Wunderlich

Housesitter (Andreas Winkelmann)

Er will dein Haus. Er will deine Frau. Er will dein Leben. Er ist der Housesitter.

Stell dir vor, du kommst mit deiner Freundin aus dem Urlaub in dein Haus zurück. Du merkst sofort, dass irgendetwas anders ist: Die Möbel sind verrückt. In der Küche stehen benutzte Töpfe. Die Handtücher riechen fremd.
Dann spürst du einen jähen Schmerz – und es wird Nacht um dich.
Stell dir vor, du wachst erst nach Tagen im Krankenhaus auf.
Deine Freundin ist verschwunden – entführt.
Denn da draußen ist jemand, der sich nach einem warmen Heim sehnt. Nach einer liebenden Frau. Nach deinem Leben. Und er ist zu allem entschlossen.

Seit einer ganzen Weile schon gehört Andreas Winkelmann zu den Autoren, deren Bücher ich so bald wie möglich nach Veröffentlichung kaufe und lese. Entsprechend hatte ich mich schon lange auf den “Housesitter” gefreut. Der Klappentext klang schon mal sehr vielversprechend.
Es ist ja auch eine schaurige Vorstellung: man kommt aus dem Urlaub zurück und irgendetwas im Haus hat sich verändert. Die Möbel stehen anders und an einigen Stellen sieht es tatsächlich so aus als habe in der Zwischenzeit jemand hier gewohnt. Das ist nichts, was man selber erleben möchte und es bereitet einem eine Gänsehaut. Thomas und Saskia erleben genau das. Und dann wird Thomas niedergschlagen, wird im Krankenhaus wach und erfährt, dass Saskia verschwunden ist, entführt wurde.
Ja, in der Tat, das klang soweit alles ganz nach meinem Geschmack.
Leider muss ich aber sagen, dass “Housesitter” mich dennoch nicht begeistern konnte.
Ja, die Idee des Housesitters ist cool, interessant und vielversprechend, doch die Story, der Krimi um ihn zieht sich zu großen Teilen schier unglaublich. Das fängt bei zahlreichen, für mein Empfinden unnötig langatmigen (Rück)blicken in die Gedanken und Erinnerungen des Täters an, geht weiter mit den Nachforschungen von Thomas, die sehr lange Zeit alles andere als zielführend wirken und mit Ermittlungen an zwei Stellen, die anfänglich überhaupt keinen Zusammenhang zu haben scheinen. Für mich hätte man das alles ruhig etwas kürzer fassen können, dann wäre sicher auch mehr Spannung aufgekommen. Ich habe mich durch diese Passagen aber immer wieder aus der Story, aus dem Spannungsbogen herausgerissen und davon abgelenkt gefühlt. Manches Mal musste ich mich wirklich zusammenreißen, nicht einfach mal ein paar Seiten nur quer zu lesen. Ich bin überzeugt davon, dabei wäre mir nichts Wichtiges entgangen.
Erst zum Ende hin mauserte die Geschichte dann. Plötzlich spürt man, dass die Ermittlungen auf der richtigen Fährte sind, man dem Täter ganz nahe ist und es zunehmend gefährlicher wird. Plötzlich zog dann auch das Tempo an, weshalb ich zumindest das Finale ganz gelungen fand. Solch ein Tempo, solch eine Dramatik hätte ich mir auch vorher an verschiedenen Stellen gewünscht.
Zweiter Knackpunkt waren für mich hier speziell zwei Figuren. Zunächst hätten wir da Thomas. Ich kann es nicht anders sagen, aber für mich ist er schlichtweg eine Flasche. Und das nicht nur wegen des Vorfalls am Flughafen zu Beginn der Geschichte. Da habe ich zwar auch schon den Kopf geschüttelt, aber ich dachte, er würde sich im Laufe des Geschehens schon entwickeln. Davon kann aber lange, sehr lange gar keine Rede sein. Sicher, die Story braucht vielleicht solch eine Hauptfigur um zu funktionieren, abe rman sollte doch meinen, so ein Erlebnis wie das von Saskia und ihm müsste einen Menschen verändern, wütend machen, ihn über sich hinauswachsen lassen. Doch bei Thomas? Bis fast zum Ende keine Spur davon.
Zweitens ist da Kommissar Scheurich. Ich brauche wahrlich keinen gelackten Kommissar mit vorbildlichen Manieren. Ich habe nichts gegen Ecken und Kanten bei einer Figur. Aber solch einen Widerling brauche ich beileibe auch nicht. Er hat mich im Nullkommanichts und danach durchweg vor allem total genervt mit seiner patzigen und ruppigen Art. Und wenn mich eine Figur nervt, dann lese ich ihre Kapitel auch nicht sonderlich gerne.
Mit Priska musste ich zwar auch erstmal warm werden, aber das ging wesentlich besser. Und auch die hat so ihre Macken und Eigenarten. Aber eben auf eine weitaus sympathischere Art. Außerdem hat sich spürbar Köpfchen,was ich bei Scheurich schon sehr vermisste habe. Dafür, dass er es zum Kommissar gebracht hat.

An sich ist die Geschichte nicht schwierig zu lesen. Mir fiel es trotzdem aufgrund erwähnter Längen sehr schwer, jeden Abend nach dem Buch zu greifen und ein Stück weiter zu lesen. Daran haben auch die Schauplatzwechsel und Zeitsrprünge nichts geändert. Normalerweise steigert sowas mein Lesetempo, doch inhaltlich kommt das alles hier einfach viel zu zäh daher. Richtige Kapitel gibt es nicht, mehr größere Absätze. An diesen Stellen kann man genauso leicht eine Pause einlegen wie am Ende eines Kapitels.

Das Cover gefällt mir immer noch sehr gut mit seinen leuchtenden Farben in Kombination mit dem düsteren Grau und Schwarz. Der leuchtende rote Titelschriftzug ist ein Hingucker im Thrillerregal.

Fazit:  Die Idee des Housesitters hat mir super gut gefallen und ich war mir sicher, dass die Geschichte spannend und düster sein würde. So wie ich Thriller eben mag. Doch leider zieht sich die Story teilweise wirklich unglaublich. Dadurch blieb bei mir immer wieder die Spannung auf der Strecke. Ich wurde abgelenkt durch unnötig viele Nebensächlichkeiten und fühlte mich aus dem Fall heraugerissen. Vielleicht hätte ich doch die eine oder andere Seite quer lesen sollen..? Und dann diese Flasche von Hauptfigur und dieses Ekelpaket vom Kommissar. Nichts gegen Figuren mit Ecken und Kanten, aber in diesem Maße nervte es doch sehr schnell. Schade um die gute Idee.


Titel: Housesitter
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten: 496
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805251020
Preis: € 14,99 (Broschiert)

Deathbook (Andreas Winkelmann)

deathbookAuf den Gleisen liegt ein Mädchen. Das jämmerliche Kreischen von Metall auf Metall. Ein zerstörter Körper. Unmengen an Blut. Ein Selbstmord? Die 15-jährige Kathi war Andreas Winkelmanns Lieblingsnichte. Der Thrillerautor kann nicht glauben, dass sich das lebenslustige Mädchen das Leben genommen hat, und macht sich auf die Suche nach Hinweisen. Auf ihrem Computer findet er seltsame Videos. Videos, die zeigen, dass Kathi verfolgt wurde. Die Spur führt immer tiefer ins Netz hinein, zu immer grausameren Videos. Worauf hat sich Kathi da eingelassen? Und in wessen Hände ist sie dabei geraten? Als Andreas Hinweise auf eine Webseite namens Deathbook entdeckt, ahnt er, dass Kathi ein tödliches Spiel gespielt hat – und dass sie nicht die Einzige war. Denn wer einmal in die Fänge des Deathbook geraten ist, den lässt es nicht mehr los.

Ich habe schon mehrere Bücher von Andreas Winkelmann gelesen, die mir fast alle gut gefallen haben. Daher war es klar, dass ich auch “Deathbook” lesen würde. Dafür hätte es die ungewöhnliche Werbekampagne gar nicht gebraucht. Dennoch fand ich sie wirklich gelungen. Auf Andreas’ Winkelmanns Facebook-Post über seine verstorbene Nichte bin tatsächlich für einen Moment reingefallen. Und auch die kleinen Vorab-Kapitel, die es in den Wochen vor Erscheinen des Buchs gab, haben Spass und Lust auf das Buch gemacht.
Mit Kathias Tod beginnt die Geschichte gleich ziemlich dramatisch und ich konnte Andreas Winkelmanns Verzweiflung, Wut und Unglauben gut nachvollziehen. Das ist das Besondere an diesem Buch, dass der Autor sich selber in den Mittekpunkt der Geschichte stellt. So etwas habe ich bisher noch in keinem Buch angetroffen. Es ist immer wieder schön, auf solch innovative Ideen zu treffen. Da kann man sich dann so ganz nebenbei auch noch fragen, was wohl alles von dem stimmt, was er von sich selbst erzählt.
Seine Nachforschungen um Kathis Tod fand ich wirklich spannend. Außerdem kann man schnell selber mitknobeln, was da geschehen sein könnte und wer dahinterstecken könnte. Das macht mir immer wieder Spass. Gefallen hat es mir auch, dass die Morde -in der Geschichte findet nicht nur Kathi den Tod- ganz schön grausig sind und oft detailverliebt beschrieben werden. Ein stabiler Magen ist da ab und zu von Vorteil 😉 Aber so darf ein Thriller für mich gerne sein.
Die Geschichte spielt abwechselnd an verschiedenen Orten und entsprechend bei unterschiedlichen Figuren. Dennoch bleibt sie übersichtlich, was erwähntes Mitknobeln nochmal interessanter macht. Lediglich der Teil um Ann-Christin war nicht mein Fall bzw Ann-Christin selber. Wie kann man in ihrem Alter so unselbstständig sein? Solche Figuren liegen mir nicht, auch wenn ihnen etwas Schlimmes geschehen ist.
Einen weiteren Pluspukt bekommt die Geschichte für ihr modernes Thema. Denn Winkelmanns Nachforschungen führen ihn bald ins Internet, wo sich ihm schnell ein wahrer Abgrund auftut. Ich bin absolut kein Fan davon, wenn eine Geschichte mahnend mit dem Zeigefinger wedelt, wie gefährlich das Internet und soziale Netzwerke sein können. Wer nicht total hohl in der Birne ist, der weiß das auch so. “Deathbook” erhebt nicht ein einziges Mal besagten Zeigefinger, und doch kommt die Botschaft an. Wer sich selbst auch in sozialen Netzwerken herumtreibt, der wirft auch so einen Blick auf sein Tun dort. Es geht also auch ohne Holzhammer. Schön!
Auch das hat die Geschichte für mich übrigens besonders gemacht: dass das Internet ein so zentrales Thema ist.
Leider verlegen sich Winkelmanns Ermittlungen später fast ausschließlich in die Wirklichkeit. Das ist zwar weiterhin spannend, aber für mich ging dadurch das gewisse Etwas verloren. Zurück blieb einfach ein spannender und interessanter Thriller, und das sind andere Bücher von Andreas Winkelmann eben auch. An einem recht frühen Punkt hatte ich zudem eine Ahnung, wer der Täter ist, was sich am Ende dann prompt bestätigte. Auffällig unauffällig, mehr will ich dazu hier nicht sagen.
Das Vorhaben des Mörders fand ich ganz cool. Vor allem, mitzuerleben wie er es umsetzt. Auf sowas stehe ich einfach. Ich hätte mir den Täter nur etwas ernsthafter gewünscht. Er wirkte auf mich irgendwie wie ein irrer Professor. Das habe ich als eher albern empfunden, als dass ich vor ihm geschaudert hätte.

Wie jedes Buch, das ich bisher von Andreas Winkelmann gelesen habe, ließ sich auch das “Deathbook” wunderbar leicht lesen, ohne dass das zu Lasten der Spannung geht. Die Schauplatzwechsel sorgen für Abwechslung, und so haben Längen hier keine Chance. Man braucht allerdings eine gewisse Toleranz Fehlern gegenüber. Davon gibt es einige. Rechtschreibfehler, krude Formulierungen und unnötige Wiederholungen. Das hat mich nach drei Fehlen doch geärgert.

Das Cover ist ein Hingucker mit dem blutigen Rot und der unheimlichen Maske. Das hat mir so sofort gefallen.
Gelungen ist auch die Gestaltung des Buchs an sich. Mit Bildern zu Beginn der Kapitel und beispielsweise kurzen Chatverläufen, die ebenfalls bildlich dargestellt sind. Auch in dieser Hinsicht ist “Deathbook” etwas Besonderes.

Fazit:  Die Kampagne um “Deathbook” war etwas ganz Besonderes, und auch die Geschichte beginnt so besonders, verheißungsvoll und spannend. Spannend bleibt sie bis zum Schluss, doch verlegen sich Winkelmanns Nachforschungen irgendwann vom Internet ganz in die Realität. Damit war für mich das Besondere der Story dahin. Sehr schade. Es bleibt aber immer noch ein spannender Thriller übrig. Über die Darstellung der Mörders am Ende habe ich grinsen müssen. Ich hätte sie mir ernshafter gewünscht. So konnte ich ihn nicht wirklich als bedrohlich empfinden. Und dabei hat er doch einen so wunderbar grausigen Plan…! 😉


Titel: Deathbook
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten: 448
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805250641
Preis: € 14,95 (Broschiert)

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Blinde Vögel (Ursula Poznanski)

blindevoegelZwei Tote in Salzburg. Sie stranguliert, er erschossen. Die Tat eines zurückgewiesenen Liebhabers? Aber die beiden scheinen zu Lebzeiten keinerlei Kontakt miteinander gehabt zu haben. Oder täuscht der erste Blick? Das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger ist ratlos. Aber Beatrice mag die Sache nicht auf sich beruhen lassen und verfolgt die Spuren, die die Toten im Internet hinterlassen haben. Auf Facebook wird Beatrice fündig: Beide waren dort Mitglieder in einem Forum, das sich ausgerechnet mit Lyrik befasst. Gedichte werden hier mit stimmungsvollen Fotos kombiniert und gepostet. Ganz harmlos. Ganz harmlos? Bald ahnt Beatrice, dass die Gedichte Botschaften enthalten, die nur wenige Teilnehmer verstehen. Düstere Botschaften, in denen es um Angst und Tod geht. Und dann stirbt eine der Lyrik-Liebhaberinnen.

Nachdem ich von “Fünf” so begeistert war, dass es sogar mein “Buch 2012” wurde, war ich auf den zweiten Fall für Beatrice und Florin natürlich sehr neugierig und gespannt.
Auch diesem zweiten Band ist es zunächst wieder gelungen, mich zu begeistern. Erneut wird die Ermittlungsarbeit der beiden und ihrer Kollegen sehr kleinschrittig beschrieben. So hat man stets das Gefühl, immer dabei zu sein. Bei Erfolgen genauso wie bei Rückschlägen. Das hat bei mir schnell Spannung aufgebaut.  Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil ich immer wissen wollte, was als nächstes passiert. Außerdem finde ich, kann man bei einer solch detailgenauen Erzählung gut selber mitknobeln.
Gefallen hat mir auch, dass wieder ein modernes Thema im Mittelpunkt steht. Nach Geocaching im Band zuvor, ist es hier das soziale Netzwerk Facebook. Dorthin führen die Spuren Beatrice und Florin bei ihrer Suche nach dem Mörder.
Genauer gesagt, in eine Facebook-Gruppe für Lyrikliebhaber. Ich finde es immer gut, wenn Geschichten mit der Zeit gehen und Aktuelles zum Thema haben.
Hier und da gibt es zudem Passagen, wo man -sofern man ebenfalls auf Facebook unterwegs ist- nachdenklich darüber wird, was man dort wissentlich und auch unwissentlich von sich preis gibt. Und wie wenig sicher es eigentlich ist.
Gefallen hat mir ebenso, was Beatrice und Florin in den auf Facebook eingestellten Fotos und Gedichten entdecken. Das zeugt von so einem ausgeprägten detektivischen Talent, dass man es sich zwar kaum vorstellen kann, aber mir gefiel eben die Idee dahinter. Hinweise auf einen Mord und seinen Hintergrund verpackt in mehr oder minder bekannte Gedichte, das fand ich ausgesprochen intelligent gemacht.
Als dann aber langsam herauskam, welchen Hintergrund diese Morde haben, ließ meine Begeisterung deutlich nach. Denn in diesem Zusammenhang kam mir die Idee mit den versteckten Hinweisen in den Gedichten doch allzu weit hergeholt. Kreativ, ganz zweifellos, aber eben eine gute Spur zu abgehoben. Schon mal lange, wenn man die Hintergründe am Schluss wirklich komplett kennt.
Dass ich mich für solche Themen wie das um den Hintergrund hier nicht begeistern kann, sei nur am Rande bemerkt. Mir ist das einfach zu lange her. Zu wenig aktuell, womit sich für mich ein zu krasser Gegensatz zwischen damals und der heutigen Facebook-Zeit ergab. Aber ob man sich für so lang zurückliegende Ereignisse als Anlass für diverse Morde begeistern kann, das ist natürlich Geschmackssache. Meiner ist es nicht.
Schön widerum war es zu sehen, wie sich die Charaktere von Beatrice und Florin weiterentwickeln. Und dass sich andeutet, es könnte doch mal mehr aus ihnen werden als nur Kollegen, die ganz gut befreundet sind. Gegen solche Andeutungen bin auch ich nicht immun.

Das buch liest sich weg wie nichts. Es ist leicht zu lesen und die Kapitel haben eine angenehme Länge. Lediglich bei den Gedichten kann es passieren, dass man sie mehrmals lesen muss um sie zu verstehen. Das ist bei Gedichten aber auch nur recht und billig, wie ich finde. Sie verdienen es, dass man sich ausführlicher mit ihnen befasst.

Es handelt sich um eine Reihe, und das sieht man auch dem Cover an. Erneut ist ein schwarzer Vogel und ein Zaun zu sehen. Wie ich finde ist das Cover hier deutlich düsterer ausgefallen als bei “Fünf”. Mir gefällt es sehr gut. Schon alleine wegen dem Kontrast zwischen den dunklen bis schwarzen Elementen und dem kräftigen Blaugrün.

Fazit: Ich fand “Blinde Vögel” so lange super spannend bis sich die tatsächliche Verbindung zwischen den Facebook-Einträgen und den Morden herauskristallisierte. Da sie mir ab diesem Punkt zu weit hergeholt vorkam und außerdem schlicht nicht mein Fall war, ließ meine Begeisterung und mein Interesse an der Auflösung von diesem Moment an merklich nach. Da hatte ich nach “Fünf” doch mehr erwartet!


Titel: Blinde Vögel
Autor: Ursula Poznanski
Seiten: 480
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805250450

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Wassermanns Zorn (Andreas Winkelmann)

“Manuela Sperling ist neu bei der Polizei. Gleich an ihrem ersten Tag muss sie sich mit dem grausigen Mord an einer Prostituierten befassen, deren Leiche ein­gekeilt zwischen Baumwurzeln im seichten Teil des Flusses liegt – ertränkt. Auf dem Bauch der Toten finden die Spurensicherer eine grausige Botschaft, gerichtet an Manuelas Chef, Kriminalhauptkommissar Stiffler. Manuela muss erkennen, dass ihr Eifer nicht von allen im Präsidium gern gesehen wird. Da ertrinkt erneut eine Frau, direkt vor ihren Augen. Eine unsichtbare Macht zieht sie auf den See hinaus und unter die Wasseroberfläche. Und Stiffler dreht durch.”

Dies ist mein inzwischen dritter Thriller von Andreas Winkelmann. Es scheint charakteristisch für seine Romane zu sein, dass man sich anfangs überfordert fühlt mit der Anzahl der Charaktere, den verschiedenen Schauplätzen und Problematiken. Jedenfalls ging es mir jedes Mal so. Aber inzwischen weiß ich deshalb auch, dass sich dieses Chaos lichtet sobald sich der eingentliche Fall herauskristallisiert.
So war es auch hier und ab diesem Punkt hatte mich der Fall gepackt. Es ist spannend zu verfolgen, wie er sich entwickelt und man kann gar nicht anders als mitzuknobeln, wer warum hinter den Taten steckt. Speziell, was Kommissar Stiffler selber damit zu tun hat, hat mich die ganze Zeit brennend interessiert. Aber es war ebenso spannend, die sympathische und burschikose Polizistin Manuela bei ihren Ermittlungen zu begleiten. Taxifahrer Frank, der dabei oft an ihrer Seite ist, hat mir ebenfalls gefallen. Zu einem Großteil deshalb, weil er an einer Krankheit leidet, die mich verrückterweise schon immer interessiert und fasziniert hat.
Mir hat die Story insbesondere wegen der Morde im Wasser eine Gänsehaut bereitet. Ich bin nicht gerade eine Wasserratte 😉 und habe großen Respekt vor diesem Element. Wenn ich dann so eindringlich geschilderte Szenen lese wie hier, wenn man beim Täter dabei ist, dann schaudert es mich schon ganz ordentlich. Und ich mag es, wenn ein Thriller genau das schafft.
Soweit bin ich mit “Wassermanns Zorn” also ausgesprochen zufrieden.
Es gibt allerdings jemanden, der mir die tolle Story ganz gut verleidet hat. Und das ist ausgerechnet Stiffler höchstpersönlich! Manuelas Lehrmeister und der leitende Hauptkommissar im “Wassermann”-Fall.
Mir ist schon klar, dass die Figur sicher bewusst  so angelegt wurde, aber einen solchen Unsympathen ertrage ich einfach nur schwer durch eine ganze Geschichte hindurch.
Und Schwierigkeiten im Job und in der Ehe, die deshalb in die Brüche ging, und Vorkommnisse dieser Art sind für mich auch keine Entschuldigung oder etwas, weswegen ich Nachsicht üben würde. Deswegen muss man noch lange nicht überheblich, unfair, versoffen, eigenbrötlerisch und korrupt werden.

Für “Wassermanns Zorn” habe ich mich -für meine Verhältnisse- Zeit genommen. Alleine schon um die Schilderungen des Wassermanns richtig auf mich wirken zu lassen. Es lohnt sich! Aber auch, um mich immer mal wieder von Stiffler zu erholen. Da habe ich dann häufiger mal Pause gemacht. Passagen mit ihm zogen sich für mich ganz schln in die Länge. Dagegen lasen sich die mit Manuela und Frank angenehm leicht und unterhaltsam.

Das Cover unterschiedet sich deutlich von denen der Winkelmann-Thriller, die ich bisher gelesen habe. Da gab es ziemlich weiße Cover zu sehen. Mir gefällt aber die Szenerie hier sehr gut. Ein schöner Blick über einen verlassenen und unergründlichen See und darüber das Gewitter. Das wirkt bedrohlich und passt zum Titel. Und ja, ich mag auch die grünlich-blauen Farben. Farbig mag ich immer lieber.

Fazit: Auch mein dritter Winkelmann hat mir im Großen und Ganzen gefallen. Ein spannender Thriller, der einen das Schaudern lehrt. Besonders, wenn man wie ich kein allzu großer Wasser-Fan ist. Kommissar Stiffler hat mir den Genuss allerdings doch etwas verdorben. Bei einer Person mit einem solchen Verhalten und Charakter sträubt sich mir einfach das Fell 😉

Danke an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Wassermanns Zorn
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten: 416
Verlag: Rowohlt Wunderlich
ISBN: 978-3805250375
Preis: 14,95 (Broschiert)

 

Rezension – Fünf (Ursula Poznanski)

THANKS FOR THE HUNT Du bist fündig geworden. Rätselaufgaben, deren Lösung Koordinaten sind. In Plastikbehälter verpackte Leichenteile. Zeugen, die nach der Befragung sterben. Es ist eine blutige Version des Geocaching, eine grausige Jagd, auf die sich die Salzburger Ermittlerin Beatrice Kaspary einlassen muss. Der Fall scheint unlösbar. Und plötzlich wird sie selbst zur Beute ...

Die beiden Jugendromane “Erebos” und “Saeculum” von Ursula Poznanski habe ich als Hörbuch gehört. Sie haben mir ganz gut gefallen, aber so richtig begeistern konnten sie mich leider nicht. Vielleicht weil (Online)rollenspiele nicht gerade mein Fall sind. Trotzdem war ich nach den beiden Hörbüchern weiterhin neugierig auf Bücher von Ursula Poznanski und so stand es außer Frage, dass ich mir auch “Fünf” näher ansehen würde. Alleine schon, dass es ein Thriller für Erwachsene ist, ließ mich hoffen. Hinzu kam aber noch, dass hier das Geocaching quasi die Grundlage für die Geschichte bildet. Der Täter nutzt diese “Schnitzeljagd” um sein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei zu treiben. Geocaching ist -im Gegensatz zu Rollenspielen- etwas, das mich schon länger interessiert, an das ich mich aber bislang nicht herangewagt hatte.
Ich hatte vor dem Lesen allerdings nicht erwartet, dass ich das Buch nur mit äußerster Selbstüberwindung wieder aus der Hand würde legen können. Genau so war es aber!
Die Geschichte geht von der ersten Seite an in die Vollen und daran ändert sich auch die ganzen 384 Seiten lang nichts. Der Täter hält die Polizei mächtig auf Trab und es geht kaum eine Seite dahin, auf der nicht irgendetwas Spannendes oder Interessantes geschieht.  Dabei ist die Geschichte einerseits durch das Geocaching-Prinzip außergewöhnlich (gut;)). Wer mit diesem Thema bisher nichts am Hut hatte, wird hier mittels des Falles damit bekannt gemacht. Natürlich auf verbrecherische und sehr blutige Art und Weise. Das gehört sich für einen Thriller auch so. Hat man einmal die Grundlage begriffen, macht es umso mehr Spass, der Polizei bei ihrem Ermittlungen zur Seite zu stehen. So ganz nebenbei habe ich auch Ursula Poznanski dafür bewundert, mit welcher Cleverness sie ihre Rätsel und das Gerüst des Falles erdacht hat.
Andererseits -und deshalb kann man dieses “der Polizei zur Seite stehen” durchaus wörtlich nehmen- zeichnet sich die Geschichte dadurch aus, dass man relativ wenige beschreibende Passagen antrifft. Der Großteil der Geschichte kommt in Dialogen daher. Dadurch bekommt man als Leser bestens Einblick in die Gedanken und Überlegungen der Polizisten. In den Gesprächen werden Für und Wider von Verdächtigungen abgewogen, das weitere Vorgehen durchdacht und geplant, Erkenntnisse zusammengetragen und verschiedene Wege hin zur Lösung angegangen, wieder verworfen oder weiterverfolgt und und und. Das ist so sehr dynamisch und es fällt leicht, diesen Überlegungen zu folgen und sie für sich und für seine eigenen “Ermittlungen” zu nutzen.
Zuletzt noch ein paar Worte zu den beiden Hauptcharakteren. Da ist zunächst Kommissarin Beatrice Kasypary. Soeben frisch getrennt und mächtig im Stress mit zwei Kindern und dem Job, speziell mit diesem Fall. Ich muss gestehen, mit Beatrice bin ich anfangs nicht recht warmgeworden. Sie war mir einfach zu abweisend zu den meisten anderen Personen, zu sehr Eigenbrötler statt Team-Mensch, wie es eigentlich für ihren Job von Vorteil wäre. Allerdings imponierte sie mir dann erstens durch ihre Cleverness und zweitens damit, wie sie mit ihrer privaten Situation umgeht und nicht dem Job zuliebe bei den Kindern zurücksteckt, oder den Kindern zuliebe bei ihrem Job. Eben eine starke Persönlichkeit mit Ecken und Kanten, und keine Super-Ermittlerin, die solche Fälle im Vorbeigehen aufklärt. Das macht sympathisch.
Ihr Kollege Florin war mir dagegen von Anfang an sympathisch. Denn er ist nicht nur ein sehr guter Kommissar, sondern auch jemand vom Typ “lieber Kumpel”. So jemanden mag man einfach.

Es ist jeden Abend spät geworden, aber ich hatte “Fünf” nach zwei Abenden ausgelesen. Natürlich, weil ich es unglaublich spannend fand. Aber auch weil es -wie schon erwähnt- vorwiegend in Dialogen geschrieben ist. Das liest sich leichter und flüssiger als schildernde Passagen. Man fühlt sich dadurch mehr “dabei” und das macht zusätzlich neugierig darauf, wie die Geschichte weitergehen wird.

Ich mag die Mischung aus dunklen und kräftigen Farben beim Covermotiv. Das wirkt einem Thriller angemessen düster. Ausserdem gibt das Motiv kaum etwas über die Geschichte her und das stimmt neugierig. Ganz speziell gefällt mir die Krähe 😉

Fazit:  Ich habe diese Besprechung gerade noch einmal Kontrolle gelesen und finde, sie wird meiner Begeisterung für dieses Buch nicht annähernd gerecht. Ein super spannender Thriller, der durch das Geocaching als Grundlage für den Fall sehr neuartig und erfrischend anders wirkt. Der einen durch diese “Schnitzeljagd” kontinuierlich neugierig hält und mit ihr und den Überlegungen der Polizei die ideale Möglichkeit bietet, als Leser mitzuermitteln. Und der sich durch die Dialoglastigkeit sehr flüssig lesen lässt, ohne dass einem aber dabei etwas entgeht. Auch wenn diese Rezi im Februar online geht, das Buch habe ich im Januar gelesen und es ist mein Lieblingsbuch Januar! Top!

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms!


Titel: Fünf
Autor: Ursula Poznanski
Seiten: 384
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805250313

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