Werretalhalle Löhne

[Veranstaltung] Lesung mit Christian Redl aus dem Magazin “Stern Crime”

Lange habe ich hier nichts mehr geschrieben, doch dieser Artikel liegt mir am Herzen.

Am vergangenen Donnerstag habe ich die Lesung mit Christian Redl in der Werretalhalle in Löhne besucht. Er las an diesem Abend aus dem Stern Crime Magazin. Das einzige Magazin, das ich regelmäßig lese und bei dem ich jeder Ausgabe entgegenfiebere. Somit war es selbstverständlich, dass ich die Lesung besuchen würde.
Christian Redl kannte ich bis dato gar nicht. Ich bin kein Fernsehgucker und die Hörbücher / Hörspiele in denen er mitwirkt, sind nicht mein Genre. Ich musste ihn also zunächst googeln. Das klingt nebensächlich, wird aber später noch wichtig.

 

Die Veranstaltung begann um 20 Uhr.
Sie begann damit, dass Christian Redl wort- und grußlos die Bühne betrat, seinen Platz einnahm und nach einem kurzen Intro auf einer Leinwand mit der Lesung begann.
Sie endete knapp 80 Minuten später damit, dass er ebenso wort- und grußlos die Bühne wieder verließ.
Das Publikum blieb zunächst noch einige Minuten sitzen, unsicher ob die Veranstaltung nun beendet war, oder nicht. Um mich herum rätselten einige Gäste.
Erst dann standen die ersten zögerlich auf und griffen nach ihren Jacken.
In diesem Moment betrat Christian Redl erneut die Bühne, das Publikum hielt inne, doch er nahm nur seine Unterlagen von dem Tisch, an dem er zuvor gelesen hatte und ging dann wieder von der Bühne.
Daraufhin machte sich das Publikum endgültig daran, seine Sachen zu nehmen und den Saal zu verlassen.

Ganz ehrlich, ich habe noch nie (und ich gehe seit Jahren zu Lesungen) eine solch unpersönliche Lesung erlebt.
Keine Begrüßung, keine Verabschiedung. Unhöflicher geht es nicht.
Ich habe aus der Reihe vor mir gehört, Christian Redl sei halt so.
Das mag ja sein, unhöflich ist es trotzdem!
Selbst wenn er diesen Part nicht übernehmen wollte, dann wäre es Sache des Veranstalters / der Halle gewesen, das Publikum kurz zu begrüßen und nachher zu verabschieden. Und vielleicht auch, zwei oder drei Sätze zur Veranstaltung zu sagen. Denn es saßen mehrere Leute im Publikum, die zB das Crime Magazin gar nicht kannten (das habe ich vor Beginn gehört). Und ich kann unmöglich die einzige gewesen sein, die Christian Redl nicht kannte. Auch in dieser Hinsicht wurde das Publikum schlicht “hängen gelassen”.

Die Lesung selber bestand aus ganzen zwei Artikeln aus dem Crime Magazin. Die meisten Artikel darin sind wirklich lang und 80 Minuten lassen sich mit zwei Artikeln leicht füllen. Allerdings gab es keine Pause zwischen beiden Artikeln, lediglich kurze Musikstücke und Bilder auf der Leinwand zu den Absätzen in den Artikeln. Vor allem aber nicht ein einziges Wort von Christian Redl dazwischen zum Publikum.
80 Minuten Zuhören strengt an, da kann der Text noch so gut gelesen sein. Christian Redl kann lesen, das spreche ich ihm nicht ab. Aber über diese Zeit hinweg ist das schon eine Hausnummer. Das sage ich, obwohl ich für meine Seite www.reziratte.de oft deutlich längere Hörspiele / Hörbücher höre. Doch da kann ich Pausen machen.
Ich muss gestehen, ich hatte mehr als zwei gelesene Artikel erwartet. Es gibt nämlich durchaus auch kürzere Artikel in dem Magazin. Das hätte alles vielleicht etwas aufgelockert.

Im Vorraum des Saales gab es einen kleinen Büchertisch mit CDs, auf denen Christian Redl zu hören ist.
Ein Pärchen vor mir fragte den Herren hinter dem Tisch, ob Christian Redl noch dorthin käme.
Die Antwort lautete tatsächlich, man hoffe es.
Daraufhin bin ich gegangen und habe mich schwarz geärgert, für diese Veranstaltung inklusive aller Gebühren und selbst ausgedrucktem (!)Ticket € 20,00 bezahlt zu haben.

Für mich war das in Summe ein mehr als enttäuschender Abend, der schon an Unverschämtheit grenzte.
Selbst die kleinsten Lesungen, die ich je besucht habe, waren persönlicher und sympathischer gestaltet.
Mir ist klar, dass Christian Redl nicht der Autor der Artikel ist, aber wären ein “Guten Abend, schön dass Sie heute hier sind.” und ein “Vielen Dank, dass Sie die Lesung besucht haben.” oder etwas in der Richtung wirklich zu viel verlangt gewesen? Und zwei, drei Sätze zu ihm und dem Maganzin? Selbst, wenn er dafür kein Mensch ist, wieso hat das dann nicht beispielsweise die wirklich sehr nette Dame von der Halle  übernommen, die die Karten kontrolliert hat?
Ich habe es nicht verstanden und verstehe es auch heute noch nicht…

[Veranstaltung] Der Tod – “Mein Leben als Tod” in der Werretalhalle Löhne

Vor einigen Wochen fuhr ich gemütlich durch Löhne und erspähte plötzlich ein Plakat, das irgendeine Veranstaltung mit dem Tod ankündigte.
“Mein Leben als Tod”? Konnte das sein? Falls ja, musste ich der Sache unbedingt nachgehen!

Gesagt, getan und siehe da: in der Werretalhalle in Löhne fand am 26.02.15 die Show “Der Tod – Mein Leben als Tod” statt.
Eine Show zum gleichnamigen Buch, das eigentlich schon geraume Zeit ein Plätzchen auf meinem Wunschzettel belegte.

Die Tickets waren bezahlbar und sogar noch verfügbar, also habe ich mir direkt eines gesichert.
Danach habe ich mir das Buch bestellt, schließlich will man ja vorbereitet sein 🙂

Über das Buch werde ich mich bald noch ausführlich in einer Rezi auslassen, aber kurz gesagt: eine tolle Idee, ein sympathischer Tod, aber ich hatte es mir lustiger vorgestellt.
Entsprechend gespannt war ich daher, wie lustig die Show sein würde.
Und würde der Tod signieren und sich auf ein Foto einlassen…?

Der Saal in der Werretalhalle war gemütlich eingerichtet mit Stuhlreihen und drei Reihen Sitzsäcke ganz vorne vor der relativ kleinen Bühne. Irgendwie stellt man sich bei dem Begriff “Show” ja etwas Größeres vor, aber so hatte es einfach etwas Uriges, was mir gut gefallen hat.

 

saecke

Während der Show waren Film- und Todaufnahmen leider verboten. Schade, aber daran sollte man sich halten.

todflagge

Das Bühnenbild 😉

Tja, wie hat mir die Show nun gefallen?
Überraschend gut!
Okay, das “Blühende Leben” als “Anheizer” hätte ich nicht gebraucht. Diese Gestalt, die aussah, wie vom Rosenmontag übrig geblieben. Aber immerhin hat die Idee ihren Reiz, dem Tod das “Blühende Leben” vorauszuschicken.

Als der Tod dann auf die Bühne kam und mit seiner Show begann war ich schnell versöhnt. Es macht halt manchmal doch einen Unterschied, ob man etwas Witziges liest oder vom Autoren bzw der Haupfigur erzählt bekommt. Einiges davon kannte ich aus dem Buch, doch es gab auch viele Passagen, die darin nicht vorkommen. Spass hat alles gemacht. Und einen singenden, Flöte spielenden und Gangnam-Style tanzenden Tod sieht man auch nicht jeden Tag. Oder nein, natürlich heißt es “Todi-Style”  😀
Seit der Show singe ich bei “Ein Stern, der deinen Namen trägt” außerdem  immer automatisch “Ein Stein, der deinen Namen trägt”.
Danke für den Ohrwurm, der sich wohl halten wird!

Optisch und vom Wesen her hatte ich mir den Tod bei Lesen genauso vorgestellt wie er sich auf der Bühne gibt. Nett, sympathisch, bemüht, sein und das Image seines Jobs aufzupolieren, und mit einem guten Schuss rabenschwarzen Humor gesegnet. Und ja, eigentlich so total normal.
Nur eine etwas tiefere, bedrohlichere Stimme hatte ich erwartet. Da habe ich im ersten Moment gestutzt, doch dann fand ich es niedlich.

 

Mein Lieblingszitat stammt aus einem Fanbrief an den Tod:

 

“Du hast mir meine Lieblingssängerin genommen: Amy Winehouse.

Du hast mir meinen Lieblingskomiker genommen: Loriot

Du hast mir meinen Lieblingsliteraturkritiker genommen: Marcel Reich-Ranicki

Nur zur Info: mein Lieblingsverein ist Bayern München!”

😀

 

Es gab aber auch noch massig andere Anlässe zum Lachen. Beispielsweise den Moment als der Tod einen Bund Radieschen aus der Tasche zog um zu zeigen, wie harmlos die von unten aussehen.  Stimmt eigentlich. Die Kids aus der ersten Reihe, die die Radieschen bekamen, sahen in der Pause ganz zufrieden aus wie sie da Gemüse knuspernd in der Eingangshalle standen.
Amüsant war auch der Blick in Todis Tagebuch und die Schilderung seiner ersten Flugreise. Es ist nicht leicht, eine Sense durch die Personenkontrolle zu bekommen. Und nicht jeder Passagier nimmt den Tod als Sitznachbar einfach so gelassen hin 😉
Doch, die Show hat richtig Spass gemacht!

Kostprobe gefällig? Ab Minute 3:00 besonders empfehlenswert!

 

Nach der Show war es dann soweit.

todsig

Todi signiert

buch

Ich freue mich!

mittodi

Danke auch dafür!

todallein

Bis zum Ende der Schlange gewartet für ein Model-Foto 😉

tisch

Eine tolle Aktion! – Auch ich habe gespendet!
(Ich ärgere mich im Nachhinein so sehr, keinen Beutel mitgenommen zu haben…)

 

Mir hat der Abend richtig gut gefallen und viel Spass gemacht! Und ich freue mich wie Bolle über die Fotos und das signierte Buch.
Ich kann die Show nur jedem empfehlen, der mit dieser Art von rabenschwarzen Humor etwas anfangen kann!

Wer den Tod besuchen möchte, kann das außerdem online tun:

endlich-tod.de

Der Tod auf Facebook

Tods Kanal auf youtube

 

 


 

Persönlich-Zwischenmenschliches von vor der Show
Der einzige Wermutstropfen war eine Gruppe im Publikum, die den Saal mit dem Schlachtruf “Nach vorne! Erste Reihe, in die Mitte!” stürmte. Als ich mich daneben setzten wollte, wurde ich angefahren: “Ich halte hier frei. Wir halten alle einen frei. Wir sind zu sechst.”
Und als ich daraufhin in einen Sitzsack wechselte, der beim Hinsetzen ein Stück rückwärts rutschte, schallte es: “Weiter vor! Ich kann meine Beine nicht lang machen!”
Und nein, das war nicht meine oder eine noch jüngere Generation, ganz im Gegenteil…
Ehrlich, man kauft ein Ticket für eine Show, man bucht nicht die ganze Halle.
Geärgert habe ich mich auch über die Dame vom Büchertisch, die ich vor der Show vor der Halle traf. Ich fragte freundlich, ob man schon reingehen dürfe oder ob man noch etwas frieren müsse.
Und bekam zur Antwort: “Natürlich kann man da schon rein. Steht doch an der Tür ‘Ziehen’…”
Ach ja. Wieso war ich da eigentlich nicht selber drauf gekommen?
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