Wassermann

Die Otfried Preussler Hörspiel-Box – Der kleine Wassermann / Die kleine Hexe / Das kleine Gespenst

Titel: Die Otfried Preussler Hörspiel-Box – Der kleine Wassermann / Die kleine Hexe / Das kleine Gespenst / Verlag: Karussell / Spielzeit: ca. 380 min / Sprecher: Anna Thalbach, Femke Jovy, Michael Habeck, Peter Striebeck ua

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Inhalt: Der kleine Wassermann, Die kleine Hexe, Das kleine Gespenst – Endlich gibt es alle Hörspiele in einer Box!

Otfried Preußler gilt als der große Geschichtenerzähler der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur. Seine Werke wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt.
Gleich drei seiner ersten Bücher – Der kleine Wassermann (1956), Die kleine Hexe (1957) und Das kleine Gespenst (1966) – wurden zu generationsübergreifenden Klassikern. Zu allen drei Geschichten entstanden auch wundervolle Hörspiele – u.a. mit Anna Thalbach und Stefan Kaminski – die nun erstmalig zusammen in einer Sammlung erhältlich sind.


Die Titel der drei Geschichten sagen sicher jedem etwas, auch wenn man sie vielleicht nicht näher kennt. So wie ich. Den kleinen Wassermann habe ich in letzter Zeit in Einzelhörspielen kennengelernt, aber weder von der Hexe, noch vom Gespenst hatte ich bisher etwas gehört.
Die Abenteuer mit dem kleinen Wassermann haben mir auch in dieser Sammlung sehr gut gefallen. Es sind schöne und fröhliche Geschichten. Mal witzig, mal ein wenig spannend und immer voller Leben und liebenswerter Figuren.
Auch die Geschichten der kleinen Hexe habe ich gerne gehört. Ich mochte die kleine Hexe und ihren Raben Abraxas sofort. Die beiden sind ein tolles Gespann und sie erleben viele spannende Abenteuer. Bei der kleinen Hexe merkt man am deutlichsten, wie alt die Geschichten bereits sind. Und obwohl ich mich damit oft schwer tue, hat es mich hier gar nicht gestört. Außerdem verbergen sich in einigen Geschichten ganz wichtige Botschaften, die man bereits Kindern mit auf den Weg geben sollte.
Die Geschichten vom kleinen Gespenst sind ebenfalls ein reines Hörvergnügen. Inhaltlich zumindest (zum Rest später). Auch sie sind spannend und witzig und überhaupt nicht gruselig. Da dürften sich nicht einmal die jüngsten Hörer gruseln.
Ich bin mir sicher, dass auch die Kinder von heute leicht Freunschaft mit den drei Figuren schließen werden. So gesehen sind die Geschichten wirklich zeitlos und finden überall ihren Platz.

Als Erzähler ist in allen Geschichten Peter Striebeck zu hören, dem ich sehr gerne gelauscht habe. Er hat eine angenehme Stimme und eine Erzählweise, die einen im Nu gefangen nimmt. Femke Jovy ist als kleiner Wassermann zu hören. Sie erweckt ihn mit klarer, heller Stimme und lebendigem Ton zum Leben. Anna Thalbach übernimmt die Rolle der kleinen Hexe, die ihr mit ihrer markanten Stimme wie auf den Leib geschneidert ist. Auch wenn sie die kleine Hexe hörbar jung klingen lässt, so wirkte die kleine Hexe auf mich eine Spur älter als der kleine Wassermann. Das kleine Gespenst wird von Michael Habeck gesprochen. Mit ihm konnte ich mich in dieser Rolle nicht anfreunden. Keine Frage, er spricht die Rolle prima, lebendig und liebenswert, aber seine Stimme ist mir zu erwachsen für ein kleines Gespenst.

Bei allen Geschichten hat man unüberhörbar viel Wert auf die Musik gelegt. Es sind zahlreiche Stücke zu hören, die allesamt prima zu den Erzählungen passen und im Nu die nötige Stimmung aufkommen lassen. Oft wird auch gesungen, was ich sonst eigentlich gar nicht mag. Doch hier haben es mir vor allem die Lieder vom kleinen Wassermann angetan.

Sechs CDs sind in dieser Box enthalten. Jeweils zwei zu jeder Figur. Die CDs stecken in schön gestalteten Papphüllen und natürlich in einem hübschen Schuber. Auf seinem Cover sind alle drei Figuren abgebildet. So hat man sofort ein Bild zu den Hörspielen und ihren Charakteren im Kopf.

Fazit:  Eine wirklich sehr schöne Geschichten-Sammlung um die drei Helden von Otfried Preussler. An dieser Box werden nicht nur die inzwischen erwachsenen Fans von Wassermann, Hexe und Gespenst ihre Freude haben, sondern auch Kinder, die den Dreien mit diesen Hörspielen zum ersten Mal begegnen.

Wassermanns Zorn (Andreas Winkelmann)

“Manuela Sperling ist neu bei der Polizei. Gleich an ihrem ersten Tag muss sie sich mit dem grausigen Mord an einer Prostituierten befassen, deren Leiche ein­gekeilt zwischen Baumwurzeln im seichten Teil des Flusses liegt – ertränkt. Auf dem Bauch der Toten finden die Spurensicherer eine grausige Botschaft, gerichtet an Manuelas Chef, Kriminalhauptkommissar Stiffler. Manuela muss erkennen, dass ihr Eifer nicht von allen im Präsidium gern gesehen wird. Da ertrinkt erneut eine Frau, direkt vor ihren Augen. Eine unsichtbare Macht zieht sie auf den See hinaus und unter die Wasseroberfläche. Und Stiffler dreht durch.”

Dies ist mein inzwischen dritter Thriller von Andreas Winkelmann. Es scheint charakteristisch für seine Romane zu sein, dass man sich anfangs überfordert fühlt mit der Anzahl der Charaktere, den verschiedenen Schauplätzen und Problematiken. Jedenfalls ging es mir jedes Mal so. Aber inzwischen weiß ich deshalb auch, dass sich dieses Chaos lichtet sobald sich der eingentliche Fall herauskristallisiert.
So war es auch hier und ab diesem Punkt hatte mich der Fall gepackt. Es ist spannend zu verfolgen, wie er sich entwickelt und man kann gar nicht anders als mitzuknobeln, wer warum hinter den Taten steckt. Speziell, was Kommissar Stiffler selber damit zu tun hat, hat mich die ganze Zeit brennend interessiert. Aber es war ebenso spannend, die sympathische und burschikose Polizistin Manuela bei ihren Ermittlungen zu begleiten. Taxifahrer Frank, der dabei oft an ihrer Seite ist, hat mir ebenfalls gefallen. Zu einem Großteil deshalb, weil er an einer Krankheit leidet, die mich verrückterweise schon immer interessiert und fasziniert hat.
Mir hat die Story insbesondere wegen der Morde im Wasser eine Gänsehaut bereitet. Ich bin nicht gerade eine Wasserratte 😉 und habe großen Respekt vor diesem Element. Wenn ich dann so eindringlich geschilderte Szenen lese wie hier, wenn man beim Täter dabei ist, dann schaudert es mich schon ganz ordentlich. Und ich mag es, wenn ein Thriller genau das schafft.
Soweit bin ich mit “Wassermanns Zorn” also ausgesprochen zufrieden.
Es gibt allerdings jemanden, der mir die tolle Story ganz gut verleidet hat. Und das ist ausgerechnet Stiffler höchstpersönlich! Manuelas Lehrmeister und der leitende Hauptkommissar im “Wassermann”-Fall.
Mir ist schon klar, dass die Figur sicher bewusst  so angelegt wurde, aber einen solchen Unsympathen ertrage ich einfach nur schwer durch eine ganze Geschichte hindurch.
Und Schwierigkeiten im Job und in der Ehe, die deshalb in die Brüche ging, und Vorkommnisse dieser Art sind für mich auch keine Entschuldigung oder etwas, weswegen ich Nachsicht üben würde. Deswegen muss man noch lange nicht überheblich, unfair, versoffen, eigenbrötlerisch und korrupt werden.

Für “Wassermanns Zorn” habe ich mich -für meine Verhältnisse- Zeit genommen. Alleine schon um die Schilderungen des Wassermanns richtig auf mich wirken zu lassen. Es lohnt sich! Aber auch, um mich immer mal wieder von Stiffler zu erholen. Da habe ich dann häufiger mal Pause gemacht. Passagen mit ihm zogen sich für mich ganz schln in die Länge. Dagegen lasen sich die mit Manuela und Frank angenehm leicht und unterhaltsam.

Das Cover unterschiedet sich deutlich von denen der Winkelmann-Thriller, die ich bisher gelesen habe. Da gab es ziemlich weiße Cover zu sehen. Mir gefällt aber die Szenerie hier sehr gut. Ein schöner Blick über einen verlassenen und unergründlichen See und darüber das Gewitter. Das wirkt bedrohlich und passt zum Titel. Und ja, ich mag auch die grünlich-blauen Farben. Farbig mag ich immer lieber.

Fazit: Auch mein dritter Winkelmann hat mir im Großen und Ganzen gefallen. Ein spannender Thriller, der einen das Schaudern lehrt. Besonders, wenn man wie ich kein allzu großer Wasser-Fan ist. Kommissar Stiffler hat mir den Genuss allerdings doch etwas verdorben. Bei einer Person mit einem solchen Verhalten und Charakter sträubt sich mir einfach das Fell 😉

Danke an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Wassermanns Zorn
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten: 416
Verlag: Rowohlt Wunderlich
ISBN: 978-3805250375
Preis: 14,95 (Broschiert)

 

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