Überfall

Sturz in die Zeit (Julie Cross / Matthias Köberlin)

Titel: Sturz in die Zeit / Verlag: Argon Hörbuch / Spielzeit: ca. 729 min, 1 mp3-CD / Buch: Julie Cross / gelesen von: Matthias Koeberlin

Inhalt: Jackson Meyer, Student in New York, hält sich für einen ganz normalen Neunzehnjährigen, bis er zufällig feststellt: Er kann für ein paar Stunden in der Zeit zurückreisen. Alles ist nur ein harmloser Spaß, bis eines Tages die Katastrophe passiert: Zwei Fremde überfallen ihn und seine Freundin – und erschießen Holly. In seiner Panik stürzt Jackson in die Vergangenheit und landet plötzlich zwei Jahre vor dem Ereignis. Von da an hat er nur eines im Sinn: zurückzukommen und Holly zu retten.


Über 12 Stunden Hörbuch sind ein ganz schöner Brocken. Daher stand das Hörbuch bei mir auch geraume Zeit im Regal, aber nun habe ich mir nach und nach doch die Zeit dafür genommen. Ich mag Geschichten um Zeitreisen seit “Zurück in die Zukunft”. Meiner Meinung nach eine Richtung, aus der man viel machen kann, das einem noch nicht an jeder Ecke mal begegnet ist. Hier hat mir schon mal generell gefallen, dass es eine männliche Hauptfigur gibt. Das kommt mir im Jungendgenre im Verhärltnis viel zu selten vor. Jackson gefiel mir auch sonst, zumal er für sein Alter schon sehr vernünftig und bedacht ist. Und auch mit seinem nerdigen Kumpel bin ich schnell warmgeworden. Mit Holly hatte ich dagegen so meine Probleme. Ihre Figur bleibt sehr blass. Aber vielleicht ändert sich das im Verlauf der Trilogie ja noch. So ein erster Teil muss ja in vielerlei erstmal die Grundsteine der Story legen. Diese Zeit und Gelegenheit nimmt “Sturz in die Zeit” auch wahr, was ich ganz berechtigt finde.
Dennoch muss man auf Spannung und Action keineswegs verzichten. Alleine die Zeitsprünge sorgen schon für Schwung und Tempo. Und Jackson hat auch immer wieder gefährliche Situationen zu meistern, da fiebert man schnell mit. Allerdings muss ich auch sagen, dass es Momente gibt, in denen gerade damit etwas übertrieben wird. Da muss man gut bei der Sache sein um durchzublicken. Vor allem, weil man ja obendrein noch stetig grübelt, was eigentlich hinter den Ereignissen stecken könnte. Dieser erste Teil gibt so manches Rätsel auf und ich hoffe sehr, dass all diese Ereignisse, Finten und verschiedenen Handlungsfäden letztlich zu einer schlüssigen Auflösung führen werden. Ein paar Zweifel habe ich daran schon, muss ich zugeben. Eben weil es -wie erwähnt- hier und da etwas viel wird.

Matthias Koeberlin kann man ohne Probleme über längere Zeit hinweg lauschen. Seine ruhige Stimme hat mir das ausgesprochen leicht gemacht. Gleichzeitig hört man bei ihm gut heraus, wen er gerade spricht bzw liest. Das ist bei einer solchen Geschichte, die schon im ersten Teil recht komplex wird, für mich ganz wichtig.

Das Cover gefällt mir insgesamt gut. Es wirkt düster und mysteriös, der Nebel hat etwas und die ins Dunkel getauchte Stadt ebenfalls. Jackson ist mir dagegen etwas zu offensichtlich am Computer entstanden. Wieder andererseits finde ich es gut, dass man dem Hörbuch kein Schönlingsgesicht aufgedrückt hat wie es so oft bei (Hör)büchern mit Mädchen auf dem Cover der Fall ist. Da bin ich also etwas unentschlossen.

Fazit:  Dieser Auftakt einer Trilogie nimmt sich zwar Zeit um die Grundsteine für die ganze Story zu legen, hat dabei aber auch rasante und spannende Szenen in petto. Langweilig wird es also nicht. Hier und da hatte ich aber auch den Eindruck, dass für einen ersten Teil etwas zu viel aufgeboten wird. Da muss man schon bei der Sache sein, um auf dem Laufenden zu bleiben und den Durchblick zu behalten. Ich hoffe, diese Masse schon zu Beginn endet im Laufe der Trilogie nicht gänzlich im Chaos.

Die drei ??? (186) – Insel des Vergessens

Titel: Die drei ??? (186) – Insel des Vergessens / Verlag: Europa / Spielzeit: ca. 72 min / Sprecher:  Jens Wawrczeck, Jürgen Thormann, Hans Peter Korff, Anika Pages, Klaus Dittmann ua

Inhalt: Peters Opa ist verschwunden! Angeblich soll Bennington Peck still und heimlich in ein Pflegeheim gezogen sein und wird nun vermisst. Peter ist fassungslos. Das kann doch unmöglich sein! Als der Zweite Detektiv plötzlich in den Lokalnachrichten entdeckt, wie der alte Herr eine Tankstelle überfällt, überstürzen sich die Ereignisse.


Ich muss zugeben, dass ich mir bei diesem Titel etwas anderes vorgestellt habe, denn er ist eher im übertragenen Sinne zu verstehen. Alleine das hat mir schon gut gefallen, zumal es nie abgedreht wirkt, sondern einfach nur clever gedacht.
Genauso begeistert war ich auch davon, hier mal wieder etwas von Peters Großvater zu hören. Irgendwie habe ich das als angenehm erfrischend empfunden und dreimal authentischer als einen irgendwie schräg gearteten Auftraggeber. Gleich zu Anfang ist schon für Spannung gesorgt, denn genau wie die drei Detektive fragt man sich, wieso und wohin Peters Großvater verschwunden ist. Und was es mit der sonderbaren Seniorenresidenz auf sich hat, in der er angeblich zuletzt gewohnt hat.
Diese Spannung wird auch über die restliche Spielzeit kontinuierlich aufrecht erhalten. Immer mal wieder bekommt man neue Erkenntnisse an die Hand, mit denen man weiterknobeln kann. Das geht hier sowieso recht gut, denn die Story verstrickt sich niemals in wirre Zusammenhänge.
Punkten konnte sie bei mir außerdem damit, dass sie durchaus auch ihre unheimlichen Szenen hat. Gerade vor der Hintergrund der Story und dem Schauplatz wirkt das besondes gut. Gleichzeitig macht die Geschichte in gewisser Hinsicht ein wenig nachdenklich. Und warum eigentlich auch nicht? Unterhaltung darf doch schließlich auch Botschaften transportieren und zum Nachdenken anregen.

In der Rolle von Peters Großvater ist wieder Wolfgang Völz zu hören, der einmal mehr zu überzeugen weiß. Ich mag den gewitzten Ton, den er Ben Peck verleiht. Anika Pages alias Ellyn Djawadi hat mir ebenfall gut gefallen mit ihrer kräftigen und markanten Stimme. Jürgen Thormann gibt einen wunderbar kauzigen Mr. Castro. Und auch die drei Hauptsprecher sind mit viel Elan bei der Sache.

Von der Musik her habe ich nichts weiter auszusetzen. Die Stücke sind abwechslungsreich und passend angesetzt. Sie unterstreichen häufig die Atmosphäre der jeweiligen Szene. Die Geräuschkulisse weiß ebenfalls zu überzeugen.

Der lange, verlassene Flur mit den Totenkopfbildern an der Wand vermittelt dem Betrachter direkt den Eindruck, dass auf der CD eine uA unheimliche Geschichte wartet. Was ja auch stimmt. Das Motiv verrät außerdem bereits ein bisschen was über den Schauplatz, die Insel aus dem Titel.

Fazit:  Für mich eine durchweg gelungene und spannende Folge, die hier und da auch einen gewissen unheimlichen Touch an sich hat. Das hat mir so gut gefallen. Außerdem regt die Story durchaus auch zum Nachdenken an. Fein!

Die drei !!! Adventskalender – Engel in Gefahr

Titel: Die drei !!! Adventskalender – Engel in Gefahr / Verlag: Europa / Spielzeit: ca. 106 min  / Sprecher: Nils Rieke, Clemens Gerhard, Katharina von Keller, Mia Diekow ua

ddaadventInhalt: Franzi jobt in der Adventszeit als Kinderbetreuerin auf der Eisbahn. Dort geschieht Ungeheuerliches. Ein Weihnachtsmann stürmt in den Umkleideraum – mit einer Pistole in der Hand! Die stopft er zusammen mit seinem roten Mantel in seinen Geschenke-Sack und verschwindet wieder im vorweihnachtlichen Einkaufsgetümmel. Damit stecken die drei !!! mitten in einem neuen Fall. Es handelt sich bei dem Weihnachtsmann offenbar um einen Räuber, der einen Drogeriemarkt überfallen und 20.000 Euro erbeutet hat. Bei ihren Recherchen müssen die Detektivinnen jedoch äußerst vorsichtig vorgehen, denn der Verbrecher ist bewaffnet und Kommissar Peters hat sie streng ermahnt, sich aus den gefährlichen Ermittlungen heraus zu halten. Und zu allem Überfluss benötigt auch Franzis Schwester Chrissie dringend die Unterstützung der drei !!!. Sie hat sich mit ihrer frisch gegründeten Keks-Company heillos übernommen und auch in Liebesdingen ist bei ihr so manches in Unordnung. Und das so kurz vor Weihnachten!


Pünktlich zur Vorweihnachtszeit gibt es nun auch von “Die drei !!!” einen Adventskalender zum Hören. Auf zwei CDs finden sich je 12 Tracks, die man Tag für Tag -eben wie bei einem Adventskalender- hören kann. Es geht aber natürlich auch in einem Rutsch 😉
Wie man es von der Reihe kennt, lösen die drei Freundinnen Kim, Franzi und Marie auch hier wieder einen Fall, in den sie ziemlich zufällig hineinstolpern. Beteiligt ist passenderweise ein räuberischer Weihnachtsmann. Eines muss man über diesen Fall aber klar sagen: er hätte gut auf eine einzelne CD gepasst. Ich fand ihn lange ganz spannend und es hat Spass gemacht, die drei Mädels beim Ermitteln zuzuhören. Sie haben mit ein paar schönen Wendungen zu kämpfen. Ab einem bestimmten Punkt hatte ich dann aber so eine Ahnung. Für etwas krimigeübte Hörer gibt es hier also am Schluss nicht unbedingt die große Überraschung. Und ein paar Ungereimtheiten gibt es auch. Dass eine Drogerie Laptops verkauft, okay, das tut Aldi auch. Kann ich noch hinnehmen. Aber an einem Tag mit einem so tollen Angebot sitzt nur eine Angestellte an der Kasse, die auch sonst komplett alleine für den Laden zuständig ist? Nunja, ist für den Fall halt so notwendig. Trotzdem ist “Engel in Gefahr” nach der letzten schwachen Folge ein wirklich ordentlicher Fall. Typisch “Die drei !!!” eben.
Gestreckt wird die Geschichte durch viel weihnachtliches Drumherum. Sei es Chrissies Keks-Company, Weihnachtsmarktbesuche, Tipps zum Basteln von Aventskränzen und Deko oder auch Einkaufsrummel in Geschäften. Das sorgt erstens für weihnachtliche Stimmung, zweitens ist speziell das Chaos um Chrissies Keks-Company ganz schön witzig. Einfach ein winterlich-weihnachtlicher Spass. Und obwohl die drei Detektivinnen sich eine jungsfreie Zeit versprechen, spielt auch das Thema “Liebe” wieder eine Rolle. Nur halt nicht bei den Dreien. Ich finde aber, es gehört bei einer Weihnachtsgeschichte für weibliche Teenies einfach dazu. Weihnachten ist ja das Fest der Liebe. Na also!

Die drei Hauptsprecherinnen sind gut aufgelegt wie eh und je. Mir macht es jedes Mal Spass sie wiederzuhören. Von Chrissie hört man in dieser Folge mal etwas mehr. Gesprochen wird sie von Katharina von Keller, die sie unüberhörbar ein paar Jahre älter als ihre Schwester klingen lässt. Aber sie wirkt ausgesprochen nett und ich würde mich freuen, wenn sie auch in der Reihe häufiger mal vorkäme. Ursula Pages lässt Frau Strehlen von Anfang an recht unsympathisch klingen. Da kann man schon auf Ideen kommen… Natürlich mischt auch Kommissar Peters wieder mit, wie immer gesprochen von Clemens Gerhard. Ich mag seinen oft resignierten Tonfall, wenn er merkt, dass er die drei Dektektivinnen eh nicht vom Ermitteln abhalten kann.

Rentier150-1Der Soundtrack ist dieses Mal eine schöne /Stille\ Mischung. Da sind einerseits die vertrauten Stücke während der Handlung, aber eben auch oft weihnachtliche Klänge. Und am Ende der einzelnen Track-Türchen erklingt nochmal ein ganz auffälliges, weihnachtliches Stück. So weiß man, wann man ein “Türchen” gehört hat. An der Geräuschkulisse gibt es nicht viel Erwähnenswertes, alles wie aus der Reihe bekannt und damit sehr ordentlich. ABER ich tausche sofort dieses nervige Windspiel-Geklingele aus der Reihe gehen das Wellensittichgeschrappe und -gezwitschere in dieser Folge. Clubtreffen dürften also meinetwegen ab sofort gerne in Franzis Küche stattfinden!

Das Cover finde ich ganz witzig mit den drei Mädels im Engelskostüm. So erlebt man sie auch in der Geschichte. Im Booklet sind die Track-Türchen mit je drei Zeilen Erläuterung aufgeführt. Ganz niedlich dargestellt mit nummerierten Paketen und den Detektivinnen.

Fazit:  Ein schöner Fall, der lange Zeit wirklich ganz spannend ist. Dabei habe ich “Die drei !!!” gerne begleitet. Mir hat aber auch das weihnachtliche Drumherum sehr gut gefallen. Ich mag einfach Weihnachtshörspiele, und hier kommt schnell weihnachtliche Atmosphäre auf. Den Kalender höre ich sicher nächstes Jahr wieder.

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5

Rezension – Aschenputtels letzter Tanz (Kathleen Weise)

Grauer Nebel liegt über dem Moor, als Harpers Cousine Elsa überfallen wird. Ein Aschenputtelzitat – das ist die einzige Spur, die der Täter bei der jungen Tänzerin hinterlassen hat. Während die Polizei fieberhaft nach ihm fahndet, geht die Angst in dem kleinen Städtchen um. Nur Harper will nicht tatenlos abwarten. Sie beginnt Fragen zu stellen und schwebt bald selbst in Gefahr. Denn der Täter hat schon das nächste Opfer im Visier.

Da Jugendthriller seit einiger Zeit zu meinem bevorzugten Büchern gehören, bin ich beim Stöbern nach frischem Lesestoff auf dieses Buch aufmerksam geworden. Der Klappentext klang vielversprechend und spannend.
Tatsächlich hat mich das Buch von der ersten Seite an gepackt. Zunächst lag das lediglich an Hauptperson Harper, die mir sofort sympathisch war. Ich mag es immer sehr, wenn ich in einem Buch, das sich in erster Linie an Mädels richtet, eben kein so “typisches” Mädchen vorgesetzt bekomme. Harper mit ihrer selbstbewussten und direkten Art, den frechen Sprüchen hier und da und dem schrägen Klamottenstil war also ganz und gar nach meinem Geschmack.
Als nächstes begeisterte mich der Schauplatz vieler Szenen dieses Buches. Einem Moor hängt offenbar auch heute immer noch etwas Unheimliches und Bedrohliches an. Und wenn es so beschrieben wird wie hier, dann sorgt es durchaus für manche Gänsehaut. Eine wirklich wohlig unheimliche Atmosphäre, die einem Thriller natürlich gut steht.
Für Spannung sorgt aber auch das Rätsel um den Überfall auf Elsa. Harper ist entsetzt darüber, was ihrer Cousine passiert ist und was das für deren Zukunft als begabte Tänzerin bedeutet. Bald allerdings bemerkt sie, dass mit Elsa noch etwas anderes nicht zu stimmen scheint. Die Cousine verhält sich anders als früher und scheint Geheimnisse zu haben.
Als ein weiteres Mädchen überfallen und schwer verletzt im Moor gefunden wird, ist Harpers Neugier geweckt.
Es ist spannend Harper bei ihren Nachforschungen und immer wieder auch ins Moor zu begleiten und man knobelt automatisch mit ihr mit, was und wer hinter den Überfällen steckt. Verdächtige gibt es nach und nach einige und ich habe meinen Verdacht ein- oder zweimal wieder geändert. Ab einem bestimmten Punkt war ich mir dann aber ganz sicher, wer es war und auch, warum. Leider war das nicht erst drei Seiten vor dem Ende, sondern schon etwas früher. Von “spannend bis zur letzten Seite” kann also nicht die Rede sein.
Dafür hat mir aber gefallen, dass im Zusammenhang mit den Morden das Thema Leistungssport und der damit verbundenen Druck speziell auf junge Leute auf den Tisch kommt. Kathleen Weise hat also nicht einfach “nur” einen guten Jugendthriller geschrieben, sondern ihm auch eine Botschaft an Leser und deren Eltern mitgegeben.
Daran dass ich das gut finde, merkt man uA auch, dass dieses Thema zwar deutlich angesprochen, aber nicht bis in kleinste Details und bis zum Erbrechen erörtert wird. Sowas mag ich nämlich widerum gar nicht. Aber so sorgfältig in eine spannende Handlung eingebettet wie hier, geht das absolut in Ordnung für mich.

Dank Harpers lockerer Erzählweise liest sich “Aschenputtels letzter Tanz” schön flüssig weg. Die Kapitel haben eine angenehme Länge. Nicht zu lang, nicht zu kurz, so dass man -auch wenn man mal nur eines liest- trotzdem ein gutes Stück in der Geschichte voran kommt. Besonders hat mir gefallen, dass beispielsweise eMails und Zeitungsberichte auch in der Optik dieser Schriftstücke abgedruckt sind. Der rechte und der obere Schnitt sind ebenfalls einen Blick wert, denn sie zeigen genau die Bluemornamente, die man auch auf dem Cover bewundern kann.

Ehrlich gesagt hätte das Cover für meinen Geschmack gerne etwas düsterer ausfallen dürfen. So ist es mir für einen Thriller einfach zu hell und freundlich. Da wird hauptsächlich dem Märchenaspekt Rechnung getragen. Nicht unbedingt “Aschenputtel”, aber “Dornröschen” durchaus.

Fazit:  Mir hat “Aschenputtels letzter Tanz” dank einer leicht schrägen, aber sehr sympathischen Hauptperson und einem wohlig unheimlichen Schauplatz prima gefallen. Der Rätsel um die Überfälle und den Täter ist bis zu einer bestimmten Punkt spannend, dann wird es für den Leser doch offensichtlich. Glücklicherweise erreicht man diesen Punkt aber relativ spät, so dass es über den Großteil des Buches hinweg spannend bleibt.

Vielen Dank an den Thiemann Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Aschenputtels letzter Tanz
Autor: Kathleen Weise
Seiten: 352
Verlag: Planet Girl by ThienemannVerlag
ISBN: 978-3522503013
Preis: 9,95 (Broschiert)

Rezension – Die Lilienvilla (Karen McQuestion)

Was für ein Schock: Die 16-jährige Angie wird mitten am helllichten Tag auf der Straße überfallen und kann sich nur mit Mühe retten. Kaum zurück aus dem Krankenhaus, erhält sie eine überraschende Einladung: Lillian Bittner, die Mutter des Angreifers, bittet sie zum Abendessen in ihre Villa. Die alte Dame erweist sich als umsichtige Gastgeberin und überredet das Mädchen sogar, über Nacht zu bleiben. Obwohl sie sich unwohl fühlt, willigt Angie ein.

Auf dem Rücken des Buches heißt es “Ein Psychothriller für mutige Mädchen”. Das machte mich auf dieses Buch neugierig. Ich mag Psychothriller und weiß, dass es auch im Bereich “Jugendbücher” gute Bücher dieses Genres gibt.
Die Geschichte hier hat mir gut gefallen. Sie hält sich nicht mit langen Vorreden auf und schon nach wenigen Seiten nimmt das verhängnisvolle Geschehen seinen Lauf. Die 16jährige Angie wird auf der Straße überfallen und dabei schwer verletzt. Wenig später lädt die Mutter des Täters sie in ihre Villa ein um -wie Angie das sieht- gewissermaßen Widergutmachung zu betreiben. Angie nimmt die Einladung widerwillig an und ahnt bereits als sie den ersten Schritt in das düstere Haus macht, dass hier etwas Fürchterliches auf sie wartet.
Als Leser geht es einam ganz ähnlich. Karen McQuestion beschreibt die Lilienvilla ausgesprochen geheimnisvoll und düster, da läuft einem schon mal eine kleine Gänsehaut über den Rücken. Gleiches gilt für die Besitzerin der Villa, Lilian Bittner, und ihre Angestellten Hank und Trudy. Während man bei Hank und Trudy im Nu ahnt, dass sie nichts Gutes im Sinne haben, wird man bei Lilian länger hingehalten. Denn Lilian zeigt sich als geradezu rührende Gastgeberin, stets freundlich und großzügig. Doch in jedem ihrer Sätze und jeder Schilderung ihrer Person schwingt eine gewisse lauernde Bedrohung mit. Auch wenn es nach aussen hin nicht so scheint, man weiß einfach, dass von ihr nichts Gutes zu erwarten ist.
Was es genau ist, war für meinen Geschmack etwas sehr vorhersehbar. Es gibt zahlreiche Andeutungen und Hinweise, die einen auf die Spur von Lilian Bittner bringen, so dass man den Ausgang der Geschichte über kurz oder lang erahnt. Ein paar Kleinigkeiten haben mich aber dennoch überrascht, so dass ich nicht allzu enttäuscht war. Hier muss man auch berücksichtigen, dass sich das Buch an eine Leserschaft im Alter ab 12 Jahren richtet. Da darf man keine Verwirrungen um siebenundsiebzig Ecken erwarten. Für Jugendliche diesen Alters geht es angemessen undurchsichtig zu, so dass für Spannung vom Anfang bis zum Ende gesorgt ist.
Eine kleine Lovestory ist natürlich ebenfalls eingeflochten. Sie drängt sich aber nie in den Mittelpunkt, sondern ist einfach ein schönes und romantisches Detail in diesem Psychothriller. Nur ihren Ausgang habe ich nicht verstanden.
Ich habe allerdings so einiges an Angie nicht verstanden. Wenn es einen Knackpunkt an dieser Geschichte für mich gibt, dann ist sie es. Wirklich sympathisch ist sie mir bis zum Schluss hin nicht geworden. Natürlich ist es schrecklich, was ihr zugestoßen ist. Natürlich hat sie Schmerzen gehabt. Natürlich ist so ein Überfall etwas, das einen noch lange belastet. Mir war es hier trotzdem zu viel. Wie Angie bei jeder Gelegenheit auf  die Dramatik ihres Schicksalsschlages hinweist. Wie sie einzeln betont, welche Verletzungen sie davon getragen hat und dabei mitunter übertreibt. Und auch ihr “alles hört auf mein Kommando, denn ich habe Schreckliches erlebt und da muss doch jeder Rücksicht nehmen”-Gehabe ging mir dann und wann gut auf die Nerven. Entsprechend ungerne habe ich deshalb auch verfolgt, wie jeder aus ihrer Familie letztlich nach ihrer Pfeife tanzt.

Mit nicht mal 192 Seiten ist das Buch nicht besonders dick. In der Geschichte ist vom Anfang bis zum Ende immer etwas los und es ist spannend und ein wenig schaurig. So liest sich “Die Lilienvilla” zügig und unterhaltsam. Ich habe das Buch -trotz gewisser Ahnungen die Handlung betreffend- nur ungerne aus der Hand gelegt. Da Angie selbst erzählt, liest es sich zudem jugendlich locker. Auch das hilft dem Lesetempo auf die Sprünge.

Die Szene auf dem Cover gibt es in der Geschichte tatsächlich und auch genauso. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich bin kein Fan davon, wenn ein Cover keinen oder nur wenig Bezug zur Handlung hat. Das Motiv wirkt  schön düster und speziell die zwar düsteren, aber doch auch kräftigen Farben haben es mir angetan. Das ist sehr stimmungsvoll und attraktiv anzusehen.

Fazit:  Mit Angie konnte ich mich bis zum Schluss nicht wirklich anfreunden. Aber ihre Geschichte hat mich trotzdem gut unterhalten. Als Erwachsener kommt man dem Geheimnis der Lilian Bittner zwar recht schnell auf die Spur, aber junge Thriller-Fans dürften sich bis zum Schluss auf die Folter gespannt fühlen. Die verheißungsvolle Ankündigung eines “Psychothrillers für mutige Mädchen” unterschreibe ich also ganz klar. Mir hat ja speziell die Düsternis gefallen mit der die Lilienvilla beschrieben wird. Ich hätte dieses Haus sofort genommen 😉

Danke an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Die Lilienvilla
Autor: Karen McQuestion
Seiten: 192
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3414822970
Preis: 12,99 (HC)

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