Sigmund Freud

Sigmund Freud (07) – Hassliebe

Titel: Sigmund Freud (07) – Hassliebe / Verlag: Stil / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Hans Peter Hallwachs, Felicitas Woll, Andreas Fröhlich, Luise Schramm, Detlef Bierstedt u.a.

Inhalt: Als zwei kleine Kinder ermordet werden und die verdächtigte Mutter, eine Patientin Freuds, daraufhin verhaftet wird, muss der Professor aktiv werden: Er hält die Festgenommene für unschuldig. Sein Verdacht richtet sich gegen den Vater der Kinder und für eine Weile kann er auch Karl Gruber hiervon überzeugen. Gemeinsam ergründen sie die familiären Abgründe, die der Fall offenbart. Doch sind sie schnell genug, eine sich anbahnende Katastrophe aufzuhalten?


Nachdem mich “Sein und Haben” ja nicht überzeugen konnte, hat “Hassliebe” wieder Boden für die Serie gut gemacht. Hier geht es um einen Mord, sogar um einen doppelten Kindsmord. Jeder Verdächtige hätte mindestens einen guten Grund, aber leider auch ein gutes Alibi. Das lädt zum Knobeln ein und macht die Geschichte spannend. Und in diesem Falle sehe ich es auch ein, dass man Freud zu Rate zieht. Seine Ansätze zur Auflösung des Falles klingen nachvollziehbar und schlüssig und passen hierher. Die Auflösung selber dürfte für krimierprobte Hörer zwar etwas vorhersehbar sein, aber das gleichen Story und Atmosphäre wieder gut aus. Auch die Einschübe, in denen das Es, das Ich und das Über-Ich diskutieren fügen sich in diese Geschichte gut ein und geben ihr einen weiteren interessanten Aspekt.

Hans Peter Hallwachs alias Freud, Andreas Fröhlich als Gendarm Gruber und Felicitas Woll bilden in dieser Folge ein Sprecher-Team, das sich auf ganzer Linie hören lassen kann und das interessante Kontraste in sich birgt. Schön vor allem, dass man hier wieder mehr von Felicitas Woll hört, die mir mit ihrer klugen, aber auch leicht aufsässigen Art sehr sympathisch ist. Detelf Bierstedt übernimmt den Part vom verdächtigen Vater der ermordeten Kinder und lässt ihn zwar burschikos und roh klingen, schafft es aber auch, dass man ihn nicht als total unangenehm empfindet. Lediglich Marie Luise Schramm alias Laura konnte mich nicht überzeugen. Ihre Stimme klingt nicht jung genug für eine 15jährige.

Ein schreckliches Verbrechen, da zeigt sich auch die Untermalung bedrückend und getragen. Das passt sehr gut zusammen. Außerdem kommt ein Kinderlied zum Einsatz, was mir bei dieser Geschichte um einen Kindsmord prima gefallen hat. Es erzeugt in diesem Zusammenhang noch mal eine ganz besondere Gänsehaut.

Beim Covermotiv findet man das gleich Prinzip vor, dem die Reihe seit der ersten Folge nachgeht. Freuds Kopf, drum herum Elmente, die in der Folge eine Rolle spielen. Schick und edel wie eh und je. Im Booklet findet man erneut Erläuterungen zu einigen Begriffen, die sich interessant lesen.

Fazit:  Mit solchen Geschichten mag ich die Serie. Ein dramatischer spannender Fall, bei dem Lösungsansätze aus Richtung der Psychologie Sinn machen.

Prof. Sigmund Freud (03) – Versehrung

Titel: Prof. Sigmund Freud (03) – Versehrung / Verlag: STIL / Laufzeit: ca. 62 min / Sprecher: Hans Peter Hallwachs, Felicitas Woll, Andreas Fröhlich, Gordon Piedesack, Thormas Schmuckert u.a.

InhaltSchüsse hallen eines frühen Morgens durch Wiens Straßen. Ein Schütze hat sich auf einem Kirchturm verschanzt und bedroht jeden, der sich auf dem Platz unter ihm zeigt. Gendarm Karl Gruber kann Freud überreden, ihn bei einer diplomatischen Lösung der Situation zu unterstützen. Unter Zeitdruck und gegen die Widerstände von Karls Polizeikollegen kommt es zu Verhandlungen mit dem Mann, der – wie Karl – als Soldat im Ersten Weltkrieg gekämpft hat. Sigmund Freud setzt alles daran, den Schützen von seinem Vorhaben abzubringen, bevor es zu einem Blutvergießen kommt…


Eines muss man dieser frisch erschienenen Serie lassen: es steckt Abwechslung drin. Ging es in “Familienersatz” eher ruhig zu, so dürften mit “Versehrung” die Hörer auf ihre Kosten kommen, denen bislang ein wenig Schwung und Tempo gefehlt haben. Denn hier erleben wir Freud außerhalb seines Hauses oder seine Praxis, wo er für Nachforschungen über den Schützen mit der Kutsche unterwegs ist und später nicht mal davor zurückschreckt, selber den Kirchturm hinaufzusteigen. Natürlich kommt er aber auch wieder als Analytiker zum Einsatz. Der Folge ist hier eine gute Mischung aus Krimi und Psycholgie gelungen. Für Spannung sorgt hier zum Einen der Druck, der auf der Polizei und auch auf Freud lastet, zum Anderen aber auch die Erkenntnisse, zu denen Freud im Bezug auf den Täter gelangt. Die widerum sind auch hinsichtlich Karl Gruber ganz interessant, der deshalb mit dieser Folge zunehmend an Profil gewinnt.

Neben Hans Peter Hallwachs, Felicitas Woll und Andreas Fröhlich mischen in dieser Folge u.a. noch Thomas Schmuckert, Jürgen Thormann und Gordon Piedesack mit. Es geht also ausgesprochen hörspielprominent zu und so ist es nicht verwunderlich, dass “Versehrung” auch in dieser Hinsicht glänzt. Speziell Uhrmachermeister Göldl würde ich in weiteren Folgen gerne mal wieder hören. Gordon Piedesack haucht hier einem ausgesprochen interessanten Charakter Leben ein.

Der 1. Weltkrieg, der zur Zeit dieser Geschichte noch nicht allzu lange zurückliegt, blitz auch in der Untermalung immer wieder mit militärisch klingenden Stücken durch, und unterstreicht so das Thema und die Szenerie.

Im Booklet findet man dieses Mal Fakten rund um die im Hörspiel erwähnte Votivkirche und die Mistelbacher, die in der Geschichte nicht eben gut wegkommen, aber auch Wiens Situation nach dem 1. Weltkrieg wird hier kurz und informativ  geschildert. Es lohnt also, sich das Booklet auch dieses Mal genauer anzusehen.

Fazit:  Wieder eine andere Art Story, die aber ebenso gelungen ist wie die beiden Vorgänger. Bleibt zu hoffen, dass die Serie sich diese Abwechslung erhalten kann.

Prof. Sigmund Freud (02) – Familienersatz

Titel: Prof. Sigmund Freud (02) – Familienersatz / Verlag: STIL / Laufzeit: ca. 70 min / Sprecher: Hans Peter Hallwachs, Felicitas Woll, Andreas Fröhlich, Nicolas Artajo, Wanja Mues u.a.

InhaltEin neuer Patient wird kurzfristig bei Sigmund vorstellig. Die Sitzung nimmt jedoch schon frühzeitig einen dramatischen Verlauf, als der Mann eine Waffe zieht: Er habe seinen Vater am Vortag ermordet und verlange vom Professor Absolution. Während Anna Karl herbeizitiert und beide angespannt vor dem Therapiezimmer beratschlagen, was man tun kann, um die Geiselnahme zu beenden, versucht Sigmund mit den Mitteln des Therapeuten, den Mann zur Aufgabe zu überreden, bevor ein Unglück geschieht…


Dass diese neue Serie keine Krimi-Unterhaltung von der Stange bietet, das hat bereits die erste Folge unter Beweis gestellt. “Familienersatz” schlägt nun aber noch mal einen anderen Weg ein, der noch weniger mit dem gängigen Krimi-Stil gemein hat. Denn der Täter ist hier von Anfang an bekannt und auch der Hergang seiner Tat ist bald geschildert, so dass man als Hörer zumindest oberflächlich schon weiß, womit und mit wem man es zu tun hat. Diese Folge stellt Freuds Analyse des Mörders Harranth in den Mittelpunkt, und es ist sowohl spannend als auch interessant zu verfolgen, wie er nach und nach zum Anlass der Bluttat vordringt. Dabei spielen Ereignisse aus der Kindheit des Mörders eine Rolle, aber auch sein Verhältnis zu seinen Eltern und Geschwistern, was in klanglich vom Rest des Hörspiels abgesetzten Szenen hörbar gemacht wird. Natürlich spielen auch das “Ich”, das “Über-Ich” und das “Es”  bzw der Disput zwischen diesen drei Freud’schen Seelenelementen in dieser Folge wieder eine wichtige Rolle und sind für mich eines der Highlights der Reihe bisher, zumal sie einfach genial umgesetzt sind.

Auch wenn die Sprecherliste recht umfangreich ausfällt, so bleiben einem nach dem Hören hauptsächlich zwei Sprecher im Gedächtnis. Hans Peter Hallwachs, der in dieser Folge einen großartigen Freud gibt, und Wanja Mues in der Rolle des Mörders Harranth, der die Zerrissenheit und Unberechenbarkeit dieses Charakters sehr gut darstellt.
Natürlich sind Felicitas Woll alias Anna und Andreas Fröhlich als Karl Gruber mit von der Partie, doch spielen sie nur am Rand eine Rolle.

Musikalisch lässt auch diese Folge nichts anbrennen, wobei die Untermalung sich überwiegend im Hintergrund hält und von dort ihre Wirkung entfaltet und der Geschichte die nötige Atmosphäre verleiht. Szenen, in denen die Musik in den Vordergrund drängt, sind selten, dafür aber sehr gut gewählt.

Prinzipiell hat sich an der Gestaltung des Covers nichts geändert. Erneut gruppieren sich Elemente der Geschichte um Freuds Charakterkopf. Im Booklet findet man informative Texte zu den Themen Familienaufteilung, Verschwiegenheitspflicht und Erziehung, die zwar sehr wissenschaftlich klingen, aber immer in Bezug zum Hörspiel stehen.

Fazit:   Mit dieser Folge kann man Freud wunderbar bei seiner Arbeit “über die Schulter schauen” und verfolgen, wie auf diese Weise die Motive des Täters ans Licht geholt werden. Spannend und erschreckend, und zumindest für mich noch einen Tacken besser als die Einstandfolge.

Prof. Sigmund Freud (01) – Das zweite Gesicht

Titel: Prof. Sigmund Freud (01) – Das zweite Gesicht / Verlag: STIL / Laufzeit: ca. 70 min / Sprecher: Hans Peter Hallwachs, Felicitas Woll, Andreas Fröhlich, Nicolas Artajo, Sascha Rotermund u.a.

InhaltEin mysteriöser Mordfall treibt den Gendarmen Karl Gruber erstmalig dazu, den Psychoanalytiker Sigmund Freud aufzusuchen. Die Tochter des Leiters des Wiener Burgtheaters wurde ermordet und die Umstände ihres Todes sind grausig: Die Leiche ist blutleer. Der Ermittler Gruber hegt einen Verdacht: In Wien treibt ein Vampir sein Unwesen. Sigmund Freud ist mehr als herausgefordert, dem Aberglauben ein Ende zu setzen und den wahren Täter zu überführen…


Mit ihrer ersten eigenen Hörspielserie begibt sich STIL in ganz neue Gefilde des Krimi-Hörspiels. Denn hier steht zwar ein Kriminalfall im Mittelpunkt, doch zur Gruppe der “Ermittler” gehört niemand anderer als der berühmte Prof. Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse. Aus seinem Blickwinkel gelingt der Geschichte eine außergewöhnliche, aber dafür umso interessantere Sicht auf den mysteriösen Mord, für den offenbar ein Vampir verantwortlich ist. Denn bekanntlich splittet sich die menschliche Seele nach Freud in die drei Elemente “Ich”, “Über-Ich” und “Es” auf, und auf diese Art betrachtet er auch den Fall bzw den Täter. Sicher nicht einfachste Art der Betrachtung, doch werden die drei Faktoren im Hörspiel durch den Einsatz verschiedener Sprecher zugänglich und verständlich gemacht. Spannung verheißt außerdem die Tatsache, dass sich  ausgerechnet Freuds eigensinnige Tochter Anna in den Kreis der verdächtigen Personen begibt um bei den Ermittlungen zu helfen, sich so aber auch in höchste Gefahr bringt.

Hinsichtlich der Sprecher hat man sich nicht lumpen lassen, hier geht es durchweg hochkarätig zu. Hans Peter Hallwachs gibt einen erstklassigen Freud ab. Er klingt ruhig und sehr weise, was gut zu diesem Charakter passt. Felicitas Woll sorgt in der Rolle der sturköpfigen, aber gerade deshalb so sympathischen Anna, für einen gewissen Schwung in der Geschichte. Andreas Fröhlich übernimmt den Part des Gendarmen Gruber und machte ihn mir von Anfang an damit sympathisch, dass er zwar clever, aber durchaus auch sehr menschlich, manchmal gar ein wenig unsicher klingt.
Wie erwähnt sind auch das Über-Ich und Es stimmlich vertreten, und zwar durch Nicolas Artajo und Ctahleen Gawlich, die ihre “Rollen” sehr eindruckvoll sprechen.

Die Musik wurde exklusiv für die Hörspiele komponiert  und vom Berliner Filmorchester eingespielt, was man auch mit jedem noch so kleinen Stück, noch so leisen Klang hört. Hier wird zu jedem Moment für eine passende und überaus dichte Atmosphäre gesorgt, die -ähnlich wie das menschliche Seelenleben- mal ruhig ausfällt, dann aber wieder aufgewühlt und unstet. Zudem greift die Untermalung die Zeit der Geschichte auf und lässt so die beginnenden 20er-Jahre aus den Lautsprechern klingen.

Auf dem Cover gruppieren sich Elemente der Geschichte um Freuds Konterfei, was die CDs im Regal zu einem echten Hingucker macht. Im Booklet findet man eine Reihe von Informationen über Freud, seine These vom “Ich”, “Über-Ich” und “Es” und einem seiner interessantesten Patienten. Das ist spannend und informativ. Ich hätte mir allerdings eine etwas besser lesbare Schrift dafür gewünscht, so viel Verständnis ich auch für die Auswahl dieser altmodischen Schreibmaschinen-Schrift habe.

Fazit:  Ein gelungener Start in eine neue Krimi-Hörspielreihe. Mit Freuds Sichtweise aus den drei Ebenen der menschlichen Seele erlebt man hier eine neuartige Herangehensweise an das Verbrechen, die deutlich verstörender wirkt als die “gängige” Form der Ermittlungen, wie man sie aus klassischen Krimis kennt.

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