Werwölfe

Mortal Kiss (02) – Wem gehört dein Herz (Alice Moss)

mortalkiss02Mit Finn für immer an ihrer Seite und den Ferien vor der Tür könnte für Faye eigentlich der beste Sommer ihres Lebens beginnen. Doch der Kampf gegen die uralten Kreaturen der Finsternis hat tiefe Spuren hinterlassen, nicht nur bei ihr. Lucas – Finns Halbbruder – verschwindet plötzlich spurlos, und Finn scheint das völlig egal zu sein. Erst als zwei unheimliche Fremde in der Stadt auftauchen und über die Motorradgang herfallen, wird ihm klar, dass die Dämonen längst ein neues Ziel im Visier haben. Gemeinsam mit seinen Männern nimmt er die Verfolgung auf, und auch Faye begleitet ihn. Sie ist sich sicher, dass Lucas in großer Gefahr schwebt. Doch das Grauen, das sie schließlich in den trostlosen Weiten der Wüste erwartet, übertrifft ihre schlimmsten Befürchtungen.

Wie man hier nachlesen kann, hat mich der erste Band dieser Trilogie nicht überzeugen können. Aber so schnell gebe ich nicht auf, also bekam Teil 2 noch seine Chance. Meine Erwartungen waren verständlicherweise nicht unbedingt hoch. Deshalb hat es mich überrascht, dass mir dieser zweite Teil deutlich besser gefallen hat als der Erstling.
Seit Band 1 war eine ganze Weile vergangen, deshalb hatte ich etwas Sorge, dass ich mich nicht so leicht wieder einfinden würde. Doch das ging erstaunlicherweise ziemlich flott. Schon nach wenigen Seiten hatte ich die wichtigsten Charaktere, Zusammenhänge und Ereignisse aus Band 1 wieder auf der Reihe. Gut, dass das so leicht ging, denn mit großen Vorreden oder Geplänkel hält sich die Geschichte nicht auf. Schon sehr bald steht fest, dass eine neue Bedrohung auf Faye und Finn lauert. Finns Halbbruder Lucas ist verschwunden und in den Wäldern tauchen seltsame Typen auf, die es auf die Werwölfe abgesehen  haben.
Finn und Faye müssen der Sache auf den Grund gehen. Dabei verwandelte sich die Geschichte zu meinem Erstaunen in ein kleines Road Movie, und auf solche Geschichten stehe ich ja total! Jedenfalls war ich sehr gerne mit den beiden im Auto unterwegs bei ihrer Suche nach Finns Bikerfreunden. Da ist Tempo drin und spannend ist es auch. Was war ich verblüfft als ich das Buch am ersten Abend zuschlug und feststellen musste, dass ich mich tatsächlich etwas geruselt hatte! Gewisse Ereignisse auf der Tour der beiden sind nämlich ganz schön eklig. Und gewisse Gestalten schlichtweg schaurig! Vielleicht nicht gerade neu, aber immerhin so gut in Szene gesetzt, dass sie eine Gänsehaut bereiten.
Finns und Fayes Entdeckung am Ende ihrer Fahrt fand ich dagegen etwas abgehoben. Nicht schlecht, denn ich mag halt Modernes in Geschichten, Experimente, Labore und verrückte Wissenschaftler. Aber es ist ein gewaltiger Schritt von der übersinnlich-romantischen Story hin zu solch einer Auflösung. Das wirkte nicht so ganz passig auf mich. Gefallen hat es mir trotzdem. Vor allem, weil man hier nochmal alle Gelegenheit hat, um Faye, Finn und ihre Liebe zu bangen. Dabei ist es schön gelungen, den Bogen zu bestimmten Ereignissen und Figuren zu schlagen, die in Band 1 von Bedeutung waren.
Fayes und Finns Liebe spielt natürlich wieder eine wichtige Rolle. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass sie sich in den Vordergrund drängt. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Handlung. Dennoch ist es unverkennbar, wie sehr die beiden sich lieben. Dabei wurde es -für mein Empfinden- aber nie wirklich kitschig. Ich denke, das lag daran, dass man hauptsächlich spürt, wie intensiv die Gefühle der beiden sind. An ihrem Verhalten, kleinen Gesten und daran, dass sie alles für einander in Kauf nehmen. Es gibt keine kitschigen Liebeschwüre en masse wegen denen es zwischen den Seiten hervortriefen würde.
Ich hatte das Buch an zwei Abenden ausgelesen. Wäre ich am ersten Abend nicht so müde gewesen, hätte ich es wohl in einem Rutsch geschafft. Die Kapitel sind kurz, die Schrift auffallend groß, es gibt wenige beschreibenden Passagen, dafür umso mehr Dialoge, das liest sich weg wie nichts. Dennoch gelingt es der Geschichte, Spannung und Grusel aufkommen zu lassen. Ich finde das bemerkenswert.

Nach dem weißen Cover von Band 1 wird es bei Band 2 düster. Mir gefällt das besser so 😉 So wirkt das Cover tatsächlich ein wenig schaurig. Um die beiden Gesichter kommt man natürlich nicht umhin und auch der Wolf ist wieder zu sehen. Sie alle stehen im Mittelpunkt der Geschichte, deshalb passt das gut zum Buch. Besonders schön finde ich die gestalteten Buchdeckel, die noch mehr von der Szenerie zeigen.

Fazit:  Wow! Mich hat Band 2 ehrlich überrascht! Die Geschichte nimmt an Fahrt auf. Sie hat Tempo, Spannung, Grusel und dezente Romantik mit an Bord. So darf die Reihe gerne weitergehen. Da sehe ich dann sogar über den schwachen ersten Teil hinweg!


Titel: Mortal Kiss (02) – Wem gehört dein Herz?
Autor: Alice Moss
Seiten: 240
Verlag: Egmont Ink
ISBN: 978-3863960278
Preis: € 14,99 (HC)

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I kissed a zombie and I liked it (Adam Selzer)

Die 18-jährige Alley Rhodes braucht kein »Twilight«, um zu wissen, wie das so läuft mit Vampiren. Schon vor Jahren sind Vampire, Werwölfe und andere untote Kreaturen aus ihren Särgen gekrochen und Teil ihres Alltags geworden. Ein Vampirfreund ist das ultimative Statussymbol, der Gothic-Look absolut in – doch nicht für Alley. Denn mal ehrlich: Wer will schon einen Kerl, der nie erwachsen wird? Der völlig egozentrisch ist und dabei auch noch launisch? Doch dann begegnet ihr Doug. Der ist vor vier Jahren gestorben, trägt immer noch denselben Anzug und erobert ihr Herz. Alleys Vorsätze sind dahin, und sie muss sich entscheiden, ob sie einen Zombie lieben kann.

Bei diesem Buch war es mal nicht das Cover, sondern der Titel, der mich ansprach. Ich halte Zombies immer noch für eine besondere Spezies inmitten der Vampire und Werwölfe in der Bücherwelt. Eine Liebesgeschichte mit einem Zombie war für mich obendrein ziemlich undenkbar. Diese Wesen kennt man ja doch eher als unappetitlich.
So gesehen bietet diese Geschichte also durchaus Erfrischendes.
Trotzdem hat sie bei mir einen sehr zwiegespaltenen Eindruck hinterlassen. Das liegt in erster Linie daran, dass ich zu Alley lange keinen Draht fand. Sie erzählt zwar ganz witzig, aber vom Wesen her war sie mir eine ganze Spur zu obercool, naseweis, großmäulig und arrogant. Allesamt Eigenschaften, die ich nicht schätze.
Da kam mir Zombie Doug ganz gelegen, denn indem dass sich Alley in ihn verliebt ändern sich ihr Verhalten und ihre Sichtweisen deutlich.
Verblüfft war ich allerdings auch. Alley kam mir zuvor nicht wie ein Mädchen vor, dass sich nur wegen gutem Aussehen und der Tatsache, dass ein Typ zwei ihrer Lieblingslieder singt, Hals über Kopf in ihn verliebt.
Und mehr bietet Doug auch nicht, wenn man es genau betrachtet. Er ist noch nett und aufmerksam, aber viel Charakter findet man bei ihm sonst nicht.
Ebenso vergeblich sucht man bei dieser Geschichte nach einer gewissen Romantik. Es muss für mich gewiss nicht zwischen den Seiten hervor triefen, aber wenn man so verknallt ist wie Alley es stets betont, dann wäre die eine oder andere romantische Passagen doch ganz passig und völlig gerechtfertigt!
Von Doug geht in dieser Hinsicht noch weniger aus. Aber dass er charakterlich so blass daher kommt wie seine Hautfarbe, das erwähnte ich ja schon. Wie soll so jemand Romantik heraufbeschwören?
Dennoch: ab Alleys und Dougs Lovestory kam ich mit der Geschichte wesentlich besser klar als zuvor. Das war viel wert, denn wäre sie so geblieben wie zu Beginn, hätte ich das Buch womöglich abgebrochen.

Da die 18jährige Alley selber erzählt, ist ein jugendlich-lockerer Erzählstil gegeben. Das macht das Lesen ausgesprochen leicht und die Geschichte liest sich so flott weg. Für einen Teenie-Roman ist das so ideal.

Mal ehrlich: Doug hat eine geradezu erstaunliche Ähnlichkeit mit einem gewissen glitzernden Vampir, oder? Wo ist bitte der in der Geschichte so oft erwähnte Gothic-Look? Nein, mit diesem Foto kann ich nichts anfangen. Da bekommt man mal etwas über eine noch wenig behandelte übersinnliche Spezies zu lesen und dann guckt einen vom Cover her ein Edward-Double an! Da hätte ich das Cover der englischen Version klar beevorzugt.

Fazit: Insgesamt eine ganz vergnügliche Lektüre für junge Fans von Geschichten um die Liebe zu einem übersinnlichen Wesen. Ich musste mich mit Alley erst anfreunden, was mich anfangs gut ausgebremst hat, aber vielleicht sind die jungen Leser ja weniger kritisch was ihre Darstellung anbetrifft. Dann dürfte nichts schief gehen.


Titel: I kissed a zombie and I liked it
Autor: Adam Selzer
Seiten: 240
Verlag: Piper Verlag
ISBN: 978-3492267878
Preis: 8,95 (TB)

Shadow Falls Camp (01) – Geboren um Mitternacht

Titel: Shadow Falls Camp (01) – Geboren um Mitternacht / Verlag: DAV / Spielzeit: ca. 445 min / Buch: C.C. Hunter / gelesen von: Anke Kortemeier

Inhalt: Im Leben der 16-jährigen Kylie geht alles schief: Nach der Scheidung ihrer Eltern, dem Tod der Großmutter und der Trennung von ihrem Freund wird sie in ein Camp für Schwererziehbare geschickt. Doch Shadow Falls ist kein normales Sommercamp hier entpuppen sich die Teenager als Vampire, Werwölfe, Hexen und Gestaltwandler. Als wäre das nicht schon verwirrend genug, kämpfen zwei aufregende Jungs um Kylies Herz. Doch bevor sie sich ihrem Liebesleben widmen kann, muss sie herausfinden, wer sie ist.


Mein erster Eindruck von dieser Geschichte war: ein “House of Night”-Klon. Dieser erste Eindruck hat sich für mich während des Hörens bestätigt. Es gibt nur geringfügige Abweichungen wie zB dass die Handlung nicht in einem Internat, sondern in einem Sommercamp spielt. Und dass nicht nur Vampire die Geschichte bevölkern, sonden außerdem auch noch Werwölfe, Gestaltwandler und Geisterseher. Das Schema sonst ist auffallend ähnlich. Ein junges Mädchen gerät aufgrund eines Zwischenfalls unter das übersinnliche Volk, kann kaum glauben, was es hier erlebt und noch viel weniger, dass es selber dazu gehört. So geht es auch Kylie und den größten Teil dieser Geschichte nimmt auch genau dies ein. Kylie kommt in das Camp und kann sich mit all dem Neuen nur schwer abfinden. Sie glaubt nicht, dass sie etwas Besonderes ist, und findet auch nur schwer Anschluss im Camp. Zudem läuft es bei ihr zuhause gerade nicht sonderlich gut und so ganz nebenbei buhlen noch diverse übersinnliche und nicht übersinnliche Jungs um ihre Zuneigung. Ich gebe zu, ich habe mich sehr lange gefragt, wann denn hier endlich mal etwas geschieht. Darauf muss man bis CD 5 warten! Aber ich habe mich bis dahin wirklich gut unterhalten gefühlt. Mir gefällt es, dass hier verschiedene übersinnliche Wesen mitmischen, das bietet eine gewisse Brisanz und Abwechslung. Und wenn es spaßig ist, dann mag ich auch solche Teenie-Stories um Freundschaft, Liebe und Eltern-Probleme. Und gerade im Vergleich mit “House f Night” sehr wichtig für mich: man wird nicht mit irgendwelchen öden Ritualen gelangweilt. Es ist im Gegenteil eigentlich immer etwas los. Und für das Geschehen am Ende hat es sich auch gelohnt bis dahin durchzuhalten. Denn das verspricht durchaus mindestens eine interessante Fortsetzung.

Anke Kortemeier habe ich hier zum ersten Mal in einem Hörbuch gehört. Mir hat sie für diese Geschichte gut gefallen. Ihre Stimme klingt passend jugendlich und sie hat gerade in den Dialogen auch den passenden Teenie-Tonfall für jede Situation auf Lager. Die Variationen mit denen sie den Charakteren ihre Stimmen verleiht sind dabei zwar ziemlich dezent, aber sie funktionieren trotzdem prima. Ich habe immer gewusst, wen sie gerade spricht. Es muss also nicht immer sowas von markant sein. Feine und gute Nuancen erzielen die gleiche Wirkung. Sie klingen in meinen Ohren sogar besser!

Das Covermotiv gibt jetzt zugegebenermaßen nicht viel her. Das Camp befindet sich in bzw  nahe einem Waldgebiet und im Zentrum der Geschichte steht das Mädchen Kylie. Ein Baum und ein Mädchen sind da also eine ganz passende Wahl. Immerhin mal kein Gesicht! Danke! Ich mag außerdem das Farben- und Lichtspiel, das dem Bild einen mysteriösen “Anstrich” gibt.

Fazit:  Die Anleihen bei Genre-Kollegen wie “House of Night” sind nicht zu leugnen. Sie sind bis in Details unübersehbar vorhanden. Mir gefällt “Shadow Falls Camp” trotzdem besser, da man hier eine bunt gemischte übersinnliche Truppe antrifft, die einfach sympathisch ist. Und weil es -zumindest bisher- locker und unterhaltsam zugeht. Ich bin auf die nächsten Teile gespannt und solange die Geschichten um das “Shadow Falls Camp” so munter und vergnüglich sind, bleibe ich der Reihe treu.

Rezension – Schattenblüte (02) – Die Wächter

Silvester in Berlin. Noch einmal sind Luisa und Thursen zurückgekehrt in den Wald. Dorthin, wo ihre Liebe begann, als Thursen noch ein Werwolf war. Luisa möchte den Tod ihres Bruders hinter sich lassen, endlich wieder glücklich sein. Doch die Vergangenheit holt sie ein: Während überall ausgelassen gefeiert wird, stoßen sie auf eine übel zugerichtete Leiche. Thursen weiß sofort: Dafür ist einer der Wölfe aus seinem alten Rudel verantwortlich. Während er immer öfter im Wald verschwindet, bleibt Luisa allein zurück. Dann lernt sie Elias kennen. Ist ihre Liebe zu Thursen stark genug? Luisa ahnt nicht, dass Thursen und Elias ein schreckliches Geheimnis verbindet

Nachdem mir Band 1 nicht gefallen hatte, hatte ich große Hoffnungen in diese Fortsetzung gesetzt. Allerdings hatte ich nicht dran geglaubt, dass sie erfüllt werden würden. Umso überraschender, dass genau dies doch zutraf. “Die Wächter” hat mir bedeutend besser gefallen als der Vorgänger.
Dafür gibt es einige ganz wesentliche Gründe. Zunächst mal hat dieser Teil den berühmten “roten Faden”, der mir bei Band 1 gefehlt hat. Er ist gleich in vielerlei Hinsicht spannend. Da ist zB die Frage, wie sich Luisas und Thursens Liebe entwickelt, der hier unter keinem allzu guten Stern steht. Thursen hat wenig Zeit für Luisa und diese lernt auch noch denn netten Elias kennen. Nachdem sich Thursen und Luisa anfangs geschworen haben, von nun an alle gemeinsam durchzustehen, habe ich gut mit Luisa mitgelitten, wenn Thursen sie mal wieder versetzte oder ihr gegenüber nicht offen und ehrlich war. Da konnte ich sogar mal Luisas gelegentliche Ausraster nachvollziehen.
Überhaupt Elias! Plötzlich ist da ein zweiter Junge, mit dem Luisa eine Freundschaft verbindet und der obendrein ausgesprochen attraktiv ist. Da kommt natürlich die Frage auf, ob sich hier nicht mehr entwickeln könnte. Vor allem weil Thursen Luisa ganz gut alleine und im Stich lässt. Dieses Element erhält natürlich noch dadurch zusätzlich an Brisanz, dass Elias der Erzfeind der Werwölfe ist. Das weiß Luisa jedoch nicht. Der Leser dagegen schon.
Dann hätten wir da den Handlungsstrang um Luisas werwölfischen Werdegang, denn der hat mit ihrer ersten Verwandlung in Band 1 unweigerlich begonnen. Durch eine erzwungene zweite Verwandlung spürt sie nun immer häufiger den Wolf in sich und obwohl man ahnt, was geschehen wird, will man es nicht so recht glauben bzw hofft, dass es doch nicht passiert. Vor allem, weil Thursen ja nun ganz Mensch ist.
Selbstverständlich birgt auch die Handlung um die Morde im Wald einiges an Spannung. Was ist in Thursens altem Rudel geschehen? Was bezwecken die Wölfe mit diesem Verhalten? Und in wieweit betrifft dies auch noch den menschgewordenen Thursen?
All diesen Fragen wird in diesem Band kontinuierlich nachgegangen, was mir sehr gut gefallen hat. Das ist spannend und abwechslungsreich und ergibt eine sehr dichte Handlung insgesamt, der ich neugierig gefolgt bin.
Auch mit Luisa konnte ich in diesem Teil mehr anfangen, weil sie mir erwachsener erschien. Keine kindisch-jähzornigen Ausbrüche mehr, kein ewiges Weg- und Hinrennen von und zu Thursen, nicht auf jeder zweiten Seite der gleiche Katzenjammer um den verstorbenen Bruder. Natürlich trauert sie noch, aber es wirkt wie gesagt erwachsener und ist auch nicht mehr so oberflächlich. Im Gegenteil, man bekommt sogar ganze Szenen mit Fabi beschrieben, so dass er greifbarer ist und man Luisas Trauer besser nachvollziehen kann. Zudem eröffnet sich für Luisa und ihn hier eine ganz neue und interessante Möglichkeit, bei der ich gespannt bin, ob sie im nächsten Band weitergesponnen wird.
Das einzige, was mich noch etwas gestört hat, das sind die Passagen im Wald bzw die Schilderungen davon. Ich weiß, wie ein Wald aussieht. Ich brauche keine absatzlangen Beschreibungen von Schatten, Blätterrascheln und Zweigeknacksen usw. Das kann man kürzer halten. Da bin ich immer in Versuchung, diese Szenen großzügig zu überspringen. Dafür ist die Handlung hier auch einfach zu spannend um sich mit solcherlei Naturerscheinungen länger zu befassen 😉

Ich habe zwei Abende für das Buch gebraucht. Es liest sich so leicht wie Band 1 und ist obendrein durch den Wechsel zwischen Luisa und Elias als Erzähler abwechslungsreich geschrieben. Luisas Kapitel sind oft realtiv lang, so dass man schon mit einem Kapitel einen -im Verhältnis- ordentlichen Teil des Buches geschafft hat.

Das Covermotiv fällt bei Band 2 deutlich heller aus als beim Vorgänger. Schade, mir hat das von Band 1 besser gefallen. Auch wenn die schwarze Blüte wieder zu sehen ist und das Mädchen angemessen  nachdenklich und geheimnisvoll dreinschaut.

Fazit: Wow! Eine 360-Grad-Wendung im Vergleich zu Band 1. Eine wesentliche erwachsener wirkende Luisa, mit der ich endlich mitfühlen konnte, und Spannung gleich auf mehreren Ebenen. So gehört sich das! 😉 Das macht Lust auf Band 3!

Danke an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Schattenblüte (02) – Die Wächter
Autor: Nora Melling
Seiten: 320
Verlag: Rowohlt Polaris
ISBN: 978-3862520107
Preis: 14,95 (Broschiert)

Schattenblüte (01) – Die Verborgenen (Nora Melling)

Eine Liebe, stärker als der Tod
Seit dem Tod ihres Bruders ist für Luisa nichts mehr, wie es war. Sie beschließt zu sterben. Aber kurz vor dem letzten Schritt hält jemand sie auf: Thursen nennt sich der Junge mit den ­geheimnisvollen Schattenaugen. Mit einer Gruppe ­Jugendlicher lebt er im Wald, und er spürt Luisas Schmerz. Die «Verborgenen» können ihre Gestalt ändern: Sie sind ­Werwölfe. Mit jeder Verwandlung wird Thursen mehr zum Tier – und die Erinnerungen an sein vorheriges Leben verblassen. Bald wird er ganz Wolf sein. Dann hat Luisa auch ihn verloren. Für ihre große Liebe ­würde sie alles tun. Doch reicht das, um Thursen zu retten?

Werwölfe. Mein Instinkt hatte mich gewarnt. Aber ich bin ja ein optimistischer Mensch (jedenfalls meistens ;)) und hoffe so jedes Mal aufs Neue, mal wieder eine andersartige Geschichte in diesem Genre anzutreffen.
Die Werwölfe waren auch gar nicht mein Problem an dieser Geschichte. Ganz im Gegenteil: Werwölfe mitten in Berlin, der Gedanke hat mir gefallen. Das würde meine Lieblingsstadt glatt noch attraktiver machen 😉
Mein erstes Problem war Luisa selber. Ja, sie hat ihren kleinen Bruder verloren, den sie sehr geliebt hat. Ihre Eltern ziehen mit ihr weg, so dass sie nicht mal einen Ort zum trauern hat, und sie spielen verbissen heile Welt. Dabei übersehen sie ganz, wie sehr Luisa leidet. Das ist alles sehr traurig, ganz ohne Zweifel.
Allerdings hatte ich Luisa ihre Trauer schon nach einem Drittel des Buches abgenommen und Mitgefühl mit ihr gehabt. Dass diese Trauer alle paar Seiten neu aufgekocht und thematisiert wird, das ging mir irgendwann auf die Nerven. Dabei habe ich Luisa sonst durchaus auch als stark und selbstbewusst empfunden. Der Eindruck, dass sie leidet und trauert verliert sich beim Lesen doch nicht, nur weil er nicht immer wieder aufgefrischt wird!
Solche Widersprüchlichkeit in Luisas Wesen zeigt sich aber auch an anderer Stelle. Nämlich wenn sie Thursen zum x-ten Mal androht, jetzt für immer zu gehen…und dann nach maximal fünf Seiten wieder zu ihm rennt. Was der übrigens gar nicht verdient, denn ER macht ganz sicher die wenigsten Fehler von den beiden.
Der wesentliche Knackpunkt für mich war jedoch die Story an sich. Mir fehlte bei ihr der berühmte rote Faden. Um was genau geht es in der Geschichte? Mal dreht sich alles um Luisas Trauer, mal um die Liebe zwischen ihr und Thursen, die so hoffnungslos ist. Dann besteht plötzlich die Gefahr für Luisa, sich den Wölfen anzuschließen. Dann wieder forscht sie nach Thursens Vergangenheit und seinem richtigen Namen, der ihn eventuell von seiner Existenz als Werwolf erlöst. Dann stößt ein neues Mädchen zum Wolfsrudel und alles dreht sich um sie. Dann wird ein Wolf getötet und das Rudel sinnt auf Rache. Dann, dann, dann. Zig angefangene Handlungsstränge, die aber nie zusammenlaufen um ein Ganzes zu ergeben und von denen auch nur einer wenigstens vorläufig abgeschlossen wird.
Natürlich werde ich auch Band 2 lesen, und hoffe sehr, dass dann alle diese Enden verknüpft werden. Sie sind ja nicht uninteressant, wirken in Band 1 aber einfach unausgegoren. Ich erwarte bei einem Mehrteiler kein abschließendes am Ende von Teil 1, aber mit so vielen “Anfängen” habe ich mich verloren, verwirrt und auch leicht verärgert zurückgelassen gefühlt.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass es mir auch ein wenig an Romantik und Liebe gefehlt hat. Dass sich die beiden ohne ein Wort, nur durch einen Blick und eine Berührung unsterblich verlieben, okay. Das ist wohl so, wenn man plötzlich einem Werwolf, Vampir etc gegenübersteht. Von mir aus! Aber so verliebt sie sind…gefühlt habe ich davon später nur selten etwas. Es muss nicht zwischen den Seiten heraustriefen, aber eine gewisse Romantik gehört zu einer Liebesgeschichte.

Luisa erzählt selber von ihrer Liebe zu Thursen und den Abenteuern, die sie mit und wegen der Werwölfe erlebt. Das sorgt dafür, dass der Ton jugendlich ist. Zudem gelingt es so besonders gut, dem Leser Luisas Gefühlswelt zugänglich zu machen. Zu Beginn der Kapitel sind jeweils eine Blüte und schwarze Vögel abgedruckt, was mir gefallen hat. Solche Kleinigkeiten werten ein Buch (und manchmal auch eine Geschichte) für mich immer etwas auf. Fest gebunden ist das Buch nicht. Das Cover ist zwar stabil, aber noch flexibel.

Das Covermotiv gefällt mir sehr gut, weil es so düster gehalten ist. Die grau-schwarze Blüte, das blasse Gesicht mit dem eindringlichen Blick unter kohlschwarzen Wimpern, das hat was! Soweit ich mich erinnere, ist Luisa allerdings blond…
Die Tropfen und der Titelschriftzug sind leicht erhaben eingeprägt. Auch das mag ich bei Covers immer sehr.

Fazit:  Ich hoffe, im zweiten Teil werden die hier begonnenen Handlungsstränge weitergeführt, vertieft und schlüssig beendet. Mir hat in diesem ersten Teil einfach ein roter Faden gefehlt. Zudem konnte ich mich mit Luisa nicht richtig anfreunden. Mir sind ihre Handlungen und ihr Wesen zu widersprüchlich. Und bitte, liebe Luisa, das mit deinem Bruder tut mir sehr leid. Das wird auch bei Band 2 noch so sein. Es muss also nicht wieder ständig widerholt werden.

Danke an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Schattenblüte (01) – Die Verborgenen
Autor: Nora Melling
Seiten: 352
Verlag: Rowohlt Polaris
ISBN: 978-3499254468
Preis: 14,95 (HC)

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