Thienemann Verlag

Blut ist im Schuh (Anna Schneider)

blutistimschuhDie Frau hatte zwei Töchter ins Haus gebracht, die schön und weiß von Angesicht waren, aber garstig und schwarz von Herzen.
Gespenstische Stille liegt über dem Friedhof. Amelies einzigem Zufluchtsort vor den Bosheiten ihrer Stiefschwester. Sarah hatte sie bestohlen, gedemütigt, verletzt. Wie weit würde sie noch gehen? Schon spürt Amelie wieder das Stechen im Nacken, wie von eiskalten Augen, die ihr überallhin folgen. Ihr einziger Hoffnungsschimmer ist der Abschlussball mit Ben: Wird er sie wach küssen aus diesem Albtraum?

Aus dieser Reihe hatte ich bisher nur “Aschenputtels letzter Tanz” gelesen und das hatte mir wirklich gut gefallen. Deshalb hatte ich die Reihe weiter im Augen behalten und mich sehr darüber gefreut, nun auch “Blut ist im Schuh” lesen zu dürfen. Vielen Dank nochmal an Anna Schneider!
Bei der Geschichte handelt es sich um eine moderne Adaption des Märchens von “Aschenputtel”. Das verrät nicht nur der Titel, man findet viele Elemente aus dem Märchen auch sonst in der Geschichte wieder. Die beiden ungleichen Schwestern, die eine sympathisch und nett, die andere ganz schön boshaft, die unfaire Stiefmutter, den Prinzen und später auch den berühmten verlorenen Schuh. Um nur einige zu nennen. Mir hat das so prima gefallen, dass man das ursprüngliche Märchen noch gut wiedererkennt.
Amelie mochte ich sofort, auch wenn sie schon etwas arg freundlich, friedlich gesinnt und wohlerzogen ist. Normalerweise mag ich Figuren mit gewissen Ecken und Kanten lieber. Aber ich fand sie eben einfach süß mit ihrer Schwärmerei für Ben und sie tat mir unglaublich leid. Getrennt von ihrem Vater, an dem sie so hängt. Und den Gemeinheiten ihrer Stiefschwester Sarah ausgesetzt. Sarah ist wirklich fies und oft hätte ich sie gerne mal geschüttelt. Manchmal tat aber auch sie mir leid, denn man merkt schnell, weshalb sie so kratzbürstig drauf ist. Da steckt mehr dahinter als bloße Abneigung.
Deshalb hatte ich bald meine Zweifel, ob sie tatsächlich hinter all den Gemeinheiten steckt. Ein paar Dinge, okay, die traute ich ihr zu. Aber der Rest? Das ging mir dann doch zu weit. Aber wer sollte es bitte sonst sein? Vor allem, weil Sarah sich immer wieder verdächtig macht. Genau dann, wenn ich sie ausgeklammert hatte. Da habe ich ganz schön geknobelt, und auch das ist etwas, das ich total an Thrillern und Krimis mag: wenn man als Leser miträtseln kann. Die kurzen Kapitel aus Sicht des Täters waren dabei keine große Hilfe, dafür sind sie aber ein wenig schaurig und machen die Bedrohung deutlich, die auf Amelie lauert. Ich habe trotzdem versucht, auch nur den kleinsten Hinweis darin zu finden. Vielleicht gibt’s ja doch einen…?
Ich habe zwar keinen gefunden, dafür gab es aber einen Punkt, an dem ich plötzlich eine Idee hatte, was vor sich gehen und wer dahinter stecken könnte. Und wie sich am Ende herausstellte, lag ich richtig. Dafür war das Ende dann eine Überraschung, denn das hat es in sich! Ein solches Finale hatte ich in einem Jugendthriller nicht vermutet. Schön, dass ich damit falsch lag, denn ich mag solche spannenden und grausigen Enden sehr!
Das einzige, was mir an “Blut ist im Schuh” nicht gefallen hat, ist Amelies Wandlung ganz zum Schluss. Diese 360°-Drehung habe ich ihr nicht abgenommen. Und außerdem hat sie mir brav einfach besser gefallen.

Ich habe das Buch an einem Abend in einem Rutsch gelesen, so spannend fand ich es. Außerdem ist es wirklich schön geschrieben. Schön jugendlich und locker, aber auch eindringlich zu spannenden Szenen. Und dass die Kapitel eine so appetitliche Länge haben, war dabei ebenfalls eine gute Hilfe.

Das Cover zeigt die Schattenrisse der beiden Schwestern, wie ich mal schwer annehme. Daran kann man die Reihe mit diesen märchenhaften Thrillern gut erkennen. Und auch an den schönen und detailreichen Rahmen drumherum. Damit sieht es gleich märchenhaft und verträumt aus. Besonders gefällt mir der bedruckte Schnitt. Das ist immer noch etwas Besonderes, wie ich finde.

Fazit:  Ein spannender und unterhaltsamer Thriller für jugendliche und erwachsene Fans dieses Genres, der viel vom ursprünglichen Märchen übernommen hat. So ist auch vom Charme und Flair dieses Märchens hier gut etwas zu spüren. Ich habe damit einen sehr vergnüglichen und gemütlichen Abend verbracht.


Titel: Blut ist im Schuh
Autor: Anna Schneider
Seiten: 256
Verlag: Planet Girl by ThienemannVerlag
ISBN: 978-3522503303
Preis: 9,95 (Broschiert)
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Lilith Parker (03) – …und das Blutstein-Amulett (Janine Wilk)

lilith03Nichtsahnend sitzen Lilith, Matt und Rebekka in einem gemütlichen Kaffee, als sie plötzlich ein Hilferuf aus Chavaleen, dem Reich der Vampire erreicht. Ihr Anführer Vadim Alexandrescu liegt im Sterben. Lilith soll sofort nach Rumänien reisen, um mit ihren Banshee-Kräften seinen Tod zu verhindern. Angekommen in der unterirdischen Vampirstadt kann Lilith nicht glauben, was sie durch ihre Banshee-Kräfte erfährt – es hat sich ein Verräter eingeschlichen in die Gemeinschaft der Vampire. Lilith muss verhindern, dass das Schattenportal wieder geöffnet wird und Bonesdale und die gesamte Menschenwelt von Dämonen bedroht werden.

Nachdem ich die beiden ersten Lilith-Bände als Hörbuch gehört habe, hatte ich nun Lust darauf, diesen dritten Band zu lesen. Einfach so zum Vergleich.
Der Anfang war gleich ganz schön witzig mit Liliths Schwimmtraining und spannend mit Rebekkas Hexenprüfung. Langeweile hatte da sofort keinerlei Chancen mehr. Außerdem hat man zunächst Gelegenheit, sich in Liliths Welt und Leben und unter den Charakteren neu zu orientieren. Das finde ich bei Reihen immer ganz wichtig, denn die Abstände zwischen den Bänden sind mitunter ganz schön lang. Da ist es praktisch, wenn einem zu Beginn eines jeden Bandes die Erinnerung ein wenig aufgefrischt wird.
Die eigentliche Geschichte startet mit dem Besuch von Lilith und ihren Freunden bei den Vampiren in Chavaleen.
Obwohl man sie dort überwiegend herzlich aufnimmt, wird auch schnell klar, dass in Chavaleen etwas nicht stimmt.
Wieso liegt das Vampiroberhaupt im Sterben? Gibt es einen Verräter in den Reihen des Vampire, und falls ja, wer könnte es sein? Und welche Rolle spielen bei alldem Liliths Bernstein-Amulett und das Blutstein-Amulett der Vampire?
Ich fand es spannend, gemeinsam mit Lilith all diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Zudem werden Liliths Banshee-Kräfte  mehr gefordert und auch gefährliche Proben gestellt. Da macht man sich einerseits Sorgen um Lilith, andererseits lässt es sie aber auch reifer und eine Spur erwachsener wirken. In diesem Zusammenhang ist es beruhigend zu wissen, dass auch die Leser(innen) der Reihe im Laufe der drei Bände unweigerlich äter geworden sind. Einige Szenen haben es nämlich ganz schön in sich, und an schaurigen Kreaturen mangelt es ebenfalls nicht.
Gegen Ende geht es dann für Lilith wortwörtlich um ihr Leben, und am Ende selbst wartet -anders kann ich es nicht sagen- schlichtweg ein echter Hammer auf Lilith und damit auch auf den Leser.  So tragisch, das hätte ich einem Kinder- bzw Jugendbuch nicht zugetraut. Da kann man für den nächsten Band in gewissen Belangen nur noch auf ein Wunder hoffen.
Vor dieser Tatsache mag es unglaublich klingen, aber auch dieser dritte Band hat wieder den vertrauten Funken Humor im Gepäck. Vor allem Strychnin und seine Tagebucheinträge haben mich manches Mal grinsen lassen. Aber auch sonst gibt es immer mal Dialoge oder Erläuterungen und Beschreibungen, die einen schmunzeln lassen. Ich mag diesen listigen Humor sehr

Ich war überrascht, dass ich für das buch tatsächlich ein paar Tage gebraucht habe. Es gibt aber eben auch viele beschreibende Passagen, die sich von Natur aus nicht so zügig lesen lassen wie beispielsweise Dialoge. Normalerweise bin ich von solchen Passagen ab einer gewissen Menge und Länge überhaupt kein Fan. Da hat mir erwähnter Schuss Humor sehr geholfen, denn er lockert diese Abschnitte schön auf. Es macht mir das Lesen einfach leichter, wenn ich dabei ab und zu mal grinsen kann.

Die Cover dieser Reihe sind für mich immer ein Hingucker. Ich mag solche kräftigen Farben einfach. Vor allem, wenn sie mit einer ordentlichen Portion Düsternis kombiniert werden wie hier. Zusammen mit den leuchtenden Augen sieht das schön schaurig aus. Und ja, so könnte ein Haus in Chavaleen wohl aussehen. Jedenfalls stelle ich es mir so vor.

Fazit: Lilith Parker wächst mit ihren Aufgaben, das merkt man in diesem Band ganz deutlich. Ich fand ihr neues Abenteuer sehr spannend. Für ein Buch, das Lesern ab 10 Jahren empfohlen wird, gar nicht ohne! Ich denke aber, dass kaum jemand mit diesem Band in die Reihe einsteigen wird. Die meisten jungen Leser dürften auch Liliths vorige Geschichten kennen und so mit ihr älter gworden sein. Und zum Glück ist auch noch der vertraute Humor erhalten geblieben. Das lockert auf uns dämpft eventuellen Schrecken.


Titel: Lilith Parker (03) – …und das Blutstein-Amulett
Autor: Janine Wilk
Seiten: 416
Verlag: Planet Girl / Thienemann Verlag
ISBN: 978-3522503259
Preis: € 14,99 (HC)

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Diese Stunde gehört mir nicht (Edward Hogan)

diesestundeDaniels Erwartungen sind nicht sehr hoch, als er mit seinem Vater in dem Sport-Ferienpark Englands eintrifft, in dem sie eine Woche Urlaub machen wollen. Seine Eltern haben sich gerade getrennt, in der Schule gilt er als Loser, und Sport konnte er noch nie leiden. Doch gleich am ersten Tag begegnet er Lexi, einer jungen Frau, die ihn sofort in den Bann zieht. Er spürt, dass sie ein dunkles Geheimnis umgibt, merkt schnell, dass sie jemanden braucht, um sich den Schatten ihrer Vergangenheit zu stellen. Denn Lexis Todestag jährt sich zum zweiten Mal und Daniel setzt alles daran, ihrem Mörder das Handwerk zu legen.

Bei diesem Buch war es die Mischung, die mich neugierig machte. Das Cover finde ich wunderschön. Dann mag ich eben Geschichten, die in Camps oder Ferienparks spielen. Und ein Rätsel um ein seltsames Mädchen, das etwas Unheimliches an sich hat, ist ebenfalls nicht zu verachten. Das alles obendrein noch als Jugendbuch: perfekt für mich!
Dachte ich, denn wirklich überzeugt hat mich “Diese Stunde gehört mir nicht” trotzdem nicht. Daniel fand ich ganz nett, und es hat mir gefallen, dass er ein ganz normaler Junge ist. Sonst findet man als Hauptcharakter ja oft Jungs vor, die gut aussehen und selbstbewusst und witzig sind. Daniel sieht nicht so toll aus und selbstbewusst ist er auch nicht, eher zurückhaltend und etwas schüchtern. Eigenschaften, die ich an Charakteren an sich ganz gerne mag und bei denen ich denke, dass sich mancher junge Leser da eher wiederfindet als im sportlichen Beau. Aber mehr als “nett” fand ich Daniel nicht und entsprechend fiel es mir schwer, wirklich mit ihm zu fühlen und zu fiebern.
Hinzu kam noch die Art, wie sein Vater angelegt ist. Der hat nach der Trennung von seiner Frau nämlich ein handfestes Alkoholproblem. Es mag hart klingen, aber ich mag keine Säufer in Hauptrollen. Ganz einfach.
Der Ferienpark als Schauplatz ist eigentlich genau nach meinem Geschmack, doch leider beschreibt Daniel ihn -Dank seiner zahlreichen Probleme und Unlust auf den Urlaub- wenig attraktiv. Auch dieser Schuss ging für mich leider ziemlich nach hinten los.
Als Lexi auftauchte, schöpfte ich erneut Hoffnung. Sie mochte ich nämlich wirklich gerne und fand sie schön geheimnisvoll dargestellt. Ich habe lange gegrübelt, wer oder was sie ist bzw was mit ihr nicht stimmt. Das hat Spass gemacht und es war auch ein ganz schöner Schreck als schließlich aufgelöst wird, was ihr widerfahren ist. Das ist wirklich scheußlich. Ich fand es außerdem gut, dass Edward Hogan nicht auf eine schlichte Geistergeschichte gesetzt hat, sondern eine erfrischend andere und ausgefallene Idee gewählt hat.
Daniel verliebt sich in Lexi und da dürfen sich die freuen, die etwas gegen gefühlsduselige Liebesgeschichten haben. “Diese Stunde gehört mir nicht” ist nicht ansatzweise gefühlsduselig. Für mein Empfinden kamen ganz im Gegenteil so gut wie gar keine Gefühle rüber, und das kann es halt auch nicht sein.
Natürlich möchte Daniel Lexi helfen, ihr Schicksal zu beenden. Nun war Daniel zuvor kein wirklicher Held, deshalb war es schön zu verfolgen, wie er Lexi zuliebe über sich hinauswächst. So wurde dann wenigstens das Ende noch schön spannend, zumal ich gar keine Idee hatte, wie diese Geschichte jemals für alle Beteiligten zu einem Happy End finden würde. Diesen Teil habe ich dann wirklich verschlungen.
Das Ende ist -passend zur zentralen Idee- etwas ganz anderes als man es bei einem Jugendbuch erwartet. Auch das hat mir prima gefallen.

Das Buch liest sich prima. Daniel erzählt selber und entsprechend jugendlich und locker ist der Ton auch meistens. Zahlreiche Dialoge lockern zusätzlich auf und die Kapitel haben eine schöne Länge. So lässt sich das Buch gut häppchenweise lesen, was jungen Lesern sicher entgegenkommt.

Das Cover mag ich noch immer sehr gerne! Ich mag die Lichtspielereien in den düsteren Farben und den Kontrast vom Kleid des Mädchens dazu. Ich finde, das sieht geheimnisvoll aus und auch ein bisschen unheimlich. Genauso wie ich es mir für einen Mysterythriller vorstelle.

Fazit:  Der Geschichte liegt eine wirklich schöne und erfrischend neuartige Idee zugrunde. Leider blieb bei mir die ganze Zeit eine Distanz zu den Hauptcharakteren erhalten, die nicht mein Fall waren. Die einzige Ausnahme bildete Lexi, aber das reicht halt für eine Geschichte nicht. So konnte ich auch mit Daniel nicht wirklich mitfibern und mitfühlen und Spannung kam erst gegen Ende wirklich auf. Leider zu spät.


Titel: Diese Stunde ghört mir nicht
Autor: Edward Hogan
Seiten: 240
Verlag: Thienemann Verlag
ISBN: 978-3522201438
Preis: € 12,95 (Broschiert)

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Glits (Robert Wolfe)

glitsWie aus dem Nichts ist es da. Dieses Wesen, das sie den Glits nennen. Mit einer Stimme, die an die Gesänge von Walen erinnert. Und einer Kraft, die jeden verändert. Von Grund auf. Für immer. Auch Jay, den Eigenbrötler. Und Rachel, die stets kurz vorm Explodieren ist. Als die Staatsmacht den Geheimdienst aktiviert, um den großen Unbekannten auszuschalten, und die Presse eine Jahrhundertsensation wittert, starten Jay und Rachel zu einem Roadtrip quer durchs Land. Mit dem Glits an ihrer Seite.

Dieses Buch war eine Zufallsentdeckung und irgendwie machte der Klappentext mich neugierig.
Allerdings war ziemlich schnell klar, dass “Glits” nicht mein Buch sein würde. Der erste Grund dafür ist sprachlicher Natur. Dazu aber später.
Grund Nummer 2 sind die Charaktere. An sich mag ich Charaktere wie Jay: ruhig, schüchtern und anderen Menschen gegenüber nicht sonderlich offen. Aber Jay hat auch Angewohnheiten, mit denen ich gar nicht klarkam bzw die ich in diesen Momenten nicht logisch fand. Vor allem aber gingen seine Gedanken für mein Empfinden sehr oft unerklärliche Weg. Ich habe häufig gar nicht verstanden, wie er gerade auf diesen Gedanken kommt.
In dieser Hinsicht kam mir Rachels Wesen eher entgegen. Bei ihr wusste ich wenigstens immer, woran ich war! Dafür ist Rachels großes Manko ihre ewig schlechte Laune und dass sie stets auf Krawall gebürstet ist. Keine Charakterzüge, mit denen ich warm werde. Jedenfalls nicht, wenn sie sich durch die komplette Geschichte ziehen. Das zieht runter und hat mir selber ebenfalls schlechte Laune beschert.
Ich schätze aber mal, dass die beiden Charaktere ganz bewusst so angelegt sind (was es für mich aber weder besser noch leichter machte), denn nur mit solchen Persönlichkeiten kann eine Geschichte wie “Glits” funktionieren. Denn der Glits, dieses wundersame Wesen, nimmt Einfluss auf Menschen und ihre wie auch immer gearteten seelischen Querelen.
Auf solch ein Wesen sind selbstverständlich auch die Presse, Wissenschaftler und Geheimdienste scharf. In erster Linie um ihn auszuschalten. Denn niemand von ihnen kann mit ihm kommunizieren, ihn verstehen. Das können nur Jay, Rachel und eine Handvoll anderer Kids. Und was einem Verein wie dem Geheimdienst nicht geheuer ist, das ist per se erstmal gefährlich und muss weg.
So beginnt für Jay und Rachel eine gefährliche Flucht mit dem Glits. Das könnte an sich eine spannende Angelegenheit sein. Allerdings haben mir einige Dinge solche Probleme bereitet, dass Spannung bei mir keine Chance hatte.
Das fing schon beim Glits selber an, der als zwergenhaft klein beschrieben wird, mit einem durchsichtigen Körper wie flüssiges Glas, das in ständiger Bewegung ist. Bitte, wie soll man sich das vorstellen? Vor allem den fließenden Körper? Mir ist das unglaublich schwer gefallen und schließlich sah der Glits in meiner Vorstellung aus wie ein farbverirrter, durchsichtiger Slimer (Ghostbusters). Und ich gehe mal schwer davon aus, dass das so nicht gedacht war. Aber ich brauche an einer wie auch immer gearteten Figur etwas, mit dem ich mir eine Vorstellung machen kann. Mit der Beschreibung vom Glits konnte ich das nicht, so kam es zu Slimer 😕
Der zweite wensentliche Grund waren die ganzen  geradezu surrealen Szenen, beispielsweise in einem Gang, der wie ein Gang aussieht, aber doch kein Gang im eigentlichen Sinne ist, oder auch ein Raum, der aufgrund gewisser Vorgänge darin seine Farbe wechselt. Ich habe das gelesen und auch verstanden, was ich da lese, aber es ergab schlichtweg keinen Sinn für mich. Dafür war es zu abgedreht und ich habe lange nicht mal ansatzweise geahnt, welche Botschaft sich  hinter dieser abgedrehten Erzählung verbirgt.
Die habe ich erst sehr spät erkannt, wobei ich jetzt mal einfach davon ausgehe, dass ich sie richtig erkannt habe. Dafür spricht Jays Wandlung im Laufe der Geschichte. Auf Rachel trifft meine “Vermutung” wiederum kaum bis gar nicht zu, was meine Vermutung schon wider Lügen straft. Genau deshlab erwähne ich sie hier lieber nicht. Nicht dass ich  falsche Erwartung an das Buch in die Welt setze.
Sollte ich richtig liegen, finde ich aber wenigstens, dass es eine schöne Botschaft für ein Jugendbuch ist. Immerhin ist die Pubertät eine schwierige Zeit, das wird kaum jemand bestreiten. Und besser als gute Ratschläge von Eltern sind sicher Tipps, die sich in einer Geschichte verbergen und denen somit -wie hier, das muss ich zugeben- zum Glück der mahnende und pädagogische Zeigefinger fehlt. Das regt wohl eher zum Nachdenken an.

Für mich las sich “Glits” ganz schön mühselig, und mehr als fünf Kapitel je Abend habe ich das nicht ausgehalten. Seltsame kurze Sätze, die an sich gar keine richtigen Sätze sind. Eigenartige Formulierungen. Aussprüche, deren Sinn sich mir erst nach wiederholtem Lesen erschlossen, wenn überhaupt. Es war ein sehr holpriger Lesefluss. Ob das an der Übersetzung liegt, kann ich nicht sagen. Aber an sich kann ich es mir nicht vorstellen.

Der orangefarbene Look ist sehr auffällig, und ich kann mir dehalb gut vorstellen, dass man beim Stöbern im Buchladen deshalb schnell mal nach diesem Buch greift. Die Optik gibt ja auch so gar nichts über den Inhalt her. Der Name des Autors ist so gedruckt, dass man den Eindruck hat, die Buchstaben wären in Bewegung und würden verschwimmen. Vermutlich muss man es sich so vorstellen, wenn man den Glits anschaut. Mir würde dabei im Nu übel werden.

Fazit: Wenn meine Vermutung über die Botschaft dieser Geschichte stimmt, dann finde ich sie für ein Jugendbuch wirklich gut gewählt. Ganz ohne Frage! Mir war das Geschehen trotzdem oft zu surreal, zu abgedreht und somit kaum wirklich greifbar. Mit Rachel bin ich gar nicht warm geworden, mit Jay höchstens so lau. Und vom Glits selber konnte ich mir den Beschreibungen nach einfach kein auch nur ansatzweise klares Bild machen, sodass ich die ganze Zeit mit einem völlig falschen “herumgelaufen” bin. Deshalb war “Glits” nicht mein Fall.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Glits
Autor: Robert Wolfe
Seiten: 288
Verlag: Thienemann Verlag
ISBN: 978-3522201735
Preis: € 13,95 (HC)

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Lost Land – Die Erste Nacht (Jonathan Maberry)

In Mountainside gelten strenge Gesetze. Wer 15 ist, muss selbst für seinen Unterhalt sorgen, anders ist das Überleben nicht möglich. Da er keine Alternative hat, geht Benny Imura bei seinem Bruder in die Lehre, einem bekannten Zombiejäger. Er hasst Tom, den er für den Tod ihrer Eltern verantwortlich macht, hält ihn für skrupel- und verantwortungslos. Doch dann erlebt er einen Jäger, der die Untoten respektiert und versucht, ihnen einen würdevollen Tod zu ermöglichen. Denn sie waren einmal Menschen, die liebten und geliebt wurden. Und er erkennt, dass die wahre Gefahr im Lost Land nicht von ihnen ausgeht. Wirklich kaltblütig sind Menschen wie Rotaugen-Charlie und sein Clan, brutale Herren über Leben und Tod. Als sie Nix, seine Freundin, entführen, zieht Benny an Toms Seite in einen Kampf mit höchst ungewissem Ausgang.

Da ich gerade Zombie-Fan bin, habe ich dieses Buch in freudiger Erwartung aufgeschlagen. Doch leider bekam mein Enthusiasmus sehr bald den ersten Dämpfer. Ausgerechnet durch die Hauptperson Benny. Diese egoistische Haltung, diese Einstellung “Arbeit, geh weg, ich komme!” und dieses Vollgestopftsein mit Vorurteilen, das ging mit im Nu auf den Keks. Es ist erschreckend: selbst quasi gefangen in einer Stadt, die von mordlüternden Zombies umzingelt ist, in einer fernen Zukunft, in der das Leben hart ist, selbst da legt ein 15jähriger noch ein so pubertäres Wesen an den Tag!
Scheinbar ist bei ihm -Dank Bruder Tom, der ihn bislang mit durchzog- gar nicht angekommen, in welch gefährlicher Zeit und Situation er lebt.
Wobei, verdenken kann ich es ihm eigentlich nicht, denn auch auf mich wirkte es nicht so. Für mein Empfinden fehlt es der Story durchweg an der bedrohlichen Atmosphäre, die an sich ja mehr als gerechtfertigt wäre. Trotzdem:  diese Null-Bock-auf-nichts-Haltung kann ich nicht ab.
Wenigstens ändert Benny seine Ansichten und damit auch sein Wesen. Danach fand ich ihn gleich eine ganze Spur erträglicher. Wobei ich diesen Wandel nicht so ganz nachvollziehen konnte. Das Erlebnis, das dazu führt, mag für Benny einchneidend gewesen sein. Bei mir als Leser kam dabei emotional allerdings nichts groß rüber. Aber bitte, solange ich dadurch wenigstens etwas Zugang zum Charakter finde, dann nehme ich das halt mal so hin.
Nach Bennys Sinneswandel geht es recht bald auf die Suche nach seiner Freundin Nix, die ins Zombieland entführt wurde. Damit kommt zumindest ein Schuss Action in die Geschichte. Die Actionszenen lesen sich allerdings alle sehr gleich, und Action ist nun mal nicht automatisch gleichbedeutend mit Spannung.  Dafür würde es widerum auch ein Quentchen Atmosphäre brauchen, die aber auch hier schlicht nicht vorhanden ist. Das ist denkbar ungünstig, wo sich diese beiden Elemente doch irgendwo bedingen…
Eine Entdeckung gegen Ende des Buches, wäre der einzige Grund, wieso ich mich eventuell an Teil 2 heranwagen würde. Allerdings habe ich nach diesem ersten Teil massig Geduld, darauf zu warten.

Alleine vom Sprachlichen her würde sich “Lost Land – Die Erste Nacht” ganz leicht, flott und jugendlichen lesen. Das dürfte den jungen Lesern entgegenkommen. Doch ausgebremst durch die zähe Handlung, habe ich mich selbst mit diesem an sich lockeren Stil arg schwer getan.

Optisch mag ich das Buch noch immer. Diese Feuersbrunst hinter dem Zaun zum Zombieland und davor der schwarze Vogel, das strahlt eine gewisse Bedrohlichkeit aus und lässt an sich auf spannende Lesestunden hoffen. Entfernt man den Schutzumschlag hält man das Buch im gleichen Look in den Händen. Das mag ich, wenn Buchdeckel ebenfalls gestaltet sind.

Fazit: Ich habe mich jeden Abend aufraffen müssen, “Lost Land – Die Erste Nacht” weiterzulesen, auch wenn ich mit Benny später besser klarkam. Aber  scheinbar sind Spannung und Atmosphäre ebenfalls mal Zombies begegnet und bleiben deshalb vorsichtshalber in Deckung. Dadurch zieht sich die Handlung sehr zäh in die Länge.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogramms!


Titel: Lost Land – Die Erste Nacht
Autor: Jonathan Maberry
Seiten: 528
Verlag: Thienemann Verlag
ISBN: 978-3522201513
Preis: € 16,95 (HC)

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