Verbrechen

Professor van Dusen (09) – …setzt auf Mord

Titel: Professor van Dusen (09) – …setzt auf Mord / Verlag: Allscore / Spielzeit: ca. 68 min / Sprecher:  Bernd Vollbrecht, Jürgen Kluckert, Bernd Stephan, Dirk Müller ua

InhaltAn einem verschneiten Januarabend erhält Professor van Dusen  Besuch vom exzentrischen Lord Babbington. Dieser wartet sogleich mit einer unangenehmen Überraschung auf: Angus Granger, ein Freund des Lords, wette, dass ihm das perfekte Verbrechen gelänge. Ein erhebliches Vermögen stünde dabei auf dem Spiel und van Dusen solle helfen, es zu retten. Die “Denkmaschine” will von derlei Dingen nichts wissen und komplementiert den Lord hinaus, was sich jedoch als Fehler erweist. Nur wenige Tage später geschieht tatsächlich ein Mord im Central Park und alles deutet auf Granger als Täter hin.


Diese neue Folge um den Professor wirkte auf mich vor allem sehr andersartig. Das beginnt bereits damit, dass das Verbrechen, das später aufzuklären ist, anfangs noch gar nicht stattgefunden hat. Jemand hat verkündet, das perfekte Verbrechen zu begehen, Mord in diesem Falle. Aber geschehen ist zunächst mal noch nichts. Eine durchaus interesante Idee für eine neue Art Aufhänger, aber schon ein bisschen seltsam.
Das Verbrechen geschieht dann natürlich auch, doch statt dass man den Professor mit Hatch gemeinsam beim Ermitteln begleitet, ist Hatch für erstaunlich lange Zeit alleine unterwegs. Das macht auch Spass, keine Frage, aber es ist eben auch ziemlich anders als sonst. Überhaupt erlebt man den Professor hier nicht so ausführlich beim Ermitteln wie man es gewohnt ist. Stattdessen sitzt er dieses Mal mit im Saal als die Gerichtsverhandlung um den Mordverdächtigen geführt wird. Erst am Ende kann er einmal mehr mit seiner Cleverness und Weitsicht punkten und das Rätsel ergründen.
Ja, hier kommt vieles recht neuartig daher, auch spannend, keine Frage. Und schlecht ist das keineswegs. Aber ich persönlich mochte den bislang so vertrauten Verlauf eines Falles für den Professor schon lieber. Vor allem möchte ich ihn bei der nächsten Folge wieder mehr und durchgängiger beim Ermitteln erleben. Das macht mir aufgrund des listigen Augenzwinkerns, das man bei ihm oft heraushört, einfach viel zu sehr Spass um es einfach so herzugeben.

Als ich Jürgen Kluckert hier zum ersten Mal gehört habe, fühlte ich mich direkt in die Serie “Gabriel Burns” zurück katapultiert. Denn er schlägt hier exakt den gleichen Ton an wie dort damals oft als Erzähler. Das hat was für ein Krimihörspiel! Dirk Müller hat mir ebenfalls gut gefallen als Inspektor Fox. Eine schöne Abwechslung zu Caruso. Und alleine durch Stimme und Ton ein ganz anderer Schlag an Ermittler. Schmunzeln musste ich bei Christian Rode als Richter. Ich sehe bei seiner Stimme einfach sofort Holmes vor mir. Aber auch den gefürchteten Richter spricht er gekonnt.

Musikalisch hält sich auch diese Folge wieder eher zurück. Es sind aber immer mal wieder schöne, etwas altmodisch anmutende Melodien zu hören, die erstaunlicherweise eine gewisse Fröhlichkeit an sich haben. Auch Geräusche sind nicht gerade im Übermaß zu hören, aber mir sind hier vor allem einige Geräusche aufgefallen, die ganz im Hintergrund zu hören sind. Das Rattern einer Bahn beispielsweise. Das sorgt für Flair. Lediglich das Knattern eines Autos (?) in einer Szene klingt eher wie die Lauäußerung eines Tieres mit Steckdosennase und Ringelschwanz…

Das Covermotiv gibt über die Geschichte nur wenig her, aber man fragt sich schon, worüber der Professor dort wohl gerade mit dem anderen Mann spricht. Gehalten ist alles im vertrauten Schwarz-Weiß und dem gezeichnet wirkenden Stils.

Fazit:  Dieser Fall kommt in vielerlei Hinsichten neuartig (für diese Reihe) daher. Das ist mal etwas anderes und spannend sowieso, aber mir gefielen die Fälle zuvor besser. Mir kam vor allem der Professor bei seinen Nachforschungen zu kurz, was ich sehr schade fand.

So rot wie Blut (Salla Simukka / Nina Petri)

Titel: So rot wie Blut / Verlag: Hörcompany / Spielzeit: ca. 323 min / Buch: Salla Simukka / gelesen von: Nina Petri

Inhalt: Lumikki Andersson ist ein 17-jähriges Mädchen, das gelernt hat, sich selbst zu verteidigen und niemandem zu vertrauen. Früher wurde sie gemobbt, nun ist sie ein einsamer Wolf – scharfsinnig, sarkastisch und wirklich tough. Als sie in der Dunkelkammer ihrer Schule auf einen Fall von Geldwäsche stößt, findet sie sich plötzlich in einem Strudel unvorhersehbarer Ereignisse wieder. Es ist der kälteste Winter des Jahrhunderts; die Straßen von Tampere sind gefroren und weiß wie Schnee. Und nichts färbt weißen Schnee so rot wie Blut.


Auf diese Geschichte hatte ich mich sehr gefreut, umso größer ist die Schande, dass das Hörbuch so lange ungehört im Regal stand. Zwar sind Themen wie Geldwäsche und Drogen nicht mein Fall, aber Lumikki klang im Klappentext nach meinem Geschmack. So als könne ich mich gut in sie hineinversetzen, sie gut verstehen.
Grundsätzlich stimmt das auch. Lumikkis Entwicklung hin zu ihrer jetzigen Art konnte ich gut nachvollziehen. Dank einiger Einblicke in ihre Vergangenheit ahnt man, was ihr früher passiert ist. Und da hat es mich nicht erstaunt, dass sie nun so zurückhaltend ist, gut beobachten kann, clever ist und auch irgendwo ziemlich abgebrüht. Das sind halt die Folgen solcher Vorfälle. Soweit konnte ich mit Lumikki also durchaus etwas anfangen.
Mein Problem mit ihr widerum war aber, dass ich ihre Entscheidungen und Handlungen oft nicht verstehen konnte. Es gibt zahlreiche Situationen, in denen ich mich ehrlich gefragt habe, wie man in dieser Situation nur auf solche Ideen kommt. Und da sich das nach und nach häuft, überschattete dieses Verhalten den anfangs noch so guten Eindruck von Lumikki.
Andererseits sind es gerade diese Momente, die zu spannenden Szenen führen. Wer es alleine darauf abgesehen hat und über Schwächen der Figur hinwegsehen kann, der dürfte mit der Story seinen Spass haben. Lumikki stürzt sich in eine wirklich gefährliche Hetzjagd, der es weder an Tempo, noch an Dramatik fehlt.
Das Ende ist sinnig und hat einige Überaschungen auf Lager. Zum Rätsel um das Geld, aber auch zu den offenen Fragen, die man im Laufe der Handlung hinsichtlich der Hauptfigur sammelt.

Nina Petri schlägt sich wacker mit dieser nicht ganz so leicht erzählten Geschichte. Ihre Stimme passt gut dazu und sie versteht es, Lumikkis Charakter und die oft ganz verschiedenen Stimmungen der einzelnen Kapitel rüberzubringen. Ich habe ihr gerne gelauscht und es ist ihr zu verdanken, dass ich so gut mitgekommen bin. Als Buch gelesen, hätte ich wohl ein paar Schwierigkeiten mit der Geschichte gehabt.

Das dunkle Cover passt gut zu einem Thriller. Die roten Blutstropfen bilden dazu einen starken Kontrast und lassen beim Anblick des Covers wenig Gutes für das Mädchen vermuten. Das Mädchen selber wirklich geheimnisvoll und in sich gekehrt, was absolut Lumikkis Wesen entspricht.

Fazit:  Eine durchaus spannende und temporeiche Geschichte, die für mich aber ausgerechnet durch die Hauptfigur Minuspunkte absahnte. Denn so sehr ich Lumikkis Charakter verstehen konnte, so wenig konnte ich ihre Handlungen und Entscheidungen nachvollziehen.

Professor van Dusen (06) – …schlägt sich selbst

Titel: Professor van Dusen (06) – …schlägt sich selbst / Verlag: Allscore / Spielzeit: ca. 66 min / Sprecher: 21

vandusen06Inhalt: Das Metropolitan Museum of Art ist das größte Kunstmuseum der Vereinigten Staaten. Und ausgerechnet dort wird ein berühmtes Gemälde von Antoine Watteau gestohlen. Nach einer Zeugenaussage des Museumsdirektors gerät der Wachmann Henry James unter Verdacht und wird inhaftiert. Doch James ist unschuldig, wie Professor Augustus van Dusen zu berichten weiß. Denn der Meisterdenker kennt den Plan des Diebes in allen Einzelheiten – schließlich hat die “Denkmaschine” ihn bei der Ausarbeitung tatkräftig unterstützt.


Nachdem mir Folge 5 ja nicht so gut gefallen hatte, hat diese Folge lange im Regal geschlummert. Ich habe mich nicht dran getraut. Dabei hat sie mir nun letztendlich wirklich richtig gut gefallen. Alleine die Idee, dass van Dusen einem Verbrecher bei seinem nächsten Coup hilft, fand ich erstens ziemlich interessant und auch gewisse Weise auch sehr amüsant. Warum sollte nicht mal van Dusen einem Bösewicht auf den Leim gehen? Vorübergehend wenigstens. Und es ist spannend, wie sich der Professor seine Federn zurückholt.
Außerdem mag ich das Thema “Hypnose” immer gut. Dieser Vorgang hat für mich etwas Unheimliches und mich reizt der Gedanke, was man mit hypnotisierten Menschen womöglich tun könnte. Böses tun könnte bzw die Böses tun lassen könnte. Ja, das ist mein Ding. Und in dieser Richtung ist auch diese Folge unterwegs. Also gab das gleich den zweiten Pluspunkt.
Den dritten holt die Geschichte sich dadurch ab, dass Hatch hier gelegentlich wirklich richtig mit ermittelt. Und dabei in eine leicht prekäre Situation gerät. Überhaupt wird Humor hier recht groß geschrieben, und das mag ich einfach immer. Alleine besagte Szene mit Hatch, dann seine Dialoge mit Caruso und nicht zuletzt auch das Ende mit van Dusen und ihm. Ich habe wirklich lachen müssen.

Bern Vollbrecht und Nicolai Tegeler bilden auch hier in den Hauptrollen wieder ein großartiges Duo. van Duses Widersacher wird von Georg Tryphon gesprochen, der seiner Figur eine Arroganz verleiht, die Ihresgleichen sucht. Und von Gerald Paradies alias Caruso hört man hier auch häufiger etwas als in manch anderer Folge. Das hat mir gefallen und dürfte für mich gerne öfter so sein.

Musik und Geräusche halten sich einmal mehr zurück. Das Nötigste ist vorhanden und wirkt, mehr ist es nicht. Das Augenmerk liegt bei dieser Reihe eben klar auf den Dialogen. Davon lenkt hier nichts ab.

Die Szene auf dem Cover strahlt vor allem viel Ruhe aus, macht aber durchaus neugierig darauf, wer diese Männer sind und worüber sie diskutieren. Wie ich finde, ein Motiv, das zu dieser Reihe passt. Der Bezug zur Geschichte wird erst während des Hörens klar.

Fazit: Für mich eine wirklich gelungene Folge! Der Aufhänger zum Fall hat einfach seinen Reiz. Genauso wie die Tatsache, dass van Dusens Widersachen es tatsächlich schafft. die Denkmaschine vorzuführen. Außerdem mag ich Krimis und Thriller, in denen Hypnose eine Rolle spielt. Und der Funken Humor tut ein Übriges dazu.

Am Ende der Treppe hinter der Tür (Sabine Ludwig)

endedertreppeWie erpresst man einen Mörder, den man nicht gesehen hat? Die 16-jährige Martha ist zufällig Ohrenzeugin des Mordes an ihrer Nachbarin geworden. Nun beschließt sie, dieses Wissen für sich zu nutzen. Denn sie braucht Geld. Damit sie endlich mit ihrer Mutter in eine eigene Wohnung ziehen kann. Und damit sie sich nicht mehr mit diesem Glatzkopf und seiner nervigen kleinen Tochter Poppy rumärgern muss. Gemeinsam mit ihrer Freundin Jill entwickelt Martha einen raffinierten Plan … doch dann begeht sie einen entscheidenden Fehler.

Wie so oft lockte mich auch bei diesem Buch wieder das Cover, das mir von Anfang an sehr gut gefiel. Doch auch der Klappentext klang ganz vielversprechend.
Auf den Krimi um die Erpressung und ihre Folgen muss man allerdings eine ganze Zeitlang warten. Erst im achten Kapitel geht es damit wirklich los.
Bis dahin nimmt die Geschichte sich alle Zeit Martha vorzustellen und zu beschreiben, womit die Sechzehnjährige gerade alles zu kämpfen hat. Dem einen oder anderen Leser könnte das zu ausführlich sein, mich hat es überhaupt nicht gestört. Das liegt wohl vor allem daran, dass ich mich in vielen Punkten in Martha wiedergefunden habe. Als ich in ihrem Alter war. Beispielsweise was ihre wechselhafte Freundin Jill angeht, die sich gerne als beste Freundin verkauft, dann aber plötzlich quasi aus dem Rücken heraus einen Todesschuss abgibt. Oder auch was Marthas Verliebtheit in einen Lehrer anbetrifft. Außerdem konnte ich nur zu gut verstehen, dass Martha keinen Bock auf eine kleine Schwester hat, sie beim Essen rumsaut, in Marthas Bett sabbert und an ihr hängt wie eine Klette. Hätte ich auch nicht. Sie tat mir also wirklich leid. Und so viele Gemeinsamkeiten mit einer Figur schafft natürlich Nähe.
Dann nahm endlich der Krimi Anlauf. Mit einem verdächtigen Gespräch, das Martha belauscht hat, und aus dem sie nun Profit schlagen will um die neue kleine Schwester und deren Vater loszuwerden. Dafür schmieden Jill und Martha einen finsteren und geradezu wahnwitzigen Plan, der einfach böse Folgen haben muss. Das ist einem zumindest als Leser sofort klar, während Martha darüber zunächst noch nicht nachdenkt. Und Jill schon gar nicht.
Doch schon bald wendet sich ihr Plan klar gegen Martha und sie gerät in immer größere Schwierigkeiten. Und damit auch in Panik, denn es scheint aussichtlos, das heraufbeschworene Unheil noch abzuwenden. Ich fand es spannend zu verfolgen, wie Martha mit der Situation umgeht, die sich nach und nach immer mehr zuspitzt. Und ich habe gegrübelt, wer hinter den seltsamen Vorkommnissen stecken könnte. Für mich gab es mindestens zwei Verdächtige und es dauerte eine ganze Weile bis ich mir sicher war, wer es ist.
Von da an konnte ich quasi zuschauen, wie Martha geradwegs ins offene Messer läuft. Dabei hatte ich einerseits Angst um sie, andererseits habe ich mich aber auch schnell gefragt, wie blind sie eigentlich ist, dass sie das nicht selber erkennt! Es blieb also spannend, denn durch ihre Blindheit bringt Martha sich selber und auch ihre kleine Schwester in wirklich sehr große Gefahr. Und auch wenn ich den Täter seit Anfang an nicht sonderlich mochte bzw ihm nicht wirklich getraut hatte, so hat mich die Erkenntnis, was er plant, doch erschreckt. Ich hätte vieles vermutet, aber das dann doch nicht. Außerdem tat mir Martha wieder einmal unheimlich leid. Einmal mehr platzt mit der Erkenntnis, wer ihr da so übel mitgespielt hat, einer ihrer großen Träume.
Mit ihrem Mut am Ende hat sie mir dann aber auch imponiert. Und ich habe mich sehr gefreut, dass sie mit einer neuen Freundschaft endlich rosigeren Zeiten entgegensieht. Lediglich das Ende um ihre kleine Schwester fiel mir etwas zu rosarot aus.

Sabine Ludwigs Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Sie schreibt zwar recht jugendlich locker, schafft es dabei aber doch, einen Marthas Gefühlswelt deutlich zu machen und nahe zu bringen. Sowohl zu Beginn als man von Marthas Problemen erfährt, als auch später als sich Marthas Situation immer mehr zuspitzt. Das sorgt dafür, dass man sich gut in Martha einfühlen kann, es sorgt aber auch für die nötige Spannung. Die Gegenwartsform bringt das nötige Tempo rein und eine angenehme Kapitellänge sorgt dafür, dass man immer weiter schmökern möchte.

Wie schon gesagt, hat mir das Cover sofort gefallen. Und mich mit dieser düsteren Treppe neugierig darauf gemacht, was sich wohl hinter der Tür an ihrem Ende verbergen könnte. Motiv und Titel passen hier wirklich sehr gut zusammen.

Fazit: Es dauert bis die Geschichte zum Krimi kommt, aber langweilig ist es mir bis dahin nicht geworden. Das mag Lesern, die sich nicht so gut mit Martha identifizieren können wie ich anders gehen. Der Krimi beginnt mit einem haarsträubenden Plan, der eigentlich nur schiefgehen kann und es auch prompt tut. Ich fand die Entwicklung wirklich spannend und hatte Angst um Martha als sie später direkt in ihr Unheil rennt. Für mich somit eine rundum gelungene Geschichte.


Titel: Am Ende der Treppe hinter der Tür
Autor: Sabine Ludwig
Seiten: 384
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3499216756
Preis: € 9,99 (Broschiert)

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