspektakulär. Da könnte ich mir auch deutlich Aufmerksamkeit heischendere Motive vorstellen, die aber gar nicht passen würde. Ich finde den Look des Buches völlig in Ordnung. Und etwas geheimnisvoll dunkel ist es doch.

Fazit:  In Sachen Spannung kann dieser Doppelband es spielend mit den besten Krimis / Thrillern aufnehmen. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Es wird sicher nicht mein letztes Buch von Michael Tsokos gewesen sein. Dafür fand ich es einfach zu interessant und faszinierend. Die Idee vom perfekten Mord kann man nach dieser Lektüre übrigens getrost begraben 😉


Titel:  Dem Tod auf der Spur / Der Totenleser
Autor: Michael Tsokos
Seiten:  512
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3548374994
Preis:  € 10,00

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