Ursula Poznanski

Elanus (Ursula Poznanski / Jens Wawrczeck)

Titel: Elanus / Verlag: der Hörverlag / Spielzeit: ca. 11h 33 min, 1 mp3-CD / Buch: Ursula Poznanski / gelesen von: Jens Wawrczeck

Inhalt: Jona ist siebzehn und seinen Altersgenossen ein ganzes Stück voraus, was Intelligenz und Auffassungsgabe betrifft. Allerdings ist er auch sehr talentiert darin, sich bei anderen unbeliebt zu machen und anzuecken. Auf die hervorgerufene Ablehnung reagiert Jona auf ganz eigene Weise: Er lässt sein privates Forschungsobjekt auf seine Neider los: eine Drohne. Klein, leise, mit einer hervorragenden Kamera ausgestattet und imstande, jede Person aufzuspüren, über deren Handynummer Jona verfügt. Mit dem, was er auf diese Weise zu sehen bekommt, kann er sich zur Wehr setzen gegen Spott und Häme. Doch dann erfährt er etwas, das besser unentdeckt geblieben wäre, und plötzlich schwebt er in tödlicher Gefahr.


Was tut man, wenn der Vorrat an Hörspielen / Hörbüchern auf einer CD erschöpft ist, man knöpft sich einen wahren Hörbuch-Brocken vor. So habe ich die letzten Tage zu großen Teilen mit “Elanus” verbracht. Ursula Poznanskis Jugendbücher waren noch nie wirklich mein Fall. Da ich aber ihre Erwachsenenthriller sehr gerne mag, hoffe ich immer, auch im Jugendbreich mal solch einen Knaller anzutreffen.
Bei “Elanus” war das allerdings leider auch nicht der Fall, das nehme ich direkt mal vorweg. Zum Großteil liegt das ausgerechnet an Hauptperson Jona, der mir mit seiner Arroganz und Überheblichkeit tierisch auf den Keks ging. Junge, fang dich mal, du bist mal gerade siebzehn Jahre alt! Hochbegabung hin oder her! Das ging mir mehrfach durch den Kopf. Andererseits wiederum muss ich zugeben, dass ich sein Handeln schon an einer Ecke nachvollziehen konnte, denn ich weiß, wie es ist, wenn man überall unbeliebt ist und nirgends so richtig reinpasst. Da kommt man schon auf fiese Gedanken. Alleine deshalb habe ich der Story schon eine weitere Chance gegeben.
Die Idee mit der Drohne war dann auch wieder ganz nach meinem Geschmack. Und wenn es hundertmal fies ist, Mitschüler / Mitmenschen mit technischem Firlefanz auszuspionieren, irgendwo ist es ja doch auch wieder cool. Vor allem brachte das letztlich auch endlich etwas Spannung in die Handlung. An der mangelt es anfänglich doch arg. Und ja, ich konnte aus genannten Gründen auch verstehen, dass Jona sich rächen möchte.
Jonas Aktionen laufen dann aber bald aus dem Ruder, plötzlich ist sein eigenes Leben bedroht. Ein zweiter Funken (mehr war es aber auch hier nicht) Spannung kam somit auf. Es gibt durchaus schreckliche, teilweise auch schon fast schaurige Szenen und ich habe mich hin und wieder gefragt, wie Jonas seinen Hals aus der Schlinge bekommen will. Andererseits ist er ja ein ach so helles Köpfchen, daher gab es für mich nicht so viele Zweifel daran, dass es ihm irgendwie gelingen würde. Und schon war das Fünkchen Spannung auch wieder verpufft.
Bestand hatte die Spannung für mich hier also nie so richtig.

Ein toller Sprecher kann mir ruhig auch mal eine mittelmäßige Geschichte vorlesen, meist kann ich ihr alleine deshalb schon etwas mehr abgewinnen. Daher war ich über Jens Wawrczeck als Sprecher mehr als froh. Ich mag seine Stimme, sie passt gut zu Jona, zu der Story und er liest wunderbar lebendig. Das ist bei elfeinhalb Stunden Hörbuch für mich auch ganz, ganz wichtig. Natürlich habe ich in Häppchen gehört, aber trotzdem!

Das Cover gefiel mir von Anfang an sehr gut. Ich mag das kräftige Grün, das seltsame Muster und das Kamerauage ist einfach ein Hingucker. Damit ist im Hörbuchregal im Laden auch schon sehr viel gewonnen.

Fazit: Genau wie Ursula Poznanskis vorige Jugendbücher hat mir auch “Elanus” nicht wirklich gefallen. Die Idee mit der Drohne und dem Ausspionieren der Leute fand ich cool. Ich konnte auch Jonas Beweggründe nachvollziehen, ansonsten aber fand ich den arroganten Kerl aber meist einfach nur nervig. Und jedes Mal, wenn Spannung aufkeimte, wurde sie recht schnell wieder zunichte gemacht. Schade.

Fremd (Ursula Poznanski, Arno Strobel)

Fremd (Arno Strobel, Ursula Poznanski)Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?
Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich?
Eine Frau. Ein Mann. Je mehr sie die Situation zu verstehen versuchen, desto verwirrender wird sie. Bald müssen sie erkennen, dass sie in Gefahr sind. In tödlicher Gefahr. Und es gibt nur eine Rettung: Sie müssen einander vertrauen.

Ursula Poznanski und Arno Strobel schreiben zusammen einen Thriller? Als ich davon zum ersten Mal hörte, wanderte das Buch sofort auf meinen Wunschzettel. Auch wenn mich die Bücher von beiden icht durchweg von sich überzeugen konnten, gehören sie doch zu den Autoren, von denen ich mir kein Buch entgehen lasse. Weil es eben doch einige Bücher von ihnen gibt, die absolut meinen Geschmack getroffen haben.
Kaum zog “Fremd” ein, wurde es auch schon gelesen. Ich hatte wirklich große Erwartungen und konnte es einfach nicht auf den SUB legen.
Leider muss ich sagen, dass die Ernüchterung nicht lange auf sich warten ließ. Der Klappentext klang so gut und dann das! Natürlich ist die Situation unheimlich, die Erik und Joanna am Anfang erleben. Erik kommt nach Hause und seine Lebengefährtin Joanna (er)kennt ihn nicht und versucht umgehend, sich vor ihm zu schützen und in Sicherheit zu bringen. Was geht plötzlich vor sich in Eriks einst so glücklichen und geregelten Leben? Erst war ich noch neugierig, doch das verlor sich ebenso schnell wie die anfängliche Spannung.
Ich habe lange überlegt, wieso das so war. Es war gar nicht so einfach, dieser Sache auf den Grund zu geben. Inzwischen bin ich mir sicher, woran es lag. Mir fehlte lange Zeit jeglicher Zugang zu Erik und Joanna. Man bekommt zwar einige Fakten und Informationen über sie an die Hand, aber was für ein Mensch sind sind, welchen Charakter sie haben, das bleibt lange im Dunklen. Das führte bei mir dazu, dass ich mich in keinen von beiden richtig hineinfühlen / hineinversetzen konnte. Wahrscheinlich ist das bewusst so gehalten. Damit man als Leser genauso ahnungslos dasteht wie Joanna und Erik und mit ihnen rätseln kann, aber ich brauche diesen Zugang zu Figuren um mitfiebern zu können. Um eine liebgewonnene / sympathische Figur bange ich viel leichter,mit ihr fiebere ich viel schneller mit als mit einer, über die ich ausser ein paar Fakten nichts weiß.
Und auch das Drumherum konnte die mangelnde Spannung bei den beiden Hauptfiguren nicht ausgleichen. Ja, irgendetwas geht da in Eriks Firma vor. Aber es wurde mir einfach zu sehr nebenbei darauf eingegangen, als dass ich so richtig dran hätte glauben können. Entsprechend hat mich auch dieser Teil nicht gepackt.
Etwa auf der Hälfte der Geschichte wendete sich das Blatt dann zum Glück. Die zweite Hälfte habe ich an einem Abend in einem Rutsch gelesen. Das lag einerseits daran, dass endlich wirklich etwas richtig Dramatisches geschieht, aber vor allen auch daran, dass Joanna und Erik von nun an -so gut es geht- gemeinsam nachforschen, was plötzlich in ihrem Leben vor sich geht. Trotz gewisser Bedenken hier und da, kommen sie zunehmend besser miteinander aus. Dadurch bekam ich endlich eine solch klare Vorstellung von ihrem Wesen, dass ich mit ihnen hoffen und bangen konnte. Endlich kam richtig Schwung und Tempo ins Geschehen und so hatte Langeweile keine Chance mhr bei mir. Ich wollte nun wirklich wissen, was da vor sich geht.So gehört sich das für mich für einen Thriller.
Das wiegt es auch auf, dass mir die Auflösung doch etwas weit hergeholt vorkam. Jedenfalls in der Hinsicht, wieso Joanna plötzlich nichts mehr von Erik weiß. Mag sein, dass so etwas möglich ist, das weiß ich nicht, aber mir kommt es eben ziemlich an den Haaren herbeigezogen vor. Da lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

Für die erste Hälfte des Buchs habe ich geschlagene fünf Abende gebraucht, an denen ich mich immer zwingen musste, wenigstens fünf Kapitel weiter zu lesen. Dabei ist die Geschichte an sich unterhaltsam geschrieben und entsprechend gut zu lesen. Mir war sie einfach inhaltlich zu unspannend. In der zweiten Hälfte spornte der unterhaltsame und leichte Schreibstil dann mein Lesemtempo ordentlich an. Dazu das rasante Geschehen und die abwechselnden Sichtweisen auf das Geschehen, da flogen die Seiten plötzlich nur so dahin.

Das Covermotiv sprach mich sofort an. Es ist schön düster wie ich es für einen Thriller mag. Die Frau blickt misstrauisch drein, was gut zu der Figur der Joanna passt. Auf dem rückwärtigen Deckel ist ein Männergesicht zu sehen, das wohl Erik darstellen soll. Auch er schaut skeptisch und -wie ich finde- auch ein bisschen traurig. Das passt gut zu Erik.

Fazit:  Die erste Hälfte von “Fremd” hat es mir wirklich schwer gemacht. Da man ausser ein paar Informationen nichts über Erik und Joanna erfährt, habe ich keinen Zugang zu ihnen gefunden. Ich habe ihnen quasi aus der Distanz zugesehen, mehr war es nicht. Ich brauche einfach diesen Zugang zu Figuren um mit ihnen fühlen zu können. Das fehlte mir hier, weswegen ich “Fremd” lange absolut unspannend fand. Zum Glück wendete sich das Blatt etwas auf der Hälfte. Von da an ging es so spannend und rasant zu, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. So hat “Fremd” gerade noch die Kurve bekommen.


Titel: Fremd
Autor: Ursula Poznanski, Arno Strobel
Seiten: 400
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805250849
Preis: € 16,99 (Broschiert)

Layers (Ursula Poznanski)

Layers (Ursula Poznanski)Seit Dorian von zu Hause abgehauen ist, schlägt er sich auf der Straße durch – und das eigentlich recht gut. Als er jedoch eines Morgens neben einem toten Obdachlosen aufwacht, der offensichtlich ermordet wurde, gerät Dorian in Panik, weil er sich an nichts erinnert: Hat er selbst etwas mit der Tat zu tun? In dieser Situation bietet ihm ein Fremder unverhofft Hilfe an und Dorian ergreift die Gelegenheit beim Schopf – denn das ist seine Chance, sich vor der Polizei zu verstecken. Der Unbekannte engagiert sich für Jugendliche in Not und bringt Dorian in eine Villa, wo er neue Kleidung, Essen und sogar Schulunterricht erhält. Doch umsonst ist nichts im Leben, das erfährt Dorian recht schnell. Die Gegenleistung, die von ihm erwartet wird, besteht im Verteilen geheimnisvoller Werbegeschenke – sehr aufwendig versiegelt. Und als Dorian ein solches Geschenk nach einem unerwarteten Zwischenfall behält, wird er von diesem Zeitpunkt an gnadenlos gejagt.

Mit Ursula Poznanskis Büchern ist es bei mir ein zweischneidiges Schwert. Ihre Thriller für Erwachsene gefallen mir insgesamt meist wirklich gut. Ihre Jugendromane dagegen nicht, weil ich für Fantasy inzwischen nichts mehr übrig habe. Jedenfalls für die Art Fantasy in ihren bisherigen Jugendbüchern.
Der Klappentext von “Layers” klang allerdings so interessant, dass ich dem Buch eine Chance eingeräumt habe.
Die Geschichte hält sich mit langen Vorreden nicht auf. Man ist direkt mittendrin in Dorias Leben auf der Straße. Schnell bekommt man ein gutes Bild seiner Situation. Er tat mir leid, gleichzeitig habe ich es aber auch bewundert, wie er sich damit arrangiert und durchschlägt.
Genau wie er war ich schockiert als eines morgens neben ihm ein toter Obdachloser liegt. Dorian fehlt die Erinnerung an den vorigen Abend und so habe ich genau wie er gegrübelt, ob tatsächlich er diese Tat begangen hat. Vorstellen konnte ich es mir nicht, aber die Ungewissheit blieb.
Gemeinsam mit Dorian wunderte ich mich über den Fremden, der ihn kurz nach der Entdeckung anspricht und ihm ein neues Leben in Aussicht stellt. Es war logisch für mich, dass Dorian das Angebot annimmt. Ich war aber auch sehr skeptisch. Denn Dorians Leben in dem Internat ist viel zu gut, als dass es nicht irgendwo eine Schattenseite geben würde. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass das böse Ende noch kommen würde. Das sorgte für Spannung und Ungeduld, weil ich natürlich wissen wollte, ob ich recht hatte. Meine Ungeduld wurde auf eine harte Probe gestellt und die Spannung flachte dann und wann auch ordentlich ab. Für mein Empfinden zieht sich der Part um Dorian in dem Internat und seine Aufgaben dort ganz ordentlich. Das hätte für mich gerne kürzer ausfallen dürfen. Hin und wieder war ich drauf und dran, mal einen Absatz zu überspringen.
Nach einem unerwarteten Zwischenfall bei einer von Dorians Aufgaben legte die Story dann aber zum Glück wieder einen Zahn zu. Fortan ist Dorian auf der Flucht und auf der Jagd gleichermaßen. Daas sorgt die Spannung und vor allem Tempo und Abwechslung. Langweile hatte von da an keine Chance mehr. Und ganz sicher war ich nicht mehr in Versuchung, Absätze zu überspringen.
Das größe Kompliment bekommt die Geschichte von mir allerdings für die Idee. Die hat mir wirklich super gut gefallen! Alleine die Vorstellung ist schon sehr reizvoll. Einerseits würde ich ein solches Gerät wirklich gerne mal ausprobieren. Ich bin halt ein neugieriger Mensch. Und ich kann mir manche positive Seite an so etwas vorstellen. Doch wenn man den Gedanken bzw die Situationen weiterdenkt, dann kommen bald auch die negativen Aspekte zum Vorschein. Und mir kommt eine solche Erfindung gar nicht so abwegig vor, was mir beim Lesen zusätzlich zu denken gegeben hat. Trotzdem, sollte es so etwas jemals geben…einmal würde ich es doch gern nutzen.
Zuletzt noch eine Frage: ist mir anfangs tatsächlich etwas entgangen? Dass man Dorian im Internat eine Dauerkarte für die Busse und Straßenbahnen der Stadt gegeben hat, beispielsweise? Oder fährt er wirklich die ganze Zeit unbehelligt schwarz durch die Gegend?

Mit seinen 448 Seiten ist “Layers” ein stattliches Buch. Weil sich der Teil im Internat für mich so gezogen hat, habe ich dafür recht lange gebraucht. Ich habe mittendrin sogar eine sehr lange Pause gemacht, weil mich die Geschichte da absolut noch nicht gepackt hatte. Das änderte sich danach aber ganz schnell und dann habe ich das Buch innerhalb von zwei Tagen ausgelesen. Trotz vieler beschreibender Passagen liest es sich prima flott weg. Die Kapitel haben diese gefährliche Länge, bei der man leicht denke ach, eines geht noch! und dann ist man plötzlich beim Ende angekommen.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mir das Aussehen des Buchs gar nicht so sehr zusagt. Das Muster gibt zwar Rätsel auf, das war es dann aber auch schon. Die Farben sind mir zu trostlos. Dafür finde ich die Idee mit den mehrmals aufklappbaren Cover wirklich super. Das vordere Cover hat gleich mehrere Schichten. Wie es zu einem Buch mit dem Titel “Layers” eben passt.

Fazit: “Layers” beginnt spannend, erschreckend und rätselhaft. Dann wurde es mir allerdings deutlich zu langatmig mit Dorians Zeit an der Schule. Das hätte für mich gerne kürzer gefasst werden können. Daran ging bei mir ein Großteil der Spannung verloren. Doch nach dem Zwischenfall bei einem von Dorians Jobs tritt die Geschichte das Gaspedal zum Glück so richtig durch. Von da an hatte Langeweile keine Chance mehr. Es ging rasant und spannend zu. Die Idee von “Layers” gefällt mir so gut, dass ich -obwohl ich die Risiken einer solchen Erfindung durchaus erkenne- sie auf jeden Fall einmal ausprobieren wollen würde (sollte es so etwas jemals geben).


Titel: Layers
Autor: Ursula Poznanski
Seiten: 448
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3785582305
Preis: € 14,95 (Broschiert)

Stimmen (Ursula Poznanski)

Stimmen (Ursula Poznanski)Er hatte die Zeichen gesehen. Er sah sie seit Jahren schon, und hatte immer wieder versucht, die Menschen zu warnen, doch nie wollte jemand ihm glauben.
Sie hatten ein Opfer dargebracht. Auf keinen Fall durften sie ihn hören. Sie wissen, wer du bist.
Menschen, die wirr vor sich hinmurmeln. Die sich entblößen, Stimmen hören: Die Psychiatriestation des Klinikums Salzburg-Nord ist auf besonders schwere Fälle spezialisiert. Als einer der Ärzte ermordet in einem Untersuchungsraum gefunden wird, muss die Ermittlerin Beatrice Kaspary versuchen, Informationen aus den Patienten herauszulocken. Aus traumatisierten Seelen, die in ihrer eigenen Welt leben. Und nach eigenen Regeln spielen.

Als ich erfuhr, dass ein neuer Thriller von Ursula Poznanski erscheint, habe ich mich einerseits riesig gefreut. “Fünf” hat mir damals super gut gefallen. Andererseits war ich aber auch skeptisch, denn “Blinde Vögel” hat mir überhaupt nicht gefallen. “Stimmen” war nun gewissermaßen das Zünglein an der Waage, ob es sich lohnt, Ursula Poznanskis Thrillern treu zu beiben.
Um das schon mal vorweg zu nehmen: ja, ich werde ihnen treu bleiben!
Denn “Stimmen” hat mir wieder richtig gut gefallen! Mit einer Psychiatrie als hauptsächlichem Schauplatz macht ein Thriller bei mir fast nie etwas falsch. Das hängt vermutlich mit den oft schauerlichen Darstellungen dieser Orte zusammen, wie man sie in vielen Gruselfilmen etc antrifft. Sowas hat für mich seit je her seinen Reiz. Und daran ändert sich auch nichts, wenn eine Psychiatrie wie in diesem Thriller so ganz anders beschrieben wird. Ganz ohne solche Effektheischerei nämlich. Eben als eine Klinik, in der Menschen leben, die aufgrund schrecklicher Erlebnisse in der Vergangenheit, seelischen Schaden genommen haben. Obwohl ich gegen etwas Effektheischerei nichts gehabt hätte, fand ich das so wirklich gut.
Die Geschichte braucht so etwas nämlich nicht um spannend oder schaurig zu sein. Das gelingt ihr auf anderen Wegen, die mindestens genauso gut wirken. Um zu schaudern muss man sich das Leben der Psychiatriepatienten nur mal richtig vorstellen. Das reicht dann schon. Was sie erlebt haben, wünsche ich niemandem. Das sollte als Gruselfaktor alleine schon reichen.
Ihre Spannung zieht die Geschichte für mich vor allem wieder aus der Ermittlungsarbeit von Beatrice und Florin. Genau wie bei “Fünf” hat mir hier wieder diese kleinschrittige Darstellung der Ermittlungen gefallen. Das ist erstens interessant und wirkt zweitens wesentlich realistisch als wenn die beiden den Fall im Nullkommanichts und ohne Probleme oder Rückschläge lösen würden. Auf diese kleinschrittige und genaue Weise dagegen kann man prima mitknobeln. Und durch besagte Rückschläge oder auch stockende Ermittlungen, kommt zusätzlich Spannung auf. Und natürlich auch durch die Frage nach dem Täter, klar.
Toll fand ich es außerdem, dass bei Beatrice und Florin endlich mal etwas ins Rollen kommt. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber nicht verraten.
Soweit klingt das ales ganz positiv und ja, mir hat “Stimmen” wirklich sehr gut gefallen. Ein paar Bedenken hatte ich beim Lesen aber doch (und auch jetzt habe ich die noch). So gut ich die Idee finde, wie gewisse Patienten mit Beatrice kommunizieren, ich habe mich doch gefragt, ob man da als Polizistin wirklich drauf kommen kann. Glücklicherweise fällt Beatrice das alles andere als leicht bzw früh auf und auch als sie es endlich begreift, versteht sie es nicht wirklich, aber immerhin kommt sie doch auf diese Idee. Beeindruckend. Nicht dass ich Beatrice für dumm halte (ganz im Gegenteil!), aber das ist schon eine Leistung zu der ich nur sagen kann: wow! Daher erschien mir die Idee ab und zu doch etwas weit hergeholt. So gut sie auch ist.
Außerdem bin ich bei den Ärzten immer mal wieder durcheinander gekommen, was mich gestört hat. Wenn ich bei gewissen Figuren in der Geschichte keinen Überblick habe, spricht das immer dafür, dass die Charaktere für mich zu wenig Markantes an sich haben. Das traf hier dann wohl auf die Ärzte zu.

Ich habe das Buch an zwei Abenden ausgelesen. Hätte ich mich am ersten Abend nicht zum Pausieren gezwungen, weil ich am nächsten Tag früh rausmusste, hätte ich es in einem Rutsch gelesen. Sehr viele Dialoge machen das Lesen wunderbar leicht. So fliegen die Seiten nur so dahin. Zudem sind die Kapitel genau richtig lang um dem “ach eins noch”-Teufelskreis zu verfallen. Außerdem enden sie durchweg mit einem solchen Cliffhanger, dass man einfach weiterlesen muss.

Der Rabe gehört inzwischen einfach zu Ursula Poznanskis Thrillern. Er ist auf jedem Cover zu sehen, auch hier bei “Stimmen”. Ein Vogel, der irgendwie immer ein bisschen für Unheil steht. Was könnte besser zu einem Thriller passen? Das Fenster macht neugierig darauf, was es damit auf sich hat. Für mich passt es außerdem gut zu dem Bild von einer Psychiatrie, das man so im Kopf hat.

Fazit: “Stimmen” hat mir wieder sehr gut gefallen! Ein von Anfang bis zum Ende spannender Thriller, der an einem Schauplatz spielt, der ideal für dieses Genre ist. Ihre Spannung bezieht die Geschichte vor allem durch Beatrices und Florins Ermittlungen, die anschaulich, kleinschrittig und dadurch realistisch dargestellt sind. Da kann man leicht mitknobeln. Die Idee, wie eine Patientin mit Beatrice kommuniziert, ist wirklich klasse! Trotzdem weiß ich nicht, ob es realistisch ist, dass das jemand durchschaut. Aber das fällt für mich nicht wirklich ins Gewicht. Beatrice ist halt echt clever und es ist keineswegs so, dass sie die Sache im Nu durchschaut und sie ihr bei dem Fall den absoluten Durchblick verschafft.


Titel: Stimmen
Autor: Ursula Poznanski
Seiten: 448
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805250627

Leipziger Buchmesse – Dritter Tag

Am Samstag ging es nach dem Frühstück noch einmal auf die Messe.

Eine Halle hatten wir am Freitag ja ausgelassen. Die wollten wir uns nun am Samstag ansehen. Außerdem wollten wir nochmal an ein paar Ständen vorbeischauen, die wir am Freitag irgendwie ausgelassen bzw übersehen hatten.

Wir starteten wieder in der Manga-Halle, in der es noch voller war als am Vortag. Aber die Musik war dieses Mal besser.
Ein Schlumpf stand zur Begrüßung bereit 😉

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An einem Stand entdeckte ich den Comic zu dem Schlumpf-Plakat, das ich freitags fotografiert hatte. Und als sich dann noch herausstellte, dass der Zeichner gerade am Stand war, habe ich mir den Comic gekauft. Solch eine Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen.

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Am ARD Forum hatten wir an diesem Tag gleich zwei besondere Erlebnisse.

Als wir dort vorbeikamen, hielt gerade Literaturkritiker Denis Scheck Hof. Das ist der Herr, der über Sebastian Fitzeks “Passagier 23” gesagt hat, wenn man dieses Buch mag, dann wäre man entweder tot oder mit dem Autoren verwandt. Also wir sind weder das eine, noch das andere und mögen das Buch trotzdem. Herr Scheck dagegen ist seither nicht gerade ein Sympathieträger für uns…

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Etwas später fand im ARD Forum eine Lesung aus “Biene Maja” statt. Dass wir dabei stehenblieben war eher ein Zufall, aber das Gehörte haute zumindest mich echt um. Ich glaube, ich muss das Buch unbedingt mal lesen. Bisher kenne ich nur die Friede-Freude-Eierkuchen-TV-Serie von früher, in der alles immer so schön ist. Die “Biene Maja”, von der wir auf der Messe hörten, hätte mit Fug und Recht eine FSK 16 verdient gehabt. Wahnsinn!

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Nach ein paar weiteren Besuchen an kleineren Ständen und dem Ausflug in Halle 4, die wir am Vortag ausgelassen hatten, machten wir uns auf den Weg in Halle 5 zur Autorenbuchhandlung. Dort würde Ursula Poznanski eine Signierstunde veranstalten.
Wahnsinn, was für ein Andrang! Locker eine halbe Stunde konnten wir den Signiertisch vorne noch nichtmal sehen, geschweige denn Ursula Poznanski!
Aber wir wurden prima unterhalten von der Menschenmasse am Signiertisch nebenan. Welch ein Gedränge, Gekreische, Handygeknipse! Wofür? Für zwei halbwüchsige Jungs, die letztlich auf den Signiertisch stiegen um Fotos von sich und der Masse zu machen. Wer bitte war das? Zwei Youtuber, mehr erfuhren wir nicht.

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Am Signiertisch angekommen

Danke für das signierte Buch, die beeindruckende Ruhe und das offene und sympathische Lächeln, Ich glaube, mir wäre beides in Ursula Poznanskis Situation längst vergangen gewesen.

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Zwei Tische weiter signierte gerade Krimi-Autor Horst Eckert.

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Als wir vom Signiertisch kamen, wurden gerade die beiden Youtube-Jungs quasi zur Hintertür herausgeführt. Einer von ihnen musste das Mädchen neben uns versehentlich berührt haben, woraufhin es zu Boden sank…
Wer zum Henker waren diese Youtuber?!

DSC08206An diesem Plakat machten wir uns kundig

Es waren also Taddl & Ardy.
Das half uns auch nicht weiter, also machten wir uns auf zum Ullstein Verlag um das Buch der beiden zu besichtigen. Doch das war restlos ausverkauft. Man hatte nur ein Präsentationsexemplar, in das wir einen kurzen Blick werfen durften.
“Wenn Sie sich beeilen, treffen Sie die beiden noch in der Buchhandlung Ludwig. Oder Sie schauen einfach auf Youtube!” riet man uns.
Beeilt haben wir uns nicht, aber abends bei Youtube geschaut.
Wer nun auch neugierig ist: schaut wirklich am besten auf Youtube. Mehr sage ich dazu nicht.

Da wir am Abend noch zu einer Veranstaltung wollten, zu der man sehr früh vor Ort sein msusste, neigte sich der zweite Messetag langsam seinem Ende zu. Noch ein Spaziergang zur und in die Glashalle…

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Und das eine oder andere Foto mit flauschigen Gesellen…

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Cool, oder? Also, die Kuh und der Hund!

DSC08223Und der auch!

Ein Blick bei Droemer Knaur lohnt einfach immer. Als wir auf dem Rückweg dort entlang kamen, wurde gerade Autorin Gabriella Engelmann interviewt.

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Auch der zweite Tag auf der Messe war rundum gelungen. Über gewisse Dinge ärgere ich mich inzwischen gar nicht mehr. Da staune ich dann nur noch. Das ist so sicher viel gesünder…

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