Träume

Tödliche Träume (Marliese Arold)

toedlichetraeumeSeit der Kindheit hat der 16-jährige Andy Visionen, die ihm Angst machen. Als er dadurch der Polizei einen Leichenfundort zeigen kann, landet er im IPP, dem Institut zur Erforschung parapsychologischer Phänomene. Dort trifft Andy auf andere Jugendliche mit übersinnlichen Fähigkeiten: Sie sind telekinetisch begabt, sprechen mit Toten und können ihren Körper verlassen. Als in seinem Heimatort ein zweiter Mord geschieht, fürchtet Andy, dass seine kleine Schwester das nächste Opfer sein wird. Gemeinsam mit seinen neuen Freunden Laura, Jeff und Rebecca sucht er den wahren Mörder.

Seit “A Nightmare on Elm Street” bin ich geheimnisvollen und gruseligen Geschichten verfallen, die Träume zum Thema haben. Da ist es nicht verwunderlich, dass ich dieses Buch lesen musste. Spannend klang der Klappentext außerdem noch.
Die Geschichte lässt sich prima an mit den Morden und Andy, der die Leichen in Visonen sieht. Für ihn ist das sicher nicht schön und sehr belastend, aber irgendwo fand ich diese Vorstellung auch ziemlich cool. Natürlich ist er -als er sich endlich traut zur Polizei zu gehen- eine Hilfe bei den Ermittlungen. Damit wäre ich für den weiteren Verlauf eigentlich schon ganz zufrieden gewesen: ein übersinnlich begabter Junge, der der Polizei bei der Aufklärung einer Mordserie hilft. Das wäre zwar auch schon hart an der Grenze, weil ich mit Übersinnlichem in dieser Richtung nichts (mehr) groß anfangen kann, aber es wäre noch okay gewesen. Erwartet hatte ich es bei einem Thriller allerdings nicht.
Doch Andys Talent bringt ihm keineswegs hohes Ansehen bei der Polizei. Stattdessen landet er im IPP, einem Institut zur Erforschung parapsychologischer Phänomene. Dort trifft er auf eine Clique weiterer Kids mit solch außergewöhnlichen Fähigkeiten. Da schrillten bei mir die Alarmglocken schon lauter. Ich hatte ständig Angst, dass hier alles total in Richtung Fantasy kippen würde. Das mag ich stumpf nicht, vor allem aber -wie schon mal gesagt- erwarte ich das nicht, wenn auf dem Cover “Thriller” steht. Und irgendwo ärgert es mich auch, wenn ich dann damit überrascht werde.
Zum Glück fand ich die Clique durchweg sympathisch. Jeder hat so seine Eigenarten, Ecken und Kanten und Geheimnisse, das ist abwechslunsgreich und bürgt an sich für interessante Beziehungen und Freundschaften. Allerdings wurde mir hier genau darauf viel zu viel Augenmerk gelegt. Nach dem Aufhänger mit den Morden dreht sich der Großteil der Geschichte um die Freundschaften und ein paar Tests am IPP, die mit den Jugendlichen gemacht werden. Darüber vergisst man geradezu, dass es ja mal mit unheimlichen Morden losgegangen ist und eigentlich die Hauptfrage ist, wer dahinter steckt und wie man ihn erwischen kann.
Dann plötzlich, wie aus dem Nichts, erinnert sich die Geschichte daran, welchen Kern sie eigentlich hat und um was sie sich drehen sollte, schnappt nach dem verlorenen roten Faden und spinnt ihn weiter. Bis dahin ist aber so viel Zeit vergangen und sind so viele Seiten umgeblättert worden, dass die Auflösung und das Finale viel zu schnell abgewickelt werden. Es ist zwar schön zu sehen, wie die Jugendlichen im Team arbeiten und sich mit ihren Talenten unterstützen und helfen, aber im Verhältnis zum weitschweifigen Mittelteil wirkt es wie eilig heruntergehaspelt.
Des Rätsels Lösung, weshalb man dan Täter lange nicht identifizieren konnte, hat mir widerum gefallen. Irgendwo hatte ich so etwas Ähnliches schon mal gelesen. Ich meine sogar, es wäre eine Geschichte von Stephen King gewesen. Schon damals hat mich das zutiefst fasziniert. Weil ich es spannend, interessant und auf angenehme Weise auch ein wenig schaurig finde. Aber immerhin gibt es sowas! Da bin ich bei einigen Fähigkeiten der Jugendlichen dagegen nicht so sicher.

Allzu stattlich ist das Buch mit seinen 239 Seiten nicht. Außerdem liest es sich schön locker und flüssig, es gibt viele Dialoge, die auflockern und die Kapitel haben eine angenehme Länge. Nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang. Mit jedem kommt man ein gutes Stück im Buch voran, aber es strengt niemals an.

Das Cover finde ich einfach wunderschön. Ich bin ein Farbenmensch, das merke ich gerade bei Buchcovern immer wieder. Ich finde dieses Grün sehr schön und es wirkt auch geheimnisvoll. Wer die Person sein könnte, darüber grübele ich schon eine ganze Weile. Ich würde auf Andy tippen, weil das Gesicht aussieht als würde die Person schlafen. Andy hat seine Visonen schließlich im Schlaf. Kurz dachte ich aber auch, es könnte ein Mordopfer sein.

Fazit:  Ich bin normalerweise ein Leser, der jeder Reihe eine zweite Chance einräumt. Den zweiten Band “Gefährliche Stille” habe ich jedoch wieder vom Wunschzettel genommen. Das liegt keineswegs an den Teenagern hier, denn die mochte ich wirklich gern. Es hat auch kaum etwas damit zu tun, dass das Rätsel um die Morde viel zu lang in den Hintergrund gedrängt wird. Das kann ja im nächsten Band ganz anders sein. Mir geht es einfach zu phantastisch zu. Ich bin kein Fantasy-Fan (mehr) und wenn auf einem Buch “Thriller” steht, dann erwarte und möchte ich das auch nicht. Auf meinem steht übrigens “Mysterythriller”, aber das ändern daran nichts.


Titel: Tödliche Träume
Autor: Marliese Arold
Seiten: 239
Verlag: Oetinger Verlag
ISBN: 978-3841502667
Preis: € 6,99 (TB)

Bibi Blocksberg (110) – …und die kleine Elfe

Titel: Bibi Blocksberg (110) – …und die kleine Elfe / Verlag: Kiddiny / Spielzeit: ca 40 min  / Sprecher: Susanna Bonasewicz, Julia Stöpel, Bodo Wolf ua

bibi110Inhalt: Bibi sieht nachts vor dem Fenster ein Licht umherfliegen. Neugierig hext sie sich sichtbar, was dahinter steckt. Es ist die Elfe Pling und ihr leuchtender Elfenstab, mit dem sie den Kindern ihre Träume bringt. Bibi darf Pling dabei begleiten. Leider versagt danach der Unsichtbarkeitshexspruch – aber sichtbar kann Pling nicht zurück in den Elfenwald.


Die “Benjamin Blümchen”-Serie ist ja bereits auf dem Niveau Dreijähriger angekommen. Die Bibi-Folgen waren davon für mich bisher wenigstens noch ein oder zwei Jahre entfernt. Und dann kam diese Folge…
Dabei gefiel mir anfangs vor allem die Stimmung wirklich gut. Ein wenig verträumt wie es zu einer Handlung passt, die in der Nacht und einem Wesen wie einer Elfe beginnt. Und auch die Elfe selber störte mich kaum. Lediglich diese piepsige Stimme ging mir schnell auf den Keks.
Das wesentliche Problem ist einfach, dass die Story absolut nichts Neues bietet. Dieses Mal hat zwar nicht Bibi selber ein Problem, sondern Elfe Pling, aber im Endeffekt läuft es auf das gleiche hinaus. Es muss natürlich eine Lösung her! Und dann versagt auch noch ein Hexspruch. Wie oft hat man das nun schon gehört? Und wie oft musste Bibi für die Lösung des Problems schon verschiedene Zutaten für ein Elixier auftreiben? Und wie oft mussten dabei schon die alten Hexen helfen?
Ja, dieses Mal mischt eine Elfe mit, aber sonst tut wahrlich nichts Neues in Neustadt.
Dafür ist es unüberhörbar, dass die Reihe sich inzwischen an Vierjährige richtet. Sonst hieße Pling sicher nicht Pling, sonst müsste Amanda nicht auch noch singen und sonst gäbe Papa Bernhard wohl kaum Sätze wie “rühr-rühr, pling-pling” von sich, und das gleich zweimal!

Als Elfe Pling quietscht sich Julia Stöpel durch die Geschichte. Irgendwo muss man es ja sogar noch bewundern, mit wieviel Ernsthaftigkeit Sprecher solche Jobs meistern. Die übrigen Sprecher kennt man aus der Reihe bereits sehr gut und sie sind mit dem gewohnten Einsatz bei der Sache.

Musikalisch wird wie aus der Serie bekannt außer dem Titellied nichts weiter geboten. Es sei denn, man rechnet Amandas Gesangseinlage dazu. Die Geräuschkulisse geht in Ordnung. Das Geschehen ist gut vorstellbar, das reicht für mein Verständnis für ein Kinderhörspiel völlig aus.

Eigentlich ein schönes Cover. Ich mag Nachtszenen immer sehr gerne als Covermotiv. Und die Elfe sieht ja wirklich schön magisch und zauberhaft aus.

Fazit:  Leider ist es bei dem stimmungsvollen Anfang geblieben. Danach gab es nichts Neues im Staate Dänemark…äh, sorry, in Neustadt. Außerdem ist nun auch diese Reihe auf Kleinkinderniveau angekommen, was ich zutiefst bedauere.

Traumlos (01) – Im Land der verlorenen Seelen (Jennifer Jäger)

traumlosDie siebzehnjährige Hailey kann nicht träumen und das, obwohl sie in einer Gesellschaft lebt, die durch ihre Träume gesteuert wird. Der Regierung ist sie ein Dorn im Auge und es dauert nicht lange, da muss auch Hailey an den Ort der Traumlosen – in die “Klinik”, aus der keiner jemals zurückgekehrt ist. Doch dort lernt sie den ungewöhnlichen Jungen Caleb kennen, der ihr nicht nur hilft hinter das Geheimnis der Regierung zu kommen, sondern an den sie auch ihr Herz verliert.

“Traumlos” hatte mich mit dem schönen Cover gelockt. Allerdings hätte ich der Versuchung wohl besser widerstehen sollen.
Dabei klang die Idee für mich gut! Träume sind eines meiner Lieblingsthemen. Entsprechend war ich guter Dinge als ich mit “Traumlos” begann.
Ich will mich auf die beiden wichtigsten Faktoren beschränken, die mir die Geschichte verleidet haben. Erstens fand ich sie überhaupt nicht spannend. Das liegt wesentlich daran, dass zwar beschrieben wird, wie schlimm alles ist (die Traumkontrollen, die Strafen, die Regierung, die Klinik etc.), dass genau das bei mir aber überhaupt nicht so ankam. Es gibt kaum Szenen, die einem die Bedrohung  wirklich deutlich aufzeigen.
Zweitens hat es mich gestört, wie hier eine Liebesgeschichte aus dem Boden gestampft wird. Da ist keine Entwicklung, kein Knistern, keine romantischen Gedanken, nein, Hailey ist eines schönen Kapitels einfach in Caleb verliebt. Was ich obendrein nicht nachvollziehen konnte, denn so einen liebenswerten Eindruck hat er auf mich nicht gemacht. Und ich habe meine Zweifel, ob er tatsächlich das gleiche für Hailey empfindet.
Die Spannung und die Lovestory sind wohl die wichtigsten Elemente einer solchen Geschichte. Und beide Themen hat “Traumlos” für mich leider in den Sand gesetzt.
Über das Thema Rechtschreibfehler lasse ich mich jetzt nicht noch weiter aus. Aber es gibt reichlich davon, und  zwar solche, die ganz sicher auffallen.

Fazit: Ein verheißungsvolles Thema, doch nach dem vielversprechenden Anfang hat “Traumlos” mich leider enttäuscht. Schuld daran sind in erster Linie die nicht vorhandene Spannung und eine unglaubwürdige und wenig gefühlvolle Lovestory.


Titel: Traumlos (01) – Im Land der verlorenen Seelen
Autor: Jennifer Jäger
Seiten: 328 Seiten (geschätzt)
Format: Kindle Edition
Preis: € 3,99

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Silber – Das erste Buch der Träume (Kerstin Gier / Simona Pahl)

Titel: Silber – Das erste Buch der Träume / Verlag: Argon Hörbuch / Spielzeit: ca. 575 min, 8 CDs / Buch: Kerstin Gier / gelesen von: Simona Pahl

silber01Inhalt: Geheimnisvolle Türen mit Eidechsenknäufen, sprechende Steinfiguren und ein wildgewordenes Kindermädchen mit einem Beil … Liv Silbers Träume sind in der letzten Zeit ziemlich unheimlich. Besonders einer von ihnen beschäftigt sie sehr. In diesem Traum war sie auf einem Friedhof, bei Nacht, und hat vier Jungs bei einem düsteren magischen Ritual beobachtet.
Zumindest die Jungs stellen aber eine ganz reale Verbindung zu Livs Leben dar, denn Grayson und seine drei besten Freunde gibt es wirklich. Seit kurzem geht Liv auf dieselbe Schule wie die vier. Eigentlich sind sie ganz nett.
Wirklich unheimlich – noch viel unheimlicher als jeder Friedhof bei Nacht – ist jedoch, dass die Jungs Dinge über sie wissen, die sie tagsüber nie preisgegeben hat – wohl aber im Traum. Kann das wirklich sein? Wie sie das hinbekommen, ist ihr absolut rätselhaft, aber einem guten Rätsel konnte Liv noch nie widerstehen.


Alleine schon wegen des Hypes um diese Geschichte wollte ich mich eigentlich davor drücken. Andererseits finde ich, dass man schon mitreden können sollte. Deshalb habe ich es mir also doch angehört. Und was soll ich sagen? Mir hat es tatsächlich gefallen! Allerdings in erster Linie wegen der unterhaltsamen Familien-  und Teeniegeschichte. Sowas mag ich irgendwie ganz gerne. Livs Familie ist ein liebenswerter Haufen von Chaoten, an der Schule gibt es die üblichen Zickereien und eine geheimnisvolle Lästertante, und das Thema Jungs kommt ebenfalls nicht zu kurz. Davon erzählt Liv so wunderbar locker und humorvoll, dass ich gerne zugehört habe.
Doch die Geschichte will mit Livs seltsamen Träumen ja auch mysteriös sein. Bis sich das aber überhaupt mal ordentlich andeutete, waren bereits zwei CDs vergangen.  Bis hierher hatte ich mich zwar alles andere als gelangweilt, aber ich fand die Anlaufzeit schon ziemlich lang. Von da an spielten die Träume dann eine etwas größere Rolle und ich muss sagen, dieser Teil der Geschichte ist phantasievoll erdacht. Da ich eh ein Fan von Geschichten bin, die von Träumen handeln, hat mir das ganz gut gefallen. Gefühlt stand es aber für mich hinter der fröhlichen Teenie-Familien-Schul-und-Lovestory zurück.
Das gilt ebenso für den Teil der Geschichte, der wohl unheimlich bis gruselig wirken will. Davon gehe ich jetzt mal aus, wenn sich das Geschehen um Friedhöfe, blutige Rituale und Dämonen dreht. Abgesehen davon, dass alles, was hier in dieser Hinsicht aufgeboten wird, nun wirklich nicht vor neuen Ideen strotzt, dauerte es glatt bis zum Ende der letzten CD ehe es eine Szene gab von der ich mit vorstellen konnte, dass sie jemanden gruseln könnte.
Nun ist dieses Hörbuch der erste Teil einer Trilogie, deshalb will ich die beiden letzten Punkte erstmal nicht überbewerten. Für jede gute Geschichte muss nun mal zunächst der Grundstein gelegt werden. “Silber” lässt sich dafür alle Zeit der Welt und füllt sie zumindest so unterhaltsam, dass Langeweile keine Chance hat.

Simona Pahl ist sicher einer der Gründe, wieso mir das Zuhören so viel Spass gemacht hat. Sie klingt jung und trifft genau den richtigen Ton für Liv: humorvoll, clever und pfiffig. Zudem klingt es durchweg nicht danach, dass sie den Text abliest. Ich hatte eher den Eindruck, sie erzählt frei. Das hilft ebenfalls dabei, 8 CDs nicht als ein Mammutprojekt zu empfinden.

Die 8 CDs kommen in einem schicken Klapp-Case daher, das bei mir allerdings schon nach zwei- oder dreimaligem Aufklappen einen Knick im Rücken bekam. Stabil ist anders und ab 6 CDs hat eine Hülle aus Kunststoff durchaus seine Berechtigung, wie ich finde. Das Motiv gefällt mir. Es wirkt phantasievoll und auch ein wenig verträumt und macht neugierig. Der Titelschriftzug geht dabei fast unter. Auf den einzelnen CD-Einschüben findet man ein Glossar der Personen aus der Geschichte, Hinweise und einen Gruß von Autorin Kerstin Gier.

Fazit: Ich habe “Silber” vor allem deshalb mit Vergnügen gehört, weil ich Livs Familie(nleben), ihre Schulgeschichten und das Thema Jungs so unterhaltsam fand. Das alles wird herrlich witzig erzählt. Der mysteriöse, phantastische und schauerliche Anteil der Story kam mir hier noch zu kurz. Da ist noch Luft nach oben. Weil es ein erster Teil einer Trilogie ist, gehe ich erstmal optmistisch davon aus, dass diese Luft noch genutzt werden wird.

Wenn die Nacht in Scherben fällt (Anika Beer)

nachtscherbenSchon immer waren Träume für Nele etwas ganz Besonderes, denn sie besitzt die Fähigkeit, sie zu steuern, wie es ihr gefällt. Doch als sie mit ihren Eltern von München nach Erlfeld zieht, taucht auf einmal jemand in ihrem Traum auf, den sie selbst nicht erschaffen hat: Seth, ein junger Mann, den sie unheimlich und zugleich anziehend findet. Aber was macht er in ihrem Traum? Als Nele sich in der neuen Schule mit Jari anfreundet, hofft sie, in ihm jemanden gefunden zu haben, dem sie sich anvertrauen kann. Doch dann verschwindet Jari wie vom Erdboden verschluckt. Nele macht sich auf die Suche nach ihm, und findet heraus, dass nicht nur er in Gefahr ist – sondern die gesamte Traumwelt zu zerbrechen droht.

Ich mag einfach Geschichten, in denen Träume eine Rolle spielen. Deshalb war es klar, dass ich dieses Buch lesen würde.
Es hat mich allerdings etwas zwiegespalten zurückgelassen.
Der Teil der Handlung im Hier und Jetzt und in den Träumen hat mir prima gefallen. Die etwas verrückte, aber herrlich offene und direkte Nele mochte ich sofort. Den zurückhaltenden Jari ebenso. Der arme Kerl tat mir oft leid. Die zarte Liebsgeschichte zwischen den beiden ist ganz einfach schön.  Genauso gut hat mir die Vorstellung einer Klarträumerin gefallen. Und der Gedanke, man könnte in Träumen verloren gehen hat ebenfall seinen Reiz.
Es ist spannend mit Nele zwischen Traum und Wirklichkeit nach Jari zu suchen, auch wenn man hier und da aufpassen muss, dass man sich nicht verfranst. Ich habe häufig überlegt, wie Nele gewisse Pläne verwirklichen will, denn mit einer Welt, in der für sie nahezu alles möglich ist, gibt es auch für einen Teenie schließlich mehr Möglichkeiten. Da erlebt man einige Überraschungen, die manchmal ganz schön bizarr sind. Auf gute Art und Weise! Doch auch in Neles Realität gibt es bald eine sehr deutliche Gefahr in Gestalt von Seth. Ich habe ihn von Anfang an nicht besonders gemocht. Dafür war er mir zu besitzergreifend und herrisch, doch später scheint er sich zu wandeln, was auch ziemlich glaubhaft gelingt. Da bin ich in’s Zweifeln gekommen, ob er wirklich so ein Blödmann ist, wie er es bis dahin für mich war. Das Misstrauen ist aber geblieben. So war ich hin- und hergerissen und gespannt, ob ich eine Überraschung erleben würde oder ob mich mein Bauchgefühl richtig beraten hat.
Anika Beer beschreibt die Traumwelt einerseits traumhaft schön, oft aber auch ganz schön surreal. sowas mag ich. Vor allem als die Traumwelt sich mit der Realität vermischt. Den Himmel hätte ich gerne gesehen! Außerdem ist es immer genau mein Fall, wenn das Phantastische sich mit dem Wirklichen mischt. Ich habe ja nichts gegen Fantasy, aber ich möchte, dass die Welt, wie ich sie kenne, weiterhin existiert und eine wichtige Rolle spielt. Ich möchte mir keine komplette Fantasywelt neu vorstellen müssen.
Allerdings haben mich die Passagen bei den Traumwächtern immer wieder etwas ausgebremst. Sie sind fast allen Kapiteln vorangestellt und auch so wichtig, dass man sie nicht überspringen kann. Diese Passagen sind aber sicher Geschmackssache. Ich mag halt keine Fantasy, die keinen direkten Bezug zu unserer Welt hat und von Wesen bevölkert ist, die nicht zumindest menschenähnlich sind.
Wobei mir die Idee mit den Katzen widerum gefallen hat. Diese geheimnisvollen Tiere sind eine gute Wahl für diesen Part. Vielleicht mag der eine oder andere sagen, dass das kindisch ist, aber das Buch richtet sich ja auch in erster Linie an junge Leser ab 12 Jahren. Und wer eigentlich mag keine Katzen? Das kann ich mir kaum vorstellen 😉

Anika Beers Schreibstil fand ich klasse! Erstens liest er sich gut und leicht und zweitens ist er herrlich bildhaft. Das kommt vor allem den Szenen in der Traumwelt zugute, wo er einem sofort die entsprechenden Bilder vor Augen zaubert.  Die Kapitel sind für ein Jugendbuch recht lang, wie ich finde. Dafür ist man aber auch mit jedem Kapitel ein ordentliches Stück in der Geschichte bzw dem Buch vorangekommen.

Das Cover finde ich schlicht wunderschön. Blau ist halt meine Farbe und solche Darstellungen im Stil von Schattenrissen gefallen mir immer wieder. Der gesplitterte Rahmen um die nächtliche Szene passt außerdem toll zur Geschichte und ihrem Titel. Die Innenseiten der Deckel ist mit gleichen Motiven gestaltet und ich habe sie mir gerne angeschaut. Mehrmals!

Fazit: Die Szenen in der Welt der Traumfänger ist Geschmackssache. Aus genannten Gründen ist so etwas nicht mein Fall. Davon abgesehen ist “Wenn die Nacht in Scherben fällt” eine wirklich spannende Geschichte mit im guten Sinne ungewöhnlichen und liebenswerten Hauptcharakteren. Bei mir hat sie vor allem mit den surrealen Traumszenen punkten können. Passt auf eure Träume auf!


Titel: Wenn die Nacht in Scherben fällt
Autor: Anika Beer
Seiten: 416
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570402023
Preis: € 12,99

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