Ullstein Verlag

Ragdoll – Dein letzter Tag (Daniel Cole)

Der umstrittene Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Wolf ist einer der besten Mordermittler weit und breit. Er dachte eigentlich, er hätte schon alles gesehen. Bis er zu einem grausigen Fund gerufen wird. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Art Flickenpuppe, einer »Ragdoll«. Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes.

Inzwischen hat er sich schon wieder gelegt, aber vor gar nicht allzu langer Zeit, gab es um dieses Buch einen gewaltigen Hype. Die positiven Bewertungen häuften sich, und manchmal lasse ich mich damit eben doch ködern. Obwohl ich von Anfang an Bedenken hatte, denn -wie schon mehrfach erwähnt- locken mich Krimis und Thriller, die außerhalb von Deutschland spielen, eigentlich nicht mehr.
Hier habe ich dann aber doch zugegriffen.
Was soll ich sagen? Ich kann die allgemeine Begeisterung über “Ragdoll” nicht nachvollziehen, und das liegt nicht nur am Schauplatz. Der ist zwar durchaus auch ein Grund, aber er gehört nicht zu den wesentlichen Gründen.
Dabei gefiel mir die Idee mit der Flickenpuppe, zusammengestückelt aus Körperteilen von sechs Leichen erstmal wirklich richtig gut. Das ist so die Art von kaputter Idee, mit der man mich leicht und schnell begeistern kann. So legte “Ragdoll” zunächst einen recht guten Start bei mir hin.
Allerdings blieb es dabei auch. Ich habe etwas darüber nachdenken müssen, wieso mich die nachfolgende Story nicht gepackt hat, und es lag haputsächlich .an mangelnder Spannung.
Ich konnte mich beispielsweise mit kaum einer Figur wirklich anfreunden. Sei es mit der  ständig herumbrüllenden ach-was-bin-ich-doch-für-ein-harter-Hund – Ermittlerin Baxter, noch mit dem reichlich verkommenen Wolf, oder den anderen im Team, das sich mit den Ragodll-Morden beschäftigt. Und es ist immer schlecht, wenn es keine Figur gibt, zu der ich eine Beziehung aufbauen kann. Denn diese Art “Nähe” brauche ich, um mit einer Figur mitzufiebern, mit ihr zu hoffen, zu bangen und  dem Geschehen um diese Figur gebannt zu folgen. Lediglich Edmunds gefiel mir wirklich gut und über seine Nachforschungen habe ich wirklich gerne gelesen. Und es hat mich tierisch geärgert, wie die anderen Ermittler mit ihm umgehen.
Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt, weshalb “Radgoll” bei mir nicht punkten konnte. Was ist das denn bitte für ein Umgang untereinander in diesem Team? Jeder hetzt irgendwann mal gegen jeden, man schnauzt sich an, ignoriert gute Denkansätze, nur weil sie von dem Neuen bei Scotland Yard kommen und haut sich mitunter gegenseitig ordentlich in die Pfanne. Natürlich, das Team steht unter gewaltigen Druck, aber das rechtfertigt für mich noch lange keinen solch assigen (sorry für den Ausdruck) Umgang im Team. Wenn es bei Scotland Yard wirklich so zugeht, dann gute Nacht! Das kann ich mir irgendwie kaum vorstellen.
Leider sind Edmdunds Passagen zumindest anfangs eher selten und kurz. Später werden sie zum Glück ausführlicher, weshalb bei ihnen auch ein bisschen Spannung bei mir aufkam. Generell gab es für mich aber erheblich zu viele Wechsel zwischen den Schauplätzen und / oder Charakteren. Zum einen habe ich dabei oft die zahlreichen Namen durcheinander gebracht bzw nicht sofort zuordnen können, zum anderen dämpften auch diese Wechsel die Spannung erheblich. Sobald sich ein Funken andeutete, ging es schon wieder an anderer Stelle weiter und die Spannung hatte keine Chance, sich weiter aufzubauen.
Weiterhin fehlte es mir an neuen thrillermäßig grausigen Ideen während der Handlung. Die Ragdoll fand ich cool und wunderbar schaurig und eklig. Doch dabei bleibt es auch. Jemand verbrennt, okay, das lasse ich auch noch durchgehen. Aber sonst? Einer stürzt sich vom Dach, doch erstens ist diese Idee nicht sonderlich innovativ und zweitens war derjenige sowieso ein Unsympath auf ganzer Linie, also für mich kein großartiger Verlust. All das konnte absolut nicht mit dem Aufhänger mithalten.
Daran änderte es auch nichts, dass Wolf selber auf der Todesliste des Killer steht.
Und das, was vermutlich als die große Überraschung am Ende hin gedacht war, hat mich kein Stück überrascht. Nicht, dass ich es geahnt hätte, nein, aber es hat einfach nichts bei mir ausgelöst. Keine Überraschung, keinen Schrecken, kein Staunen. Ich habe es einfach hingenommen, und das ist für ein Thriller-Finale schlichtweg zu wenig.

Ich habe für das Buch ungewöhnlich lange gebraucht, weil ich es zwischendurch tatsächlich mal für zwei Wochen einfach beiseite gelegt habe. Dabei liest es sich wunderbar leicht und flüssig, dank zahlreicher Dialoge, vergleichsweise kurzen Kapiteln und einer recht einfachen Erzählweise. Daniel Coles Schreibstil ist an sich ein Garant dafür, ein Buch mal eben so wegzulesen. Aber es haperte an der Story selber.

Das Cover hat mir sofort gefallen. Düsterer geht es kaum. Die Krähe schimmert und wird erst so richtig sichtbar, wenn man das Buch im Licht betrachtet und dreht. Der Titelschriftzug ist geprägt, was edel aussieht.

Fazit:  Leider habe ich mich be “Ragdoll” von der begeisterten Masse an Lesern anstecken lassen. Der Aufhänger mit der “Flickenpuppe” war auch ganz nach meinem Geschmack, doch dann häuften sich die Punkte, die mir die nachfolgende Story verleidet haben. Überwiegend unsympathische Figuren und keinerlei weitere Ideen, die auch nur ansatzweise mit der Ragdoll mithalten konnten, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und die “große Überraschung” gegen Ende hat mir lediglich ein Schulterzucken abgeluchst.


Titel:  Ragodll – Dein letzter Tag
Autor: Daniel Cole
Seiten:  480
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3548289199
Preis:  € 14,99 (Broschiert)

Moin – Ein Fastostsee-Küstenroman (Richard Fasten)

Moin (Richard Fasten)Provinz-Polizist Boris Kröger hat es nicht leicht. Kaum geschieht im beschaulichen Altwarp am Oderhaff mal ein Mord, schon steht das Dorf Kopf! Von wegen Sonne, Strand und glasklare Beweisketten: In Altwarp herrscht Anarchie! Oma Machentut terrorisiert mit ihrem Rollator die Straßen, der einzige Fischer im Dorf stammt aus den Bergen Anatoliens, eine Krimi-Autorin sucht Inspiration und stachelt die Dorfbewohner auf. Dabei hat Boris mit dem Mord an seinem ehemaligen Schulkameraden genug zu tun. Hier an der Fast-Ostseeküste ist die Welt wirklich nicht mehr in Ordnung. Aber die stolzen »Hinterküstler« haben noch immer jedem Wetter getrotzt!

Ein Blick auf das Cover reichte und für mich stand fest: bei nächster Gelegenheit reise ich -wenigstens per Buch- an die Ostsee. Der Klappentext klang ebenfalls ganz verheißungsvoll und so zog das Buch bald ein und wurde umgehend gelesen.
Leider muss ich sagen, dass es mich enttäuscht hat. Das liegt in erster Linie daran, dass ich die ganze Zeit über den Eindruck hatte, dass hier das Konzept der Eberhofer-Krimis von Rita Falk an die Ostsee verlegt wurde. Ich bin großer Fan dieser Krimis, doch wer nun denkt, dass ich mich deshalb von “Moin” auf den Schlips getreten fühle, der liegt falsch. Ich bin niemand,  für den ständig das Rad neu erfunden werden muss. Ich habe nichts dagegen, wenn mir in verschiedenen Büchern gleiche oder ähnliche Ideen begegnen, sofern das Drumherum dafür gut gemacht ist und mich unterhält.
Bei “Moin” war das bedauerlicherweise nicht der Fall. Polizist Boris Kröger wollte und wollte mir nicht sympathisch werden. Er tat mir dann und wann zwar leid so gestraft wie er mit den übrigen Dorfbewohnern ist, aber mehr auch nicht. Dass er obendrein gerne mal das Blaue vom Himmel herunterlügt, ist beim besten Willen keine Eigenschaft, die ich schätze.
Die anderen Einwohner von Altwarp hätten grundsätzlich das Potenzial gehabt mich zum Grinsen zu bringen, aber dafür hätte man sie besser ausarbeiten müssen. Oma Machentut besteht aber fast ausschließlich aus ihrer grausamen Grammatik und Attentaten per Rollator. Der Bügermeister hockt bevorzugt im Gestrüpp und kaut Pfefferminz. Und Krögers türkischer Kumpel Tarek nervt mit seinem ewigen “weissu”. Das alles ist beim ersten Mal noch lustig, vielleicht auch noch beim zweiten Mal, aber spätestens ab dem dritten Mal kann man darüber nicht mehr schmunzeln. Mir war das schlicht zu platt.
Der Krimi konnte mich ebenso wenig begeistern. Dabei ist der Ansatz gar nicht mal verkehrt: im Haff treibt eine herrenlose Yacht, in der es von Ratten nur so wimmelt. Da war ich schon neugierig, was dahinter steckt. Später wird dann ein ehemaliger Schulkollege von Kröger ermordet. Da sucht man schnell nach Zusammenhängen und ich freute mich auf interessante Ermittlungen. Dummerweise verliert die Geschichte den Krimi ziemlich aus den Augen. Die schrägen Dorfbewohner, ein Dorffest, ein prominenter Gast im Hause Kröger, alles ist wichtiger als der Krimi. Da nützt es auch wenig, ein solch aktuelles Thema wie Fracking mit ins Rennen zu schicken. Das wirkt nur bemüht. Als sei Richard Fasten zwischendrin plötzlich wieder eingefallen, dass er eigentlich ja einen Krimi schreibt und somit Zusammenhänge und Elemente her müssen, die den Leser zum Grübeln verleiten. Bei mir ist das gründlich misslungen. Spannung kam für mich bis zum Ende nicht auf. Zudem war ich mir ab einem bestimmten Punkt ziemlich sicher, wer hinter den Ereignissen steckt. Somit konnte mich das Ende auch nicht überraschen.

Immerhin ließ sich das Buch leicht und flott lesen. Krögers flapsige Ausdrucksweise und viele Dialoge sorgen dafür, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Hätte ich mich auch noch vom Sprachlichen her durch das Buch gequält, hätte ich es sicher abgebrochen. So war es nach zwei Abenden ausgelesen. Zum Glück.

Das Cover finde ich noch immer toll und vor allem niedlich! Die Ratte, der Mops in seinem Rettungsring, beide sind einfach nur goldig. Der Ausblick auf das Meer und das Bullauge passen prima zum Titel. Wäre die Geschichte hinter diesem Buchdeckel nur ebenso gelungen gewesen!

Fazit:  Wenn es gut gemacht ist, nehme ich es niemandem übel, wenn er sich hier und da bei einem anderen Autoren und dessen Büchern bedient. In meinen Augen bedient sich “Moin” kräftig am Eberhofer-Büffet. Leider wird daraus nichts gemacht. Hauptfigur Boris Kröger ist ein unsympathischer Polizist mit einem Hang zu Lügen und die übrigen Dorfbewohner wirken hauptsächlich albern bis peinlich, aber kein Stück kauzig wie es sein sollte. Der Krimi beginnt ganz ordentlich, verliert sich dann aber in all den Nebensächlichkeiten, die das Leben in Altwarp mit sich bringt. So hat Spannung keine Chance.


Titel:  Moin – Ein Fastostsee-Küstenroman
Autor: Richard Fasten
Seiten:  315
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3548285696
Preis:  € 9,99

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Weit weg im Outback – Unser Leben in Australien (Urs Wälterlin)

weitwegoutbackUrs Wälterlin hat den Traum vieler Großstädter wahr gemacht: Er lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen mitten im australischen Busch. Umgeben von Eukalyptusbäumen kämpft der Hobby-Alphornspieler im beschaulichen Greentown mit seiner Familie gegen Überflutungen und Waldbrände an, sie scheren Schafe und suchen nach immer neuen Mitteln, um die Kängurus davon abzuhalten, den Salat im Garten zu fressen. Das Aussie-Provinzkaff ihrer Wahl ist wie ein Mikrokosmos von Australien: übersichtlich, liebenswert, freundlich – und gelegentlich furchtbar nervig.

Dieses Buch war eine Zufallsentdeckung, bei der mich nicht nur das Cover ansprach, sondern auch der Titel. Beides versprach ein amüsantes Buch über eine Auswandererfamilie. Da Australien zu meinen Traumzielen gehört und ich jeden verstehen kann, der den Schritt dorthin wagt, kam ich an diesem Buch nicht vorbei.
Im Nachhinein jetzt muss ich leider sagen, dass Cover, Titel und selbst der Klappentext ziemliche falsche Erwartungen schüren. Dem Klappentext entsprechend hatte ich mich über interessante und amüsante Episoden aus dem Leben der Auswandererfamilie gefreut. Eben ein heiterer Blick hinüber auf den fünften Kontinent.
Das stimmt allerdings nur bedingt so. Natürlich geht es um Familie Wälterlin. Darum, wie es dazu kam, dass sie ausgewandert sind. Darum, wie sie sich nach und nach ihr eigenes kleines Reich in dem Nest im Outback geschaffen haben, und wie sie dort leben. Da Urs Wälterlin als Journalist viel in Australien umher reist, bekommt man dabei auch einen Blick auf andere Gegenden dieses Kontinets gewährt, was für Abwechslung sorgt. Das fand ich ganz interessant und oft auch ziemlich spannend. Genauso wie die kleinen Abenteuer, die die Familie beim Bau ihrer Häuser erlebt. Oder wenn sie sich im Alltag mit den Australiern auseinandersetzen müssen, die sich von der Mentalität her doch sehr von der schweizer Familie unterscheiden. Das hätte für meinen Geschmack gerne das ganze Buch hindurch so weitergehen können, denn genau so etwas hatte ich erwartet.
Was ich klar nicht erwartet hatte, sind Moralpredigten darüber wie es in der Politik in Australien zugeht oder wie man auf diesem Kontinent mit der Landschaft und dem Klima umgeht. Und ich war auch nicht darauf vorbereitet, mich durch Wälterlins Kampf mit der Lokalpolitik lesen zu müssen. Das darf jetzt bitte niemand falsch verstehen. Ich finde nicht, dass all das uninteressant ist. Ganz im Gegenteil: sicher geht in Australien politisch einiges schief, selbstverständlich sollte man dort mit Land und Klima pfleglicher umgehen, keine Frage!
Aber mich erinnerte all das mehr an ein informatives Sachbuch, und das hatte ich mir nach dem Klappentext so nicht vorgestellt. Ich hätte gerne mehr über die Familie gelesen. Zum Beispiel mehr über die Bauarbeiten an den Häusern, mehr darüber, wie es den Kindern in der Schule ergeht, oder über den stetigem Kampf mit der Tierwelt wie salatfressenden Kängurus oder gefährlichen Schlangen. Urs Wälterlin spricht alle diese Themen zwar an, schlägt aber immer direkt einen Bogen hin zu allgemeinen Problemen, die Australien betreffen und damit zusammenhängen. Und das hat für mich auch nicht viel mit “Unser Leben in Australien” zu tun, denn um die Familie geht es dabei häufig nur im Ansatz.
Dabei bleibt auch etwas auf der Strecke, worauf ich mich bei diesem Buch besonders gefreut hatte. Der Humor nämlich! Der Klappentext klingt nach einem Buch, bei dem man gerne mal schmunzeln oder lachen kann und das Covermotiv sieht ebenfalls ganz lustig aus. Ich weiß es nicht genau, aber wenn es hochkommt, dann habe ich während des gesamten Buchs höchstens fünfmal gelächelt oder gegrinst. Ziemlich dürftig für meinen Geschmack.

Für mich ließ sich das buch ganz unterschiedlich lesen. Die Kapitel zuhause bei der Familie, ihrem Haus, den Nachbarn usw flogen nur so dahin. Dagegen fielen mir Urs Wälterlins Ausführungen über Politik, Umwelt usw oft ganz schön schwer. Die entsprechenden Kapitel zogen sich so ganz ordentlich. Dabei sind sie keineswegs länger.

Das Cover gefällt mir immer noch sehr gut. Es sieht lustig aus und das Känguru mit seinem Kleinen sind ausgesprochen niedlich geraten. Das macht so wirklich Lust auf dieses Buch.

Fazit:  Ich bin wohl mit falschen Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Schuld daran sind der Klappentext und das Cover, die beide eine heitere Lektüre über eine Auswandererfamilie versprechen. Da erwarte ich halt keinen kritischen Blick auf Land, Leute und Politik, sondern mehr Episoden aus dem Familienleben, bei denen man auch mal lachen kann. Sicher sind das wichtige Themen, aber darauf ist man nach einem ersten Blick auf das Buch halt nicht vorbereitet.


Titel:  Weit weg im Outback – Unser Leben in Australien
Autor: Urs Wälterlin
Seiten:  368
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3548285351
Preis:  € 9,99

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Dem Tod auf der Spur / Der Totenleser

tsokosdoppelbandEin Mann, der sich verfolgt fühlt und dann erstochen aus dem Wasser gefischt wird. Ein grausiger Fund in einem Möbelstück. Eine Wasserleiche, gekleidet im Stil des 19. Jahrhunderts. Nahezu täglich hat Michael Tsokos, Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner, es mit Toten zu tun, die auf außergewöhnliche Weise ums Leben gekommen sind. Und immer wieder muss er sich die Frage stellen: War es Suizid, war es ein Unfall – oder war es Mord?

Nach einer Lesung mit Sebastian Fitzek und Michael Tsokos stand für mich fest, dass ich über Kurz oder Lang auch eines von Tsokos’ Büchern lesen würde. Als mir dieser Doppelband kürzlich begegnete, habe ich die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen. Ich war neugierig und für zwei Bücher ist der Preis unschlagbar.
Eigentlich hatte ich geplant, das Buch nebenbei zu lesen. Ein Kapitel wann immer mal ein kurzer Zeitraum zu überbrücken wäre.
Es spricht sicher für sich, dass daraus nichts wurde. Nichts werden konnte! Ich konnte das Buch schon nach dem ersten Kapitel kaum mehr aus der Hand legen.
Die einzelnen Fälle von denen Michael Tsokos berichtet, sind spannender als so mancher Krimi oder Thriller, die ich bisher gelesen habe. Viele sind so außergewöhnlich, dass man unbedingt wissen möchte, was dahinter steckt. Ein Unfall? Oder Mord? Oder gar Selbstmord? Genau dies ist die Frage, die es bei jedem Fall zu beantworten gilt.
Ich habe oft mitgeknobelt (bzw es versucht) und mir dann erklären lassen, was tatsächlich vorgefallen war. Und warum es auch gar nicht anders sein kann.
Dabei fand ich es ausgesprochen interessant, Einblick in die Arbeit von Gerichtsmedizinern zu bekommen. Das ist schon ein spezieller, aber eben auch seltsam faszinierender Job. Wobei manche Schilderungen in diesem Buch sicher nichts für Leser sind, die einen etwas sensiblen Magen haben 😉 Ich denke aber, das dürfte jedem Interessenten im Vorfeld klar sein. Solch ein Buch schlägt man halt auch mit der Hoffnung auf ein Schaudern hier da auf. Und vielleicht auch leicht sensationslüstern. So ging es mir auf jeden Fall.
Gefühlt gibt es für mich einen gewissen Unterscheid zweischen den beiden Bänden.
“Dem Tod auf der Spur” schildert tatsächlich nur die Fälle, berichtet von der Arbeit und den Methoden der Gerichtsmedzin, und beantwortet die Frage nach Mord, Selbstmord oder Unfall. Das ist kurz, knackig und hält so mit Leichtigkeit die Spannung und Neugier bei Laune.
“Der Totenleser” beleuchtet auch mal die Hintergründe, das Drumherum und die einzelnen Dramen um die Fälle genauer. Das fällt natürlich eine Spur ausführlicher, aber nicht weniger interessanter aus. Oft gibt es einem außerdem zu denken, denn ganz gleich ob Selbstmord, Mord oder ein Unfall…viele dieser Taten haben schließlich einen bestimmten Anlass, der auch mal dramatischer sein kann.
Mir hat “Dem Tod auf der Spur” trotzdem etwas besser gefallen. Daran ist wohl besagte Sensationsgier Schuld 😉

So spannend und interessant das Buch ist, es beansprucht seine Zeit. Vor allem die Erläuterungen zu den Untersuchungen und Untersuchungsmethoden lassen sich nicht so leicht runterlesen. Es sei denn, man ist vom Fach. Aber wer nicht vom Fach ist und den Anspruch hat, zu verstehen was da erklärt wird, der braucht halt länger dafür. Ich habe sie mir gerne genommen. So entfalten die Schilderungen auch erst ihre gesamte Faszination, die mich im Nu erfasst hatte.

Ein Buch ganz ohne Mädchengesicht auf dem Cover! Wow! 😉
Zugegeben, vom Inhalt gibt das Cover nichts weiter preis. Zu sehen ist halt genau die Person, die in diesem Buch von seiner Arbeit berichtet. Eigentlich schon unspektakulär. Da könnte ich mir auch deutlich Aufmerksamkeit heischendere Motive vorstellen, die aber gar nicht passen würde. Ich finde den Look des Buches völlig in Ordnung. Und etwas geheimnisvoll dunkel ist es doch.

Fazit:  In Sachen Spannung kann dieser Doppelband es spielend mit den besten Krimis / Thrillern aufnehmen. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Es wird sicher nicht mein letztes Buch von Michael Tsokos gewesen sein. Dafür fand ich es einfach zu interessant und faszinierend. Die Idee vom perfekten Mord kann man nach dieser Lektüre übrigens getrost begraben 😉


Titel:  Dem Tod auf der Spur / Der Totenleser
Autor: Michael Tsokos
Seiten:  512
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3548374994
Preis:  € 10,00

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Böser Wolf (Nele Neuhaus)

boeserwolfAn einem heißen Tag im Juni wird die Leiche einer 16-Jährigen aus dem Main bei Eddersheim geborgen. Sie wurde misshandelt und ermordet, und niemand vermisst sie. Auch nach Wochen hat das K 11 keinen Hinweis auf ihre Identität. Die Spuren führen unter anderem zu einer Fernsehmoderatorin, die bei ihren Recherchen den falschen Leuten zu nahe gekommen ist. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein graben tiefer und stoßen inmitten gepflegter Bürgerlichkeit auf einen Abgrund an Bösartigkeit und Brutalität. Und dann wird der Fall persönlich.

Nachdem mir “Schneewittchen muss sterben” so gut gefallen hat, war es klar, dass ich auch “Böser Wolf” lesen würde. Aus der Erfahrung heraus war ich dieses Mal so schlau, mir Papier und einen Stift parat zu legen. Eine gute Idee, wie sich herausstellte. Denn auch in “Böser Wolf” bekommt man es wieder mit einer ganzen Reihe Charaktere an verschiedenen Handlungsorten zu tun. Da habe ich mir die Namen und einen Stichpunkt zur Person vorsichtshalber notiert um notfalls schauen zu können, wen ich vor mir habe. Das war dann zwar nur wenige Male nötig, doch das kann täuschen, da einmal Geschriebenes bei mir schneller hängenbleibt als nur Gemerktes.
Ich persönlich finde ja, dass alleine der Titel dieses Krimis bereits verrät, um welche Art Verbrechen es sich hier dreht. Das mag daran liegen, dass es ein Lied von den “Toten Hosen” mit gleichem Titel gibt, das sich mit dem gleichen Thema befasst. Das hat damals Eindruck bei mir hinterlassen und daher stand die Assoziation sofort. Aber auch Leser, die dieses Lied nicht kennen, werden nicht lange brauchen um zu erkennen, welches Grauen den Hintergrund für die Morde stellt.
Ich fand überhaupt, dass die Geschichte in Teilen sehr vorhersehbar war. Nicht im Detail, aber halt schon eben hinsichtlich des zentralen Themas. Und auch, wer in der Sache alles mit drinsteckt, wen es noch “erwischen” würde und inwiefern es für Pia Kirchhoff noch persönlich werden würde, war mir schnell klar. Trotzdem konnte ich das Buch nur schwer aus der Hand legen, denn spannend ist es auch mit dieser Vorhersehbarkeit. Schließlich gilt es noch, die Details in Zusammenhang zu bringen, was mir hier richtig Spass gemacht hat. Wobei ich zugeben muss, dass mir gewisse Abschnitte leichter gefallen sind als andere. Nicht alle Charaktere waren Sympathieträger für mich (was sicher auch so beabsichtigt ist) und deren Passagen fielen mir manchmal schwer. Da war ich froh, dass der Schauplatz und damit auch die Figuren zügig wechseln.
Und eine ganze Reihe nicht geahnter erschreckender Momente und Erkennisse gab es ebenfalls noch. Nicht zuletzt war ich natürlich auch gespannt, ob ich mit meinen vermeintlich so offensichtlichen Vermutungen recht haben würde. Ich war mir zwar sehr sicher, aber “Böser Wolf” wäre nicht der erste Krimi gewesen, der mich gekonnt an der Nase herumgeführt hätte.
Das Ende ist in eine Richtung recht offen gehalten. Das könnte darauf hindeuten, dass man eine gewisse Person nochmal in der Reihe antrifft. So wenig ich es irgendjemandem gönne, dass ihm etwas widerfährt wie den Gepeinigten in “Böser Wolf”…aber ich brauche denjenigen und damit eine Fortsetzung oder einen zweiten Teil nicht. Es gibt mittlerweile viel zu wenig eigenständige Geschichten bzw Reihen mit unabhängigen Teilen. Daran darf Nele Neuhaus für mich gerne festhalten.

Dass ich ein paar Tage für “Böser Wolf” gebraucht habe, lag alleine an der Dicke des Buches. Denn sonst liest sich die Geschichte weg wie nichts. Ich mag Nele Neuhaus’ Schreibstil unheimlich gerne. Er liest sich flüssig und zügig weg. Das finde ich schon deshalb gut, weil die Geschichten ja doch ganz schön komplex sind. Da wäre ein umständlicher Schreibstil das Letzte, was ich noch bräuchte.

In der Geschichte werden draußen Familienfeste gefeiert, es kann also unmöglich Winter sein. Deshalb finde ich es etwas seltsam, dass das Cover eine winterliche Szenerie zeigt. Jedenfalls sieht es für mich mit dem Weiß ganz so aus. Seit “Schneewittchen muss sterben” sind die Cover ja sonst in einem dunklen Blau gehalten, das mir stets auf’s Neue gefällt.

Fazit:  Für mich war die Geschichte in einigen wesentlichen Punkten sehr vorhersehbar. Dennoch fand ich “Böser Wolf” zum Nägelknabbern spannend, da immer noch genug Fragen und Details offen blieben, die sich mir erst nach und nach erschlossen. Die Geschichte befasst sich mit einem sehr heißen Thema, das selbst bei zutiefst friedlich eingestellten Lesern sicher für Schrecken, wenn nicht gar für Hass den Täten gegenüber sorgen wird. Top!

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel:  Böser Wolf
Autor: Nele Neuhaus
Seiten:  480
Verlag: List Verlag
ISBN: 978-3550080166
Preis:  € 19,99

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