Tote

Point Whitmark (31) – Das Kabinett

Titel: Point Whitmark (31) – Das Kabinett / Verlag: Folgenreich / Spielzeit: ca. 52 min / Sprecher: Sven Plate, Kim Hasper, Gerrit Schmidt-Foss, Norman Matt, Hannes Maurer, Karl Schulz ua

pw31Inhalt: Eine Reportage über sieben Jugendherbergen in nur zwei Wochen. So lautet der ehrgeizige Ferienplan von Jay, Tom und Derek. Ihre erste Station führt sie in das einsame Tal am Fuße der Staumauer. Denn hier, in Haylan House, befindet sich das grauenvolle Kabinett des Gregory Stroud. Doch die altertümliche Attraktion lässt den Jungen die Haare zu Berge stehen. Die Gesetze der Physik geraten außer Kontrolle! Welchem Zweck dienten die schauerhaften Experimente von damals wirklich? Hat sich der skrupellose Mediziner etwa selbst wiedererweckt? In einem Waldstück entdecken die Jungen Menschenknochen.


Da ist sie nun endlich. Die berühmt-berüchtigte “verbotene Folge” der Reihe. Erschienen sogar noch unter Folgenreichs Flagge. Für mich hätte es auch einen Bruch dargestellt, wäre sie bei Decision herausgekommen. Das lange Warten auf die Folge hat sich in meinen Ohren wirklich gelohnt. Die drei Freunde vom Radio machen eine Sendung über Jugendherbergen in der Gegend. Unter anderem über Haylan Hall, von dem das Gerücht geht, dass dort der verrückte Wissenschaftler Stroud einst Versuche an Toten durchführte um sie -und damit später auch sich- wieder zum Leben zu erwecken. Wenn das nicht für eine schaurige Folge bürgt! Jedenfalls gibt es gleich mehrere Szenen, die einen schaudern lassen. Und Geschichten um verrückte Wissenschaftler und ihre kranken Experimente sind ohnehin genau mein Ding. Hinzu kommt eine ganze Reihe seltsamer Vorkommnisse, bei denen man sich nie sicher sein kann, ob sie sich vernünftig erklären lassen, oder doch übersinnlicher Natur sind. Geht Stroud noch immer in der Herberge um? Ist es ihm tatsächlich gelungen, sich nach seinem Tod wieder zu erwecken? Rühren die Phänomene mit den statischen Aufladungen etwa wirklich von Strouds alter Apparatur her? Ich fand es spannend zu verfolgen, wie Jay, Tom und Derek versuchen, Licht in’s Dunkel zu bringen. Dabei geraten sie mehrmals in große Gefahr, sodass man berechtigt um sie bangen darf. Positiv aufgefallen ist mir außerdem, dass es zwar auch hier wieder einige schräge Charaktere gibt, doch sind diese nie so überzogen dargestellt wie es bei den neueren Folgen so oft der Fall ist. Und der Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz. Ich habe manches Mal grinsen müssen bei bestimmten Sprüchen. Das Ende erfreut mit einer logischen Auflösung, die zu keiner Sekunde an den Haaren herebeigezogen wird, obwohl ihr noch immer ein gewisser Grusel innewohnt.

Neben den drei Hauptsprechern, die wie gewohnt in Bestform sind, können auch die Sprecher der übrigen Rolle überzeugen. So beispielsweise Stefan Müller-Ruppert, der den recht überheblichen  und wenig symapthsichen Herbergsbesitzer Haylan gibt. Daniela Thuar lässt Cilia Robinson sehr resolut, ja geradezu hart klingen, während ihr Mann Duane von Mario von Jascheroff richtiggehend weichgespült darstellt. Meine Favoriten waren aber Hannes Maurer in der Rolle des pfiffigen Toby Robinson, und Karl Schult alias Fat Pat, den Journalisten. Gerade ihn würde ich gerne mal wieder in der Serie hören.

Auch die Musik trägt wieder klar zur düsteren Atmosphäre der Folge bei. Es sind meist leise, dezente Stücke zu hören, die aus dem Hintergrund heraus für Gruselfeeling sorgen. Wie schon mehrmals gesagt: Grusel braucht keine lauten Klänge. Leise Töne wirken wesentlich besser und intensiver. Eine sorgfältig ausgearbeitete Geräuschkulisse sorgt dafür, dass die Szenen gut vorstellbar sind.

Ich bin seit eh und je ein Fan dieser Cover, die stets so einen tollen Kontrast zwischen Dunkelheit und kräftigen Farben mitbringen. Der Stuhl, an den man einen Mensche fesseln könnte, sorgt schon alleine beim Anschauen für Vorfreude auf ein schauerliches Hörspielvergnügen.

Fazit:  Experimente an Leichen…hach schön! Genau mein Fall! Das ist gruselig, das ist krank, das mag ich! Eine schaurig-spannende Story mit einem sinnigen und überraschenden Ende Für mich ist “Das Kabinett” seit Langem die beste Folge der Reihe, da sie mich an die ersten Episoden erinnert.

 

 

Graveminder (Melissa Marr)

graveminderJede Generation hat ihre eigene Totenwächterin. Bei Beerdigungen spricht sie die magischen Worte über dem frischen Grab: »Drei Schlucke, um sie zu bannen. Nicht mehr und nicht weniger.« Doch was geschieht, wenn es kein Grab gibt? Wenn die Tote ein junges Mädchen ist, das auf grausame Weise ermordet wurde und nun auferstanden ist, um Rache zu nehmen? Für Rebekkah, Graveminder des idyllischen Claysville, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Sie muss ihre Stadt vor der hungrigen Toten schützen. Und nur Byron, ihre große Liebe, steht ihr bei.

Bei diesem Buch war ich schon vor dem Lesen hin- und hergerissen bzw unsicher. Irgendwie hatte ich schon die Ahnung, dass es nicht das sein würde, was ich mir erhoffte. Alleine Melissa Marr, deren “Sommerlicht”-Reihe ich nichts abgewinnen kann…ich war also geigentlich ewarnt. Aber meine Begeisterung für Zombie-Geschichten schoss quer und so habe ich “Graveminder” doch gelesen.
Die Idee der Geschichte gefällt mir nachwievor. In Claysville sorgt eine sogenannte “Graveminder” durch Magie dafür, dass die Toten dort bleiben, wo sie hingehören: in ihren Gräbern. Der Graveminder steht der sogenannte Undertaker zur Seite, ein Bestatter, der die Toten ordnungsgemäß herrichtet und die Graveminder beschützt. Doch plötzlich geht in Claysville trotzdem ein Untoter um und Graveminder Rebekkah und ihr Undertaker Byron müssen ihr ungewöhnliches Amt antreten und dies wieder in Ordnung bringen.
Soweit so gut, das hätte in meinen Augen an sich gereicht für eine spannende, phantastische und hier und da vielleicht auch ganz gruselige Geschichte. Leider trifft davon so gar nichts auf “Graveminder” zu. Am meisten hat es mich gestört, dass es überhaupt nicht gruselig ist. Es geht immerhin um Tote, die wieder zum Leben erweckt wurden! Zombies stehen für mich eben einfach für Grusel! Aber es sind ja keine Zombies, es sind ja lediglich “aufgestandene Tote”, wie “Graveminder” lehrt. Die allerdings äußerst zombietypisch Appetit auf Menschenfleisch haben! Ich schätze, da hätte mich die Autorin warnen müssen, denn nach der “Sommerlicht”-Reihe Grusel zu erwarten, das war wohl etwas vermessen.
Ich hätte es aber in Kauf genommen und mich damit abgefunden, dass die aufgestandenen Toten trotz ihrer Essensvorlieben eher bemitleidenswert sind. Bitte, warum eigentlich nicht? Solange es nicht vor Kitsch und Mainstream trieft und die Story trotzdem spannend ist.
Kitsch ist aber trotzdem ganz klar anzutreffen! Denn auch wenn Graveminder und Undertaker traditionell durch eine innige Liebe verbunden sind, auf Rebekkah und Byron trifft das -hauptsächlich seitens Rebekkah- nicht gerade zu! Es ist etwas zwischen ihnen passiert, dass sie trotz aller Gefühle für einander entzweit hat. Aber diese Gefühle halt! Die sind da und allgegenwärtiges Thema! Da wird seitenweise die Story um den umherlaufenden Toten außer Acht gelassen und stattdessen dieses teenagerhafte Hin- und Her zwischen den beiden thematisiert. Bei aller Liebe und allen Traditionen zum Trotz: an Byrons Stelle hätte ich Rebkkah längst in die Wüste geschickt. Dafür, dass sie Ende 20 ist (oder war es Anfang 30?), führt sie sich auf wie eine Halbwüchsige und ist bockig und stur wie ein Esel! (Wobei: Rebekkah und Byron unterhalten sich in einem Ton als wären sie doppelt so alt! Da passt also gar nichts!) Nicht dass ich mir gewünscht hätte, die beiden fallen sich nach fünf Kapiteln liebeskrank in die Arme, aber irgendwann halt schon. Dann wäre es endlich vorbei gewesen und die Handlung hätte sich wieder am Problem mit den Untoten orientieren können.
Leider war das ganz und gar nicht der Fall und dieses ganze Liebesbrimborium hat für mich den eigentlichen Kern der Story nahezu ganz übertüncht. Da kann keine Spannung aufkommen! Stattdessen war ich im Nu von diesem unlogischen und unerwachsenen Verhalten der beiden Hauptcharaktere tierisch genervt. Das hat es mir überdies auch noch unmöglich gemacht, einen Zugang zu ihnen zu finden. Da fand ich ja die aufgestandenen Toten noch sympathischer! Und entsprechend zog sich die Geschichte für mich schier unendlich.
Da haben auch die Passagen  nichts gerettet, in die die einst umhergewanderten und wieder eingefangenen Toten zurück in eine jenseitige Welt gebracht werden. Erstens spielen sie in einer Welt, die auch von anno Schnee stammen könnte und zweitens fehlt es ihrer Beschreibung gänzlich an Flair.

Ich schätze, wenn einem die Geschichte gefällt, dann liest sich “Graveminder” schnell weg. Sprachlich ist es alles andere als komplex und die Kapitel haben eine feine Länge, die zum kapitelweisen Lesen geradezu einladen.

Das Grabstein-Cover gefällt mir soweit auch ganz gut, vor allem der schöne Blauton. Ich mag halt Blau. Die roten Blüten bilden einen schönen Kontrast dazu und die vielen Schnörkel sind ein Hingucker.

Fazit:  Mir hat “Graveminder” leider nicht gefallen. Vor lauter Liebeshinundher blieb jegliche Spannung auf der Strecke und das Buch zog sich für mich wie Kaugummi. Die Hauptcharakteren gingen mir im Nu auf die Nerven, und der Versuch, Zombies ein neues, andersartiges Wesen angedeihen zu lassen, ist für mich hier kläglich gescheitert.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Graveminder
Autor: Melissa Marr
Seiten: 400
Verlag: Piper Verlag
ISBN: 978-3492268905
Preis: € 12,99 (TB)

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Geschichten zur Mitternacht (01) – Die geliebten Toten (H.P. Lovecraft / Ernst Meincke)

Titel: Geschichten zur Mitternact (01) – Die geliebten Toten / Verlag: Studio Hörsturz / Spielzeit: ca. 50 min / Buch: H.P. Lovecraft / gelesen von: Ernst Meincke

mitternachtgeschichtenInhalt: Es ist jetzt Mitternacht… In der Ferne höre ich die laut aufgeregten Rufe meiner Verfolger und das wütende bellen der Bluthunde die sie mit sich führen. Noch bevor der Morgen graut, werden sie mich hier gefunden haben. Sie werden mich mitnehmen und in eine finstere Zelle werfen wo ich vor mich hin vegetierend darauf warten werde, mit meinen geliebten Toten eins zu werden. Unstillbare Gelüste werden an meinem Geist zerren und mein Herz vor Qual verdorren lassen.


Die Grusel Serie hat bereits zwei Folgen zu bieten, diese “Geschichten zur Mitternacht” nehmen mit dieser Folge ihren Anfang. Hierbei handelt es sich nicht um ein Hörspiel, sondern um eine inszenierte Lesung. Zu hören ist eine Geschichte nach H.P. Lovecraft. Ich bin bekanntermaßen kein Fan solch alter Geschichten und war somit leicht skeptisch. Der Titel führt einen schnell in die Irre. Sicher schauen die meisten Hinterbliebenen in Liebe auf ihre Verstorbenen zurück, doch bei dem Protagonisten dieser Erzählung ist der Titel gänzlich anders zu verstehen. Als Junge, eigentlich lethargisch und kränklich, erlebt er bei seiner ersten Begegnung mit einer Leiche einen unfassbaren Energiestoß. Als die Eltern sterben ebenso, und bald strebt er danach, mit Toten in Kontakt zu kommen. Eine Ausbildung zum Bestatter ist da natürlich ideal, doch als er in einer Umarmung mit einer Leiche gefunden wird, nimmt das Unheil seinen Lauf. Er wird entlassen und muss sich seine “Energiespender” fortan selber beschaffen. Die Karriere zum Serienmörder beginnt. Ich schätze, dass fast jeden Hörer an verschiedenen Stellen das Grausen überkommt. Mir ging es jedenfalls so. Trotzdem übte die Geschichte auch eine gewisse Faszination aus, so unausweichlich wie ihr Verlauf dargestellt wird. Es kann mit dem jungen Mann gar nicht anders weitergehen als es es hier tut. Und letztlich ja auch die Frage spannend, ob und wie er mit seinen Taten durchkommen wird. Ich habe so manches Mal die Kopf darüber geschüttelt, welch leichtes Spiel er zunächst immer hat.

Gelesen wird die Geschichte von Ernst Meincke, der quasi zur Stammbesetzung bei den Produktionen des Studio Hörsturz zu gehören scheint. Während er in der Grusel Serie den Erzähler gibt, hat er hier eine wesentlich größere Aufgabe zu bewältigen. Was ihm aber prima gelingt. Mit dunkler Stimme, der man anfangs die Pein des Jungen anhört, später dann die Besessenheit des Mörders, liest er diese Geschichte. Dabei trifft er genau den richtigen Ton und greift die finstere Atmosphäre gut auf.

Unterstützt wird er dabei von zahlreichen Musiken, die überwiegend aus dem Hintergrund ans Ohr dringen. Auch sie sind angemessen düster und bedrückend gehalten. Eine Reihe Geräusche ist ebenfalls zu hören, die das Gehörte gut veranschaulichen. Diese Kombination aus Sprecher, Musik und Geräuschen machen das Zuhören leicht.

Das Cover ist ganz nach meinem Geschmack. Schön düster und speziell wenn man die Geschichte angehört hat, kann man sich gut die schaurigsten Vorstellungen davon machen, was diese dunkle Gestalt auf den Friedhof treibt.

Fazit:   Wer auf solch alte Geschichten steht, der wird sicher noch eine Schippe mehr Spass an dieser Lesung haben. Aber auch mich hat sie ganz gut unterhalten. Einfach, weil es eine wunderbar schaurige Vorstellung ist, was der Hauptperson zu Energie und Kraft verhilft.

 

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