Spass

Der Kackofant

Titel: Der Kackofant / Verlag: Europa / Spielzeit: ca. 66 min / Sprecher: Stefan Kaminski, Cathlen Gawlich, Natascha Zickerick

Inhalt: Die Meinungen, ob es sich dabei um ein pädagogisch wertvolles Produkt, einen Scherz oder einfach um ein lustiges Hörspiel handelt, mögen vielleicht
auseinandergehen. Fakt ist, dass vor allem kleine Kinder dem großen Geschäft eine Menge abgewinnen können und sich darüber köstlich amüsieren. Diese Phase dauert bei manchen sogar ein Leben lang, getreu dem Motto Humor ist wenn man trotzdem ka…äh lacht . Spaß wird das Hörspiel vielen ganz sicher machen. Auf der CD befinden sich drei lustige Geschichten und vier Lieder rund um den ausdrucksstarken Kackofanten. Er kann zwar nicht fliegen, hat auch keine Superkräfte wie andere Kinderhelden, aber dafür verfügt das knuffige, blaue Wesen mit Klopapierrüssel über eine ganz besondere Fähigkeit, mit der es alle Probleme lösen kann: Es macht riesige Haufen, und zwar immer genau im richtigen Moment. So rettet der Kackofant ein Hündchen vorm Ertrinken, fängt einen Räuber und schafft viel Gutes.


Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich zu diesem Hörspiel schreiben soll. Beim ersten Hören hat mich reinewegs das Grauen gepackt. Wie kommt man auf ein blaues Elefantenwesen mit Klopapierrüssel, das mit Hilfe seiner Haufen jedes Problem zu lösen weiß? Und wie kommt man darauf, dass dies die Hörer erheitern könnte? Wobei, okay, die angepeilte Altersgruppe hat diese Fähigkeit sicher. Ich habe allerdings einen Tag gebraucht, und es hat mich nachdenklich gemacht, dass mir der “Kackofant” -so bescheuert ich ihn im ersten Anlauf fand- dabei nicht aus dem Kopf ging. Wie dem auch sei: inzwischen kann ich gutmütig und mit einigem Vergnügen doch darüber lachen. Denn wie gesagt, auf sowas muss man erstmal kommen. Jedenfalls ist der Kackofant für die Kinder Jakob und Paula ein toller Freund und erlebt mit ihnen auf dieser CD ganze vier Abenteuer, die mit im Schnitt rund 20 Minuten Spielzeit gut häppchenweise zu hören sind. Mir haben im Nachhinein Jakobs und Paulas Eltern sehr gut gefallen, wenn sie trickreich versuchen, ihre Kinder auch mal eine Zeit lang loszuwerden, oder bei deren Forderungen ganz eigensüchtig als erstes fragen, was für sie dabei rausspringt. Gefallen hat es mir außerdem, dass hier -Kinderhörspiel hin oder her- auch mal deftige Ausdrücke zu hören sind. Dafür muss man aber aufmerksam in den Hintergrund lauschen. Das Hörspiel hat also auch für ältere Hörer unterhaltsame Elemente zu bieten.

Stefan Kaminski und Cathlen Gawlich teilen sich die Rollen in diesem Hörspiel. Dabei wird deutlich welch großartige Stimmakrobaten sie sind. Für diese schräge Story hätte man niemand Besseren finden können als die beiden. Als Kackofant ist Natascha Zickerick zu hören, die sich durch die Abenteuer trötet. Von Sprechen kann da nicht die Rede sein.

Der Kackofant erinnert sehr deutlich an einem Elefanten. Ein Elefant trompetet. Da ist es naheliegend für den Soundtrack trompetenlastige Melodien zu wählen, die zwischen Kindergartenspaß und Karnevalsvergnügen liegen. Insgesamt vier Lieder sind auf dieser CD zu hören. Sie trennen die Geschichten von einander, machen mit der witzigen Musik und den ebenso witzigen Texten Spaß und laden die jungen Hörer zum Mittanzen ein. Ich habe zumindest das Titellied ganze zwei Tage lang nicht aus dem Ohr bekommen…

Wenn man die eingängigen Texte nicht alleine durch das Hören auswendig mitsingen kann, kann man sie im Booklet nachlesen und so mitsingen. Hier findet man auch Bilder zu einigen Szenen aus den Geschichten. Sehr schön gezeichnet übrigens. Das Booklet ist das Durchblättern wert. Das Cover zeigt den Kackofant mit Jakob und Paula und hinter der CD kann man einen seiner berühmten und praktischen Haufen besichtigen.

Fazit: Ob das nun pädagogisch wertvoll ist, sei mal dahin gestellt. Wobei, Pädagogik sollte auch unbedingt etwas mit Spaß zu tun haben. Und den macht diese CD allemal. Von daher ist der Kackofant also pädagogisch äußerst wertvoll und somit unbedingt hörenswert!

Das Herz der Puppe (Rafik Schami / Stefan Kaminski)

Titel: Das Herz der Puppe / Verlag: Hörcompany / Spielzeit: ca. 160 min (2CDs) / Buch: Rafik Schami / gelesen von: Stefan Kaminski

Inhalt: Widu stammt vom Flohmarkt und ist die tollste Puppe der Welt. Sie kann sprechen, auf Ninas Zehen Fußflöte spielen, sie weiß die schönsten Geschichten. Und wenn man sie fest in den Arm nimmt, kann sie sogar jede Angst wegsaugen. Und für alle schwierigen oder komplizierten Situationen im Leben eines kleinen Mädchens weiß sie Rat! Doch hin und wieder ist Widu bedrückt: Zum ersten Mal in ihrem langen Puppenleben spürt sie die Sehnsucht, so zu sein wie das Menschenmädchen. Dazu fehlt ihr, was alle Menschen haben: ein Herz. Wenn sie es sich ganz stark wünscht, gibt es vielleicht trotzdem einen Weg


Dieses Hörbuch hat mich mit sehr zwiespältigen Gefühlen zurückgelassen. Einerseits finde ich die Idee dieser Sammlung kurzer Geschichte über die Abenteuer, die Nina mit Widu erlebt, wirklich gut. Wohl fast jedes Kind hat eine Puppe oder ein Kuscheltier, das ihm in bestimmten Situationen die Angst nimmt, mit dem sie reden, wenn sie etwas beschäftigt und das ihnen -nur hörbar für sie- auch antwortet. Genauso geht es Nina mit Widu. Widu tröstet, Widu macht Späße, Widu erzählt Geschichte und ist immer für Nina da. Das ist einfach eine schöne Vorstellung mit der Kinder etwas anfangen können und die sie spannend, lustig und interessant finden. Darin bestand auch gar nicht mein Problem mit dem “Herz der Puppe”. Ich frage mich nur, wie Kinder Widus Art aufnehmen? Wenn mir jemand etwas vermitteln möchte, dann bin ich umso offener dafür, wenn mir dieser Jemand auch sympathisch ist. Widu fand ich allerdings alles andere als sympathisch. Für Nina ist sie die beste Freundin, aber Widu ist eben auch manchmal zickig, nervig, klugschwätzerisch und boshaft. Auf diese Art erringt man bei mir aber keine Sympathie. Deshalb wüsste ich gerne, wie Kinder diese Art auffassen. Ich jedenfalls wäre nicht gerne mit Widu befreundet und dieser Eindruck hat sich bis zum Ende des Hörbuchs gehalten. Nina dagegen ist ein klasse Mädchen und ja, auch sie kann frech sein. Dagegen habe ich auch nichts. Es gibt aber einen Unterscheid zwischen symapthisch frech und einfach nur frech. Und den hört man hier sehr heraus.

Eine Mitschuld daran trägt auch Sprecher Stefan Kaminski, denn er hat für Widu auch eine recht schnippische Stimme aus seinem scheinbar unerschöpflichen Fundus an Stimmen ausgewählt. Ohne Frage ist es auch bei diesem Hörbuch wieder verblüffend, welch eine Vielfalt an Stimmen er auf Lager hat, nur die für Widu hätte er gerne anders wählen dürfen. Zumindest vom Tonfall her.

Das Covermotiv ist schlicht gehalten und wirkt wie ein Bild aus einem Bilderbuch. Das passt gut zu den Geschichten, die sich ja auch an Kinder richten. Da sollte man Motive ohnehin nicht überfrachten. Nina und Widu sind zu sehen, und ich denke in der Darstellung können sich die jungen Hörer auch selber finden.

Fazit: Diese Geschichten sollen trösten, mutig und selbstbewusst machen, Moral und auch Spass vermitteln. Das ist an sich eine wirklich schöne Idee für Kindergeschichten. Nur ist Widu leider vom Wesen niemand, den ich mir als Freund für ein Kind wünschen würde. Sie blieb mir bis zum Ende unsympathisch und hat mir so das Hörvergnügen leider sehr verleidet.

© 2019 Frontier Theme