Stalking

Rosengift (Susanne Mischke)

rosengiftAnfangs fühlt Matilda sich von Patricks kleinen Aufmerksamkeiten – Briefen, SMS, einer roten Rose vor der Haustür – geschmeichelt. Doch dann kommt es zu einem verhängnisvollen Kuss und die „Liebesbeweise“ nehmen eine völlig neue, beunruhigende Form an. Irgendjemand scheint Matilda offensichtlich bis aufs Blut zu hassen. Und sie zweifelt mehr und mehr daran, dass es wirklich Patrick ist.

In letzter Zeit habe ich wieder einige Arena Thriller gelesen, weil davon mehrere ungelesen im Regal stehen. Im echten Regal genauso wie im virtuellen auf dem Kindle.
“Rosengift” gehört dabei zu den Arena Thrillern, die mich lange nicht von sich überzeugen konnten.
Das lag anfangs vor allem daran, dass ich mit Matilda einfach nicht warm wurde. Ich kann das noch nicht mal richtig begründen. Jedenfalls nicht, ohne dass es irgendwie oberflächlich klingen würde. Schon alleine wie sie vom Aussehen her beschrieben wird, sagte mir nicht so recht zu. Mit ihrem Faible für Geige konnte ich -unmusikalisch wie ich bin- auch nichts anfangen. Ihr Name wirkte altmodisch auf mich, obwohl ich weiß (und es auch gut finde), dass solche Namen gerade ein Comeback feiern. Aber alles in allem sorgte eben dafür, dass ich mich mit Matilda nicht so richtig anfreunden konnte. Ihre selbstbewusste Art dagegen mochte ich wirklich, aber das alleine reichte eben nicht.
Ich habe auch nicht verstanden, wieso sie sich über die ersten Vorkommnisse so aufregt. Klar, nerven würde mich so etwas auch. Vor allem bei jemandem, dessen Gefühle ich nicht erwidere. Aber ihre Reaktionen habe ich teilweise als zu heftig empfunden. Und ich habe nicht verstanden, wieso sich dieses sonst so abgeklärte Mädchen nicht aufrafft und Patrick ein für allemal klipp und klar sagt, dass ihrerseits nichts zwischen ihnen läuft.
Natürlich habe ich von Anfang an geknobelt, wer noch hinter den Vorfällen stecken könnte, wenn es nicht Patrick ist. Dass er es nicht ist, erschien mir nämlich ziemlich schnell ziemlich klar. Doch dann gab es widerum Ereignisse, bei dem er mir als erstes als Verdächtiger einfiel. Es war also ein schönes krimimäßiges Rätselraten, dass Spass gemacht hat. Andere Verdächtige gibt es genügend, da hat man so einiges zu tun und zu knobeln.
So richtig hatte mich die Geschichte aber erst am Haken, als die Vorfälle drastischer wurden. Von da an, gefiel mir die Story wirklich richtig gut. Ich mag es einfach, wenn es mehr und grausiger zur Sache geht in einem Krimi / Thriller. So konnte ich das Buch irgendwann eben doch nicht mehr aus der Hand legen. Damit hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr gerechnet.
Die Auflösung gefiel mir dann auch wirklich gut. In einem Punkt, hinsichtlich einer Person, wurde mein Verdacht bestätigt. Der andere war eine Überraschung. Und die Gründe für die Taten kamen nicht Nullachtfünfzehn daher, sondern einfallsreich.
Das Ende selber hat mir ebenfalls gefallen, weil es eben nicht rosarot ausfällt, sondern mit den Ecken und Kanten, die man nach dem Geschehen auch erwartet.
Selbstverständlich gehört bei einem Arena Thriller immer auch eine kleine Lovestory mit dazu. Diese hier ist erfreulich unkitschig. Etwas anderes hätte ich einem Mädchen wie Matilda auch nicht abgenommen. Von daher ist auch in dieser Hinsicht alles in trockenen Tüchern.

Matilda hatte für mich neben ihrer manchmal seltsamen Art auch eine relativ anstrengende Art zu erzählen. Das hätte ich mir jugendlicher gewünscht. So hat die Geschichte sich für mich lange Zeit erstaunlich schwer gelesen. Das lag aber auch daran , dass sie zahlreiche beschreibende und erklärende Passagen hat. Ich mag Dialoge lieber, in denen sowas verpackt ist. Das liest sich dann auch lockerer.

Selbstverständlich ist auf dem Cover eine Rose zu sehen, wenn diese Blume schon im Titel vorkommt. Ein Trauerflor ist ebenfalls zu sehen, der aber erst seinen Bezug zur Geschichte zeigt, wenn man sie gelesen hat. Somit ist die Kombination gut gelungen. Nur mag ich helle Hintergründe für Krimis / Thriller nicht so gerne.

Fazit: Mir hat ausgerechnet die Hauptfigur lange Schwierigkeiten mit dieser Geschichte beschert. Das ist natürlich sehr unglücklich. Doch irgendwann als die Übergriffe drastischer wurden, packte mich die Geschichte dennoch. Nichtsdetotrotz hat man hier massig Gelegenheit mitzuknobeln und das ist widerum ein dicker Pluspunkt. Trotzdem hatte ich mir von einem Thriller von Susanne Mischke irgendwie mehr versprochen.


Titel: Rosengift
Autor: Susanne Mischke
Seiten: 288
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401066011
Preis: € 9,99 (Broschiert)

Höllental (Andreas Winkelmann)

hoellentalIm ersten Schnee des Winters steht eine junge Frau auf einer Eisenbrücke hoch über der Höllentalklamm. Sie ist fest entschlossen, sich in die Tiefe zu stürzen. Roman Jäger, Mitglied der Bergwacht, versucht noch sie aufzuhalten, doch vergeblich. Was ihm bleibt, ist ihr letzter Blick – ein Blick voll entsetzlicher Angst, der ihn bis in seine Träume verfolgt. Er macht sich daran, die Hintergründe dieses Selbstmords herauszufinden. Und stößt auf ein schreckliches Geheimnis, das sein Leben für immer verändern wird.

Andreas Winkelmann hat es inzwischen geschafft, dass seine Bücher baldmöglichst nach dem Erscheinen in mein Regal einziehe. Entsprechend flugs hatte ich auch “Höllental” an Land gezogen.
Es nahm mich sofort für sich ein als ich feststellte, dass es in einer Gegend spielt, in der auch weitere Lieblingskrimireihe von mir spielt. Nämlich die Alpenkrimis von Jörg Maurer. Da fühlte ich mich direkt heimisch, so nach dem Motto: hier war ich -zumindest im Buch – schon mal.
Allerdings geht es in “Höllental” weit weniger heiter zu als in den Krimis von Jörg Maurer. Eine junge Frau stürzt sich im Gebirge von einer Brücke. Roman Jäger von der Bergwacht gelingt es nicht, sie aufzuhalten.
Natürlich wirft diese Tat Fragen auf. In erster Linie natürlich die nach dem Motiv der Frau. Doch das ist nicht der einzige Punkt, der diese Geschichte bis zum Schluss sehr spannend sein lässt. Bald schon erfährt man von einer Clique, zu der auch die Frau mal gehörte, und irgendwas hat diese Clique zu verbergen. und es könnte mit der Tat zusammenhängen. Was verheimlichen die Freunde? Was ist in der Vergangenheit geschehen und was hat es mit der Selbstmörderin zu tun? Und nicht zuletzt auch, was der Soldat in Afghanistan mit der ganzen Angelegenheit zu tun hat. Wobei ich über die Afghanistan-Kapitel anfangs gar nicht begeistert war. Ist nicht gerade ein Land von großem Interesse für mich. Wenigstens sind sie kurz.
Es gibt also wirklich viele Fragen. Mich hat dabei -mal wieder- sehr gefreut, dass ich als Leser leicht selber Vermutungen anstellen und an einer möglichen Auflösung tüfteln konnte. Das macht mir immer wieder Spass. Der geradlinige Verlauf der Geschichte erleichtert das zusätzlich. Ebenfalls etwas, das ich schätze.
Zudem ist es schön, hier einen Ermittler zu erleben, der eben kein Polizist oder Kommissar ist. Roman Jäger arbeitet bei der Bergwacht, und die Tat der jungen Frau lässt ihm keine Ruhe. Er will der Sache auf den Grund gehen, warum sie sich in den Tod gestürzt hat. Dabei erlebt man nun natürlich keine Ermittlungsarbeit wie es bei einem Polizisten der Fall wäre, aber interessant und spannend ist es doch. Eben viel zwischenmenschlicher als bei einem Beamten.
Die Polizei mischt natürlich trotzdem mit, klar. Leider in Gestalt eines ausgesprochen grummeligen und unsympathischen Oberkommissars namens Franz Leitenbacher. Womöglich sollte er ja einen eher kauzigen Eindruck hinterlassen, mir war er einfach nur unangenehm. Es ist ganz ähnlich wie bei dem Kommissar aus “Wassermanns Zorn”: private Hintergründe und Schwierigkeiten hin oder her, das rechtfertigt oder entschuldigt kein solches Verhalten. Für mich jedenfalls nicht. Deshalb liegen mir solche Charaktere nicht.
Die Auflösung ist in all ihren Einzelheiten bis zum Ende nicht genau abzusehen, aber eine Ahnung hatte ich doch. So blieb es auch spannend und es war schön, die Ergänzungen zu meinen Vermutungen zu bekommen. Das ergab ein rundes Bild. Um nicht zu spoilern sage ich hier mal nur, dass ich eine Wendung allerdings nicht gebraucht hätte. Sie wirkte auf mich irgendwie wei ein Anhängsel an die sonst griffige Story. Das mag Geschmackssache sein.
Ein Psychothriller war “Höllental” für mich aber nicht. Dafür gab’s zu wenig “Psycho” geboten. Nur weil in einer Geschichte ein Psychopath umgeht, hat man noch nicht unbedingt einen Psychothriller vor der Nase.

Ich mag Andreas Winkelmanns Schreibstil sehr gerne! Er liest sich leicht und flüssig weg und dennoch baut sich schnell Spannung auf. Die Kapitel sind hier teilweise etwas länger, aber es gibt ja immer wieder Absätze, an denen man eine Pause machen kann. Wenn man denn von der Geschichte loskommt, was hier gar nicht so einfach ist. Trotz recht langer Kapitel habe ich kaum drei Abende für das Buch gebraucht.

Mir gefallen diese giftig-verstrahlt aussehenden Pilze ganz ausgezeichnet. Dazu der schwarze Hintergrund…hätte das Buch nicht sowieso auf meinem Wunschzettel gestanden, hätte es mich so auch sicher im Buchladen auf sich aufmerksam gemacht.

Fazit:  Kein Psychothriller für mich, aber auf jeden Fall ein spannender Thriller. Mich hat er besonders damit begeistert, dass man mal einen anderen “Ermittler” zur Seite gestellt bekommt, der obendrein sehr sympathisch ist, und dass man hier so hervorragend mitknobeln kann. Im nächsten “Psycho)thriller von Andreas Winkelmann wünsche ich mir nur mal wieder einen nicht so kaputten Kommissar.


Titel: Höllental
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten: 352
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 978-3805250375
Preis: 8,99 (TB)

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