X-Thriller

Dein Blick so kalt (Inge Löhnig)

blickkaltDas Praktikum in München war Lous großer Traum. Dann der Albtraum: Lous Mitpraktikantin ist eine Oberzicke, ihr Chef ein Grabscher. Dennoch gibt Lou nicht auf. Auch nicht, als sie eine unheimliche Email erhält: Ich bin immer bei dir. Mehr und mehr hat Lou das Gefühl, beobachtet zu werden, doch die Polizei nimmt ihre Angst nicht ernst. Bis Lou eines Tages verschwindet.

Es war mal wieder an der Zeit für einen Arena Thriller. Da es mir ganz besonders die X-Thriller angetan haben, fiel die Wahl auf “Dein Blick so kalt”. Diese Entscheidung habe ich zu keinem Moment bereut.
Lou gefiel mir mit ihrer selbstbewussten, direkten und mutigen Art auf Anhieb. Ich fand es toll, wie sie sich gegen ihre Eltern durchsetzt und mit Hilfe von ein paar Freunden zum Parktikum in München aufbricht.
Da nun mal nicht allem im Leben auch Gold ist, was glänzt, warten ausgerechnet beim heiß ersehnten Praktikum die ersten Probleme, und die sind von ganz besonders brisanter Art. Anfangs versucht Lou noch, damit klarzukommen, doch das entspricht nun einmal gar nicht ihrem Wesen. Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn dieses Mädel sich nicht zur Wehr gesetzt hätte. Da muss man sie für ihre Traute wirklich bewundern.
Doch noch etwas anderes wirft einen Schatten auf Lous als so toll geplante Zeit in München.
In den vergangenen Wochen wurden immer wieder Mädchen entführt und viel später ermordet aufgefunden. Wo Lou auch geht und steht, immer mal wieder wird sie durch Zeitungen etc darauf gestoßen.
Als Leser ahnt man da schnell, dass höchstwahrscheinlich auch Lou auf der Liste des Täters steht.
Tatsächlich bekommt sie bald unheimliche eMails und sie fühlt sich zunehmend beobachtet. Ich finde diese Vorstellung an sich schon schaurig. Wenn ich mir vorstelle, wie man sich fühlt, wenn man solche Nachrichten bekommt und sich in der eigenen Wohnung nicht mehr wohl und sicher fühlen kann, dann bekomme ich eine Gänsehaut. Entsprechend habe ich Lou zwar bewundert, wie sie zunächst nach logischen Erklärungen sucht, hätte sie aber immer gerne auch gewarnt, dass sie sich das alles keineswegs nur einbildet.
Für einen weiteren gehörigen Schuss Spannung sorgt natürlich die Frage, wer dahinter steckt. Es gibt einige Verdächtige Personen, zum Glück aber nicht zu viele. So behält man gut einen Überblick und kann leicht knobeln, wer der Täter sein könnte. Ich habe meinen Verdacht mehrmals geändert. Mal war ich mir total sicher, dass es nur der und der sein könne, weil es so offensichtlich ist. Dann dachte ich wieder, dass das ein Trick sein könnte. So ein Vorzeige-Täter lenkt schließlich leicht von anderen Charakteren ab, sodass es eine echte Überraschung wäre, wenn es einer der anderen wäre. Andererseits: vielleicht soll man auch wieder genau das denken, sich auf die übrigen Personen stürzen und nachher quasi gesagt zu bekommen: wärst du mal bei deinem ersten Verdacht geblieben! So ging es lange hin und her. Ich musste einfach weiterlesen um zu erfahren, ob ich richtig liege. Ich lag falsch, soviel kann ich verraten.
Was mir an diesem Thriller außerdem richtig gut gefallen hat ist, wie Lous Zeit in München rund um das Verbrechen beschrieben wird. München gehört eigentlich zu den Städten, die ich nicht unbedingt besuchen möchte. Aber hier wird die Stadt so schön anschaulich und vor allem sommerlich schön beschrieben, dass sie mich womöglich doch irgendwann mal reizen könnte. Und diese sommerlich-fröhliche und lockere Atmosphäre kommt wunderbar beim Leser an.
Zweimal habe ich mich allerdings gewundert. Lou ist doch Vegetarierin. Wieso kauft sie sich dann einmal ein Salami-Sandwich? Ein anderes Mal isst sie Scampi mit Risotto. Dem Chef zum Gefallen hin oder her, aber Risotto alleine hätte auch nicht unhöflich ausgesehen.

Obwohl das Buch mit seinen 367 Seiten durchaus stattlich ist, habe ich es an einem langen Abend ausgelesen. Einerseits ist es super spannend, andererseits aber auch so schön flüssig und lebendig geschrieben, dass die Seiten nur so dahin fliegen. Knackig kurze Kapitel trugen ihren Teil dazu bei, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ach eins noch, na gut, noch eins...ihr kennt das sicher.

Hinter den Sinn der meist so blumigen Cover der Arena Thriller werde ich wohl nicht mehr kommen. Aber durch die kräftigen Farben sind sie auf jeden Fall auffällig im Regal. Hier spielt aber auch ein herrlich blutiges Rot eine Rolle dabei. Das passt schon viel besser zu einem Thriller.

Fazit:  Ich fand “Dein Blick so kalt” super spannend und habe die ganze Zeit geknobelt, wer hinter den Entführungen stecken könnte. Das macht Spass. Außerdem fand ich Lou von Anfang an total sympathisch und habe sie sehr oft für ihren Mut und ihre direkte Art bewundert. Selbst in der brenzligsten Situation lässt sie sich nicht einfach unterkriegen. Toll! Entsprechend habe ich auch um dieses mutige Mädchen gebangt.


Titel: Dein Blick so kalt
Autor: Inge Löhnig
Seiten: 367
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401067629
Preis: € 12,99 (Broschiert)

Schneeweiss, blutrot (Susanne Mischke)

schneeweissblutrotFrüher haben Milena und ihre Clique die Regeln gemacht. Doch während eines Ausflugs in die Berge, in völliger Isolation, ohne Handys und umgeben von nichts als Schnee, kommen Geschichten ans Licht, die Milena am liebsten vergessen hätte. Schreckliche Wahrheiten nehmen ihren Platz ein. Und Milena ahnt nicht: Die Spielregeln von damals gelten längst nicht mehr.

Seit meinem Arena X-Thriller Highlight “Röslein stach” laufe ich hinter den Thrillern von Susanne Mischke her. Immer in der Hoffnung, noch einmal solch eine geniale Geschichte lesen zu dürfen.
Als dann dieser X-Thriller von ihr erschien führte kein Weg daran vorbei. Rein von Klappentext her klang die Geschichte voll nach meinem Geschmack. Ich mag spannende und gruselige Geschichten, die an einem von der Außenwelt abgeschnittenen Ort spielen, und an denen nur wenige Personen beteiligt sind. Darin steckt in meinen Augen sehr viel Potenzial
Also begann ich guter Dinge mit “Schneeweiss, blutrot”.
Große Vorreden werden nicht geschwungen. Die Idee von dem gemeinsamen Ausflug in die Berge kommt schon nach nur drei Seiten zur Sprache, und sehr bald ist die Clique unterwegs in die Schweiz. In dieser Zeit hat Gelgenheit, sich die Charaktere vertraut zu machen. Mit einigen habe ich mich sofort anfreunden können, andere waren mir etwas supekt. So richtig unsympathisch fand ich aber niemanden und es hat mir gefallen, dass die Jugendlichen so schön verschieden sind. Bei solch unterschiedlichen Charakteren würden über kurz oder lang quasi Welten aufeinanderprallen. Das konnte würde sicher zusätzlichen Zündstoff liefern.
DerSchauplatz der Geschichte hat mir ebenfalls gefallen. Eine alte Jagdhütte weit oben in den verschneiten Bergen und fernab von jeder Zivilisation. Als Winter-Hasser lief mir alleine bei der Vorstellung eine Gänsehaut über den Rücken. Außerdem fand ich das Bild, das sich mir bei der Vorstellung der Hütte vor Augen schob, ganz schön unheimlich.
Bis dahin war also alles in bester Ordnung. Leider muss ich aber sagen, dass die Geschichte ihr Potenzial nicht wirklich ausschöpft. Trotz Einsamkeit der Hütte, den schroffen Bergen und dem verschneiten Klettersteig, wollte sich bei mir dieses Gefühl der Isolation den der übrigen Welt nicht so intensiv einstellen wie ich es mir gewünscht hatte. Dafür stand der Gruppe noch immer zuviel Raum zur Verfügung. Der Wald beispielsweise, die Möglichkeit zumindest bis zum Klettersteig gehen zu können, Höhlen. Natürlich, überall lauern Gefahren was für spannende Szenen sorgt. Aber das hätte noch mehr Isolation ebenfalls geschafft. Und so sehr mir diese ominöse Truppe aus dem Ort, der Landstreicher und die Gruselgestalten gefallen haben, auch sie brachten mir zu viel Verbindung nach draußen rein.
Ähnlich ist es mit der Gruppendynamik in der Hütte. Ich fand es durchaus interessant, was man über die Kids noch so alles erfährt. Vor allem unter den gegebenen Umständen. Und es gibt mehr als eine Szene, die für Schrecken sorgen und auf manchen der “Freunde” ein bedenkliches Licht wirft. Dabei geht es dramatisch und sogar äußerst blutig zu. Trotzdem habe ich es zwischen diesen Szenen nie so empfunden als spitze sich die Situation wirklich dramatisch zu. Jedenfalls nicht für die Gruppe. Ein oder zwei der Jugendlichen geraten durchaus mal in gefährliche Situationen, aber gerade durch dieses Auseinandersplittern der Gruppe ging für mich das Gefühl verloren, dass da etwas auf sie alle lauert. Durch diese Trennung kam immer wieder “Ruhe” rein, wodurch bei mir Spannung verloren ging.
Das Ende fand ich überraschend, das hatte ich so nicht erwartet. Allerdings fand ich es ziemlich einfach gestrickt. Da hätte ich mir eine tiefgehendere Auflösung gewünscht. Eine mehr so auf der psychologischen Schiene. Klar, der Täter ist zweifelsohne krank im Kopf, aber das hätte gerne noch eindringlicher dargestellt werden dürfen.

“Schneeweiss, blutrot” liest sich gut. Die Geschichte handelt von einer Gruppe Jugendlicher und passend dazu ist der Ton recht jugendlich. Es gibt zwar längere beschreibende Passagen, die etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, aber zahlreiche Dialoge lockern das dann wieder auf. Die Kapitel sind vergleichsweise lang, aber so macht man mit jedem Kapitel zumindest einen guten Schritt in der Geschichte voran. Das hat mir so gefallen und ich denke, die Jugendlichen, an die sich das Buch in erster Linie richtet, werden damit gut klarkommen.

Passend zur Szenerie wirkt der Look des Buchs schön frostig. Die roten Beeren bilden einen tollen Kotrast dazu. Diese Kombination passt prima zum Titel.

Fazit:  Ich fand “Schneeweiss, blutrot” zwar schon spannend und das Setting gefiel mir ebenfalls sehr gut, aber ich bin überzeugt, dass man daraus noch mehr hätte machen können. Die Isolation der Gruppe und die sich zuspitzende Situation unter Jugendlichen hätte ich mir noch intensiver dargestellt gewünscht. Ein weniger einfach gestricktes Ende wäre ebenfalls nicht übel gewesen.


Titel: Schneeweiss, blutrot
Autor: Susanne Mischke
Seiten: 376
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401068459
Preis: 12,99 (Broschiert)

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