Tagebuch

Gregs Tagebuch (01) – Von Idioten umzingelt (Jeff Kinney)

greg01Ein neues Schuljahr hat angefangen. Der 13-jährige Greg Heffley geht jetzt auf die Junior Highschool, und die ist so ungefähr die bescheuertste Idee aller Zeiten. Dort werden Kinder, frisch aus der Grundschule, zusammengeschmissen mit riesigen Gorillas, die sich zweimal täglich rasieren müssen. Und da wundern sich alle, dass es so viele Prügeleien gibt. So ein Leben als Teenager steckt voll ungeahnter Gefahren und komischer Missverständnisse. Also beginnt Greg einfach mal in seinem Tagebuch zu notieren, was er alles erlebt und was ihm tierisch auf die Nerven geht. Allen voran wäre da sein trotteliger Kumpel Rupert, der manchmal ganz schön peinlich sein kann. Doch als Ruperts Popularität in der Schule plötzlich steigt, versucht Greg seinen eigenen Vorteil daraus zu ziehen.

Auf diese Reihe war ich bereits sehr lange sehr neugierig. Allerdings hatte ich nach einer Reihe ähnlicher Art, die ich vor Längerem gelesen habe, ziemliche Bedenken. Der Titel reizte dann aber zu sehr um es nicht wenigstens mal zu versuchen. Denn wer fühlt sich nicht hin und wieder (oder auch öfter ;)) so, wie es der Titel beschreibt?
Diese Bedenken verflüchtigten sich bereits nach den ersten paar Seiten. Ich mochte Greg auf Anhieb und er tat mir auf Anhieb sehr leid wie er sich durch den Start an der Junior High kämpft. Ich fühlte mich stark an meine eigene Schulzeit erinnert und so etwas sorgt automatisch für einen guten Draht zur Figur.
Doch Greg hat nicht nur in der Schule mit allerlei Problemen zu kämpfen. Sein Kumpel Rupert ist zwar eine Seele von Mensch, neigt aber zu Peinlichkeiten. Gregs älterer Bruder Roderick ist ein ausgewachsener Rüpel, der kleine Bruder Manni eine Nervensäge, die für keine Schandtat der Welt mal Ärger von den Eltern bekommt. Und dann sind da natürlich noch die Gemeinheiten eines Teenagerlebens an sich.
Nein, Greg hat es wahrlich nicht leicht. Deshalb hatte ich vollstes Verständnis dafür, dass er oft versucht, sich Unannehmlichkeiten so hinzubiegen, dass er es leichter hat. Oder ihnen nach Möglichkeit schlicht aus dem Weg zu gehen. Dabei kommt es nicht selten zu schrägen Situationen und einer Menge Chaos, wodurch Greg am Ende doch wieder als der Gelackmeierte dasteht. Aber man muss ihm anrechnen: Aufgeben ist niemals eine Option! Daher rührte für mich auch die Spannung der Geschichte. Ich war stets gespannt, ob und wie Greg sich durch das Leben mit all seinen Stolpersteine schlagen würde. Und welche Stolpersteine eben noch auf Gregs Weg liegen würden. Vielleicht würde er ja am Ende doch wenigstens als kleiner Held dastehen.
Ich habe bei diesem Buch wirklich oft und sehr gelacht. Greg hat eine wunderbar gewitzte, lockere Art zu erzählen. Eben ganz so wie ein normaler Zwölfjähriger daher reden würde. Und was er nicht so richtig gut erzählen kann und / oder wovon er meint, dass es dem Leser verdeutlicht werden sollte, das zeichnet er in sein Tagebuch. Speziell die Untertitel dieser Zeichnung haben es gehörig in sich. Da kommt man um ein Grinsen einfach nicht umhin.

Ich habe das Buch an einem Abend ausgelesen. Gregs flapsige Erzählweise liest sich einfach weg wie nix. Außerdem treibt ein solcher Tagebuch-Stil mein Lesetempo ohnehin immer ordentlich an. Kurz und knackig und so rasant, dass man einfach nicht mehr aufhören kann. Die Comiczeichnungen lockern außerdem auf. Es gibt eine ganze Menge dieser Zeichnungen. So bleibt auf den Seiten nicht mehr so viel Platz für Text, weshalb man ihn flott gelesen hat. Für die Zeichnungen sollte man sich etwas mehr Zeit nehmen. Es lohnt sich, wie ich finde. Sie sind zwar nicht besonders detailreich oder sonstwie aufwendig, aber die wesentlichsten Elemente der jeweiligen Szene oder Person sind unübersehbar vorhanden.

Auf dem Cover ist natürlich Greg zu sehen und er schaut alles andere als begeistert aus der Wäsche. Dann darüber dieser Titel, das macht natürlich neugierig, was da eigentlich los ist. Und mal ganz ehrlich, es gibt Tage, da stehe auch ich -zumindest gefühlsmäßig- so da und frage mich, wer bloß all die Deppen um mich herum rausgelassen hat. Ich habe mich also ein Stück weit auch selber in Gregs Haltung wiedergefunden.

Fazit:  Mir hat der erste Band von “Gregs Tagebuch” richtig gut gefallen und viel Spass gemacht. Der arme Kerl tat mir oft ganz schön leid und ich habe immer gehofft, dass es vielleicht doch noch mal besser für ihn werden würde. Andererseits gäbe es ohne all die Querelen in seinem Leben weit weniger für den Leser zu lachen. Denn Gregs sämtliche Bemühungen, es sich irgendwie an irgendeiner Ecke leichter zu machen, enden im Chaos. Und das macht widerum so richtig Laune. Außerdem habe ich mich hier und da in ihm widergefunden. Nicht nur im Covermotiv 😉 Schön, dass die ersten Bände inzwischen als Taschenbuch und damit für kleineres Geld zu haben sind. Ich werde Gregs Teenagerleben mit Sicherheit weiter verfolgen.


Titel: Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt
Autor: Jeff Kinney
Seiten: 224
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3833936326
Preis: € 13,99 (HC), 8,99 (TB)

Wer liebt mich und wenn nicht, warum? (Mara Andeck)

lilia02Nach dem Fiasko mit Jakob weiß Lilia inzwischen genau: Sandkastenfreund Tom ist der Richtige! Den aber hat Lilia mit ihrem Balzverhalten vergrault. Aber Lilia wäre nicht Lilia, wenn sie so schnell aufgeben würde. Sie beschließt, Tom zurückzuerobern und auf wissenschaftliche Erkenntnisse künftig ganz zu verzichten. Ab sofort will sie sich nur noch von ihrem Herzen leiten lassen. Als Tom sich für ein Praktikum in der Wildnis bewirbt, schließt Lilia sich an. Dort aber gibt es mehr Natur, als ihr lieb ist. Und dann ist das noch Vicky, Lilias alte Rivalin, die in freier Wildbahn Raubtierqualitäten entwickelt.

Nachdem ich über Band 1 Tränen gelacht hatte, musste natürlich Band 2 so schnell wie möglich her! Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit Tom und Lilia und ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen über Jungs und Mädels weitergeht.
Band 2 ließ sich zunächst gut wie eh und je an. Erstmal hat man noch Gelegenheit, die Erinnerungen an den ersten Teil aufzufrischen. Also was mit Lilia und Tom los und was bei ihnen dann letztlich schiefgegangen ist, wer zu Lilias Freundeskreis gehört und was diese Personen so an Teenagerproblemen und -problemchen herumschleppen, und welche Dramen sich in Lilias Familie gerade abspielen, wo plötzlich jeder so seine eigenen Pläne hat.
Beispielsweise Lilia, die zusammen mit ein paar Mitschülern auf eine Insel in einem See möchte, weil Tom dort in der Gegend gerade ein Praktikum absolviert. Immerhin möchte sie Tom zurückerobern. Da schadet es dann sicher nicht, ihm zu zeigen, dass auch sie in der Wildnis zurechtkommt.
Gefallen hat mir, dass Lilia ihren Wunsch bei der Familie nicht so leicht durchgesetzt bekommt. Ich mag es nicht, wenn Figuren in einer Geschichte es in Situationen allzu leicht haben, an denen sich die (hier vornehmlich) jungen Leserinnen in der Realität die Zähne ausbeißen würden. So viel Realität darf gerne sein!
Wie schon der Klappentext verrät, schafft Lilia es aber schließlich doch ihr Vorhaben durchzusetzen. Sehr bald geht es auf die Reise in die “Wildnis”.  Ich musste ja schon ein wenig darüber schmunzeln, was bei Lilia unter diesen Begriff fällt. Ein See, eine Insel, darauf ein paar Kühe und was sich eben sonst noch an typischer Fauna an solch einem Ort herumtreibt.
Ich hätte jedenfalls gerne und sofort mit ihr getauscht als ihr aufging, dass diese Wildnis scheinbar doch nicht ganz so ihr Fall ist. Das muss man der Geschichte lassen: sie versteht es, einem ein klaren und wunderschönes, wild-idyllisches Bild von der Insel und der Gegend zu vermitteln. Und mit der Gruppe Jugendlicher, mit der es Lilia dorthin verschlägt, kommt schnell so eine richtig schöne sommerliche Ferienlager-Atmosphäre auf. Das hat etwas Uriges, das bei mir sofort ankam.
Außerdem ändert sich an Lilias Liebeschaos natürlich auch mit diesem Ortswechsel nichts. Auf ihre typische, chaotische Art und mit vielen mal mehr, mal weniger verrückten Ideen, versucht sie dem Thema “Liebe” auf den Grund zu gehen. Im Allgemeinen und -was Tom und sie angeht- im Speziellen. Da darf man gespannt sein, ob die beiden das mit der Liebe schließlich auf die Reihe kriegen. Und auch ein paar “Nebenbaustellen” sind ganz interessant. Beispielsweise das, was zwischen Lilias Freundin Maiken und Felix läuft. Beziehungsweise nicht wirklich läuft. Und wie Lilias Vater es schafft, alleine mit zwei kleinen Jungs, seiner kleinen Tochter und diversen Goldfischen zurechtzukommen.
Trotzdem, so positiv das bis hierher alles klingt, nachdem ich nun auch Band 3 gelesen habe, ist dieser zweite Teil für mich der schwächste der Reihe. Die Geschichte ist schön, spannend, sommerlich, alles bestens, ich fand sie allerdings längst nicht so lustig wie Band 1. Ich habe mal geschmunzelt, ab und zu auch gegrinst, aber längst nicht so oft. Und so richtig gelacht, habe ich schon gar nicht. Da hat mich Band 1 wohl ganz schön verwöhnt. Und weil mir gerade diese immense Komik dort so gut gefallen hat, bringt es Band 2 einen dicken Minuspunkt ein, dass er nicht mithalten kann.

Eines teilen die beiden ersten Bände der Reihe aber ganz klar: sie lassen sich lesen wie nix. Lilias Tagebucheinträge sind meist kurz und knackig, sodass man leicht ach einen noch hinterherschiebt, und plötzlich ist man dann ein ganzes End vorangekommen. Ihr jugendlich-flapsiger Ton tut ein Übriges dazu. Felix’ und Toms Mailwechsel bieten zwar ebenfalls eine gewisse Auflockerung, aber meinen Lesefluss haben sie doch einige Male gestört. Nicht, dass es uninteressant wäre, was die beiden sich schreiben, aber ich fühlte mich immer aus Lilias rasantem Tempo herausgerissen.

Das Buch ist dieses Mal in zartem Grün gehalten und mit fliegenden Gänseblümchen verziert. Das erinnert vom Design her an die anderen Bücher der Reihe, passt sich aber auch dem neuen Schauplatz an. Grün ist eine sommerliche Farbe und Gänseblümchen gibt es in Lilias Wildnis ebenfalls.

Fazit:  Eine schöne, spannende, romantische und sommerlich leichte Geschichte, an der es inhaltlich nichts auszusetzen gibt. Lilia in Bestform, könnte man sagen. Ich habe “Wer liebt mich und wenn nicht, warum?” allerdings als deutlich weniger witzig empfunden als Band 1. Das hat mich schon ganz schön enttäuscht.


Titel: Wer liebt mich und wenn nicht, warum?
Autor: Mara Andeck
Seiten: 256
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3414823649
Preis: € 12,99 (HC)

Wen küss’ ich und wenn ja, wie viele? – Lilias Tagebuch (Mara Andeck)

wenkuessich»Wissenschaftliche Erkenntnis des Tages: Von den Gladiatorfröschen kann man viel lernen. Auf der Suche nach dem Frosch fürs Leben hüpft die Fröschin von Männchen zu Männchen und haut jedem so richtig eine rein. Wer umfällt, ist raus aus dem Spiel. Am Schluss nimmt sie den, der übrig bleibt, denn der kann am besten wegstecken. Hmmm, gefällt mir irgendwie. Verstößt aber vermutlich gegen die Schulordnung …« Lilia hat es satt! Die Jungs in ihrer Klasse nehmen sie überhaupt nicht wahr. Das muss sich ändern, beschließt sie an ihrem 16. Geburtstag. »Das Balzverhalten im Tierreich« – so lautet das Thema ihres Bio-Referats. Und weil der Mensch auch nur ein haarloses Tier ist, wendet Lilia ihr neues Wissen einfach auf die Gattung Homo sapiens an. Was folgt, ist ein wahres Liebeschaos.

Es war die kleine Abhandlung über den Gladiatorfrosch. Wegen der war sofort klar, dass ich dieses Buch lesen würde. Die Vorstellung für sich ist schon so lustig…und erst recht wenn man sich das mal mit Menschen vorstellt. Eigentlich gar keine so schlechte Idee für die Auswahl des richtigen Menschen-Frosch 😉
Zu diesem Schluss kommt auch die 16jährige Lilia, die dringend mal ihrem Liebesleben auf die Sprünge helfen will. Mit sechzehn noch ungeküsst, das geht ja mal sowas von gar nicht!
Zum Glück steht ihr ein Bio-Referat über das Balzverhalten der Tiere bevor, und ihre dort erworbenen Kenntnisse wendet sie direkt bei den Jungs ihrer Klasse an.
Das ist vor allem eins: total lustig! Ich habe bei diesem Buch so oft gegrinst und hätte sogar laut darüber gelacht, wenn ich es nicht auf einer Bahnfahrt gelesen hätte. Die clevere Lilia hat mir sofort gefallen. Schon alleine ihr feiner Blick auf ihre männlichen Schulkollegen, deren Schwächen und oft sonderbares Verhalten, hat mich schmunzeln lassen. Da kann man sich nun fragen, ob eine Sechzehnjährige wirklich ein solch genaues Auge auf diese Details hat, aber Lilia habe ich es abgenommen. Einfach, weil sie in einem absolut glaubhaften Teenagerton davon erzählt.
Natürlich lassen sich solch wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Tierwelt nicht unbedingt zu hundert Prozent auf die Spezies Homo Sapiens umlegen, und so entwickelt sich bald ein ganz schönes Liebeschaos um Lilia herum. Da ist nicht nur der heiß umschwärmte Klassenstar, sondern auch das Versuchskaninchen und ein Typ, bei dem Lilia so gar nicht rafft, was er für sie empfindet. Und auch Lilias Freundinnen und ihr Bruder mischen mit schrägen Ideen und viel Liebesverwirrung ordentlich mit. Das ist rasant und lustig und -speziell was Lilias heimlichen Verehrer angeht- mitunter auch ein wenig traurig. Der arme Kerl tat mir häufig ganz schön leid.
Und ich habe mich gefragt, ob Lilia noch bemerken würde, dass er so viel für sie übrig hat. Das war für mich die spannendste Frage an der Geschichte. Natürlich war es auch spannend zu verfolgen, welche “Versuche” Lilia mit den Jungs durchführt, und zu sehen, was dabei herauskommt. Aber ob sie und ihr Verehrer zusammenkommen würde, das hat mich doch immer am  meisten interessiert.
Ich war mir auch ziemlich sicher, wie die Geschichte ausgehen würde bzw ob sie sich kriegen, oder eben nicht. In dieser Hinsicht hielt die Geschichte eine echte Überraschung für mich bereit! Das trifft man in solchen Teenie-Lovestorys nur selten an. Genau deshalb hat es mir hier auch so gut gefallen.

Lilia schreibt Tagebuch. Entsprechend ist die Geschichte aus ihrer Sicht geschrieben. Der Ton ist dabei teeniemäßig frech und locker. Das liest sich im Nu weg. Da Lilia auch zu verschiedenen Zeiten am Tag in ihr Tagebuch schreibt, gibt es immer mal wieder getrennte Absätze. Da hilft dem Lesetempo ebenfalls auf die Sprünge.

Zugegeben, das Buch sieht schon etwas kitschig aus mit den Rot- und Rosatönen, in denen das Cover gehalten ist. Und auch mit den vielen Kussmündern. Andererseits passt das aber erstens prima zum Titel und zweitens dürfte es die weibliche, Teenie-Leserschaft so durchaus auf sich aufmerksam machen. Ich war speziell von den Bildchen angetan, die die Seitenränder des Buchs schmücken. Lilia zeichnet nämlich auch mal Elemente aus ihren Einträgen an den Rand.

Fazit:  Ich habe so gelacht bei diesem Buch! Einfach eine urkomische, aber auch spannende Liebesgeschichte mit einem angenehm überraschenden Ende! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Lilia ist noch so einiges zuzutrauen!

Vielen Dank an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Wen küss’ ich und wenn ja, wie viele?
Autor: Mara Andeck
Seiten: 240
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3414823502
Preis: € 12,99 (HC)

Vertigo (Kristina Dunker)

Eva is sixteen and experiencing all of the excitement of being in love for the first time. And this weekend promises to be special, as she and her boyfriend, Julian, will be spending time at his parents’ country house. Nothing could be more perfect. Except the journey to the country is anything but, and Eva’s dream weekend is turning into a total nightmare. When Eva’s train is delayed, she is unable to pick up Julian. She soon finds herself alone on a forest road late at night—and the witness to a group of teenagers beating a young boy. As she somehow sneaks by unnoticed, she also loses her diary, an incredibly personal book that holds all of her secrets—including details of her visits to a psychotherapist. So when she meets a kindred spirit who shares her demons and seems to know so much, she has to wonder whether he has read her thoughts.

Die letzten Bücher, die ich auf Englisch gelesen habe, waren die “Harry Potter”-Bände. Das ist also schon eine Weile her. Entsprechend unsicher war ich, ob ich nicht aus der Übung bin. Aber ich habe mich getraut. Immerhin ist es ein Jugendbuch. Das konnte  nicht so schwierig werden. Wurde es auch nicht, aber dazu später.
Für meinen Geschmack hat die Geschichte einen etwas ungewöhnlichen Verlauf. Sie lässt sich recht harmlos und leicht an. Eva freut sich auf das Wochenende alleine mit ihrem Freund Julian in der alten Mühle seiner Eltern. Eva mit ihrer Schwärmerei für Julian mochte ich sofort. Es ist einfach schön zu lesen, wie verliebt sie ist und in welch herrlichen Farben sie sich das gemeinsame Wochenende ausmalt. Ab und zu ist es auch kitschig, aber auf eine nette und liebenswerte Art. Es tropft nicht zwischen den Seiten vor.
Doch auf dem Weg zu Julian, der bereits in der Mühle ist, geht einiges schief. Evas Züge haben Verspätung und als sie endlich im Ort ankommt, kann Julian sie wegen einer Verletzung nicht vom Bahnhof abholen. So macht sich Eva nachts alleine auf den Weg durch den Wald. Als Leser spürt man bereits bei ihrer Entscheidung dazu, dass sie verhängnisvolle Folgen haben wird. Schon in diesem Moment hängt die Bedrohung spürbar in der Luft und nimmt zu, je weiter sie in den Wald geht. Die Szenerie ist schön düster beschrieben und Eva schildert ihren Fußmarsch auch recht ängstlich. Da kann man beim Lesen schon eine Gänsehaut bekommen.
Im Wald wird Eva Zeugin, wie eine Gruppe Jugendlicher einen jungen Mann verprügelt. Nicht nur für Eva ein erschreckendes Erlebnis, auch ich war baff. Ich hatte mit allen möglichen Schrecken gerechnet, die auf Eva lauern könnten, aber nicht mit solch einer Szene. Eva überzeugt sich zwar, dass der junge Mann noch lebt, aber in ihrer Angst flieht sie und verliert dabei ihr Tagebuch. Das ist deshalb schlimm, weil Eva ihrem Tagebuch seit langer Zeit alles anvertraut. Beispielsweise auch, dass sie in psychotherapeutischer Behandlung ist. Man erfährt natürlich zuvor, wieso und wie es ihr inzwischen geht. So hat man Vertrauen in sie, dass es ihr inzwischen besser geht. Aber einen leisen Zweifel sät diese Tatsache doch. Das ist nicht nur bei erwachsenen Psychothrillern so. Das funktioniert auch bei Jugendthrillern hervorragend.
Natürlich erzählt Eva Julian von ihrem Erlebnis und damit weicht jegliche Romantik und jeglicher Kitsch aus der Geschichte. Es hat mir direkt weh getan zu lesen, wie Evas Traum vom verliebten Wochenende platzt. Denn Julian reagiert nicht gerade zartfühlend und verständnisvoll.
Übber gewisse Umstände und Zusammenhänge beschlich mich bereits an diesem Punkt ein Verdacht, der sich später als wahr herausstellte. Enttäuscht war ich über diese Vorhersehbarkeit aber nicht. Dafür fand ich die Geschichte bis dahin einfach zu spannend. Aber ich habe mich natürlich gefragt, womit Kristina Dunker die restlichen Seiten gefüllt hat. Eigentlich hätte die Geschichte hier beendet sei können.
Allerdings ist da  noch das Tagebuch um dessen Verlust solch ein Drama gemacht wurde. Dem muss doch eine Beutung zukommen! Um die dreht sich im Wesentlichen der weitere Verlauf der Handlung. Parallel und im Zusammenhang damit, wird der Frage nach dem Warum hinter der Prügelei im Wald nachgegangen, was unerwartet weite Kreise zieht. Das ist zwar auch ganz spannend und das Ende des Buches reicht erneut einem erwachsenen Thriller zur Ehre, aber ein leichtes “Anhängsel-Gefühl” ist beim Lesen bei mir geblieben. Mit der Bestätigung meiner Vermutung etwa auf Seite 150 war für mich die meiste Luft raus.

Ich gebe zu, ich habe nicht jedes einzelne Wort verstanden. Das muss man auch nicht um die Handlung zu verstehen. Die meisten Worte, die ich nicht kannte, konnte ich aus dem Zusammenhang heraus übersetzen. Eva ist ein 16jähriger Teenager. Sie erzählt locker, wunders wie schwierige Vokabeln begegnen einem nur selten. Für diese Fälle lagen mein zerfledderter Langenscheidt ebenso parat wie das Handy mit der praktischen leo-App. Aber wie gesagt: wenn es hochkommt, habe ich fünf Begriffe nachgeschlagen. Mit einem ordentlichen Schul-Englisch kommt man mit “Vertigo” gut klar.

Das Cover gefällt mir. Ich mag die Waldszenerie und die Unschärfe, in der sie dargestellt ist. Im Medizinischen ist “Vertigo” mit “Schwindel, Schwindelgefühl” zu übersetzen. Dazu passt dieser Wirbel gut, der ein wenig so aussieht wie die Ringe, die entstehen, wenn man einen Stein ins Wasser wirft.

Fazit: Die Geschichte hat einen eigentümlichen Verlauf, denn nach 150 Seiten hätte auch gut Schluss sein können, ohne dass ich etwas zu bemängeln gehabt hätte. Die restliche Handlung wirkte auf mich ein wenig wie ein Anhängsel. Trotzdem hat mir “Vertigo” insgesamt gefallen. Eva mochte ich sofort. Ich konnte gut mit ihr mitfühlen. Und die Geschichte bleibt spannend bis zum Schluss. Ein sehr ordentlicher Thriller für Jugendliche also.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Vertigo
Autor: Kristina Dunker
Seiten: 232
Verlag: amazon crossing
ISBN: 978-1611090482
Preis: € 7,80 (TB)

Rezension – Everlasting – Der Mann der aus der Zeit fiel (Holly Jane Rahlens)

Man schreibt das Jahr 2264. Gefühle sind unerwünscht, die Liebe ist ausgestorben. Die Geburtenrate ist gefährlich gesunken. Der junge Historiker und Sprachwissenschaftler Finn Nordstrom, Spezialist für die inzwischen tote Sprache Deutsch, erhält den Auftrag, die 250 Jahre alten Tagebücher eines jungen Mädchens aus dem Berlin des 21. Jahrhunderts zu übersetzen. Öde, findet er. Und albern. Doch dann ist er zunehmend fasziniert von dem Mädchen, das quasi vor seinen Augen erwachsen wird. Schließlich soll Finn in einem Virtual-Reality-Spiel in der Zeit zurückreisen, um das Mädchen zu treffen. Ohne es zu wissen, wird er damit zum Versuchskaninchen der Spieleentwickler. Warum schicken sie ausgerechnet ihn, den Fachmann für tote Sprachen, in die Zeit kurz vor Ausbruch der Großen Epidemie? Und was ist das für ein sonderbares Gefühl, das ihn überkommt, wenn er der jungen Frau begegnet? Bald muss Finn sich entscheiden – für die Liebe oder für die Zukunft …

Dies ist der dritte Anlauf für eine Rezension zu “Everlasting” und ich hoffe , es ist gleichzeitig auch der letzte. Ich musste bei diesem Buch feststellen, dass es unglaublich schwierig ist, ein Buch zu besprechen, das einem vom Anfang bis zum Ende richtig gut gefallen hat. Ich weiß kaum womit ich anfangen soll.
Vielleicht mit dem, was mich sehr erleichtert hat. Nämlich, dass “Everlasting” zwar auch in eine weit entfernte Zukunft blicken lässt, der eine schlimme Katastrophe vorausging, dass es deshalb aber keine finstere Dystopie ist. Statt einer Welt mit  herrischem Regime, einem unterdrückten Volk und steinzeitlich und ausgestoßen lebenden Rebellen, wirkt Finns Welt eher wie einem modernen Science Fiction – Film entsprungen. Mit Shuttles, Robotern, die im Haus helfen, Internet, das im Kopf der Menschen funktioniert statt auf Rechnern, eben sehr modern und futuristisch. Da darf man mich gerne ignorant oder unrealistisch nennen, solch eine Vorstellung gefällt mir deutlich besser, und sie hebt “Everlasting” von den ganzen Dystopien ab.
Natürlich hat auch in Finns Welt die Regierung großen Einfluss, doch hatte ich nie den Eindruck, dass sie ihr Volk unterdrückt. Ebenso natürlich gibt es Menschen, die abseits der Städte leben und noch ein Leben pflegen, wie wir es heute kennen, doch herrscht kein Kriegszustand zwischen diesen beiden “Welten”. Finns Welt funktioniert, woran ich nichts Negatives finden kann.
Doch dann bekommt er eine Aufgabe zugeteilt, die sein Leben gründlich auf den Kopf stellt. Finn ist Übersetzer und soll das Tagebuch eines 13jährigen Mädchens übersetzen, das im 21. Jahrhundert lebte. Was er anfangs für langweilig hält, macht ihm jedoch zusehends Spass. Und dieses Vergnügen überträgt sich wunderbar auf den Leser. Ich habe mich bei Elianas Tagebucheinträgen sehr amüsiert. Es ist aber mindestens ebenso spaßig zu lesen, wie dieses für uns Normale bei Finn ankommt. Denn er weiß natürlich nicht, was zB Chucks sind, was DSDS ist oder ein Princess-Skull-Skateboard.
Auch als Finn später in dem Spiel in die Vergangenheit reist, erlebt man immer wieder solche Momente. Er sieht etwas, das für uns heute ganz normal ist, kann es aber nicht benennen, beschreibt es deshalb, und spätestens dann macht es *klick* und man weiß, was er vor sich hat. Es ist erstaunlich und auch etwas verrückt, wie ungewöhnlich einem dabei etwas ganz Gewöhnliches erscheint.
Doch das ist natürlich nicht der Kern der Geschichte. Das zentrale Thema ist die Liebe, die sich zwischen Finn und Eliana entwickelt. Denn Finn liest auch weitere Tagebücher von ihr und sieht so quasi zu, wie sie heranwächst. Und auf den Reisen in die Vergangenheit trifft er sie. Da Gefühle in Finns Welt nebensächlich sind und speziell das Gefühl “Liebe” mindestens ungewöhnlich, ist es ebenso vergnüglich mitzuerleben, wie er dieses Gefühl erlebt und wie er damit umgeht. Da er es zuvor nie kennengelernt hat, hat er einen extrem unschuldigen Blick darauf, und so wirkt nichs von dem, was er sagt oder tut übermäßig kitschig. Es ist einfach nur schön.
Die Beziehung zwischen ihnen nimmt jedoch auch auf Finns sonstiges Leben Einfluss. So ist es in seiner Welt nicht üblich, dass man von ich selber als “ich” spricht, sondern es verallgemeinert und beispielsweise über sich sagt “dieser Übersetzer”. Ein Satz von Eliana macht ihm aber deutlich, wie wichtig und aussagekräftig dieses Wörtchen “ich” sein kann. Er übernimmt es für sich und das zeigt sich in einem Wechsel der Erzählweise der Geschichte. Das hat mir sehr gut gefallen, weil es unerwartet ist und weil es sehr deutlich macht, um wieviel instensiver eine Erzählung dadurch wirken kann. Ein cleverer Kniff, den Holly Jane Rahlens angewendet hat.
Gelungen sind auch die Entwicklungen der Geschichte, speziell zum Ende hin. Denn hier finden sich Elemente vom Anfang der Geschichte wieder, die einem bisher nicht so besonders wichtig erschienen, nun aber bedeutend sind. So fließen Teile des Anfangs mit ins Ende ein und geben ihm eine unerwartete Richtung.
Das Ende selber werde ich hier selbstverständlich nicht verraten, aber ich habe es als ein sehr schönes und gut durchdachtes Ende empfunden, bei dem nicht zu viel und nicht zu wenig verraten wird.

Ich hatte “Everlasting” innerhalb von zwei (langen) Abenden ausgelesen. Es liest sich prima. Die Tagebucheinträge lockern auf und auch der Wechsel im Erzählstil macht es einem leicht, dabei zu bleiben. Die Kapitel sind nicht zu lang und tragen  Titel, die alleine schon neugierig darauf machen, wie es in der Geschichte weitergeht. Da macht das Lesen Spaß!

Das Cover zeigt den Flakon von Elianas Parfüm, das den Namen “Everlasting” trägt und damit einen Teil des Titels stellt. Bitte nicht vom Pink täuschen lassen. Auch wenn das Buch so geradezu zu schreien scheint “ich bin eine Teenie-Herz-Schmerz-Story”, das stimmt nicht. Die Geschichte ist wesentlich mehr.

Fazit:  Ich könnte noch ewig von diesem Buch schwärmen. Das sagt wohl alles. Ich hatte es nicht unbedingt erwartet, aber an “Everlasting” hat für mich einfach alles gepasst. Ein erfrischend anderer Blick in die Zukunft, eine Geschichte, die hier und da zum Nachdenken anregt, und sehr gefühlvoll geschrieben und durchweg mit einer Prise Komik gewürzt ist. Klasse!

Danke an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Everlasting – Der Mann, der aus der Zeit fiel
Autor: Holly Jane Rahlens
Seiten: 432
Verlag: Rowohlt Wunderlich
ISBN: 978-3805250160
Preis: 14,95 (Broschiert)

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