Spiel

Die drei ??? (190) – …und die Kammer der Rätsel

Titel: Die drei ??? (190) – …und die Kammer der Rätsel / Verlag: Europa / Spielzeit: ca 60 min  / Sprecher: Andreas Fröhlich, Anna Carlsson, Michael Lott, Hanso Jochmann, Rainer Brandt ua

Titel: Ein Auftrag der seltsamen Art: Die drei ??? sollen bei einer Wette behilflich sein. Gesucht ist ein Team aus klugen Köpfen, die sich in weniger als fünf Stunden aus fünf verschiedenen Rätselräumen befreien können. Wer wäre da geeigneter als Justus, Peter und Bob? Doch was zunächst als Spaß beginnt, entpuppt sich bald als gefährlicher Ernst.


Die drei Detektive in einem “Escape Room” – Spiel. Grundsätzlich ein Thema, bei dem ich sofort davon ausging, dass mir die Geschichte gefallen würde. Denn ich finde diese Spiele unglaublich spannend und interessant und würde unheimlich gerne selber mal an einem teilnehmen. Somit standen die Zeichen für den neuen Fall der drei Freunde und mich wirklich gut!
Und dann kam doch alles völlig anders. Denn irgendwie stelle ich mir solch ein Spiel spannend, aufregend und auf eine gewisse Art auch atmosphärisch vor. Nur leider ist von alldem hier so gar nichts zu spüren. Die Freunde rätseln sich völlig abgeklärt und auf bewährt intelligente Weise durch die Räume. Alles wirkt kühl und wie “geleckt”, von Stimmung ist da weit und breit nichts zu spüren, was ich ausgesprochen schade fand. Wenn eine Situation genau so etwas hergibt, dann doch wohl die, dass eine kleine Gruppe Menschen sich nur durch Lösung von Rätseln aus dem einen Raum befreien und sich Zutritt zum nächsten verschaffen können. Aber nichts, wirklich gar nichts in dieser Hinsicht.
Woher soll denn da bitte Spannung kommen? Man weiß doch schließlich dass für Justus kein Rätsel zu schwierig ist!
Dass irgendetwas mit der Wette und dem Spiel nicht stimmt, wird zwar eingangs dezent angedeutet, dann geht es jedoch über das Geschehen in den Räumen geradezu vergessen. Und erst als die Freunde darin eine erstaunliche Entdeckung machen, wird man daran erinnert. Auch in dieser Hinsicht muss man einfach sagen, dass Spannung erzeugen anders geht.
Und zuletzt noch: was um alles in der Welt hat diese Sandy da verloren? Das soll eine Aufpasserin sein, eine Spielleiterin quasi, die die drei Freunde durch das Spiel (beg)leitet? Mit diesen ganzen sinnfreien Kommentaren? Die Frau ist überflüssig und nervt kolossal. Anders kann ich es leider nicht sagen.

Außerdem hat Anna Carlsson für Sandy auch nicht unbedingt die angenehmste Stimme und den erträglichsten Ton auf Lager. Das macht es nochmal schwieriger, diese Figur zu auszuhalten. Michael Lott habe ich als Bruce Torino kaum wiedererkannt. Er klingt altersmäßig so gar nicht nach einem Surflehrer. Außerdem hört man ihm an, dass die zweideutigen Sprüche seiner Figur ihm so gar nicht liegen und entsprechen. Um in diesem Bereich überhaupt jemanden lobend zu erwähnen: wenigstens die drei Hauptsprecher tun ihr Möglichstes, aus dieser Story noch was rauszuholen.

In Sachen Musik und Geräusche wird ebenfalls nicht der große Wurf geboten. Keines der Stücke ist mir irgendwie im Kopf geblieben und keinem ist es gelungen, den Szenen wenigstens etwas Atmosphäre abzutrotzen.

Ein Schlüssel in einem Türschloss, das passt immerhin gut zum Titel. Wenn man das Thema der Geschichte kennt zwar schon weniger, aber immerhin! Schön düster ist das Motiv ebenfalls wieder. Leider wird so weit mehr versprochen als der Inhalt der CD dann hergibt.

Fazit: Diese Folge hätte genau mein Ding sein können, doch leider fehlt es ihr sowohl an Atmosphäre, als auch an Spannung und Glaubhaftigkeit. Hinzu kommt noch eine überaus nervige und völlig überflüssige Figur, die man aber fast von Anfang bis zum Ende ertragen muss. Vielleicht sollte die Reihe Ausflüge zu solch modernen Themen besser sein lassen…

Mord in Serie (25) – Todesjagd – Freelancer 2.0

Titel: Mord in Serie (25) – Todesjagd – Freelancer 2.0 / Verlag: Contendo Media, Audionarchie / Spielzeit: ca. 61 min / Sprecher: Claudia Lössl, Anke Reitzenstein, Lutz Riedel, Sascha Rotermund ua

Inhalt: Einst waren sie Spione im Dienst der Regierung. Jetzt arbeiten sie als Söldner für den Meistbietenden. Sie sind – die FREELANCER. Roland Voss und sein Team werden beauftragt, den verschwundenen Enthüllungsjournalisten Florian Bernard aufzuspüren. Bei Recherchen über international agierende Schleuserbanden ist er offenbar dem gesuchten Kriegsverbrecher Zoran Vukov zu nahe gekommen. Dieser bietet seinem elitären Kundenkreis ein ganz besonderes Unterhaltungsprogramm. Als die Freelancer in einen Hinterhalt geraten, werden die Jäger zu Gejagten.


Vor einigen Jahren gab es bereits “Freelancer”-Hörspiele, doch die kenne ich nicht. Was ich jetzt im Nachhinein darüber gelesen habe, entsprach auch nicht meinem Geschmack. Daher bin ich darüber bislang nicht böse gewesen.
Nun nehmen Contendo Media und die Audionarchie den Freelancer-Faden in Gestalt eines Crossovers wieder auf. Und ich bin mit richtig vielen Bedenken an die Sache herangegangen. Bitte, alles, aber keine billige Haudrauf-Prügelaction, unnötige Flucherei und gewöhnliche Gestalten…
Und dann stellte sich die Geschichte als echte Überraschung heraus, denn sie bedient nicht ein einziges meiner Bedenken. Ganz im Gegenteil bin ich mit den Freelancern schnell warmgeworden, zumal sie trotz ihres Jobs und ihrer Vergangeheit immer noch sehr menschlich rüberkommen.
Ihr neuer Auftrag klingt anfangs noch nicht ganz so brisant, nimmt aber schnell Fahrt auf und wird zusehends gefährlicher. Bei ihren Nachforschungen gelangen sie uA in eine Situation, in der ich nahe dran war, das Hörspiel auszuschalten, weil ich mir so etwas einfach nicht geben möchte. An diesem Punkt hatte man bei mir schlicht eine Grenze überschritten. Und wenn ein Hörspiel so etwas schafft, finde ich das schon beachtlich, paradoxerweise in positiver, wie auch in negativer Hinsicht. Es geht also ganz gut zur Sache hier.
Der größte Pluspunkt an der Story ist für mich aber das im Klappentext erwähnte Spiel. Da kann man mich jetzt gerne für krank oder verrückt halten, aber ja, so etwas mag ich ja total. Alleine die Vorstellung davon, zu was Menschen in der Lage sein können und auf was für kranke Sachen sich manche von ihnen einlassen, das hat für mich seinen Reiz. Die Idee, dass sich tatsächlich Menschen daran erfreuen…hat was.
Und es machte die Handlung für mich einfach unglaublich spannend!
Schön übrigens, dass “Mord in Serie” seine Geschichten weiterhin in Deutschland spielen lässt. Ich bin kein Fan (mehr) von Krimis und Thriller, die zB in den USA spielen.

Ekkehardt Belles markante und raue Stimme passt prima zur Rolle des Roland Voss. Und auch Claudia Lössl hat mich mit ihrer festen Stimme und dem selbstbewussten und energischen Ton begeistert. Marc Sprenger, gesprochen von Sascha Rotermund, ist der Dritte im Bunde und ergänzt sich perfekt mit den beiden anderen. Lutz Riedel vermittelt einem schnell ein klares Bild von dem Verbrecher Vukow. Und mein persönliches kleines Highlight ist Francois Goeske. Ihm kommt zwar nur eine wirklich kleine Rolle zu, aber ich mag seine Stimme einfach total gerne. Ich wusste bisher gar nicht, dass er auch in Sachen Hörspiel unterwegs ist. Sehr cool!

Die Musik passt sich der derben Gangart der Geschichte bestens an, sorgt für Tempo und vermittelt dem Hörer sofort den Eindruck, dass er hier kein Hörspiel für Zartbedsaitete im Player hat. Die Geräuschkulisse ist vom Allerfeinsten, darüber braucht man gar keine weiteren großen Worte verlieren. Top!

Die Person im blutverschmierten Pulli vor dem Totenschädel, dazu noch der düstere Stil, das ist ein Cover, das so einfach auffällt. Und nichts Gutes für die Story erwarten lässt.

Fazit:  Spannend, kompromisslos, mit trotz allem sehr menschliche Figuren und der Idee eines Spiels, die für mich ganz persönlich sehr reizvoll ist. Zu meiner Überraschung hat mir die Folge richtig gut gefallen. Sehr fein!

Endgame – Die Auserwählten (Janes Frey)

endgameENDGAME. Zwölf Meteoriten. Zwölf Spieler. Nur einer kommt durch. Als zwölf Meteoriten nahezu gleichzeitig an unterschiedlichen Orten der Erde einschlagen, gibt es keinen Zweifel mehr: Die Zeit ist gekommen. ENDGAME hat begonnen! Jeder der Meteoriten überbringt eine Nachricht, die die zwölf Auserwählten entschlüsseln müssen und die sie schließlich an einem geheimnisvollen Ort zusammenführt. Dort stehen sie ihren Gegnern zum ersten Mal gegenüber. Ein Wettkampf auf Leben und Tod beginnt und eine rücksichtslose Jagd um den gesamten Globus. Die Spieler müssen zu allem bereit sein. Wird Arroganz Bescheidenheit schlagen? Klugheit Stärke übertreffen? Wird Gnadenlosigkeit am Ende siegen? Schönheit von Nutzen sein? Muss man ein guter Mensch sein, um zu überleben? ENDGAME wird es zeigen. Aber nur wer die Hinweise richtig deutet und die drei Schlüssel findet, geht als Gewinner hervor. Und nur seine Linie wird überleben, wenn die gesamte Menschheit vernichtet wird.

Ich halte mich eigentlich für recht gefeit gegenüber irgendwelchen Hypes, aber manchmal packt es mich doch und ich lasse mich anstecken. So ging es mir mit “Endgame”, nach dem ich bereits verrückt war als in der Verlagsvorschau außer einer schwarzen und einer weißen Seite noch gar nicht viel mehr davon zu sehen war. Je näher die VÖ kam, desto mehr wurde dann verraten, es wurde geworben was das Zeug hielt und das ultimative Leseerlebnis versprochen. Trotzdem hatte ich nicht wunders welche Erwartungen an das Buch. Ich war nur tierisch neugierig, ob die Versprechen eingelöst werden würden.
Leider -und ich bedauere es wirklich zutiefst- wurden sie das in meinen Augen nicht. Ich habe lange überlegt, wieso mich “Endgame” nicht von sich überzeugen konnte. Inzwischen kann ich dafür im Wesentlichen drei Gründe nennen.
Erstens habe ich mich das ganze Buch hindurch orientierungslos gefühlt. Das fängt schon bei den Charakteren an. Gleich zwölf davon muss man sich binnen kürzester Zeit zu eigen machen. Das ist so schon nicht einfach, mit solch teilweise exotischen Namen erst recht nicht. Und schon mal lange nicht, wenn jeder Kapitel einen Schauplatzwechsel mit sich bringt und von jemand anderem handelt.
Selbst als ich mit dem Buch zum Ende kam, gab es noch Figuren, die ich nicht auf Anhieb einsortieren konnte.
Dann hätte ich gerne ein paar Hintergründe zu diesen Meteoriten und dem Spiel an sich gehabt. Ich meine, da schlagen irgendwo auf Erden zwölf Meteoriten ein und sofort wissen 12 Kids, was die Uhr geschlagen hat und stürmen los in das Spiel ihres Lebens. Natürlich ist es klar, dass im ersten Teil einer Trilogie nicht gleich alle Geheimnisse verraten werden, aber zumindest einen Hauch einer Antwort auf die Frage nach dem Warum wäre schon schön gewesen.
Weiter geht es mit der Jagd auf den Schlüssel. Den Schlüssel zu finden, ist die erste Aufgabe an die Spieler, das wird deutlich gesagt. Doch dann verliert die Geschichte diese Aufgabe für mein Empfinden völlig aus den Augen. Es geht plötzlich in erster Linie um eine seltsame Scheibe, es muss gekämpft und getötet und um die Welt gereist werden, sodass man völlig baff ist als die Sprache mal wieder auf diesen Schlüssel kommt. Ach ja, da war ja mal sowas vor ein paar hundert Seiten!
Wenn eine Geschichte einen so zentralen Punkt aus den Augen verliert, dann geht das für mich immer auch zu Lasten der Spannung. Was soll denn noch für Spannung sorgen, wenn man gar nicht mehr präsent hat um was es eigentlich geht und weshalb sich die Kids wortwörtlich die Köppe einschlagen, sich abschießen und foltern. Das muss man “Endgame” lassen, es geht regelmäßig richtig  brutal zur Sache. Das ist mutig für ein Jugendbuch und eigentlich bringt das bei mir immer einen Pluspunkt ein. Hier allerdings nicht, weil ich den Eindruck hatte, James Frey wolle damit für die Spannung sorgen, die die Handlung sonst nicht bietet. Aber Action und Gewalt ist nun mal nicht gleich Spannung. Ich jedenfalls fiebere nicht unbedingt mit, wenn sich ein paar Leute seitenlang mit irgendwelchen Waffen oder auch den bloßen Händen bekämpfen. Bei solch ausführlichen Schilderungen muss ich im Gegenteil aufpassen, dass ich sie nicht überspringe und nur am Ende kurz nachlese, wer gewonnen hat. So richtig spannend fand ich nur ganze drei Szenen in diesem Buch und die Handlung dort hatte nicht ein einziges Mal direkt mit dem Spiel zu tun.
Zuletzt bleibt dann noch die Tatsache, dass “Endgame” auf mich wirkte wie eine verschärfte Version von “Die Tribute von Panem”. Auch da kämpfen Jugendliche bis auf den Tod gegen einander. Auch da geht es darum, für das eigene Volk bzw den eigenen Bezirk Vorteile und schlichtweg ein weiterhin einigermaßen gutes Leben zu sichern. Auch da gibt es seltsame Spielleiter. Und auch da bilden sich gewisse Verbindungen heraus. Nichts anderes ereignet sich in “Endgame”, jedenfalls in diesem ersten Band. Und damit kann von “neuartig” und “einmalig” nun wirklich nicht die Rede sein.

“Endgame” ist groß angelegt. Es gibt die Bücher, ein Spiel im Netz, bei dem man zu echtem Reichtum kommen kann, die Figuren haben ihre eigenen Internetseiten und und und. Das widerum ist durchaus etwas Besonderes. Ich wüsste keine andere so groß angelegte Aktion rund um eine Buchreihe. Allerdings hätte ich mich wohl in der Geschichte etwas besser zurechtfinden müssen um dabei mitmischen zu können. Oder zumindest müssten mir die Charaktere näherstehen. Das Rätsel hat es echt in sich. Meine Hochachtung, wer das knackt und das Gold absahnt. Ich habe es -zumindest mit den Rätseln im Buch- ehrlich versucht, aber ich bin absolut nicht schlau daraus geworden. Vermutlich wäre ich im “Endgame” schon am ersten Tag tot gewesen, so dusselig wie ich offenkundig bin 😉

“Endgame” las sich so halb und halb. Die Kampfszenen (und davon gibt es viele!) lasen sich für mich tierisch anstrengend, die Szenen, in denen die Jugendlichen Nachforschungen anstellen und die Dialoge dagegen lasen sich relativ leicht und zügig. Es ist nur einfach nicht schön, wenn man dann durch eine seitenlange Kampfszene wieder im Lesetempo ausgebremst wird.  Nicht mal die ständigen Ortswechsel mit entsprechend anderen Charakteren konnten dem wirklich entgegenwirken.

Das goldene Cover wirkt auf Anhieb wenig spektakulär, doch bei näherem Hinsehen entdeckt man die Schrift, die quasi im Hintergrund in den Umschlag eingeprägt ist. Das macht ebenso neugierig wie das seltsame und geheimnisvolle Symbol in er Mitte.

Fazit:  Aufgrund der Ähnlichkeit zu “Die Tribute von Panem” ist “Endgame” für mich von der Idee her absolut nicht neu- oder einzigartig. Es geht lediglich in Sachen Gewalt mehr zur Sache, aber das hebt keine Story von einer anderen ab. Zudem habe ich mich das ganze Buch hindurch total orientierungslos gefühlt: hinsichtlich der Figuren mit den teilweise echt schwierigen Namen, hinsichtlich der häufigen Ortswechsel und vor allem, weil nicht mal ansatzweise eine Antwort auf das “Warum” geboten wird. Denn das fragt man sich automatisch, wenn man von so etwas liest wie hier. Und zuletzt habe ich die Geschichte bis auf drei kurze Szenen als überhaupt nicht spannend empfunden. Erstens wird das Ziel schnell aus den Augen verloren und zweitens ist Action nicht gleichbedeutend mit Spannung. Ich denke, ich beende diese Trilogie mit dem ersten Band. Schade, sehr schade.


Titel: Endgame (01) – Die Auserwählten
Autor: James Frey
Seiten: 592
Verlag: Oetinger Verlag
ISBN: 978-3789135224
Preis: € 19,99 (HC)

Kiss me, kill me (Lucy Christopher)

kissmeDas kann nicht sein! Niemals hat Emilys Vater das Mädchen umgebracht, auch wenn alles gegen ihn spricht. Emily ist von seiner Unschuld überzeugt, aber sie weiß nicht, was wirklich im Wald passiert ist. Der Wald, in dem ihr Vater die tote Ashlee gefunden hat. Der Wald, in dem es dunkle Pfade und verbotene Spiele gibt. Der Wald, in dem Damon sich plötzlich mit ihr treffen will, obwohl er sie bisher keines Blickes gewürdigt hat. Emily muss vorsichtig sein, denn Damon war Ashlees Freund. Vielleicht will er sich rächen. Vielleicht ist da aber auch tatsächlich etwas – zwischen ihm und ihr. Und vielleicht kann Emily sogar herausfinden, was wirklich geschehen ist.

Auf dieses Buch hatte ich mich riesig gefreut. Der Klappentext klang genau nach meinem Geschmack und das Cover lockte mich ebenfalls ganz ordentlich.
Der Anfang ließ dann auch hoffen. Man wird sofort in eine dramatische Situation hineingestoßen, die den Grundstein für die weitere Geschichte legt. Auf den ersten Blick ist mit diesem Prolog eigentlich bereits alles ganz klar. Doch das Buch hätte nicht 372 weitere Seiten, wenn nicht doch mehr dahinterstecken würde, ganz klar.
Leider hielt die Geschichte für mich dann doch nicht, was Cover, Klappentext und der Anfang versprachen. Natürlich war ich neugierig, was da im Wald vorgefallen ist. Wer Ashlee umgebracht hat. Ob es tatsächlich Emilys Vater war, oder doch jemand anderer? Denn so recht glauben kann man es nicht. Schon alleine, weil Emily es nicht glaubt. Doch wer soll es dann gewesen sein, und wieso? Das hätte tatsächlich richtig spannend sein können, wenn es nicht so dermaßen “zerredet” werden würde.
Die Kapitel werden abwechselnd von Emily und von Damon erzählt und ergehen sich förmlich in ihren Schilderungen zum Geschehen und ihren Gefühlen. Ganz ehrlich, die beiden sind sechzehn Jahre alt! Figuren dieses Alters nehme ich solch tiefgründige, weitreichenden Gedanken schlichtweg nicht ab! Sicher ist die Situation für beide nicht leicht, das sie klingen mir über weite Teile schlichtweg zu erwachsen. Das haben ich zwei Teenies nicht abgenommen, was mich schnell geärgert hat. Außerdem erzählen sie häufig das gleiche, nur mit anderen Worten. Beispielsweise Emily von ihrer Liebe zum Wald oder von ihren zerrissenen Gefühlen für ihren Vater, und Damon von seinen Gefühlen nach Ashlees Tod oder den Ereignisse im Wald ehe sie starb. Mit solchen Wiederholungen kann man mich leicht langweilen.
Ein wenig konnte ich mich damit ablenken zu überlegen, wer tatsächlich Ashlees Mörder war. Es gibt einige Kandidaten und auch wenn das Motiv bis zum Schluss nicht zu erraten ist, man ja mal ein paar Theorien anstellen. Mit meiner lag ich dann auch prompt richtig. Und ich muss zugeben, von so etwas wie diesem “Spiel” (es wird bis zum Schluss nicht aufgelöst, um was es dabei geht) hatte ich bis dahin noch nichts gehört. Eine schaurige Vorstellung, dass es solche “Spiele” wirklich gibt.
Zuletzt frage ich mich einmal mehr bei einem Jugendbuch von Chicken House, ob es hier bei den Geschichten Bedingung ist, dass die Hauptfiguren aus schwierigen Familien- und Lebensverhältnissen stammen? Ehrlich, inzwischen verdrehe ich schon die Augen, wenn sich das nur andeutet. Sicher können nicht alle Geschichten in Friede-Freude-Eierkuchen-Familien spielen. Und natürlich ist es wichtig, jungen Lesern zu vermitteln, dass nicht jedes Kinder / jeder Teenager aus einer heilen Familie stammt, dass es Schicksalsschläge gibt, die alles verändern, aber ungelogen in allen Bücher von Chicken House, die ich bisher gelesen habe, gibt es solche schwierigen Familiensituationen. Ich denke, so langsam haben es die jungen Leser begriffen, oder?

Ich habe sehr lange für “Kiss me, kill me” gebraucht, obwohl die Kapitel abwechselnd von Emily und Damon erzählt werden. So etwas lockert eine Geschichte für mich normalerweise auf. Hier allerdings kein Stück. Einfach, weil Emily und Damon -wie schon gesagt- mich über weite Teile hinweg mit ihren oft gleichen, nur anders formulierten, und tiefschürfenden Gedanken gelangweilt und geärgert haben. Das war für mich unheimlich anstrengend zu lesen.

Das Cover gefällt mir immer noch. So schön düster und mit den blutroten Schemen von Blättern und Sträuchern verspricht es eine spannende und gruselige Story. Da der Wald eine große Rolle spielt, passt das bestens zur Handlung.

Fazit: Mich hat “Kiss me, kill me” leider enttäuscht, geärgert und schnell auch gelangweilt. Dabei macht einen die Story schon anfangs neugierig darauf, was tatsächlich im Wald passiert ist. Aber Emily und Damon erzählen mir einfach zu langatmig und tiefgründig. Ja, sie stecken in eine schwierigen Situation, aber so viel Tiefgang nehme ich zwei Teenagern nicht ab. Nicht mal, wenn er so breit ausgewalzt wird wie hier. Immerhin überrascht die Auflösung mit einer schaurigen Idee.

Vielen Dank an den Chicken House Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Kiss me, kill me
Autor: Lucy Christopher
Seiten: 376
Verlag: Chicken House
ISBN: 978-3551520333
Preis: € 14,99 (Broschiert)

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Das Rachespiel (Arno Strobel)

rachespielFrank Geissler glaubt an einen Scherz, als er die Website aufruft: Ein Mann, nackt, am Boden festgekettet, in Todesangst. Daneben ein Käfig voller Ratten, unruhig, ausgehungert.
Frank kann den Mann retten, heißt es. Aber nur wenn er Teil des »Spiels« wird und seine erste Aufgabe erfüllt. Angewidert schließt er die Website, doch kurz darauf ist der Mann tot. Und Frank beginnt zu zweifeln. Hätte er dem Unbekannten helfen können? Hätte er nicht sofort die Polizei informieren müssen? Aber es ist zu spät. Und nicht nur für den Toten. Auch Frank ist schon mittendrin. Mittendrin in einem Spiel, in dem er einer der Vier ist, einer der vier Kandidaten, für die es um alles geht. Um ihr eigenes Leben. Aber auch um das Leben aller, die ihnen etwas bedeuten.

Mit “Das Rachespiel” begab ich mich auf eine neue Runde in der Berg- und Talfahrt, die Arno Strobels Thriller für mich bislang waren. Mit “Der Sarg” war diese Fahrt ja wieder aufwärts gegangen. Mit “Das Rachespiel” verläuft die Fahrt nun genau zwischen Berg und Tal.
Ich fange mal mit dem an, was mir an “Das Rachespiel” gefallen hat. Das ist ganz einfach: ich mag Geschichten um Killer, die kranke Spiele mit ihren Opfern spielen. Das ist zwar spätestens seit “Saw” nichts Neues mehr, aber wenn es gut gemacht ist, kann ich mich für dieses Schema immer wieder begeistern. Entsprechend angetan war ich von “Das Rachespiel”, wo ebenfalls ein ziemlich kranker Killer seine Spielchen mit den vier Hauptcharakteren treibt. Dass es bei diesen Spielchen ganz gut zur Sache geht, ist noch ein feiner Pluspunkt obendrein.
Genauso gut hat mir der Schauplatz gefallen, an dem die vier durch ihre persönliche Hölle gehen. Solch einen verlassenen Bunker stelle ich mir schon schaurig vor, und dieser hier wird so anschaulich, düster und beängstigend beschrieben, dass es einem beim Lesen das Gruseln lehrt.
Zuletzt sei noch gesagt, dass ich übersichtliche Stories mag. Eine Handvoll Charaktere reicht mir meist voll und ganz. Da habe ich schnell den Überblick und kann mich ganz auf das Geschehen konzentrieren, statt mir erst Massen von Namen merken zu müssen. Schauplatzwechsel muss ich ebenfalls nicht haben. Beide Vorlieben hat mir “Das Rachespiel” bestens erfüllt. Das hat es mir gleichzeitig leicht gemacht, selbst zu knobeln, wer womöglich hinter dem Grauen steckt, das die Freunde in dem Bunker erleben. Außer ihnen kommt lediglich eine weitere Person dafür infrage. Da kann man leicht Für und Wider der einzelnen Figuren gegen einander abwiegen, und das macht Spass. Hier vor allem, weil man regelmäßig Einblick in die Jugend der vier Freunde erhält. Aus den Ereignissen damals und dem Verhalten der Kinder kann man gut Vermutungen für die Handlung im Jetzt ableiten.
Soweit bin ich mit “Das Rachespiel” also wirklich zufrieden. Inhaltlich habe ich daran nichts weiter auszusetzen.
Doch so gut ich damit leben kann, einer alten Idee im soundsovielten Aufguss zu bgegnen, es bleibt dabei: diese Idee ist nicht neu und mittlerweile im Thriller- und Horrorgenre mindestens an jeder dritten Ecke anzutreffen. Da bin ich von Arno Strobels Thrillern innovativere Ideen gewöhnt, und das hat mich doch gewundert. Und schade finde ich es -so gesehen- auch. Da wird mancher Strobel-Fan enttäuscht aus der Wäsche gucken, da bin ich sicher.
Natürlich habe ich mich auch gefragt, wieso ich plötzlich einen Strobel-Thriller mit einer Idee von der Stange lese. Ich würde vermuten, dass die Pause seit “Der Sarg” einfach zu lang geworden wäre, wenn nun erst das Jugendbuch im März erschienen wäre. “Der Sarg” erschien im Januar 2013. Bis zum “Rachespiel” hat es also schon ein komplettes Jahr gedauert. Wäre nun erst das Jugendbuch gekommen, wäre diese Pause noch länger geworden. Und ob das akzeptabel gewesen wäre? Für die Leser ebenso wie für den Fischer Verlag? Denn das Jugendbuch erscheint obendrein in einem anderen Verlag, obwohl Fischer ebenfalls eine Jugendbuchabteilung hat.
Wie gesagt: das ist meine ganz persönliche Vermutung und sie ist womöglich völlig falsch. Aber für mich klingt sie ganz sinnig.

Es wäre kein Problem gewesen, das Buch in einem Rutsch zu lesen. Es ist leicht und locker geschrieben, das liest sich weg wie nichts. Langweilig wird es auch nicht wirklich und der Wechsel zwischen der Handlung im Jetzt und dem Geschehen damals in der Kindheit der vier Freunde bringt noch Abwechslung rein. Knackig kurze Kapitel helfen dem Tempo ordentlich auf die Sprünge.

Vom Cover her reiht sich “Das Rachespiel” nahtlos in die Serie der Strobel-Thriller ein. Einmal mehr wird das Cover vom auffälligen und erhaben geprägten Titelschriftzug beherrscht. Der gebeugt sitzende Mann fällt da erst auf den zweiten Blick auf, macht dann aber doch neugierig.

Fazit:  Ich mag kranke Killer, die ebenso kranke Spielchen mit ihren Opfern treiben. Ich mag solch gruselige Schauplätze und eine überschaubere Anzahl Figuren, bei denen man gut mitknobeln kann. Trotzdem, die Idee der Geschichte ist alles andere als neu. Die liegt auf dem Grabbeltisch mit Thriller-Ideen seit “Saw” und Co. ganz oben. Und da bin ich von Arno Strobel einfach einfallsreichere Thriller gewöhnt. Deshalb wirkt “Das Rachespiel” auf mich wie mit der heißen Nadel gestrickt. Als hätte dringend ein Erwachsenenthriller hergemusst, damit die Zeit seit “Der Sarg” nicht zu lang wird. Und das hat mich erstaunt und auch etwas enttäuscht.


Titel: Das Rachespiel
Autor: Arno Strobel
Seiten: 352
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596196944
Preis: 9,99 (TB)

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