Teenager

Rain – Das tödliche Element (Virginia Bergin / Josefine Preuß)

Titel: Rain – Das tödliche Element / Verlag: Oetinger Audio / Spielzeit: ca. 539 min / Buch: Virginia Bergin / gelesen von: Josefine Preuß

rainInhalt: Als Ruby ausgelassen mit ihren Freunden feiert, ahnt sie noch nicht, dass dies ihr letzter gemeinsamer Abend sein wird. Das Grauen erscheint aus dem Nichts: Giftiger Regen lässt die Menschheit von einem auf den anderen Tag dem Untergang entgegenrasen. Jeder Schritt vor die Tür kann tödlich sein. Wer nicht stirbt, kämpft mit allen Mitteln ums Überleben. Und inmitten dieses Chaos sucht Ruby verzweifelt nach Überlebenden aus ihrer Familie.


Es gibt Geschichten, die sind von der Idee her wirklich gut. Aber dann gibt es ein Element darin, das leider einiges davon wieder zunichte macht. Dazu gehört für mich auch “Rain”, auf das ich mich an sich sehr gefreut hatte. Einfach, weil ich die Idee mit dem giftigen Regen genial fand. Irgendwie innovativ unter den zig anderen endzeitlich angehauchten Teenie-Romanen, bei denen es überwiegend aus kriegerischen Gründen und durch Unterdrückung dem Ende zugeht.
Es gelingt Virgina Bergin sehr gut, die Bedrohlichkeit der Situation zu beschreiben und sie eindringlich an den Hörer zu bringen. Wenn man sich die Situation mal in der eigenen Welt vorstellt: niemals bei Regen das Haus verlassen, immer Angst von einem Schauer überrascht zu werden, nie Leitungswasser zu trinken, von den Auswirkungen auf die Natur ganz zu schweigen, das hat schon einen gewissen Gruselfaktor. Und dann gilt es für Ruby auch noch, ihre Familie wiederzufinden. Das ist zum Glück also durchaus spannend. Dadurch konnte ich meinen persönlichen Nervfaktor halbwegs ausblenden.
Und der hieß ausgerechnet “Ruby”. Ja, sie ist ein Teenager, da ist man manchmal gedankenlos, hat es nicht so mit den Eltern und kümmert sich bevorzugt um sich selbst, das eigene Aussehen und Ansehen unter Freunden. Gar kein Zweifel. Aber in dieser Situation sollte sich diese Art Charakter doch recht schnell wandeln. Immerhin geht es um Leben und Tod, und das sollte doch wohl auch bei einer Fünfzehnjährigen fix ankommen. Allzumal sie um das Leben ihrer Mutter und ihres Bruders bangen muss. Mir dauerte es viel zu lange, bis sich bei Ruby ein Umdenken einstellte. Bis dahin nervte mich dieser kopflose Teenager ganz schön mit seiner Oberflächlichkeit.
Ich halte Ruby allerdings zugute, dass sich ihr Wesen schließlich doch so nach und nach wandelt. Doch der Weg bis zu diesem Zeitpunkt war steinig.

Josefine Preuß höre ich immer wieder gerne als Hörbuchsprecherin. Ihre junge Stimme passt prima zu Ruby und den flapsigen, jugendlichen Erzählstil nimmt man ihr ebenfalls sofort und leicht ab. So fällt das Zuhören leicht, was bei einem Hörbuch dieser Länge keinesfalls schaden kann.

Das Covermotiv gefällt mir so gut wie eh und je. Schön düster, der Himmel verrät schnell, aus welcher Richtung hier die Gefahr kommt, und die Mädchengestalt auf der Straße bringt gut Rubys Situation auf den Punkt. Das Digipak mit den CDs zieht in einem schicken Schuber ins Regal ein. Das wirkt edel und hochwertig.

Fazit:  Sehr viel später konnte ich mich endlich etwas mit Ruby anfreunden. Bis dahin kam sie mir sehr oberflächlich und gedankenlos vor, was mich ziemlich genervt hat. Bei solch einem Leben sollte selbst einem Teenie doch klar sein, was darin die erste Geige spielen sollte. Und das ist weder das Handy, noch die Frisur. Vom Thema her war “Rain” genau nach meinem Geschmack und das Geschehen auch ganz spannend.

Ich bin mal kurz tot (Lance Rubin)

Ich bin mal kurz tot (Lance Rubin)Wie alle anderen auch kennt der 17-jährige Denton seinen genauen Todestag. In der Zeit davor, der Todeswoche, tun die Menschen traditionell alles, was sie schon immer tun wollten. Am Tag vor seinem Tod erwacht Denton aber im Bett eines Mädchens, das definitiv nicht seine Freundin ist, die ihn irgendwie letzte Nacht verlassen haben muss. Das kann er kurz vor seiner Beerdigungszeremonie am Nachmittag eigentlich nicht gebrauchen. Auf welche Weise Denton den Tod finden wird, das weiß er noch nicht. Ein mysteriöser Fleck auf seiner Haut gibt jedoch einen ersten Hinweis. Doch dann taucht ein merkwürdiger Fremder auf seiner Beerdigung auf und erzählt allerhand Dinge, die Dentons bevorstehendes Ableben in ein ganz neues Licht rücken. Etwas stimmt hier nicht. Doch kann er noch herausfinden, was?

Eigentlich klang dieses Buch ganz nach meinem Geschmack. Ich mag Bücher, die sich auf lustige Art mit dem Tod befassen. Außerdem gefiel (und gefällt) mir die Idee, dass die Menschen wissen, wann sie sterben. Das ist ein Gedanke, der mich reizt seit der Folge “ALF – Onkel Albert”, in der ALF erklärt, auf Melmac würden alle mit 650 Jahren sterben und es würde ihnen Angst machen, es nicht zu wissen.
Trotzdem ist es beim Lesen ein ständiges Hin und Her. Einserseits ist es schon unheimlich, andererseits habe ich Argumente dafür, weshalb dieses Wissen gut wäre. Und Denton lebt einem das auch ganz klar vor. Für ihn ist alles ganz normal. Die Frage ist halt hauptsächlich, wie man seinen letzten Tag am besten verbringt. Als Siebzehnjähriger. Da stehen Freunde, Freundinnen, One-Night-Stands, Partys zur Auswahl, das ist ganz klar. Allerdings versumpft die Geschichte über zwei Drittel hinweg genau darin. Denton trudelt durch einen typische teeniemäßigen letzten Tag, tiefgründigere Gespräche gibt es eher selten. Das muss ich persönlich auch gar nicht haben. Trotzdem plätschert die Story für mein Empfinden ewig lange so vor sich hin. Denton erzählt und erzählt und es wird geredet und geredet, aber es passiert reinewegs nichts!
Als Denton den merkwürdigen Fleck auf seiner Haut entdeckt, hoffte ich, dass nun endlich mal Schwung ins Geschehen kommen würde. Immerhin ist das schon außergewöhnlich und am letzten Tag des Lebens vielleicht auf potenziell bedrohlich. Das Verrückte dabei ist, dass es in dem ganzen Chaos in Dentons Leben keine Chance hat, dieses Potenzial auszunutzen. Obwohl alle naselang davon gesprochen wird, ich habe es schnell als nicht mehr so brisant empfunden. Und ich hatte auch nicht den Eindruck, das dieser Fleck mal der Ausgangspunkt für eindramatisches Geschehen sein würde. Das muss man auch erstmal schaffen: etwas -wie sich später herausstellt- Dramatisches und Wichtiges durch elend lange Schwafelei nahezu bedeutungslos zu machen. “Ich bin mal kurz tot” gelingt das spielend und das hat mich enttäuscht. Spannung kommt so ebenfalls nicht auf.
Deshalb habe ich mir zum Ende hin wirklich an die Stirn getippt. Denn da dreht die Geschichte dann plötzlich so richtig auf und präsentiert des Rätsels Lösung um den Fleck. Quasi wie das Teufelchen aus der Schachtel. Nicht einmal ansatzweise wäre davon bis dahin etwas zu erahnen gewesen. Wer auf solche Überraschungen steht, der wird seine Freude daran haben. Ich dagegen möchte zuvor schon etwas erahnen können, selbst wenn es nur ein Gefühl in eine Richtung ist. Doch das hatte ich hier absolut nicht. Das Ärgerlichste daran ist aber, dass das, was am Ende ans Tageslicht kommt, mit hunderprozentiger Sicherheit schon zuvor für eine spannendere und interessantere Geschichte hätte sorgen können. Selbst wenn man dem Leser nur ab und zu ein “Leckerchen” hingeworfen hätte, es hätte defintiv für Spannung gesorgt und die öde Schwafelei eingedämmt.

Denton erzählt selber von seinem letzten Tag und den Abenteuern, die er erlebt. Normalerweise lesen sich Bücher, die aus der Ich-Perspektive geschrieben sind, besonders leicht für mich. Hier war das nicht der Fall, weil Denton oft und über mehrere Seiten hinweg erzählt und erzählt und beschreibt und beschreibt. Sowas ist für mich immer ermüdend. Die paar Dialoge konnten das nicht nennenswert auflockern. Daher habe ich recht lange für das Buch gebraucht. Ich lese nicht gerne, wenn es mich anstrengt.

Das Cover hat mir auf Anhieb gefallen. Der Sarg ist ein Hingucker, die Party-Elemente rund herum nehmen dem Motiv die Ernsthaftigkeit und der Titel verdeutlicht zusätzlich, dass es hinter diesem Deckel nicht bierernst zugeht. die Klappen der Broschur sind vorne und hinten innen im gleichen Stil gestaltet.

Fazit:  Leider hat mich “Ich bin mal kurz tot” ziemlich enttäuscht. Die Idee mit dem Wissen um das eigene Sterbedatum gefällt mir schon länger, daran liegt es nicht. Aber zwei Drittel des Buchs wird nur geschwafelt und geschwafelt und es passiert nichts. Selbst das Detail, das eine gewisse Brisanz einbringen könnte (Dentons Fleck) geht in diesem Geschwafel unter und wurde für mich nebensächlich. Und dabei bekommt man ein Ende geboten, das ohne Probleme für eine auch zuvor schon spannende und interessante Story hätte sorgen können. Selbst wenn es nur ab und zu Andeutungen gegeben hätte. So aber kommt das Ende dermaßen überraschend, dass ich mir ehrlich an die Stirn gestippt habe. Zuvor ewig lange Ödnis und am Ende ein Hammer. Nein, so begeistert man mich nicht.


Titel: Ich bin mal kurz tot
Autor: Lance Rubin
Seiten: 352
Verlag: Piper ivi
ISBN: 978-3492703345
Preis: € 16,99 (Broschiert)

Fuck you, Leben! (Non Pratt)

fuckyouHannah ist 15. Sie mag Jungen, sie mag Sex – und sie ist schwanger. Sie weiß zwar, von wem, aber das kann sie auf gar keinen Fall sagen.Aaron ist 16. Er ist neu auf Hannahs Schule, weil an seiner alten Schule etwas Schlimmes passiert ist. Und Aaron gibt sich die Schuld daran. Seit dem hat das Gefühl, etwas wiedergutmachen zu müssen. Und so stellt er sich vor Hannah, als eine fiese Facebook-Seite mit dem Titel ›Wer ist der Vater?‹ online geht. Mehr noch, er gibt sich offiziell als Vater des Babys aus, mit aller damit verbundenen Verantwortung. Doch kann so eine ›rein platonische‹ Vaterschaft gut gehen?

Ich weiß selber nicht genau, wieso ich mich plötzlich für dieses Buch interessiert habe. Natürlich lese ich sehr gerne Jugendbücher, aber solchen mit schwierigen Themen gehe ich eigentlich meistens aus dem Weg. Noch dazu liegt “Fuck you, Leben!” ein Thema zugrunde, mit dem ich an sich gar nichts anfangen kann.
Am ehesten hat mich wohl Aarons und Hannah Idee neugierig gemacht, ihn als Vater des Kindes auszugeben, weil Hannah den wahren Vater nicht preisgeben kann. Ich wollte wissen, wie und ob sie mit diesem Plan durchkommen würden.
Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich während des ersten Drittels der Geschichte kaum etwas damit anfangen konnte. Ich hatte ständig das Gefühl, nichts zu verpassen, wenn ich mal ein paar Seiten überspringen würde. Das habe ich nicht getan, deshalb weiß ich, dass ich mit meinem Gefühl richtig lag. Ein etwas kürzer gefasster Anlauf hätte sicher gereicht.
So allerdings hat man zunächst ewig lang Zeit, sich ein Bild vor allem von Hannah, aber auch von Aaron zu machen. Aaron mochte ich schnell, doch mit Hannah hatte ich so meine Schwierigkeiten. Mich gruselt es bei der Vorstellung, dass manche Fünfzehnjährige heutzutage so drauf sind wie sie: nix weiter im Kopf als sexy Klamotten, Jungs und Sex, und dann mit großen Augen dastehen, wenn so etwas passiert, wie es Hannah passiert. Ich bin längst keine fünfzehn Jahre mehr alt, aber ich weiß noch, dass es damals bei uns nicht so lief. Vielleicht kann ich mich deshalb so schwer mit Figuren wie Hannah anfreunden. Weil es so weit weg von meiner Teeniezeit ist.
Außerdem hat mich dieses Gezicke unter den Mädels um Hannah herum ziemlich genervt. Mit Zickereien und Intrigen kann ich gar nichts anfangen. Daher finde ich so etwas weder interessant, noch spannend. Das einzige, was ich aus diesem Teil der Geschichte mitgenommen habe, war ein zeimlich sicherer Verdacht, wer der wahre Vater des Babys sein könnte.
Nachdem man also diesen Part hinter sich gebracht hat, kommt endlich das eigentliche Thema auf den Tisch: Hannah ist fünfzehn Jahre alt, schwanger und will das Kind behalten. Es folgen die absehbaren Diskussionen und Streitereien mit der Familie und das Unverständnis, das ihr in der Schule entgegenschlägt. Das gehört in meinen Augen auch so. Wären alle hellauf begeistert gewesen, hätte ich das als sehr unrealistisch eingestuft.
Die Idee, Aaron als Vater auszugeben, hatte mich ja schon dazu bewegt, überhaupt dieses Buch zu lesen. Ich finde sie auch nachwievor gut und mutig. Einfach haben die beiden es damit auf keinen Fall, was ich ebenfalls realistisch finde. Es ist dabei schön zu verfolgen, wie speziell Aaron in diese Rolle hineinwächst. Aber eines muss man halt ganz klar sagen: so einen Typen wie Aaron, den muss man auch erstmal finden. Ich glaube kaum, dass die Wirklichkeit jedes schwangere Teeniemädel mit einem Aaron ausstattet. Da hört es mit dem Realistischen dann doch auf.
Aber für Hannah hat es mich gefreut. Auch deshalb, weil sie mir nach und nach doch noch sympathischer wurde. Die Schwangerschaft verändert sie eindeutig zum Guten hin. Aber es ist halt auch ein Zustand, den sie meistens wirklich genießen kann. Jedenfalls liest man kaum mal etwas über irgendwelche Beschwerden, die eine Schwangerschaft sonst oft mit sich bringt. Das vermittelt ab und zu das Gefühl, dass in einer Schwangerschaft alles immer nur schön und gut und rosarot ist. Ich kann nicht aus eigener Erfahrung sprechen, aber irgendwie ist das für mich schwer vorstellbar
Der Klopper schlechthin an dieser Geschichte ist die Wahrheit darüber, wer der Vater des Kindes ist. Ich lag mit meinem Verdacht völlig daneben und dachte, ich lese nicht recht! Überraschung auf ganzer Linie geglückt, würde ich sagen. Da wäre ich nie und nimmer drauf gekommen. Und wie der Kerl sich benimmt als er von seiner Vaterschaft erfährt! Also nee, Hannah, da bist du mit Aaron dreimal besser dran.

Hannah und Aaron erzählen die Geschichte abwechselnd. Mal schaut man in Aarons Leben und Gedankenwelt, dann in die von Hannah. Das sorgt für Abwechslung, was meinen Lesefluss fast immer beschleunigt. Sie erzählen jugendlich locker, verstehen es aber -wenn nötig- auch, Ernsthaftigkeit aufkommen zu lassen. Auch das hat mir das Lesen leicht gemacht. Die Abschnitte sind oft recht kurz, so dass man leicht denkt: ach komm, einen noch! Und dann ist man plötzlich fast durch.

Mit einem hauptsächlich weißen Cover habe ich immer so meine Schwierigkeiten. Auch bei diesem Buch gefällt mir das nicht. Es sieht für mich irgendwie unfertig aus. So als wäre es noch nicht die Endversion. Aber sie ist es wohl, denn das Buch liegt so weiß neben mir. Dafür mag ich den Schriftzug, der in den Farben eines schönen Sonnenaufgangs oder Sonnenuntergangs gehalten ist. Die Mädchengestalt gefällt mir aus. Sie sieht so frei aus, dass es sehr gut zum Titel passt.

Fazit:  Anfangs hatte ich ziemliche Probleme mit dem Buch. Über Hannahs Wesen und ihr Verhalten habe ich ständig nur den Kopf geschüttelt. Bitte, lasst nicht die Mehrheit der heutigen Fünfzehnjährigen so drauf sein. Doch mit der Schwangerschaft veränderte Hannah sich und o haben wir uns doch noch angenähert. Sehr viele Dinge in dieser Geschichte sind erfreulich realistisch beschrieben und die Idee mit Aarons “Vaterschaft” gefällt mir nachwievor. Es war schön zu verfolgen, wie sie sich damit arangieren, wie speziell er in diese Rolle hineinwächst und wie die beiden einander näherkommen. Doch eins ist ganz klar: nicht für jede schwangere 15jährige steht irgendwo ein solcher Aaron parat. Das muss man sich ebenso vor Augen halten wie die Tatsache, dass eine Schwangerschaft nicht immer so entspannt verläuft wie Hannahs.


Titel: Fuck you, Leben!
Autor: Non Pratt
Seiten: 416
Verlag: DTV
ISBN: 978-3423740074
Preis: € 14,95 (Broschiert)

Ich und andere uncoole Dinge in New York (Julia K. Stein)

uncooledingeEndlich: Für einen Sommer entkommt Judith der Kleinstadt im Ruhrgebiet, wo sie die ersten sechzehn Jahre ihres Lebens vergeudet hat. Eigentlich soll sie ihre Mutter begleiten, doch die ist mit ihrem neuen Geliebten und ihrer Karriere beschäftigt. Judith wird in Rachels WG einquartiert und zu einem Praktikum verdonnert. Dann trifft sie Peter, er ist selbstsicher, sieht großartig aus und kennt jeden Club in New York. Immerhin scheint der Plan aufzugehen und Peter wird ihr Freund. Doch während Judith sich mit Rachels herzlicher jüdischer Familie anfreundet, wird Peters Verhalten immer merkwürdiger. Wo ist er, wenn er angeblich studiert, warum bekommt er so viele Nachrichten und kennt  jeden Türsteher? Und dann ist da noch Adam, Rachels Bruder, dessen Nähe sie mehr verwirrt, als sie sich erklären kann.

Als dieses Buch günstig als eBook erhältlich war, habe ich zugeschlagen. Ich mag New York und der Titel verhieß eine fröhliche, sommerliche Geschichte rund um die erste Liebe einer Sechzehnjährigen, die sich offenbar für nicht allzu cool hält. Das fand ich auf Anhieb sympathisch, weil ich es nicht mag, wenn jemand so sehr von sich überzeugt ist, dass er sich selber als cool bezeichnet. Waren das bereits zu hohe Ansprüche, oder wieso ist die Sache mit diesem Buch und mir so kolossal gescheitert? Schauen wir mal genauer hin.
Erstens kam ich mit Judith einfach nicht klar, geschweigen denn, dass ich mich mit ihr hätte anfreunden können. Auf den ersten Seiten ging es noch, da erschien sie mir noch wie ein ganz normaler Teenie, was völlig in Ordnung  war. Doch kaum in New York und in der WG angekommen, wandelte sich das Bild. Plötzlich erzählt Judith wie die aufgeklärteste Erwachsene mit dem totalen Durchblick von ihrem neuen Leben. Sie durchschaut alles und jeden, allen voran ihre Mutter, und findet zielgenau jede Schwäche ihrer Mitmenschen, die sie dann auch umgehend anspricht. Dabei wäre es viel dringender notwendig, dass sie sich mal an die eigene Nase fasst! Zugeben, dass sie von ihrem Praktikantenjob null Ahnung hat? Nö, lieber durchmogeln! Und wieso kapiert Fräulein Superschlau nicht, was dem Leser nach wenigen Begegnungen mit Peter klar ist? Schon seltsam, wo sie sonst überall den Durchblick hat!
Dieses Job ist gleich der zweite Grund, worüber ich mich geärgert habe. Da kommt ein deutsches Mädel an und bekommt sofort eine Praktikumsstelle, weil die Mutter behauptet hat, es könne so gut programmieren. Das alleine finde ich schon hanebüchen. Dass Judith aber direkt richtige Aufgaben in Sachen Programmierung zugeteilt bekommt, ist für mich noch abwegiger. So bedürftig und blauäugig können doch nicht mal die Amis sein!
Und letztlich frage ich mich noch, wieso Rachels Familie jüdischen Glaubens sein muss? Ich habe weiß Gott nichts gegen Juden, ehrlich nicht! Aber so unglaubwürdig und dünn wie die Story sonst ist, hat Julia K. Stein da vielleicht gedacht, mit einer Schippe Moral und Offenheit noch was rausreißen zu können? Das wirkt als habe sie selbst bemerkt, dass die Story den jungen Lesern nichts an die Hand gibt, was ihnen im Leben nochmal nützlich sein könnte. Und als habe sie dann händeringend nach etwas gesucht und das Erstbeste eingebaut.
Ach so, es geht so viel um Liebe, aber dieses gewisse Kribbeln kam bei mir nicht eine Sekunden lang auf. Das fiel dann aber auch nicht mehr ins Gewicht.

Immerhin ist die Geschichte locker weg geschrieben. Somit fiel das Lesen an sich sehr leicht. Ich denke, wenn mich das obendrein noch angestrengt hätte, hätte ich schnell kapituliert.

Das Covermotiv wirkt schön sommerlich. Wahrscheinlich habe ich uA auch deshalb erwähnte falsche Erwartungen an die Geschichte gehabt.

Fazit:  16 Jahre alt, von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber im Glauben, den vollen Durchblick zu haben. Solche Charaktere sind nichts mein Fall. Da rege ich mich zu schnell auf. Ansonsten eine recht unglaubwürdige Geschichte, hinter deren größtes Mysterium (Peter) man als Leser im Nu steigt. Damit ist dann auch jegliche Spannung futsch. Und New York – Flair kommt ebenso wenig auf wie dieses Kribbeln, das eigentlich zu jeder Lovestory gehört.


Titel: Ich und andere uncoole Dinge in New York
Autor: Julia K. Stein
Seiten: 274 Seiten
Format: Kindle Edition
Preis: € 3,99

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Am Ende der Treppe hinter der Tür (Sabine Ludwig)

endedertreppeWie erpresst man einen Mörder, den man nicht gesehen hat? Die 16-jährige Martha ist zufällig Ohrenzeugin des Mordes an ihrer Nachbarin geworden. Nun beschließt sie, dieses Wissen für sich zu nutzen. Denn sie braucht Geld. Damit sie endlich mit ihrer Mutter in eine eigene Wohnung ziehen kann. Und damit sie sich nicht mehr mit diesem Glatzkopf und seiner nervigen kleinen Tochter Poppy rumärgern muss. Gemeinsam mit ihrer Freundin Jill entwickelt Martha einen raffinierten Plan … doch dann begeht sie einen entscheidenden Fehler.

Wie so oft lockte mich auch bei diesem Buch wieder das Cover, das mir von Anfang an sehr gut gefiel. Doch auch der Klappentext klang ganz vielversprechend.
Auf den Krimi um die Erpressung und ihre Folgen muss man allerdings eine ganze Zeitlang warten. Erst im achten Kapitel geht es damit wirklich los.
Bis dahin nimmt die Geschichte sich alle Zeit Martha vorzustellen und zu beschreiben, womit die Sechzehnjährige gerade alles zu kämpfen hat. Dem einen oder anderen Leser könnte das zu ausführlich sein, mich hat es überhaupt nicht gestört. Das liegt wohl vor allem daran, dass ich mich in vielen Punkten in Martha wiedergefunden habe. Als ich in ihrem Alter war. Beispielsweise was ihre wechselhafte Freundin Jill angeht, die sich gerne als beste Freundin verkauft, dann aber plötzlich quasi aus dem Rücken heraus einen Todesschuss abgibt. Oder auch was Marthas Verliebtheit in einen Lehrer anbetrifft. Außerdem konnte ich nur zu gut verstehen, dass Martha keinen Bock auf eine kleine Schwester hat, sie beim Essen rumsaut, in Marthas Bett sabbert und an ihr hängt wie eine Klette. Hätte ich auch nicht. Sie tat mir also wirklich leid. Und so viele Gemeinsamkeiten mit einer Figur schafft natürlich Nähe.
Dann nahm endlich der Krimi Anlauf. Mit einem verdächtigen Gespräch, das Martha belauscht hat, und aus dem sie nun Profit schlagen will um die neue kleine Schwester und deren Vater loszuwerden. Dafür schmieden Jill und Martha einen finsteren und geradezu wahnwitzigen Plan, der einfach böse Folgen haben muss. Das ist einem zumindest als Leser sofort klar, während Martha darüber zunächst noch nicht nachdenkt. Und Jill schon gar nicht.
Doch schon bald wendet sich ihr Plan klar gegen Martha und sie gerät in immer größere Schwierigkeiten. Und damit auch in Panik, denn es scheint aussichtlos, das heraufbeschworene Unheil noch abzuwenden. Ich fand es spannend zu verfolgen, wie Martha mit der Situation umgeht, die sich nach und nach immer mehr zuspitzt. Und ich habe gegrübelt, wer hinter den seltsamen Vorkommnissen stecken könnte. Für mich gab es mindestens zwei Verdächtige und es dauerte eine ganze Weile bis ich mir sicher war, wer es ist.
Von da an konnte ich quasi zuschauen, wie Martha geradwegs ins offene Messer läuft. Dabei hatte ich einerseits Angst um sie, andererseits habe ich mich aber auch schnell gefragt, wie blind sie eigentlich ist, dass sie das nicht selber erkennt! Es blieb also spannend, denn durch ihre Blindheit bringt Martha sich selber und auch ihre kleine Schwester in wirklich sehr große Gefahr. Und auch wenn ich den Täter seit Anfang an nicht sonderlich mochte bzw ihm nicht wirklich getraut hatte, so hat mich die Erkenntnis, was er plant, doch erschreckt. Ich hätte vieles vermutet, aber das dann doch nicht. Außerdem tat mir Martha wieder einmal unheimlich leid. Einmal mehr platzt mit der Erkenntnis, wer ihr da so übel mitgespielt hat, einer ihrer großen Träume.
Mit ihrem Mut am Ende hat sie mir dann aber auch imponiert. Und ich habe mich sehr gefreut, dass sie mit einer neuen Freundschaft endlich rosigeren Zeiten entgegensieht. Lediglich das Ende um ihre kleine Schwester fiel mir etwas zu rosarot aus.

Sabine Ludwigs Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Sie schreibt zwar recht jugendlich locker, schafft es dabei aber doch, einen Marthas Gefühlswelt deutlich zu machen und nahe zu bringen. Sowohl zu Beginn als man von Marthas Problemen erfährt, als auch später als sich Marthas Situation immer mehr zuspitzt. Das sorgt dafür, dass man sich gut in Martha einfühlen kann, es sorgt aber auch für die nötige Spannung. Die Gegenwartsform bringt das nötige Tempo rein und eine angenehme Kapitellänge sorgt dafür, dass man immer weiter schmökern möchte.

Wie schon gesagt, hat mir das Cover sofort gefallen. Und mich mit dieser düsteren Treppe neugierig darauf gemacht, was sich wohl hinter der Tür an ihrem Ende verbergen könnte. Motiv und Titel passen hier wirklich sehr gut zusammen.

Fazit: Es dauert bis die Geschichte zum Krimi kommt, aber langweilig ist es mir bis dahin nicht geworden. Das mag Lesern, die sich nicht so gut mit Martha identifizieren können wie ich anders gehen. Der Krimi beginnt mit einem haarsträubenden Plan, der eigentlich nur schiefgehen kann und es auch prompt tut. Ich fand die Entwicklung wirklich spannend und hatte Angst um Martha als sie später direkt in ihr Unheil rennt. Für mich somit eine rundum gelungene Geschichte.


Titel: Am Ende der Treppe hinter der Tür
Autor: Sabine Ludwig
Seiten: 384
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3499216756
Preis: € 9,99 (Broschiert)

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