Wulf Dorn

Die Kinder (Wulf Dorn)

Auf einer abgelegenen Bergstraße wird die völlig verstörte Laura Schrader aus den Trümmern eines Wagens geborgen. Im Kofferraum entdecken die Retter eine grausam entstellte Leiche. Als die Polizei den Psychologen Robert Winter hinzuzieht, wird dieser mit dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere konfrontiert: Die Geschichte, die Laura Schrader ihm erzählt, klingt unglaublich. Doch irgendwo innerhalb dieses Wahnkonstrukts muss die Wahrheit verborgen sein. Je weiter Robert vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Gefahr, vor der Laura Schrader warnt, weitaus erschreckender ist als jeder Wahn.

Was habe ich auf dieses Buch gewartet! Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Jahre es schon her ist, dass ich auf einer Buchmesse beim Verlag gefragt habe, wann es erscheinen würde. Es war so ewig lange angekündigt. Und dann gab es endlich einen Termin und schon hatte ich es vorbestellt und darauf hin gefiebert.
Vielleicht hätte mich der Titel skeptisch werden lassen sollen. Denn ich gehöre -das gebe ich ehrlich zu- nicht zu den Menschen, die sich für Kinder allzu sehr begeistern können. Andererseits habe ich schon einige Krimis und Thriller gelesen, in denen Kinder eine wichtige Rolle gespielt haben. Und die haben mir trotzdem gefallen. Genauso wie ich Horrofilme mit Kindern immer besonders schaurig finde. Daher denke ich nicht, dass ich dem Buch mit Vorsicht hätte begegnen sollen.
Es begann dann auch zu 100 % nach meinem Geschmack mit dem nächtlichen Unfall auf der regennassen Bergstraße und dem grausigen Fund im Kofferraum des verunfallten Wagens. So hätte es gerne weitergehen dürfen.
Leider tut es das aber keineswegs. Grundsätzlich gefiel mir die Idee der Story ganz gut. Die Kinder, die sich so seltsam verhalten, die verschwundenen Menschen, die teilweise apokalyptisch anmutende Szenerie, doch das hat schon etwas. Das würde schon fast für einen Horrofilm reichen. Ausreichend blutig geht es dafür ebenfalls zu, was mir auch ganz gut gefallen hat.
Mein Problem mit “Die Kinder” ist ganz einfach, dass es auf mich wirkt, als habe Wulf Dorn nicht recht gewusst, welches Genre er damit bedienen möchte, was er damit beim Leser bewirken möchte. Will er nun darauf aufmerksam machen, wie schlecht es vielen Kindern auf der Welt geht? Und dass man, wenn man auf der sonnigeren Seite des Lebens aufgewachsen ist, vielleicht etwas dazu beitragen sollte, dass es ihnen ebenfalls besser geht? Soll das Buch also mit diesen erschreckenden Kapiteln gesellschaftskritisch sein und aufrütteln?
Oder soll es doch ein Thriller sein, wie es die Szene am Anfang mit dem Unfall verheißt? Das wäre mir ja am liebsten gewesen, jedoch bleibt davon im wieteren Verlauf am wenigsten übrig.
Oder soll es Richtung Horror, Mystery und Fantasy gehen? Auch das ist absolut denkbar! Es gibt zahlreiche Passagen, die dazu passen würden. Und ich hätte da auch gar nichts dagegen, wenn nicht auf dem Cover ausdrücklich “Thriller” stehen würde. In einem Thriller hat für mich Übersinnliches nichts verloren. So cool ich das sonst auch immer finde.
Diese Frage danach, was die Story mir sagen soll, was sie sein will, hat mich also schon beschäftigt. Aber dieses “Unetnschlossene” hat auch dazu geführt, dass ich sie mich nicht wirklich gefesselt hat. Die einzelnen Kapitel zum Teil schon, das Große und Ganze jedoch leider nicht. Auf die Auflösung war ich allerdings sehr gespannt und ich hoffte, dass alles spätestens dann schlüssiger werden würde.
Und dann kam die Auflösung und ich konnte einfach nur den Kopf schütteln. Jetzt also auch noch ein mahnender Zeigefinger zum Thema Umwelt(bewusstsein)? Die nächste Theroie darüber, was “Die Kinder” eigentlich sein möchte? Und davon mal abgesehen: solch eine Erklärung für die Vorkommnisse wie in dieser Geschichte, welcher Leser, der alle Sinne beieinander hat, soll dem Autoren das bitte abkaufen? Selten so etwas Hanebüchenes gelesen…

Durch die Schauplatzwechsel liest sich “Die Kinder” erfreulich leicht und flüssig weg. Mit allzu vielen Charakteren hat man es auch nicht zu tun. So bleibt alles schön übersichtlich, was meinem Lesefluss ebenfalls immer gut tut. Mit jedem Kapitel kommt man ein gutes Stück voran, sodass ich mir irgendwann gesagt habe: ach, es sind nur noch drei Kapitel, die schaffe ich nun auch noch. Und schon war ich an nur einem Abend fertig mit dem Buch.

Optisch gefällt mir das Buch ausnehmend gut. Wunderbar finster mit blutroter Schrift, das alleine macht es schon zum Hingucker. Die gesichtslose Reihe Kinder darunter macht neugierig und wirkt auch ein bisschen unheimlich. Rundum stimmig also und genau mein Geschmack.

Fazit:  Ich muss zugeben, ich bin von “Die Kinder” ziemlich enttäuscht. Es ist kein Thriller, keine Horrorgeschichte, keine Fantasyerzählung, kein Umweltkrimi, sondern einfach nur ein unausgegorenes Gemisch aus allem. Es hat seine schaurigen und erschreckenden Momente, ohne Zweifel, reicht in dieser Hinsicht aber absolut nicht an andere Thriller von Wulf Dorn heran. Abgesehen davon , hat für mich hat Übersinnliches in einem Thriller nichts verloren. Ich habe bis zum Schluss auf eine Auflösung gehofft, die alles ohne übersinnlichen Einschlag erklärt. Stattdessen kam eine Auflösung, bei der ich mich schon fast für dumm verkauft gefühlt habe. Selten so etwas Unglaubwürdiges gelesen. Und so einfach gestrickt nach dem ganzen Hin und Her zuvor. Schade, so schade! Ich hatte mich so auf das Buch gefreut…


Titel: Die Kinder
Autor: Wulf Dorn
Seiten: 320
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453270947
Preis: € 16,99

Die Nacht gehört den Wölfen (Wulf Dorn)

Die Nacht gehört den Wölfen (Wulf Dorn)Seit dem tödlichen Autounfall seiner Eltern, den er selbst miterlebt hat, leidet Simon unter Albträumen und Angstzuständen. Nach einem Psychiatrieaufenthalt zieht er zu seiner Tante und seinem Bruder, aber es fällt ihm schwer, sich in seinem neuen Leben zurechtzufinden. Vor allem, als er feststellen muss, dass seine schlimmen Träume Wirklichkeit werden: Etwas Böses scheint im Dunkel, das Simon umgibt, erwacht zu sein. Und das Verschwinden eines Mädchens ist erst der Anfang.

Auf dieses Buch habe ich so lange gewartet. Es war mal auf Amazon gelistet, sogar mit VÖ-Termin, doch daraus wurde dann nichts. Danach hatte ich die Hoffnung schon fast ganz aufgegeben, und dann erschien es doch noch. Ich lese sowohl die Thriller für Erwachsene von Wulf Dorn, als auch seine Jugenthriller. Und die kommen bei mir immer nochmal besser weg. Daher wurde “Die Nacht gehört den Wölfen” direkt verschlungen. An nur einem Abend!
Große Vorreden gibt es nicht. Man erfährt sehr schnell, was Simon bzw ihm und seiner Familie zugestoßen ist, und er tat mir auf Anhieb leid. Erst recht als man ihn zu seiner Tante verfrachtet, über die er kaum etwas weiß. Und auch, wenn die beiden anfangs ihre Schwierigkeiten haben, so mochte ich beide doch auf Anhieb wirklich gerne. Das ist nicht immer so. Regulär hat eine Figur, die sich mal ungerechtfertigt daneben benimmt, bei mir automatisch verloren. Doch in Simons und Tilias Situation konnte ich das gut nachvollziehen. So ging es mit den beiden und mir gleich gut.
So richtig packte mich die Geschichte dann aber erst als ein Mädchen verschwindet. Und als Simon Caro kennenlernt. Beides sind wichtige Elemente in der Geschichte. Die Suche und das Rätsel um das verschwundene Mädchen sind sehr spannend und laden zum Mitknobeln ein. Ich habe immer wieder versucht, mir einen Reim auf das Geschehen und Simons und Caros Entdeckungen zu machen. Das macht Spass und hält bei Laune. Caro mauserte sich außerdem schnell zu meiner Lieblinsgfigur. Ich mag solche resoluten, eigensinnigen, verwegenen und mutigen Mädchen einfach total gerne. Dreimal lieber als solche Handtäschchen-Nagellack-Girlies. Geh mir weg!
Dass mir besonders Simons und Caros Ausflug in das leerstehende Waldhotel gefallen hat, dürfte niemanden wundern, der ein wenig über meine anderen Hobbies weiß. Hach, was war ich neidisch! Solch einen Ort möchte ich irgendwann auch mal erkunden: wo alles noch heile und vorhanden und so wunderbar schaurig ist…ein Traum für jeden, der gern samt Kamera an verlassenen Orten herumstromert.
Nach und nach ereignen sich immer mehr seltsame Vorkommnisse und ich wollte irgendwann einfach nur noch wissen, wie das alles zusammenpasst. Trotzdem beschloss ich, eine Pause beim Lesen zu machen und schlafen zu gehen. Ich habe kein Augen zugekriegt, so dringend wollte ich wissen, wie es weitergeht. Also schnell das Licht wieder angeknipst und weitergeschmökert.
Über die Auflösung werde ich natürlich nichts verraten. Nur soviel: wer schon mal einen Jugendthriller von Wulf Dorn gelesen hat, dem dürfte das sehr bekannt vorkommen. Mich hat das aber genau deshalb überrascht, weil ich nicht gedacht hätte, dass es in diese Richtung geht. Ich habe am Ende tatsächlich wie vom Donner gerührt dagesessen. Das hatte ich so klar nicht erwartet. Genau deshalb hat es mir aber so gut gefallen. Und es ist einfach zu 100 % nach meinem Geschmack.

Die Seiten flogen bei diesem Buch nur so dahin. Bei der spannenden Handlung ist das kein Wunder, doch auch die meist knackig kurzen Kapitel haben dazu gut beigetragen. Ach, eins noch…na gut, noch eins…ach, bis zur nächsten runden Kapitelzahl…und so weiter und so fort. So ging es mir und irgendwann konnte ich schon rückwärts zählen und dachte, dass ich den Rest nun auch noch schaffen würde. In der Geschichte und den meist recht kurzen Kapiteln steckt so viel Tempo, dass es einen beim Lesen einfach mitreißt.

Ich würde lügen, wenn ich schrieben würde, dass mir das Cover super gut gefällt. Ich mag den Kontrast der Farben zu einander. Das Rot und das Weiß zu dem Schwarz, das hat was. Blutig rot passt außerdem eh gut zu einem Thriller. Doch in dem Motiv hätte ich ohne den Titel sicher keinen Wolf erkannt.

Fazit: Auf Wulf Dorns Jugendthriller gehört ein offizieller Warnhinweis, dass sie zu durchwachten Nächten und verpennten Folgentagen führen können. Ich fand “Die Nacht gehört den Wölfen” super spannend und hier und da auch wunderbar gruselig. So gruselig, dass ich nach dem Lesen mal wieder leicht bange durch die dunkle Wohnung gelaufen bin. Das Ende ist absolut nach meinem Geschmack, und solche Auflösungen werden mir sicher nie langweilig werden. Wer schon einen Jugendthriller von Wulf Dorn gelesen hat, dürfte einiges in den “Wölfen” wiederfinden.


Titel: Die Nacht gehört den Wölfen
Autor: Wulf Dorn
Seiten: 464
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570163979
Preis: € 14,99 (Broschiert)

Phobia (Wulf Dorn)

phobiaEine Dezembernacht im Londoner Stadtteil Forest Hill. Sarah Bridgewater erwacht, als sie ihren Mann überraschend früh von einer Geschäftsreise nach Hause kommen hört. Doch der Mann, den sie in der Küche antrifft, ist nicht Stephen. Er trägt jedoch den Anzug ihres Mannes, hat dessen Koffer bei sich und ist mit Stephens Auto nach Hause gekommen. Der Fremde behauptet, Stephen zu sein, und weiß Dinge, die nur Sarahs Mann wissen kann.
Für Sarah und ihren sechsjährigen Sohn Harvey beginnt der schlimmste Alptraum ihres Lebens. Denn der Unbekannte verschwindet ebenso plötzlich wieder, wie er bei ihr aufgetaucht ist, und niemand will ihr glauben. Nur ihr Jugendfreund, der Psychiater Mark Behrendt, kann ihr jetzt noch helfen. Ein psychologisches Duell mit dem Unbekannten beginnt. Und von Stephen Bridgewater fehlt weiterhin jede Spur.

Wie hatte ich mich auf den neuen Roman von Wulf Dorn gefreut! Schon Tage vor der offiziellen VÖ bin ich durch Buchläden getigert in der leisen Hoffnung, dass es ein Händler mit diesem Datum nicht ganz so genau nehmen würde. Meine Hochachtung: alle in der Gegend hier haben sich daran gehalten!
Als ich es dann endlich in Händen hielt, wurde es natürlich sofort gelesen. Das Cover versprach schon eine schauerliche Geschichte und der Klappentext klang ebenfalls verheißungsvoll.
Die Grundidee ist auch wirklich klasse und erschreckend. Man stelle sich das mal vor: da kommt eines Tages ein völlig Fremder nach Hause, gibt sich für den eigenen Ehemann aus und nistet sich im Haus ein. Ich konnte mich in Sarahs Entsetzen und in ihre Angst wirklich gut hineinversetzen. Einen größeren Schrecken kann es wohl kaum geben.
Natürlich versucht Sarah, sich und ihren Sohn in Sicherheit zu bringen und herauszufinden, wer der Fremde ist, was er von ihr will, wieso er sich als ihr Ehemann ausgibt und wo ihr tatsächlicher Mann ist. Zusammen mit einem alten Freund – Mark Behrendt, Dorn-Fans kennen ihn bereits aus “Trigger”- macht sie sich daran, nach Antworten zu suchen. Aus dieser Suche zieht “Phobia” den Großteil seiner Spannung. Wobei ich finde, dass die Geschichte nach dem starken Anfang deutlich an Spannung verliert. Darüber war ich ziemlich enttäuscht, das kenne ich von Wulf Dorns Büchern sonst nicht. Tatsächlich gibt es in “Phobia” nur eine Szene, die ich so gruselig fand, dass ich nach dem Lesen ungern durch die halbdunkle Wohnung geangen bin. Das ist im Vergleich äußerst wenig.
Dass ich “Phobia” nicht durchweg nägelknabbernd spannend finde, liegt daran, dass man diesen Psychopathen nach und nach recht gut kennenlernt. Das hat mir den Schrecken vor ihm genommen, den er mir anfangs eingejagt hat. Ich hatte dann darauf gebaut, dass seine Motivation für sein Tun schauderhaft sein würde. War sie aber leider nicht, und sonderlich innovativ genauso wenig. Außerdem nahm mir dieses Kennenlernen des Täters die letzte Hoffnung darauf, mit Sarahs Geisteszustand könnte etwas nicht stimmen. So etwas trifft man in Wulf Dorns Büchern ja sonst ganz gerne mal an. Ich liebe sowas und hatte sehr darauf gehofft, es in “Phobia” wieder anzutreffen.
Wie um den wenig spannenden Mittelteil irgendwie auszugleichen, kommt die Auflösung mit einem Szenario daher, das vor Grauen, Blut und sonstigen Körperflüssigkeiten trieft. Dagegen habe ich regulär nichts einwenden, nur kenne ich von Wulf Dorn gewitztere Enden, bei denen man gut mitdenken muss und die einen überraschen, statt zu ekeln. Erst auf den letzten Seiten hat mich “Phobia” an zwei Stellen daran erinnern, aber das war mir doch zu wenig. Das Ende des nächsten Thrillers darf meinetwegen wieder mehr Köpfchen haben, statt so roh daherzukommen.
Zuletzt wundere ich mich noch darüber, dass “Phobia” in London spielt. So viele Autoren haben bisher bewiesen, dass Thriller sehr gut in Deutschland spielen können. Wulf Dorn ist für mich da in vorderste Reihe mit dabei! Warum dann dieser Ausflug?

Eines ist aber auch bei “Phobia” wieder so, wie ich es von Dorns vorigen Büchern kenne: es liest sich wie geschnitten Brot. So ging es auch ganz zügig durch die Mitte, die mich nicht so recht fesseln konnte. Wäre die obendrein noch umständlich geschrieben und mühsam zu lesen gewesen, dann hätte ich wohl irgendwann die Segel gestrichen oder den einen oder anderen Absatz übersprungen. Die Kapitel sind wahre Häppchen, da flitzt man als geübter Leser nur so hindurch.

Das Cover fand ich schon beim ersten Sehen toll! Puppen sind eh nicht unbedingt Meins, solch altmodische Puppen schon mal gar nicht. Und mit den Verunstaltungen und leeren, finsteren Augenhöhlen sieht sie ganz schön gruselig aus.

Fazit:  Die Idee der Geschichte finde ich immer noch toll und sie lässt sich so wirklich gut an! Dadurch, dass man den Psychopathen aber bald recht gut kennenlernt, ließ die Spannung bei mir aber schnell nach. Und seine Gründe dafür, dass er sich als Sarahs Ehemann in’s Haus einschleicht, fand ich weder erschreckend, noch neuartig. Das Finale war mir zu brutal, zu roh, jedenfalls wenn man die gewieften Enden von Wulf Dorns übrigen Romanen kennt. Daran konnten auch zwei Fingerzeige ganz zum Schluss nichs ändern.


Titel: Phobia
Autor: Wulf Dorn
Seiten: 400
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453267336
Preis: € 19,99

Mein böses Herz (Wulf Dorn / Laura Maire)

Titel: Mein böses Herz / Verlag: cbj audio / Spielzeit: ca. 327 min (5 CDs) / Buch: Wulf Dorn / gelesen von: Laura Maire

Inhalt: Was tust du, wenn du nicht mehr weißt, was Realität ist und was Fantasie?
Seit dem Tod ihres Bruders wurde Doro von Halluzinationen verfolgt, aber eigentlich dachte sie, das in den Griff gekriegt zu haben. Doch als sie mit ihrer Mutter aufs Land zieht, scheint die neue Umgebung erneut etwas in ihr auszulösen. Stimmen verfolgen sie. Und eines Nachts sieht Doro in ihrem Garten einen Jungen: verstört, abgemagert, verzweifelt. Der Junge bittet sie um Hilfe – und ist dann verschwunden. Wenig später erfährt Doro, dass er schon vor ihrer Begegnung Selbstmord begangen hat. Doro kann nicht glauben, dass sie sich den Jungen nur eingebildet hat. Doch die Suche nach der Wahrheit wird schnell zum Albtraum. Und tief in Doros Seele lauert ein dunkles Geheimnis …


Ein Psychothriller für Jugendliche? Nein, wie “Mein böses Herz” beweist, ist das keineswegs ein Widerspruch. Denn auch wenn Wulf Dorn hier eine Jugendliche in den Mittelpunkt stellt, nämlich Doro, so kann er ansonsten offenbar nicht aus seiner Haut. Und das ist gut so! “Mein böses Herz” ist eine Geschichte, die einen einfach nicht mehr loslässt. Mit Doro wird man schnell warm und es fällt leicht, sich in sie einzufühlen wie sie sich bemüht, ihre Vergangenheit in den Griff zu bekommen. Umso erschreckender ist es, wenn man -an sich von ihrer Glaubhaftigkeit überzeugt- plötzlich doch zu zweifeln beginnt. Gemeinsam mit ihr und ihren Freunden begibt man sich auf die Suche nach der Wahrheit, und die führt einen in so manche finstere Ecke. In der Wirklichkeit, sowie in Doros Seele. In beiden Fällen gibt es slch düstere Geheimnisse zu entdecken, dass diese Passagen tatsächlich das Zeug dazu haben, einem das Einschlafen zu erschweren. Mir jedenfalls war die Dunkelheit abends nicht ganz geheuer. Wie leicht man doch bei gewissen Urängsten zu packen ist. Wenn einer Geschichte das gelingt, dann ist sie einfach gut. Lediglich das Ende, die Auflösung, hätte gerne etwas komplexer ausfallen dürfen. Da merkt man dann doch, dass es eine Geschichte für jüngere Hörer / Leser ist, wie ich finde.

Laura Maire hat mir für “Mein böses Herz” prima gefallen. Mit ihrer jungen Stimme passt sie sehr gut zu Doro. Zudem gelingt es ihr, Doros Stimmungen gut rüberzubringen. Das stetige Schwanken zwischen Hoffen, Wut und Verzweiflung. Und obwohl ihre Stimme während der erzählenden Passagen meist recht ruhig und sanft ist, so sorgt sie trotzdem für manche Gänsehaut.

Das Coverbild wurde vom Buch übernommen. Was es mit diesem fingegeschriebenen Schriftzug in der Feuchtigkeit auf sich hat, versteht man allerdings erst, wenn man die Geschichte gehört hat. Da es einer Schlüsselszene entstammt, finde ich es gut gewählt. Mit dem kräftigen Rot ist das Cover auch sonst sehr augenfällig.

Fazit: Ein spannender und teilweise auch gruseliger Psychothriller, der einen bis zum Ende gekonnt immer wieder an der Nase herumführt. “Mein böses Herz” braucht sich eindeutig nicht hinter den “erwachsenen” Genrevertretern verstecken.

Rezension – Mein böses Herz (Wulf Dorn)

Was tust du, wenn du nicht mehr weißt, was Realität ist und was Fantasie?
Seit dem Tod ihres Bruders wurde Doro von Halluzinationen verfolgt, aber eigentlich dachte sie, das in den Griff gekriegt zu haben. Doch als sie mit ihrer Mutter aufs Land zieht, scheint die neue Umgebung erneut etwas in ihr auszulösen. Stimmen verfolgen sie. Und eines Nachts sieht Doro in ihrem Garten einen Jungen: verstört, abgemagert, verzweifelt. Der Junge bittet sie um Hilfe – und ist dann verschwunden. Wenig später erfährt Doro, dass er schon vor ihrer Begegnung Selbstmord begangen hat. Doro kann nicht glauben, dass sie sich den Jungen nur eingebildet hat. Doch die Suche nach der Wahrheit wird schnell zum Albtraum. Und tief in Doros Seele lauert ein dunkles Geheimnis …

Da ich alle bisher erschienenen Bücher von Wulf Dorn gelesen und sehr gut gefunden habe, kam ich natürlich auch an seinem ersten Jugendbuch unmöglich vorbei. Wobei ich mir schon ein wenig Sorgen gemacht hatte, denn ich glaube, ich wäre zutiefst enttäuscht gewesen, wenn er mit diesem Buch seine gewohnten Pfade verlassen hätte.
Aber wie es scheint, kann Wulf Dorn da nicht aus seiner Haut, und das ist auch gut so! Ich behaupte sogar, dass “Mein böses Herz” durchaus auch für erwachsene Psychothriller-Fans ein Vergnügen sein wird. Denn an so mancher Stelle im Buch habe ich mir wirklich gedacht, dass das für ein Jugendbuch schon sehr gewagt ist.
Die Geschichte hatte mich jedenfalls innerhalb der ersten beiden Seiten am Haken und am liebsten hätte ich das Buch nicht aus der Hand gelegt ehe es ausgelesen gewesen wäre. Aber ich habe mich beherrscht und diesen Genuss “portioniert”. Allerdings auch nur in zwei “Häppchen”.
Wie gesagt hat es mir gefallen, dass bei dieser Geschichte kein Gang runtergeschaltet wurde. Mit langen Vorreden hält “Mein böses Herz” sich nicht auf. Schon auf den ersten Seiten liest man von Ereignissen, die einen erschrecken und auch bereits einen ersten Verdacht sähen, so unglaublich er auch erstmal erscheinen mag.
In diesem Stil geht es allerdings dann auch das ganze Buch weiter. Mehr als eine oder zwei ruhige Seiten bekommt man als Leser nicht zugestanden. Meint man gerade noch, nun kehre mal etwas Ruhe in Doros Leben ein, steht schon der nächste Schrecken in den Startlöchern. In Gestalt von Erinnerungen, Träumen, Visionen und auch mehr als einmal in Gestalt ganz realer Ereignisse…möchte man jedenfalls meinen 😉 So klar ist das aber oft gar nicht, wenn man sich Doros Krankengeschichte vor Augen hält. Die Geschichte vermischt Realität, Traum und Halluzination oft so gekonnt, dass man an dem bis eben noch für völlig real Gehaltenen bereits in dem Moment wieder zweifelt, in dem Doro es tut. Ich habe Doro trotzdem immer geglaubt. Das bleibt wohl auch gar nicht aus, wenn einem die Hauptperson so oft und eindringlich und überzeugend beteuert, dass eine Situation genau so und so war. Man wird hier wirklich durchgehend hin- und hergerissen gehalten.
Diesem Buch ist ausserdem etwas gelungen, das bisher kaum ein anderes Buch geschafft hat: ich habe mich beim Lesen in meinen eigenen vier Wänden, unter der gemütlichen, kuscheligen Decke unwohl gefühlt, und habe für jeden Weg durch die Räume sämtliche Lichter eingeschaltet. Und ich habe meinen Freund ganz schön auf Trab gehalten, weil mir der Gedanke nicht behagte, zum Schlafen das Licht auszumachen 😳
Ja, “Mein böses Herz” ist auch gruselig, und wie! Die Gestalt, in der Doro ihr böses Herz sieht, rührt an eine -möglicherweise überwiegend weibliche- Urangst. Scheußlich und beängstigend. Zudem gibt es einige Szenen, die einen schaudern lassen, und so mancher Schauplatz wird so anschaulich beschrieben in seinem unheimlichen Aussehen, dass man ihn sich viel zu gut vorstellen kann.
Man merkt es sicher, ich bin begeistert von diesem Buch. So sehr, dass ich mit dem Ende ganz gut leben kann, denn das hat mich leider nicht so überzeugt. Nach dieser spannenden und gruseligen Geschichte, die so toll mit dem Realitätsempfinden spielt, war es mir zu “einfach” in der Auflösung und auch zu schnell abgewickelt. Gerade am Ende hätte ich mir gewünscht, dass man noch mal ein wenig an der Nase herumgeführt wird, dass Fragen offen bleiben , über die man sich als Leser seine Gedanken machen kann. Vielleicht ist das dem Genre “Jugendbuch” geschuldet, dass es hier etwas arg Friede, Freude, Eierkuchen-mäßig zugeht.

Wie erwähnt: hätte ich nicht am Tag darauf arbeiten müssen, hätte ich “Mein böses Herz” sicher an einem Abend und in der darauf folgenden Nacht durchgelesen. Trotz des ganzen Verwirr-Spiels, das die Geschichte mit dem Leser betreibt, ist sie nämlich sehr gut und leicht zu lesen. Das liegt sicher auch daran, dass Doro sie in der Ich-Perspektive erzählt. Zwar stets auch mit ernsthaften Gedanken, aber doch auch jugendlich locker und modern. Zudem sind die Kapitel so kurz gehalten und enden stets so gemein, dass man sich immer wieder denkt: ach, na los, das eine noch!

So rot fällt das Buch im Ladenregal natürlich auf, und es gibt keinen Schnickschnack, der vom Titel ablenken könnte. Weshalb “Mein böses Herz” allerdings so wie geschmiert geschrieben ist und wieso im Hintergrund alles Luftblasen zu sehen sind, das versteht man erst ab einer bestimmten Stelle im Buch. Ich fand das eine sehr clevere Idee!

Fazit: Jugendliche Hauptpersonen hin oder her, mit diesem Buch machen auch erwachsene Fans von Wulf Dorn und anderen Psychothriller-Autoren sicher nichts falsch. Eine sehr spannende Geschichte, die einen stetig im Zweifel hält, was Realität und was Traum bzw Halluzination ist.  Wegen gewisser Verdächtigungen Doro gegenüber kann man sich nicht mal darüber sicher sein, dass man der Hauptperson vertrauen kann. Das ist schön gemein! Und “Mein böses Herz” ist so gruselig, dass ich nicht dazu rate, es abends bzw nachts zu lesen.
Oder?
Doch, ich rate dazu! Es lohnt sich und macht so besonders viel Spass! Angenehme Gänsehaut!

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms!


Titel: Mein böses Herz
Autor: Wulf Dorn
Seiten: 416
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570160954

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