Thriller

Sex in Serie (01) – Spiel der Begierde

Titel: Sex in Serie (01) – Spiel der Begierde / Verlag: Contendo Media / Spielzeit: ca. 51 min / Sprecher: Uschi Hguo, Rainer Fritzsche, Tanja Dohse, Hanno Friedrich ua

sis01Inhalt: Das Sexleben von Michaela und Andreas lässt schon seit geraumer Zeit zu wünschen übrig. Um Schwung in ihre Beziehung zu bringen, entschließen sie sich zum Partnertausch. Dazu verabreden sie sich mit zwei fremden Paaren in einem Strandhaus an der Lübecker Bucht. Doch das erotische Wochenende entwickelt sich schnell zum Albtraum, als ein Mord geschieht. Denn nur einer von ihnen kann der Täter sein.


Hui, was war ich dieser Reihe gegenüber skeptisch. Fairerweise muss ich aber sagen, dass ich mich mit den Neuerscheinungen in den letzten Wochen kaum beschäftigt habe. Ich habe es zur Kenntnis genommen, mehr war es nicht. Und wie man alleine mit dem Thema Sex ein ganzes Hörspiel lang unterhalten kann ohne dass es platt wirkt, war mir ein ziemliches Rätsel.
Dass es auch Thriller-Hörspiele sind, wurde mir erst klar als ich die CD in Händen hielt, und schon war ich versöhnt und neugierig. Tatsächlich bildet Sex bzw das maue Sexleben von Michaela und Andreas hier nur den Aufhänger. Man will die Sache mittels Partnertausch wieder in die Gänge bringen, doch leider hat der ganz ungeahnte und böse Folgen.
Und schon ist man nach einigen erotischen Szenen mitten im Thriller angekommen. Durch den überschaubaren Personenkreis lässt sich hier gut miträtseln, was mir immer Spass macht und für Spannung sorgt. Hinzu kommt noch, dass einige Figuren im Laufe der Handlung eine unerwartete und teilweise erschreckende Entwicklung nehmen, was einen manches Mal staunen und bei seinen Überlegungen neu ansetzen lässt.
Das Ende bzw die Auflösung kam für mich ziemlich überraschend. Die Erkenntnis, durch die es zu der Greueltat kam, ist schon nicht ohne. Dafür ist das Motiv reichlich schwach, und wieder einmal habe ich nur den Kopf darüber schütteln können, was aus manchen Figuren im Laufe der Geschichte geworden ist.

Der Sprechercast ist stimmig zusammengestellt und jeder Sprecher weiß in seine Rolle zu überzeugen. Da verwundert es auch nicht, dass selbst die heißeren Szenen niemals platt oder übertrieben gespielt wirken. Und das ist bei dieser Art Thriller einfach Gold wert.  Gleichzeitig verstehen sie es, den Figuren Charakter zu verleihen. Auch wenn der sich im Laufe der Geschichte bei manchem grundlegend ändert.

Die Musik präsentiert sich hier eher ruhig und melodiös. Mal wieder ein ganz anderes Konzept als in den anderen Reihen aus dem Haus Contendo. Der Geschichte stehen diese Klänge gut. Sie werden dem Erotikthema ebenso gerecht wie der Spannung des Thrillers.

Das Cover sagt mir alleine schon mit den düsteren Blau- und Schwarztönen sehr zu. Das wirkt schattig, geheimnisvoll und verspricht Spannung. Die gekommt platzierte Rose bildet dazu einen kräftigen Kontrast und ist eindeutig der Hingucker des Covers.

Fazit:  Hier wurden Erotik und Thriller gekonnt miteinander kombiniert. Das sorgt für ein prickelndes Hörvergügen in allen Bereichen. Und es ist der beste Beweis, dass ein Hörspiel um das Thema Sex keineswegs platt daherkommen muss. Gewusst wie!

 

 

Blutige Fährten

Titel: Blutige Fährten / Verlag: Ohrenkneifer / Spielzeit: ca. 110 min / Sprecher: Marc Schülert, Detlef Bierstedt, Christiane Marx, Santiago Ziesmer ua

blutigefaehrtenInhalt: Der Westen. Irgendwann gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Um den Schatten seiner Vergangenheit zu entkommen, verlässt der trinksüchtige Ex-Marshall Nathan Holt seine alte Heimatstadt White Falls, um in dem Goldgräberkaff Bollock ein neues Leben anzufangen. Doch nicht nur, dass ihm der hiesige Marshall Wallace mit offenem Argwohn begegnet, so treibt auch noch ein bestialischer Killer sein Unwesen in der Gegend. Gemeinsam mit Wallace´ Tochter Amber nimmt Holt die blutige Spur des Mörders auf, ohne zu merken, dass er selbst ein Teil des bösen Spiels ist.


„Blutige Fährten“ ist ein Western-Thriller. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn wo in der Hörspielwelt findet man sonst ein Western-Hörspiel? Mir fällt spontan keines ein. Schon alleine deshalb ist „Blutige Fährten“ etwas Besonderes. Thriller mag ich sowieso und für Western habe ich durchaus auch ein Faible, sofern man es damit nicht übertreibt. Aber Cowboys, Sherriffs und Saloons gehen für mich völlig in Ordnung.
Zu meiner Freude hielt diese Geschichte genau meinen Rahmen in Sachen Western ein. Obwohl Nate ein Säufer ist, mochte ich ihn auf Anhieb und fand es ziemlich unverschämt, wie man ihm in Bollock begegnet. Gleichzeitig sorgt das natürlich dafür, dass man schon mal ein paar Charaktere auf dem Kieker hat als es wenig später mit den Morden so richtig rund geht. Ich habe gut gegrübelt, wer Nate da womöglich etwas in die Schuhe schieben will. Und nein, ich habe nicht mal dem geistig etwas minderbemittelten Bengel so wirklich getraut. Als sich dann herausstellte, dass Nate auch noch eine eher finstere Vergangenheit hat, da war ich plötzlich nicht mal mehr von seiner Unschuld überzeugt.  Das hat für mich einen Teil der Spannung ausgemacht.
Den zweiten Teil haben die Morde selber beigesteuert, denn die haben es ganz schön in sich. Bei Nates „Nachforschungen“ an den Leichen kommt man um ein gewisses Ekelgefühl kaum herum. So etwas mag ich gerne! Wenn man seine Geschichte „Thriller“ nennen will, dann muss man einfach etwas bieten, was eine Gänsehaut bereitet.
Auf die Auflösung kann man -zumindest zur Hälfte- durchaus kommen, aber es geschieht halt zwischendurch so Vieles, dass man gewisse Details ausblendet. Die andere Hälfte ist clever erdacht und eine Überraschung.

Marc Schülert hat mir ein zwar ziemlich heruntergekommenes, versoffenes Bild von Nate vermittelt, es ist ihm dabei aber nicht geglückt, ihn mir unsympathisch zu machen. Ganz im Gegenteil mochte ich Nate richtig gerne und das ist bei solch leicht abgewrackten Charakteren echt selten bei mir. Gratwanderung auf ganzer Linie geglückt! Detlef Bierstedt präsentiert den Marshall Wallace ganz ähnlich, nur zusätzlich noch eine Spur herrischer. Christiane Marx klang mir ab und zu etwas zu ruhig, fast gelangweilt. Oder Amber hat echt die totale Ruhe weg als junge Frau in einer Männerdomäne, kann auch sein. Ich hätte sie mir hier und da lauter und energischer gewünscht. Das hätte Amber gut gestanden.

Was man alles aus Gitarrenmusik herausholen kann, ist erstaunlich. Einmal ist es in meinen Ohren das typische Instrument um einen Western zu begleiten. Daher gehört es hierher und sorgt im Nu für das nötige Flair. Später wird aber außerdem deutlich, dass der Klang zudem für eine gefühlvolle Stimmung sorgen kann. Das ist beeindruckend. Und das Titellied hat mir mal so richtig gut gefallen. Die Geräuschkulisse muss sich ebenfalls nicht verstecken. Da sitzt alles genau da, wohin es gehört. Und die Gänsehaut bei Nates Nachforschungen an den Leichen verdanke ich auch in erster Linie dem Klang von dem, was er da tut.

Das Cover gibt nicht gerade viel über die Story her, aber immerhin: ja, Nate ist häufig zu Pferd unterwegs. Und wenn man genau hinguckt, kann man sogar einen Cowboyhut erahnen. Diesen sandigen Farbton mag ich nicht, auch wenn er hundertmal zum Schauplatz passt. So ein Westerdorf stellt man sich ja auch irgendwie sandig vor. Dummerweise habe ich so eine Assoziation: Sand -> Staub -> staubig -> langweilig.  Ich hoffe für das Hörspiel, dass ich damit alleine bin, denn langweilig ist „Blutige Fährte“ wirklich nicht.

Fazit:  Mir hat „Blutige Fährte“ sehr gut gefallen! Der Lonesome Cowboy unter den Westernhörspiele, die es in diesem Stil für mich gerne häufiger geben dürfte. Glücklicherweise übertreibt man es mit der Westernthematik aber nicht. So dürften auch Thrillerfans ohne ein Faible für Cowboys und Sherriffs ihren Spass daran haben. Die Sprecher sind top und die Untermalung bemerkenswert wandlungsfähig.

Mord in Serie (14) – Eingemauert

Titel: Mord in Serie (14) – Eingemauert / Verlag: Contendo Media / Spielzeit: ca. 65 min / Sprecher: Tobias Kluckert, Eva Michaelis,  Elga Schütz, Robert Missler ua

mis14Inhalt: Lebendig begraben – eingeschlossen hinter meterdickem Beton. Eine Horrorvision, die für eine junge Frau zur schrecklichen Realität wird. Nick Zabel gerät unter Verdacht und muss mit allen Mitteln versuchen, seine Unschuld zu beweisen. Dabei setzt ihn ein mysteriöser Erpresser unter Druck, denn der Sauerstoff im Grab reicht nur noch für wenige Stunden. Ein Wettlauf mit dem Tod beginnt!


Man kennt das bereits von dieser Reihe: Zeit für einen gemütlichen Einstieg in die Geschichte hat man nicht. Hier am allerwenigsten. Sofort ist man mitten in einer dramatischen Situation. Anschließend geht es ruhiger weiter, mit einer ganz erfreulichen Nachricht für Nick Zabel und seine Frau. Doch auch dieses Mal währt der Frieden nicht lange, denn dann steht die Kripo vor der Tür. Als Hörer bekommt man an dieser Stelle erstmals so eine Idee, wie man das Geschehen aus dem „Vorspann“ einzusortieren hat. Von nun an spitzt sich für Nick Zabel die Situation kontinuierlich zu und als Hörer erlebt man mehr als eine Überraschung. Überraschungen, die eventuelle Verdächtigungen oder Schlüsse stets aufs Neue ins Wanken bringen. Mich hat die Geschichte gut an der Nase herumgeführt, was mir vor allem deshalb gefallen hat, weil es dieses Mal nicht nach dem Prinzip läuft, dass man mit der unauffälligsten Figur höchstwahrscheinlich den Täter an der Hand hat. Ich war mir einige Male sicher und musste mir dann zeigen lassen, dass ich falsch lag.
Aber so soll es bei einem Thriller für mich auch sein. Er soll mich überraschen und erschrecken. Das ist „Eingemauert“ gut gelungen. Einen weiteren Pluspunkt bekommt die Story von mir für die Szene mit der elektirschen Säge auf der Baustelle. Ja, ein Thriller darf auch mal so richtig blutig sein. Es muss halt passen, und das tut es hier.
Einmal mehr gilt bei einer „Mord in Serie“-Folge, dass man sie unbedingt ganz bis zum Schluss anhören sollte. Oft genug kommt wie hier noch ein weiterer Track nach, obwohl die Geschichte an sich abgeschlossen ist. Und der hat es dann nochmal richtig in sich.

Als Nick Zabel ist Tobias Kluckert zu hören. Er hat mir zunächst das Bild eines ruhigen, vernünftigen Zabel vermittelt, den ich auf Anhieb mochte. Aber auch Zabels spätere Verzweiflung bringt er glaubhaft zu Gehör. In der Rolle von Nicks Frau ist Eva Michaelis zu hören, deren weiche, aber doch markante Stimme gut zu dieser Figur passt. Lediglich Elga Schütz als Kriminalkommissarin Scholz konnte mich nicht ganz überzeugen. Meist gibt sie eine wirklich energische und befehlsgewohnte Kommissarin, aber hier und da verfliegt dieser Klang plötzlich.

In „Eingemauert“ wechseln sich ruhig, düstere Musikstücke mit lauten, druchdringenden Klängen ab. An verschiedenen Stellen wurden außerdem laute Geräusche platziert und Schockmomente zu verdeutlichen. Diese Soundkulisse steht der Folge sehr gut.

Ein schreiender Totenschädel. Wenn das mal kein Hingucker für ein Cover ist. Außerdem hat es einen direkten Bezug zur Geschichte. Und ein wenig gruselig wirkt es vor dem schwarzen Hintergrund ebenfalls.

Fazit:  Eine spannende Geschichte um ein grausiges Verbrechen, die eine Wendung nach der anderen aufbietet. Ohne den Hörer dabei aber zu verwirren. Das macht Spass und hält einen bis zum Schluss bei Laune. Schön, dass das Prinzip mit der unauffälligsten Figur hier mal durchbrochen wurde.

Morgenstern (01) – Leben und Sterben

Titel: Morgenstern (01) – Leben und Sterben / Verlag: Folgenreich / Spielzeit: ca. 70 min / Buch: Raimon Weber / gelesen von: Olaf Reitz

morgenstern01Inhalt: Der Wahnsinn erreicht Potsdam.
Privatdetektiv Chris Morgenstern erlebt, wie seine Stadt von der Droge Crystal Meth überschwemmt wird. Ein in die Enge gedrängter Drogendealer verstümmelt sich vor seinen Augen.
Eine Frau sucht Morgensterns Schutz und bietet dafür Informationen über die Hintermänner. Aber ein Unbekannter ist dem Detektiv immer einen Schritt voraus und tötet ohne Skrupel.


Eine neue Reihe hat bei Folgenreich das Licht der Welt erblickt. Es handelt sich mal nicht um ein Hörspiel, sondern um eine inszenierte Lesung. Es ist zwar nur ein Sprecher zu hören, aber es sind immer mal wieder Geräusche eingestreut und Musik ist ebenfalls zu hören. Ich war zwar etwas skeptisch (von Folgenreich ist man halt Hörspiele gewöhnt), aber ich finde es zumindest mutig, mal einen neuen Weg einzuschlagen.
Einen weiteren Pluspunkt gibt es von mir dafür, dass die Reihe nicht in den USA spielt, sondern in Deutschland. In Potsdam, genauer gesagt. Es geht doch! Auch Deutschlands Autoren können Thriller, die hier funktionieren. Das beweist auch „Morgenstern“.
Und Pluspunkt Nummer drei fuhr die Folge damit ein, dass Morgenstern nicht so abgebrüht, obercool und ich-hab-ganz-Potsdams-Verbrecherschaft-im-Griff-mäßig rüberkommt. Gegen solche Figuren habe ich einfach etwas.
Anfangs wird Morgenstern vorgestellt, sodass man einen ersten Eindruck von diesem Ermittler bekommt. Die Vorstellung ist sehr kurz, war aber ausreichend um mir ein Bild zu machen, mit dem ich erstmal gut leben konnte. Im Laufe der Geschichte lernt man Morgenstern dann noch etwas besser kennen.
Zu Beginn konnte ich der Geschichte auch gut folgen. Im Mittelpunkt steht zunächst das Thema „Crystal Meth“, die neue Modedroge, die nun auch in Potsdam ihre Abnehmer findet. Dabei gibt es einige erschreckende Szenen und ein Schuss Action wird ebenfalls bereits hier geboten. Ich ging davon aus, dass sich das Geschehen auch weiter um die Droge drehen würde. Später spielen aber noch ein recht zwielichtiges Etablissement eine Rolle. Genauso wie eine sonderbare Anwaltskanzlei und eine junge Frau, die in allem irgendwie ihre Finger drin zu haben scheint. Dabei ging mir dann der Rote Faden, den ich anfangs noch sicher in Händen hielt, ziemlich bald verloren. Das konnten auch ein paar wirklich brenzlige und somit spannende Momente und die Frage, ob etwa sogar die Polizei im unheilvollen Geschehen in Potsdams Straßen mit drinsteckt, nicht ganz ausbügeln. Letztlich blieben mir zu viele offene Fragen zurück. Vor allem eben die, wie man all diese Themen und Elemente mal zu einem sinnigen Ganzen zusammenführen will. Man darf gespannt sein.

Rentier150-1Olaf Reitz $ward$ habe ich hier zum ersten Mal gehört. Schön, mal eine neue Stimme zu hören, die man nicht schon aus x Produktionen kennt. Seine Stimme gefällt mir gut. Er klingt energisch, wenn es die Hanldung erfordert, sonst aber auch angenehm menschlich. So ist es ihm gelungen, mir ein gutes Bild von Morgenstern zu vermitteln, das den Detektiven erfreulicherweise nicht als Superermittler zeigt.

Wie man es von einer inszenierten Lesung erwarten darf, sind in die Ezählung immer mal wieder Geräusche eingestreut, die das Geschehen zusätzlich veranschaulichen. Das lockert außerdem schön auf. Wenn nur ein Sprecher am Werke ist, finde ich das immer ganz angenehm. Gelegentlich sind zudem kurze Musikstücke zu hören, die die Atmosphäre der Handlung und der Szenerie verdeutlichen.

Das Cover macht sofort deutlich, dass die Reihe nicht im vornehmen Teil von Potsdam spielt. Ein schmutziger Keller, Graffitis, eine zerschlagene Fensterscheibe, durch die man schaut. Das dürfte Krim- und Thrillerfans leicht aufmerksam machen.

Fazit:  Ein solider Einstieg in eine neue Reihe unter Folgenreichs Dach. Morgenstern ist ein Ermittler nach meinem Geschmack und der Start in sein Abenteuer hat durchaus einige Schreckmomente und etwas Action in petto. Später wurde mir die Story dann zu überladen, weswegen mit der Rote Faden abhanden kan. Ich bin gespannt, ob ich ihn mit den nächsten Episoden wiederfinde.

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Mord in Serie (11) – Bei Anruf Angst

Titel: Mord in Serie (11) – Bei Anruf Angst / Verlag: Contendo Media / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Moritz Jasperbrinkmann, Daniela Hoffmann, Thomas Petruo, Markus Pfeiffer, Robert Kotulla ua

mis11Inhalt: Ihr Job ist es, Leben zu retten: Carolin Dietrich arbeitet in der Bremer Notrufzentrale und ist täglich mit dem Tod konfrontiert.
Am Silvesterabend erhält sie den Anruf des verstörten kleinen Jeremy. Er wurde offenbar gemeinsam mit seiner Mutter entführt, weiß aber nicht, wo er sich gerade befindet. Carolin setzt sofort alle Hebel in Bewegung, um ihn aufzuspüren.
Während die Polizei verzweifelt nach dem Jungen fahndet, hält sie weiterhin telefonischen Kontakt zu ihm. Doch mit jeder Minute, die vergeht, droht die Suche nach Jeremy in einer schrecklichen Katastrophe zu enden.


Kaum zweistellig, kann die Reihe gleich weiterfeiern. Die erste Schnapszahl nämlich.
Leider muss ich gestehen, dass ich diese Folge eher mittelmäßig finde. Das liegt nicht an der Idee der Story. Die gefällt mir ganz gut. Und es ist natürlich schon spannend zu verfolgen, wie die Polizei und die Leute aus der Notrufzentrale versuchen, den entführten Jeremy und seine Mutter zu finden. Und ich war auch neugierig, wieso die beiden entführt wurden und was noch alles mit ihnen geschehen würde. Allerdings fehlte mir am Schluss ganz einfach der Schreckmoment.
Ich weiß, ich habe bei der Rezi zur vorigen Folge noch geschrieben, dass sich dieses „der unauffälligste Charakter hat mit dem Verbrechen zu tun“ in so ziemlich jeder Folge wiederholt. Das war aber nicht negativ gemeint, denn dieser Kniff an sich hat mir doch jedes Mal wieder gefallen. Das hat mir hier gefehlt. Die Überraschung am Ende kann damit für mich nicht mithalten. Schade. Und Dramatik und Action wie hier, fangen das für mich ebenfalls nicht auf. Andererseits kann man natürlich sagen, dass man mal einen anderen Weg eingeschlagen hat. Was ja auch lobenswert ist. Nur fehlt diesem neuen Weg der Pfiff.
Gestoßen haben ich mich außerdem an Jeremy. Dieser Neunjährige, der gerade entführt wird, der neben seiner bewusstlos geschlagenen und blutenden Mutter in einem dunklen Raum sitzt, der aber trotz alldem geradezu seelenruhig mit der Notrufzentrale telefoniert. Bitte, wie wahrscheinlich ist das? Ich brauche sicher kein Kind, das sich durch die Stunde Hörspiel heult, aber diese Coolness traue ich einem Neunjährigen einfach nicht zu.

Eines muss man Jeremy allerdings zugute halten: er hat einen echt tollen Sprecher abbekommen. Moritz Jasperbrinkmann macht seinen Job klasse! Und das sage ich, wo ich es mit Kindersprechen ehrlich nicht habe. Aber so wie hier geht das völlig in Ordnung. Kein Stolpern über längere oder kompliziertere Sätze, kein Wort das abgelesen klingt, die Gefühle von Jeremy kommen glaubhaft rüber…top! Daniela Hoffmann hat mir ebenfalls prima gefallen. Man nimmt ihr die Sorge und Angst um Jeremy sofort ab. Gleichzeitig meistert sie ihre Telefonate mit Jeremy sehr souverän. Markus Pfeiffer hält für den Polizisten Kai Schiffer einen angemessen energischen Tonfall bereit.

Musikalisch hält die Folge sich sehr zurück. Lediglich zu den Szenenübergängen sind kurze Stücke zu hören, die gut das Tempo und die Spannung der Story aufgreifen. Ansonsten setzt man eher auch durchdringende Geräusche aus dem Hintergrund, die verdeutlichen, wie dramatisch die jeweilige Szene ist.

Ich musste kurz überlegen, was das Covermotiv mit der Geschichte zu tun hat bzw welcher Moment dargestellt wird. Ohne das Hörspiel zu kennen, wird man aber kaum drauf kommen. Ein Hingucker ist das Motiv mit dem ängstlich aufgerissenen Auge aber auf jeden Fall.

Fazit: Hinter der Geschichte steckt eine gute Idee und sie ist auch durchaus ganz spannend. Mir fehlte aber der abschließende Dreh, der mir an der vorigen Folgen immer so gut gefallen hat. Auch wenn sich dieses Prinzip wiederholte. Da kann die Überraschung dieser Story nicht mithalten. Und Jeremy war mir eine Spur zu entspannt angesichts seiner Situation.

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